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Nôthîng ís êvér ênóûgh

Autor: Lara
Art der Story: Normale FF
Hauptpersonen: Chiara, Holly, Bill und Tom
Nebenpersonen: Gustav und Georg
Claimer: Chiara, Holly gehören mir!
Disclaimer: Bill, Tom, Georg und Gustav sowie deren Verwanden etc gehören mir nicht…
Summary: Chiara und Holly finden es beide schrecklich in ihrem Elternhaus. Sie müssen da raus…also laufen sie weg…! Aber woher nun das Geld für ein Hotel nehmen??…sind Stars nicht immer reich?
Wie gut, dass die beiden gerade jetzt auf Tokio Hotel treffen…die lassen sich doch sicher gut ausnutzen?



Prolog



„Lass mich in Ruhe! Du hast mir gar nichts zu sagen!“
Meine Hände waren zu wütenden Fäusten geballt. Röte stieg mir die Wange empor und meine Brust hob und senkte sich ungewöhnlich schnell.
Genervt trat ich gegen den kleinen Pappkarton der neben mir auf dem Fußboden stand und drehte mich demonstrativ um.
„Chiara! Ich bin dein Vater und du hast auf mich zu hören!“
Die Raue, harte Stimme meines Vaters polterte zu mir rüber.
Meine Augen waren zu kleinen Schlitzen verengt. Ich schnaubte verächtlich auf.
„Vater!“, spottete ich. Mit gekreuzten Armen warf ich ihm einen höhnischen Blick über die Schulter zu. „Du bist höchstens mein Erzeuger! Den ich hasse!!“
Ich war auf alles gefasst. Für alles gewappnet. Es wäre nicht das Erste mal, dass er mich schlägt…
Nie habe ich auch nur einen Funken Liebe gespürt. Nie hat mir jemand Zuneigung geschenkt.
Nicht mal mein eigener Vater…
Noch nicht mal meine Mutter wollte mir etwas geben… sie ist einfach abgehauen, kaum war ich auf der Welt. Sie konnte dem Druck noch nicht standhalten.
Das Beste wärs gewesen, sie hätte Dad mitgenommen. Alles wäre besser als das hier…
„Das reicht!! Raus!“, schrie dieser mir gerade wieder um die Ohren und stieß mir mit beiden Händen kräftig ins Kreuz.
Mit einem heftigen Ruck stieß ich gegen die Haustür. Ein kurzer, scharfe Schmerz schoss durch meine Handflächen, mit denen ich mich abgefangen hatte, und ich keuchte kurz auf.
„Na los, verschwinde!“
Fast schon dankbar riss ich die Tür auf und stürmte hinaus…ins Freie…in die Erlösung…
Nur weg von ihm!
So schnell ich konnte stürzte ich die Treppen unseres Mietshauses hinaus und wäre mit meinen billigen Turnschuhen fast noch ein paar Mal ausgerutscht.
Gierig sog ich die kühle, frische Luft in meine Lungen, kaum war ich draußen. Kalter Herbstwind blies mir entgegen. Kleine weiße Wölkchen kamen aus meinem Mund hervor und stiegen hinauf in den Himmel.
Langsam schlenderte ich über den mit Kies übersäten Hof. Mit jedem Schritt den ich ging Knirschte es.
Meine Hände waren tief in meinen Hosentaschen vergraben.
Eine Gänsehaut ging meinen ganzen Körper entlang und es schüttelte mich leicht vor Kälte.
In meinem dünnen Oberteil hatte er mich vor die Tür geschmissen…
Mein Blick fiel die lange, leere Straße entlang, welche sich vor mir erstreckte.
Einzelne Blätter wehte der Wind durch die Gegend.
Mit gesenktem Blick ging ich langsam weiter.
Den Weg, den ich fast jeden Tag ging. Nie hielt ich es länger als eine Stunde bei mir daheim aus. Ich musste da weg…da raus…
Es war auch nicht weit zu meiner besten Freundin Holly.
