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True Love - Wahre Liebe


Autor: Leo
Rating: 16
Hauptpersonen: Bill und Tom
Nebenpersonen: Andy, Alex und Simone
Disclaimer: Tokio Hotel, sowie andere Personen, die der Wirklichkeit entsprechen, gehören nicht mir
Claimer: Die Idee gehört mir!

Summary: Tom hat es nicht leicht, denn er hat sich in seinen Zwillingsbruder verliebt. Hoffnungslos. Stumm muss er vor sich hin leiden, während Bill sich blind mit seiner Freundin trifft und nichts zu merken scheint. Umso verwunderter wird er also, da Tom sich einredet, dass er möglichst gemein sein muss, damit Bill nichts merkt... ein Fehler?




Prolog


Lieber Bill
Nein, nein, nein und nochmals nein! Mit einem kopfschütteln streicht Tom den ersten Satz, den er auf das Papier vor sich geschrieben hatte, wieder durch.
Wie hörte sich das denn bitte an? Als ob er einen Brief an seinen Opa schreiben würde;
Lieber Opa,
Wie geht es dir? Mir geht es gut. Tut mir leid aber ich kann nichts mehr schreiben, da ich noch für die Schule lernen muss….melde dich doch bitte!
Grüße, Tom!

Langweiliger gings ja wohl nicht! Er seufzt frustriert. Nein wenn er schon einen Brief an Bill, seinen einzigartigen, großartigen, fantastigen….Zwillingsbruder schreibt, dann muss es etwas besonderes sein!
Aber war es überhaupt eine gute Idee ihm einen Brief zu schreiben?
Zum einen war es ganz und gar nicht Toms Art und zum anderen….würde dann die Wahrheit rauskommen!
Tom trug dieses Wissen schon seit längerer Zeit mit sich rum. Das wissen, dass er sich in Bill, seinen Zwillingsbruder verliebt hat.
Er wollte es ihm sagen! Immer, wenn sie sich gegenüberstanden! Er hätte es ihm am liebsten ins Gesicht geschrien:
„Verdammt merkst du es nicht? Ich liebe dich, ich brauche dich!“
Nur wenn das mal so einfach wäre!
Es war eine Last für Tom, eine sehr schwere Last! Doch er konnte nicht drüber reden, mit niemandem. Er hielt sich ja bald schon selbst für wiederlich.
Durfte er das überhaupt?
Immer so ein kribbeln im Bauch haben, wenn er in Bills schokobraunen Augen sah? Durfte sein Herz schneller schlagen, sobald sie sich, wenn auch nur durch Zufall, berührten?
Tom fährt sich mit beiden Händen durchs Gesicht.
Es macht ihn fertig….
Wahre Liebe tut weh- Wenn sie nicht erwider wird!, geht es ihm durch den Kopf.
Wie zutreffend dieser Spruch doch war!
Würde es daher eigentlich irgendetwas bringen Bill diesen Brief zu schreiben? Wenn er doch sowieso keine Gefühle für Tom hatte?
Ja, er war sich ziemlich sicher! Bill fühlte nicht mehr als Geschwisterliebe für ihn!
„Es macht keinen Sinn!“, flüstert Tom leise vor sich hin. Nein, er würde sich nur blamieren und riskieren, dass Bill nichts mehr mit ihm zu tun haben will!
Tom schüttelt wie wild den Kopf um diese schreckliche Vorstellung aus seinem Kopf zu verbannen.
Das würde er nicht überleben!
Traurig und Hoffnungslos packt er den Brief wieder weg.
Bill wird es nie erfahren, und es ist besser so!

Kapitel 1

„Tom hast du meinen Kajal gesehen?!“, plärrt es aus dem Badezimmer.
„Nein, denkst du etwa ich schmink mich heimlich damit oder was?!“, kommt es genervt aus dem gegenüber liegendem Zimmer zurück.
„War doch nur ne frage!“
Verwirrt zieht Bill die Augenbrauen in die Höhe. Dann schüttelt er den Kopf. Tom benahm sich in letzter Zeit wirklich seltsam! Er war immernur schlecht drauf und zickte Bill bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Würde er es nicht besser wissen würde er meinen, Tom hätte schon seit mindestens einer Woche seine Tage, oder war nicht sogar schwanger.
Bill kramt weiter in seinem Kosmetikköfferchen herum, in der Hoffnung den verlorenen Kajal irgendwo zu finden. Doch nichts!
„Boah man wo is das Drecks-ding?“, flucht er halblaut vor sich hin. Er konnte doch wohl kaum ungeschminkt in die Schule gehen! Nicht auszudenken!
Leicht panisch blickt er auf die Uhr und bemerkte, dass er noch knapp eine halbe Stunde Zeit hat! Fast unmöglich, da er sich noch die Haare richtig stylen musste. Und dann der Kajal….
Nachdenklich kratzt Bill sich am Hinterkopf.
Dann stürmt er aus dem Badezimmer, vorbei an Tom, welcher ihm verwirrt hinterher blickt.
„Mama? Ich brauch deinen Kajal! Das ist ein Notfall!“, krakelt Bill und geht quer durch das Elternschlafzimmer in dessen Bad.
„Ach Bill, wenn ich dir einmal was ausleihe bekomm ich es eh nicht wieder!“, ruft seine Mutter aus der Küche.
„Doch doch!“, meint Bill nur zertstreut und durchsucht das Bad nach dem nächstbesten Kajal.
Tom, schon fertig gestylt, kommt von hinten heran und sieht seinem Bruder dabei zu wie er hektisch eine Schublade nach der anderen öffnet.
„Deine Probleme müsst man haben!“ Er seufzt gespielt theatralisch.
„Ach halts maul!“, knurrt Bill nur zurück.
Tom hebt die Hände. „Uh jetzt haste mich aber drangekriegt!“, sagt er gespielt ängstlich.
Bill wirft ihm einen giftigen Blick zu.
Mit einem Lachen geht Tom zurück in sein Zimmer und schließt die Tür. Von innen lehnt er sich dagegen. Das gespielt Lächeln verschwindet aus seinem Gesicht.
„Mist!“, flüstert er. Er schließt kurz seine Augen. Wieso konnte er es nicht lassen? Ständig musste er gemein zu Bill sein! Und warum? Weil er Angst hatte Bill könnte etwas mitkriegen…angst Bill würde etwas über Toms Gefühle herausfinden. Aber war das ein Grund? Hatt er somit das Recht, gemein zu seinem Zwillingsbruder zu sein? Zu seinem ein und alles?
Nein! Aber was sollte er machen? Hätte er nicht diese Schutzmauer um sein Herz gebaut, die ihn zwang gemein zu sein, würde er wahrscheinlich jedesmal kleine Herzchen in die Augen bekommen sobald er Bill ansah!
„Ist doch alles kacke!“, flucht Tom und tritt wütend gegen sein Bett.
„Aua, verdammt!“, kommt es augenblicklich wieder.
Kurz darauf geht die Tür auf und Bill steckt seinen Kopf herein. Seine Augen sind nun beide mit schwarzem Kajal umramd. „Alles okay bei dir du Lil´Gangsta?“
„Was soll schon sein?!“, faucht Tom.
Bill zuckt die Schultern. „Vielleicht hast du ja deine Wehen bekommen!“
Tom zieht eine Augenbraue in die Höhe.
„Vergiss es einfach!“, bevor er noch was sagen kann verschwindet Bill wieder ins Bad, vermutlich um sich die Haare zu machen. Obwohl das, nach Toms Meinung, ja gar nicht nötig war. Wenn sie ihm so zerstrubbelt und ungekämmt vom Kopf abstanden, sah er genauso süß aus wie immer. Nichts konnte sein schönes Engelsgleiches Gesicht entstellen!
Tom schließt wieder die Augen und sieht sofort die haselnuss braunen Augen seines Bruders vor sich.
„Ach Bill!“, flüstert er leise. „Warum muss alles so schwer sein?“
Wie zu erwarten bekommt er keine antwort.
Er geht hinüber zu seinem Bett und zieht ein Bild unter seinem Kissen hervor. Darauf zu sehen ist er, Tom, zusammen mit Bill. Das waren noch schöne Zeiten. Zeiten in denen Tom noch nicht in seinen Zwillingsbruder verliebt war!
Langsam fährt er mit einer Hand über Bills Gesicht. Tränen wollen sich in seinen Augen sammeln, doch Tom blinzelt mehrmals stark um sie zu unterdrücken.
Lange starrt er das Bild an, von Bills Anblick gefesselt.
„Ich liebe dich!“, flüstert er dann leise und haucht einen Kuss auf das Bild. Nun konnte er es nicht verhindern, dass ihm eine einsame Träne die Wange hinunter rollt.


Kapitel 2

Plötzlich wird die Tür mit einem lauten Knall aufgerissen und Tom dankt zum Himmel, dass er das Bild schon längst wieder unter sein Kopfkissen geschoben hat.
„Komm wir müssen los sonst verpassen wir den Bus!“, sagt Bill knapp und verlässt schon wieder das Zimmer.
Tom muss stark schlucken. ´Hält er es mit mir alleine in einem Zimmer nicht aus oder was?´fährt es ihm durch den Kopf doch er zwingt sich sogleich diesen Gedanken wieder zu verwerfen.
Er hatte sich zwar selber gesagt, dass er sich keine falschen Hoffnungen einbilden solle, doch wenn er alles nur negativ sieht, dann wird er wohl nie wieder ein Lachen zustande bringen.
Pessimisten sind Optimisten mit Erfahrung
Warum sich einreden Bill würde sich in seinen Zwillingsbruder verlieben?
Tom fährt sich kurz mit einer Hand durchs Gesicht, bis er sich dann erhebt und seinem Bruder hinaus folgt.
„Also viel spaß in der Schule Jungs!“, ruft Siemone als Tom die Stufen hinunter gepoltert kommt und beide ihrer Ranzen schultern.
Bill verdreht die Augen. „Mum, wir sind 14, da macht Schule keinen Spaß!“ Siemone grinst nur und Bill verlässt zusammmen mit dem wortlosen Tom das Haus. Dieser beißt sich die ganze Zeit angestrengt auf die Lippen.
´Bill darf einfach nicht merken, dass mit mir etwas nicht stimmt! Aber wenn ich ihn die ganze Zeit nur anmotze…´ Tom befindet sich einfach in einer verzwickten Lage. Er kann nichts tun! Weder Bill vergessen noch ihm seine Gefühle gestehen! Was bleibt ihm übrig?
Plötzlich stoßt Bill ihm mit dem Ellebogen locker in die Seite.
Tom erschrickt sich sodermaßen, dass er stark zusammen zuckt und beinahe noch hinfällt.
´Das wärs gewesen!´schießt es ihm durch den Kopf.
„Was ist?!“
Bill ist wiedereinmal über dir Grobheit seines Bruders verwundert. Er schaut ihn einige Sekunden unsicher an, dann überwindet er sich aber und fragt: „Tom, was ist los mit dir? Du bist in letzter Zeit so komisch! So anders, vorallem zu mir! Hab ich dir irgendwas getan?!“
Tom schaut stur geradeaus. Er zwingt sich einen Fuß vor den anderen zu setzn, was relativ schwer ist, da seine Füße sich mitlerweile so weich wie Pudding anfühlen. Es interessiert Bill…. Er macht sich Sorgen….Er fühlt sich verletzte….weil er, Tom nicht mehr normal zu ihm war, weil er gemein war! Konnt es sein…?
Augenblicklich ruft Tom sich wieder zur Ordnung. Als ob Bill sich in seinen Zwilling verlieben würde! Nein, sowas brachte anscheinend nur Tom zu stande.
Er schüttelt den Kopf.
„Was ist?!“, spricht Bill jetzt.
Tom muss stark schlucken. „Du würdest es nicht verstehen!“
„Geht’s noch knapper?!“, fragt Bill leicht gereizt. Er will es wissen, er will jetzt einfach wissen was mit Tom, seinem Zwilling, seinem zweiten ich, los ist! Er will ihm helfen, doch wenn er einfach nichts sagt! Außerdem kommt er sich verletzt vor, sobald Tom ihn nur etwas anfaucht.
Dieser blickt jetzt überrascht auf und die beiden schauen sich direkt in die Augen.
´Was für schöne Haselnussbraune Augen´fährt es beiden im selben Moment durch den Kopf.
Tom beißt sich sofort auf die Unterlippe und schaut wieder weg. Es tut ihm einfach zu weh in diese Augen zu blicken. Außerdem könnte Bill ja etwas merken…
Dieser hat nun leicht die Stirn gerunzelt. Dann schüttelt er leicht den Kopf über sich selbst. Sowas war ihm noch nie in den Sinn gekommen, wenn er Tom angesehen hat. Warum denn jetzt plötzlich.
Unauffällg schielt er zu seinem Bruder rüber. Ach wahrscheinlich nur, weil er sich selbst so vernachlässigt vorkommt!
Schweigend gehen sie weiter richtung Bushaltestelle…

Kapitel 3

Auch an der Bushaltestelle schweigen sie sich noch an.
´Besser anschweigen als ihn anfauchen!´denkt Tom. Ein Fortschritt? Wohl kaum!
Er kratzt sich nachdenklich am Kinn.
Warum müssen sie unbedingt Brüder sein? Wenn
sie nur normale Freunde wären…und Bill schwul wäre dann sähe die Sache ja ganz anders aus! Schwul sein ist nicht verboten- Inzucht schon, oder?
Allerdings wenn Bill in ihn, Tom, verliebt wäre, wäre es ihm sowas von egal ob es verboten ist! Nur
soweit müsste es erst mal kommen…. Für einen kurzen Moment hat Tom die Schwachsinnige Idee in einen Esotherikladen ( Heißt das so?xD) zu
gehen und zu fragen ob es sowas wie >Liebestränke< wirklich gab. Augenblicklich später würde er sich am liebsten selbst Ohrfeigen.
´Was hast du nur für Ideen?´, fragt er sich selbst. Die Gewissheit, dass Bill seine Liebe nicht
erwidert bringt ihn wirklich um den Verstand! Ja,
am besten er geht in die Klapse, dann muss er den wundervollen Anblick Bills auch nicht mehr ertragen. Er ist es langsam leid, immer dieses Gefühl zu haben. Sein Bauch krampft sich jedesmal schmerzhaft zusammen und es fühlt sich an, als hätte er beim Treppen hinuntersteigen eine Stufe verpasst.
Wie kann er sich nur entlieben? Von seinem Bruder?
Er ist so in Gedankenversunken, dass er
nicht bemerkt wie er von der Seite heimlich gemustert wird. Natürlich von Bill. Dieser macht
sich langsam schon Sorgen. Was hatte sein Bruder nur? Er war normal auch nicht der Typ, der ständig nachdachte und so in sich gekehrt war. Ganz zu schweigen von dem, dass er Bill ständig anfauchte.
Ist er vielleicht unglücklich verliebt? Nachdenklich kneift Bill die Augen zusammen. Wär schon möglich…. Normalerweise nutzt Tom die Mädchen ja nur aus aber wenn es ihn nun mal wirklich erwischt hat?
Bill muss stark schlucken. Aber was kann er dann dafür? Warum ist Tom so grob zu ihm? War es wirklich möglich, dass ein Mädchen sich zwischen sie drängen konnte?
Bill spürt ein ziehen im Magen.
Früher waren sie immer für den anderen da gewesen und hatten sich gegenseitig geholfen. Sie hatten keine Geheimnisse voreinander. Hatten… ja so war es früher und heute? Wieder schaute Bill seinen Bruder durchgehend an. Nun war alles anders! Aber warum?
Er will es nicht! Er will nicht, dass sich alles ändert. Das alles was sie schon zusammen erlebt haben weg ist, vergessen wird! Tom ist für ihn doch einer der wichtigsten Personen auf der Welt! Er will ihn nicht verlieren. Doch was kann Bill schon tun?
Tom kapselt sich immer mehr von ihm und allen anderen ab. Verbringt fast den ganzen Tag alleine in seinem Zimmer und denkt dort wahrscheinlich nach.
Sollte Bill ihn vielleicht einfach mal drauf ansprechen? Damit würde er dann wahrscheinlich wieder riskieren angefaucht und angemotzt zu werden, aber vielleicht wird es ja auch helfen!
Doch bevor er noch den Mund aufmachen kann hält der Bus und alle Schüler um sie herum drängeln sich an ihnen vorbei um noch einen guten Sitzplatz zu ergattern.
Auch Tom erwacht wieder aus seinen Träumereien und quetscht sich zwischen den Leuten durch. Bill ihm hinterher. Wie immer haben sie ihre gewöhlichen Stammplätze bekommen.
Etwas abgegrenzt von den anderen. Es ist kein Geheimnis das die beiden Kaulitz-twins Außenseiter sind.
´Jetzt behandeln die uns schon schlecht, was würden die erst machen wenn die erfahren würden, dass ich in Bill verliebt bin?´denkt Tom. Der Gedanke erschüttert ihn. Besser nicht dran denken…
Der Bus setzt sich in Bewegung. Tom welcher am Fenster sitzt musteter schweigend die vorbeirauschenden Bäume. Bill trommelt nervös auf seinem Oberschenkel herum.
Das wäre jetzt die passende Gelegenheit ihn zu fragen…

Kapitel 4

Doch Bill bezweifelt stark, dass er aus Tom eine halbwegs passable Antwort heraus bekommen wird. Aber er will es wissen. Er will ihm helfen. Einfach für ihn da sein!
Nun ist er es der gedankenversunken vor sich auf den Sitz start und nachdenkt, während Tom ihn von der Seite her heimlich beobachtet.
´Er sieht nicht gut aus. Ob er wohl auch Probleme hat?´, fragt er sich im stillen.
Für eine kleine Sekunde hat Tom die Wahnvorstelleungen, dass Bill auch in seinen Zwilling, also ihn,Tom, verliebt ist und es ihm vielleicht deshalb nicht so gut geht. Doch sofort setzt er diesem Unsinn wieder ein Ende. Wie kann er nur daran denken? Bill ist perfekt! Einfach nur wunderbar! Er würde nie den Fehler haben und sich in seinen Bruder verlieben. Tom muss stark schlucken.
In seinem Hals hat sich ein riesen Kloß gebildet.
Er muss es doch irgendwie schaffen von seinem Bruder loszukommen. Sich zu entlieben! Gab es nicht vielleicht irgendwo ein Buch?
Ungefähr wie Bruderliebe-Hilfe zum entlieben oder noch besser: Du liebst deinen Zwillingsbruder?-So entliebst du dich
Aber nein, natürlich will keiner dem armen Tom helfen!
Noch immer klebt sein Blick wie gebannt auf Bill. Wieder kommt dieses Gefühl in ihm hoch. Zum
einen das Kribbeln und dieses mulmige Gefühl.
Aber zum anderen auch das Verlangen Bill in den Arm zu schließen und ihn zu küssen. Wie gerne würde er das? Bill so nahe sein und seine Lippen auf seinen spüren. Nur bei der Vorstellung wird es Tom ganz komisch und eine kleine Gänsehaut läuft ihm den Rücken hinunter. Bill küssen und ihn langsam berühren….streicheln…. von ihm liebkost zu werden…seinen heißen Atem auf seiner Haut spüren…
TOM
Innerlich ringt er mit sich selbst. Diese Vorstellung
ist für ihn einfach nur unbeschreiblich toll aber andererseits hat er sich ja jeglichen Gedanken an seinen Bruder verboten. Es ist hoffnunglos! Also, soll er sich nicht so einen Schwachsinn ausdenken… Er atmet ein paar mal tief ein und aus. Okay Junge ganz ruhig…Er kreuzt die Arme vor seiner Brust und schaut nun stur aus dem Fenster, fest entschlossen, Bill nicht mehr anzusehen.
Dieser blickt nun überrascht auf, da der Bus gerade vor der Schule hält. Er ist leicht überrascht da die Fahrt so schnell zu ende ging und er Tom ja nun gar nicht mehr fragen kann.
Sein Blick schweift an Tom vorbei hinaus aus dem Fenster und bleibt an einem hübschen rothaarigem Mädchen mit stechend grünen Augen hängen. Verwirrt kneift er kurz die Augen zusammen, bis
er bemerkt, dass es Alexandra, kurz Alex, ist die da auf ihn, Bill, wartet.
Siedend heiß fällt ihm ein, dass er Tom ja noch
gar nicht erzählt hatte, das er eine neue Freundin hat, seit gestern; Alex. Bill kannte sie schon ziemlich lange aus der Schule, allerdings nur vom sehen her. Er fand sie schon immer toll. Jetzt konnte er stolz sagen, dass sie seine Freundin ist.
Wie Tom wohl darauf reagieren wird?
Er wirft seinem Bruder einen flüchtigen Blick zu
der sich nun auch wie Bill zum aussteigen bereit macht. Ob er sich freuen wird? Bill hat ja sowieso immer mehr das Gefühl das Tom ihn loswerden will. ´ Sicher freut er sich´schießt es ihm verbittert durch den Kopf. ´Dann nerv ich ihn nicht mehr sondern Alex.
Bill wird plötzlich ganz pflau im Magen doch
er ignoriert dieses Gefühl gekonnt. Nein, er will sich jetzt nich wegen Tom aufregen. Und sich schon gar nicht verletzt vorkommen! Es war seine,Toms, Entscheidung! Bill ertappt sich bei dem Gedanken, sich zu fragen was er wohl falsch gemacht hat, dass Tom ihn nun so behandelt. Er schüttelt kurz den Kopf.
Erleicht jetzt endlich aus dem stickigen Schulbus raus zu sein atmet Bill die kühle frische Morgenluft ein. Er spürt wie Tom an seiner Seite dasselbe macht.
Sie sind halt Zwillinge ob sie wollen oder nicht….
Mit einem Lächeln fällt Alex ihrem Freund in die Arme und gibt ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen. Bill legt einen Arm um sie und streichelt ihr liebevoll über die Wange.
Tom klappt erstaunt der Mund auf, als er dies sieht. Vor Schock? Er weiß es nicht…. In dem Moment setzt sein Gehirn und auch sein Herz für ein paar Sekunden einfach aus….

Kapitel 5

Tom steht einfach nur da. Unfähig auch nur einen Finger zu rühren.
´Bill hat eine Freundin? Bill hat eine Freundin?´, schießt es ihm nur immer wieder durch den Kopf. Aber so wirklich begreifen kann er es nicht. Diese Worte machen für ihn einfach keinen Sinn. Sie klingen so unwirklich.
Ihm wird nun erst so richtig bewusst wie sehr er Bill doch liebt.
Sein Magen krampft sich erst schmerzhaft zusammen doch augenblicklich später hat er wieder dieses Fall-Gefühl als wäre er aus großer Höhe irgendwo hinuntergestürzt.
´Warum?´, geht es ihm durch den Kopf. ´Warum tust du mir das an Bill? Warum verletzt du mich so? Weißt du eigentlich wie ich mich jetzt fühle?´
Ihm steigen Tränen in die Augen doch er blinzelt sooft es geht um sie wieder zu vertreiben.
Bill, sein Bill hat nun eine Freundin, die er liebt.
Er liebt sie!
´Und mich wird er nie lieben!´, schallt es augenblicklich in seinem Kopf. ´Du wusstest es doch schon! Bill verliebt sich nicht in seinen Zwillingsbruder! Er verdient jemand besseres!´
„Hey Tom alles okay?!“
Bills Stimme holt ihn wieder zurück in die Realität. Überrascht blickt er auf direkt in das besorgte Gesicht seines Bruders. Tom nickt. Vielleicht etwas zu hastig…
„Was soll schon sein?!“, versucht er so unbekümmert wie nur möglich zu sagen. Trotzdem zittert seine Stimme leicht. Sein Herz klopft wie wild. Wie immer, wenn er Bill ansah, doch dieser Anblick ist nun einfach unerträglich für Tom. Dieses Mädchen hat sich fest an seinen Bill geschmiegt und ihren Kopf an seine Schulter gelehnt. Sie mustert Tom seltsam.
Nur für diesen musternden, arroganten Blick konnte er sie hassen. Doch es ist auch ihre Art. Sie strahlt eine Energie von purer Arroganz aus und Tom mustert sie kalt.
Bill blickt verwirrt zwischen den beiden hin und her. Er hatte es doch gewusst!
„Ich mein ja nur…“, murmelt er jetzt. Tom und er blicken sich wieder in die Augen. „Weil ich dir ja nicht gesagt habe, dass ich jetzt mit Alex zusammen bin und vielleicht….naja“, wieder bricht Bill mitten im Satz ab und schaut nach unten. Es ist Tom also egal. Er, Bil, ist ihm egal! Bei diesem Gedanken wird ihm fast schlecht.
„Ne alles bestens!“, sagt Tom jetzt mit belegter Stimme. „Ich geh dann schonmal rein und lass euch alleine!“, sagt er mit einem Lächeln zu dem er sich wirklich zwingen muss, doch trotzdem sieht es mehr nach einer Grimasse aus. Er winkt Bill noch kurz zu und steuert dann mit zielstrebigen Schritten den Haupteingang der Schule an. Seine Beine fühlen sich schwer an und er zittert fast am ganzen Körper. Mist! Wie kann er nur so dumm sein? Die beiden jetzt auch noch alleine lassen...
„Tom alles okay?!“, dringt plötzlich eine undeutliche Stimme zu ihm durch.
Andy der beste Freund der Zwillinge steht vor ihm und schaut ihn besorgt an. „Du bist ja leichenblass!“, spricht er mit leicht ängstlicher Stimme. „Wollen wir vielleicht mal zur Schulärztin gehen? Ist dir schlecht?!“
Tom schüttelt nur den Kopf. „Alles bestens!“, murmelt er und zwengt sich dann an Andy vorbei. „Sorry aber ich muss kurz….auf die Toilette!“ Tom hält das jetzt nicht aus mit jemanden zu reden, und schon gar nicht mit Andy, der die beiden so gut wie fast kein anderer kennt.
Er hat Glück denn außer ihm ist gerade niemand in der versifften Jungentoilette. Tom dreht den Wasserhahn auf und spritzt sich eine Ladung eiskaltes Wasser ins Gesicht. Er zwingt sich dazu mehrmals tief durchzu atmen. Als er in den Spiegel blickt erschrickt er kurz vor sich selbst. Er sieht wirklich nicht gut aus….
´Was regst du dich so auf Junge? Es musste früher oder später so kommen! Bill ist halt nicht so gestört wie du und verliebt sich in seinen Zwilling!´, schimpft er mit sich selbst. Er zieht kurz das Gummi um seine Dreadlooks enger und richtig sein Cap wieder richtig. Er darf sich jetzt bloß nicht auffällig verhalten! Keiner durfte etwas merken….keiner durfte es wissen!
„So und jetzt gehst du da raus und verhältst dich wieder genau wie der Tom Kaulitz den alle kennen!“, spricht er zu sich selbst und setzt sein Checkergrinsen auf, das so einige Mädchenherzen schon zum schmelzen gebracht hat.
„Verhalt dich einfach wie früher! Als du noch nicht in Bill verliebt warst!“, ermahnt er sich noch und verlässt dann die Toilette.

Kapitel 6

„…nicht so gut-ach da ist er ja!“, unterbricht Andy sich mitten im Satz und deutet hinter Bill und Alex, welche sich nun beide umdrehen. Tom kommt ganz gelassen auf die drei zu geschlendert.
Bill runzelt leicht die Stirn. Auch Andy kratzt sich leicht am Hinterkopf. „Also eben war er noch ganz anders drauf!“, murmelt er, und Bill muss nicken. Natürlich war Bill nicht entgangen, dass irgendwas mit seinem Bruder nicht stimmt. Nur was ,das muss er halt nur noch rausfinden…und das wird er auch!!
Tom bleibt nun vor den dreien stehen und lächelt seelig vor sich hin.
Bill und Andy schauen noch etwas skeptisch während Alex, die sich wieder an Bill geklammert hat, gelangweilt in der Gegend herum schaut. Oh wie Tom sie doch hasst! Und das hat jetzt ganz sicher nichts damit zu tun, dass sie Bills Freundin ist! Nein, er ist sich ganz sicher, dass er sie auch nicht gemocht hätte wenn er sie einfach so kennengelernt hätte.
Tom wirft ihr einen kühlen Blick zu, den aber zum Glück keiner bemerkt. Würd ja nur zu peinlichen Fragen führen, und die Fogen will sich Tom gar nicht erst ausmalen. ´Jetzt denk an das was du eben beschlossen hast!´meldet sich plötzlich eine kleine Stimme in ihm und er wendet sich nun an Bill und Andy.
„Was ist los Jungs?!“, fragt er ganz unbekümmert. Oh ja ein guter Schauspieler ist er schon immer gewesen. Besonders wenn es darum ging ein Mädchen rum zu kriegen. Ein Grinsen huscht ihm übers Gesicht. Allerdings zweifelt er stark daran, ob Bill ihm diese Masche auch abnimmt. Bei seinem Zwilling wird es da schon schwieriger, immerhin kennen die beiden sich fast auswendig.
„Naja also, ist bei dir wirklich alles in Ordnung?!“, fragt Andy etwas zurückhaltend. Tom zieht leicht verwirrt die Augenbrauen zusammen. „Klar was soll schon sein?!“ Hat Bill ihn das nicht eben auch schon gefragt?
„Achso na dann ist ja gut!“
„Okay!“ Tom zuckt die Schultern. Ja er ist gaaanz cool. So wie immer. Und gaanz natürlich. Und er hat auch nichts zu verbergen. Völlig offen für alles.
Er kaut kurz auf seiner Unterlippe rum, bis Bills und sein Blick sich plötzlich wieder treffen, und er stark schlucken muss. Bills eine Augenbraue ist nachdenklich nach oben gezogen. Ihm ist deutlich anzumerken, dass er Tom nicht glaubt.
Nein, das tut Bill auch nicht. Er kennt Tom besser als alle anderen. Er weiß, dass er irgendetwas verheimlicht. Wiedeinmal kommt in Bill diese Leere auf. Ja, er vermisst die Zeit in der er und Tom sich noch alles gesagt haben. Und nun? Nun haben sie geheimnisse voreinander. Und wer weiß vielleicht ist mit Tom ja etwas wirklich schlimmes und er, Bill, kann ihm nicht helfen. Dabei will er das doch so gerne. Ihm helfen und für ihn da sein. Nur wie? Wenn Tom einfach nicht mit ihm redet.
!Tom, kommst du schon mit hoch in die Klasse? Ich muss noch Englisch abschreiben das hab ich nich so ganz verstanden!“, verlegen kratzt Andy sich wieder am Hinterkopf und Tom nickt nur wortlos. „Bis in der Pause, Bill!“, verabschiedet Andy sich noch und dreht sich mit Tom auf den Versen um und trotet in Richtung Klassenraum. Tom bedauerte es wirklich, dass Bill damals in eine andere Klasse versetzt wurde. Die Lehrer waren es leid, immer mit ihnen zu Disskutieren bis sie jetzt schlussendlich in unterschiedliche Klassen kamen.
Bill bemerkt den skeptischen und leicht eifersüchtigen Blick nicht, den Tom Bill und Alex noch über die Schulter zurück zuwirft. Glück für Tom….er will sich gar nicht erst ausmalen was die zwei jetzt noch machen….

Kapitel 7

„Wollen wir draußen noch etwas spazieren gehen?!“, fragt Alex ihren Freund, welcher nur gedankenverloren nickt. Es wird erst in knapp 20 Minuten zur ersten Stunde klingeln also haben die beiden noch genug Zeit für sich.
Alex kuschelt sich enger an Bill welcher den Arm fester um sie legt. Ziellos schlendern sie über das Schulgelände und reden über alles mögliche…
„Ist dein Bruder eigentlich immer so komisch drauf?!“
Bill zuckt über diese Frage leicht zusammen und mustert Alex kurz stirnrunzelnd, dann schüttelt er allerdings den Kopf.
„Nein, normalerweise ist er ganz anders. Nur in letzter Zeit benimmt er sich sehr merkwürdig!“, er seufzt kurz.
Alex sieht ihren Freund kurz mitleidig an.
„Ich weiß was du meinst, ich habe ja auch eine Schwester, allerdings ist sie 2 Jahre älter als ich, und wir sind schon ziemlich lange im Streit!“, sie schüttelt den Kopf. „Ich weiß gar nicht mehr genau warum! Ich glaube es war, weil wir beide in den selben Jungen verliebt waren!“
Bill sieht sie einen Moment perplex an. Geht es bei ihm um Tom vielleicht auch um so etwas? Unbewusst fängt er an auf seiner Unterlippe herum zu kauen. Hat Tom sich in Alex verliebt? Ach quatsch die beiden kennen sich doch erst seit heute! Bill strengt sich mächtig an, um sich vielleicht an irgendein Mädchen zu erinnern, das in letzter Zeit was mit Tom gehabt hatte oder ihm irgendeinen Grund gab, Bill zu hassen. Doch ihm fällt beim besten Willen nichts ein. In den letzten paar Wochen hatte Tom, kein Mädchen mehr gehabt. Und das ist wirklich sehr seltsam für seinen Bruder.
Bill ist schon fast auf sich selbst sauer, dass ihm einfach nichts einfällt, was sein Bruder haben könnte…
„Alles klar bei dir Schatz?!“, durchdringt plötzlich Alex´ Stimme seine Gedanken und er lächelt sie beruhigend an. „Jaja, alles in Ordnung! Ich hab nur etwas nachgedacht!“
„Achso!“, antwortet sie nur ebenfalls mit einem Grinsen. „Wir sollten langsam mal zurück gehen der Unterricht fängt in ein paar Minuten an!“, meint sie dann noch und Bil nickt zustimmend.
Zusammen, und immernoch eng umschlungen gehen sie zurück ins Schulgebäude und verabschieden sich unten in der Pausenhalle voneinander.
„Tschau Süße, bis in der Pause!“, haucht Bill leise und drückt seine Lippen kurz auf die von Alex. Diese genießt den kurzen Kuss sichtlich und streicht Bill mit einer Hand kurz sanft über die Wange. „Bis später!“, flüstert sie dann noch, dreht sich elegant um und schreitet geradezu in ihren Klassenraum. Bill blickt ihr noch kurz nach, bis er sich dann ebenfalls, in die andere Richtung, auf den Weg in seinen Klassenraum macht. Irgendwie kann er das Gefühl nicht loswerden, dass er sich richtig verliebt hat….

´So jetzt hat es geklingelt jetzt sind sie sicher nicht mehr zusammen unterwegs!´, denkt Tom nach einem prüfenden Blick auf die Uhr. Die ganze Zeit hatte er nervös auf seinem Platz gesessen und mit einem Bleistift auf seinem Tisch herum getrommelt.
´Oder sie sind schon früher auseinander, weil sie sich kurz nachdem Andy und ich weg sind getrennt haben?!´, fängt er wieder an in Tagträumen zu schwelgen. Nervös kaut er nun auf seinem Bleistift rum. ´Du wolltest doch aufhören!´, ermahnt er sich aber sofort wieder selbst. Er wird es wohl nie lernen….
Kurze Zeit später betritt der Englischlehrer den Klassenraum und Tom ist zum ersten mal froh, nun im Unterricht zu sitzen, da er so nun nicht mehr ständig an Bill denken muss….

[B]Kapitel 8[/B]

„Nein Tom, das musst du im [I]Simple Past[/I] schreiben, weil wenn du im Englischen wörtliche Rede in indirekte umwandelst musst du doch eine Zeit zurück gehen!“, flüstert Andy leise, welcher sich zu Tom rüber gebeugt hat. Dieser schüttelt jetzt leicht den Kopf und streicht den falschen Satz wieder durch.
„Du bist heute echt ziemlich merkwürdig!“
„Wieso? In Englisch war ich noch nie sehr gut!“ Tom zuckt die Schultern. Innerlich allerdings würd er sich am liebsten selbst ohrfeigen. Jetzt schleicht Bill sich sogar schon im Unterricht in seine Gedanken und die ganze Konzentration ist futsch! So viel zum Thema [I]Bill vergessen..[/I]
Er seufzt kurz leise und fängt sich somit wieder einen skeptischen Blick von Andy ein. „Keine Sorge es ist alles in Ordnung!“, sagt Tom und hebt abgwehrend die Hände, als Andy den Mund öffnet um etwas zu sagen. „Ach und wieso glaub ich dir das jetzt nicht so ganz?!“
Tom zuckt die Schultern. „Du bist halt etwas seltsam!“
Andy lacht monoton auf. „Musst [B]du[/B] grad sagen“
„So und wenn die Herren dahinten in der letzten Reihe auch endlich mal leise sind, könnten wir damit beginnen die Sätze zu vergleichen!“, schallt plötzlich die strenge Stimme des Englischlehrers durch die Klasse. Andy dreht sich sofort nach vorne um und setzte eine entschuldigende Miene auf, Tom allerdings bleibt ganz lässig sitzen und beginnt zu grinsen.
„Naja irgendwie müssen wir uns ja beschäftigen, um hier nicht vor langeweile einzuschlafen!“
„Tom, sei still!“, zischt Andy warnend zu ihm rüber.
„So Tom Kaulitz muss also wieder frech werden?!“, fragt der Lehrer mit unterdrückter Wut in der Stimme. „Vielleicht lassen die anderen sich das ja von dir gefallen, aber ich nicht!“
„Och und was wollen sie jetzt machen?!“, fragt Tom höhnisch und sein Grinsen wird hämischer.
Der Englischlehrer läuft leicht rosa an. „Raus! Sofort!“, brüllt er schon fast.
´Man das is ja fast schon zu einfach den auf die Palme zu bringen!Da macht es ja fast keinen Spaß mehr…..aber auch nur fast!´, denkt Tom und erhebt sich dann bereitwillig.
„Aber gern doch!“, strahlt er nach vorne und verlässt mit stolzierendem Schritt den Klassenraum. „Oh man!“, hört er Andy noch murmeln bevor die Tür hinter ihm zuschlägt.
Kopfschüttelnd geht Tom richtung Cafeteria. Seine Laune war gerade um einiges gestiegen. Ja, so kann er sich immer aufmuntern: Lehrer in den Wahnsinn treiben und vom Unterricht erlöst zu werden.
So kommt er dann auch wenigstens mal auf andere Gedanken.
Immernoch mit einem breiten Grinsen betrit tom die Schulcafeteria und holt sich eine Vanillemilch. Genüßlich am Strohalm schlürfend setzt er sich an einen der vielen freien Tische. Da die andern alle noch im Unterricht sitzen, ist er der einzige dort.
Tom wirft einen kuren Blick auf die Uhr und stellt fest das es noch 20 Minuten bis zu großen Pause sind.
´Doppelstunde Englisch ist doch die Hölle! Wie gut nur das ich erlöst bin!´
Er lässt seinen Blick über die vielen Tische und Stühle schweifen und verfällt mal wieder in Gedanken. ´Wie schön wäre es wenn Bill jetzt hier wäre! ´ Augenblicklich später beißt er sich schon leicht auf die Zunge. ´Nicht an ihn dneken! Nicht an ihn denken! Er ist dein Zwillingsbruder und viel zu perfekt und vollkommen als das er sich in dich verliebt!´
„Tom!“
Er schüttelt den Kopf. „Oh mein Gott jetz dreh ich noch völlig durch und hör schon seine Stimme!“, murmelt er leise vor sich hin.
„Ey das is ja geil was machst du denn hier?!“
Überrascht schaut Tom auf direkt in das Gesicht von Bill. Erschrocken zuckt er zusammen.
„Wa- …Was machts du denn hier?!“, fragt er völlug überrumpelt.
Bill lächelt ihn an.
Bei diesem strahlen könnte Tom doch glatt dahin schmelzen….

Kapitel 9

„Naja!“, grinst Bill weiter. „Ich denke mal dasselbe wie du!“
Tom schaut ihn mit großen Augen an. Was macht er nochmal hier? Hatte er hunger? Oder durst? War ihm langweilig? Wollte er hier zufällig Bill treffen?
„Ehm..!“, stottert Tom verlegen.
Die plötzliche Anwesenheit seines Zwillingsbruders, dem Grund seiner schlaflosen Nächte, brachte ihn völlig aus der Fassung.
„Alles okay bei dir?!“, fragte Bill und muss über den Blick, den Tom gerade drauf hat laut loslachen. Und doch fühlt er sich auch beunruhigt. Tom benimmt sich wieder so merkwürdig. Was ist nur los mit ihm?
“Jaja alles bestens!“, nickt Tom heftig. „Ich war nur….überrascht!“
„Aha!“ Bill runzelt ein wenig die Stirn.
Tom nickt einfach immer weiter. Ein wenig In der Hoffnung, dadurch auch wieder einen etwas klareren Kopf zu bekommen. Er muss jetzt ruhig bleiben. Er muss an dem festhalten, was er eben noch beschlossen hat. Er muss sich ganz normal verhalten.
Warum nur geht das nicht so einfach?
“Ehm!“, Bill zieht jetzt leicht eine Augenbraue in die Höhe und fragt sich, warum sein Bruder immernoch wie bescheuert nickt. „Bist du dir wirklich sicher das bei dir alles klar ist?!“
Tom nickt weiter…
Bill seufzt einmal kurz leise auf und lässt sich dann auf den Stuhl gegenüber von Tom fallen. Er schaut sein Gegenüber intensiv an. Die Augen sind der Spiegel zur Seele
Nur leider kann Bill in denen von Tom rein gar nichts lesen. Es ist als wäre dort so etwas wie eine unsichtbare Blockade, die ihn davon abhält, Toms Gefühle und Gedanken zu sehen.
Bill kreuzt nun die Arme vor der Brust, wendet seinen Blick allerdings nicht ab.
„Meinst du nicht wir sollten mal reden?!“, fragt er.
Tom, der mitlerweile aufgehört hat zu nicken schüttelt jetzt den Kopf. Ihm ist als wäre seine Kehle ausgetrocknet und er bringt einfach kein anständiges Wort über die Lippen.
´Wie peinlich´, fährt es ihm durch den Kopf. Er blamiert sich hier gerade vor Bill….aber richtig!
Dieser sieht ihn jetzt weiter wortlos an.
„Mir geht’s echt gut, mach dir keine Sorgen!“, krächzt Tom. ´Oh Gott!´schießt es ihm durch den Kopf und er räuspert sich sofort mehrmals.
Dann nimmt er einen großen Schluck von seiner Vanillemilch, die immernoch vor ihm steht.
Tom bekommt mitlerweile richtig angst. Bill weiß, dass mit ihm etwas nicht stimmt… wenn er ihn jetzt die ganze Zeit weiter ausfrägt und…
Aber er will Bill auch nicht mit seinen Problemen belasten. Bill soll sich keine Sorgen machen, es soll ihm gut gehen! Bill hat sicher auch seine eigenen Probleme und da will Tom ihn nicht unnötig nerven…außerdem würde er ihn eh widerlich und abstoßend finden, wenn er wüsste, dass Tom ihn wirklich liebt…
Bill schüttelt jetzt den Kopf. „Tom, ich glaub dir das nicht! Auch Andy ist aufgefallen das du dich in letzter Zeit seltsam benimmst! Bitte, rede mit mir! Wir sind Zwillinge! Du weißt doch, dass du mir alles anvertrauen kannst! Ich versteh dich doch! Bitte, Tom!“
Sieht er da Tränen in seinen Augen? Tom blinzelt mehrmals stark, ist dann aber der Meinung, sich das nur eingebildet zu haben.
„Bill, es tut mir leid aber ich kann mit dir nicht darüber reden!“, traurig schüttelt er wieder den Kopf.
Aha, nun ist Bill sich ganz sicher. Irgendetwas belastet seinen Bruder. Etwas das ihn schwer zu schaffen macht. Und er wird es noch rausfinden! Und dann wird er alles tun um Tom zu helfen!