Ihre Eltern waren Tag und Nacht immer nur auf der Arbeit. Also hatten wir das ganze Haus für uns. Sie fand es schrecklich, immer so alleine zu sein. Ich wäre froh drum…
Ich kickte ein paar Steine vor mir her während der Wind mir immer stärker ins Gesicht blies und mir meine langen dunklen Haare in die Augen pirschte.
„Hey Holly!“, rief ich plötzlich, als ich meine Freundin entdeckte. Sie war gerade den Weg zur Einfahrt hinauf.
Abrupt blieb sie stehen und drehte sich leicht verdutzt um. In ihrer Hand hielt sie eine Tüte Chips und einen Packen Cola umklammert.
Als sie mich erkannte bekam sie ein Lächeln auf die Lippen.
„Chiara! Ich hab mich schon gefragt wann du kommst!“ Sie hob ihre Einkäufe kurz in die Höhe. „Hab schon Proviant besorgt, zum Frustessen!“

Kichernd und um einiges besser gelaunt saßen wir schließlich vor dem Fernseher und redeten allen möglichen Unsinn. Der Kamin war an und erhellte das Zimmer in ein freundliches Licht.
Fröstelnd stellte ich mich vor die Flammen und stopfte unaufgefordert Chips in mich hinein.
„Wieder so schlimm?!“
Meine Freundin wusste alles über meinen Dad. Sie war die einzige, der ich alles anvertraute.
Ich nickte heftig. „Ja…er wird von Tag zu Tag unerträglicher!“
Holly schüttelte mitleidig den Kopf.
Sie stand auf und nahm mich kurz fest in den Arm. Unkontrolliert stiegen Tränen in mir auf. Wenn ich sie nicht hätte… die einzige Person, der ich vertraute. Die wichtigste Person in meinem Leben…
„Weißt du“, flüsterte ich mit erstickter Stimme. „Manchmal wünsch ich mir, einfach abhauen zu können! Hier raus…verschwinden…für immer, nie wieder zurück zublicken.“
Ich seufzte einmal kurz.
Holly strich mir sachte durchs Haar und musterte mich mit ihren stechend grünen Augen aufmerksam.
Mein Blick war zum Boden gerichtet. Auf den kleinen roten Teppich, der das Wohnzimmer schmückte. Rot wie die Liebe…Liebe, die ich nie gespürt habe…nie gefühlt habe…
Eine kleine Träne bahnte sich den Weg über meine Wange. Rann mir übers Kinn und tropfte auf den Teppich. Es ist alles aussichtslos…
„Warum machen wir es dann nicht?!“
Hollys feste, entschlossene Stimme lies mich aufblicken. Ihr Mund war zu einer kleinen schmalen Linie zusammen gepresst und ich bemerkte ein wildes Funken in ihren Augen.
„Wa-was meinst du?!“
In meinem Gesicht spiegelte sich die Verwirrtheit wieder. Das laute Ticken der Uhr, an der gegenüberliegenden Wand, war deutlich durch den ganzen Raum zu hören. Keiner von uns sagte etwas. Bis…
„Wir hauen ab! Gehen woanders hin…wo es uns besser geht! Wo dein Vater dich nicht findet und nicht mehr quälen kann… meine Eltern würde meine Abwesenheit sowieso nicht auffallen!“, sie schnaubte kurz verächtlich. „Für die bin ich eh nur Luft….falls die mal daheim sind!“
Mir klappte vor Überraschung der Mund auf. Mein Herz begann zu pochen und ein Kribbeln stieg meinen Körper empor. Hibbelig trat ich von einem Fuß auf den andern.
„Meinst du das ernst?!“, fragte ich leise und man konnte deutlich die Unterdrückte Freude heraus hören.
Holly nickte. Entschlossen. Hart. Bestimmt.
„Ja, noch heute verschwinden wir von hier!“

Kapitel 1


„Komm, wir packen einfach alles zusammen, was wir brauchen!“
Ich spürte ein freudiges Ziehen im Magen. Mein ganzer Körper wirkte wie verkrampft. Meine Augen strahlten nur noch pure Glücklichkeit aus.
Ich komme hier weg… werde endlich erlöst sein!
Egal wo wir landen werden, überall ist es besser als hier!
Ich konnte Hollys hektischen Schritte hören, welche laut die Treppe hinauf polterten.
Ich atmete erst noch mal tief ein. Die heißen Flammen aus dem Kamin fielen mir ins Gesicht. Erwärmten mich. Liesen es noch glücklicher wirken, als ich ohnehin schon bin.
Nervös scharte ich mit einem Fuß über den roten Teppich. Ich konnte es kaum erwarten, endlich zu verschwinden!
Mit einer Hand fuhr ich mir kurz durchs Gesicht und strich mir eine dunkle Locke aus der Stirn. Wie hypnotisiert schaute ich vor mir ins Feuer.
Weg, weg, weg…
„Chiara, du gehst am besten auch mal nach Hause und holst dir dein wichtigstes Zeug!“
Plötzlich stand Holly wieder vor mir. Vor Überraschung zuckte ich leicht zusammen. Verwirrt blinzelte ich.
„Nach Hause?!“ Begriffsstutzig runzelte ich die Stirn.
Mein Gegenüber nickte ungeduldig. Holly hatte schon einen größeren Rucksack nach unten gepackt in den sie jetzt eifrig allen möglichen Kram hinein schmiss. Geld, Handy, Mp3 Player, Klamotten…
Ich sah ihr eine Sekunden dabei zu, dann meinte ich entschlossen: „ Ich hab kein zu Hause!“ Ich kreuzte die Arme.
Meine Freundin stoppte überrascht mit ihrer Pack-Mission und blinzelte. „Hä?!“
Ich wisch ihrem Blick aus und blickte wieder auf den alt bekannten roten Teppich. „Ich gehe nie wieder dahin zurück!“, flüsterte ich leise und fummelte an einem kleinen Loch in meiner Jeans herum. „Nie wieder!“
Wieder trübten Tränen meinen Blick. Die ganzen Jahre waren die reinste Qual für mich. Nie wieder wollte ich an diesen Ort zurück. Nie wieder wollte ich ihn sehen. Nie wieder wollte ich so leiden.
„Ach süße!“ Holly nahm mich kurz in den Arm. Sanft strich eine Hand über meinen Rücken. Ich blickte starr weiter nach unten. Konnte mich nicht rühren.
Holly seufzte. „Na ja, wir werden es auch so hinbekommen!“ Sie schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln und ich zwang mir auch ein Grinsen ins Gesicht. Ja, wir würden es schaffen! Ich merkte das…ich spürte es…ich wusste es!
„Du, sag mal, wohin wollen wir eigentlich verschwinden?!“ Holly warf mir einen kurzen fragenden Blick von der Kommode her zu, die sie eifrig durchwühlte.
Ich knabberte mir nachdenklich auf der Unterlippe herum.
Wir mussten irgendwohin, wo man uns nicht so leicht findet. Es musste groß sein. Schön….belebt…toll…
„Wie wärs mit Hamburg?!“
War auch nicht all zu weit entfernt. Eine Stunde mit der Bahn vielleicht.
Holly nickte zustimmend. „Hamburg find ich cool.“
Ich lächelte. Entspannt schloss ich kurz die Augen und lies die Wärme des Feuers weiter über mich ergehen. Ich atmete einmal tief ein. Das war einfach zu toll. Endlich ging mein größter Traum in Erfüllung. Nie mehr würde ich so leiden müssen…glaubte ich…

„Jetzt sei mal nicht so auffällig!“, zischte Holly mir aus den Mundwinkeln zu. Ertappt zuckte ich zusammen.
Wir beide standen auf dem fast ausgestorbenen Bahnhof. Ab und zu hetzten mal ein paar Menschen mit Aktenkoffern an uns vorbei, doch diese achteten dann auch nicht groß auf uns.