Kapitel 10

„Tom, ich will-“, fängt Bill an doch er wird von seinem Zwilling unterbrochen, der abwehrend die Hände hebt.
„Bitte, Bill! Lass es einfach gut sein!“ Er blickt seinen Bruder mit trüben und glasigen Blick an.
Bill schließt seinen Mund wieder, da er merkt, das mit Tom so nicht mehr zu reden ist. Er würde ihm doch nicht antworten. Und einen Streit will er nicht riskieren. Bill ist froh, dass sie sich jetzt wenigstens einigermaßen verstanden und Tom nicht so groß rum zickte.
Schweigend sitzen sie nun da. Keiner der beiden traut sich etwas zu sagen. Bill, weil er Tom nicht wütend machen will und angst hat das Falsche zu sagen. Er will ihm ja nur helfen, will das es ihm gut geht. Verdammt, wenn er doch nur wüsste was er hat…
Tom hingegen getraut sich nichts zu sagen, da er Angst hat sich wieder zu blamieren. Sobald Bill in der Nähe ist, wird er immer ganz nervös. Hat sich fast selbst nicht mehr unter kontrolle.
Vorsichtig schaut er in Bills Richtung, welcher den Blick gesenkt.
Mit zitternden Fingern fährt Tom sich nervös durch die Dreads. Was soll er denn machen?
Er will nicht, dass Bill jetzt deshalb sauer oder gekränkt ist. Doch er kann und will es ihm nicht sagen.
Zu groß war die Angst, vor einer Abfuhr. Ihm wurde schon bei dem Gedanken an Bills angeekeltes Gesicht schlecht. Er würde so reagieren, da war sich Tom ganz sicher. Er würde angeekelt weg schauen und Tom missachten. Schließlich war es nicht gerade normal, so für seinen Zwillingbruder zu fühlen.
Tom wendet nun den Blick von Bill ab und schaut aus dem Fenster. Es tut ihm zu weh…wenn er sich nur vorstellt wie vor weniger Zeit noch Alex neben ihm stand. Eng an ihn geschmiegt. Wie sie seine Lippen küsste….das tat was Tom gerne tun würde. Wofür er fast alles geben würde, nur um dieses wundervolle Gefühl einmal zu spüren…nur ein einziges mal…
Gedankenverloren wandert sein Blick über den leeren Schulhof. Er war so leer, wie er sich im inneren fühlte…
Bill hat den Kopf immernoch gesenkt. Er schaut auf seine Hände, mit den schwarz lackierten Fingernägeln, die regungslos auf seinem Oberschenkel liegen. Wie kann er Tom nur helfen? Wie kann er es, ohne dabei zu wissen was ihn eigentlich bedrückt? Wie?
Wenn er ihm helfen würde, dann wäre alles wieder so wie früher. Tom wäre wieder ganz normal und nicht so abweisend! Er würde wieder mehr lachen und Mädchen aufreißen…
Diese Stille die nun zwischen ihnen liegt belastet Bill.
Was war da nur zwischen ihnen geschehen? Was war passiert? Hatte Tom sich so verändert? Oder lag es an ihm, Bill? Hatte er irgendetwas falsch gemacht? Sich falsch benommen? Etwas falsches gesagt?
Wie oft fragt er sich das in letzter Zeit? Viel zu oft…
Doch er liebt seinen Bruder wirklich sehr, (a.d.A: also der meint das jetzt als Geschwisterliebe ne? xD sonst wärs ja zu einfach *gähn* lol^^) und will das es ihm wieder besser geht. Tom hatte früher immer viel Spaß gehabt. Zusammen hatten sie immer viel spaß. Doch Tom redet ja nicht. Gibt er das alles somit auf? Will er vielleicht gar nicht das es wieder so wird wie früher?
Nachdenklich kaut Bill auf seiner Unterlippe herum. Was soll er bloß tun?
Er schaut auf, direkt in das Gesicht von Tom. Ihn, wegen dem er keine ruhige Minute mehr hat. Zu viele Sorgen macht er sich um ihn..
Tom merkt das Bill ihn beobachtet und wendet seinen Blick vom Fenster ab. Stumm sehen sie sich an.
´Bill, ich liebe dich!´, denkt Tom. Früher hatten die Zwillinge oft die gleichen Gedanken. Sie wussten was der andere dachte. Doch in diesem Fall ist es leider nicht so. Bill zeigt keine Reaktion. Merkt nicht, was Tom ihm durch Gedanken mitteilen will.
Plötzlich klingelt es zur Pause und beide zucken erschrocken zusammen....
___

Kapitel 11

„Also ehm…naja ich muss dann mal!“, sagt Bill mit leiser Stimme und schaut seinem Bruder weiter in die Augen.
Tom muss stark schlucken.
„W-warum? Wohin willst du denn?!“, fragt er auch wenn er glaubt die Anwtort schon zu kennen….
„Alex!“, meint sein Bruder nur knapp und herhebt sich dann.
Für ein paar Sekunden bleibt er noch unschlüssig stehen, doch dann reißt er sich vom Anblick Toms los und dreht sich um.
Es ist schon schwer für ihn Tom jetzt einfach so sitzen zu lassen, doch die Stille zwischen ihnen bringt doch nun sowieso nichts. Tom ist jetzt nicht bereit zu reden, also wäre es sinlos wenn Bill jetzt weiter hier sitzen bleiben würde. Abgesehen davon ist er nun eh mit Alex verabredet und warten lassen will er sie nun wirklich nicht.
Irgendwann wird Tom schin bereit sein zu reden und bis dahin wird Bill einfach versuchen etwas für ihn da zu sein, und sich um ihn zu kümmern. Am besten Nachmittags, wenn sie mal ungestört zu Hause sind. Er musst ihm zeigen, dass er Bill vertrauen kann….denn das kann er wirklich!!
Tom blickt ihm noch eine weile hinterher, auch wenn Bill schon längst um die nächste Ecke verschwunden ist.
Je mehr Zeit verstreicht und je näher Bill seiner Alex kommt desto größer wir die Leere in Tom.
Es tut ihm weh zu wissen, dass Bill verliebt ist und womöglich dasselbe fühlt, wie Tom. Nur leider für ein Mädchen…ein Mädchen, das Gegenteil von Tom, schließlich ist er ja ein Junge. Er kann nes Bill undmöglich sagen…auch wenn er ihm noch so vertrauen kann! Er würde ihn nur auslachen, nein verachten und niedermachen würde er ihn! Und das darf er nicht riskieren! So kann er seinem Bruder wenigstens noch nahe sein, andererseits würde Bill ihm womöglich mir Absicht aus dem Weg gehen, weil er so angeekelt wäre…
Wiederinemal liesen ihm diese Gedanken einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen. Zu schrecklich…
„Ach hey, hier steckst du! Ich such dich schon überall!“, lässt sich plötzlich Andy auf den nun leeren Stuhl von Bill fallen. Er hat ein leicht schifes Lächeln auf den Lippen. „Die Aktion in englisch war ja echt mal voll hart!“
Tom zuckt die Schultern. „Immerhin war ich vom Unterricht erlöst während du noch im stickigen Klassenzimmer saßt und Sätze verglichen hast!“, er zwingt sich zu Grinsen, auch wenn ihm im Moment mal so gar nicht danach zu mute ist. „Tja dafür hast du jetz ne menge ärger am hals!“, kommt es wieder von der gegenseite. Tom zieht ungläubig die Augenbrauen in die Höhe. „Ach und wieso?!“
„Naja, weil der Heep jetzt deine Mutter anrufen will!“ Tom lässt nur einen höhnischen laut von sich hören; Englischlehrer sind doch echt das letzte!
„Na und soll er doch! Meine Mutter sagt schon nix! Die is sowas von mir schon gewöhnt!“, Tom macht eine lässige Handbewegung so als ob er eine lästige Fliege verscheuchen wolle.
„Ach echt? Na dann hast du ja nichts zu befürchten!“, der ironische Unterton idn Andys stimme ist nicht zu verkennen.
Tom wird leicht wütend. „Ach komm ey du hast doch keien Ahnung! Is mir doch egal, was der scheiß lehrer macht!! Ich hab im Moment ganz andere Sorgen!“ Er springt auf und stößt seinen Stuhl dabei um. Andy schaut ihn nur mit offenem mund an. „Was is los mit dir? Du rastest doch sonst nicht so schnell aus!“
„Ach lass mich!“, faucht Tom und dreht ihm dann entschieden den Rücken zu. „Du hast so gar keine ahnung weißt du das?!“, dann stolziert er aus der Cafeteria ohne den völlig verdutzten Andy noch eines Blickes zu würdigen…

Kapitel 12

Ziellos läuft Tom übers Schulgelände. Er schlendert nicht wie immer cool und gelassen durch die Gegend sondern hat die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, die Schultern leicht angezogen und einen steifen Gang drauf.
Jeder, der es nun noch nicht bemerkt hatte, kann nun sehen, dass etwas mit Tom Kaulitz nicht stimmt. Allein schon die Art, wie er sich nachdenklich auf der Unterlippe herum kaut und die Augen leicht zusammen genkiffen hat.
Seine Gedanken wandern wie schon so oft in letzter Zeit zu seinem Bruder. ´Ich liebe ihn nicht!´, sagt er sich selbst in Gedanken. ´Ich liebe ihn nicht…´, Er schüttelt den Kopf um dies noch zu bestärken. ´Ich liebe ihn nicht!´
Unwillkürlich muss er stark schlucken und senkt dann wieder den Kopf. ´Vielleicht werde ich meine Lügen ja irgendwann selber mal glauben!´
Nur leider, und genau das ist das Problem, kann er sich selbst nicht belügen. Vielleicht kann Tom, Bill und den anderen etwas vormachen und so tun als ob alles in Ordnung mit ihm ist, aber bei sich selbst geht das nicht…. Auch wenn er sich am liebsten einreden würde, dass es nur an den Hormonen oder sonst was liegt und er für Bill keine weiteren Gefühle hat.
Traurig blickt Tom auf und blickt in den leicht bewölkten Himmel.
Aber er spürt es. Er spürt es ganz deutlich. Es ist nicht einfach nur so eine Phase in der er sich seiner Gefühle mal kurz nicht sicher ist, nein, dass ist liebe!
Das Gefühl, was er bei all den Mädchen mit denen er aus war nie hatte! Das kann ihm nur sein ein und alles, sein Bruder, sein Zwilling, sein Seelenverwanter; Bill, geben.
Und wenn er es Bill vielleicht doch erzählen würde? Wer weiß vielleicht geht es ihm ja genauso wie Tom? „Quatsch, sei nicht dumm!“, knurrt er zu sich selbst. „Warum sonst wäre er mit Alex zusammen?!“
Bei dem Gedanken an dieses Mädchen ziehen sich seine Eingeweide schmerzhaft zusammen und er verspürt wieder die heiße Eifersucht in sich aufflammen. Wie diese Alex ihn schon angesehen hatte, richtig provuzierend! Als würde sie es auf einen Kampf anlegen und der gewinner würde Bill bekommen….
Unwillkürlich muss Tom grinsen. „Na wenn es nur das ist!“ Langsam bekommt er das gefühl, dass er sie nicht mehr alle hat. Wurde er noch verrückt wegen der Sehnsucht nach Bill?
Aber diese Alex, macht sich einfach so an seinen Bill ran…so hat er es noch gar nicht gesehen vielleicht hat Bill ja auch kein interesse? Nachdenklich wiegt Tom den Kopf hin und her. Nein! Bill würde nur was mit einem Mädchen anfangen wenn er sie wirklich mag…. „Also Alex, du hast mir den Krieg erklärt, möge der ebsser geinnen!“, wieder ziert ein Lächeln seine Lippen und der Gedanke, dass er Bill vergessen will, ist längst wieder verworfen.

Bill und Alex laufen währenddessen Hand in Hand draußen über das Schulgelände und können es einfach nicht unterlassen alle paar Meter stehen zu bleiben, sich tief in die Augen zu blicken und sich zu küssen.
Normalerweise ist Bill ja nicht so, aber Alex bringt ihn einfach um den verstand, und er hat das Gefühl sie schon ewig zu kennen und schon sein ganzes Leben mit ihr zusammen zu sein.
„Hey is das da vorne nicht dein Bruder?!“, fragt Alex plötzlich und deutet mit dem Finger auf eine Gestalt die wenige Meter vor ihnen steht und mit einem Grinsen hinauf in den Himmel starrt.
„Oh, ja das is Tom!“, antwortet Bill mit einem leicht schiefen Blick.

Kapitel 13

„Was steht der denn so dumm in der Gegend rum?!“ Alex blickt stirnrunzelnt zu Tom rüber, Bill allerdings schaut nun sie an.
Was hat Alex denn plötzlich für einen Ton drauf? So kalt und abweisend…ganz ungewohnt.
In Bill kommt der leise verdacht auf, dass seine Freundin Tom nicht besonders gut leiden kann. Nur warum?
Alex merkt, dass sie von der Seite scharf gemustert wird und meint plötzlich: „Ich meine ehm sieht doch schon bissschen doof aus so in der Gegend zu stehen und in den Himmel zu schauen?!“
„Mhm!“, Bill neigt nur leicht den Kopf zu Seite. Was hat sie nur? Bill ist das ein ziemliches Rätsel. Ihm war schon vor Schulbeginn aufgefallen, dass Alex, Tom kalte Blicke zugeworfen hatte doch hatte er dem dann nicht viel bedeutung zu getan. Doch jetzt….vielleicht mag sie seinen Bruder ja wirklich nicht? Nur, was er ihr getan? Sie kennen sich doch nicht, oder?
Alex schaut ihren stummen und, sie immernoch anstarrenden Freund an.
„Was ist denn jetz los mit dir?“, fragt sie. „Komm wir gehen mal weiter, die Pause ist doch eh gleich vorbei!“
„Ja aber lass uns zu Tom gehen!“, spricht Bill dagegen.
Alex öffnet gerade den Mund, um dem zu widersprechen, als sie die leicht misstrauische Miene ihres Freunds bemerkt und ihn wieder schließt.
Bloß keinen Streit aufkommen lassen…
Alex nickt nur knapp und Bill dreht sich um. Während er auf Tom zugeht, blickt dieser auf und schaut direkt in das Gesicht von ihm. In dieses schokoladigbraune, was Bills Augen so besonders machen.
Leicht verunsichert steht Tom nun da und fragt sich, was Bill jetzt will. Alex kommt ein paar Schritte hinter Bill ebenfalls auf ihn zu.
Was wollen die denn jetzt? Keine Lust mehr auf Turteln? In Tom macht sich wieder ein seltsames Gefühl breit, dass er sofort als eifersucht idendifizieren kann.
Wenn er sie nur schon zusammen sieht. Wie diese Alex seinen Bill, [I]seinen Bruder, seinen Zwilling allein immerschon anschaut. Wie sie ihn anhimmelt. Wohingegen sie Tom immernur wie ein ekliges Insekt anschaut.
´Mit Mädchen kann man doch nichts anfangen!´schießt es ihm leicht wütend durch den Kopf. ´Ich brauche nur dich….Bill`
„Hey Tom na was machst du so?!“, fragt Bill mit fröhlicher Stimme und lächelt seinen Bruder an. Tom ist leicht verunsichert. „Ehm…nix besonderes….!“ Was ist denn mit dem los?
´Wenn der denkt, dass ich ihm sage wa smit mir los ist, nur weil er so freundlich zu mir ist kann er das vergessen!´, geht es ihm durch den Kopf.
Aber darauf hat es Bil gar nicht abgesehn. Er will Alex deutlich machen, dass Tom einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben ist und wenn seine Freundin das nicht einsieht, konnte sie eine Beziehung vergessen! Aber naja vielleicht mag Alex Tom ja auch…nur sie kann es möglicherweise nicht so ganz zeigen?
Tom schaut die beiden, Bill und Alex, nur stumm an. Er hat keine Ahnung was sie nun wollen. Er kann sich eher vorstellen, dass sie alleine sein wollen.
Er ist ziemlich verwirrrt, weil er jetz nicht weiß, was er davon halten soll. Trotzdem steigt eine angenehme Wärme in ihm auf. Bill steht ihm direkt gegenüber. Vielleicht ein halber Meter trennt sie voneinander…´Ein halber Meter zu viel!´schießt es Tom durch den Kopf.
Bill öffnet jetz gerade den Mund um etwas zu sagen als plötzlich der Dong ertönt und somit das ende der Pause verkündet.

[B]Kapitel 14[/B]

Irgendwie fühlt Tom sich erleichtert. Froh, nun von Bill und Alex weg zu können. [I]Seiner[/I] Freundin….
„Also ich muss dann! Wir ham jetzt Französisch und da darf ich nich zu spät kommen!“, reimt er sich zusammen und hebt zum Abschied kurz die Hand. Sorgfältig darauf bedacht niemandem in die Augen zu schauen dreht er sich um und schreitet davon.
Erleichterung keimt in ihm auf. Es ist ja schon schwer genug für Tom mit Bill alleine zu sein, und seine ganzen Gefühle zurückzuhalten, doch so, [I]mit Alex[/I] ist es die reinste Folter!!
Bill blickt seinem Bruder nach. Wieder ist da dieses Gefühl. Er kommt sich nun irgendwie allein gelassen vor, wobei ja eigentlich klar ist, dass Tom in die andere Richtung muss-zu seinem Klassenraum. Und doch wäre Bill jetzt noch gerne bei ihm geblieben.
Hätte gerne mit ihm geredet…
„Komm Schatz, wir müssen jetzt auch los!“, Ein kleines Lächeln ziert Alex´ Lippen aber Bill bringt nur ein Nicken zustande.
Wie mechanisch greift er nach ihrer Hand und sie gehen zurück, richtung Schulgebäude.
Was ist nur mit Tom los??

„Bonjour!“, begrüßt die kleine und etwas rundliche Französischlehrerin Fantone-Noll die Klasse.
„Salut!“ „Bonjour!“ „Moie!“ „Tag!“
Kommt einzelnes Gemurmel der Klasse zurück, was sich stumpf und langweilig anhört.
Tom sagt erst überhaupt nichts sondern kramt einfach nur in seinem Rucksack rum und befördert seinen mp3Player ans Tageslicht.
Die Französischlehrerin ist schon immer für ihre gutmütigkeit bekannt und erlaubt so ziemlich alles…solang es was mit der Schule zu tun hat. Als Tom letztens eine Zeitschrift gelesen hat, hatte sie ihm diese nur abgenommen und gemeint: „Nein so geht das nicht! Meinetwegen kannst du die Englisch Hausaufgaben abschreiben, aber sowas nicht!“
Naja aber stören tut das natürlich niemanden!
Während Samy Deluxe laut in Toms Ohren dröhnt beobachtet er seine Mitschüler dabei, wie sie ihr Buch aufschlagen und sich über den darin geschriebenen Text beugen. Er tut es ihnen nach, doch konzentriert sich weiterhin nur auf seine Musik.
Er schaut mich glasigen Augen aufs Buch und erweckt somit den Anschein aufzupassen, obwohl das eigentlich auch nicht nötig ist: Musik hören ist auch erlaubt!
Andy, welcher neben Tom sitzt, hat ihn bisher noch keines Blickes gewürdigt. Tom fragt sich, ob er wohl eingschnappt ist wegen vorhin in der Cafeteria. So wie es aussieht schon.
Aber der wird sich schon wieder beruhigen! Tom wirft ihm noch einen kurzen Seitenblick zu und richtig seinen Blick wieder aufs Buch.
Ungewollt wandern seine Gedanken wieder zu seinem Zwilling. Bill.
Langsam schüttelt Tom den Kopf. Er hätte [B]nie[/B] gedacht, dass IHM mal so etwas passieren würde! Ihm, dem großen Weiberheld! Tom Kaulitz, der so ziemlich mit jedem Mädchen aus war, dass halbwegs gut aussieht!
Warum gerade ihm? Kann sich nicht jemand anderes in Bill verlieben? Warum er?
Langsam sieht er ein, dass er sich nicht selbs belügen kann. Er kann nichts tun. Er kann Bill auch nicht vergessen. Wie auch, wenn er ihn jeden Tag sieht? Aber sagen kann er es nicht. Das ist ausgeschlossen! Vollkommen ausgeschlossen!
Zum wiederholten mal stellt er sich vor, wie Bill bei dieser Beichte der mund aufklappt und dann die Überraschung sich in Ekel verändert. Er würde ihn angewidert anschauen und nichts mehr mit Tom zu tun haben wollen.
Verdammt! Was soll er tun? Was?
Ob er jemals wieder aus dieser Zwickmühle heraus finden wird?

Kapitel 15

Da Tom die Musik so laut an hat, hört er den Dong gar nicht. Erst als seine Mitschüler ihren Frnzösischkram einpacken und im Klassenzimmer umher laufen, fällt ihm auf, dass die Stunde beendet ist.
Seufzend packt er seinen MP3Player wieder weg. Er hätte nichts dagegen noch eine Stunde Französisch zu haben.
Da muss er nicht aufpassen und kann seinen Gedanken nachhängen die, wie soll es auch anders sein, immer nur zu Bill schweifen.
Auf Unterricht kann er sich ja mal so gar nicht konzentrieren obwohl er es eigentlich nötig hat. Mehr als nötig. Seit der Erkenntnis, dass er Bill liebt, ist er in der Schule masiv abgerutscht. Tom macht das ja nichts aus, nur leider sieht seine Mutter das ganz anders.
Er schließt kurz die Augen und fährt sich mit einer Hand übers Gesicht.
Er kommt sich hilflos vor. Er kann ja auch nichts daran ändern, dass die Probleme mit Bill ihn so belasten…außerdem ist die Schule da noch sein geringstes Problem.
„Was haben wir denn jetzt?!“, fragte Tom, Andy, der immernoch neben ihm sitzt und den Kopf in die Hände gestützt hat. Ihm ist völlig entfallen, dass sie ja sozusagen im Streit sind.
„Deutsch!“, knurrt Andy zu ihm rüber.
Tom stöhnt genervt auf. „Hatten wir Hausaufgaben?!“
Andy zuckt gleichgültig die Schultern. „Kann gut sein!“
Tom runzelt leicht die Stirn und will grade fragen was mit Andy los ist, als ihm das von eben wieder einfällt.
Tom schüttelt leicht den Kopf. Wie kann ihm das jetzt einfach so wieder entfallen? Er hat den dumpfen verdacht, dass es etwas mit Bill zu tun hat. ´Der Junge raubt mir echt den Verstand!´, geht es Tom durch den Kopf.
„Man!“, flucht er sogleich leise los. „Ich will das nicht!“
Er knallt sein Deutschheft, was er aus dem Ranzen herausgekramt hat, stark auf den Tisch und Andy zuckt erschrocken zusammen.
„Sag mal was hast du eigentlich für Stimmungsschwankungen?!“, zischt er und wirft Tom einen kühlen Blick zu.
Er zuckt die Schultern. „Weiß auch nicht. Mir…mir ist heute nicht so gut!“, murmelt Tom.
Andy schnaubt leicht verächtlich. „Kommt man wirklich nicht drauf!“, sagt er mit leicht ironischem Unterton.
Tom beißt sich stark auf die Zunge um keine bissige Bemerkung loszuwerden. ´Andy hat ja eh keine Ahnung´, denkter. ´Wenn der in meiner Situation wäre, würd er auch nicht besser reagieren!´
Mit trotziger Miene wendet Tom sich wieder nach vorne und verschränkt die Arme vor der Brust. Dabei braucht er nun wirklich einen Freund. Einen Freund, dem er wirklich vertrauen konnte und vielleicht sogar sein größtest Geheimnis anvertrauen kann. Es wäre toll wenn er jemand zum reden hätte. Aber das ist ausgeschlossen!
Derjenige, dem er das erzählen würde, würde ihn ja genauso wie Bill, wenn er es wüsste, für bescheuert halten!
Wenige Sekunden später betritt der Deutschlehrer den Klassenraum und prombt tritt Ruhe ein.
Tom schaut mit unverwandtem und glasigem Blick nach vorne.
Auch wenn er es wöllte, aufpassen geht jetzt mal so gar nicht! In Deutsch ist er sowieso nicht all zu schlecht.
„So jetzt holt alle mal eure Aufgaben raus ich werde sie einsammeln und benoten!“, dringt es nach einiger Zeit dann doch zu Tom durch.
Erschrocken reißt er die Augen auf.
´Das ist echt nicht mein Tag!´, denkt er niedergeschlagen.

Kapitel 16

„Was ist denn mit dir los?!“
Stirnrunzelnt blickt Simone ihren ältesten Sohn an der schweigend vor ihr steht. Seine Zähne sind fest aufeinander gebissen und er blickt betreten zu Boden.
Simone seufzt. „Okay was hast du wieder angestellt?!“
Tom muss stark schlucken und hält ihr dann den blauen Brief unter die Nase. Ihm tut es diesmal wirklich leid. Das ist nun schon der zweite Brief den er mit nach Hause bringt, und beim dritten würde es ernst werden. Sehr ernst…
Simone reißt erschrocken die Augen auf. „Tom!“, stößt sie geschockt hervor. „Wie konnte denn das wieder passieren?!“
Der Angesprochene zuckt betreten die Schultern. „Tut mir leid!“, murmelt er. „Ich bin halt…heute nicht so wirklich…mhm naja ich selbst gewesen und bin vielleicht etwas frech gewesen und- “ er wird jäh von seiner Mutter unterbrochen: „Also wenn du frech warst, dann warst du ganz du selbst!“ Sie schnaubt kurz und schaute ihren Sohn mit zusammen gekniffenen Augen an.
„es tut mir ja leid!“, murmelt dieser wieder und schaut zu Boden. „Naja…geh am besten mal auf dein Zimmer! Ich muss das heute Abend erst mal in Ruhe mit deinem Vater besprechen was wir jetzt machen!“ Sie seufzt laut.
Tom dreht sich auf dem Absatz um und verlässt mit hastigen Schritten den Raum.
Er stolpert die Treppe halb hoch und schlägt seine Tür hinter sich zu, kaum dort angekommen. Er atmet kurz laut auf und fährt sich dann mit der einen Hand durch die Dreads. Kopfschüttelnt lässt er sich aufs Bett fallen und vergräbt sein Gesicht tief in dem weichen Kissen.
„Immer muss ich alles versauen und jeden enttäuschen!“, murmelt er. Vor ein paar Stunden war die Schule ihm noch egal gewesen, doch da hatte er auch nie im Leben mit einem blauen Brief gerechnet. Naja er konnte ja auch nicht wissen, dass der dumme englischlehrer grad zum Rektor läuft. Ebenso wie der Deutschlehrer.
Er seufzt wieder laut auf und schließt die Augen für einen kurzen Moment. Jetzt hat er seine Eltern wieder ziemlich enttäuscht, obwohl er versprochen hatte keine blauen Briefe mehr mitzubringen. „Man!“, sagt Tom wütend und haut mit der Faust neben sich auf die Matraze.
Die Probleme bzw die Gefühle für Bill belasten ihn einfach zu sehr. Wenn er doch nur etwas tun könnte.
Wieder seufzt er. „Du kannst nichts tun, weißt du doch!“, belehrt er sich selbst und schüttelt den Kopf. Aber irgendwie muss er versuchen, jetzt wieder etwas mehr in der Schule aufzubauen. Auch wenn er nicht wirklich daran glaubt, dass es gehen wird.
Aber vielleicht würde dann wenigstens ein Teil in seinem Leben wieder gut laufen…in diesem Fall der schulische…
Nachdenklich kaut er auf seiner Unterlippe herum, wobei er gelegentlich mit den Zähnen gegen sein Piercing stößt.
„Mh..am besten fang ich dann wohl mal an meine Hausaufgaben zu machen!“, murmelt er und springt sogleich auf. Er holt seinen Ranzen, welcher achtlos in einer Ecke seines Zimmer rumlag und kramte sein Engsclihheft sowie das Buch hervor.
Stirnrunzelnt brütet er über der gestellten Aufgabe. Man, wenn er doch nur ein Wort davon verstehen würde…
Plötzlich wird die Tür mit einem lauten Knall aufgerissen und Tom wird jäh aus seiner nachdenklichen Phase gerissen. Überrascht blickt er auf und schaut direkt in das Gesicht seines Zwillingsbruders. „Och ne!“, entfährt es Tom unwillkürlich. Wenn Bill hier ist, kann er sich nun wirklich nicht mehr auf seine Aufgaben konzentrieren, gschweige denn, dass er überhaupt noch etwas anderes wahrnehmen kann.
„Wieso ´och ne´?“, fragt Bill verdutzt nach. Will Tom ihn nicht hier haben oder was?

Kapitel 17

Nervös zupft Tom sich an seinen Dreads. Mist...das war ihm nun einfach ausversehen rausgerutscht! Er hat seinen Gedanken einfach ausgesprochen, ohne dabei zu registieren, dass Bill es natürlich hört. Wie kann er nur so dumm sein? Jetzt denkt er sicher Tom, würde ihn nicht hier haben wollen! Logisch…
„Ehm….´och ne´?“, fragt Tom nach und tut ganz ahnungslos.
Bill zieht eine Augennraue in die Höhe. „Ja ´och ne´, dass hast du eben grad noch gesagt!“, er verschränkt die Arme und wartet auf eine Erklärung von seinem Zwillingsbruder.
Tom überlegt erstmal rasendschnell, was er jetzt sagen soll. Bill hat sich verhört? Tom hat gedacht jemand anderes käme rein? Er will sich auf die Aufgaben konzentrieren und kann daher keine Ablenkung gebrauchen?
„Also?!“, fragt Bill nach ein paar Minuten des schweigens nach.
„Öhm..naja…da-das musst du wohl falsch verstanden haben!“, redet Tom hektisch drauf los. „Ich hab nicht gesagt ´och ne´sondern…sondern…´och tee´ oder ähm ne ich meine, ich wollte sagen…!“
Bill runzelt die Stirn und beobachtet seinen Bruder kritisch dabei, wie er irgendein dummes Zeug vor sich hinschwafelt. Sollte er sich nun ernsthaft Sorgen machen?
„….ja und deshalb musst dus wohl irgendwie falsch verstanden haben!“, beendet Tom seinen Redefluss. Verlegen weicht er nun den Blicken seines Bruders aus.
Bill zuckt die Schultern und kommt zu dem Schluss die Sache jetzt mal auf sich beruhen zu lassen. „Okay dann hab ichs wohl falsch verstanden!“ Er seufzt kurz leise auf, sodass Tom es nicht mitbekommt. Diesem fällt gerade ein riesiger Stein vom Herzen. Bill hat es ihm Abgekauft….was ist er doch gut im Ausreden erfinden!
„Und was machst du?!“, fragt Bill um die Stille zu durchbrechen und geht zu seinem Bruder an den Schreibtisch. Tom zieht stark Luft ein und sein Herz beginnt augenblicklich an zu rasen. Leicht berührt er mit seinem Oberarm den Bills und die Stelle seiner haut beginnt angenehm zu kribbeln.
´Ein Atmen, tief einatmen! Nicht durchdrehen man! Ist doch nichts besonderes!´, versucht er sich selbst in Gedanken gut zuzureden.
„Hausaufgaben!“, presst Tom eine Antwort auf Bills Frage hervor. Diesem klappt kurz der Mund auf. „Echt? Du machst Hausaufgaben? Sonst shcreibst du die doch immer bei Andy ab!“
Tom zuckt die Schultern; anscheinend weiß Bill noch nichts von dem Brief. „Naja ich ehm…will mich etwas bessern in der Schule!“, murmelt Tom, während sein Puls immernoch ungewohnt rast. Bill pfeift leise durch die Zähne. „Wow, ich bin beeindruckt!“
Toms Augen leuchten auf: „Wirklich?!“ Bill nickt ernsthaft und beobachtet mit Freude, wie ein kleines Lächeln auf Toms Lippen tritt. Endlich mal wieder!
„Klar, ich find das echt toll von dir!“, redet er seinem Bruder weiter gut bei.
Toms Herz beginnt wieder schneller zu klopfen und er kann es nicht verhindern, dass ihm eine leichte Röte ins Gesicht steigt. Bill hat ihm ein Kompliment gemacht…wenn er ihm nicht auch etwas tolles sagen könnte…wie zB, dass er, Bill, heute wieder traumhaft aussah, mit seinen dunklen, warmen Augen und dem perfekt gestyltem Haar.
Doch das ist ausgeschlossen!
„Und du? Ehm…hast du nichts auf?!“, fragt Tom, weil ihm einfach nichts besseres einfällt.
Erschrocken schlägt Bill sich die Hand auf den mund. „Och shice, doch stimmt! Ich bin später ja noch mit Alex verabredet! Ich geh jetzt besser mal! Bis später!“, antwortet er und hastet aus dem Raum.
Tom sackt in sich zusammen, kaum ist Bill außer sichtweite. Das Glücksgefühl, dass ihn eben noch überströmt hatte verschwindet wieder und er fühlt sich elender als vor Bills kommen….

Kapitel 18

Mit glasigen Augen starrt Tom auf seine Aufgaben, die direkt vor ihm liegen.
Abwesend spielt er mit dem Stift in seiner linken Hand.
Es ist ausgeschlossen, dass er sich jetzt auf die Hausaufgaben konzentrieren kann, also versucht er es nunmehr kann nicht einmal.
Nachdem was Bill eben getan hatte…
Okay, Tom weiß genau, dass es ja eigentlich nichts schlimmes war. ]Eigentlich Für jemanden der vielleicht nicht in seinen Zwilling verliebt ist.
Wieder macht sich dieses unbehagliche Gefühl in Tom breit. Ihm, ist als würde ihm jemand einen riesen Knoten in die Brust machen…direkt ins Herz.
Seine Hände beginnen ungewollt an zu Zittern und er ballt sie zu Fäusten. Drückt sie ganz fest zusammen, sodass seine Knöchel ganz weiß angelaufen sind.
Er schließt kurz die Augen. Dann haut er mit der Faust auf den Tisch.
Er atmet tief aus und öffnet die Augen wieder. „Man Tom, was ist nur aus dir geworden? Jetzt beruhig dich doch mal! Bill trifft sich halt mit….er trifft sich…“, er stockt kurz, dann atmet er tief ein und sagt: „ Mit seiner [I]Freundin[/I].“ Traurig senkt er den Blick. „Siehs endlich ein!“
Er beißt stark die Zähne zusammen und zwingt sich dazu, sich wieder den Hausaufgaben zu widmen…

Es klopft an der Tür und Tom wird unvermittelt aus seinen Gedanken gerissen. Ein rascher Blick auf die Uhr zeigt ihm, dass es schon nach 7 ist.
„Ja?!“, sagt er müde und reibt sich leicht die Augen. Sich den ganzen Tag ausschließlich nur auf die Schule zu konzentrieren ist gar nicht so einfach!
Die Tür öffnet sich und Simone steckt den Kopf herein. „Tom? Kommst du mal bitte mit runter? Du musst erstens was esssen und wir müssen auch nochmal wegen der Sache heute Mittag reden!“ Die Gesichtszüge seiner utter verhärten sich bei diesen Worten und Tom bringt nur ein ergebenes Nicken zustande.
Er steht auf und folt seiner Mutter hinunter in die Küche. Bill scheint noch nicht da zu sein…
Tom setzt sich an den Tisch, rührt aber nichts von dem bereitgestelltem Essen an.
Simone und sein Stiefvater Gordon setzen sich ihm gegenüber.
„Also“, beginnt seine Mutter. „Du weißt es kann so nicht weiter gehen!“
Tom nickt und hält den Blick starr zu Boden gerichtet. Simone, leicht über die Reaktion ihres des öfteren rebelischen Sohns überrascht, fährt fort: „ Nun, was willst du jetzt tun? Weil es geht nicht, dass du so frech zu den Lehrern bist, keine Hausaufgaben machst, nicht aufpasst und was weiß ich alles tust!“ Sie runzelt leicht die Stirn.
„Tut mir ja sehr leid! Ich will mich bessern, wirklich!! Ich hab den ganzen Tag was für die schule gemacht!“, mumrelt der Angesprochene.
Simone und Gordon tauschen leicht bestürzte Blicke. Ist das wirklich Tom?
„Ehm…also naja wenn du das echt machen willst dann ist das ja geklärt! Aber wenn sowas nochmal vorkommt…“
Tom nickt nur wieder und presst noch ein leises: „Tut mir leid!“, hervor.
Dann ist es für einen Moment still. Keine sagt etwas, bis Tom sich erhebt.
„Ich geh dann wieder in mein Zimmer!“, sagt er. Simone und Gordon schauen ihn völlig überrumpelt an. „Und was ist mit essen?!“
Tom wirft einen kurzen Blick auf die ansammlung von Brot, Käse, Wurst, Toast und allem anderen erdänklichen Sachen. Dann meint er achselzuckend: „Keine Hunger!“
Ehe noch einer was sagen kann dreht er sich um und geht aus dem Zimmer.
„Irgendwas stimmt mit dem Jungen doch nicht!“, murmelt Gordon und Simone kann nur zustimmend nicken.

[B]Kapitel 19[/B]

Tom ist der Meinung, dass er nun heute genug für die Schule getan hat und beginnt seinen Ranzen schon für morgen zu packen.
Als er damit fertig ist, legt er sich auf sein Bett und verschränkt die Arme hinter seinem Kopf. Ungeduldig wippt er mit einem Fuß auf und ab. Mindestens alle paar Sekunden huscht sein Blick hinüber auf die Uhr; gleich ist es schon nach halb 8 und Bill ist immernoch nicht zu Hause! Dabei ist morgen Schule…
„Was macht der nur so lange?!“, fragt Tom sich selbst. Jede Sekunde wird für ihn unerträglicher. Je länger Bill wegbleibt, desto größer wird das Gefühl in Tom. Er beginnt sich immer schlechter zu fühlen.
Krampfhaft versucht er sich nicht vorzustellen, was Bill und Alex jetzt gerade tun. Tom bezweifelt stark, dass die beiden so in ihre Hausaufgaben vertieft sind und [I]deshalb[/I] die Zeit ganz vergessen. Naja obwohl vielleicht… vielleicht gibt Alex Bill ja wirklich Nachhilfe? „Ach komm schon, dass glaubst du doch wohl selbst nicht!“, murmelt Tom zu sich selber. Klar, als ob man mit seiner Freundin nur lernen würden… Bill und Alex lernen wahrscheinlich gerade etwas ganz anderes und das hat bestimmt nichts mit Schule zu tun!
Tom schließt kurz die Augen, in der Hoffnung, dass der tiefe Schmerz in seiner Brust sich so vielleicht etwas abschwächt. Der Knoten in seiner Brust, scheint sich noch fester zu ziehen, obwohl er nicht geglaubt hätte, dass dies noch möglich sei.
Tom atmet ein paar mal tief ein und aus. Dann spitzt er wieder die Ohren und registriert jeden kleinsten Laut vor seiner Zimmertür.
Wenn Bill kommt, wird er es garantiert mitbekommen…
Die Zeit vergeht, doch Bill taucht einfach nicht auf. Draußen ist alles ruhig. Als Tom beginnt sich kurz nach 8 schon ernsthaft Sorgen zu machen, hört er plötzlich das quietschen der Dielen vor seiner Tür. Sofort richtet er sich auf und lauscht angestrengt.
Ja, das ist eindeutig Bill! Das hört er schon an der Gangart…Gordon ist es eindeutig nicht, denn der polterte viel lauter und schwere vorbei. Und auch seine Mutter ist es nicht, denn diese hatte keinen solchen geschmeidigen Gang drauf. Das kann nur Bill sein!
Ohne zu überlegen springt Tom auf und rast zur Tür. Er reißt sie auf und wäre fast noch mit Bill zusammengeknallt, welcher sich fast zu Tode erschreckt.
Tom bleibt wie angwurzelt stehen „Oh man erschreck mich doch nicht so!“, ruft Bill und versucht seine Atmung wieder zuberuhigen. Tom bleibt stumm und sieht seinen Zwilling nur an. Er weiß nicht, was er nun sagen soll. Fragen wie es bei Alex war? Nein, er konnte es sicher nicht ertragen auch noch die Details zu erfahren…
„Was ist was guckst du so?!“, fragt Bill plötzlich argwöhnisch. Er meint, etwas anklagendes in Toms Blick lesen zu können und zieht beide Augenbrauen in die Höhe. Eben erst hatte er sich noch mit Simone und Gordon gestritten, weil morgen Schule ist und er so spät erst daheim ist, und jetzt kann er es nicht gebrauchen deshalb auch noch mit Tom ärger zu bekommen. „Was denn?!“, faucht Bill. „Schon okay ich weiß, dass ich nicht so lange weg bleiben darf! Ich hab deshalb auch Ärger bekommen, also! Keine Sorge ich darf schon nicht länger wegbleiben als du! Außerdem warst du doch heute ausnahmsweise mal nicht verabredet oder?!“
Mit funkelnden Augen rauscht er an Tom vorbei in sein Zimmer. Dieser schaut ihm nun überrascht nach. „Denkt Bill etwa ich wär sauer, weil er vielleicht länger wegbleiben darf als ich?!“, völlig baff geht Tom wieder in sein Zimmer. Was ist denn mit dem los? Stress mit Alex, oder warum ist der so aufbrausend?
Auf Toms Gesicht will sich erst ein strahlendes Lächeln breit machen doch dann stoppt er sich. „Halt, du weißt nicht ob es so ist! Also überstürz mal nichts!“
Aber wenn es doch so wäre?
Nachdenklich fährt Tom sich durch die Dreads.
Eigentlich müsste es ihm ja jetzt total schlecht gehen, nachdem Bill ihn so angefahren hatte….
Doch irgendwie…
…wenn er wirklich Stress mit Alex hat?

[B]Kapitel 20[/B]

Unruhig wälzt Tom sich im Bett hin und her. Er fühlt sich zwar müde doch sein Geist kommt einfach nicht zur Ruhe. Ständig schwirrt Bill in seinen Gedanken umher, und auch die ausgedachte Szene, wie sein Angebeteter einen heftigen Streit mit seiner Freundin sprich Alex hat.
Wenn es doch nur wirklich so wäre…
Tom dreht sich auf den Rücken und starrt an die dunkle Decke. Falls sie sich bald trennen, dann muss er unbedingt da sein und Bill trösten! Sowas braucht er sicher…und wer weiß vielleicht kommen sie sich dabei auch etwas näher?
Bei dieser Vorstellung trit wieder ein Lächeln auf Toms Lippen. Doch dann schüttelt er energisch den Kopf. Bloß keine falschen Hoffnungen…
Ein Blick auf die Uhr verrät ihm, dass es mittlerweile viertel vor elf ist. Bei der Vorstellung morgen wieder um 6 Uhr aufstehen zu müssen, dreht sich ihm wiedermal der Magen um. Am liebsten würde er den ganzen Tag nur schlafen! Dann hätte er auch keine Probleme!
Nach einigen weiteren sinnlos verstrichenen Minuten quält Tom sich dann aus dem Bett. Schlafen kann er jetzt eh nicht…
Mit der wagen Absicht sich unten etwas zu trinken zu holen verlässt er sein Zimmer.
Im ganzen Haus ist es stockdunkel; anscheinden sind alle schon zu Bett gegangen. Naja im Haus Kaulitz gab es den ganzen Tag immer viel zu tun…besonders wenn der älteste mit einem blauen Brief kommt! Tom verdreht die Augen.
Langsam tappt er die Treppe hinunter und betritt dann die Küche. Helles Mondlicht scheint dort durchs Fenster und Tom hält es für unnötig das Licht anzumachen. Er sieht auch so genug und außerdem möchte er auch niemanden wecken.
Er schlurft zum Kühlschrank um sich dort eine Red Bull Dose hinaus zu holen. Das helle Licht des Kühlschranks fällt ihm in die Augen und blendet ihn leicht. Er blinzelt mehrmals stark, bis er das Getränk entdeckt und den Kühlschrank wieder schließen kann.
Er beschließt es in seinem Zimemr zu trinken und macht sich wieder auf den Weg nach oben.
Kaum aus der Küche getreten vernimmt er ein deutliches Knarren, wie als ob jemand die Treppe hinuntersteigen würde. Tom runzelt leicht die Stirn und geht weiter. Ist da noch jemand wach?
Plötzlich bemerkt er eine große dunkle Gestalt vor sich doch noch ehe er etwas sagen oder tun kann läuft diese schon direkt in Tom rein.
Erschrocken zucken beide zusammen. „Wer is da?!“
Tom muss leicht schmunzeln. Bills stimme hörte sich echt ängstlich an, so als befürchtete er, dass Tom ein Einbrecher sein könnte.
„Komm bleib ruhig ich bins nur!“
„Tom!!!“, Bill atmet erleichtert auf. „Man hab ich mich jetzt erschreckt!“
Tom lacht. „Hab ich gemerkt!“
Auch Bill muss jetzt anfangen zu lachen.
Tom ist echt froh, dass es so dunkel ist und man gerade noch so die schemenhaften Umrisse seines Gegenüber erkennen kann, aber mehr auch nicht. Hätte er in Bills Schokobraune Augen gesehen, wär ihm wahrscheinlich fast kein Ton über die Lippen gekommen, geschweige denn ein Lachen! Und doch spürt er genau, dass Bill vor ihm steht. Allein schon diese Aura die er ausstrahlt….einfach wunderbar…so einzigartig…
„Kannst du auch nicht schlafen?!“, fragt Bill plötzlich.
Tom schüttelt den Kopf, bis ihm bewusst wird, dass Bill dies vielleicht gar nicht sehen kann.
„Nein!“, sagt er daher.
„Mhm…“, Bill legt den Kopf schief und bleibt kurz stumm. Dann meint er aber: „Wollen wir vielleicht noch in mein Zimmer gehen und ne DVD gucken? Mama und Gordon schlafen ja schon, die merken das sicher nicht!“
Bill hält die Luft an und wartet gespannt auf Toms antwort….der alte Tom hätte sofort mit begeisterung „Ja“, geschrien.
Der [I]alte[/I] Tom…doch der neue, schlechtgelaunte, verschlossene Tom?

Kapitel 21

„Also, was ist nun?!“, fragt Bill nach einigen Sekunden der Stille nochmal nach.
Tom bleibt weiterhin vorerst stumm. In ihm tobt ein unerbittlicher Kampf zwischen der einen Partei, die dafür ist mit Bill die DVD zu gucken und der anderen, die dagegen ist!
Wenn er jetzt zu sagt, dann wäre das eine einmalige Gelegenheit!
Doch er würde auch riskieren sich wieder zum Deppen zu machen.
Andererseits könnte er so auch mehr erfahren, was nun ist zwischen Bill und Alex.
Aber was wenn er irgendwie merkt was Tom fühlt? Wenn er ihm nur in die Augen schaut…
Und wenn Bill oben im Zimmer ganz plötzlich merkt, dass er auch unsterblich in Tom verliebt ist?
Er wird sowieso kein Wort herausbringen…
Ungeduldig wippt Bill auf und ab. Durch die Dunkelheit kann er nur die schemenhaften Umrisse seines Bruders erkennen und almählich macht er sich Sorgen.
„Tom?!“
Der Angesprochene zuckt kurz zusammen. „Ehm…“
´Wow, er hat was gesagt, also ist er doch nicht tot!´, denkt Bill sarkastisch.
Tom ringt immernoch mit sich. „Also naja…ich weiß nicht, vielleicht…also morgen ist ja auch Schule…und mhh…wir könnten ärger bekommen und ja…!“, stottert er vor sich hin.
Er spürt wie sein Gesicht vor Verlegenheit anfängt zu glühen doch zum Glück bekommt Bill dies natürlich nicht mit. Man das wäre doch die perfekte Chance
Nur wenn wieder was peinliches passiert? Aber das Licht wird doch sicher aus bleiben also….vielleicht ja doch nicht?
In diesem Moment seufzt Bill kurz auf: „Okay, also du willst nicht! Schon gut! Naja ich geh dann mal wieder hoch…!“, murmelt er und dreht sich um.
Tom, von Panik ergriffen, hält ihn verzweifelt am Arm fest. Nein, nein, nein so eine Chance muss er jetzt nutzen! Wenn nicht macht er sich noch sein ganzes Leben deshalb vorwürfe…wenn er doch an diesem einen Abend zugesagt hätte, wäre viellecht alles anders gelaufen…
„Ehm doch, ich will mitgucken!“, stottert er und seine Hand, mit der er Bills Oberarm noch umklammert hält beginnt zu glüchen. Die Stelle seiner Haut beginnt zur kribbeln und Tom zieht scharf Luft ein.
Bill blinzelt verwirrt. „Okay!“
Wieder einmal wundert er sich über seinen Bruder, der sich in letzter Zeit mehr als merkwürdig aufführt!
„Äh, Tom?“
„Ja?!“
„Könntest du mich dann bitte wieder loslassen? Wenn wir oben gucken wollen ist das ein bisschen ungünstig…“
„Oh ja sorry!“ Augenblicklich lässt Tom von Bills Oberarm ab und Hitze steigt in ihm auf.
Er glüht förmlich. Wie konnte ihm sowas jetzt passieren? Beschämt blickt er zu Boden während er Bill die Treppe hinauf, hinterher trottet. Wie peinlich… was denkt Bill denn jetzt von ihm? Ob er jetzt vielleicht etwas gemerkt hat? Toms Herz scheint für ein paar Sekunden auszusetzen zu schlagen. War das zu auffällig? Nervös kaut er sich auf der Unterlippe herum. Eigentlich nicht…oder?
Ziemlich aufgelöst betrit er nach Bill das Zimmer und bleibt da dann regungslos stehen. Bill schließt leise die Tür und knipst dann das Licht an. Sobald die hellen Strahlen durchs Zimmer strömen beginnen beide zu blitzeln. Bill beschattet seine Augen leicht mit der Hand.
„Und welchen Film?!“
Tom zuckt die Schultern. „Mir egal!“
„Oke!“, meint Bill nur und geht dann rüber zu den DVD´s um selber eine auszusuchen.
„Können wir dann das Licht wieder ausmachen?!“, fragt Tom zaghaft.
„Ehm klar!“ Bill blinzelt verwirrt.
Kaum hat er dann die DVD reingeschoben springt Tom schon zum Schalter und macht das Licht aus. Wieder wirft Bill ihm einen verwirrten Blick zu, der aber von der Dunkelheit verschluckt wird.
„Also dann komm!“, sagt Bill und springt aufs Bett. Er klopft auf die Stelle neben sich und Tom bewegt sich ganz automatisch zu ihm.
´Viel zu nahe!´, schießt es ihm panisch durch den Kopf als sein Arm den von Bill leicht berührt.

Kapitel 22

„Alles in Ordnung?!“, stirnrunzelnt blickt Bill zu seinem Bruder hinüber.
„Mhm!“, bringt der nur heraus. Ihm ist als hätte ihn ein riesen Stromschlag getroffen, genau an der Stelle wo Bills nackter Oberarm den seinen berührt hatte. Er zieht scharf Luft durch die Zähne ein und versucht sich dann ausschließlich auf den Film zu konzentrieren.
Das einzige was zählt ist der Film….
Da ist es doch völlig egal, dass die große Liebe direkt nebenan sitzt….jaaa….
Ein schöner Film, ein toller Film, wunderschön…
´Was ist das eigentlich für einer?´ Tom kneift die Augen zusammen.
Ja die Szenen kommen ihm bekannt vor, die hat er irgendwo schonmal gesehen.
Er braucht noch eine ganze Weile bis ihm auffällt, dass es House of Wax ist. Horrorfilm…doch Tom hat keine Angst vor dem Film, eher vor der Tatsache, dass Bill nur Millimeter von ihm wegsitzt und ihm, Tom, irgendetwas peinliches passieren könnte.
Er traut sich fast nicht mal den kleinsten Finger zu rühren; nicht das Bill noch irgendetwas falsches interpretiert.
Aber Tom wollte ja auch noch fragen was jetzt mit Alex ist.
Wie stellt er das denn am besten an? Nachdenklich kaut er auf seiner Unterlippe herum. Einfach geradeheraus fragen? Oder doch so drumherum? Am besten so fragen, ob Bill denn richtig verliebt ist im moment und ob er sich vielleicht, eventuell, unter Umständen vorstellen könnte, was mit seinem Zwillingsbruder anzufangen?
´Ah, nein böser Tom!´, gedanklich haut er sich selber auf die Finger. ´Willst du dich völlig lächerlich machen?´, er verdreht die Augen. Vollkommen übergeschnappt…Warum muss seine Fantasie auch immer mit ihm durchgehen?
„Ah!“, Bill schreit leise und kurz neben Tom auf und macht einen kleinen Satz richtung seines Bruders. Tom ist über die plötzliche Reaktion Bills so erschrocken, dass er auch kurz aufquiekt.
„Sorry Tom!“, sagt Bill noch etwas kurzatmig und lacht leise auf. „Ich bin einfach viel zu schreckhaft!“, er legt kurz seinen Hand auf den Arm von Tom.
„Ja, das ist mir heute auch schon aufgefallen!“, antwortete dieser jetzt und bekommt fast einen Herzstillstand. Nicht wegen dem Film, sondern natürlich wegen Bill.
Bei dem erschrockenen Satz den er eben gemacht hat, liegt er nun noch nächer an Tom…die Beine der beiden berühren sich und noch immer liegt die Hand auf seinem Arm.
Toms Herz setzt kurz aus um danach dann in doppelter Geschwindigkeit weiter zu schlagen.
Panik steigt in ihm auf. Schon wieder…
Er beißt die Zähne zusammen. `Tom Kaulitz, du kannst nicht immer so ein Angsthase bleiben! Bei den Mädchen bist du doch auch nie so schüchtern!´
Entschlossen schluckt er den riesen Kloß in seinem Hals runter.
Ganz ruhig!!
„Hast du echt Angst vor dem Film?!“, fragt Tom leise mit gespielt selbstbewusster Stimme.
Bill grinst. „Kann ja nicht jeder so ein mutiger Macho sein wie du!“
Tom grinst nun auch grimmig. Mutig…das wäre er gerne!!! Und das muss er jetzt sein! Wer weiß wann sich mal wieder so eine einzigartige Gelegenheit ergibt!! Also…
Tom atmet nochmal kräftig ein…
„Angsthase!“, er lacht und grinst Bill provozierend an. „Muss der mutige Tom dich jetzt etwa beschützen?!“
Er beißt sich auf die Zunge. Er hat es gewagt, er hat es wirklich gewagt…oh verdammt, wie kann er nur so dumm sein?
Voller Angst wartet er auf die Reaktion von Bill.
Dieser ist gerade freudig überrascht. Langsam wird Tom wieder normal….gaanz langsam…
„Oh ja bitte du mutiger Tom ich hab solche Angst!“, antwortet Bill gespielt hilflos und kuschelt sich an Tom dran. Fast so wie früher, als sie manchmal noch in einem Bett geschlafen hatten…
Tom allerdings bricht jetzt der Schweiß aus. Er hätte ja mit allem gerechnet, nur damit nicht!
Hitze kreicht in ihm auf und verbreitet sich in seinem ganzen Körper.
Ganz langsam und zaghaft legt er den Arm um Bill.
´Wenn er doch nur wüsste wie viel mir das schon bedeutet´, traurig senkt er den Blick.
Bill kuschelt sich mit dem Kopf an Toms Brust und ist wieder rund um glücklich, da ist es ihm auch egal, dass er gerade mit Alex zerstritten ist! Eine wohlige Wärme macht sich in ihm breit. Hier bei Tom ist es mindestens genauso schön….

Kapitel 23

Tom blickt starr nach vorne und tut so, als würde er den Film verfolgen, doch in seiner jetzigen Situation is das vollkommen unmöglich!
Bills Kopf liegt schwer auf seiner Brust. Toms Herz pocht so laut und schnell, dass Bill es bestimmt hören kann. Sein ganzer Körper fühlt sich wie taub an und sein Arm, der immernoch um Bills Schultern gelegt ist zittert leicht. Bills leicht süßlicher Duft steigt Tom in die Nase und er zieht ihn gierig ein.
Wenn er doch nur nicht so angespannt wäre…
Wenn diese Nervosität nicht da wäre, wenn er den Augenblick doch einfach nur genießen könnte.
Doch zu groß ist die Angst, dass Bill irgendetwas bemerkt. Wenn er wüsste was Tom fühlt….
Aber trotzdem ist da noch diese kleine Stimme in Toms Kopf die ihm immer wieder sagt, dass so eine Chance nie wieder kommt und er sie ergreifen solle. Er muss einfach etwas tun.Irgendwas. Er kann doch nicht einfach nichts tun und tatenlos zusehen, wie Bill mit Alex unglücklich wird. Oder ist es eher Tom der dann unglücklich ist?
Nachdenklich beißt er sich auf die Unterlippe. Er muss es einfach riskieren…er muss! Diese Ungewissheit treibt ihn noch in den Wahnsinn.
Ganz langsam und zaghaft bewegt Tom seine Finger, die auf Bills Schulter liegen. Sachte streichelt er seinen Bruder über das T-Shirt. Tom hält die Luft an und wartet gespannt auf irgendeine Reaktion von Bill. Ein zucken oder sonst etwas. Doch nichts. Er macht nichts und scheint es einfach nur geschehen zuzulassen.
Zaghaft fährt Tom nun auch über Bills nackten Oberarm und auch leicht über die Haare. Seine Finger kribbeln nach den Berührungen und scheinen gleich Explodieren zu wollen. Bills Haut ist weich und schön. Und seine Haare so seidig.
Noch immer unternimmt sein Bruder nichts, um Tom zu stoppen. Dieser hätte jetzt vor Glück fast geschrien. Natürlich ist ihm klar, dass es eigentlich nichts besonderes ist, aber für ihn ist es das schon. Es ist immerhin ein Anfang!
Der Anfang von etwas großem?
Toms Herz beginnt noch schneller zu klopfen, obwohl er das eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hätte, und sein Puls rast.
Tom, durch die Aktion nun langsam mutiger geworden, legt den Kopf schief, so dass er damit nun auf dem von Bill liegt. Kurz schließt er die Augen und wartet angespannt auf eine abweisende Reaktin von ihm. Doch wieder nichts. Tom atmet aus und erleichterung durchströmt ihn wieder aufs neue. Bill lässt es zu. Er hat nichts dagegen.
Unwillkürlich muss Tom lächeln.
Er vergräbt seine Nase tief in Bills Haaren und zieht den süßlichen Duft noch tiefer ein. In Gedanken hält er diesen Moment auf ewig fest. Der bisher schönste Augenblick seines Lebens. Ohne es zu wollen, keimt Hoffnung in ihm auf, dass Bill vielleicht doch irgendetwas fühlt. Wenn auch nur ein kleines bisschen.
Tom hat nun fast keine Angst mehr und sein Körper entspannt sich wieder.
Nachdenklich runzelt er kurz die Stirn. Er hat sich jetzt schon so viel getraut da kann er doch auch noch… nach kurzem Zögern nimmt er jetzt noch den anderen Arm und legt diesen um Bills Bauch. Wieder wehrt er ihn nicht ab. Hat wieder nichts dagegen.
Tom kann sein Glück kaum fassen und ein riesen Feuerwerk macht sich in ihm breit. Ihm geht es fantastisch und mit einem breiten Grinsen fängt er auch langsam an, dem Geschehen des Films zu zuschauen. Nun fühlt er sich wirklich mutig. Er ist auch mutig! Er beschützt seinen Bill…
Doch plötzlich, nach einer erschreckenden Szenen muss auch er kurz zusammenzucken und stößt einen leisen Schrei aus.
Tom ist das peinlich und eine leichte Röte steigt ihm ins Gesicht. „Sorry!“, murmelt er Bill zu.
Dieser Antwortete aber nicht.
Leicht verwundert blickt Tom zu ihm runter.
Bills Augen sind geschlossen. Sein Mund ist leicht geöffnet und er atmet regelmäßig ein und aus.
Tom klappt die Kinnlacke herunter.
´Wie lange schläft der denn schon?´

Kapitel 24

Toms Herz beginnt zu pochen.
In seinem Hals bildet sich ein rießen Kloß und er versucht die ganze Enttäuschung einfach runterzuschlucken aber es klappt einfach nicht.
Das ganze Glück was ihn ebenoch überströmt hatte entweicht ihm, wie als hättes es jemand aus ihm rausgesaugt. Bill schläft…deshalb hat er nicht reagiert, deshalb hat er sich nicht gewehrt. Wäre er wach gewesen hätte er ihn bestimmt weggeschubst.
Mit glasigen Augen schaut Tom vor sich ins Leere. Wie konnte er nur so dumm sein? Hat er wirklich ernsthaft geglaubt Bill würde es gefallen? Bill hätte auch Gefühle für ihn?
„Dumm!“, murmelt er leise vor sich hin. „Dumm und naiv!“
Er schließt die Augen. Sein Arm hängt schlaff über Bills Schulter. Am liebsten würde Tom ihn wegnehmen doch er kann es irgendwie nicht. Es ist als würde Bill ihn einfach magnetisch anziehen.
Nie wird er an Bill rankommen! Nie! Tom schüttelt den Kopf. Da hatte er mal so eine einmalige Chance…und trotzdem ist nichts passiert! Bill war wahrscheinlich so gelangweilt von ihm, dass er eingeschlafen ist!
Dieser Gedanke versetzt Tom einen schmerzhaften Stich in die Brust. Er tut sich so doch nur selbst weh. Was macht er sich auch Hoffnungen? Lächerlich ist das!

„OH FUCK! Tom komm schon aufstehen wir kommen zu spät!“, dringt eine wohlbekannte Stimme zu Tom hindurch. Er spürt, wie ihm jemand an den Schultern rüttelt. „Mhm?!“
Verschlafen öffnet er die Augen einen kleinen Spalt und blickt geradewegs in die seines Bruder, welcher unmittelbar vor ihm ist. „Wir haben verschlafen!“, wiederholt dieser jetzt mit etwas leiserer sanfter Stimme. „Komm wir müssen uns jetzt fertig machen!“
Tom, immernoch zu verschlafen um zu registrieren wer da halb auf ihm sitzt nickt verschlafen. Bill lächelt kurz und blickt seinen Bruder mit einem warmen Blick an. Einfach zu süß der Anblick, wie Tom am frühen morgen aussieht. Die Dreads die ihm verwuschelt ins Gesicht fallen und die kleinen müden Augen…Bill fährt ihm mit einem Finger kurz über die Wange und steht dann auf.
„Ich geh schonmal ins Bad!“, sagt er und verlässt das Zimmer. Er hat an diesem Morgen richtig gute Laune. Wahrscheinlich weil er so gut geschlafen hat. ´Ob das an Tom lag?´ Bill zuckt die Schulern und verschwindet dann ins Bad.
Tom währenddessen quält sich mit mühe aus Bills Bett. Sein Kopf dröhnt, als wäre er die halbe Nacht wach gewesen und hätte party gemacht. Er braucht erst eine Weile bis ihm einfällt warum er sich so deprimiert fühlt.
Er stöhnt kurz auf. Die Erkenntnis, dass Bill nicht mehr als einen Bruder in ihm sieht ist nicht gerade aufbauend. Langsam steht er auf und schlurft in sein Zimmer. Wenn er das doch auch nur könnte. Nur ein Bruder…
Wahlos zieht er irgendein T-Shirt aus seinem Kleiderschrank und zieht es sich über. Er schnappt sich zwei Schweißbänder vom Nachttisch und zieht sich eine Jeans an.
Dann setzt er sich aufs Bett und wartet bis Bill aus dem Bad kommt.
Ein Gähnen entweicht ihm und er lässt sich nach hinten fallen. Gedankenverloren starrt er auf die Decke.
Es ist schwer für ihn zu glauben, dass er vor wenigen Stunden noch so glücklich war. Als er Bill noch so in seinen Armen hatte und er für wenige Sekunden glaubte, Bill für sich gewinnen zu können.
Wieder muss Tom seufzen. Was hätte Bill wohl getan, wenn er wach gewesen wäre?
Über diese Frage kann er wohl noch grübeln bis er alt und grau ist!
„Hey Tom, du kanst jetzt ins Bad!“, Bills frisch gestylter Kopf erscheint in der Tür und Tom springt sofort auf. „Okay!“, murmelt er und schlurft schlapp an ihm vorbei ins Bad.

Kapitel 25

Der Tag scheint einfach nur so an Tom abzuprallen. Zu groß sitzt die Enttäuschung des gestrigen abends. Zu schlimm ist die Erkenntnis, dass er Bill wohl nur als Bruder aktzeptieren muss.
Kaum ist er aus dem Bad raus, sitzt er später dann im Bus und ehe er sich versieht schon in der ersten Stunde. Ihm fällt sogar gar nicht groß auf, dass Bill Alex heute morgen vor der Schule gekonnt ignoriert hat.
Tom will einfach nur eine antwort auf seine Frage: Was soll er jetzt tun?
Es wäre lachhaft sich weiter Hoffnungen zu machen, nach diesem Reinfall, doch Bill einfach abschreiben ist genauso unmöglich.
Nur mit halbem Ohr bekommt er mit, wie der Lehrer ihn lobt, seine Hausaufgaben mal ordentlich gemacht zu haben, nicht wieder dieses in der hektig abgeschriebene Gekrakel. Mit glasigen Augen hängt er an den Lippen der Lehrer wobei aber ausschließlich nur Bill in seinen Gedanken spukt.
Ehe Tom sich versieht sitzt er schon nach der sechsten Stunde im Bus. Neben ihm ein schweigender Bill der aus dem Fenster schaut.
Tom wirft ihm einen fragenden Blick zu. Der sieht ja fast so schlecht aus wie Tom sich fühlt.
Kurz kaut er sich auf der Unterlippe herum. Ob er Bill drauf ansprechen soll? Oder würde er dann sauer werden, weil es niemanden was angeht? …Aber andererseits, was hat er zu verlieren? Gestern das war schon die schlimmste aller Demütigungen. Ja, schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden. Tom holt tief Luft und öffnet dann den Mund: „Hey Bill, was los mit dir? Warum guckst du denn so komisch?“
Der Angesprochene wendet den Blick vom Fenster ab und richtet ihn nun auf seinen Bruder.
„Naja….ich hab etwas Stress!“ Er zuckt die Schultern.
„Aha….und was genau für einen Stress?!“
Neugier kommt in Tom auf. Geht es Bill vielleicht so schrecklich wie Tom? Womöglich sogar…aus dem selben Grund? Wiedermal muss Tom über sich selbst den Kopf schütteln. Wie kommt er nur immer auf solche Gedanken? Er will sich doch keine Hoffnungen mehr machen…
„Also…nun…“Bill druckst kurz rum, dann gibt er sich allerdings einen Ruck, da er Tom schließlich eigentlich immer alles sagen kann: „Ich hab mich mit Alex getritten!“ Er seufzt. „Und das wobei wir gerade mal einen Tag zusammmen sind!“
Tom muss sich bemühen ein mitleidiges Gesicht aufzusetzen und nicht vor Freude aufzuspringen und zu tanzen. Bill und Alex haben sich gestritten….ein Omen? Tom kann es nicht verhindern, dass wieder Hoffnung in ihm aufkeimt auch wenn sein verstand ihm sagt, dass es Unsinn ist, sein Herz aber ist anderer Meinung.
„Oh….das is ja tol- eeehmm schlecht! Schlecht, mein ich. W-warum habt ihr euch denn gestritten?!“, Tom muss versuchen seine Stimme unter Kontrolle zuhalten, damit sie sich nicht vor Freude überschlägt.
Bill zuckt wieder nur die Schultern. „Über irgendwas dummes!“
Plötzlich bleibt der Bus stehen und hält an der Haltestelle der Twins. Freudig springt Tom auf und hüpft aus dem Bus. Bill kommt miesepetrig hinterher geschlurft. „Ach komm schon!“, Tom klopft ihm kumpelhaft auf die Schulter. „Das wird schon wieder!“, sagt er aufbauend. Das ist doch eh das beste was Bill passieren konnte…diese Alex war doch voll überflüssig!
„Mhh…ja du hast sicher recht! Morgen rede ich nochmal mit ihr!“
Toms Lächeln fällt in sich zusammen doch er fängt sich sofort wieder: „Ehm klar mach das…!“…nicht!! Tom kann nur hoffen, dass sie sich nach dem Gespräch noch mehr zerstreiten…
„Und komm, zur aufmunterung, machen wir heute noch irgendwas zusammen ja?!“, schlägt er vor. Der Vorwand kommt ihm natürlich nur gelegen. Tja, wenn er will kann er sich eben auch etwas trauen!
Stolz auf sich selbst, geht er neben Bill her, der ebenfalls stolz auf seinen Bruder ist. Nicht jeder hat so einen verständnisvollen, fürsorgenden Zwillingsbruder….

Kapitel 26

„Wir sind wieder daahaa!“, ruft Tom ins Haus, kaum sind die beiden Zwillinge durch die Haustür eingetretten. „Und haben hunger!!“, fügt Bill hinzu. Tom muss grinsen und folgt ihm sofort in die Küche.
Simone hat den Tisch schon gedeckt mit einer dampfenden Schüssel Nudeln die nur darauf wartet von den hungrigen Twins verspeist zu werden.
„Ach hallo!“, begrüßt ihre Mutter sie und sieht mit einem schmuzeln dabei zu, wie ihre Söhne sich hungrig über das Essen her machen. „Und Tom, wieder nen blauen Brief mitgebracht?!“
Der Angesprochene verschluckt sich kurz und hustet dann ein: „Nein“, hervor. „Heute nicht!“, betreten und immernoch mit schlechtem Gewissen schaut er auf seinen Teller.
Bill blickt zwischen seinem Bruder und seiner Mutter hin und her. „Blauer Brief?!“, fragt er erstaunt. „Davon weiß ich ja noch gar nichts!“ Vorwurfsvoll blickt er in die Runde.
„Tja wärst du gestern eher daheim gewesen!“
„Ach komm Mama, das hatten wir schon!“, Bill verdreht die Augen. „Warum hast du denn nen blauen Brief bekommen?!“, fragt er nun sorgend an Tom gewant. Dieser zuckt die Schultern und Simone antwortet: „Weil er wieder mal frech war und nicht aufpasst und keine Hausaufgaben macht!“
„Ist doch was ganz normales!“
Simone wirft ihrem Jüngsten einen strafenden Blick zu. Bill und Tom müssen beide Grinsen. „Jaja macht euch nur lustig! Tom wenn du noch einen bekommst, dann kannst du dich aber wirklich auf was gefasst machen! So und ich muss jetzt auch wieder zur Arbeit. Räumt dann später bitte alles hier auf!“ Mit einem letzten warnenden Blick zu Tom verlässt sie die Küche.
Bill schüttelt den Kopf. „Man die ist ja gut drauf!“
„Tja Eltern halt!“ Tom zuckt nur die Schultern und macht sich wieder über sein Essen her.
„Sag mal!“, er schaut wieder auf und merkt, dass Bill ihn von der Seite mustert. „Was ist eigentlich mit dir in letzter Zeit los? Wieso hast du denn wieder einen blauen Brief bekommen? Hast du auch Probleme?!“
Tom stützt genervt, den Ellebogen auf dem Tisch auf. Sorgfältig weicht er den bohrenden Blicken seines Bruders aus. „Es ist nichts….ich bin halt nur im Stress….das ist alles…wirklich!“, Tom vollführt eine seltsame Handbewegung, so als wolle er eine Fliege verscheuchen. „Mhm“, Bill ist nicht überzeugt. Tom blick weiterhin auf seinen Teller und ihm ist deutlich anzumerken das er gelogen hat. Allein schon die roten Flecken die sich auf seinen Wangen gebildet haben. „Warum kannst du mir denn nicht einfach die Wahrheit sagen?! Ich merk doch, dass du mich anlügst! Komm ich denke wir erzählen uns alles! Ich vertrau dir doch auch!“ Es enttäuscht ihn maßlos. Eben noch erzählt er Tom seine Probleme mit Alex und dieser will sich jetzt aber nur mit faulen Ausreden heraus reden. Warum?
“Bill, bitte!“, Tom schaut ihn zerknirscht an. Er kann es ihm nicht sagen...das geht doch nicht! Bill hält seinem Blick stand. „I-ich kann jetzt nicht mit dir drüber reden……noch nicht!“, Tom hält es nicht mehr aus und wendet seinen Blick ab. Doch zugleich steigt auch wieder eine heiße, wärmende Flutwelle in ihm auf. Bills Augen verzauberten ihn einfach immer wieder….
„Und wann kannst du es mir sagen?!“ Tom kann den enttäuschten Unterton genau heraus hören. ´Nie!´, denkt er. „Irgendwann... aber jetzt noch nicht!“
Bill bleibt nichts anderes übrig als sich damit zufrieden zu geben. Tom hingegen kann nur hoffen, dass er es irgendwann dann vergisst. Bill darf es nie rausfinden….nie!
Appetitlos stochert Tom nun in seinem Essen herum. Das Gespräch mit Bill liegt ihm schon schwer genug im Magen…
„Also, wollen wir dann jetzt abräumen?!“, fragt Bill mit ebenso wenig Hunger.
Tom nickt und steht langsam auf.
Gemeinsam tragen sie das Geschir in die Spülmaschine und putzen noch etwas den Tisch sauber. „Ich hasse Hausarbeit!“, knurrt Bill und Tom kann dabei nur zustimmend nicken.
„So ich mach dann mal Hausaufgaben! Und später unternehmen wir dann was zusammen, ja?!“
„Ja, natürlich!“
Toms Herz macht einen kleinen Hüpfer.
„Naja dann bis gleich!“, Bill grinst und verschwindet nach oben.
Müde fährt Tom sich durchs Gesicht. Wie soll das nur ausgehn?


Kapitel 27

Grübelnd sitzt Tom über sein Matheheft gebeugt.
Eine ganze Weile sitzt er da und starrt nur auf das weiße Papier vor sich. Die wenigen Zahlen die bisher dort stehen ergeben für ihn einfach keinen Sinn. Fragend kratzt er sich am Hinterkopf und kommt dann zu dem Schluss, dass er bei Wurzeln nicht die geringste Ahnung hat. Er legt den Stift wieder beiseite und verschränkt die Arme. Mathemathik ist ja so unlogisch! Später würde er diesen Kram eh nicht mehr brauchen.
Aber andererseits musste er das verstehen. Schließlich will er sich ja in der Schule jetzt mehr anstrengen.
Tom runzelt die Stirn und spielt kurz mit dem Gedanken, vielleicht Bill zu fragen ob er es ihm erklärt. Doch der hatte ja jetzt genug Probleme….Stress mit Alex zum Beispiel.
Wieder mal trit ein Lächeln auf Toms Lippen. Am liebsten würde er ja noch etwas nachhelfen, so dass die beiden sich wirklich nie wieder vertragen. Aber was kann Tom schon groß anrichten?
Nachdenklich wiegt er den Kopf hin und her und überlegt fieberhaft wie er wohl am besten ein Keil zwischen Bill und seine baldige Ex-Freundin treiben kann. Ein leicht boshaftes Grinsen umspielt seine Lippen. Bill müsste Alex am besten dabei ertappen wie sie fremdgeht…. Denn sowas ist für Bill unentschuldbar….nur wie kann man Alex dazu bringen? Ehe Tom weiter darüber nachdenken kann geht plötzlich die Tür auf und Bill höchstpersönlich kommt herein spaziert.
„Hey Bruderherz! Na wie weit biste?!“
Tom fällt vor Schreck beinahe vom Stuhl und zuckt erschrocken zusammen. „Ach hallo!“, stammelt er verlegen. „Ehm….naja ich bin grad noch an den Matheaufgaben dran…“
Bill wirft einen kurzen Blick aufs Heft. „Und so wies aussieht dauerts noch ne Weile?!“
Tom grinst schief. „Ja ich versteh das nicht so ganz!“
Tom hat einen riesen Kloß im Hals und bemüht sich durch mehrfaches Schlucken ihn wieder loszuwerden. Sein Blick fällt auf Bill und seine Eingeweide krampfen sich schuldbewusst zusammen. Wie konnte er nur an sowas denken? Bills Freundin anzustacheln fremdzugehen. Auch wenn Tom hoffnungslos verliebt ist, er hat somit nicht das recht auch seinen Bruder in heftigen Liebeskummer zu ertränken. Wenn er Bill wirklich liebt, dann freut er sich für ihn!
„Soll ich es dir vielleicht mal erklären?!“, bietet Bill sofort hilfsbereit an.
Toms Herz beginnt höher zu schlagen. „Ehm ahja klar…ich meine also nur wenn du willst…. Du musst nicht..und außerdem…ich will dich nich nerven und naja…du hast sicher besseres zu tun….“, nuschelt Tom vor sich hin und reibt sich nervös die Hände. Eine leichte Röte steigt ihm ins Gesicht und er schaut zu Boden. Noch mehr Schuldgefühle steigen in ihm auf. Bill ist so nett und will ihm helfen und was macht er? Tom, versucht Bill mit seiner Freundin auseinander zu bringen. Er fühlt sich schlecht. Schlecht und elendig.
„Ach Tom, is doch nichts dabei! Ich helf dir doch gerne!“ Bill muss über die Reaktion seines Bruders leicht lachen. „Danke!“, presst dieser jetzt hervor und fühlt sich noch beschissener.
Tom ist ja so egoistisch! Er denkt nur an sich. Bills Wohl ist ihm da doch vollkommen egal!
„Also dann!“, Bill holt sich den Stuhl aus seinem Zimmer und setzt sich neben Tom. Ganz dicht sodass sich die Arme leicht berühren.
„Also pass auf!....“, Bill beginnt irgendwas zu erzählen, wahrscheinlich wie die Aufgabe geht doch Tom hängt nur mit glasigen Augen an seinen Lippen und hört nicht wirklich zu. Wenn er sich doch nur einfach rüberbeugen könnte…und seine Lippen auf die von Bills legen.
`Und warum machst du es nicht einfach?´
Sein Kopf zuckt in Bills richtung doch er bremst sich wieder. Man das geht doch nicht! Oder doch?



Kapitel 28

Mit unverwantem Blick schaut Tom auf die Lippen von Bill. Sie wirken so anziehend. Doch er kann doch nicht einfach…?
Was würde Bill dann denken? Er wäre pervers oder bekloppt. Das angewiderte Gesicht könnte Tom nicht ertragen, nachdem Bill ihn dann sicher weggeschubst hätte.
„Sag mal Tom hörst du mir eigentlich zu?!“, durchbricht Bills Stimme plötzlich seine Gedanken. Tom setzt sich ruckartig kerzengrade hin. „Natürlich hör ich dir zu!! Wie könnte man dir nicht zuhören...ich meine ähh…natürlich hör ich dir zu!“
Er läuft wiedermal rot an.
Bill zieht fragend die Augenbrauen zusammen. „Aha“ Misstrauisch sieht er seinen Bruder an. Dieser wird zusehends nervös. „Also….ehm ich finde wir könnten unser Zeit mit was besserem als lernen verbringen oder?!“
„Ja, aber dann verstehst du das hier in Mathe doch nicht!“
Tom winkt ab. „Das kann ich auch noch ein andermal lernen! Ist doch jetzt nicht so wichtig!“
Bill öffnet empört den Mund. „Natürlich ist das wichtig! Ich will dir doch helfen!“, protestiert er.
In Tom steigt eine wallende Hitze auf und mit einem male steigt seine Stimmung wieder erheblich. Auf seinem Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. „Danke Bill! Aber…das können wir ja auch noch heute abend machen? Und jetzt vielleicht erst mal irgendwas anderes unternehmen?!“ Bill überlegt einen Moment. „Na gut! Aber heute Abend wird dann wirklich gelernt, es wird sich nicht gedrückt!“ Er grinst Tom an.
Dieser atmet erleichtert auf. „Okay, wenns denn sein muss!“
„Klar! Du musst das doch können sonst schreibst du in der nächsten Arbeit eine 6!“
Tom zuckt die Schultern. Das ist ihm im moment herzlichst egal. Viel wichtiger ist ihm, dass Bill sich um ihn Sorgen macht und mit ihm lernen will. Ihm ist noch gar nicht wirklich aufgefallen, was das heute eigentlich für ein wunderschöner Tag ist…
„Also was machen wir dann jetzt?“, fragt Bill und klappt Matheheft sowie das Buch zu.
„Ist mir egal! Was du willst!“ Tom der Großzügige.
„Mhh….wollen wir zu Andy?!“
Tom will schon begeistert nicken doch da fällt ihm der Streit wieder ein. „Ehm….ich weiß nich so ganz ich glaube der is sauer auf mich!“ Er schaut Bill fragend an. Dieser blickt verwirrt zurück. „Warum das denn?!“
Tom runzelt nachdenklich die Stirn. „Ich glaube…“, er stockt kurz. Dann zuckt er die Schultern. „Ich weiß es gar nicht mehr so genau“ Warum hat er nochmal Streit mit Andy?
Bill muss losprusten. „Du bist echt so verpeilt!“
Tom grinst schuldbewusst. Lag wohl eher daran, dass er die ganze Zeit nur an Bill denken musste. „Also was dann?!“, fragt er um abzulenken.
Bill runzelt wieder die Stirn. „Mhh…Kino, Schwimmbad, Eishalle, Essen gehen…“
Tom grinst. „Ja was denn? Du darfst aussuchen!“
„Achso stimmt ja!“
Beide müssen lachen. „Also ich wär für….Eishalle?!“
Tom verzieht das Gesicht. „Sport?!“
Bill nickt. „Jap!“
„Och neeee!“
Bill zieht einen Schmollmund. „Ich will aber!“, bittend schaut er seinem Bruder in die Augen. Dieser hat Mühe wegzublicken.