Ich konnte es einfach nicht lassen dauernd nervöse Blicke in alle Richtungen zu werfen.
Ständig sah ich vor meinem geistigen Auge, wie mein Dad hinter der nächsten Ecke hervorstürmte und auf mich einprügelte.
Schaudernd schloss ich die Augen und schüttelte hektisch den Kopf um diese grauenvollen Bilder loszuwerden.
Von weit entfernt hörte ich plötzlich die monotone Frauenstimme sprechen. Nach und nach drangen ihre Worte weiter zu mir durch…“…nach Hamburg…“
Mein Herz machte einen Hüpfer. Aufgeregt zog ich Holly am Jackenärmel. „Das ist unser Zug“
Freudig hopste ich kurz einmal auf und ab. Holly verdrehte die Augen. „Also, wenn du so weiter machst schaffen wir es nicht mal bis zum Zug!“
Schuldbewusst senkte ich den Blick. „Tut mir leid!“
Nervös kaute ich mir wieder auf der Unterlippe herum. Ich vergrub meine Hände wieder tief in den Hosentaschen, da ich etwas zu frösteln begann. Resigniert zog ich mir meine Kappe etwas tiefer ins Gesicht, über meine eisblauen Augen.
„Komm jetzt, wir müssen uns beeilen! Für noch zwei Tickets reicht das Geld nicht mehr!“
Ich nickte. Ich konnte froh sein, dass Holly das Ticket für mich mitbezahlte. Ich hatte kein Geld.
Bekam nicht mal Taschengeld…aber was wollte man von meinem Dad auch erwarten?
“Los!“, sagte ich aus diesem Gedanken heraus, da wieder das große Bedürfnis in mir aufkam, nun endlich abzuhauen. Dem Alptraum zu entfliehen.
Ich packte Holly an der Hand und zerrte sie quer durch den gesamten Bahnhof. Unsere hastigen Schritte, hallten dumpf in der leeren Halle wider.
Leichter Regeln prasselte oben auf das Dach.
Mein Kopf begann unangenehm zu pochen. Immer noch hatte ich den ängstlichen Gedanken, dass mein Vater mich im letzten Moment doch noch aufhalten würde…
„Geschafft!“
Wir atmeten beide erleichtert auf, als wir in den warmen Zug sprangen. Wir ließen uns auf die nächst besten, roten, weichen Sitze nieder und bekamen ein riesiges Grinsen ins Gesicht.
Kaum hatten wir uns gesetzt schlossen sich auch schon die Türen.
„Nächster Halt: Hamburg, Hauptbahnhof!“
Entspannt lehnte ich den Kopf nach hinten und schloss die Augen.
Der Zug rollte langsam los.
Jetzt konnte uns nichts mehr aufhalten!!

Kapitel 2


Je näher wir Hamburg kamen, desto aufgeregter wurde ich. Ständig musste ich nervöse Blicke auf die Uhr werfen. Mein Herz klopfte immer schneller und lauter, so dass ich fast schon sicher war, dass Holly es hören konnte.
„Da!“, rief diese auch plötzlich und sprang so schnell auf, dass ich erschrocken zusammen zuckte. Aufgeregt folgte ich ihrem Blick und musste ständig ganz hibbelig mit meinen Beinen auf und ab hüpfen.
„Was denn?!“, fragte ich.
Hollys Augen leuchteten. „Wir sind da! Ich kann Hamburg schon sehen.“
Sofort sprang ich auch auf und wäre beinahe noch nach vorne umgefallen, da der Zug immer noch in Bewegung war. Ich klammerte mich an Hollys Arm fest, um einen Kontakt mit dem Boden zu vermeiden. „Echt? Wie geil, endlich!“
Meine Stimme überschlug sich fast und man konnte deutlich die Freude hören, die darin mitschwang. Mit glänzenden Augen schauten wir jetzt beide aus dem Fenster und blickten der immer näher kommenden Stadt entgegen.