Kapitel 29

„Ahhh Bill vorsicht!“ Panisch schlägt Tom sich die Hände vors Gesicht und Sekunden später kracht er schon in Bill rein, der verlassen auf dem Eis steht.
Besser gesagt stand denn jetzt liegen beide auf dem Eis.
„Tom du Rindvieh pass doch auf!“ Bill muss trotzdem lachen.
„Ich hab dir doch gesagt ich kann das nicht!“, murmelt Tom verlegen und bemüht sich eilig wieder von Bill aufzustehen, was ihm aber genauso wenig gelingt wie sich ein paar Minuten aufrecht auf dem Eis zu halten.
„Tja bin ich wohl selbst dran schuld!“, Bill zuckt die Schultern. „Meinst du du kriegst das heute nochmal hin?!“ Er wirft seinem Bruder einen kritischen Blick zu der immernoch versucht sich wieder zu erheben.
„Jaja!“, Tom nickt eifrig.
Bill muss grinsen und Tom, dem die Hitze ins Gesicht steigt, schafft es mit einem kräftigem Ruck aufzustehen um dann einen Moment später wieder hinzufallen.
„Du bist so unbegabt das gibt’s gar net!“ Bill prustet los.
„Ja tut mir leid!“ Tom schaut geknickt nach unten.
Ihm war ja schon von vorneherein klar gewesen, dass er sich blamieren wird. Warum musste Bill ihn auch hieher schleifen? Warum konnte Tom ihm nicht mal eine Bitte abschlagen?
Liebe ist doch etwas dummes…
Bill schafft es nun sich irgendwie unter Tom heraus zu wurschteln und steht auf.
„Woher kannst du das eigentlich so gut?!“ Schmollend sitzt er immernoch am Boden rum. Bill lacht. „Ich kann das ja auch nicht! Aber vorn paar Wochen waren wir mit der Klasse hier also hab ich schon etwas mehr Übung als du!“
„Unfair!“, murmelt Tom und hat langsam das Gefühl, dass sein Körper von der Kälte des Eises ganz taub wird.
„So ist das leben Bruder!“, flötet Bill gut gelaunt und packt Tom am Arm. „Komm schon hoch mit dir!“
Nach einigen Minuten stehen beide Zwillinge dann wieder aufrecht.
„Können wir jetzt net wieder heim gehen?!“
„Tom wir sind vielleicht grad mal 20 Minuten hier!“
„Na und?!“
Bill verdreht die Augen und schaut dann wieder ganz traurig. „Ich will aber noch hier bleiben!“ Tom bemüht sich nicht hinzuschauen. „Ich hab aber keine Lust mehr!“, murmelt er zu seinen Füßen.
„Ich aber!!!“
„Ahja dann bleib du hier und ich geh!“
„Neeein ich will das du hier bleibst!“
Tom blickt immernoch zu Boden und schweigt. „Bitte!“, setzt Bill nach.
„Boah wenns denn sein muss!“ Tom verschränkt motzig die Arme.
„Ach danke Bruder!“ Bill stürzt sich wieder auf ihn und umarmt ihn. Tom, immernoch auf wackligen Beinen kippt wieder nach hinten um.
„War jetzt klar!“ Bill nickt wieder grinsend.
„Hey was macht ihr beiden denn da unten?!“, fragt plötzliche eine vertraute Stimme. Verdutzt schauen beide auf und blicken direkt in zwei bekannte grüne Augen.
„Sandy!“, posaunt Tom. Bill zuckt zusammen. Diesmal schafft Tom es beim ersten Versuch, sich wieder richtig aufzustellen.
„Hey du! Na?!“
„Is ja cool das du auch hier bist! Ham uns ja ne Weile nich mehr gesehen!“
Sandy nickt. „Voll blöd das ich die Schule wechseln musste!“
„Ja!“ Toms blick wird ernst. Doch dann herhellt sich seine Miene wieder „Aber trotzdem dann is das wiedersehen umso schöner! Komm lass dich knuddeln!“
Bill sitzt immernoch am Boden und schaut schweigend zu dem, sich umarmenden Paar auf.
Er konnte Sandy noch nie leiden…früher musste er sie immer ertragen, weil sie sowas wie die beste Freundin von Tom war. Doch dann hat sie ja zu Bills Glück und Toms Pech die Schule gewechselt…
„Komm wir drehn ne Runde zusammen!“ Tom ist so begeistert Sandy wiederzusehen, dass er sogar Bill kurz vergisst. Dieser steht jetzt auch wieder auf.
„Klar gern doch! Wie lange bleibst du denn noch?!“
Tom strahlt: „Noch ganz lange, dank Bill!“
Bill verengt die Augen zu schlitzen. „Weißt du ich glaube du hattest Recht komm wir gehen doch wieder!“
Tom stutzt. Dann schüttelt er heftig den Kopf: „Neee wir bleiben jetz hier!“ Sprichs und dreht sich um, um mit Sandy übers Eis zu fahren.
Bill kocht vor Wut.
Diesen Tag wollten die Zwillinge doch zusammen verbringen! Zum ersten mal seit langem taucht wieder dieses Gefühl in ihm auf….es war verschwunden, als Sandy weg war, doch nun kommt es wieder.
Eifersucht!


Kapitel 30

„Und wie ist die neue Schule?!“, fragend schaut Tom zu Sandy hinunter, die fast einen ganzen Kopf kleiner ist als er. Jetzt wo er sie wieder sieht, wird ihm erst so richtig bewusst wie sehr er sie doch vermisst hat. Er war einfach zu sehr von seinen Problemen mit Bill abgelenkt…
Sandy schaut grinsend zu ihm auf: „Naja ganz okay da aber ohne dich natürlich voll langweilig!“
Tom seufzt. „War mir klar! Ohne mich geht nix!“ Sandy nickt ernst.
Beide müssen sich ein Grinsen verkneifen.
„Und was gibt’s hier so neues?!“
Tom zuckt die Schultern. „Nicht viel…eigentlich.“
Tom reibt sich nervös die Hände. Bis auf natürlich die Tatsache, dass er sich in seinen Zwillingsbruder verliebt hat!
„Jaja ohne mich kann ja auch nichts neues los sein“, kommentiert Sandy gespielt theatralisch.
„Ey geb ma nich so an!“
Tom knufft sie in die Seite. „Hast dich ja echt gar nicht verändert!“
„Ahja und?!“, Sandy zuckt die Schultern. „Find ich auch besser so!“
Tom nickt zustimmend.
„Nur so, aber ich bin auch noch hier!“, sagt plötzlich eine wohl bekannte Stimme von hinten.
Toms Herz krampft sich zusammen, als ihm siedend heiß wieder einfällt, mit wem er ja eigentlich hier ist.
Beide drehen sich um und blicken in Bills Gesicht, der mit verschränkten Armen vor ihnen steht.
„Sandy du erinnerst dich doch sicher noch an Bill?“
Die Angesprochene schnaubt kurz: „Klar wie kann man die Zicke vergessen?“
Bill kneift die Augen zusammen. Tom seufzt. Es ist wirklich kein Geheimnis, dass die beiden sich nicht ausstehen können…
Mit einem mal stellt Tom verblüfft fest, dass der einzige Freund, mit dem beide Zwillinge sich verstehen Andy ist. Allerdings kann Tom nicht das geringste mit Alex anfangen und Bill nichts mit Sandy. Bei Mädchen war das seltsamerweise immer so.
„Tom, ich dachte wir wollten den Tag zusammen verbringen!“, dringt plötzlich Bills Stimme zu ihm durch. „Naja…“, Tom blickt ratlos von Bill zu Sandy. „Wir könnten ja auch was zu dritt machen…vielleicht?!“, schlägt er nicht wirklich ernst gemeint vor.
Die Reaktion kommt auch prombt in dem Sandy und Bill gleichzeitig genervt bis ungläubig aufstöhnen.
„Also mit der geb ich mich nicht ab!“ Bills Blick verfinstert sich.
„Ja ich finde die Idee auch nicht grad sehr gelungen!“
Toms Miene hellt sich auf: „Wow aber seht mal ihr seit mal der gleichen Meinung! Vielleicht kommt ihr doch miteinander klar?“
Bill hebt eine Augenbraue in die Höhe. „Willst du mich verarschen?“
Tom seufzt und gibt’s auf.
„Weißt du Tom, ich glaube es ist besser wenn ich jetzt gehe! Wenn ihr den Tag zusammen verbringen wollt…“
„Nein, bleib!“
„Okay, tschüss!“
Bill und Tom hatten in Stereo geredet.
„Warum willst du das sie bleibt?!“, verärgert schaut Bill seinen Bruder an. „Wir beide wollten was unternehmen! Da hat sie nichts zu suchen!“
Tom nagt schuldbewusst an seiner Unterlippe. „Ich weiß aber…ich hab sie doch so lange nicht gesehen…tut mir leid!“
Das meint er wirklich ernst. Es tut ihm echt leid, aber bevor er sich noch mehr beim Schlittschuhlaufen blamiren würde, bricht er den Tag mit Bill lieber ab und unternimmt etwas mit Sandy.
„Okay, wenn das so ist, dann kannst du ja jetz immer den Tag mit der da verbringen!“
Zutiefst gekränkt wendet Bill sich ab.
„Hey, nein!“ Tom packt ihn am Oberarm.
„Was denn? Wenn du lieber was mit ihr unternimmst!“
Tom von Panik ergriffen weiß sich nicht anders zu helfen: „Quatsch ich verbring den Tag doch viel lieber mit dir aber… heute ist das halt mal anders also…ich freu mich nur halt sie nach so langer Zeit wieder zu sehen!“
„Na dann weiterhin viel Spaß bei eurem wiedersehen!“, entgegnet Bill kühl und reißt sich von Tom los. Mit einem letzten verachtenden Blick zu Sandy fährt er davon.
„Willst du ihm nicht hinterher?!“
„Hä?“ Tom runzelt die Stirn.
„Naja wenn du den Tag normalerweise ja eh lieber mit ihm verbringst!“ Sandy rollt die Augen. „Was für ein Kinderkram, man!“
Genervt entfernt sie sich jetzt auch von Tom.
Dieser bleibt allein gelassen und etwas verloren auf dem Eis zurück.
„Na toll! Hast du ja super hinbekommen!“, schimpft er mit sich selbst. Er macht sich jetzt auch daran, dass Eis zu verlassen, doch kaum hat er einen Fuß bewegt, rutscht er aus und küsst wieder den Boden.
Mit zusammen gebissenen Zähnen reibt er sich sein schmerzendes Knie. „Was ein Tag!“




Kapitel 31

Irgendwie, unter starken Bemühungen, schafft Tom es vom Eis hinuter zu humpeln. Sein Knie schmerzt höllig und er bringt es kaum fertig mehr einen normalen Schritt zu gehen.
Er ist unglaublich erleichtert, als er endlich wieder festen und vorallem keinen glatten Boden unter sich hat.
Von Bill und Sandy fehlt allerdings jede Spur. Tom seufzt kurz auf und entschließt sich, seine normalen Schuhe wieder anzuziehen und dann nach Hause zu gehen! Erst bei Bill entschuldigen und dann schlafen…die letzten Tage waren echt anstregend.
Leidend macht er sich auf den weg nach Hause.
Dort endlich angekommen stellt er erleichtert fest, dass seine Mutter und Gordon noch auf der Arbeit sind. Das heißt also, dass er hier alleine ist…..mit Bill! Erfreut humpelt Tom die Treppe hoch, auf der Suche nach seinem Bruder, um sich zu entschuldigen. Auch wenn er nicht so genau weiß, wie er dies tun soll. Was gibt es da schon zu erklären? Tom hat sich so gefreut Sandy wiederzusehen und hat Bill deshalb ganz vergessen…das wird er sicher nicht gerne hören!
Grübelnd bleibt Tom vor Bills geschlossener Zimmertür stehen. Aber er kann auch schlecht die Erklärung nehmen, dass er sich nicht mehr vor Bill bloßstellen wollte, weil er kein Schlittschuhlaufen kann. Dann müsste er ihm unter weiteren Erklärungen ja auch noch seine Gefühle beichten. Tom läuft ein Schauer über den Rücken. Ihm wird schlecht bei der Vorstellung, dass Bill ihn dann Abstoßend findet und nichts mehr mit seinem perversen Zwilling zu tun haben will.
Immernoch unschlüssig steht Tom im Flur. Er wird Bill einfach sagen müssen, wie Leid es ihm tut und dass das sicher nie wieder vorkommen wird, weil er gerne mit ihm den Tag verbringt….unheimlich gerne….zu gerne…
Tom seufzt und umfasst den Türgriff entschlossen mit der Hand. Er muss sich einfach entschuldigen, er hält es nicht aus sich mit Bill zu streiten! Er atmet nochmal tief ein und öffnet dann mit einem Ruck die Tür.
Ein Blick genügt, um ihm sagen zu können, dass er sich das ganze Theater hätte sparen können: Das Zimmer ist leer und somit keine Spur von Bill.
Verärgert flucht Tom los. „Verdammt wo treibt der sich schon wieder rum?!“
Er hört eine kleine, leise Stimme in seinem Kopf die ganz klar das Wort „Alex“, flüstert. Das Blut schießt ihm ins Gesicht bei dem Gedanken, dass er sich aufgrund der kleinen Auseinandersetzung eben wieder mit Alex vertragen hat. Das Bill wieder zu ihr gerannt ist, nur wegen Tom. Dass er ihn somit selber in ihre Arme getrieben hat.
Nachdenklich kaut er sich auf der Unterlippe herum. Wenn er bei Alex ist! Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er nicht bei ihr ist? Sehr gering…
Deprimiert verzieht Tom sich wieder humpelnt in sein Zimmer. Jetzt kann er nicht mal mehr mit Bill reden und sich entschuldigen!
Tom setzt sich auf den Schreibtischstuhl und sein Blick fällt auf sein Matheheft. Ein Kloß bildet sich in seinem Hals bei dem Gedanken, dass Bill ja eigentlich noch mit ihm lernen wollte. Schuldbewusst blickt Tom zu Boden.
Wie konnte er Bill nur so behandeln? Nachdem dieser sich großzuügig bereit erklärt hatte mit Tom zu lernen. Wieso war er so dumm? Wegen einem Mädchen…
Tom schüttelt kurz den Kopf und blickt dann mit unverwantem Blick auf sein Mathezeug. Bill hat gesagt es wird sich nicht gedrückt…
Ein kleiner Hoffnungsschimmer keimt in ihm auf, dass Bill vielleicht doch noch mit ihm lernt….
Falls dieser heute überhaupt nochmal von Alex nach Hause kommt….


Kapitel 32

Helle Sonnenstrahlen fallen Tom ins Gesicht. Verschlafen öffnet er die Augen und blinzelt mehrmals. Er liegt immer noch vollständig angezogen vom Vorabend auf dem Bett. Er beschattet die Augen mit einer Hand und ein Blick auf die Uhr verrät ihm, dass es gleich 10 Uhr ist. Sofort richtet er sich auf.
Erst steigt leichte Panik in ihm auf, weil er denkt verschlafen zu haben und so mit Sicherheit zu spät in die Schule kommt. Verärgert fragt er sich, warum ihn keiner geweckt hat, bis ihm einfällt, dass heute ja Samstag ist.
Beruhigt lässt er sich wieder nach hinten fallen.
Schlittschuhlaufen ist wohl ziemlich anstrengend…
Tom kann sich gar nicht mehr erinnern, eingeschlafen zu sein geschweige denn gehört zu haben, dass Bill gekommen ist.
Er zwingt sich dazu aufzustehen und schlurft nur in Boxershort und T-Shirt begleidet nach unten. Schon auf der Treppe schnappt er einzelne Wortfetzen auf, die ihm zeigen, dass die anderen auch schon wach sind.
Immer noch leicht am humpeln betritt Tom die Küche und setzt sich schweigend an den Tisch.
Simone schaut ihn fragend an, Bill jedoch würdigt ihn keines Blickes und starrt nur auf seinen Teller vor sich.
„Was hast du denn gemacht? Warum humpelst du denn so?!“ Die besorgte Mutter natürlich.
Tom zuckt die Schultern. Er muss es erst mal verdauen von Bill so ignoriert zu werden. Die Erkenntnis, dass zwischen den beiden wirklich nicht alles in Ordnung ist versetzt ihm lauter kleine Stiche in die Brust. „Ich bin hingefallen.“, erläutert Tom dann nur knapp.
Simone zieh die Augenbrauen in die Höhe. „Hingefallen?“
„Ja er ist wohl bei einem seiner Kunststücken auf dem Eis ausgerutscht! Hätte nicht gedacht das gerade ihm so etwas passieren kann.“, sagt Bill trocken bevor Tom auch nur den Mund aufmachen kann.
Eine kurze peinliche Stille tritt ein in der Tom sich ernsthaft bemühen muss die Tränen zurück zu halten. Die bissige Bemerkung von Bill trifft ihn hart und jede Stelle seines Körpers scheint von diesen Worten berührt zu sein.
Simone kommt nicht ganz mit: „Äh, wusste gar nicht das du so gut Schlittschuhlaufen kannst!“ Toms Wangen erröten. „Ich auch nicht“, murmelt er leise. Ein kurzer Blick zu Bill zeigt ihm, dass ein Grinsen seine Lippen ziert. Simones Gesicht kennzeichnet immer noch Verwirrung. „Na ja komm jetzt ess erst mal was!“, sie reicht Tom die Brötchen über den Tisch. „Was möchtest du drauf haben?“, fragt sie und deutet auf die Ansammlung von, Marmelade, Nutella, Käse, Wurst und allem anderen erdenklichen Sachen auf dem Tisch.
Tom schüttelt den Kopf. „Ich hab keinen Hunger!“, sagt er und steht langsam auf.
Simone schaut noch verdutzter. Auch Bill blickt nun auf. Tom und keinen Hunger?
“Ja ich geh dann mal…Hausaufgaben machen!“, sagt er noch. „Heute? Am Samstag?“ Tom nickt nur wieder.
Mit einem letzten undeffinirbarem Blick zu Bill dreht er sich um und verlässt unter gespielt dramatischem Humpeln die Küche.
„Weißt du was mit ihm los ist?“, hört er Simone noch an Bill gewandt fragen.
„Nö“, antwortet dieser nur lässig.
Mit brennenden Augen verkriecht Tom sich nun in seinem Zimmer. Er hätte nie gedacht, dass Bill wirklich so heftig reagieren würde. Da mit ihm ein ernsthaftes Gespräch zu führen könnte schwer werden…

Kapitel 33

Gedankenverloren sitzt Tom auf seinem Bett. Natürlich hatte er keine Sekunde daran gedacht nun wirklich Hausaufgaben zu machen.
Wie soll es jetzt weiter gehen? Bill scheint wirklich mächtig sauer auf ihn zu sein.
Nervös fährt er sich mit einer Hand durch die Dreads. Ob er es wagen kann gleich mal zu ihm rüber zugehen? Oder würde Bill ihm nur die Tür vor der Nase zuknallen?
Na ja das würde er wohl nur herausfinden, wenn er es versucht!
Angespannt richtet Tom sich auf. Er ist sich sicher Bill vor einigen Minuten in sein Zimmer gehen gehört zu haben. Unsicher bewegt er einen Fuß.
Wieder fragt er sich, was er Bill wohl erzählen soll. Warum hat er ihn so sitzen gelassen? Warum ist er lieber zu Sandy?
Tom überlegt noch einen Moment, dann allerdings ohne nachzudenken, geht er mit schnellen Schritten aus seinem Zimmer. Bevor er es sich doch noch anders überlegen kann, stürmt er ohne anzuklopfen ins das Zimmer seines Bruders.
Bill schaut kurz verwirrt auf, doch kaum hat er Tom gesehen wendet er den Blick wieder dem Fernseher zu. „Was willst du?!“, fragt er mit betont gleichgültiger Stimme.
Tom steht etwas unsortiert in der Mitte des Raumes. „Also, ich wollte….mal kurz mit dir reden!“ Ein riesiger Kloß steckt ihm im Hals und er versucht ihn durch mehrfaches Schlucken wieder los zu werden. Vielleicht hätte er sich vorher doch noch überlegen sollen, was er sagt…
„Ich wüsste nicht so genau worüber!“ Noch immer ist Bills Blick starr nach vorne gerichtet.
Tom trippelt nervös von einem Fuß auf den anderen. Ihm ist es nur recht, dass Bill ihn nicht anschaut. Würde Tom in diese Augen schauen könnte er sowieso nicht mehr klar denken geschweige denn eine Entschuldigung über die Lippen bringen.
„Bill, ich will mich bei dir entschuldigen…wegen gestern!“ Tom atmet noch mal tief ein. „Ich weiß, dass wir beide den Tag eigentlich zusammen verbringen wollten, aber ich hab mich halt so gefreut Sandy wieder zu sehen, nach so langer Zeit….trotzdem ich weiß, dass das falsch von mir war und ich dich nicht hätte ignorieren dürfen!“
Tom hält inne. Bill zeigt immer noch keine Regung, auch wenn Tom sich einbildet, dass sein Blick nicht mehr all zu abweisend wirkt. Also noch mehr…
„Bill, ich verbringe unheimlich gerne den Tag mit dir! Viel lieber als mit irgendjemand anderem…auch lieber als mit Sandy!“ Angespannt hält Tom die Luft an. Er hat es wirklich über die Lippen gebracht. Er hat es Bill gesagt. Ihm gestanden, dass er mit ihm am liebsten den Tag verbringt. Aufgelöst schaut Tom zu seinem Bruder und wartet auf eine Regung. Mit gutem Wille könnte man das auch für ein Liebesgeständnis halten? Panisch reibt Tom sich die Hände. Wenn Bill jetzt gleich angewidert aufschreit? Wenn er runter zu Simone rennt und ihr alles erzählt? Oder wenn Bill ihn anbrüllt, dass er doch gestört ist? Durch diese maßlos übertriebenen Hirngespinsten in seinem Kopf merkt er erst gar nicht wie Bill ihm jetzt doch den Blick zuwendet. Seine Augen glitzern auf.
„Danke Tom!“, Bill steht langsam auf. „Weißt du ich verbringe den Tag auch am liebsten mit dir! Gerade [I]deshalb[/I] war ich auch so sauer…und verletzt.“
Schweigend schauen die Zwillinge sich an. Es herrscht Stille. Tom sagt nichts, weil er zu sehr von Bills Augen gefangen genommen ist und daher kein Wort über die Lippen bringt. Er meint sogar, die wärme, die von Bill Augen und allein von Bill ausgeht, zu spüren. Ein angenehmes Gefühl macht sich in ihm breit. Wenn er es Bill doch einfach sagen könnte…das Kribbeln, das Bills Worte bei ihm ausgelöst haben scheint noch Stärker zu werden. Vielleicht wäre das jetzt auch der Richtige Moment ihm zu sagen, was er wirklich fühlt!
Oder wenn er….
Langsam und unsicher geht Tom einen schritt vor. Bill weicht nicht zurück. Sie schauen sich einfach weiter an.
Tom, bestärkt davon, wagt sich noch einen halben Schritt vor.
Bills Augen scheinen ihn wie magisch anzuziehen. Nur wenige Schritte trennen die Zwillinge noch voneinander. Tom reibt sich nervös die Hände an der Jeans. Sollte er es wagen?
Wer nichts wagt, kann nichts verlieren
Aber man kann auch nichts gewinnen…
Immer noch unsicher geht Tom wieder einen schritt vor. Würde er jetzt die Hand aus strecken könnte er Bill die Wange streicheln und seine schöne sanfte Haut berühren…
Toms Herz beginnt zu Rasen und sein Atem geht stoßweise.
Die Tatsache, dass Bill nichts unternimmt sondern einfach nur dasteht und ihn ansieht bringt ihn beinahe um den Verstand.
Er muss es jetzt einfach wagen, er muss es versuchen!
Ganz langsam kommt er noch näher und beugt seinen Kopf nach vorne

Kapitel 34

Nur noch wenige cm trennen die Zwillinge voneinander. Toms Herz klopft ihm bis zum Hals. Sie sind sich nahe. Ganz nahe. Bills Geruch steigt ihm schon in die Nase und er zieht ihn gierig ein.
Noch immer kann er es nicht wirklich wahr haben, was hier gerade geschieht und vor allem was er da gerade tut. Doch das ist vielleicht auch besser so. Wäre Tom bei Sinnen, könnte er das alles hier jetzt nicht.
Bill hat sich noch nicht vom Fleck gerührt. Er steht einfach nur da und es ist unmöglich zu sagen was in ihm vorgeht. Tom weiß nicht, ob nur die Verwirrung ihn dort hält oder auch das Verlangen nach Tom. Letzteres wohl eher weniger…
Tom hat das Gefühl, dass die Luft im Zimmer immer wärmer und stickiger wird. Wenn er einatmet berührt seine Brust schon sanft die von Bill. Seine Augen sind immer noch fest an die seines Bruders geheftet. Langsam senkt Tom den Blick und betrachtet nun dessen Lippen. Sie laden ihn förmlich ein. Sie sehen so weich und schön aus. Tom spürt das Verlangen in sich aufkommen ihn küssen zu wollen. Diesmal kann sein Kopf ihn nicht davon abhalten zu benebelt ist er von Bills Nähe und seinem Geruch.
Ein letztes Mal schaut Tom in die faszinierenden Augen seines Bruders, dann legt er langsam seine Lippen auf die von Bill. Alles Blut schießt ihm in den Kopf. Sein Herz beginnt noch wilder zu klopfen. Toms Lippen pulsieren angenehm und ihm wird vor Glück schon fast schwindelig.
Angespornt, da Bill im ersten Moment nicht zurück weicht, drückt er sich noch enger an ihn und hat Mühe sich zurückzuhalten. Genießerisch schließt Tom die Augen. Eine glühende Wärme geht von seinen Lippen aus und verbreitet sich in seinem ganzen Körper.
Doch nach einigen Sekunden zeigt Bill dann die erste Reaktion. Überrascht löst er seine Lippen von denen Toms und sieht ihn fassungslos an.
„Wa-was war das denn?!“ Er fährt sich leicht mit einem Finger über den Mund.
Tom taumelt leicht zurück. Was hat er da getan? Was hat er gemacht? Er hat Bill geküsst! Aber er bereut es keines Wegs… dafür war es einfach zu schön
„Ich…ich weiß nicht! Tut mir leid…das war… sorry!“ Tom atmet tief ein. Bill musterte ihn scharf. „Du hast mich geküsst!“
Tom zuckt etwas zurück. Es klang nicht wütend. Nein, eher verwundert. Immer noch rauscht das Blut in seinen Adern und diese wohlige Wärme will auch nicht verschwinden.
„Ja, tut mir Leid, ich wollte das nicht…“ Verlegen beißt er sich auf die Unterlippe. Wenn er eins mehr wollte als alles andere auf der Welt, dann war es [I]das[/I]…
Bill runzelt leicht fragend die Stirn. Sein Blick durchbohrt Tom, als versuche er seine Gedanken zu lesen. „Warum hast du das gemacht?!“ Wieder schwingt da diese Verwunderung in seiner Stimme mit.
„I-ich weiß nicht!“, stammelt Tom. „Ich hab nicht nachgedacht, es ist einfach so…passiert!“ Er senkt den Blick und murmelt nun zum dritten Mal eine Entschuldigung. Bill schüttelt immer noch perplex den Kopf. „Man das war ja mal merkwürdig!“ Er schaudert kurz. „Man das ist doch…“, er hält inne und scheint nach dem richtigen Wort zu suchen. Tom wartet neugierig ab. Sein Körper spannt sich an. „Gott, wenn Alex das wüsste“, Bill lacht. „So was ist doch verboten! Man…. Verrückt!“ Wieder schüttelt Bill lachend den Kopf. Auch Tom zwingt sich ein Grinsen auf.
„Na ja… hoffen wir nur mal das, dass nicht noch mal vor kommt oder? Irgendwie ist das ja schon… ich meine wir sind Zwillinge! Oh Gott… irgendwie schon eklig“
All die Wärme entweicht Tom und in ihm macht sich plötzlich nur noch eine eisige Kälte breit.
Eklig, eklig, eklig…., hämmert es in seinem Kopf.
Bill fand es eklig…
Toms Augen fangen an zu brennen. Er blinzelt mehrmals nacheinander um die Tränen zurück zuhalten.
„Sorry ich muss grad mal… ins Bad!“, presst er gerade noch an Bill gewandt hervor und stürmt schon aus dem Zimmer. Er rennt ins Bad und schlägt die Tür hinter sich zu.
Er schluchzt laut auf und nun kann er die Tränen nicht mehr unterdrücken.
Bill findet es ekelhaft…
Nun ist es also klar. Nun weiß Tom also, dass Bill seine Gefühle nicht erwidert.
Langsam lehnt Tom sich mit dem Rücken an die Tür und rutscht an ihr herunter.
Für einen winzigen Moment, als sie sich geküsst haben, hat er sich doch tatsächlich wieder Hoffnungen gemacht.
Wie konnte er nur so naiv sein?
Unaufhaltsam strömen ihm die heißen Tränen über die Wangen.
Nie wird alles gut werden… nie wird er glücklich…
Langsam lässt er den Kopf in seine Arme sinken und schließt die Augen.
Wird er je wieder glücklich werden? Mit der eindeutigen Gewissheit, dass Bill im nie gehören wird?

Kapitel 35

Wie in Trance sitzt Tom immer noch auf den kalten Fließen im Bad.
Die eisige Kälte in ihm drin will einfach nicht verschwinden. Seine Augen sind gerötet und immer noch laufen ihm vereinzelt Tränen über die Wange.
Immer wieder dringen Bills Worte durch seinen Kopf. …irgendwie schon eklig.
Gut, dass er den Schritt gewagt hat, sonst würde er sich immer noch Hoffnungen machen!
…irgendwie schon eklig.
Er war so glücklich. Das war so ein tolles Gefühl Bill zu spüren, ihn zu küssen! Es sollte einfach nie enden und immer weiter andauern.
Doch umso größer war dann der tiefe Fall am Ende.
…irgendwie schon eklig.
Nie wird Bill zu ihm gehören. Nie wird er seine Liebe erwidern. Nie wird Tom mehr glücklich sein.
Nicht ohne Bill!
…irgendwie schon eklig.
Tom schüttelt stark den Kopf, in der Hoffnung nicht mehr so daran denken zu müssen und diese Worte von Bill zu verdrängen. Doch vergeblich.
„Du…Tom?!“ Ein zaghaftes Klopfen an der Tür reißt ihn aus seinen Gedanken.
Erschrocken versteift sich Toms Körper. Das war Bill. Eindeutig! Angespannt lauscht er.
„Alles in Ordnung bei dir?“ Wieder klopft Bill gegen die Tür.
Tom schließt kurz die Augen und wieder steckt ihm ein riesiger Kloß im Hals. Allein schon Bills Stimme zu hören versetzt ihm Stiche in die Brust.
…irgendwie schon eklig.
Weitere Tränen treten ihm aus den Augen. Angespannt beißt er die Zähne zusammen um nicht laut aufschluchzen zu müssen. Seine Hände sind zu Fäusten geballt.
Er hört wie Bill noch ein paar Minuten unschlüssig vor der Tür steht doch dann geht er auch wieder in sein Zimmer.
Erleichtert atmet Tom auf. Trotzdem ballt er seine Hände weiter zu Fäusten. Ganz fest, so dass die Knöchel schon ganz weiß hervortreten. Mit den Fingernägeln schneidet er sich schon leicht ins Fleisch. Er spürt einen dünnen Blutrinnsal der ihm am Handgelenk entlang läuft.
…irgendwie schon eklig.

Irgendwann erhebt sich Tom dann vom Boden. Er hat jegliches Zeitgefühl verloren. Langsam verlässt er das Bad und schlurft mit hängenden Schultern in sein Zimmer. Aus Bills Zimmer dringt Musik zu ihm herüber. Tom ist das nur recht, denn so kann er wenigstens unbemerkt an ihm vorbei gelangen.
In seinem Zimmer angekommen setzt er sich wieder auf den Boden. Den Rücken hat er gegen die kühle Wand hinter sich gelehnt.
Eigentlich hatte er es doch gewusst. Es war doch eigentlich klar gewesen, dass Bill seine Liebe nicht erwidert. Bill liebt Alex, er liebt seine Freundin! Nicht seinen Bruder.
Toms Gesichtszüge verhärten sich. Er sollte nicht hier herum sitzen und sich selbst bemitleiden! Er hatte es doch gewusst. Es ist nicht zu ändern. Es ist Tatsache. Seine große Liebe, wird ihn nie lieben.
Toms Augen brennen vom vielen weinen und langsam beginnt auch noch sein Kopf zu schmerzen. Er fühlt sich an die Stirn; sein Gesicht ist glühend heiß.
Ganz langsam lässt er sich zur Seite kippen und presst seine Stirn auf den kühlen Boden.
Vielleicht wird er ja krank. Dann muss er Bill in nächster Zeit erst mal nicht sehen…
Er müsste nicht in die Schule und Alex würde er auch nicht sehen.
Niemand.
Er könnte ganz alleine sein, weil er ja seine Ruhe braucht. Er will nur allein sein.
Denn das ist er ja auch. Er ist alleine mit seinen Gefühlen. Ganz alleine. Von Bill keine Spur davon.
…irgendwie schon eklig
Weiß er eigentlich wie sehr er Tom mit diesen Worten verletzt hat?
…irgendwie schon eklig.
Tom sieht dunkel Schatten vor sich. Alles versinkt im Nebel. Nie mehr wird er Bill in die Augen sehen können…

„Tom? Tom!!“ Jemand rüttelt ihm an den Schultern. „Nein!“, murmelt Tom verschlafen. „Ich will nicht!“
„Mein Gott, du bist ja ganz kalt! Komm jetzt steh schon auf! Was liegst du denn hier am Boden rum?!“ Bills Stimme klingt besorgt und überschlägt sich fast.
Verwirrt öffnet Tom die Augen. Sein Kopf tut höllisch weh und ihm ist schwindelig.
Ihm geht’s total elendig. Er spürt ein unangenehmes Pochen an den Schläfen. „Komm leg dich ins Bett!“, fürsorglich legt Bill einen Arm um seinen Bruder und führt ihn zum Bett. Völlig fertig lässt Tom sich nieder. Sein ganzer Körper tut ihm weh. Sachte streichelt Bill ihm über die Wange. „Schlaf hier noch etwas!“, flüstert er sanft.
Tom kann nur nicken. Sein Mund lässt sich irgendwie nicht bewegen. Er schließt die Augen und ist Sekunden später auch wieder eingeschlafen.

Kapitel 36

Langsam öffnet Tom die Augen um sie dann aber im nächsten Moment wieder zu zukneifen.
Sein Kopf pocht höllisch. Er verzieht das Gesicht schmerzverzerrt und weiß für einen Moment mal gar nicht wo er ist.
Alles dreht sich. Er stöhnt kurz leise auf. Was ist nur los?
„Tom?!“, flüstert plötzlich eine vertraute Stimme an seiner Seite. Verwirrt versucht Tom wieder die Augen zu öffnen.
„Bill?!“, schafft er es heraus zu bringen.
„Ja, ich bin es!“ Er spürt eine sanfte Berührung an der Wange. Kühle, zarte Finger die ihn dort entlang fahren. „Du bist ganz heiß und hast Fieber!“ Wieder die besorgte Stimme seines Bruders.
„Fieber?“, krächzt Tom.
Ach deshalb geht es ihm so elendig. Er schafft es die Augen einen spaltbreit zu öffnen und kann unscharf die Umrisse Bills erkennen. „Man hab ich Kopfweh!“, stößt er hervor.
Bill schüttelt leicht den Kopf. „Was liegst du auch auf dem Boden rum?!“ Fürsorglich nimmt er die Hand seines Bruders. „Du hast jetzt fast 12 Stunden durchgeschlafen!“
Tom braucht eine Weile um die Worte aufzunehmen. Er hat auf dem Boden gelegen? Angestrengt versucht er sich an den Grund zu erinnern, auch wenn das dröhnen seines Kopfes dabei nicht gerade hilfreich ist.
Gestern…er lag auf dem Boden. Er hat geweint weil…
…irgendwie schon eklig.
Wegen Bill! Sie haben sich geküsst. Toms Magen krampft sich zusammen.
Bill fand es eklig. Er erwidert seine Liebe nicht!
„Am besten…ich hol dir einen Tee okay? Oder willst du lieber Suppe oder so was?!“ Die besorgte Stimme seines Bruders holt ihn wieder zurück. Tee? Suppe? Schon bei dem Gedanken an etwas Essbares überschlägt sich sein Magen. Er würgt kurz auf. „Nein, bitte nicht!“
Bill muss lachen. Obwohl Toms Körper nur so glüht vor Fieber wird ihm doch kalt. Nicht etwa, wegen der Temperatur im Zimmer. Nein. Die eisige Kälte ist wieder in ihm drin. Sie frisst ihn förmlich auf. Wie kann Bill jetzt noch so nett zu ihm sein? Hat er denn nicht gemerkt, was er Tom angetan hat? Es war doch alles so offensichtlich! Erst küsst er Bill, dieser kommentiert dies darauf als >ekelhaft< und Tom rennt dann heulend aus dem Zimmer.
Merkt er denn nichts?
“Bill, komm lass Tom doch jetzt mal in Ruhe schlafen oder?!“, steckt Simone plötzlich ihren Kopf zur Tür rein. Bill zuckt leicht ertappt zusammen. „Ja okay!“, murmelt er und wendet sich dann noch mal kurz seinem Bruder zu. „Also dann ich geh mal! Du brauchst jetzt sicher deine Ruhe um schnell wieder gesund zu werden!“ Tom kann nicht mehr als nur nicken. Zum sprechen fehlt ihm einfach die Kraft. Und noch dazu mit Bill…
Als dieser den Raum verlassen hat, aber nicht ohne Tom noch einmal auf munternd zuzulächeln kommt Simone noch mal zu ihm ans Bett. Fürsorglich streichelt sie Tom über Die Dreads. „Mum….bitte!“
„Ja schon gut…aber das war doch echt toll von Bill oder?!“
Tom runzelt die Stirn. Was war toll von Bill? Das er den Kuss mit Tom eklig fand? Also da kann Tom ihr mal ganz und gar nicht zustimmen…
„Was meinst du?!“, fragt er nach und hofft, dass sie bald wieder geht, da ihn wieder die Müdigkeit überkommt.
Seine Mutter lächelt ihn sanft an. „Na er saß die ganze Zeit bei dir am Bett und hat gewartet, dass du aufwachst! Ich glaube er hat sich echt Sorgen gemacht!“
Damit steht sie auf und lässt Tom wieder alleine.
Dieser schaut ihr verdutzt hinterher.
Bill hat sich Sorgen um ihn gemacht? Er hat gewartet, bis er aufwacht?
Tom spürt ein Ziehen im Magen. Er ist sich nicht sicher wie er das finden soll.
Erst erklärt er ihm, dass er den Kuss eklig fand und nun kommt wieder so eine Aktion von Bill.
In Toms Kop macht sich wieder ein unangenehmes Summen breit.
Kurz presst er seine Hand gegen die Stirn. Sie glüht fast.
Am liebsten würde er jetzt weiter darüber nachgrübeln, was Bill dazu veranlasst, bei ihm am Bett zu sitzen doch er fühlt sich einfach zu müde und fertig dafür.
Langsam dreht er sich auf die andere Seite.
Immer noch mit pochendem Kopf schließt er die Augen. Er kann es nicht verhindern, dass seine Gedanken doch noch mal zu Bill wandern, kurz bevor er dann einschläft.

Kapitel 37

Unruhig wälzt Tom sich hin und her.
Ein Blick auf die Uhr sagt ihm, dass er jetzt knapp eine Stunde geschlafen hat. Er fühlt sich zwar müde aber sein Geist kommt einfach nicht zur Ruhe. Ständig muss er an Bill denken. Warum kümmert er sich so rührend um ihn? Warum?
Grübelnd schaut Tom vor sich in die Dunkelheit. Er könnte sich damit abfinden, er könnte die Hoffnung verlieren, dass Bill ihn nicht liebt. Er hat sich an die Tatsachen gehalten, dass Bill den Kuss eklig fand und eine Freundin hat.
Doch das wirft jetzt alles wieder um. Die Vernünftige Seite in ihm sagt, dass er aus reiner Bruderliebe so gehandelt hat doch die andere Seite… die springt wieder jubelnd auf und lässt Hoffnung in ihm aufkeimen.
Warum tut Bill ihm so was an? Warum?
Immer noch brummt Toms Kopf unangenehm und vom Fieber ist ihm so heiß, dass er die Bettdecke auf den Boden geschmissen hat. Wenn er die Augen auf hat dreht sich alles nur und wenn er sie schließt wird das Pochen seines Kopfes nur noch unerträglicher.
Am liebsten würde er aufstehen und sich unten in der Küche ein eiskaltes Wasser genehmigen in der Hoffnung, dass ihm dadurch nicht mehr so heiß ist und dass seine Kopfschmerzen etwas aufhören. Doch zum aufstehen fehlt ihm gerade einfach die Kraft.
Kurz spielt er mit dem Gedanken, nach Bill zu rufen. Aber er verwirft ihn sofort wieder.
Was denkt der denn dann von ihm? Außerdem muss er lächerlich aussehen, mit seinen verwuschelten Dreads und dem vermutlich knall rot angelaufenem Gesicht.
Deprimiert vergräbt er sich tiefer im Kissen.
Schlaf wird ihm sicher gut tun…wenn es denn mal dazu käme.
Tom schließt die Augen und versucht krampfhaft nicht an Bill zu denken. Nur schlafen…
Nach weiteren 15 Minuten gibt er es allerdings auf. Er kommt zu dem Schluss, dass es eh keinen Sinn hat und rappelt sich mühsam auf.
Wieder wird ihm schwindelig und er muss sich für einen Moment am Schrank festklammern um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Auf wackligen Beinen geht er Richtung Tür.
Das Mondlicht taucht den Flur vor ihm in ein helles Licht. Schritt für Schritt nähert er sich der Küche. Hin und wieder muss er sich an der Wand abstützen, wenn leichte Übelkeit in ihm aufkommt.
Er kann von Glück sagen, dass er nicht so krank ist, dass er sich auch noch erbrechen muss.
Irgendwann hat er es dann bis zur Küche geschafft und tastet sich halb blind zum Kühlschrank vor. Licht an zu machen getraut er sich nicht, weil er ja niemanden wecken will. Vor allem keinen Bill…
Tom holt eine kalte Wasserflasche aus dem Kühlschrank und wendet sich jetzt um, um sich ein Glas zu holen. Unter Schmerzen streckt er sich hoch und greift nach einem Glas. Er erfasst es mit den Fingerspitzen und holt es sich herunter. Er will es vor sich auf den Tresen abstellen doch plötzlich gleitet es ihm aus den Händen.
Mit einem lauten Geräusch fällt es auf den Boden und zerspringt in hunderte von Teilen.
„Verdammt!“, flucht er leise. Wenn das jetzt keiner gehört hat müssen die alle taub sein.
Tom verharrt ein paar Sekunden wie angewurzelt auf der Stelle und lauscht angespannt. Nichts rührt sich.
Erleichtert atmet er aus und holt sich ein neues Glas.
Nachdem er genug getrunken hat und es ihm sogar etwas besser geht steigt er vorsichtig über die Scherben und schleicht sich wieder nach oben.
Als er gerade die letzte Stufe der Treppe hinauf gestiegen ist erschreckt er sich beinahe zu Tode.
„Tom? Was machst du denn hier? Leg dich wieder hin, du bist krank!“
Wie aus dem Erdboden gestapft steht Bill plötzlich vor ihm.
„I-ich hab mir nur was zu trinken geholt!“, erklärt er.
Bill nickt verständnisvoll. „Was war das eigentlich eben für ein lautes Geräusch?!“
Tom zuckt ertappt zusammen. Also hat er damit doch jemanden geweckt…
„Mir ist ein Glas runter gefallen“, murmelt er verlegen dem Boden zu.
Bill muss sich ein Grinsen verkneifen.
In Tom macht sich langsam wieder die Übel- und Schwindligkeit breit. „Du Bill….mir ist wieder nicht so gut…“
Sein Bruder mustert ihn besorgt. Sanft legt Bill eine Hand an Toms Stirn.
„Ja, du bist immer noch ganz heiß! Komm ich bing dich wieder ins Bett!“ Schmunzelnd umfasst er Tom an der Taille. Für gewöhnlich würde das bei Tom jetzt ein Kribbeln auslösen doch er hat viel zu sehr damit zu kämpfen sich aufrecht zu halten.
Er will nur noch ins Bett.
Von Bill lässt er sich in sein Zimmer führen und lässt sich da dann erschöpft aufs Bett fallen.
„Willst du das ich hier bleibe oder soll ich gehen?!“ Besorgt mustert Bill seinen Bruder.
Tom zuckt die Achseln. „Ist mir egal, wie du willst! Aber wäre schön, wenn du bei mir bleibst!“, wispert dieser mit schon geschlossenen Augen.
Es dauert nicht lange und schon vernimmt Bill das gleichmäßige Geräusch von Toms Atem, dass ihm zeigt, dass er eingeschlafen ist.

Kapitel 38

„BILL!“ Die schrille Stimme von Simone reißt Tom aus seinem angenehmen Schlaf.
Was ist denn jetzt los? Er will weiter schlafen!
Müde kuschelt er sich enger unter die Bettdecke. Seltsam… ihm ist vorher noch nie aufgefallen, wie warm und schön es dort eigentlich ist.
„Bill Kaulitz, steh sofort auf! Du steckst dich noch bei Tom an, außerdem braucht er ruhe! Ihr seit doch keine kleinen Kinder mehr!“
Tom spürt eine Regung neben sich. Sekundenspäter verschwindet die angenehme Wärme. Verwirrt öffnet er die Augen und richtig sich halb auf. Verschlafen blinzelt er mehrmals und beschattet die Augen leicht mit der rechten Hand als Schutz vor dem hellen Licht.
„Aber Mum, Tom wollte nicht allein sein und da-“, doch Simone unterbricht ihn jäh: „ Nix da, du wirst sonst auch noch krank!“ Streng schaut sie ihre Söhne an. Genervt stöhnt Bill auf.
Immer noch verdutzt blickt Tom von einem zum anderen. Sein Kopf pocht immer noch unangenehm doch lang nicht mehr so schlimm wie gestern.
Nach und nach kommt ihm die Erinnerung wieder hoch. Bill hat bei ihm geschlafen? Im Bett? Obwohl er krank ist?
Noch mehr Hitze steigt in ihm auf, obwohl ihm von dem Fieber eigentlich schon heiß genug ist.
„So, du machst dich jetzt am besten mal fertig, du musst gleich schon in die Schule!“
Bill verdreht die Augen. „Wenns denn sein muss!“
Simone nickt. „Ja muss es!“, meint sie mit süß saurem Gesichtsausdruck.
Grummelnd verlässt Bill das Zimmer und schlurft ins Bad.
Simone wendet sich nun an Tom, dem es langsam beginnt zu dämmern, dass Bill tatsächlich die halbe Nacht bei ihm geschlafen hat. Nur, weil er nicht alleine sein wollte. Nur weil’s ihm schlecht geht. Nur weil er ihn drum gebeten hat. Nur wegen Tom…dabei hätte er sich wirklich anstecken können!
„Und wie geht es dir?!“
Aufgeschreckt blickt Tom auf. Er bringt erst keinen Ton über die Lippen.
´Bill hat die ganze Nacht bei mir mit Bett im geschlafen´, schallt es als in seinem Kopf wider.
„Mh anscheinend noch nicht so gut!“, meint Simone nach einigen Sekunden Stille und auf Toms verklärten Blick hin. „Na ja schlaf noch etwas!“, damit verschwindet sie und knipst das Licht wieder aus.
Verwirrt lässt Tom sich nach hinten fallen. Nachdenklich runzelt er die Stirn. Die Stelle neben ihm, wo Bill eben gelegen hat ist noch warm. Wieder kommen lauter Fragen in Tom auf.
Warum?
Warum macht er das?
Hat er vielleicht nur Schuldgefühle oder Mitleid? Mitleid, weil’s Tom so elendig geht? Weil er so leidet…
Schuldgefühle…
Eigentlich ist Bill ja auch dran Schuld, dass es ihm so schlecht geht. Aber das weiß Bill ja nicht.
Fragend stiert Tom vor sich in die Dunkelheit. Er fühlt sich wieder Hellwach auch wenn es noch früh ist und das Fieber sich langsam wieder bemerkbar macht.
Er kann aus dem Bad nebenan leise Geräusche wahrnehmen die ihm zeigen, dass Bill sich gerade für die Schule fertig macht. Ohne ihn.
Aber Alex wird er dort dann treffen. Toms Eingeweide verkrampfen sich schmerzhaft bei dem Gedanken.
Am liebsten würde er jetzt aufstehen und verkünden, dass er mit in die Schule kommt doch er weiß, dass seine Mutter ihm das nie erlauben würde.
Typisch Eltern. Wie er es doch hasst krank zu sein!
Genervt rollt Tom sich auf die andere Seite. Er könnte ja eh nichts unternehmen, was Bill von Alex fern hält. Wieder verspürt er ein Ziehen im Magen.
„Du Tom?!“
Die sanfte Stimme Bills lässt ihn aufschrecken. Sein Körper spannt sich an.
„Ja?!“
„Also ich geh jetzt in die Schule und Mum ja arbeiten… wenn was ist ruf mich am Handy an ja? Wenns dir schlechter geht oder so… ich komm dann, egal was Mum sagt!“ Er wirft seinem Bruder ein aufmunterndes Lächeln zu.
Tom steckt wieder ein Kloß im Hals. „Okay, danke!“, bringt er gerade so mit halb erstickender Stimme heraus.
„Ach is doch klar!“, meint Bill nur als wäre es das selbstverständlichste der Welt und schließt dann leise die Tür hinter sich, nachdem er auf den Flur getreten ist.
Seufzend lässt Tom sich nach hinten fallen.
Ein breites Lächeln ziert sein Gesicht.
Echt rührend wie Bill sich um ihn kümmert.
Langsam schließt Tom die Augen um das Glück, dass seinen Körper gerade durchflutet richtig spüren zu können.
Er kuschelt sich ganz eng an die Stelle, wo Bill noch vor geringer Zeit gelegen hat und atmet genießerisch ein. Er bildet sich sogar ein, dass Bill Geruch noch in der Luft liegt…
Ach er liebt es krank zu sein…

Kapitel 39

Quälend versucht Tom noch einmal einzuschlafen. Krampfhaft schließt er die Augen.
Es ist noch früh, also warum kann er nicht schlafen?
Bill...
Wieder geistert sein Bruder in seinen Gedanken herum. Sein sich sorgender Bruder.
Unwillkürlich muss Tom Grinsen. Immer wieder stellt er sich vor, wie er die halbe Nacht, eng an Bill gekuschelt, verbracht hat. Ob Bill das wohl noch mal tun würde? Heute Abend…
Tom bezweifelt stark, dass Simone das erlauben würde, aber sie muss es ja nicht unbedingt wissen?
Nach einigen Minuten, steht Tom dann allerdings doch auf. Ohne Bill ist es längst nicht so gemütlich…
Grinsend schlurft er in die Küche. Tom fühlt sich zwar noch etwas wacklig und heiß ist er auch noch, doch es ist längst nicht mehr so schlimm wie gestern. Bill neben sich liegen zu haben ist eben doch die beste Medizin. Toms Grinsen wird breiter.
Langsam nimmt er sich eine Tasse und füllt kochend heißes Wasser ein. Ein Tee und etwas Ruhe, wer weiß vielleicht darf er übermorgen schon wieder in die Schule. Dass Simone ihn morgen gehen lassen würde, bezweifelt er stark. Aber es muss schnell gehen…er will doch wissen, was jetzt mit Alex und Bill ist.
Als er den Tee dann ausgetrunken hat, macht er sich wieder auf den Weg in sein Zimmer.
Gelangweilt lässt er sich aufs Bett fallen.
Was soll er jetzt tun? Krank zu sein ist doch irgendwie blöd.
Auf der Suche nach Anregung, etwas zu tun lässt er den Blick durchs Zimmer schweifen. Bei seinem Handy bleibt er plötzlich hängen.
Es juckt ihm in den Fingern danach zu greifen. Es wäre ganz einfach. Nur Bills Nummer wählen und schon wäre er in einer halben Stunde hier.
Nervös wendet Tom den Blick wieder ab und schaut eine Weile einfach nur krampfhaft aus dem Fenster. Das wäre Unsinn. Bill würde nur unnötig ärger bekommen.
Aber der Reiz, Bill einfach anrufen zu können und ihn dann bei sich zu haben bringt Tom fast aus der Fassung und lässt noch mehr Nervosität ihn ihm aufsteigen.
Kurz schielt er zu seinem Handy rüber.
Ein Kloß sitzt ihm im Hals und er versucht ihn durch mehrfaches Schlucken wieder loszuwerden.
Er kann Bill doch nicht einfach von der Schule nach Hause holen nur weil ihm langweilig ist und er ihn vielleicht vermisst. Na ja mit Alex könnte er dann ja ach nicht mehr reden…
Reflexartig greift Tom nach dem Handy.
„Ahh nein!“, ruft er und schleudert es augenblicklich wieder weg. „Böse Hand! Ganz böse!“, schimpft er. Das geht nicht. Bill würde nur ärger bekommen. Außerdem ist er doch gleich wieder da… rasch wirft Tom einen Blick auf die Uhr. In einer halben Stunde ist die 6te aus.
Tom grinst. Also dauert es nicht mehr lange!
Entspannt lässt er sich nach hinten fallen, doch sofort springt er wieder auf, als hätte er sich auf heiße Kohlen gesetzt. Siedend heiß fällt ihm ein, dass Bill heute ja 8 Stunden hat.
Genervt stöhnt Tom auf. Das heißt dann also noch länger warten!
Wie soll er das nur aushalten?
Er lässt sich wieder nach hinten fallen und starrt gedankenverloren auf die Decke.
Warten…
Warten…
Wie er warten doch hasst. Völlig unnötig und voll die Zeitverschwendung.
Gelangweilt trommelt er mit den Fingern auf seinem Oberschenkel herum. Ohne Bill kann es ja auch nur langweilig sein.
Tom seufzt kurz auf.
Plötzlich fällt ihm sein Fernseher ins Blickfeld. Auch ne Lösung die Zeit tot zu schlagen.
Er richtet sich auf und greift nach der Fernbedienung. Auf der Suche nach etwas Ablenkung zappt er durch die Kanäle.
Nichts Interessantes ist dabei…
Plötzlich muss Tom gähnen und unerwartet überfällt ihn wieder eine Müdigkeit. Langsam schließt er die Augen…
Ein lautes Klingeln unten an der Tür lässt ihn plötzlich aufschrecken.
Er runzelt die Stirn.
Wer kann das denn jetzt sein?
Verschlafen reibt er sich die Augen und schaut auf die Uhr. Also Bill kann es nicht sein der sitzt nun in der 8ten Stunde.
Langsam steht Tom auf. Ob bei ihm wohl eine Stunde ausgefallen ist?
Sein Herz macht einen freudigen Hüpfer. Erwartungsvoll läuft Tom nach unten.
Endlich ist Bill da. Jetzt können sie den Nachmittag noch zusammen verbringen…schließlich muss sich ja um den armen kranken Tom gekümmert werden.
Ein Grinsen umspielt seine Lippen und erwartungsvoll reißt er die Haustür auf.
Toms Grinsen verblasst langsam.
Enttäuschung spiegelt sich in seinem Gesicht.
„Was willst du denn hier?!“
Toms Enttäuschung verwandelt sich in Verwirrung um. „Alex?!“

Kapitel 40

„Hallo!“, sagt Alex und mustert Tom herablassend. Ihre eisig blauen Augen strahlen ihm nur eine gewisse Kälte entgegen.
Tom bald unauffällig die Hände zu Fäusten. Wie er sie doch verachtet. Wie er sie doch nicht leiden kann. Wie er sie doch hasst.
„Also, was willst du?!“, fragt Tom wieder, diesmal allerdings um einiges kühler und mit zusammengebissenen Zähnen. Am liebsten würde er ihr jetzt entgegen brüllen, dass sie ja ihre dreckigen Finger von Bill lassen soll.
„Ist Bill da?!“, kommt nur die Gegenfrage. Alex´ Augen sind verächtlich zusammen gekniffen und mustern Tom weiter von oben bis unten.
Tom beißt die Zähne noch fester zusammen. Wie dreist. Hat diese Alex nicht wenigstens den Hauch von Anstand?
“Der hat 8 Stunden! Weißt du das nicht?!“, oder bist du nur blöd?, fügt er in Gedanken hinzu. Tom verschränkt abweisend die Arme und hofft, dass sie gleich wieder verschwindet. Bevor Bill tatsächlich nach Hause kommt.
Na ja im Notfall könnte er sie ja einfach raus schmeißen, ihr die Tür vor der Nase zu knallen!
Ein tückisches Grinsen umspielt Toms Lippen.
„Doch natürlich weiß ich das! Ich habs nur vergessen!“, erwidert Alex schnippisch. Tom grinst noch breiter. „Ja klar!“
Überlegen schaut er Alex an. Soll sie doch zugeben, dass sie noch Streit mit Bill hat. Dass er ihr in der Schule aus dem Weg gegangen ist. Dass sie hofft hier in Ruhe noch mal mit ihm zu reden. Aber das kann sie vergessen!
„Wars das dann?!“, fragt Tom gelangweilt und macht Anstalten wieder ins Haus zu gehen.
Alex funkelt ihn wütend an. Es ist schwer zu sagen, wer wen weniger leiden kann.
„Ich würde hier gerne auf Bill warten!“ Alex verschränkt nun ebenfalls die Arme und schaut Tom fest in die Augen. Dieser ist kurz sprachlos. Alex glaubt doch jetzt wohl echt nicht, dass er, Tom, sie ins Haus lässt? Und Bill dann nur in ihre Arme laufen lässt?
Seine Augen verengen sich nun ebenfalls zu schlitzen. „Tut mir leid, geht nicht!“, sagt Tom schlicht.
Empört schaut Alex ihn an. „Ich will hier auf Bill warten und mit ihm reden!“, erklärt sie ganz langsam, als würde sie mit einem 3 Jährigem Kommunizieren. Das macht Tom nur noch wütender. „Und ich hab gesagt: verzieh dich!“ Die Tatsache, dass er das eigentlich ja nicht gesagt hat, ist ihm herzlicht egal. Alex soll einfach nur verschwinden und nie wieder kommen. Am besten noch umziehen. Heute. Sofort!
„Was hast du für ein Problem?“, fragt diese nun, mit bemüht freundlicher Stimme. Doch Tom kann die unterdrückte Wut ganz deutlich heraushören. Dich, wäre ihm fast rausgerutscht, doch er bremst sich gerade noch. Er muss ja nicht grad übertreiben.
„Ich bin krank und will einfach meine Ruhe haben!“, sagt er deshalb.
Alex verdreht die Augen. „Na und?!“, zischt sie. „Ich warte einfach in Bills Zimmer auf ihn, ich bin eh nicht besonders heiß drauf mit dir zu reden!“
Unwillkürlich macht Tom einen wütenden Schritt auf sie zu; Alex einen zurück.
Wut schäumt in Tom auf. Was bildet die sich eigentlich ein? Hält sich wohl für was Besseres! Und in Bills Zimmer kommt sie mit Sicherheit nicht!
Alex, die wohl merkt, dass sie mit dieser Taktik nicht unbedingt an ihr Ziel kommt versucht ihr Gegenüber zu beschwichtigen.
„He, ich will einfach nur mal mit Bill reden, ich lasse dich auch ganz in Ruhe, versprochen!“
Doch Tom ist es völlig egal, was sie tut. Er will sie nicht ins Haus lassen und am allerwenigsten in Bills Zimmer.
„Ist mir egal, was du machst, solange du dabei weit genug von uns weg bist! Also, du kommst hier nicht rein und jetzt lass mich in Ruhe!“, sprichs und dreht sich um.
Tom stolziert wieder ins Haus und mit einem letzten verachtenden Blick zu Alex schließt er die Tür.
Erleichtert atmet er auf. Er kann nur hoffen, dass sie jetzt nicht vor dem Haus noch auf Bill wartet. Tom kaut sich leicht auf der Unterlippe herum.
Diese Alex ist doch echt eine Plage! Wie hält Bill es nur aus mit der zusammen zu sein?
Geschmacksverirrung?
Eindeutig: Ja!
Langsam geht Tom wieder nach oben. Na ja wenn man sich mal überlegt in wen er verliebt ist.
Er schüttelt kurz den Kopf.
In seinem Zimmer angekommen blickt er dann erst noch mal auf die Uhr. Bill müsste gerade im Bus sitzen. Hoffentlich ist Alex schon weg.
Bitte, lass sie weg sein!
Hibbelig wirft Tom dauernd wieder Blicke auf die Uhr.
Bitte, lass Bill gleich alleine kommen!
Als es dann unten an der Tür klingelt erschreckt er sich beinahe zu Tode.
Toms Herz beginnt wieder vor Aufregung schneller zu klopfen.
Langsam geht er nach unten.

Kapitel 41

Mit angehaltenem Atem öffnet Tom die Tür.
„Gott sei dank!“, stößt er erleichtert hervor, als nur Bill vor ihm steht. Keine Alex da.
Toms Anspannung entweicht ihm wieder und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.
„Ehm, ja alles klar?!“, fragt Bill verdutzt nach und mustert seinen Bruder misstrauisch.
Tom nickt eifrig. „Ja alles bestens!“
Mehr als bestens! Keine Alex mehr da, dafür aber Bill. Endlich. Nun muss Tom sich nicht mehr langweilen.
„Und, was macht das Fieber und so?!“, fragt Bill leicht besorgt, während er in die Küche geht um etwas zu Essen. Tom folgt ihm.
„Ach mir geht’s schon wieder besser, aber hab halt noch etwas Temperatur und Kopfschmerzen!“ Tom zuckt die Schultern. „Bin mir aber sicher, dass ich bald wieder gesund bin!“
Bill lächelt. „Das ist doch gut!“
Tom nickt wieder und setzt sich dann zu Bill an den Tisch.
Er ist fast schon wieder so gut gelaunt wie heute Morgen, als er gemerkt hat, dass Bill neben ihm geschlafen hat. Echt Glück, dass das mit Alex noch mal gut ging. Aber wenn sie morgen mit Bill redet…
Leichte Panik steigt wieder in Tom auf, doch er beruhigt sich mit dem Gedanken, dass er ja immer noch sagen kann, dass ihm nicht gut war und er einfach seine Ruhe haben wollte. Deshalb war er ja auch so unfreundlich zu Alex.
„Willst du auch was essen?!“, unterbricht Bills Stimme plötzlich seine Gedanken. Tom schaut kurz auf und verzieht das Gesicht. „Ne, lass mal, keinen Hunger!“
Bill nickt verständnisvoll und schaufelt weiter Nudeln in sich rein.
Tom seufzt kurz und senkt den Blick dann wieder. Und jetzt?
Einfach nur hier sitzen und sich anschweigen? Ne…
Wieder etwas gelangweilt beginnt Tom mit den Fingern auf dem Tisch herum zu trommeln.
Sein Blick wandert durch die Küche und bleibt dann nach einiger Zeit bei Bill hängen.
Wie auf Kommando wird sein Mund ganz trocken und sein Herz beginnt wieder zu rasen.
Sofort wendet er den Blick wieder ab.
„So, und was wollen wir jetzt machen?!“, fragt Bill nachdem er gegessen hat. Tom zuckt die Schultern. „Keine Ahnung!“
„Mhm“ Bill runzelt nachdenklich die Stirn. „Blöd, dass du nicht raus kannst. Jetzt müssen wir hier drin irgendwas machen.“
Tom nickt nur. So viel weiß er auch schon. Aber was kann man hier groß unternehmen? Fern gucken ist langweilig. Computer spielen? Ätzend! Play Station zocken? Blöd! Lernen? Gott bewahre!
„Na ja du darfst dich eh nicht überanstrengen, schließlich bist du ja noch krank!“
Bill wirft ihm einen skeptischen Blick zu und Tom zieht daraufhin fragend die Augenbrauen in die Höhe. „Willst du dich nicht vielleicht lieber hinlegen?!“
„Was?!“ Tom kreuzt gespielt beleidigt die Arme. „Nein!“, schmollt er.
Bill lacht. „Na gut, wenn du meinst!“
„Ja!“, erwidert Tom nachdrücklich lacht dann allerdings auch.
„Jetzt haben wir aber immer noch das Problem, dass wir nicht wissen, was wir machen sollen!“, meint Bill wieder ernster.
„Joa.“ Nachdenklich kratzt Tom sich am Hinterkopf. „Was besseres, als Fern oder DVD gucken fällt mir echt nicht ein!“, sagt Tom und verdreht die Augen. Sehr kreativ. Immer noch alles langweilig nach wie vor, trotz der Anwesenheit von Bill. Aber was kann man auch erwarten, schließlich ist Tom krank. Leider…
„Na okay komm gehen wir halt ne DVD schauen.“ Bill schüttelt leicht den Kopf. „Ich will mich eh hinlegen. Mir ist irgendwie auch etwas schwindelig.“
Er wirft Tom einen gespielt wütenden Blick zu. „Wehe du hast mich angesteckt!“
Der Angesprochene grinst kurz. „Tja so ist das Leben!“
Empört stemmt Bill die Hände in die Hüften und Tom springt auf. „Also komm jetzt DVD gucken!“ Er setzt sich in Bewegung.
„Du willst ja jetzt nur ablenken!“, beschuldigt Bill ihn steht dann allerdings auch auf.
„Und bei wem?!“
Unschlüssig bleibt Tom stehen. „Öhm… bei mir!“
Bill nickt zustimmend. „Wer zu letzte da ist muss noch mal runter gehen und was zu trinken holen!“, ruft Bill plötzlich und saust schon an Tom vorbei, die Treppe hinauf. Dieser schaut ihm erst verdutzt hinterher, läuft dann allerdings auch los, ohne nachzudenken.
Er hechtet seinem Bruder den Flur entlang hinterher.
„Erster!“, jubelt Bill und lässt sich auf Toms Bett fallen. „Das war ja auch unfair!“, schmollt Tom, nachdem er auch das Zimmer betreten hat.
„Tja Bruder so ist das leben!“ Nun ist es an Bill zu grinsen.
Genervt dreht Tom sich um und schlurft wieder nach unten. „Da hätten wir eben eigentlich auch grad was mitnehmen können!“, ruft er nach oben.
Er hört Bill lachen. „Ja eigentlich schon!“
Tom verdreht die Augen. Wie nett! Und das obwohl er krank ist.
Leidend seufzt er kurz.
Na ja wenigstens ist ihm so nicht mehr langweilig.
Noch ein Seufzen.
„TOM, beeil dich, ich hab durst!“, plärrt es plötzlich wieder von oben.
„Jaahaa!“
Ein drittes Seufzen.
Er kann nur hoffen, dass dieses DVD gucken heute besser wird, als das letzte!

Kapitel 42

„Hier!“
Tom wirft Bill eine kleine Colaflasche zu, welcher sie gekonnt auffängt. „Na endlich!“ Genüsslich trinkt er ein paar Schlücke.
Tom zieht verärgert die Augenbrauen in die Höhe. Da ist er krank, wird trotzdem noch zum Getränkeholen runtergeschickt und dann so etwas!
„Das heißt >danke<“, erwidert er trocken und schmeißt sich zu Bill aufs Bett.
Leicht schmollend verschränkt er die Arme.
Bill bleibt davon ungerührt.
„Kannst grad wieder aufstehen und die DVD reinschieben!“
Provukant sieht er seinen Bruder an. Tom verdreht die Augen. „Kannste selber machen! Ich bin krank!“, fügt er als Erklärung hinzu und wendet seinen Blick demonstrativ ab. Bill stöhnt genervt auf.
„Wenns sein muss!“ Leidend steht er auf. Unter dramatischem schlurfen geht er zum Fernseher und schiebt wahllos irgendeine DVD rein. Langsam setzt er sich wieder aufs Bett.
„Dass du mich auch immer so quälen musst!“ Mit einer raschen Handbewegung wischt Bill sich den nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn. „Wirklich sehr nett!“ Traurig blickt er zu Boden.
Tom verdreht wieder nur die Augen und wird langsam sogar schon etwas genervt. „Übertreib mal nicht immer so! Ich musste doch eben wieder runter laufen! Und ich bin krank!“, zetert er.
Bill schaut wieder auf. Überlegt kurz und nickt dann. „Stimmt, könntest du eigentlich grad noch mal und mir was zu essen holen?!“ Freudig schaut Bill seinen Bruder an.
„Du Fischkopf hast vor einer halben Stunde erst was gegessen!“, erwidert dieser und schmeißt Bill prompt ein Kissen an den Kopf. „Aua!“, schreit Bill wieder übertrieben auf.
Tom kann nur den Kopf schütteln und wendet sich dem Fernseher zu. Wie unreif Bill doch manchmal sein kann. Und in den ist er wirklich verliebt? Tom wirft ihm einen kurzen Seitenblick zu. Sein Herz beginnt wieder zu Rasen und Hitze kriecht in ihm auf. Ja, okay ist er.
„Na warte!“, kreischt dieser plötzlich auf und haut Tom nun ebenfalls ein Kissen um die Ohren. Erschrocken quiekt dieser auf, weil er nun gar nicht damit gerechnet hat. „Ey!“, protestiert er und hält sich schützend die Hände vors Gesicht. „Tja, Rache ist süß!“, lacht Bill und schmeißt weiter Kissen um sich. Tom mustert seinen Bruder kurz aufmerksam und kann ihm da nur voll und ganz zustimmen. Rache ist süß.
„Man Bill jetzt reichts aber!“ Bevor Tom gleich noch von den Kissen erschlagen werden kann wirft er sich vorne weg auf Bill und umklammert seine Handgelenke. „So!“
Bill versucht sich unter einigen Veränkungen wieder freizubekommen, doch Tom legt sich einfach mit seinem ganzen Gewicht auf seinen Bruder, welcher nun keine Chance mehr hat.
Toms ganzer Körper beginnt unkontrolliert zu Kribbeln und Bills heißer Atme trifft auf seinen Hals, so nahe sind sie sich.
„Das ist unfair!“, schmollt Bill und zappelt noch ein wenig um sich frei zu bekommen, allerdings weiterhin erfolglos.
„Pech!“, presst Tom nur hervor, während sich jedes einzelne Härchen auf seinem Körper aufstellt, als würden es magnetisch vom Himmel angezogen werden.
„Dafür kriegst du gleich noch ganz viele Kissen ins Gesicht!“, droht Bill gespielt ernst. Tom muss sich fast schon zwingen zu lachen. „Na ja dann ist es wohl besser ich lass dich nicht mehr los!“
Tom muss sich bemühen, seinen Atme ruhig klingen zu lassen, welcher wieder unkontrolliert schnell geht. Ganz dicht kann er Bill bei sich fühlen. Ganz nah. Seinen warmen Körper direkt an seinem gepresst. Seinen Duft, der Tom direkt in die Nase steigt. Immer mehr Hitze kriecht in ihm auf und Bills heißer Atme direkt auf seine Haut ist nicht gerade hilfreich.
„Fies!“
Bill versucht seinen Bruder weich zu kochen und durchbohrt ihn fast mit seinem lieben Blick aus den warmen braunen Augen.
Das veranlasst Tom nur noch zu mehr unkontrollierten Reaktionen. Allein Bills Augen lassen seinen Puls schon wieder rasen.
Das ungeheure Kribbeln beginnt langsam seine Sinne zu benebeln und langsam wandert Toms Blick wieder zu Bills Lippen. Die Gelegenheit wäre wieder perfekt.
Doch er kann es doch nicht wieder wagen?
Er würde wieder nur enttäuscht werden…
„Bill…ich…!“, unkontrolliert kommen Worte aus Toms Mund. Stotternd bricht er ab. Wie ausgetrocknet scheint seine Zunge am Gaumen zu kleben. Das Blut schießt ihm in den Kopf und die Hitze wird noch unerträglicher.
„Ja?!“, fragend schaut Bill ihn an.
Tom beginnt wieder schwerer zu atmen. Er kann doch jetzt nichts machen. Er kann es doch nicht sagen. Er kann nichts tun, es geht doch nicht. Was würde Bill dann denken?
Schweißperlen treten ihm schon auf die Stirn.
Wie gerne würde er ihn jetzt wieder küssen? Zu gerne…


Kapitel 43

Wie hypnotisiert schaut Tom weiter auf die Lippen seines Bruders.
Die Luft um ihn herum scheint ihn fast schon zu erdrücken so stickig ist sie. Er schafft es kaum mehr normal Luft zu holen.
Tu es!
Das Kribbeln und die Hitze benebelt seine Sinne immer weiter und sein Hirn setzt nach und nach mehr aus.
Tu es!
Nichts würde ihn davon abhalten. Es wäre die Gelegenheit! Bills weiche, schönen Lippen auf seinen zu spüren.
Tu es!
Ohne zu registrieren was er tut kommt er Bill noch ein Stück näher. Ihre Nasenspitze berühren sich sanft und Tom heftet seinen Blick wieder auf die Augen seines Bruders.
Wird er es zulassen? Kann er ihm wieder so nahe kommen? Wird er es vielleicht sogar erwidern? Wird es ihm gefallen? Oder wird er ihn wegschubsen?
Fragen stauen sich in Toms Kopf und schalten sein Gehirn wieder etwas ein.
Es wäre doch Unsinn…
Tief versinkt er in Bills Augen. Dieser bohrende Blick lässt grad wieder seine ganzen Zweifel schwinden. Kurz versucht Tom etwas in seinen Augen zu lesen. Wie findet Bill die Situation hier?
Unsicher wandert sein Blick wieder weiter runter. Bills Lippen. Wie gerne würde er es einfach wagen. Doch zu groß ist die Angst vor dem tiefen Fall. So wie das letzte Mal…
Ein kleiner Blitz durchzuckt Tom.
…irgendwie schon eklig.
Langsam macht sich wieder das unangenehme Gefühl in ihm breit und die Hitze in seinem Körper verschwindet immer mehr. Nur Kälte und Leere bleibt.
Nie wieder will er sich so fühlen wie da.
Nie wieder will er so verletzt sein.
Ganz plötzlich, wie aus Reflex reißt Tom sich von Bills Anblick los und rollt sich wieder von ihm runter. Er kann das einfach nicht…
Bill würde es doch sicher wieder eklig finden. Tom würde nur wieder die Enttäuschung spüren.
„Du sorry aber ich muss…ehm…mal kurz aufs Klo!“, stotterte Tom unbehaglich und sprang auf. Verwirrt blinzelte Bill kurz. Mit leicht verschleiertem Blick schaute er Tom an. „Was?!“
„Ja, bin gleich wieder da!“ Hastig dreht Tom sich um und rennt fast schon aus dem Zimmer. Flieht vor Bill. Er kann seine Nähe einfach nicht ertragen. Dieser blickt ihm nun nurverwirrt hinterher.
Wieder kommt er an den Ort, wo er sich nach dem ersten Kuss auch verkrochen hat.
Er schließt die Badtür hinter sich und seufzt kurz erleichtert auf.
Er konnte sich zurückhalten. Er hat es nicht getan – und wurde nicht verletzt.
Tom geht ans Waschbecken und blickt kurz in den Spiegel. Er sieht blass aus.
Er dreht den Wasserhahn auf und spritzt sich kurz eine Ladung eiskaltes Wasser ins Gesicht.
Tief atmet er ein und aus.
Er fühlt sich immer noch etwas merkwürdig, die Stellen seines Körpers, die Bill berührt hatte prickeln immer noch ein wenig.
Erschöpft lehnt er sich nach hinten an die Wand und schließt kurz die Augen. Der Moment war einfach so schön. Es war das Beste ihn zu unterbrechen. Jetzt ist er nicht verletzt worden. Und kann nur an dieses tolle Erlebnis denken.
Er und Bill.
Plötzlich erscheint sein Bruder vor Toms innerem Auge. Sein Gesicht. Wie er geschaut hatte, als Tom so abrupt aufgestanden war.
Er öffnet die Augen wieder. Bills Blick war so verklärt.
Toms Herz beginnt unwillkürlich wieder einen Takt schnell zu schlagen. Ob es ihm gefallen hat? Ob er es auch genossen hat?
In Tom kriecht ein seltsames fremdes Gefühl auf.
Und wenn es wirklich so wäre…?
Nervös fährt Tom sich über die Dreads.
Das wäre doch einfach zu schön!
Zu schön….. entschlossen schüttelt Tom den Kopf. Er sollte sich keine falschen Hoffnungen machen! Zu schmerzhaft wäre sonst nur wieder die Wahrheit! Zu hart wäre der Aufprall…die Realität.
Entschlossen richtet Tom sich auf.
Bill hat es nichts bedeutet! Er konnte nur eben nicht anders…wenn Tom auch auf ihm liegt!
Tom muss kurz schlucken und setzt sich dann langsam wieder in Bewegung. Es hat ihm nichts bedeutet! Rein gar nichts. Und jetzt wird er zurück ins Zimmer gehen und sich ganz normal mit seinem Bruder eine DVD anschauen!
Er öffnet die Badtür und schleicht langsam den Flur entlang.
Zurück in sein Zimmer…
…zurück zu Bill.

Kapitel 44

Langsam legt Tom seine leicht verschwitzte Hand auf die Türklinke und atmet tief ein.
„Es hat ihm nichts bedeutet!“, murmelt er sich noch mal selbst leise zu. „Nichts!“
Er wird jetzt einfach darein gehen und so tun, als wäre nichts geschehen. Einfach nur DVD schauen…
Mit einem Ruck drückt Tom die Klinke runter und öffnet die Tür.
Vorsichtig lugt er ins Zimmer und entdeckt Bill immer noch auf dem Bett liegend. Er hat die Arme hinter dem Kopf verschränkt und stiert geradeaus zum Fernseher.
Wie Tom es sich gedacht hatte; es hat ihm nichts bedeutet.
Alles ist wie immer. Er, Tom, hat die Gefühle und er, Bill, hat keine. Zumindest nicht für seinen Bruder. Es ist einfach alles wie immer!
Wie immer?
Tom muss plötzlich grinsen…Bill scheint ihn noch nicht entdeckt zu haben und nach den ganzen Köpfen zu schließen, die im Fernseher rollen, liegt ein Horrorfilm drin.
Das könnte jetzt Rache geben…
Außerdem würde dadurch die Stimmung wieder etwas aufgelockert werden und Bill würde keinen Gedanken mehr an vorhin verschwenden!
Toms Grinsen wird noch breiter, auch wenn es nicht wirklich Freude oder sonstiges ausdrückt. Es ist viel mehr da, um sich fast selbst etwas zu beweisen. Zu beweisen, dass er auch stark sein kann. Dass er es verkraften kann, dass Bill solch eine Situation nichts bedeutet.
Langsam schleicht Tom sich jetzt von hinten an seinen Bruder ran, der immer noch ahnungslos auf dem Bett liegt. Tom ist sich sicher, das es ihm gelingen wird Bill einen ordentlichen Schreck einzujagen. So wie der dort auf dem Bett liegt…richtig abwesend scheint er zu sein…oder er konzentriert sich einfach so auf den Film?
Geduldig bleibt Tom hinter dem Bett stehen und verfolgt den Film ein wenig mit. Er muss eine gute Stelle abwarten…eine Schrecksekunde…
Danach wird Bill es sich wohl erst zweimal überlegen, ob er den armen kranken Tom zum Getränkeholen in die Küche schickt.
Als es im Film gerade mucksmäuschenstill ist und angespannt auf die nächste Handlung gewartet wird, sieht Tom seine Chance gekommen.
Ruckartig wirft er sich nach vorne und packt Bill zwischen Hals und Schultern.
„Waaah Biiiiiiiiiiiiill!“, kreischt Tom und lässt sich vornüber ins Bett fallen. „Daaahaaaarrrrrhhh“, Immer noch hält er seinen Bruder fest und rüttelt ihn leicht.
Total erschrocken, quiekt Bill auf und Tom könnte schwören, dass er schon seinen lauten, schnellen, Herzschlag hören kann.
„Wa-wa-wa…waas…?“, stottert Bill vor sich hin und schaut gehetzt um sich.
Tom lässt nun wieder von ihm ab und beginnt sich im Bett vor lachen zu kringeln.
Schade, dass er keinen Photoapparat dabei hatte. Dieses Gesicht hätte man fotografieren müssen!
Völlig entgeistert schaut Bill seinen Zwilling an und scheint noch gar nicht zu verstehen, was da eigentlich passiert ist.
Tom muss sich fast schon Lachtränen wegwischen.
„D-d-dein…Ges…gesicht….soo….ge….geil!“, würgt er hervor. Dass diese Aktion ihm so viel Spaß bringen und ihn so aufmuntern würde hätte er nicht gedacht. Aber na ja, umso besser!
Immer noch schaut Bill Tom an wie eine Erscheinung. Mit aufgeklapptem Mund und noch schnellem Atem. Unnatürlich schnell hebt und senkt sich seine Brust. Immer wieder.
„Stirbst du gleich an dem Schock oder was?!“, fragt Tom und hält sich den Bauch.
Bill schüttelt kurz den Kopf.
„Man Tom!“, motzt er dann und versucht sich ein müdes Lächeln abzuringen.
„Ja? Ich hab dich voll dran gekriegt oder?!“ Stolz wirft er sich in Schale. „Hast du auch echt mal verdient!“
Schmollend verschränkt Bill die Arme. „Hab ich gar nicht! Das war voll fies von dir!“
Der Angesprochene zuckt gelassen die Schultern.
„Tja, was willst du machen?!“
“Ach ich wüsste da schon was!“ Ein Grinsen breitet sich auf Bills Lippen aus.
Misstrauisch zieht Tom eine Augenbraue in die Höhe. „Und wa-“, noch ehe er seine Frage beenden kann stürzt Bill sich auf ihn.
„Ah nein!“ Lachend lässt Tom sich unter der Last von Bill rücklings aufs Bett fallen. Nun ist fast genau wie eben, nur dass Bill nun auf Tom liegt.
Dieser beginnt jetzt seinem Bruder immer wieder in die Seite zu pieksen.
„Ah, ne das kitzelt!“, lacht Tom und versucht Bill irgendwie wieder abzuwimmeln. Doch dieser lässt sich natürlich nicht unterkriegen.
„Tja selbst schuld!“
Tom versucht unter dem Lachanfall irgendwie Bill von sich runter zubekommen, damit dieser ihn nicht weiter kitzeln kann und schafft es schließlich auch sich so zu drehen, dass Bill plötzlich wieder unten liegt.
„So, der Meister gewinnt halt immer wieder die Oberhand!“, gibt er gespielt an.
„Denkste!“ Bill dreht sich nun auch mit Schwung zur Seite und befördert Tom von sich runter.
Immer weiter kugeln die Zwillinge so übers Bett. Beide haben schon Bauchschmerzen vor lauter lachen.
„Aua, das war meine Hand!“, jammert Bill irgendwann, nachdem er sich die Hand irgendwo eingeklemmt hatte.
„Huch sorry!“, meint Tom nur und hält kurz in der Bewegung inne. Auch Bill verharrt.
Tom, der wieder oben liegt schaut seinem Bruder unter sich an. Bill blickt mit glänzenden Augen zurück. Wieder wird Tom von ihnen wie automatisch angezogen. Mit schnellem, keuchendem Atem liegen die beiden jetzt da.