Nie wieder werde ich nach Hause zurückkehren. Zu meinem Dad, meinem Erzeuger. Ich werde frei sein. Endlich Leben können.
Der Zug begann zu rattern und kam nach und nach zum stehen.
Mit einem lauten Quietschen wurden die Türen geöffnet und vor uns präsentierte sich der Hamburger Hauptbahnhof.
Holly schnappte sich unseren Rucksack vom Boden.
„Willkommen in unserem neuen Leben, Baby!“
Übermütig hüpften wir ins freie und sogen erst mal tief die neue Stadtluft ein.
Der Bahnhof war maßlos überfüllt und vor uns war ein einziges Gewusel.
Energie geladen kämpften wir uns durch die Menge und stiegen letzt endlich die Steinstufen hinauf, ins Freie.
Kälte schlug uns draußen entgegen, kaum hatten wir die letzte Stufe überwunden. Der Himmel war voll von Wolken und von der Sonne war keine Spur.
Abgase Gerüche schlugen mir in die Nase.
„So was jetzt?!“, fragte Holly, als wir ratlos vor einer kleinen Imbissbude stehen blieben.
Fragend blickte ich mich um und zuckte die Schultern.
„Wie wärs, wenn wir uns ein Hotel suchen, oder so?!“
Es ging langsam schon dem Abend zu und die Dämmerung setzt ein. Nach der ganzen Aufregung heute verspürte ich schon eine gewisse Müdigkeit und wollte jetzt nur noch in ein weiches Bett fallen und in einen tiefen, ruhigen schlaf versinken.
„Und wo wollen wir das Geld herkriegen du Schlaumeier?!“
Hollys Augen waren Sorgenvoll zusammen gekniffen. Nervös schob sie sich ihren Rucksack höher über die Schulter.
„Mhm… na ja werden wir dann sehen, wir können uns ja erst mal eins suchen!“
Meine Freundin nickte ergeben, also machten wir uns auf den Weg. Ständig kamen uns Leute entgegen und hin und wieder rempeltet uns auch schon jemand an. Alle waren in Hektik und wollten wohl so schnell wie möglich ihr Ziel erreichen.
„Wie wärs mit dem?!“, fragte ich und blieb vor einem großen, edel aussehenden Hotel stehen.
„La Mer“, stand mit großen, goldenen, verzierten Buchstaben über dem Haupteingang. Ein kleiner roter Teppich war ausgerollt und ein großer Mann mit Bart stand in einer dunklen Uniform neben dem Haupteingang.
Holly klappte der Mund auf. „Das ist viel zu teuer!“
Ich runzelte leicht die Stirn. „Unser Geld würde auch nicht mal für das billigste Hotel hier reichen!“
Holly seufzte. Mit bangem Blick schaute sie das Hotel und dessen reiche Innenbestattung an.
„Man ich hab durst…“
Meine Freundin stöhnte auf. Sie zog den Rucksack zu sich heran und kramte mir eine Wasserflasche hervor.
„Wir haben hier ernsthafte Probleme und du denkst ans trinken!“
Ich zuckte die Schultern und schraubte die Flasche auf. Holly trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, während wir immer noch vor dem Hotel rumlungerten und von dem Beamten schon argwöhnisch gemustert wurden.
„Also, ich denke, wir sollten es versuchen!“, sagte ich dann letztendlich, nachdem ich meinen Durst gestillt hatte.
Holly schüttelte fassungslos den Kopf. „Du bist verrückt!“
„Kann sein.“, antwortete ich nur gleichgültig und spazierte schon über den weichen, roten Teppich ins Hotel hinein. Was hatten wir auch schon zu verlieren?
„Hey warte!“, Holly stürzte mir hinterher.
Leicht eingeschüchtert und mit beeindruckter Miene spazierten wir durch die Empfangshalle.
In der Mitte schwang sich eine elegante Treppe nach oben, vermutlich zu den Zimmern. Dass beruhigende Plätschern des kleinen Brunnens daneben lies mich schon etwas mehr entspannen und ich wanderte mit meinen Augen jeden kleinsten Winkel dieses beeindruckenden Hotels ab.