Kapitel 45

Toms Atem geht schnell und unregelmäßig. Wieder gehen seine Gedanken mit ihm durch und ein schwaches Bild taucht in seinem Kopf auf, wo er sich langsam vorlehnt und seine Lippen auf die von Bill legt.
Er hat wieder die Möglichkeit. Schon wieder…
Aber es wäre das Beste, wenn er sein lässt. Wie eben…
Doch bevor er irgendetwas tun kann kommt Bill ihm plötzlich näher. Lehnt seine Stirn an die von Tom.
Dieser ist kurz so erschreckt davon, dass er im ersten Moment etwas zurückweicht.
Er schaut ihn die glänzenden Augen seines Bruders. Sie sind so schön und leuchtend und wieder so tief, dass Tom in ihnen versinken könnte.
Er kommt ihm langsam wieder näher und sein Herz droht gleich zu explodieren so schnell klopft es.
Bill ist ihm näher gekommen…
Die Tatsache, dass sein Bruder einen ersten Schritt gemacht hat, lässt Toms Gedanken überschlagen.
Will er es auch?
Findet er es schön?
Lässt er es zu von Tom geküsst zu werden?
Seine ganze Theorie, dass Bill das alles nichts bedeutet hat ist nun hinüber und Tom versteht überhaupt nichts mehr. Was geht da gerade in Bill vor? Was denkt sein Bruder? Was fühlt er?
Alles gibt für Tom keinen Sinn mehr und er ist sich unsicher, was er nun tun soll.
Den Schritt wagen oder nicht?
Wieder lehnt Bill seine Stirn an die von Tom und keiner traut sich den Blick von den Augen des anderen abzuwenden. Die Zeit scheint still zu stehen. Nichts anders ist gerade wichtig.
Es herrscht Stille. Ausschließlich der mittlerweile leise Atem von ihnen ist zu hören.
Toms Körper beginnt wieder zu kribbeln und Hitze schießt in ihm auf. Das Blut schießt durch seinen ganzen Körper und lässt seine Adern pulsieren.
Er ist wie hypnotisiert von Bills Augen und kann an nichts anderes mehr denken als an ihn. Seinen Bruder. Seine Liebe. Nichts anderes zählt in diesem Moment.
Wenn er wieder aufgeben würde…was würde es ihm bringen? So würde er Bill nie bekommen…er, Tom, muss auch mal etwas dafür tun. Jetzt. Sofort!
Die Angst, wieder zurückgewiesen zu werden entweicht ihm und sein Blick wandert von Bills Augen hinunter zu seinen Lippen. Tom spürt das Verlangen in sich aufkommen Bill zu küssen. Er kann es tun…
Als auch die Augen seines Bruders hinunter wandern gibt dies den Ausschlag für Tom es zu tun. Er kann nicht anders. Er muss es tun. Er muss es nun endlich tun.
Langsam beugt er seinen Kopf nach vorne. Ganz langsam, um ja nichts Falsches zu tun und für Bill die Möglichkeit zu geben, zurück zu weichen, ehe ihre Lippen sich berühren können. Vielleicht wäre es so dann noch erträglicher für Tom…die Ablehnung…
Doch die Sekunden ziehen sich immer mehr in die Länge…Bill weicht nicht zurück…
Als Tom kurz zögert, seine Lippen endgültig auf die seines Bruders zu legen, ergreift Bill plötzlich die Initianitive und kommt noch ein Stück vor.
Tom spürt seine warmen, weichen, sanften Lippen auf seinen und ein fremdartiges, schönes Gefühl macht sich in seiner Magengegend breit. Toms Lippen beginnen zu pulsieren und eine unglaubliche Hitze macht sich von ihnen durch seinen ganzen Körper breit…noch wärmer als eben.
Langsam schließt Tom die Augen um den Kuss auch richtig genießen zu können. Sein Herz klopft so schnell, dass er schon das Gefühl hat, es setzt gleich aus.
Seine Hände fühlen sich schwitzig an und das Ziehen im Magen versetzt ihm nur noch einen zusätzlichen Kick.
Ihm wird fast schwindlig für Glück und das Blut rauscht noch schneller durch seine Adern.
Tom hat keine Ahnung was Bill davon hält. Er weiß nicht mal, ob er den Kuss überhaupt richtig erwidert. Einzig und allein zählen dieses schöne Gefühl und Bills Lippen zu spüren.
Nichts anderes ist wichtig…
Unwillkürlich presst Tom seine Lippen fester auf die seines Bruders…er will mehr…
Es macht ihn süchtig. Er will nicht, dass es aufhört.
Es soll nie enden…
Ganz langsam hebt Tom seine rechte Hand. Zögerlich legt er sei an Bills Wange und fährt über die sanfte Haut seines Zwilling. Seine Hand, mit der er Bill berührt beginnt angenehm zu prickeln und ihm ist so heiß, als würde ein Feuer in ihm brennen. Ein Feuer, das Bill entfacht hat.
Tom spürt das unregelmäßige senken und heben von Bills Brust unter sich.
Es macht ihn an….Bills Lippen nun so fest auf seinen zu spüren… die weiche Haut seines Bruders zu fühlen…den unregelmäßigen, heißen Atem, den er zum Teil an seinen Lippen merkt.
Er muss sich kontrollieren…er darf keine ungewollte Gefühlsregung zeigen. Toms Körper spannt sich an. Seine Gefühle scheinen ihn einfach nur zu überrollen. Er kann nichts tun…er ist Bill ausgeliefert…
Er spürt ein Kribbeln in seiner Boxershort. Die Hitze in ihm droht ihn zu erdrücken und er kann nichts unternehmen. Tom spürt Bills schweren Körper immer mehr an sich gepresst. Sein Becken an seines gepresst…
Toms Brust hebt und senkt sich immer schneller.

Kapitel 46

In Toms Kopf beginnt sich alles zu drehen.
Verhindert ihm das klare Denken.
Fast alle Luft entweicht ihm und er muss mehrmals leise aufkeuchen.
Jeglicher Versuch, sich wieder unter Kontrolle zu bringen ist zwecklos. Die Tatsache, dass Bill unter ihm liegt und ihn küsst bringt ihn einfach um den Verstand und macht ihn süchtig.
Wie eine Droge, die er immer und immer wieder braucht.
Und von der er immer mehr haben will…
Toms Blutdruck wird immer höher und das Rasen seines Herzens immer schneller.
Mehr…
Seine Angst ist mittlerweile gänzlich verschwunden und so öffnet Tom langsam seinen Mund.
Er kann es kaum erwarten Bill nun endlich so richtig zu schmecken. Sein gesamter Körper spannt sich an. Fast um sich selbst auch noch etwas abzulenken und zu beruhigen fährt Tom mit seiner Hand nun durch Bills Haare bevor er sich mit seiner Zunge vorsichtig Bills Lippen nähert.
Tom öffnet für eine Sekunde kurz die Augen und stellt erleichtert fest, dass sein Bruder sie geschlossen hält. Er genießt es anscheinend…
Ohne Scheu stupst Tom nun sachte mit seiner Zunge gegen die Lippen Bills. Kurz spürt er schon ein flaues Gefühl im Magen. Vielleicht geht es Bill ja doch zu schnell.
Doch Toms Zweifel schwinden sofort wieder, als er ganz langsam seinen Mund öffnet. Erleichtert wagt Tom sich weiter vor und sucht nach Bills Zunge.
Wieder beginnt sein ganzer Körper zu kribbeln und es fühlt sich fast schon an wie in einem Traum.
Kann das Realität sein? Das, was er sich schon immer gewünscht hat? Was er schon immer wollte?
Plötzlich durchfährt eine Gänsehaut seinen Körper, nachdem er kurz gegen das kühle Piercing Bills gestoßen ist. Jedes einzelne Haar richtet sich auf und Tom drückt seine Zunge feste gegen die von Bill. Leidenschaftlich. Wild. Heiß.
Tom fühlt sich, als wäre es hoch Sommer und die brütende Hitze, die er sich plötzlich im Zimmer einbildet, lässt ein paar Schweißtropfen auf seiner Stirn bilden. Unwillkürlich muss er leise aufkeuchen und er kann den warmen Atem von Bill sachte an seinen Lippen spüren.
Es ist einfach zu schön um wahr zu sein…
Tom fühlt sich immer besser. Nichts kann ihm diesen Moment zerstören. Nichts kann ihm diese Zeit wieder stehlen. Nichts kann diese Erinnerung je wieder löschen. Nichts kann ihn je wieder so glücklich machen….nichts!
Allmählich bekommt er mehr und mehr das Gefühl, alles tun zu können was er will. Er ist zu allem Fähig….so glücklich wie er gerade ist.
Mutig beginnt er plötzlich Bill mit der anderen Hand an der Hüfte zu berühren. Streichelt zart mit seinen Fingern drüber. Spürt den Stoff von Bills T-Shirt.
Toms Bruder zeigt darauf keine Reaktion, erwidert einfach weiter den heißen Kuss. Mit geschlossenen Augen.
Bills Geruch hat sich mittlerweile schon so in Toms Nase gebrannt, dass er glaubt, ihn nie wieder los zu werden. Und das will er auch gar nicht. Einfach alles duftet im Moment nach ihm.
Mit diesem zusätzlichen Kick wagt Tom sich langsam mit seinen Fingern unter Bills T-Shirt zu gleiten. Millimeter für Millimeter geht er tiefer unter das Oberteil seines Bruders. Ganz langsam….er erwartet schon fast, dass Bill ihn davon abhält und den Kuss unterbricht. Die Zeit scheint still zu stehen….und Toms Hand gleitet langsam über Bills nackte Haut… über seinen Bauch der sich ungewöhnlich schnell hebt und senkt.
Diese zarte, weiche Haut veranlasst Tom dazu, nur noch mehr Bauchkribbeln zu bekommen.
Nie hätte er gedacht, dass es mal Wirklichkeit wird. Nie hätte er gedacht, dass seine schönsten Träume wahr werden.
Auch wenn Bill noch etwas zurückhaltend wirkt. Das ist ja nur verständlich….
Tom beginnt nun seine Lippen immer fordernder auf die seines Bruders zu pressen und seine Hand wandert dabei unbeirrt weiter über Bills Brust.
Plötzlich spürt er eine kleine Regung unter sich…Bill hebt leicht seinen Arm und legt seine Hand auf Toms Rücken….streichelt ihn sanft.
Wieder durchzieht eine Gänsehaut Toms Körper. Es ist einfach zu schön….zu geil…zu unbeschreiblich… es kann eigentlich nicht mehr schöner werden…eigentlich!
Tom grinst innerlich.
Schwer atmend, von dem wilden Kuss, beginnt er mit seiner Hand nun etwas tiefer zu wandern….berührt leicht Bills Hosenbund…
Doch plötzlich zuckt er zusammen. Bill tut es ihm gleich.
Schritte sind auf dem Flur zu hören. Stöckelschuhe…
Tom reißt sich etwas widerwillig von den Lippen seines Bruders los und rollt sich runter. Keine Sekunde zu früh, denn schon wird die Tür aufgerissen.
Simone…
„Hey Jungs hier seit ihr!“, sagt sie mit einem kleinen Lächeln. An der kleinen Tasche erkennt man deutlich, dass sie gerade erst von der Arbeit wiedergekommen ist.
Keuchend liegen die beiden Zwillinge an und sehen ihre Mutter erschrocken an….

Kapitel 47

Simone sieht ihre Söhne kurz misstrauisch an. Ihre Stirn liegt in Falten.
„Alles…okay bei euch?!“
Tom und Bill liegen immer noch wie erstarrt nebeneinander auf dem Bett. Tom fasst sich als erster und beginnt wie wild zu nicken. „Natürlich, was soll schon sein?!“
Er beißt sich kurz auf die Unterlippe. Seine Mutter muss schon ganz schön blöd sein, wenn sie ihm das jetzt glaubt. Ist aber auch zu verdächtig, wie sie hier liegen.
Leichte Röte schießt Tom in die Wangen. Wieso wird er jetzt plötzlich rot beim Lügen? Wird er doch sonst nicht…
„Geht’s dir denn wieder besser Tom? Hast du noch sehr hohes Fieber?!“ Unwillkürlich kommt Simone auf die beiden zu und legt Tom eine Hand auf die Stirn.
Angespannt hält dieser den Atem an.
„Oh Gott, du bist immer noch ganz heiß. Vielleicht sogar heißer als heute morgen…“ Kopfschüttelnd mustert sie ihren Ältesten.
Dieser Bemüht sich jetzt irgendwie eine Leidensmiene aufzusetzen.
Das fällt ihm allerdings relativ schwer, da sich vor wenigen Minuten noch sein größter Wunsch erfüllt hat. Er hat Bill geküsst…hat ihn berührt, hat ihn geschmeckt!
„Ich ruf am besten mal den Arzt an und lass mir mal einen Termin geben, der soll dir dann mal irgendwas verschreiben, damit du schneller gesund wirst!“
Verdutzt schaut Tom ihr hinterher, wie sie wieder aus dem Zimmer stöckelt.
Er will aber nicht zum Arzt! Er fühlt sich So gut wie noch nie in seinem Leben. Fast schon wieder vollkommen gesund. Außerdem ist ihm nicht wegen dem Fieber so heiß…
Aber das kann er seiner Mutter ja jetzt auch nicht sagen.
Er seufzt kurz. Da muss er wohl oder übel doch zum Arzt. Mist…
Plötzlich spürt Tom eine kleine zaghafte Regung neben sich. Bill…
Der sitzt ja immer noch neben ihm. Tom muss stark schlucken und traut sich gar nicht seinen Bruder anzusehen.
Was er jetzt denkt? Was er von der Sache hält?
Nervös kaut Tom sich wieder auf der Unterlippe herum.
Die eisige Stille im Zimmer scheint ihn fast schon zu erdrücken. Angespannt wartet er darauf, dass Bill vielleicht etwas sagt…irgendwas! Nur zu gerne würde Tom wissen, was sein Bruder fühlt. Was er für ihn fühlt.
Doch Bill schweigt.
Toms Herz beginnt vor Aufregung wieder schneller zu schlagen. Wie soll es jetzt weiter gehen? Kann er die Aktion eben jetzt schon als Bestätigung sehen, dass Bill auch Gefühle hat? Oder nicht? Hat es ihm was bedeutet?
Die Augen sind der Spiegel zur Seele… Tom, der den Blick bisher immer noch stur geradeaus gerichtet hatte, dreht den Kopf jetzt langsam zur Seite. Richtung Bill… er sieht die schwarzen Haarspitzen…die Wange…die kleine gepuderte Nase…
Bills Blick ist auf Tom gerichtet. Diese Haselnussbraunen Augen. So tief und schön.
Wie versteinert hängt Tom an ihnen. Was denkt er? Was fühlt er?
Bill macht nichts. Sitzt einfach nur da und mustert Tom. Schaut ihn an….
Tom versucht in seinem Blick irgendetwas lesen zu können doch vergeblich. Es ist als hätte Bill eine Mauer hinter seinen Augen aufgebaut, die Tom jegliche Gefühle verbergen.
Nichts…
Die Sekunden vergehen… aus ihnen werden Minuten.
Keiner kann den Blick vom anderen abwenden.
„Ich…ich glaube ich geh mal wieder rüber!“, ergreift da Bill plötzlich das Wort und Tom zuckt leicht zusammen. Seine Schläfen beginnen unangenehm zu Pochen. Rüber gehen? Bill will rüber gehen?
Warum?
Warum will er jetzt nicht mehr hier bei ihm bleiben? Was ist los?
Fühlt er sich zu sehr bedrängt, kommt ihm das zu schnell, zu plötzlich?
Die Fragen in Toms Kopf überschlagen sich.
Er kann Bill nur verwirrt hinterher, blicken, als er langsam aufsteht und aus dem Zimmer schlurft. Er ist unfähig ihm hinterher zu laufen oder gar zurückzuhalten.
Was hat er?
Tom versucht sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass Bill diese neue Situation und die Tat von eben erst mal richtig verdauen muss. Dass er sich erst mal klar darüber werden muss, was da eigentlich gerade passiert bzw. passiert ist.
Aber liegt es auch wirklich daran?
Zweifelnd lässt Tom sich nach hinten aufs Bett fallen.
Was soll er jetzt tun? Wie solls weiter gehen? So tun, als wäre nichts geschehen und die Sache von eben ignorieren, dass könnte er nicht schaffen. Dafür war es zu schön.
Er muss mit Bill drüber reden…unbedingt…
„Tom, kommst du bitte? Ich hab für gleich schon einen Termin bekommen, wir müssen jetzt los!“, ruft Simone just in diesem Moment, als Tom aufstehen will.
Genervt verdreht dieser die Augen. Okay dann redet er später mit Bill….ist vielleicht auch besser…dann hat der jetzt erst mal genug Zeit für sich….zum Nachdenken.

Kapitel 48

Gelangweilt und etwas nervös zu gleich schert Tom mit seinen Schuhen über den Boden.
Ein kurzes leises Quietschen ist zu hören und sofort fängt er sich wieder einen strafenden Blick von Simone ein.
Genervt setzt er sich wieder ordentlich hin und lässt seinen Blick durch das kleine stickige Wartezimmer wandern.
Ihm unmittelbar gegenüber sitzt eine ältere Dame die eher den Eindruck macht, als müsste sie in die Notaufnahme, als hier zum Hausarzt. Seine Augen wandern weiter und bleiben an dem kleinen Mädchen hängen, das sich ängstlich an die Hand ihrer Mutter klammert.
Tom seufzt kurz auf und trommelt nun genervt auf seinen Oberschenkeln herum.
Er will endlich wieder nach Hause. Er will endlich wieder mit Bill reden. Die Sache wenn’s geht mit ihm klären.
Und ihn vielleicht auch wieder küssen.
Doch noch immer sitzt er hier und so wie es aussieht dauert es auch noch etwas. Das Schlimmste steht ihm ja auch erst noch bevor.
Der Arzt.
Mittlerweile hat Tom sich eh wieder um einiges abgekühlt, in solcher Gesellschaft auch nicht zu verdenken, also kann der Arzt sicher nicht viel feststellen. Es geht ihm schon besser. Viel besser. Sehr viel besser.
„Tom Kaulitz!?“
Unwillkürlich zuckt Tom zusammen, als sein Name von der monotonen Frauenstimme durch die Sprechanlage gesagt wird. „Endlich!“, murmelt er leise und auch Simone schaut erleichtert drein. Sie können sich echt besseres vorstellen als hier zu sitzen.
Vor allem Tom…
„Aber Mum, mir geht’s echt schon viel besser! Also ich denke mal auch, dass der Arzt sagen wird, dass ich fast gesund bin!“, versucht er dann seine Mutter schon mal drauf vorzubereiten, damit sie gleich nicht zu enttäuscht ist, weil sie in ihren medizinischen Fähigkeiten versagt hat. Sprich sich geirrt hat, weil Tom gar nicht mehr heiß ist und wohl auch kaum mehr Fieber hat…
Simone schaut ihren Sohn kurz skeptisch an, der schon auf der Liege liegt, bereit zur Behandlung, sobald der Arzt mal kommen würde. „Na ja, du siehst aber noch ziemlich krank aus und warm warst du eben auch noch! Sehr warm.“
Tom sieht sie kurz ausdruckslos an. Er ist hin und her gerissen zwischen mitleid und Empörung. Was soll das heißen er sieht noch ziemlich krank aus? Eben sah er noch ganz normal aus. Er muss ganz normal aussehen, schließlich hat er eben noch Bill geküsst.
Außerdem ist er nicht mehr krank, dass wird Simone gleich auch noch sehen.
„So, Guten Tag!“ Die tiefe, rauchige Stimme des Arztes reißt Tom aus seinen Gedanken.
Na endlich geht’s hier mal weiter! Der soll sich jetzt beeilen, dann kann er, Tom, schnell mit Bill reden. Das muss unbedingt geklärt werden. Sonst wird Tom keine Ruhe haben. Nicht bevor er weiß, woran er bei Bill ist. Er muss es wissen…
Simone beginnt dem Arzt umständlich zu erklären, woran es ihrem Sohn fehlt. Während Tom einfach nur gesagt hätte, dass er Fieber hatte und Kopfschmerzen verwendete Simone lauter umständlich Fachbegriffe von denen Tom noch nie etwas gehört hatte. Er schüttelt leicht peinlich berührt den Kopf.
Dass sie sich auch immer so wichtig machen muss.
„Würdest du dann bitte mal dein T-Shirt ausziehen?!“, bittet der Arzt und holt sein Abhörgerät raus. Tom mustert es kurz skeptisch und zieht dann sein heiliges Oberteil aus. Schließlich hat er in dem Bill geküsst…
„Also Fieber scheint er aber nicht mehr viel zu haben!“ Tom spürt die plumpe Hand des Arztes auf seiner Stirn und sieht seine Mutter triumphierend an. Diese schüttelt ungläubig den Kopf und fühlt nun selbst noch mal
„Eben hat er noch fast geglüht! Und Schweißperlen waren auch auf seiner Stirn!“
Tom spürt wieder Verlegenheit in sich auf kriechen und schaut verbissen auf den Boden.
Die beiden hatten echt mehr Glück als Verstand.
„Also, ich würde ihm noch einen Tag Ruhe empfehlen und ich denke übermorgen kann er wieder in die Schule. Scheint sonst alles in Ordnung zu sein!“
Unzufrieden und angenervt sitzen Simone und Tom dann wenige Minuten später im Auto und schweigen sich an. Tom ist sauer, weil er auch von vorne drein schon hätte sagen können, dass er gesund ist und sie sich den ganzen Aufwand auch hätten sparen können. Dann hätte er jetzt schon längst mit Bill geredet und alles wäre klar.
Außerdem will er schon morgen in die Schule.
Er will seinen Bill von Alex fern halten…
Simone allerdings ist unzufrieden mit der Diagnose des Arztes und schwört sich den Hausarzt zu wechseln.

Kapitel 49

Toms Herz beginnt immer höher zu klopfen, je näher sie Loitsche kommen. Je näher sie Bill kommen…
Angespannt schaut er aus dem Fenster und mustert die vorbeizischenden Bäume. Angespannt trommelt er wieder mal mit den Fingern auf seinem Oberschenkel herum.
Mit jedem Meter, den sie fahren, wird er unsicherer.
Ist es ratsam, jetzt schon mit Bill darüber zu reden? Sollte er ihm nicht lieber, doch noch etwas Zeit lassen?
Nervös beginnt Tom sich auf der Unterlippe herum zu kauen. Eben war es noch leicht, sich vorzunehmen mit Bill zu reden. Eben, als er noch in Magdeburg war. Eben, als sie noch Kilometer voneinander getrennt waren.
Doch jetzt kommen Zweifel in ihm hoch. Wird Bill sich nicht vielleicht bedrängt fühlen? Sollte er nicht von alleine auf Tom zukommen?
Was soll er ihn überhaupt fragen?
Bill, liebst du mich auch? Ja, wir sind zwar Geschwister, aber scheiss drauf! Also, willst du mit mir gehen?
Tom schüttelt kurz den Kopf. Wie absurd. Ratlos wendet er den Blick vom Fenster ab.
Aber wenn er ihn nicht fragt, dann wird er vielleicht bald wieder zu Alex gehen und das Geschehen von heute Mittag einfach vergessen. Verdrängen.
Und Tom wird nie erfahren, was Bill dabei gefühlt hat. Er muss etwas empfunden haben. Schließlich hat er den Kuss erwidert.
Plötzlich halten sie und Simone stellt den Motor aus.
Tom bekommt einen kurzen Schrecken und zuckt leicht zusammen.
Mit bangem Blick schaut er die Auffahrt hoch. Da wären sie also. Daheim. Bei Bill.
Jetzt wird er geradewegs in das Zimmer seines Bruders gehen und ein vernünftiges Gespräch mit ihm führen. Er muss!
Resigniert öffnet Tom die Autotür. Kalter Wind bläst ihm entgegen und er trottet seiner Mutter hinterher. Ins Haus.
„Ich mach euch dann schon mal das Abendessen!“, sagt Simone, kaum sind sie durch die Haustür eingetreten. Schimpfend darüber, dass es beim Arzt solange gedauert hat, wuselt sie in die Küche.
Tom, der jetzt lieber noch beim Arzt gesessen hätte geht langsam nach oben. Soll er jetzt grad schon zu Bill gehen? Oder erst nach dem Essen…?
Zögernd bleibt er im Flur stehen. Sein Blick haftet auf der verschlossenen Tür seines Bruders.
Drückende Stille herrscht. Toms Herz beginnt immer lauter und schneller zu pochen.
Was jetzt tun?
Vorsichtig macht er einen Schritt auf Bills Zimmertür zu und verharrt dann regungslos vor ihr.
Kein laut kommt aus dem Zimmer.
Vielleicht ist er ja auch gar nicht da?
Tom spürt immer mehr die Anspannung in sich heranwachsen und gibt sich dann letztendlich einen Ruck. Er muss mit Bill reden. Ob jetzt früher oder später.
Auch wenn er Angst hat, wieder so verletzt zu werden und so tief zu fallen, diese Ungewissheit ist noch viel unerträglicher.
Langsam legt er seine Hand auf die Türklinge und drückt sie vorsichtig runter.
Er atmet noch mal tief ein und öffnet die Tür dann einen spaltbreit.
Toms Augen wandern durch das Zimmer, von den ganzen Klamotten, die auf dem Boden zerstreut liegen bis hin zum Schreibtisch auf dem ein einziges Chaos herrscht.
Die Stereoanlage läuft und leise Musik kommt aus hier hervor.
Letztendlich bleibt Tom mit seinem Blick auf dem Bett haften, auf dem sein Bruder liegt. Mit geschlossenen Augen. Schlafend.
Schweigend tritt Tom ins Zimmer und bleibt ein paar Schritte von Bill entfernt.
Sein gleichmäßiger Atem übertönt die leise Musik und Tom spürt wieder mal das alt bekannte Kribbeln in seiner Bauchgegend.
Sein Blick haftet wie gebannt auf dem ruhigen Gesicht seines Bruders.
Seine Beine fühlen sich an wie Blei und machen es ihm schwer, sich zu bewegen. Das Zimmer wieder zu verlassen.
Reden kann er jetzt eh nicht mit Bill… er will ihn lieber schlafen lassen.
Es ist ihm fast unmöglich, sich vorzustellen, dass er Bill, der da unmittelbar vor ihm liegt und einfach nur perfekt aussieht, vor wenigen Stunden noch geküsst hat.
Das hört sich so unglaubwürdig für ihn an.
Die Sekunden werden zu Minuten und Tom bleibt immer noch regungslos im Raum stehen, seinen Bruder anstarrend.
„TOM, BILL, es gibt ESSEN!“, hört er da plötzlich die Stimme seiner Mutter nach oben kreischen. Tom zuckt stark zusammen, was ihn wieder aus seiner Erstarrung befreit.
Bill schlägt langsam die Augen auf…
Toms Herz beginnt wieder zu rasen. Siedend heiß wird ihm bewusst, dass er immer noch mitten im Raum steht.
Röte schießt ihm ins Gesicht. Was tun?

Kapitel

Die Anspannung steht Tom förmlich ins Gesicht geschrieben. Jede Faser seines Körpers verkrampft sich, als Bills Augen sich langsam auf ihn richten.
Gelähmt vor Schreck steht Tom da. Unfähig sich auch nur zu rühren.
In Bills Augen blitzt es fragend auf.
Müde fährt er sich mit einer Hand durchs Gesicht und die eine Hälfte seiner Haare stehen in sämtliche Himmelsrichtungen ab.
In Toms Schläfen beginnt es unangenehm zu pochen. Alles in ihm schreit danach, doch endlich raus zu rennen. Nicht weiter wie blöd mitten im Zimmer stehen zu bleiben. Sich nicht noch mehr zu blamieren.
Doch sitzt der Schreck auch einfach noch zu tief und Bills Anblick hält ihn weiterhin gefesselt.
Dieser scheint wohl jetzt erst richtig zu merken, dass sein Bruder da wirklich vor ihm steht und es nicht nur eine Halluzination oder ein Traum ist. Verwirrung spiegelt sich in seinem Gesicht wider.
„Wa-was machst du hier?!“
Tom spürt einen dicken Kloß in seinem Hals, auch wenn Bills Stimme kein bisschen wütend klang.
Angestrengt denkt Tom nach. Auf der Suche nach Anregung für eine gute Ausrede lässt er seinen Blick verzweifelt durchs Zimmer schweifen.
Was soll er ihm sagen?
Tom spürt immer mehr Hitze und Verlegenheit in sich aufsteigen. Bills durchbohrender Blick haftet auf ihm und lässt ihn nur noch nervöser werden.
Angespannt nestelt Tom sich mit einer Hand an der überweiten Jeans herum. Er spürt ein unangenehmes prickeln in seinem Körper. Ihm muss was einfallen…schnell…
Schließlich bleiben seine Augen bei Bills Fernseher hängen. Den DVD´s.
„Öhm ich wollt mir nen Film ausleihen….zum anschauen weißt du…und ja wollt dich halt nicht wecken…das hat Mum jetzt aber wohl übernommen!“
Ohne seinen Bruder anzuschauen kommen die Worte aus Toms Mund. Unkontrolliert. Spontan. Das einzige, was ihm in diesem Moment einfällt.
Sekunden später könnte er sich für diese schwache Ausrede allerdings auch schon wieder Ohrfeigen. Ist doch eigentlich offensichtlich, was er hier macht. Vor allem nach dem was zwischen den beiden Vorgefallen war…
Bill runzelt leicht verwirrt die Stirn und bleibt unschlüssig, halb aufgerichtet, auf dem Bett sitzen. Seine Augen sind weiterhin auf die von Tom gerichtet, der immer noch einen Hauch von Röte auf den Wangen hat.
Stille.
Tom traut sich nicht mehr den Mund zu öffnen, aus Angst, dass wieder nur Unsinn herauskommen würde. Schweigend erwidert er Bills Blick. Diese dunklen Augen. Diese schwarzen langen Wimpern. Dieses Glitzern.
„Jungs??? Seid ihr taub?!“ Wieder Simone. Wieder wird Tom unsanft in die Realität zurückgeholt. Wieder durchzuckt ihn kleiner Blitz.
Tom zwingt sich, sich von Bills Anblick loszureißen. Er kehrt ihm den Rücken zu. „Wir sollten runter gehen!“, murmelt er und setzt sich langsam in Bewegung. Heftet seine Augen starr nach vorne. Vergisst ganz, sich wirklich noch eine DVD mit zu nehmen, wegen welcher er ja angeblich überhaupt erst hier ist.
„Tom?“
Ruckartig dreht der Angesprochene sich um. Bill hat seinen Namen gesagt…nein, nicht gesagt…geflüstert, gehaucht. Es war kaum zu hören….kaum wahrzunehmen, doch Tom ist sich sicher. Bill hat ihn zurück gerufen!
„Ja?“ Seine Stimme klingt ganz rau und wie aus weiter ferne.
Ihre Blicke begegnen sich wieder. Die Anspannung und Aufgeregtheit ist Tom deutlich anzumerken. Sein ganzer Köper kribbelt und ein unkontrolliertes Zittern überkommt ihn.
Intensiv mustert Bill seinen Bruder. Nur wegen diesen Augen alleine könnte Tom schon durchdrehen. Nur durch diesen Blick…
Bill öffnet den Mund, doch kein Laut kommt ihm über die Lippen. Er bleibt weiter hin stumm.
Tom versucht in seinen Augen etwas zu lesen doch weiterhin vergeblich.
Immer noch schaut er direkt auf diese Mauer, hinter der Bill seine Gefühle zu verstecken scheint.
„Nichts…“
Enttäuscht schaut Tom seinen Bruder an, als dieser leicht den Kopf schüttelt.
Das kleine Glücksgefühl, das Toms Körper eben noch erfüllt hatte entweicht ihm. Er hatte schon fest damit gerechnet, dass Bill gleich etwas zu ihrem Kuss sagen würde, was er empfindet.
Tom versucht sich wieder zu fassen und Bill nicht zu sehr zu zeigen, wie verletzt er sich wieder fühlt. Auch wenn er es sich selber nicht wirklich erklären kann…eigentlich hat Bill ja nichts getan. Aber genau das ist wohl das Problem…
„Okay.“
Wie mechanisch dreht Tom sich jetzt endgültig um. Kann nicht weiter in diesem Raum bleiben, der so von dem süßlichen Duft Bills erfüllt ist.
Es Schmerzt.
Der Appetit ist ihm gründlich vergangen, trotzdem zwingt er sich nach unten zu gehen…
In seinem Zimmer würde es nur noch mehr wehtun und er würde sich noch mehr Gedanken machen…alleine…

Kapitel 51

„Na endlich! Seit ihr taub oder was?!“
Kaum hat Tom die Küche betreten wird er auch schon von einer mürrischen Simone empfangen. Genervt wischt sie mit einem Lappen über den Tresen um die Soßen Spritzer zu entfernen.
Tom murmelt etwas Unverständliches vor sich hin und schüttelt kaum merklich den Kopf.
Jetzt besser nichts erwidern, sonst wird sie nur noch sauer. Der Arztbesuch heute scheint ihr nicht gut getan zu haben…
Schweigend setzt er sich an den Tisch und schaufelt sich etwas von den Pommes auf seinen Teller. Mit zusammengezogenen Augenbrauen blickt er auf sein Essen herab. Sein Magen fühlt sich an wie zugeknotet, so dass er sicher ist, nicht mal einen Bissen hinunter zu bekommen.
„Ach, und du kommst auch mal!“, wendet Simone sich an ihr nächstes Opfer, als Bill dann auch die Küche betritt.
Tom mustert weiter sein Essen und traut sich nicht mal aufzublicken.
„Was geht denn mit dir?!“ Stirn runzelnd setzt Bill sich gegenüber seines Bruders.
Sofort zieht er sämtliche Schüsseln in Reichweite zu sich heran und beginnt seinen Teller voll zu laden.
„Ach, sei still und iss!“, faucht Simone zurück.
Tom zieht eine Augenbraue in die Höhe. Man ist die geladen.
Bill scheint die grobe Art seiner Mutter nicht zu nahe zu gehen und er beginnt hungrig Essen in sich hinein zu schaufeln.
Tom dreht sich wieder der Magen um. Wie kann der jetzt einfach so normal tun? Als wäre nichts geschehen, nichts vorgefallen…
Abrupt steht er auf.
„Ich hab keinen Hunger!“, murmelt er und verlässt mit gesenktem Kopf den Raum.
Damit hat er dann wohl den Vulkan bei Simone zum überlaufen gebracht.
„Dann koch dir doch morgen dein essen selber!“ Kommt es ihm schnippisch und beleidigt hinterher.
Damit kann er leben. Ungerührt spaziert Tom nach oben in sein Zimmer.
Müde lässt er sich noch vollständig angezogen ins Bett fallen. Tief vergräbt er sein Gesicht in dem weichen Kissen und schließt die Augen.
Er kann kaum glauben, was an diesem einzigen Tag so alles passiert ist… erst ist er krank und es geht ihm elend…dann der Krach mit Alex…der Kuss…jetzt diese Unverständlichkeit…
Die Anstrengungen der vergangen Stunden erschweren es Tom immer mehr, wieder aufzustehen und sich umzuziehen.
Irgendwann überfällt ihn dann die Dunkelheit und er schläft ein…

Wärmende Sonnenstrahlen fallen Tom ins Gesicht. Kitzeln in an der Nase.
Müde schlägt er die Augen auf.
Verwirrt richtet er sich halb auf und reibt sich mit einer Hand übers Gesicht. Sein ganzer Körper ist steif und tut ihm weh. Selbst schuld, wenn er auch in Jeans und Pulli schläft.
Er tastet mit der anderen Hand auf dem Nachtisch nach dem Wecker und hält ihn sich vor die Augen.
Gleich zwei.
Erschrocken schnappt er nach Luft.
So spät schon? Dann ist Bill ja schon aus der Schule daheim…hat Alex getroffen…
Seufzend lässt Tom sich wieder nach hinten fallen. Na klasse. Wahrscheinlich haben die beiden sich längst wieder vertragen.
Nachdenklich blickt Tom an die Decke.
Runter geht er jetzt am besten nicht. Vielleicht fragt Bill ihn ja, warum er, Tom, Alex gestern nicht rein gelassen hat.
Darauf würde er so schnell keine gute Erklärung finden.
Entschlossen dreht er sich auf die Seite und schließt wieder die Augen. Auf seine genervte Mutter hat er jetzt auch keinen Bock.
Da schläft er lieber den ganzen Tag durch.
Und morgen wieder Schule…
Ein weiterer Seufzer entweicht Tom.
Eigentlich würde er doch noch lieber ein paar Tage krank sein….

[B]Kapitel 52[/B]

„Tom?!“
Ein kleiner Lichtstrahl fällt durch die halb geöffnete Tür.
Grummelnd dreht Tom sich auf die andere Seite. Auch wenn er keineswegs mehr müde ist will er trotzdem nicht aufstehen. …
Tief vergräbt er sein Gesicht ins weiche Kissen und zieht sich die Bettdecke bis zum Hals.
„Nein, so nicht mein lieber! Der Arzt hat gesagt du bist gesund, also gehst du heute wieder in die Schule!“
Simones energische Stimme dringt durch den Raum.
Verdutzt richtet Tom sich halb auf. Heute in die Schule? Schule ist doch schon vorbei…oder?
Blind tastet er nach dem Wecker und hält ihn sich vor die Augen.
6.00 Uhr.
Hat er den ganzen letzten Tag und die Nacht durchgeschlafen? Wow, neuer Rekord.
Gähnend lässt er sich wieder nach hinten ins Bett fallen.
Sein Körper fühlt sich trotzdem so schlaff an, als hätte er nur ein Mittagsschläfchen oder sonst was gehalten.
„Also auf, in einer halben Stunde geht der Bus!“
Genervt stöhnt Tom auf. Schule. Super. Gerade dann, wenn er am liebsten auf sie verzichten würde, ist er wieder gesund und wird hin geschickt.
Dabei fühlt er sich jetzt eigentlich schlimmer, als in den letzten Tagen…
Quälend rappelt er sich schließlich auf und schlurft ins Bad.
Bill scheint schon fertig zu sein.
Kurz stellt er sich unter die Dusche und lässt eiskaltes Wasser auf sich niederprasseln.
Nach einigen Minuten fühlt er sich wieder halbwegs normal und er dreht den Hahn zu.
Tropfend nass greift er nach einem Handtuch und wickelt es sich um die Hüften…
Fast eine halbe Stunde später steht Tom schließlich fertig gestylt und mit gepacktem Ranzen in der Küche.
Simone schmiert gerade Brote und pfeift gedankenverloren vor sich hin.
Na wenigstens scheint sie sich wieder beruhigt zu haben.
Der freie Tag gestern, an dem Tom geschlafen hatte, scheint ihr gut getan zu haben.
Schweigend reicht Simone ihrem Sohn ein Brot und ruft nach Bill, der anscheinend noch oben ist.
Tom zuckt kurz leicht zusammen und verlässt schon mal hektisch die Küche.
Am besten er meidet seinen Bruder jetzt erst mal… wenn der einfach so tut als wäre nichts…
Ein Blick auf die Uhr verrät Tom schließlich, dass sie jetzt bald los müssen, da sie sonst den Bus verpassen.
Ungeduldig schnalzt er mit der Zunge.
„So wir können!“
Bill erscheint neben ihm. Tom nickt nur schweigend und reißt die Haustür auf.
Alles ist ganz normal…
Im Schnellschritt hetzen die Zwillinge zur Bushalte stelle und erwischen den Schulbus gerade noch.
Tom mischt sich in das Gedrängel und lässt sich dann schließlich auf ihre gewohnten Stammplätze fallen.
Als Bill sich neben ihn setzt tröstet er sich mit dem Gedanken, dass die Fahrt ja nicht weit ist…trotzdem empfindet er diesen ausgetrockneten Hals und dieses Ziepen im Magen als ausgesprochen lästig.
Der Bus hält und Tom atmet erleichtert auf. Fast schon rechnet er damit, Alex auf dem Schulhof stehen zu sehen, doch nichts. Anscheinend wartet sie nicht auf Bill.
Sein Bruder scheint das wohl nicht bemerkt zu haben, denn er zeigt keine Reaktion, wie zum Beispielt eine wütende Geste oder sonstiges.
Sehr verdächtig…
Immer noch ohne einen Ton geredet zu haben und ohne Bill eines Blickes zu würdigen schlägt Tom die entgegen gesetzte Richtung ein, zu seinem Klassenraum.
Es tut ihm weh, es zerreißt ihn fast…doch ändern kann man es nicht.
Mit gesenktem Blick lässt er sich neben Andy auf seinen Platz fallen.
„Hey, na wieder gesund?!“
Tom gibt nur ein undeffinirbares Brummen von sich.
Andy verdreht die Augen, und mustert Tom kritisch, wie er genervt die Hände auf den Tisch stützt und seinen Kopf darin bettet.
Schule ist doch zum kotzen…

Kapitel 53

„Ich war krank! Ich hatte keine Möglichkeit die Aufgaben zu machen!“
Wild gestikuliert Tom mit seinen Händen vor der Nase des Lehrers herum.
Das hämmern in seiner Brust lässt ihn immer aufbrausender und wütender werden. Er kann es nicht fassen, dass der Lehrer ihm jetzt einen Eintrag machen will, weil er die Hausaufgaben nicht hat.
Er hatte wirklich genug andere Problem in den letzten Tagen, als dass Tom sich um so was kümmern konnte.
„Du hättest jemanden anrufen und dich nach den Hausaufgaben erkundigen können!“
Die leiernde Stimme des Lehrers bringt Tom nur noch mehr in Rage. „Ich war krank!! Mir ging es nicht gut ich-“, doch er wird unterbrochen: „Aber jetzt bist du wieder gesund und in der Schule, also hast du mir sie abzuliefern!“ Abrupt dreht er sich um und marschiert wieder nach vorne zum Pult.
Die Blicke der ganzen Klasse sind auf Tom gerichtet, welcher jetzt bald schon vor Wut kocht.
„Mach so weiter und du bekommst bald noch einen blauen Brief!“
Er muss sich stark auf die Lippe beißen um sich einen Kommentar zu sparen.
Mit gekreuzten Armen lehnt Tom sich nach hinten und blickt mit zusammen gekniffenen Augen aus dem Fenster.
Er hat genug andere Probleme mit Bill, als um sich jetzt um so einen Schwachsinn zu kümmern. Schule…
Tom schnaubt verächtlich auf.
Andy trommelt mit einer Hand auf seinem Tisch herum und wirft seinem Nachbar merkwürdige Blicke zu.
„Was?!“, faucht Tom, der sich gerade wirklich über alles und jeden aufregen kann. Andy zuckt zusammen.
„Nichts…“
„Ruhe dahinten!“, poltert der Lehrer nach hinten und schickt Tom einen funkelnden Blick zu.
Schweigend und mit grimmer Miene stützt dieser jetzt seinen Kopf wieder in die Hände und muss wohl oder übel dem Unterricht folgen.

„So dann bis morgen!“ Der erlösende Gong ertönt und die Französischlehrerin Frau Noll entlässt die Klasse endlich nach der sechsten Stunde.
Tom seufzt erleichtert auf und schmeißt lustlos sein Schulzeug in den Ranzen. Er ist sich nicht sicher, was schlimmer ist. Hier in der Schule zu hocken oder daheim in unmittelbarer von Bill, der so tut als wäre nichts vorgefallen.
Andy scheint keine große Lust auf einen mürrischen Tom zu haben und flitzt so schnell er kann zum Bus.
Tom lässt sich extra Zeit, weil er nicht unbedingt in das große Gedrängel in den Fluren geraten will und schlendert dann später gemächlich durch den Gang.
Helle Sonnenstrahlen fallen ihm draußen entgegen, kaum hat er die Tür zum Haupteingang geöffnet. Die Sonne steht hoch oben am Himmel und Hitze schlägt ihm entgegen.
Man merkt schon deutlich, dass es zum Sommer zugeht.
Tom wirft einen kurzen Blick auf den schon fast überfüllten Bus, der ihn nach Loitsche zurück bringt. Bill sitzt wahrscheinlich schon drin…er hat nicht wirklich Lust, sich wieder mit seinem Bruder anzuschweigen.
Tom zögert kurz, doch dann entschließt er sich nach Magdeburg in die Innenstadt zu fahren und dort ein bisschen chillen, den Tag dort zu verbringen…
Zielstrebig läuft er in die andere Richtung und steigt in die Linie 128 statt in die 13 ein.
Simone würde wohl drüber hinweg kommen, wenn er einmal nicht zum Esse kommt und etwas bei McDonalds isst.
Tom lässt sich auf den nächst besten, freien Platz nieder und kramt seinen I-Pod heraus.
Samy Deluxe dröhnt ihm laut in die Ohren, während der Bus sich ruckelnd in Bewegung setzt.
Erschöpft schließt er die Augen und lehnt den Kopf nach hinten.
Es wird ihm gut tun, mal einen Tag alleine in der Stadt zu verbringen. Mal fern von allem, was ihm in letzter Zeit so zu schaffen gemacht hat…mal fern von Bill…

Kapitel 54

Der Bus ruckelt kurz und bleibt dann letztendlich stehen.
Tom schaltet seinen I-Pod aus und stopft ihn zurück in de Ranzen, welchen er sich dann schultert und den schmalen Gang vom Bus entlang geht.
Wieder schlägt ihm Hitze entgegen, kaum hat er einen Fuß auf den grauen Asphalt gesetzt.
Tief saugt er sich die frische Luft in die Lungen und ist nun wirklich froh darüber, dass er nicht nach Hause gefahren ist.
Lässig schlendert Tom durch die überfüllten Straßen und lässt seinen Blick über die ganzen Geschäfte schweifen. Um ihn herum ist ein einziges Gewusel und jeder scheint es ausgesprochen eilig zu haben an sein Ziel zu kommen.
Nachdem es Tom dann doch ausgesprochen heiß geworden ist in der prallen Sonne, entschließt er sich, sich in ein kühles Eiscafé zu setzen.
Wenn er schon mal alleine ist und tun und lassen kann, was er will, dann sollte er das auch nutzen.
Simone hätte ihm niemals erlaubt zu Mittag einfach nur ein Eis zu essen. Aber seine Mutter ist sowieso etwas merkwürdig…vor allem in letzter Zeit.
Kopfschüttelnd lässt Tom sich auf einen bequemen Stuhl nieder und zieht die Karte zu sich heran.
Da nicht viel Betrieb ist kommt nach wenigen Minuten auch schon eine junge Kellnerin an, um die Bestellung aufzunehmen.
„Eine Eisschokolade!“
Tom klappt die Karte wieder zu und lehnt sich entspannt nach hinten, während die Kellnerin wieder verschwindet.
Mit einem leisen Lächeln genießt er die ruhige Atmosphäre und genießt es ausnahmsweise mal keine Sorgen zu haben, auch wenn Bill doch ab und zu wieder in seinen Hintergedanken herumspukt.
Etwas gelangweilt beginnt Tom mit seinen Fingern auf dem kleinen Tisch herum zu trommeln und lässt seinen Blick aus dem Fenster schweifen.
Vielleicht sollte er das jetzt jeden Tag machen. Bill einfach aus dem Weg gehen. Wenn er, Tom, Glück hat dann müsste er vielleicht in ein paar Jahren oder so über seinen Bruder hinweg sein.
Tom verzieht sein Gesicht zu einer verzerrten Grimasse.
Verdrängen ist nicht vergessen
Er muss kurz seufzen. War es wirklich erst vorgestern, als sie sich so leidenschaftlich geküsst hatten?
Tom kommt es vor, als lägen Jahre dazwischen.
Was würde er nicht da drum geben, noch einmal diesen innigen, intensiven Moment zu fühlen…Bill zu spüren…seinen Geruch wahr zu nehmen…seine Körperwärme…
„Bitte schön!“ Mit einem dumpfen Knall stellt die Kellnerin die Eisschokolade auf den Tisch und holt Tom somit zurück in die Realität, welcher auch gleich schon zusammen zuckt.
Leicht schuldbewusst schlürft er an seiner Schokolade.
Er will nicht an Bill denken…deshalb ist er doch hier. Abstand nehmen, mal an etwas anders denken. Abwechslung…
Gedankenverloren kaut Tom auf seinem Strohalm herum.
Das leise Läuten von der Tür, wenn jemand den Laden betritt weht zu ihm rüber.
Kurz fragt er sich, was Simone und Bill jetzt wohl denken, weil Tom nicht nach Hause gekommen ist. Vielleicht würde es Bill ja auch etwas die Augen öffnen. Ihm zeigen, was er mit seiner Art eigentlich anrichtet.
Wie weh er Tom damit tut.
„Was machst du denn hier?!“
Tom schreckt auf, als er plötzlich eine nur all zu bekannte Stimme vernimmt.
Verdutzt blickt er auf. Sofort verengen sich seine Augen zu schlitzen.
„Ist Bill auch da?!“
Alex´ Blick wechselt von Feindselig zu Neugierig.
Tom schnaubt kurz verächtlich auf und kreuzt die Arme. Zu gerne würde er wissen, was jetzt eigentlich zwischen ihr und seinem Bruder läuft. Seitdem Tom sie vor ein paar Tagen etwas unsanft vor die Tür gesetzt hatte, hatte er nichts mehr mit ihr zu tun gehabt, geschweige denn Bill von ihr reden gehört.
„Immer noch Stress mit ihm?“
Ein Feixen wandert über Toms Gesicht.
Ungewollt bekommt er plötzlich immer bessere Laune, während Alex hingegen die Zähne zusammen beißt und ihn mit funkelnden Augen mustert.
„Das geht dich gar nichts an!“
Tom nickt nur.
„Und dich geht’s nichts an wo Bill ist und was er macht!“
Alex atmet tief ein. Einen Moment wirkt es, als hätte es ihr die Sprache verschlagen und sie mustert Tom nur mit unergründlicher Miene.
„Ich hasse dich!“, zischt sie letztendlich und kehrt ihm den Rücken zu.
Mit entschlossenen Schritten eilt sie zur Tür.
„Ich weiß gar nicht, was ich dir getan haben soll!“, ruft Tom ihr hinterher.
Alex hasst ihn schon vom ersten Tag an. Warum war ihm bisher ein Rätsel. Dafür, dass Tom sie hasst gibt es ja wohl einen guten Grund…
“Dann denk mal nach!“, erwidert sie und schlägt die Tür des Cafés hinter sich zu.
Tom runzelt die Stirn. Die ist echt übergeschnappt…

Kapitel 55

Ein Frösteln geht durch Toms Körper. Die feinen Haare auf seiner Haut richten sich etwas auf und bilden eine Gänsehaut.
Leicht lehnt er sich an den dicken Baumstamm hinter sich und vergräbt die Hände tief in den Hosentaschen.
Die Abenddämmerung hat schon eingesetzt und Tom beobachtet leicht gelangweilt, wie das blau am Himmel langsam einem blass rosa weicht. Der Bus, der ihn zurück nach Loitsche bringen würde, müsste eigentlich jeden Moment um die Ecke kommen.
Er ist der einzige, der hier an dieser Bushaltestelle steht.
Leicht angespannt zittert Tom dem zusammen treffen mit Simone und Bill entgegen. Doch wenn er Glück haben würde, hat Bill sich schon in sein Zimmer zurückgezogen und Tom bekommt ihn heute gar nicht mehr zu Gesicht…
Die Standpauke von Simone aber würde er auf jeden fall gleich noch bekommen.
Endlich entdeckt Tom die hellen Scheinwerfer des Bus´ und er richtet sich wieder auf.
Dankbar steigt er in den wärmenden Bus ein und reibt sich die kalten Hände am Pulli.
Schon seltsam, wie die Temperatur abends plötzlich umschlägt.
Mit leicht brummendem Kopf lässt er sich auf einen freien Sitz nieder und schließt kurz die Augen.
Nach der seltsamen Begegnung mit Alex hatte Tom sich dann auch entschlossen, das Eiscafé zu verlassen und war so mit noch draußen etwas herum geirrt.
Auch wenn es immer noch angenehm warm war, wehte doch ein starker Wind.
Tom ist sich nicht so ganz sicher, ob er nicht doch noch leicht anfällig ist, aufgrund seiner Krankheit, die er noch vor ein paar Tagen hatte…
Diesmal ist er zu faul um seinen I-Pod rauszukramen, also lauscht Tom nur dem lauten Rattern des Bus´.
Obwohl er den letzten Tag mehr als genug geschlafen hatte, fühlt er sich trotzdem müde und schwach. Am liebsten würde er jetzt gleich grad ins Bett fallen.
Dennoch hält der Bus für Toms Geschmack viel zu früh in Loitsche.
Quälend rappelt er sich auf und liefert sich wieder dieser Kälte aus. Inzwischen hat der Himmel sich in ein dunkles violett getaucht und der Wind ist auch dem entsprechend eisiger geworden.
Langsam trottet er den kurzen Weg von der Bushaltestelle bis hin nach Hause. Das kann ja jetzt heiter werden…
Mit bangem Blick presst Tom den Zeigefinger auf die Klingel und es dauert auch nur Sekunden, da wird die Haustür auch schon aufgerissen. Vor ihm steht Simone. Mit funkelnden Augen.
„Ach, lässt du dich auch mal wieder blicken?!“ Sie ist wütend, das ist ihr deutlich anzumerken. Tom fummelt dich nervös an der überweiten Baggy herum.
„Ja, du also tut mir leid…aber ich bin in die Stadt gefahren und-“, doch er wird in seiner Entschuldigung jäh unterbrochen: „Vom Telefon hast du auch noch nie was gehört? Hättest du mir nicht bescheid sagen können? Bill wusste auch nicht wo du steckst, wir machen uns vielleicht Sorgen??“
Toms Herz setzt kurz aus um dann aber in doppelter Geschwindigkeit weiter zu schlagen.
Bill hat sich auch Sorgen gemacht?
„Jaaha, es tut mir leid!“, versucht er es erneut mit klappernden Zähnen, seine Mutter zu beruhigen.
Noch immer steht er draußen in der Kälte. Anscheinend fand Simone es aber nur als gerechte Strafe ihn noch ein paar Minuten in der Kälte stehen zu lassen.
„Mach das ja nicht noch mal Freundchen!“ Streng wedelt sie mit einem Finger auf und ab.
Tom kann nur nicken.
„Darf ich jetzt endlich rein kommen?!“
Gleich hat er noch Frostbeulen… aber bitte, ihm ist es nur recht, wenn er wieder krank ist.
Ohne zu antworten dreht Simone sich um und spaziert wieder ins Haus.
Tom seufzt. Man die muss echt sauer sein.
Endlich erfüllt sich wieder Wärme um ihn herum, als er auch das Haus betritt. Mit einem Knall schmeißt er die Haustür zu und schon macht er sich auf den Weg nach oben.
Nur noch ins Bett. Und dann schlafen…

Kapitel 56

Mit einem lauten Knall lässt Tom die Tür hinter sich ins Schloss fallen und schlurft langsam Richtung Bett.
Er macht sich schon gar nicht mehr die Mühe, das Licht anzuknipsen sondern zieht sich nur das T-Shirt über den Kopf, die Jeans aus und lässt sich ins Bett fallen.
Das helle Mondlicht ist die einzige Lichtquelle, welches das Zimmer in eine gespenstige Atmosphäre taucht.
Tom atmet einmal tief ein und vergräbt seinen Kopf tief ins Kissen.
Dichter Nebel überfällt ihn und die Dunkelheit löst in Tom eine zufriedene Entspanntheit aus, in die er sich sofort fallen lässt.
„TOM!“
Das Licht wird angeknipst und Tom kann die grelle Helligkeit sogar durch seine Augenlider wahrnehmen. Schon im Halbschlaf, zuckt er stark zusammen und wäre fast noch vom Bett gefallen.
Verwirrt öffnet er die Augen einen spalt breit und blinzelt vergebens gegen das helle Licht an.
„Bill?“
Vielleicht schläft er ja doch schon…oder steht Bill tatsächlich mitten in seinem Zimmer?
Die Hände in die Hüfte gestemmt, die Augen fest auf Tom gerichtet, den Mund zusammen gepresst, die Stirn in falten.
„Ja ne, wer denn sonst?!“, fragt er grob und Tom zieht eine Augenbraue in die Höhe.
Argwöhnisch mustert er seinen Bruder und vernimmt ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Ein Hämmern.
„Wo warst du denn den ganzen Tag? Ich hab mir voll die Sorgen gemacht und dir nen Platz im Bus frei gehalten und du kommst einfach net!“ Bill schüttelt kurz den Kopf. „Was soll das denn?!“
Toms Augen verengen sich zu schlitzen und er spürt ein Pochen in den Schläfen. Er will doch nur endlich schlafen…
„Boah, kein Wunder, dass Mum so wütend war! Wenn du auch so ein Theater machst!“ Genervt verschränkt Tom die Arme.
„Kann dir doch egal sein, was ich in meiner Freizeit mache!“
Das Hämmern in seiner Brust wird größer, und er spürt deutlich, wie ihm etwas den Brustkorb zu drückt. Unverwandt hat er die Augen auf seinen Zwilling gerichtet, der schnappt jetzt empört nach Luft.
„Nein, das ist mir nicht egal! Ich bin dein Bruder und ich- “, er hält kurz inne, so als würde er sich selbst unterbrechen und fährt dann nach ein paar Sekunden fort: „Und ich mache mir halt auch Sorgen!“
Tom ist sich sicher, dass er eigentlich etwas anderes sagen wollte, dich lässt es darauf beruhen, weil es ihm im Moment eigentlich egal ist.
Wieder fühlt er ein brennen im Magen und ein Klopfen in der Brust. Je mehr Bill sagt, desto gereizter wird Tom. Er will schlafen, ist müde, ihm ist kalt und hat gerade echt keine Lust auf Liebeskummer wegen Bill, der so tut als wäre der Kuss nie passiert…
„Ist mir doch egal, ob du dir Sorgen machst…. Bist doch eh nur ein Heuchler!“
Sofort beißt Tom sich auf die Zunge. Er war in Gedanken noch bei Bill und dem Kuss gewesen. Wie Bill die Tatsache einfach ignorierte. Wie immer mit Tom umging. Nicht auch nur eine Andeutung machte.
„Wa-warum sagst du so was?!“ Bill bleibt wie angewurzelt stehen und mustert seinen Bruder. Tom ist einen Moment wie gefesselt. Diese dunklen Augen….so tief und schön, fast schon schwarz. Wie viel Wärme sie in sich tragen und allein schon was sie ausstrahlen…
Doch er fasst sich augenblicklich wieder und schüttelt den Kopf.
„Warum? Weil es so ist! Dir ist es doch verdammt noch mal egal wie es mir geht!“
Jetzt ist es eh zu spät, jetzt kann er auch alles sagen.
Alles, was ihn die letzte Zeit so belastet hat, was er fühlte, was ihm wehtat. Die Sehnsucht die jeden Tag mehr in ihm heran wuchs….
„Nein! Tom, warum denkst du das? Ich… ich….mir ist es nicht egal!“ Bills Stimme zittert.
Immer noch rührt er sich nicht. Blickt mit leicht geöffnetem Mund und starrem Blick zu seinem Bruder.
Tom springt nun auf. Ihm reicht es. Er hat genug. So lange musste er leiden. So lange, hatte er stumm mit angesehen, wie Bill ihm wehtat. Zu lange ist es her, seit er mal richtig glücklich war und das länger als ein paar Tage…
„Bill! Dir war unser Kuss egal….dir waren beide Küsse egal! Vielleicht fühlst du ja nichts dabei und kannst so tun als wäre nichts, aber ich nicht! Und ich halt das nicht mehr aus! Du lässt mich so leiden und da erzählst du mir, dass du dir Sorgen um mich machst?“
Toms Atem geht unregelmäßig. Seine Hände sind zu Fäusten geballt.
Seine Schläfen beginnen immer mehr zu Pochen und langsam bekommt er Kopfschmerzen. Nach und nach dämmert es ihm, was er eigentlich gerade getan hat und bereut es zutiefst.
Er hatte Bill gebeichtet, wie er fühlt, was ihm der Kuss bedeutet und noch wichtiger, was ihm Bill bedeutet….

Kapitel 57

Eisernes Schweigen herrscht. Drückende Stille die schwer auf Tom lastet.
Scharf saugt er die stickige Luft ein, die seiner Meinung nach im Zimmer ist. Er fühlt sich, als hätte ihm jemand die Kehle zugeschnürt.
Er hat es Bill gesagt, ihm seine Zuneigung gestanden, seine Liebe…
Sein Blick ist fest auf Bill geheftet, der regungslos dasteht.
Ist er nur überrascht oder einfach geschockt?
Tom spürt deutlich diese Anspannung in sich. Sie hat seinen ganzen Körper befangen und verbietet ihm jegliche Regung.
Fast schon flehentlich sieht er seinen Bruder weiterhin an. Wenn er doch nur etwas sagen würde…irgendetwas.
Die Sekunden verstreichen, doch Bill wirkt weiterhin wie erstarrt. Stumm erwidert er Toms Blick. Seine Augen funkeln merkwürdig und auch er wirkt, als würde eine große Anspannung auf ihm lasten.
„Bill?!“
Ganz leise spricht Tom den Namen seines Bruders. Flüsternd, hauchend. Bittend.
Diese Ungewissheit macht ihn fertig. Raubt ihm fast alle Luft zum Atmen, zum Leben.
Er muss es jetzt wissen. Wie Bill dazu steht. Was er fühlt. Empfindet.
Dieses Gefühl in Toms Brust gerade, ist noch schlimmer als sonst. Noch schlimmer sind die Stiche und das Ziehen.
Es ist so still, dass er fast schon das leise Klopfen seines Herzens und das Rauschen seines Blutes hören kann.
Bitte Bill, sag etwas…
„Tom…ich…“ Bills Stimme klingt rau. Tom zuckt leicht zusammen. Hängt an den Lippen seines Bruders. Will es jetzt wissen. Muss es wissen…die Wahrheit.
Bill stockt kurz, so als würde er nach den richtigen Worten suchen.
Wie gebannt schauen sie sich noch in die Augen. Tom versinkt wieder mal in ihnen. In diesem bekanntem, tiefen braun, diesem glitzern…
„Weißt du ich….also…e-es tut mir leid…“ Bill gerät ins stotternd. Stoppt wieder und blickt seinen Bruder an. Scheint nicht zu wissen, was er sagen soll.
Tom blickt ihn weiterhin wie gebannt an. Lässt die Worte zu sich durchfließen. Durch seinen ganzen Körper. Es tut ihm leid?
Tom spürt, wie die Anspannung sich langsam löst und sein Körper unkontrolliert beginnt zu zittern. Was tut ihm leid?
“A-aber weißt du...ich… also ich“, wieder Bills Stimme, die das Zimmer erfüllt. Immer noch scheint er nicht ganz zu wissen, wie er es ausdrücken soll. Und je länger er wartet, je mehr er es hinauszögert, je öfter er vor sich hinstottert, umso schlechter wird Tom.
Sein Magen ist krampfhaft zusammen gezogen und er spürt ein Schlottern, das durch seinen ganzen Körper zieht.
Seine Gedanken kreisen immer noch um Bills Worte von vorhin...was tut ihm leid?
Dass er seine Gefühle nicht erwidern kann??
Dieser Gedanke setzt sich in Toms Kopf fest. Verankert sich irgendwo und will nicht mehr von ihm ab lassen.
Bill seufzt jetzt leise und blickt kurz zu Boden.
Tom spürt wieder das Pochen in den Schläfen und wird immer besessener von seiner Vermutung. Bill tut es Leid, dass er Toms Gefühle nicht erwidern kann…
Dieser scheint jetzt wohl endlich die Richtigen Worte gefunden zu haben und schaut wieder auf. Tom direkt in die Augen.
„Also, es tut mir leid, dass ich-“ „STOPP!“
Bill zuckt erschrocken zurück, als Tom ihn grob unterbricht.
„W-was ist los?!“
Tom kneift kurz die Augen zusammen und ballt die Hände wieder zu Fäusten.
Er könnte nicht ertragen es aus Bills Mund zu hören. Die Wahrheit…die schrecklich Wahrheit.
Dass es ihm Leid tut, weil er die Gefühle nicht erwidern kann…
Er weiß es doch schon…da muss Bill es ihm nicht auch noch eiskalt ins Gesicht sagen.
„Ich hab schon verstanden! Du erwiderst meine Gefühle nicht, und das tut dir leid! Du willst wohl lieber bei deiner Alex bleiben und mit ihr…“ Toms Stimme versagt ihm.
Tränen verschleiern seinen Blick. Brennen ihm in den Augen. Sein Magen krampft sich noch enger zusammen und er spürt ein Fall-Gefühl, so als hätte er beim Treppen absteigen eine Stufe verpasst.
Bill sieht ihn fassungslos an. Sprachlos.
„Entschuldige…“, murmelt Tom und rennt abrupt los. Richtung Tür. Er will raus hier… aus diesem Zimmer…dieser stickigen Luft…Bill entfliehen.
Blind vor Tränen rennt er wieder aufs Bad zu. Wischt sich mit einem Ärmel über die Augen. Stolpert halb über den Flur. Spürt die heißen Tränen, die nass auf seiner Wange schimmern.
„TOM WARTE! Du verstehst das ganz falsch!“, durch den dichten Nebelschleier vernimmt er Bills Stimme, die ihm nachruft.
Nur Einbildung?

Kapitel 58

Abrupt bleibt Tom stehen.
Seine Hände sind wieder zu Fäusten geballt und seine Augen zusammengekniffen.
Immer noch spürt er die heißen Tränen, die ihm erbarmungslos über die Wangen rinnen und vor ihm auf den Boden tropfen.
Alles hat seinen Ton verloren und scheint verstummt zu sein.
Wie in Zeitlupe, kann er nur seinen Herzschlag wahrnehmen.
Bum…Bum…Bum…Bum…Bum…Bum
Seine Beine zittern und fangen schon langsam an unter seiner schweren Last zu protestieren.
„Tom!“ Er hört gedämpfte Schritte.
Alles in ihm krampft sich schmerzlich zusammen.
Er spürt Bills keuchenden, heißen Atem im Nacken.
Eine Gänsehaut zieht sich durch Toms ganzen Körper und lässt ihn die Luft anhalten.
Wie festgewachsen steht er da, unfähig auch nur einen Finger zu rühren.
Bill steht genau hinter ihm.
Ganz dicht.
Er kann ihn spüren.
„Das meinte ich gar nicht!“ Ganz sanft spürt er Bills zarte Stimme an seinem Ohr. Seine Nase, die ihm zart dagegen stupst.
„Es tut mir leid, dass ich dich so behandelt habe…das wollte ich nicht!“
Langsam und zögerlich spürt Tom, Bills Hände, wie sie sich langsam um seinen Bauch schlingen.
Immer noch traut er sich nicht, auch nur einen Mucks von sich zu geben, geschweige denn sich zu rührend. Ein kleiner Stromschlag fährt ihm durch den Körper und lässt ihn leicht blinzeln.
Er kann gar nicht richtig realisieren, was hier eigentlich gerade geschieht…
„Tom?!“
Wieder Bills Stimme. Sein Oberkörper ist an den Rücken von Tom gepresst.
Dieser hat die Augen jetzt geschlossen und genießt diese Nähe. Diese Wärme und Geborgenheit. Kann Bill ganz dicht bei sich spüren…
„Ich…i-ich fand den Kuss auch echt toll und… habe auch etwas gespürt….“, wieder unterbricht Bill sich selbst und vergäbt sein Gesicht leicht in Toms Nacken.
Berührt in zärtlich mit seinen Lippen, fährt mit den Händen über Toms Bauch.
Tom muss stark schlucken.
Seine Tränen sind mittlerweile vollständig versiebt. Er spürt seinen Herzschlag immer schneller werden und das Blut, was ungewöhnlich schnell durch seinen Körper rauscht.
Bill steht dicht an ihn gedrückt. Sein heißer Atem dringt Tom in den Nacken und lässt ihn nur noch schwerer Atmen.
„Ich empfinde auch etwas für dich…aber…nach dem Kuss…i-ich war so verwirrt!“, Bills Stimme ist ganz leise und klingt zerbrechlich.
Es scheint ihm schwer zu fallen darüber zu reden und wieder stockt er.
Langsam streichelt Tom mit einer Hand über die von Bill, die immer noch Toms Bauch umschlingen.
Er spürt das Angenehme prickeln am dem Stellen, womit er Bills weiche Haut berührt.
Macht ihm Mut weiter zusprechen. Versucht ihm die Angst zu nehmen.
„Ich wollte dir nicht wehtun… im Gegenteil! Ich musste nur selber erst noch nachdenken…und mir darüber im Klaren werden. “
Bill holt kurz tief Luft und seufzt dann leise auf. Seine Stimme zittert und er scheint auch kurz davor zu sein, ein paar Tränen zu verlieren.
Tom muss stark schlucken und lässt Bills Worte erst mal durch seinen ganzen Körper fließen.
Sie richtet zu realisieren, sie wahrnehmen… das Glück spüren, die Freude.
Bill hat auch Gefühle?
Er hatte sich nicht mit Absicht so von ihm abgewendet?
„Bill…“ Toms Stimme klingt rau, so als hätte er sie seit Tagen nicht mehr benutzt. Seine Beine beginnen immer mehr zu zittern und seine Kehle fühlt sich an wie ausgetrocknet.
Das ist gerade einer der schönsten Tage seines Lebens… genau [I]das[/I] hatte er sich immer gewünscht, genau das hier wollte er immer….seinen Bill…nur für sich alleine.
„Da-das ist…“ Jetzt ist Tom derjenige, der stottert. Keinen normalen Satz über die Lippen bekommt.
Langsam aber bestimmt schiebt er jetzt Bills Hände von seinem Bauch und löst sich etwas von ihm.
Wie in Zeitlupe dreht er sich zu seinem Bruder rum.
Steht nah vor ihm, doch berühren sie sich nicht. Beim ausatmen spüren sie etwas die Brust des anderen doch sonst nichts.
Schweigend sehen sie sich in die Augen. Wieder blickt Tom in dieses tiefe, dunkle Braun, was so voller Zuneigung glänzt.
„Ich liebe dich“

Kapitel 59

Alles um Tom herum scheint zu verschwimmen. Nichts scheint mehr klar zu sein, bis auf diese wundervollen Augen, die er direkt vor sich sieht.
Dieses dunkle und tiefe. Noch tiefer als der Ozean. Zum versinken. Mit diesem ganz bestimmten Funkeln. Wie sie schimmern.
Tom würde am liebsten einfach in ihnen untertauchen und für immer dort bleiben, nie wieder auftauchen, für immer in ihnen versinken.
„Ich bin echt….verdammt froh!“, haucht Tom leise, nachdem Bill nichts sagt.
Tom kann ganz deutlich den heißen Atem seines Bruders auf seinem Gesicht spüren. Auf seiner Wange, seinem Kinn, seinen Lippen…
Und endlich hat er auch die Gewissheit… das, was dem ganzen den größten, zusätzlichen Kick verleiht.
Bill empfindet auch etwas, er findet es nicht abstoßend, nein, er fühlt sich auch zu seinem Zwilling hingezogen…
„Ich auch, Tom…ich auch“
Das einzige Geräusch was im Moment zu hören ist, ist der kurzatmige Atem der beiden.
Es herrscht eine Gewisse Spannung zwischen ihnen in der Tom einen unsicheren Schritt nach vorne macht.
Jetzt spürt er Bills warme Brust leicht gegen seine gedrückt und kann sogar sachte dessen starkes Herzklopfen wahrnehmen.
Tom will ihn jetzt endlich wieder spüren, ihn bei sich fühlen und küssen. Es genießen und Bills Zuneigung auch voll auskosten.
Endlich, nach so langer Zeit des Leidens…
Wie, als würde Tom von diesem funkelndem, tiefen Braun magisch angezogen werden, beugt er sich leicht nach vorne und lässt seine Hände langsam aber bestimmt über Bills Hüften gleiten.
Bill kommt ihm mit seinem Oberkörper entgegen und berührt mit seinem Becken leicht das von Tom. Seine Lippen sind halb geöffnet und das Zungenpiercing blitzt leicht zwischen den Zähnen hervor.
Tom muss kurz Grinsen, auch wenn er nicht so wirklich weiß warum.
Weil er so glücklich ist?
Weil es so unbeschreiblich ist?
So wundervoll?
So einzigartig?
Ihm ist es egal, ihm ist gerade alles egal, bis auf Bill. Nur er zählt jetzt für ihn.
„Ich…i-ich...“ Bill schluckt stark
„Pscht!“ Tom schüttelt kurz den Kopf und lächelt Bill leicht zu. „Ist schon gut…“, Toms Stimme ist nicht mehr als ein Flüstern, ein Hauchen.
Toms Blick löst sich jetzt langsam von den Augen seines Bruders, hinunter zu dessen Lippen.
Er spürt das Verlangen in sich aufkommen und diesmal muss er sich nicht zügeln, sich ermahnen und stoppen.
Jetzt ist es nicht mehr schlimm…jetzt ist alles in Ordnung, denn jetzt will Bill es auch…
Langsam schließt Tom seine Augen, während er seinem Bruder immer näher kommt.
Bills Duft schlägt ihm entgegen und verankert sich in Toms Nase, durchflutet seinen Körper und erfüllt ihn mit purem Glück.
Ganz sachte spürt er nun die weichen Lippen seines Bruders und dessen Hände, die nun über Toms Rücken streichen.
Mitten auf dem Flur stehen sie da und küssen sich, jetzt voller Leidenschaft. Bills Hände brennen auf Toms Haut wie Feuer und stacheln ihn immer weiter an.
Während sie ihre Liebe besiegeln. Mit diesem Kuss…

Kapitel 60

Die warmen Lippen seines Bruders verursachen in Tom ein immer größer werdendes Kribbeln und die Lust auf mehr.
Seine Haut brennt wie Feuer, einzig und allein durch die Sachten Berührungen von Bill. Nie wieder will er ohne ihn sein, nie wieder kann er es alleine aushalten, ohne seine Zuneigung…
Tom fährt mit einer Hand durch Bills wallende Haarmähne und stupst sogleich mit seiner Zunge gegen die von Bill.
Er weiß nun, dass er soweit gehen kann. Er weiß nun, dass Bill es auch will. Er weiß nun, dass es jetzt nichts mehr ausmacht.
Auch wenn sie nur auf einem schwach beleuchteten, engen Flur stehen fühlen sie sich doch wohl. Die Wärme des anderen reichte vollkommen aus…
Tock…tock…tock….tock
Tom lauscht auf und stoppt in der Bewegung. Er spürt wie Bill sich auch plötzlich ruckartig von ihm löst und sich umdreht.
Toms Herz beginnt noch schneller zu klopfen und nach wenigen Sekunden biegt dann auch schon Simone, gefolgt von Gordon, mit ihren Stöckelschuhen in den Flur ab.
„Was macht ihr denn noch hier?!“, Stirn runzelnd blickt sie ihre Söhne an.
Tom sieht immer noch ein leicht wütendes Funkeln in ihren Augen.
Sie scheint es ihm wohl doch ziemlich übel zu nehmen, dass er nicht nach Hause gekommen ist…
„Ja, es ist schon spät und morgen ist Schule!“, pflichtet Gordon ihr bei und schaut die Zwillinge ebenfalls streng über seine Lesebrille hinweg an. „Was macht ihr eigentlich mitten in der Nacht hier im Flur?!“
Tom spürt glühende Hitze in sich auf kriechen und kleine zart rote Flecken bilden sich auf seinen Wangen.
Ja, was machen sie hier?
“Nichts Wichtiges…“, murmelt Bill, ebenfalls peinlich berührt, dem Boden zu.
„Ja, ja ich kenn euch!“ Simone kneift die Augen zusammen, schüttelt dann allerdings den Kopf.
„Ich glaube ich will es aber auch gar nicht wissen!“
Tom muss sich ein Nicken verkneifen. Das will sie wahrscheinlich wirklich nicht wissen…. Bzw. besser wäre, Tom und Bill wollen nicht, dass sie es weiß…
„Jetzt aber mal in eure Betten, los!“
Keiner der Zwillinge traut sich zu widersprechen und mit einem letzten heimlichen Blick zu Bill verschwindet Tom in sein Zimmer.
Erschöpft lehnt er sich kurz einige Sekunden lang gegen die Tür und lauscht in die Stille hinein.
Durch die Dunkelheit um sich herum kann er sein herz intensiver schlagen hören.
Noch einmal lässt er sich jede einzelne Szene von eben durch den Kopf gehen. Es kommt ihm fast schon vor wie in einem Traum.
Es ist einfach so unvorstellbar, dass Bill ihm eben Gefühle gestanden hat.
Nie hat er geglaubt, dass sein Traum, sein Wunsch mal Wirklichkeit wird.
Langsam tappst Tom auf sein Bett zu und lässt sich dann schließlich bäuchlings darauf nieder fallen.
Er versinkt in dem kühlen Kopfkissen.
Endlich gehört Bill ihm…. Endlich nicht mehr leiden…
Mit einem zufriedenen Lächeln schließt Tom die Augen und ist Sekunden später auch schon eingeschlafen.
Daran, dass Alex auch noch da ist, denkt er nicht….

Kapitel 61

Leiser Regen prasselt gegen das Zimmer.
Immer im selben Takt
Tok..tok..tok..tok..tok
Langsam dreht Tom sich auf die andere Seite. Um ihn herum ist es immer noch dunkel.
Der Wecker auf seinem Nachttisch zeigt mit Leuchteten Zahlen 5:58 an.
Stöhnend reibt Tom sich die Augen. In genau 2 Minuten würde er klingeln und Toms absolutes Hassgeräusch spielen.
Wie er Schule doch verabscheut!
Langsam richtet Tom sich auf und drückt auf den Wecker. Nun ist er ja eh schon wach.
Schlaftrunken tapst er zu seinem Schrank und zieht wahllos, ohne das Licht an zu machen ein paar Klamotten heraus.
Die Nacht hatte er einen seltsamen Traum…Bill hätte ihm Gefühle gestanden.
Kopfschüttelnd zieht Tom sich an. So was Absurdes. Als ob Bill sich jemals in seinen Bruder verlieben würde!
Immer noch gähnend schlurft Tom nun weiter ins Bad und knipst dort dann das Licht an.
Bill scheint schon fertig zu sein und unten zu sitzen.
Neben dem Waschbecken liegen noch sämtliche Kosmetikartikel verteilt und der Föhn ist noch immer an die Steckdose angeschlossen.
Kopfschüttelnd greift Tom nach seiner Zahnbürste. Typisch!
Kaum 20 Minuten später steht Tom unten in der Küche und holt sich eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank. Simone musste schon früh los, Frühschicht, also liegt es nun an den Zwillingen alleine, sich das Essen und Trinken für die Schule bereit zu machen.
„Hey!“
Leicht erschrocken zuckt Tom zusammen und wendet sich wieder vom Kühlschrank ab, den er gerade noch nach irgendetwas Essbarem durchsucht hatte.
Bill steht mit verschränkten Armen lässig am Türrahmen gelehnt und grinst zu Tom hinüber.
Dieser scheint kurz wie erstarrt und zwingt sich dann auch ein Lächeln auf die Lippen.
„Hi!“ Seine Stimme klingt längst nicht so ruhig wie die von Bill.
Nervös kaut Tom sich an der Unterlippe herum und denkt angestrengt nach, warum Bill so freundlich ist.
Über den Kuss gestern haben sie doch noch nicht geredet…?
Bill macht einen zaghaften Schritt auf seinen Bruder zu. Sein Kopf ist leicht zur Seite geneigt.
„Mum ist schon aus dem Haus…“ Seine Stimme klingt bedeutungsvoll und Bill kommt noch einen Schritt näher.
Toms Verwirrung steigert sich immer mehr. Was geht hier los?
Was macht Bill…
In seinem Gesicht prangt ein einziges, großes Fragezeichen, was Bill immer mehr zum schmunzeln bringt.
Bill kommt wieder näher und steht jetzt unmittelbar vor Tom. Schweigend sehen sie sich an.
Bill grinst immer noch, als wüsste er etwas, was Tom entgangen zu sein scheint.
„Bill…“ Toms Stimme ist nur noch ein flüstern, als er schon Bills heißen Atem auf seinem Gesicht spüren kann. Die großen braunen Augen seines Bruders werden immer größer.
Wie könnte er doch in diesem tiefen versinken…
Ganz zart und sanft spürt Tom dann wenige Sekunden später Bills Lippen auf seinen.
Eine warme Glut geht von ihnen aus und Tom schließt genießerisch die Augen.
Fast wie automatisch schlingt er beide Arme um Bills Hals und scheint wie süchtig von seinen Küssen zu sein.
Und endlich beginnt es bei Tom auch zu dämmern. Ganz langsam fließt die flüssige Erkenntnis durch seinen Körper.
Gestern das war kein Traum, nein!
Es war Realität…Bill hat wirklich Gefühle für ihn!!

Kapitel 62

„Wir sollten dann langsam mal zur Schule gehen…!“ Bills Stimme klingt ganz atemlos.
Immer noch liegen die Zwillinge sich in den Armen und Tom streicht zärtlich mit einer Hand über Bills weiche Haut.
Die Küchenuhr tickt immer weiter und zeigt schon längst an, dass die beiden los zum Bus müssen.
„Ja, stimmt.“
Ein letztes Mal zieht Tom seinen Bruder zu sich ran und drückt seine Lippen auf seine. Das schnelle pochen seines Herzens nimmt er schon gar nicht mehr wahr.
„Ich könnte jetzt sehr gut auf Schule verzichten!“, seufzte Tom gespielt theatralisch und verdreht die Augen. Bill nickt zustimmend.
„Ich auch…aber wir können ja nicht einfach, nicht hingehen!“
Toms Augen glänzen auf und Bill macht erschrocken einen Schritt zurück. In der kleinen Küche wird es immer heller, da die Sonne allmählich aufgeht.
„Du denkst jetzt nicht ernsthaft daran Schule zu schwänzen?!“
Auf Toms Lippen tritt ein Lächeln, doch er zuckt nur die Schultern. „Vielleicht!“
Tatsächlich kreisen seine Gedanken da rum, doch einfach mit dem Bus in die City zu fahren und dort den Tag zu verbringen. Simone würde den ganzen Tag arbeiten, ebenso wie Gordon.
Eine Entschuldigung kann man mal eben leicht auf ein Blatt kritzeln, wo wäre da das Problem?
Keiner würde etwas merken…
„Das wäre doch toll! Während die anderen im stickigen Klassenzimmer sitzen, sind wir in nem Café und lassen es uns gut tun!“ Toms Lächeln wird größer und seine Augen blitzen immer mehr auf.
In Bills Gesicht liegt ein erstaunter Ausdruck.
Draußen sind laute Motorgeräusche zu hören, was den Twins deutlich zeigt, dass sie den Bus verpasst haben.
Tom macht dies nicht wirklich was aus…
„Also was ist jetzt?!“
Bill sieht immer noch ratlos aus. „Wenn das raus kommt-“ „Wird es nicht!“
„Aber wenn wir [I]beide[/I] ´krank´ sind fällt das do-“ „Wir sind in unterschiedlichen Klassen!“
Tom unterbricht seinen Bruder jedes Mal hektisch und versucht ihn zu beruhigen. Er spürt deutlich, dass er ihn immer mehr rum bekommt und Bill schon kurz davor ist nachzugeben.
Inzwischen wird die Küche schon in viele helle Sonnenstrahlen getaucht.
„Aber na ja…wenn du lieber im Unterricht sitzen willst…“ Tom zuckt die Schultern und blickt desinteressiert aus dem Fenster. „Ich für meinen Teil fahr gleich in die Stadt!“
Kaum hat er sich umgedreht ziert auch schon wieder ein riesiges Lächeln seine Lippen.
Er weiß genau, dass er Bill jetzt endgültig überredet hat und er jetzt einfach mit kommen muss.
„Man! Also gut Tom, du hast gewonnen ich komm ja schon mit!“, grummelt Bill leicht verärgert und geht dem Jungen mit den Dreads verärgert zwei Schritte hinterher.
Dieser hat nur darauf gewartet und dreht sich strahlend um. „Hah, wusst ich doch, dass du mitkommst!“
Erfreut legt er einen Arm um den grummelnden Bill und versenkt seine Nase kurz in dessen Haaren. Gierig schnuppert er den Geruch von Haarspray und Haarwachs ein.
„Eeeey! Du ruinierst meine Frisur!“, ruft der Schwarzhaarige daraufhin gespielt empört und macht sich los.
„Oh, Verzeihung Madame!“ Tom verdreht kichernd die Augen.
„Also…wollen wir dann mit dem nächsten Bus in die Stadt fahren?!“ Toms Blick fällt auf die Uhr.
„Ja, können wir machen…“ Bill schaut ebenfalls zur Küchenuhr empor. „Hast ja eigentlich recht…. Mal ne Abwechslung vom nervigen Unterricht und so…einmal schwänzen schadet sicher nicht!“ Nun grinst Bill auch.
„Ich habe nicht eigentlich Recht, ich habe ganz sicher Recht!“

Kapitel 63

„Jetzt guck nicht so ängstlich!“ Tom verdreht genervt die Augen.
Auch wenn Bill letztendlich der Idee mit dem Schwänzen zugestimmt hatte, schaut er sich doch ständig hektisch in der Gegend um, ob sie auch ja von niemandem gesehen werden. Man merkt ihm deutlich an, wie unangenehm die Situation für ihn ist und das er nun doch lieber in der Schule sitzen würde. Ständig quält ihn der Gedanke erwischt zu werden…
Er konnte es sich auch einfach nicht von Tom ausreden lassen, sich die große Sonnenbrille mit den verspiegelten Gläsern aufzusetzen.
Darüber kann Tom wieder nur den Kopf schütteln, da dies natürlich nur noch auffälliger ist. Wer bitte zieht morgens eine Sonnenbrille auf?
Kritisch mustert Bill die vorbeifahrenden Autos, während Tom nur wieder lässig gegen das Bushäuschen lehnt.
Die beiden Zwillinge stehen an der Bushaltestelle, auf der anderen Seite des Dorfes. Wenn man sie sehen würde, wüsste jeder sofort, dass sie sicher nicht zur Schule fahren.
Gerade das macht Bill nur noch mehr angst und mittlerweile bereut Tom es schon, seinen Bruder zu dieser Aktivität überredet zu haben.
„Guck mal, das Auto da sieht aus wie das von Gordon!“ Bills Stimme kling hysterisch, als er mit dem Finger auf ein kommendes, blaues Auto deutet. Mit einer hektischen Handbewegung dreht der Schwarzhaarige sich schnell um, den Rücken zur Straße gewendet und schaut zu Boden.
Tom zieht ungläubig beide Augenbrauen in die Höhe und blickt in das vermeintliche Auto von Gordon.
„Bill, da sitzt ne 18 Jährige Schnecke drin….sieht gar nicht mal so schlecht aus!“
Tom muss breit Grinsen, als Bill sich mit einem Ruck zu ihm wendet.
„Bitte?!“
„Ja! Blonde, lange Haare und ganz hohe Wangenknochen! Echt süß…“ Tom sieht seinen geschockten Bruder fragend an.
„Was ist? Stehst du eher auf Dunkelhaarige?!“ Sein Grinsen wird größer.
„Idiot!“, zischt Bill nur und boxt Tom leicht in die Seite.
Schmollend verschränkt der Schwarzhaarige die Arme und blickt wieder die große Hauptstraße entlang, in der Hoffnung, endlich den Bus sehen zu können.
„War n scherz!“, lacht Tom und legt von hinten die Arm um seinen Bruder. Zärtlich legt er seinen Kopf auf dessen Schultern.
Bills lange schwarze Haare wehen Tom leicht ins Gesicht und kitzeln ihn an der Nase. Sofort riecht er den Geruch von Haarwachs und Haarspray.
„Tom! Doch nicht hier!“, erschrocken macht Bill sich los und springt einige Meter von Tom weg.
Dieser macht eine enttäuschte Mine. „Und warum nicht?!“
„Jeder könnte uns sehen! Das ist doch viel zu auffällig hier…“ Wieder blickt Bill sich panisch in der Gegend um, und allmählich hat Tom schon das Gefühl, sein Bruder leidet unter Verfolgungswahn.
„Heute bist du echt seltsam!“, seufzt er und fährt sich kurz mit einer Hand über die Dreads. Wenn das so weiter geht, könnte das eine schwere Beziehung mit Bill werden. Immer nur heimlich Zärtlichkeiten austauschen. Niemanden zeigen, wie sehr er ihn doch liebt.
Klasse…
„Bin ich gar nicht!“, kontert Bill schnippisch. „Du bist seltsam!“
Laute Motorgeräusche machen die Zwillinge darauf aufmerksam, dass der Bus langsam die Straße entlang kommt.
„Wenn du meinst!“, murmelt Tom nur augenverdrehend.
So hat er sich den Tag eigentlich nicht vorgestellt.
Na ja vielleicht wird er ja noch besser….er muss besser werden…


Kapitel 64

„Und was machen wir dann in der Stadt?!“, fragt Tom und lässt sich lässig auf den freien Platz neben Bill plumpsen.
Mit einem Ruckeln fährt der Bus wieder an.
Bill zuckt die Schultern und wirft noch einen letzten, prüfenden Blick aus dem Fenster, ob sie auch niemand gesehen hatte, bzw. verfolgt.
Tom verdreht nicht mal mehr die Augen, so genervt ist er.
„Weiß noch nicht… vielleicht erst was Frühstücken und dann mal schauen!“
Der Schwarzhaarige wendet seinen Blick nun von den vorbeizischenden Bäumen und Häusern ab und wendet sich seinem Bruder zu, welcher seine Knie gemütlich gegen die Lehne des Vordersitzes stemmt.
Tom nickt. „Okay, machen wir!“
Seine Augen wandern kurz durch den leeren Bus.
Die Meisten sind jetzt in der Schule und die anderen Leute machen sich wohl nicht die Mühe so früh aufzustehen, nur um jetzt in die Stadt zu fahren.
Der Busfahrer schaute konzentriert auf die Straße.
Mit einem schelmischen Grinsen richtet Tom sich wieder halb auf und blick Bill mit leicht funkelnden Augen an.
Der Schwarzhaarige runzelt die Stirn. „Ist was?!“
Er scheint wohl immer noch leicht eingeschnappt, wegen der Blondine zu sein.
Tom schüttelt den Kopf und rutscht ein ganzes Stück näher an seinen Bruder heran.
„Tom?!“
Bill rückt instinktiv weiter nach hinten ans Fenster, was Tom nur noch mehr zum Schmunzeln bringt.
„Ja, Honigschnäuzchen?!“
Beide müssen losprusten.
„Honigschnäuzchen?!“, jappst Bill und versucht eine erschrocken Miene aufzusetzen, was durch sein Lachen allerdings nicht ganz gelingen will.
„Jaaha!“ Tom nickt wie wild.
Er ist froh, die Stimmung zwischen ihnen wieder etwas aufgelockert zu haben, da bis eben noch eine seltsame Anspannung zwischen ihnen gestanden hatte.
Zufrieden lehnt Tom sich in seinem Sitz nach hinten und beobachtet seinen Bruder heimlich aus den Augenwinkeln, wie er immer noch leicht lacht.
„Vergiss es, so nennst du mich nicht!“ Bill versucht streng zu klingen. „Wie hört sich das denn an?!“ Kopfschüttelnd sieht er wieder kurz aus dem Fenster.
Tom zieht einen Schmollmund.
„Och man… aber Bill klingt so…so…“, er sucht nach den richtigen Worten. „so…banal?!“
Der Schwarzhaarige muss wieder kurz auflachen.
„So heiße ich aber?!“
Tom verschränkt zu seinem Schmollmund nun noch die Arme. „Ich will dich aber nicht so nennen wie jeder andere…das ist langweilig!“
Bill zuckt die Schultern.
Der Bus holpert kurz, da er wohl gerade über einen Stein auf der Straße gefahren ist. Langsam nähern sie sich der Innenstadt.
„Honigschnäuzchen will ich aber nicht genannt werden!“, sagt Bill bestimmt.
Tom runzelt gespielt nachdenklich die Stirn. „Okay, wie wäre es mit…Mausebärchen?!“
Wieder schütteln sie sich vor lachen.
Der Busfahrer wirft ihnen durch den Rückspiegel einen fragenden Blick zu.
Bill schüttelt den Kopf und Tom seufzt einmal kurz.
„Na gut!“, meint der Junge mit den Dreads.
Sein Zwilling grinst. „Bleib einfach bei Bill, okay Zuckerpüppchen?!“
Tom verschluckt sich an seinem eigenen Lachen.
„Gut, mach ich!“
Plötzlich bleibt der Bus stehen und hält vor dem großen, schönen Einkaufszentrum.
Immer noch mit bester Laune springt Tom, sowie Bill, auf.
„Warte!“ Tom bleibt abrupt stehen.
„Was denn?!“
Mit einem schelmischen Grinsen dreht er sich noch mal um und blickt seinem Bruder in die glitzernden Augen.
Ganz vorsichtig haucht er ihm noch einen zarten Kuss auf die Lippen.
Erschrocken zuckt Bill kurz zurück.
Fragend zieht er die Augenbrauen in die Höhe.
„Okay, jetzt können wir gehen!“ Mit einem Strahlen dreht Tom sich wieder um, winkt dem verdutzt dreinblickenden Busfahrer einmal kurz und steigt aus.