„Hier schmeißen die uns doch grad wieder raus!“, meinte Holly welche gerade nach oben an die verzierte Decke mit dem Kronleuchter starrte.
Nachdenklich wiegte ich den Kopf hin und her. Es muss doch einen Weg geben, wenigstens erst mal eine Nacht oder so rauszuhandeln.
Mein Blick war nach unten gerichtet. Gedankenversunken spielte ich mit der Wasserflasche, die ich immer noch umklammert hielt.
Dann stockte ich kurz. Musterte die Wasserflasche. Blickte zu Holly. Auf den steinernden Boden.
Dann grinste ich.
„Ich hab da so ne Idee…“, murmelte ich vor mich hin. Eine verwegene, völlig verrückte Idee, aber vielleicht würden wir so vielleicht eine Nacht hier verbringen können…
„Welche denn?“, flüsterte Holly zurück und musterte mich interessiert.
„Spiel einfach mit!“
Ich grinste immer noch und schraubte nun langsam wieder die Wasserflasche auf.
„Hä?!“
Noch bevor Holly irgendetwas anders sagen konnte hatte ich ihr schon ein Bein gestellt. Überrascht kam sie ins taumeln und verlor den Halt. Bäuchlings knallte sie auf den Steinboden und ich hoffte, dass sie sich nicht wirklich all zu sehr verletzt hatte.
So schnell ich konnte verschüttete ich den Rest der Wasserflasche bei ihren Füßen auf den Boden und schob mir die leere Flasche dann schnell unter den Pulli.
„Spiel mit!“, zischte ich meiner Freundin noch schnell zu, da sah ich auch schon wie mehrer Leute auf uns zu rannten.
„Oh Gott, Holly!! Hast du dir wehgetan? Alles okay?!“ Völlig hysterisch und panisch fummelte ich an ihr rum, während ein Mann mir Krawatte auf uns zu eilte.
Besorgt beugte er sich zu uns runter. „Alles in Ordnung bei ihnen?!“
Empört stemmte ich die Hände in die Hüften. „Natürlich, nicht das sehen sie doch!“, ich deutete auf meine vor Schmerz stöhnende Freundin, die inzwischen kapiert hatte und mitspielte…
Auf der Halbglatze des Mannes spiegelte sich das helle Licht des Kronleuchters und ich konnte deutlich sehen, wir er ins schwitzen geriet.
„Ihr ist nichts passiert!“, versuchte er die herumstehenden Leute zu beruhigen, die alle aufgeregt vor sich hin schnatterten.
Er wendete sich wieder an Holly. „Kannst du aufstehen?!“
Holly hielt sich mit einer Hand den Kopf. „I-Ich weiß nicht….i-ich glaube ja…“
Sie richtet sich mit einem Ruck halb auf, doch sofort sank sie wieder nach hinten und schrie schmerzvoll auf. Laut, gellend, schrill und Hysterisch. Sogar mir richtete es die Nackenhaare auf…

Kapitel 3


„Also wirklich, haben sie denn keine Putzfrauen hier??“
Laut schimpfend wedelte ich mit einem Finger auf und ab und warf meinem Gegenüber vorwurfsvolle Blicke zu.
„Also, ich kann nur wiederholen, dass es mir außerordentlich Leid tut!“
Holly, die in dem großen Bett lag und gerade von einem Arzt abgehört wurde stöhnte immer noch leidend vor sich hin.
„Sie hat sich wirklich wehgetan!“
Der Mann betupfte sich seine Schweißüberströmte Stirn mit einem Taschentuch und warf mir abermals einen entschuldigenden Blick zu.
„Nun ja…also da wir ihre Reservierung ja allen Anschein nach verloren haben schlage ich vor, dass sie jetzt erst mal eine Nacht-“, Holly schrie wieder kurz auf. „Oder auch zwei, hier verbringen können. Für die restliche Zeit werden wir uns schon noch was überlegen“
Ich nickte gutmütig.