Kapitel 65

Warme Luft schlägt Tom entgegen, kaum hat er den stickigen Bus verlassen.
Vor ihm präsentiert sich das große Einkaufszentrum, was ausnahmsweise mal nicht gerammelt voll ist. Ein paar gestresste Frauen und zum Teil angenervte Männer kämpfen sich durch das 3-stöckige Haus, aber ansonsten ist wirklich niemand besonderes hier, soweit er das erkennen kann.
„Tom!“ Bill kommt nun auch aus dem Bus gesprungen und wirft seinem Bruder einen vorwurfsvollen Blick zu. „Mach das nicht noch mal!“
Mit einem kleinen Seufzer wendet der Schwarzhaarige sich nun auch dem einzig wahren Shoppingparadies zu. Sofort leuchten seine Augen auf.
„Ach komm Bill, sei mal nicht so verklemmt!“ Mit einem kleinen Grinsen und leicht erhobener Stimme, da der Bus gerade mit lauten Motorgeräuschen und einem letzten neugierigen Blick des Busfahrers, an ihnen vorbeifährt, sieht Tom seinen Bruder an.
Spielerisch stupst er ihm kurz in die Seite und macht sich dann langsam auf den Weg ins Einkaufszentrum.
Bill folgt ihm kopfschüttelnd.
„Es geht ums Prinzip!“, erklärt er. „Wenn wir alleine sind; okay, von mir aus gerne! Aber doch so in der Öffentlichkeit, wo uns jeder sehen kann!“ Wieder erblickt Tom diesen Funken Angst in Bills Augen.
Gelassen schlendern die beiden nun in die große Eingangshalle, während Bill jeden vorbeikommenden Menschen genau mustert, um sicher zu gehen, dass hier auch niemand ist, der sie kennt.
„Bill, du siehst das alles einfach viel zu eng!“ Tom hat seine Hände tief in den Hosentaschen vergraben und blickt sich nun nach einem geeigneten Café zum Frühstücken um.
„Sei mal ein bisschen lockerer, entspann dich, baby!“
Bill schnaubt kurz einmal. „Sagst du so leicht!“
Tom nickt. „Es ist auch leicht! Besser als ständig so verkrampft in der Gegend rum zu rennen und Angst haben erwischt zu werden!“
Bill zuckt leicht zusammen. Prüfend wandern seine Augen über einen älteren Herr, der verblüffende Ähnlichkeiten mit seinem Mathelehrer hat.
„Ja, aber… wir bekommen richtig Ärger, wenn uns jemand sieht… vor allem, wenn man uns zusammen beim…du-weißt-schon-was, sieht!“
Nervös kaut Bill sich auf der Unterlippe herum. Die beiden Zwillinge stehen nun vor einer Ansammlung an vielen, schönen Holztischen und Stühlen.
„Beim du-weißt-schon-was?“ Tom grinst den Schwarzhaarigen schief an. „Ich wüsste nicht, dass es verboten ist schwul zu sein!“
Beide lassen sich auf einen der Stühle nieder. Während Tom sich entspannt zurück lehnt, bleibt Bill kerzengrade sitzen, in der Lage sofort aufspringen zu können, falls sich eine bekannte Person nähern würde.
„Aber wir sind Brüder!“, erläutert er.
Die beiden sind die Einzigen, die welche von den Stühlen belegen, also dauert es auch gar nicht lange, bis eine untersetzte, kleine Kellnerin auf die beiden zukommt.
„Was wollen sie, bitte?!“, fragt sie freundlich lächelnd, ehe Tom seinem Bruder eine Antwort geben kann.
„Ich nehm nur nen starken Kaffee!“, seufzt Tom.
„Dasselbe!“
Die Dunkelhaarige notiert sich die Bestellung kurz auf einem kleinen Notizblock und verschwindet dann wieder.
„Hast du gesehen, wie die uns angeschaut hat?? Die weiß bestimmt, dass wir schwänzen!“ Ängstlich blickt Bill einmal kurz nach links und nach rechts, obwohl er genauso gut wie Tom weiß, dass das nichts bringt.
„Ach Quatsch!“, winkt Tom auch grad schon die Hirngespinste seines Bruders ab.
„Doch!“, behaart der Schwarzhaarige auf seiner Meinung.
Augen rollend wendet Tom sich ab. „Wenn du meinst…“
Bill nickt.
„Ach ja, um noch mal auf das von eben zurück zu kommen!“ Tom blickt mit seinen Augen wieder in die von Bill. Angenehme Wärme verbreitet sich in seinem Körper, doch er versucht sie gekonnt zu ignorieren.
„Wir sind zwar Brüder…aber das weiß hier doch niemand! Wenn man uns nicht kennt, würde keiner auf die Idee kommen, dass wir Zwillinge sind!“ Tom verkneift sich hinzuzufügen, dass die Meisten sie nicht mal für schwul halten würden, da Bill schon verwechselnde Ähnlichkeiten mit einem Mädchen hat…
„Ja, niemand der uns kennt…aber was ist wenn hier jemand ist, der genau weiß, dass wir Verwand sind?!“
Tom verdreht wieder die Augen. „Und wer soll das bitte sein?!“
Bill sieht geradewegs an Tom vorbei. „Na dein Deutschlehrer“, sagt er mit monotoner, ängstlicher Stimme.

Kapitel 66

Mit einem Mal erbleicht Tom. Das Entsetzen steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben.
Er spürt wie sein ganzer Körper sich verspannt.
„Ne, oder?!“ Er muss stark schlucken.
Langsam dreht er sich um, die Augen panisch aufgerissen, auf alles gefasst.
Kaum hat er Bill den Rücken zugewendet, erblickt er nur den langen, schmalen Gang der leeren Einkaufspassage.
Benommen macht Tom den Mund auf und blinzelt mehrmals.
Noch immer präsentiert sich ihm das gleiche Bild, wonach keine Menschenseele zu sehen ist.
Mit einem Ruck wirbelt er wieder zu Bill herum, der schon ein riesiges Grinsen im Gesicht hat.
„Na, angst gehabt?!“ Bills Grinsen wird breiter. Lauter kleine Grübchen bilden sich um seine Augen und seine Mundwinkel. Belustigt schaut er seinen Bruder an.
„Man, weißt du wie du mich erschreckt hast?!“ Tom atmet einmal hörbar aus.
Langsam entspannt sich sein Körper wieder, doch sein Herz rast immer noch unkontrolliert schnell, wobei er nicht genau sagen kann, ob das nun noch an dem Schrecken, oder an Bill liegt.
„Jaha!“ Bills Augen funkeln erfreut auf. „Dein Gesicht war echt klasse!“
Tom verdreht die Augen. Seufzend legt er kurz den Kopf in die Hände.
Wie konnte er auch so dumm sein und ihm das abnehmen? Was sollte sein Deutschlehrer auch hier machen? Der ist gerade in der Schule und hält Unterricht ab.
„Lustig!“, meint Tom nur mit gelangweiltem Gesichtsausdruck und monotoner Stimmlage.
Bill nickt. „Find ich auch!“ Während er immer noch freudig mit dem Kopf auf und ab wippt, fällt ihm das schwarze Haar verwegen ins Gesicht und bedeckt leicht die haselnussbraunen Augen.
Gegen seinen Willen muss Tom bei diesem Anblick kurz lächeln. Er kann es immer noch nicht fassen, dass dieses schöne Wesen nun wirklich ihm gehört und ihm auch Zuneigung schenkt…wenn auch auf eine etwas seltsame Art und Weise.
Sanft, aber deutlich, spürt er sein klopfendes Herz, was ihm wie wild in der Brust hämmert.
Auch wenn sie heute nicht gerade Zärtlich miteinander umgingen, Tom kann sich nicht vorstellen, je wieder ohne seinen Bruder zu sein.
„Bill?!“ Tom ist überrascht, wie schüchtern seine Stimme klingt.
Auch wenn es nicht normal ist, Bill seine Gefühle zu sagen, so hatte er doch gedacht in der Sache wieder etwas mutiger zu sein, jetzt wo auch klar ist, dass Bill etwas für ihm empfindet.
„Ja?!“ Bill hat immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Ein warmes, zärtliches Lächeln…
Seine Augen haften fest an denen seines Bruders und blitzen leicht auf.
Seine Hände mit den schwarz lackierten Fingernägeln liegen ruhig auf seinem Schoss, alleine sein Fuß, der hin und wieder kurz über den Boden schert verrät, wie nervös er doch ist.
„Weißt du ich-“ „So, hier der Kaffee!“ Abrupt wird Toms hauchzarte Stimme unterbrochen.
Die Kellnerin stellte mit einem lauten Klirren das Tablett mit zwei dampfenden Tassen Kaffee auf den Tisch.
Erschrocken schauen die Zwillinge auf.
„D-danke!“, fasst Bill sich als Erster und zwingt sich wieder ein Lächeln auf die Lippen.
Mit einem Nicken verschwindet die untersetzte Frau wieder.
Tom seufzt kurz.
Manchmal scheint es echt wie verflucht. Ständig werden sie gestört und unterbrochen.
Nie haben sie mal nur ihre getraute Zweisamkeit. Nie sind sie mal nur für sich.
Schweigend greift Tom nach seiner Tasse und trinkt einen Schluck, Bill tut es ihm gleich.
Sorgfältig darauf bedacht, sich nicht in die Augen zu schauen blicken beide zu Boden oder in entgegen gesetzte Richtungen.
Tom trommelt nervös mit seinen Fingern auf dem kleinen Holztisch herum.
Manchmal benehmen sie sich echt kindisch.
Sie kennen sich jetzt schon ewig, also immer, trotzdem sind sie immer noch so schüchtern im Umgang miteinander.
Nachdenklich kaut er sich auf der Unterlippe herum.
Eigentlich ja auch verständlich. Wie ein Liebespaar eben, das gerade erst zusammen gekommen ist.
Mit dem Gedanken, dass die angespannte Situation zwischen ihnen sich bald wieder lösen wird, versucht Tom sich zu beruhigen. Das wird schon…

Kapitel 67

Völlig in Gedanken versunken schaut Tom vor sich ins Leere. Sein Blick wirkt glasig und verklärt.
Sein Kaffee, der in dem Becher vor ihm auf dem Tisch steht, ist schon kalt geworden. Seine Kehle fühlt sich seltsamerweise an wie zugeschnürt, also undenkbar auch nur einen Schluck der schwarzen Brühe zu trinken.
Bill sitzt ihm ebenfalls schweigsam gegenüber und hat seine Augen zu Boden gerichtet.
Erst jetzt, wo sie sich einfach nur stumm gegenüber sitzen und nicht herumalbern oder sich anzicken, erst jetzt wird Tom wieder richtig klar, was er doch für Bill empfindet.
Wie lange hatte er gelitten?
Wie lange hatte er seine Gefühle so zügeln müssen?
Wie lange hatte er diese Sehnsucht in sich gespürt?
Wie lange wollte er diese Zuneigung spüren?
Jetzt endlich gehört Bill nur ihm. Endlich erwidert er seine Gefühle. Ist das wirklich Realität?
Ganz kurz, fast schon schüchtern, wirft Tom seinem Bruder einen raschen Blick zu.
Bills Lippen sind leicht zusammengepresst und seine Hände umklammern die Stuhllehnen. Durch das dunkle, schwarze Haar wirkt seine Haut noch heller und blasser.
Mit einem kleinen Seufzer senkt Tom den Blick wieder, bevor Bill etwas merkt.
Er will nicht, dass sie sich so verklemmt gegenüber verhalten. Aber einerseits ist es ja auch etwas völlig Neues für sie beide.
So ungewohnt und doch so schön. So neu und doch so normal. Sie sind Zwillinge.
„Hey Tom!“
Der Angesprochene zuckt erschrocken zusammen und blickt auf.
Bill hat sich von seinem Platz erhoben und steht nun unmittelbar vor ihm. Seine zarten Lippen haben sich zu einem Lächeln verzogen und das Haar fällt ihm um das schöne Gesicht.
„Wollen wir langsam mal los? Ich hab keine Lust mehr hier zu sitzen… und Kaffee mag ich auch nich mehr trinken!“ Er schiebt kurz seine Unterlippe vor, was Tom zum Lächeln bringt.
Er nickt. „Klar können wir gehen!“
Tom wartet darauf, dass Bill sich wieder umdreht oder einige Schritte nach hinten geht, damit er auch aufstehen kann. Doch Bill bleibt weiterhin über ihn gebeugt und blickt ihn einen Moment nur aus warmen Augen an.
Tom spürt einen Kloß im Hals und muss stark schlucken.
Dann, ganz unvermittelt, beugt Bill sich noch ein Stück weiter vor und legt seine Lippen kurz sanft auf die von Tom. Dieser hat sofort das Gefühl an der Hitze, die in ihm empor steigt, ersticken zu müssen. Eine heiße Glut geht von seinen Lippen aus und verbreitet sich in seinem ganzen Körper.
Fast schon automatisch hebt er die Hand und legt sie an Bills Wange. Deutlich spürt er dessen weiche, zarte Haut unter seinen Fingern.
Sein Herz hämmert wie wild in seiner Brust.
Nach einer Ewigkeit, wie es beiden vorkommt, löst Bill sich dann wieder von Tom. Ein paar Sekunden lang bleibt der Schwarzhaarige noch in seiner herüber gebeugten Position verharrt und die Zwillinge schauen sich intensiv in die Augen, während Tom seine Hand immer noch auf Bills Wange hat.
„Ich dachte du willst das nicht so in der Öffentlichkeit!“, flüstert Tom ganz leise mit einem Lächeln in den Augen und auf den Lippen.
Bill grinst ebenfalls und zuckt gelassen die Schultern.
„Ach quatsch! Da musst du was falsch verstanden haben!“ Mit einem Lachen richtet Bill sich schließlich wieder auf und streckt sich kurz.
Tom erhebt sich ebenfalls.
„Okay, dann lass uns mal gehen!“
Er kramt kurz in seinen übergroßen Baggytaschen herum und zieht einen 5€ Schein heraus und schmeißt eben diesen auf den Tisch.
„Komm!“ Prompt schnappt er sich Bills Hand und schlendert mit diesem durch die immer noch leere Einkaufspassage.
Bill blickt sich wieder nervös nach allen Seiten um, wobei Tom nicht sagen kann, ob er dies nun macht, aus Angst mit seinem Zwillingsbruder händchenhaltend erwischt zu werden, oder beim schwänzen geschnappt zu werden.
Tom legt kurz den Kopf schief.
Wahrscheinlich aus beiden Gründen.
Er seufzt leise.
„He, komm da gehen wir mal rein!“ Bills Augen leuchten auf, als sie vorm New Yorker stehen.
Tom verdreht die Augen und macht einen missmutigen Eindruck.
Leicht rümpft er die Nase.
„Muss das sein?!“ Er weiß genau, wenn Bill einmal darin ist, dann bekommt er ihn so schnell nicht mehr raus. Stundenlang wird er sich nicht entscheiden können und von einem Outfit ins nächste Springen um am Ende dann doch ohne Beute wieder heraus zu kommen.
„Och bitte Tom!“ Bill legt den Kopf schief und schaut Tom bittend aus seinen großen, braunen Augen an.
„Man, das ist unfair!“, motzt dieser mit verschränkten Armen. „Du weißt genau, dass ich eh nicht nein sagen kann, wenn du so guckst!“ Schmollend blickt er zur Seite.
Bill strahlt.
„Ebene deshalb ja!“ Bestimmend packt der Schwarzhaarige seinen Bruder am Handgelenk und zieht ihn entschlossen mit sich.

Kapitel 68

„Bill?!“
Der Schwarzhaarige unterbricht sein Kramen an dem großen Klamottenständer kurz und wendet sich um.
Vor ihm zeigt sich ein großer Klamottenhaufen, unter dem irgendwo Tom vergraben sein müsste. Dieser kippt unter der Last an T-Shirt, Jeans und sonstigem Zeug, was Bill ihm in die Arme geschmissen hat gleich zusammen.
„Was ist denn?!“, fragt dieser nun honigsüß und unschuldig.
„Bist du langsam fertig? Wir hängen hier gleich schon eine Stunde und du hast noch nicht mal mit dem anprobieren begonnen!“ Tom seufzt laut und vernehmlich.
Seine Beine beginnen schon bedrohlich zu schwanken.
Er bereut es mittlerweile zutiefst je auch nur einen Fuß in diesen Laden gesetzt zu haben.
Fast schon wünscht er sich, jetzt daheim oder gar in der Schule zu sein. Ist er krank?
„Na gut, dann gehen wir mal zu den Umkleidekabinen!“ Bill scheint heute seinen gnädigen Tag zu haben.
Hoch erhobenen Hauptes stolziert dieser nun durch den Laden und bleibt vor den freien Kabinen, mit roten Vorhängen, stehen.
Tom schafft es, trotz Sehbehinderung durch die Klamotten, irgendwie hinterher zu schlurfen ohne auch nur gegen irgendetwas zu laufen oder sich hinzulegen.
„Gib mir mal das schwarze T-Shirt!“ Bill wedelt mit einer Hand vor dem Klamottenhaufen Namens Tom herum.
Dieser runzelt die Stirn.
Jedes Kleidungsstück in seinen Armen ist schwarz. Und mindestens 50 verschiedene T-Shirts in eben dieser Farbe.
Was nun?
Bill steht immer noch erwartungsvoll vor ihm und schnalzt ungeduldig mit der Zunge.
Tom seufzt und nimmt sich wahllos irgendein T-Shirt.
Bill mustert es kurz einige Sekunden stumm.
Toms Augenbrauen heben sich in die Höhe. Was hat die Diva denn nun?
Der Schwarzhaarige schüttelt den Kopf. „Tom!“, tadelt er. „Ich will dieses eine schwarze T-Shirt!“ Er stemmt die Hände in die Hüften.
Tom ist schon kurz davor, den Klamottenhaufen gleich vor sich auf den Boden zu werfen und als Bills Bimbo zurückzutreten.
„Bill, die sind alle schwarz!“, leichte Verzweiflung schwingt in seiner Stimme mit.
Langsam bereut er es wirklich, mit Bill in die Stadt gegangen zu sein. Wäre es nicht viel angenehmer jetzt im französisch Unterricht zu sitzen und zu schlafen, anstatt das hier ertragen zu müssen?
“Gar nicht! Das hier“, Bill hält ein normales, schwarzes T-Shirt hoch. „Ist hellschwarz! Und das“, er nimmt eins, was dem anderen total identisch ist. „Hat die Farbe dunkelschwarz!“
Tom ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch und bleibt mit Absicht stumm.
Dazu sagt er besser nichts. Für ihn sehen die beiden T-Shirts haargenau gleich aus.
„Also gib mir jetzt mal das eine schwarze T-Shirt!“
Tom hat die Logik immer noch nicht kapiert und zeigt keine Reaktion. Langsam schleicht in ihm der Verdacht auf, dass Bill etwas… etwas… seltsam ist.
„Was ist nun?!“
Tom rümpft die Nase und lässt den Berg an Klamotten nun endlich mal fallen.
Seine Arme fühlen sich taub an.
„Ach, such dir dein T-Shirt doch selber!“ Seine Laune ist ziemlich gesunken. Eigentlich hatte er sich den Tag mit Bill wirklich etwas anders vorgestellt.
Was bringt das hier denn noch?
Nichts!
Soll Bill alleine shoppen…
„Ich für meinen Teil geh jetzt rüber ein Eis essen!“
Mit seltsamen Bewegungen, um seine Arme wieder zum leben zu erwecken, verlässt Tom New Yorker, während der verdutzte Bill ihm nur hinter herblickt. Dieser steht nun mit ratloser Miene vor seinem schwarzen Klamottenhaufen.

Kapitel 69

„Tom! Hey, warte doch mal!“
Dem Angesprochenem huscht ein kleines, selbstgefälliges Grinsen übers Gesicht.
Die Hände hat er wieder lässig in die Hosentaschen geschoben. Trotz Bills rufen bleibt er doch nicht stehen sondern schlendert langsam weiter auf die kleine Eisdiele gegenüber von New Yorker zu.
„Tom, verdammt!“ Schließlich hat der Schwarzhaarige ihn eingeholt und hält ihn, nach Luft ringend, mit einer Hand fest.
„Bleib mal stehen, man!“, jappst er und Tom muss noch breiter Grinsen.
Wieder mal spürt er ein angenehmes Ziehen im Magen und Bills Hand, die immer noch auf seinem Arme liegt, löst ein angenehmes Kribbeln aus.
Toms Herz beginnt um einiges Takte höher zu schlagen.
Bills Anblick ist aber auch einfach nur wieder hinreißend. Das Haar, was ihm leicht strähnig ins Gesicht fällt und die schönen braunen Augen bedeckt. Der leicht geöffnete Mund. Die schöne, zarte, blasse Haut.
„Also, es tut mir leid, ich machs nie wieder, bitte verzeih mir!“, leiert der Bill nun runter und verzieht seine Lippen zu einem kleinen Grinsen.
Auch Tom muss Lachen, auch wenn er eigentlich noch kurz den Beleidigten spielen wollte, was ziemlich missglückt.
„Okay, ich hab heute meinen großzügigen Tag, also verzeih ich dir noch mal!“ Tom nickt gnädig und mustert kurz seine Fingernägel.
„Ach wirklich? Woow, danke Tom, du bist echt zu gütig!“ Bill verdreht lachend die Augen, welche wieder so schön glitzernd aufleuchten.
„Unter einer Bedingung!“, erhebt Tom noch mal das Wort und ist wieder ganz hingerissen von Bills Anblick.
Wieder kommt es ihm so unglaubwürdig vor. Wie lange hatte er seinen Bruder verehrt? Wie lange hatte er ihn von der Ferne immer angehimmelt? Sich gewünscht nur einmal von ihm geküsst zu werden?
Und nun?
Ist sein Traum wirklich endlich Realität? Kann das sein? Ist das Möglich?
„Und die wäre?!“ Bill runzelt misstrauisch die Stirn, während Tom schelmisch anfängt zu grinsen.
Langsam geht er einen Schritt näher auf seinen Bruder zu und schaut ihm intensiv in die Augen. Vorsichtig hebt er eine Hand und fährt zart die Konturen von Bills Lippen nach, welcher etwas anfängt zu zittern unter diesen sanften und leichten Berührungen.
Toms Blick heftet nun auf Bills perfekt geschwungenen Lippen. Sein heißer Atem stößt ihm gegens Gesicht.
„Einen Kuss!“, haucht Tom ganz leise und beugt sich dann noch weiter vor.
Sofort spürt er nun Bills Lippen mit seinen verbunden. Warum und weich.
Sofort spürt er sein Blut, was wild durch seine Adern rauscht und sein Herz, was kurz aussetzt um dann aber in doppelter Geschwindigkeit weiter zu klopfen.
Toms Hände wandern nun über Bills Rücken und durch sein Haar. Seine Beine zittern so stark, dass er fast das Gefühl hat, gleich umzukippen.
Bills Hände ruhen auf Toms Hüften und streicheln ihm sachte übers T-Shirt.
Obwohl sie ja jetzt in der Öffentlichkeit sind und praktisch von jedem gesehen werden können, erwidert Bill den Kuss. Immer fester und leidenschaftlicher. Heiß und innig.
Tom geht noch einen Schritt vor und stößt mit seinem Körper gegen den von Bill. Intensiv spüren sie die Wärme des anderen.
Der Kuss beginnt stürmischer zu werden und Tom streicht nun langsam mit seiner Zunge über Bills Unterlippe.
Der Schwarzhaarige öffnet seinen Mund bereitwillig und die Zwillinge verfallen nun in ein noch wilderes Zungenspiel.
Fast schon wie ausgehungert presst Tom sich an seinen Bill.
„Ich liebe dich!“, haucht er zwischen dem Kuss hervor und drückt seine Lippen dann wieder so feste gegen die seines Bruder, so dass dieser nicht mal die Möglichkeit hat etwas zu erwidern.
Tom ist sich eh sicher, dass Bill darauf nichts gesagt hätte. Er kann die 3 Worte bestimmt noch nicht sagen. Dafür ist er noch nicht bereit. Da ist es noch zu früh für.
„Ich liebe dich auch!“

Kapitel 70

Tom spürt eine angenehme Gänsehaut, die seinen Körper überzieht und einen eiskalten Schauer, der seinen Rücken hinab läuft.
Langsam löst er sich von Bill, bleibt allerdings ganz dicht vor ihm stehen.
Tom schaut ihm intensiv in die Augen. Versucht an den dunklen, mandelförmigen Augen seines Bruders abzulesen, ob er das von gerade eben wirklich ernst gemeint hat. Ob er es nicht einfach nur so gesagt hat, weil er denkt, Toms Worte erwidern zu müssen.
Doch aus Bills Augen strahlt ihm pure Ehrlich- und Aufrichtigkeit entgegen. So warm wie heute waren sie noch nie, selten haben sie so sehr geglitzert.
„Bill ich…“ Tom sucht angestrengt nach den richtigen Worten um Bill zu sagen, wie unendlich glücklich ihn das macht. Er kann es kaum beschreiben. Dieses atemberaubende Gefühl in der Magengegend das ihm zu glauben gibt, alles tun zu können, was er will.
„Ist schon gut, du brauchst nichts sagen!“ Bill legt sanft einen seiner schlanken Finger auf Toms zarte Lippen. Ein Lächeln huscht ihm übers Gesicht. „Wir sollten die Nähe des anderen einfach nur genießen!“ Seine Stimme ist nicht mehr als ein Flüstern und Tom spürt abermals, wie es ihm jedes Haar einzeln aufrichtet.
Er schluckt kurz einmal und nickt dann.
„Du hast Recht!“, haucht er zurück und legt seine Hände dann wieder liebevoll auf Bills Hüften ab. „Ich bin froh, dass du da bist!“
Ehe Bill etwas antworten kann legt Tom auch schon sanft seine Lippen auf die seines Bruders.
Erneut versinken die Zwillinge in einem zärtlichen und zugleich doch leidenschaftlichen Kuss.
Alles andere um sie herum ist vergessen, das einzige was zählt ist die Zuneigung des anderen.
„Du, wollen wir eigentlich langsam mal wieder heim?!“, fragt Bill irgendwann, als die beiden sich wieder voneinander gelöst haben.
Tom nickt zustimmend und streicht Bill eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn.
„Natürlich… müssen nur aufpassen, dass uns niemand sieht…manche haben ja auch gleich schon Schule aus!“
Kaum hat Tom das gesagt bereut er es auch schon und beißt sich auf die Zunge. Bills Reaktion folgt auch prompt. Seine Augen weiten sich und haben wieder den Ausdruck eines gehetzten Rehs in sich.
„Dann komm, schnell!“ Hektisch greift er nach Toms Hand und schleift ihn hinter sich her.
So schnell er kann läuft er Richtung Bushaltestellen.
Tom verdreht nur wieder Augen. Selbst dran Schuld, er musste es ja auch sagen! Doch auch er hat es etwas eilig nach Hause zu kommen….
„Ich weiß auch schon genau, was wir machen, wenn wir wieder daheim sind!“, sagt er leise vor sich hin, mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen.
Bill dreht sich nicht mal um, sondern läuft hektisch weiter, sich immer wieder ängstlich umblickend. „Was denn?!“, fragt er nur relativ gleichgültig zurück.
Dass er sich das nicht denken kann…Tom kommt zu dem Schluss, dass es nun wirklich keinen Sinn macht, mit seinem Bruder zu reden. Der ist jetzt viel zu sehr von seinem Verfolgungswahn besessen… kann es sein das er etwas Paranoid ist? Eindeutig: ja.
„Siehst du dann schon!“, gibt Tom nur zurück und lässt sich kommentarlos weiter schleifen.
Zu ihrem Glück hält auch gerade ihr Bus an der Bushaltestelle.
Draußen ist nun schon um einiges mehr los, als noch vor wenigen Stunden. Viele Leute tummeln sich, steigen aus den Busen und begutachten die verschieden Waren in den Schaufenstern.
Wäre Bill vielleicht nicht ganz so hektisch und panisch in den Bus gesprungen, wären die Zwillinge völlig unbemerkt geblieben. Doch natürlich ernten sie so wieder ein paar verwunderte, bis missbilligende Blicke.
Tom schüttelt nicht mal mehr den Kopf.
Das ist eben Bill.

Kapitel 71

Kaum hat der Bus seinen Motor wieder angeworfen macht Bill sich so klein wie möglich und hält sich beide Hände schützend vors Gesicht. Seine Knie hat er gegen die Lehne des Sitzes vor ihm gelehnt.
Tom sitzt völlig entspannt neben ihm und blickt aus dem Fenster.
Einige bekannte Gesichter blicken ihm sogar entgegen, doch keiner scheint ihn wirklich zu erkennen. Alle sind fast ausschließlich nur mit sich selbst beschäftigt, mit ihren Freunden oder dem schönen Wetter.
„Wann kommt Mum eigentlich von der Arbeit wieder?!“, dringt da plötzlich Bills Stimme zu Tom durch. Ängstlich lugt der Schwarzhaarige zwischen seinen Fingern durch.
„Ich denke erst heute Nachmittag irgendwann“ Tom wiegt nachdenklich den Kopf zur Seite.
Oder hat sie heute nur Frühschicht?
Darauf bedacht Bill nicht noch mehr zu beunruhigen schweigt Tom seine letzten Gedanken besser aus und lässt sich tiefer in den Sitz rutschen. Das könnte echt Mächtig ärger geben, wenn Simone etwas davon erfahren würde… vor allem, weil Tom es im Moment echt nötig hat in die Schule zu gehen.
Indem er schwänzt werden seine Noten auch nicht unbedingt besser…
Doch wenn er ehrlich zu sich ist, ist es ihm gerade ziemlich egal, ob sie erwischt werden oder nicht. Seinetwegen können sie sogar von der Schule fliegen. In Tom brodelt immer noch dieses übernatürliche Gefühl, dass schon seit gestern in ihm schlummert.
Er ist mit Bill zusammen.
Sie lieben sich.
Endlich hat er seine große Liebe, nach all den Monaten des Leidens. Da kann ruhig mal ein Schulverweis kommen. Gemeinsam würden sie das schon durchstehen.
Plötzlich durchbricht ein schrilles Klingeln die angenehme Stille, gefolgt von einem vibrieren.
Tom zuckt erschreck zusammen und wendet seinen Blick sofort zu Bill hinüber, der nicht minder erschreckt wird.
Fieberhaft kramt der Schwarzhaarige in seiner Hosentasche herum und befördert sein blinkendes Handy ans Tageslicht. Hastig drückt er auf den grünen Hörer und hält es sich ans Ohr.
Mit einem letzten, prüfenden Blick durch den Bus vergewissert er sich noch mal, ob auch niemand in der Nähe ist, der sie kennt und aufmerksam geworden ist, dann flüstert er leise ins Handy: „Ja?!“
Toms Augen haften neugierig auf Bill und mit interessierter Miene versucht er zu lauschen, wer jetzt wohl anruft. Eigentlich wären sie ja jetzt auch in der Schule…
„Oh, hey Alex!“
Tom spürt augenblicklich einen Kloß im Hals und ein undefinierbares Stechen in der Brust. Ein Blitz durchfährt ihn. Alex… die hat er ja ganz vergessen…
„Ehm…also ich bin krank, deshalb konnt ich net in die Schule kommen!“ Bill fummelt sich unbehaglich an dem Kragen seines T-Shirts herum und wirft Tom nervöse Blicke zu. Dieser ist noch immer zu entsetzt über den Anruf um auch nur eine Miene zu verziehen.
„Du…also das is grad bisschen schlecht, ich ruf dich später noch mal an, ja?!“
Toms Körper versteift sich.
Bill will sie noch mal anrufen?
Irgendwo in seinem Hinterkopf hört er schon eine kleine Stimme die sagt, dass Bill das nur als ausrede benutzt. Doch andererseits ist da auch diese heiße Eifersucht die in ihm hoch kocht.
Schließlich waren Bill und Alex mal zusammen…ob er sie echt anruft.
„Puh, das war knapp! Wenn die rausbekommen hätte, dass ich nich krank bin…“ Bill schließt kurz die Augen und legt den Kopf in den Nacken.
Tom verschränkt nur die Arme und blickt aus dem Fenster. „Deine Sorgen muss man haben…“, grummelt er vor sich hin.
Alex ruft an und Bill denkt nur wieder daran, aufzufliegen… denkt er auch mal daran wie Tom sich fühlt?
Was er mit Alex machen soll… an sie beide??

Kapitel 72

„Ja…du glaubst gar nicht, was ich für eine Angst habe!“ Mit einem Seufzen schiebt sich Bill das Handy zurück in die Hosentasche.
Mit einem Finger beginnt er sich langsam die Schläfen zu massieren.
„Und du glaubst gar nicht wie mir dein Verfolgungswahn auf die Nerven geht!“, grummelt Tom vor sich hin, allerdings so leise, dass Bill es nicht hören kann.
Wie kann der so ruhig bleiben, obwohl Alex ihn gerade angerufen hat? Seine Ex Freundin, die, die Tom über alles hasst.
„Ich kanns kaum erwarten, wenn wir endlich wieder daheim sind. In Sicherheit. Glaub mir, ich lass mich nie wieder von dir zum schwänzen überreden!“
Der Schwarzhaarige wirft Tom einen kurzen, undeutbaren Blick zu und lehnt sich dann wieder angespannt in seinem Sitz zurück.
Tom nimmt diese Aussage mit einem Augenverdrehen hin und beschränkt sich darauf, mit zusammen gekniffenen Augen Löcher in die Luft zu starren.
Bill ist wirklich unsensibel.
Die restliche Fahrt schweigen beide beharrlich und hängen ihren Gedanken nach.
Tom ist überaus erleichtert, als der Bus endlich in Loitsche hält und die Zwillinge aussteigen können. Er hätte es wirklich keine Minute länger mehr mit Bill ausgehalten. Auch Tom ist sich ganz sicher, nie mehr wieder mit seinem Zwillingsbruder zu schwänzen. Das ist ja noch anstrengender als Schule.
„Komm, schnell! Nicht, dass Mum doch noch gleich aufkreuzt!“ Hibbelig läuft Bill die Straße entlang, während Tom nur mit leicht hochgezogenen Augenbrauen hinterher schlendert.
„Soll sie doch!“
Bill ist zu beschäftigt damit, so schnell es geht nach Hause zu kommen, als dass er sich umdrehen kann. „Ja bei dir ist schwänzen vielleicht normal aber bei mir nicht!“, ruft er nur über die Schulter zurück und hastet weiter.
Tom schnaubt leise. „Bei dir ist das vielleicht normal aber bei mir nicht!“, äfft er Bill übertrieben eitel nach und schüttelt kurz den Kopf.
Okay, vielleicht ist er eine Zicke. Vielleicht ist er gerade etwas ungerecht, doch dafür hat er wohl doch auch jeden Grund oder?
Tom kann sich denken, dass Bill das nicht mit Absicht macht und überhaupt nicht weiß, wie sehr er Tom verletzt. Und trotzdem könnte Tom ihn in diesem Moment hassen.
„Jetzt beeil dich doch!“ Undeutlich nimmt Tom die Stimme seines Bruders wahr, der schon ziemlich weiter vorne läuft.
„Warte doch einfach mal auf mich!“, ruft Tom zurück und macht keine Anstalten, sein Tempo zu verschnellern.
„Du bist so blöd!“, hört er Bill noch rufen, bevor dieser auch schon in die Hofeinfahrt der Kaulitz´ einbiegt.
„Aber du!“, grummelt Tom beleidigt.
Manchmal, so wie jetzt gerade, fragt er sich echt, was er an Bill eigentlich so toll findet. Diesem egoistischen kleinen….
Mit geballten Händen betritt Tom dann schließlich auch ihre Hofeinfahrt und schlendert so gelassen es geht den gepflasterten Weg entlang.
Die Haustür ist schon wieder geschlossen was darauf hindeutet, dass Bill schon gelassen drinnen ist und wahrscheinlich den Boden küsst, da er so erleichtert ist wieder daheim zu sein.
Mit einem Kopfschütteln öffnet Tom dann schließlich auch die Tür und tritt ein, mit der Hoffnung, dass dieser Tag vielleicht doch noch etwas besser verlaufen wird.

Fortsetzung folgt

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