„So und jetzt lassen sie uns bitte alleine, meine Freundin braucht ruhe!“
Der Mann nickte und eilte, mit dem Arzt auf den Fersen, hinaus.
Kaum war die Tür mit einem Knall hinter ihnen zu geschlagen musste ich auch schon freudig aufschreien.
„Wir haben es geschafft!“, rief ich übermütig und lies mich zu Holly aufs Bett fallen.
Diese hatte jetzt ihren leidenden Gesichtsausdruck wieder abgelegt und schlug die schwere Bettdecke zur Seite.
„Tu das nie wieder!“, fauchte sie. „Ich hätte mir echt wehtun können!“
Erschöpft lies sie den Kopf nach hinten ins Kissen fallen.
Ich war viel zu aufgedreht um ein schlechtes Gewissen zu bekommen und bekam das Grinsen nicht mehr weg.
„Ach komm, es musste doch auch echt aussehen!“
Ich sprang wieder auf und hüpfte zur Stereoanlage. Ich schaltete das Radio ein und schon knallte uns laute Musik um die Ohren.
Holly konnte jetzt auch nicht mehr böse auf mich sein, sondern freute sich ebenfalls über unseren gelungen start ins neue Leben.
Aufgedreht hüpften wir zur Musik auf und ab.
„Du, und was machen wir nach den 2 Tagen?!“ Holly der Realist musste natürlich wieder Bedenken in den Weg werfen. Sie wollte immer schon mehrere Schritte vorausplanen, wohingegen ich immer den Augenblick lebte.
Also zuckte ich nur die Schultern und lies mich nicht weiter von ihr beirren. „Sehen wir dann!“
Holly verdrehte die Augen. „Also ich will nicht auf der Straße landen.“, jammerte sie
„Werden wir schon nicht!“, versuchte ich sie halbherzig aufzumuntern und begann nun unser riesiges Hotelzimmer zu inspizieren.
Nach der Eingangstür präsentierte sich fast schon so etwas wie eine kleine Vorhalle, die durch viele Lampen in ein helles und freundliches Licht getaucht wurde. Zur rechten und zur linken Seite ging es dann in zwei riesige Schlafzimmer, mit jeweils einem Doppelbett.
Das Bad, was in jedem Schlafzimmer eingebaut war, war fast größer als unsere alte kleine Mietswohnung bei meinem Erzeuger. Ich konnte echt nur staunen. Es war einfach traumhaft!
Am liebsten würde ich gar nicht mehr hier weg wollen…
„Chiara! Das ist kein Spaß, wir müssen uns vorbereiten!“
Holly packte mich an den Schultern und rüttelte kurz einmal kräftig an mir.
Genervt ging ich ein paar Schritte rückwärts und hielt sie an den Armen fest.
„Keine Sorge! Uns wird schon was einfallen… mit der Nummer hier sind wir doch auch ganz gut durchgekommen!“
Holly verdrehte abermals die Augen. Ungeduldig wippte sie mit einem Fuß auf und ab und kreuzte die Arme.
„Aber wir können ja nicht in jedem Hotel immer die gleiche Nummer abziehen!“
Als sie mein Grinsen sah, schüttelte sie energisch den Kopf.
„Vergiss es! Und wenn…das nächste mal, darfst du den Boden küssen!“
Ich seufzte und legte ihr beruhigend einen Arm um die Schultern. „Holly…“, murmelte ich. „Jetzt mach nicht so nen Stress! Das wird schon…irgendwie“
Ich grinste sie schief an. Ich verstand sie echt nicht. Besser konnte es doch gerade mal nicht werden.
Gut gelaunt schaute ich mich wieder in dem fantastischem Zimmer um. Der Rest des Hotels war sicher noch beeindruckender…
„Ich geh jetzt mal etwas runter…das Hotel inspizieren!“, sagte ich dann aus diesem Gedanken heraus.
Hollys Augen leuchteten sofort auf und ihre Miene wurde weicher.
„Nein, du kannst nicht mit“, belehrte ich sie grinsend. „Du bist doch „verletzt“!“
Meine Freundin verzog das Gesicht. Mit mürrischer Miene sah sie mich an.
„Also, das nächste Mal legst du dich auf die Fresse!“
Genervt drehte sie sich um und spazierte in ihr Schlafzimmer. Ich hingegen öffnete gut gelaunt die Tür zum Flur.
„Ich hab dich lieb!“, flötete ich Holly noch zu und trat dann auf den hell beleuchteten Gang. Sämtliche Gemälde zierten die Wand und ließen den Flur noch freundlicher wirken als ohnehin schon.
Langsam spazierte ich an den ganzen Türen vorbei. In großen, goldenen Buchstaben hingen die Zimmernummern dran.
Am Ende des Ganges konnte ich mich dann entscheiden, ob ich mit dem Aufzug fahren oder die ganzen 5 Stöcke nach unten laufen wollte. Ich entschied mich für den großen silbernen Aufzug.
Entschlossen drückte ich auf Erdgeschoss und sogleich schlossen sich schon ratternd die Türen. Es blinkte kurz einmal und der Fahrstuhl setzte sich wackelnd in Bewegung.
Ein großer Spiegel war auf einer Seite angebracht und ich musterte mich kurz eingehend. Nach meinen zerrissenen Klamotten zu schließen, kam man nicht unbedingt auf den Gedanken, dass ich hierhin gehörte…
Doch ich liebte meine eisblauen Augen, und meine dunkles Haar. Wenigstens eine gute Sache, die ich von meinem Vater hatte…
Wieder blinkte es kurz und der Fahrstuhl blieb stehen.
Gut gelaunt hüpfte ich hinaus und stand nun wieder in dieser faszinierenden Eingangshalle.
Der Brunnen plätscherte immer noch fröhlich vor sich hin und das Licht des riesigen Kronleuchters spendete genügend Licht.
Vorne an der Rezeption standen gerade 4 Jugendliche, ein großer, dicker Mann und ein Mann so Mitte 20. Sie schienen wohl gerade einzuchecken.
Ich wanderte über den roten Teppich und musterte die exotisch aussehenden Pflanzen neben der Treppe.
Das Stimmengewirr von der Rezeption wehte bis zu mir mit rüber.
„Aber wir brauchten nur 3 Zimmer…keine 4!“, erläuterte der jüngere Mann.
Er fuchtelte wild mit den Händen rum, während die 4 Jugendlichen einen genervten Eindruck machten. Alle hatten eine große Sonnebrille auf, wodurch sie fast wie übergroße Insekten wirkten…
„Das tut mir Leid… aber so steht es hier in meinem Computer, also ist das Zimmer auch für die nächsten 3 Woche auf ihren Namen reserviert…!“ Der Sekretär schob sich die Brille höher auf die Nase.
„Aber wir brauchen nur 3 Zimmer!“
Ich musste aufhorchen. Die haben ein Zimmer zu viel? Und müssen es bezahlen? Auch wenn es keiner belegt?

Kapitel 4


Ich stand da wie angewurzelt und musterte die Personen an der Rezeption weiterhin ganz ungeniert.
Das wäre unsere Lösung…unser Plan…unsere Vorsorgung.
3 ganze Wochen wären wir sicher. Wir müssten uns keine Gedanken um eine Unterkunft machen, und Holly müsste nicht ständig auf die Fresse fliegen…
Ganz unbekümmert könnten wir uns hier in diesem riesigen Hotel einnisten. Unser Leben genießen…
Allerdings wäre da noch das Problem: Wie schaffen wir es innerhalb von 2 Tagen diesen Personen klar zu machen, dass sie nichts lieber tun würden, als uns ihr übriges Zimmer zu geben? Denn wer bitteschön ist so dumm und überlässt zwei Teenagern einfach mal so ein teures Hotelzimmer?
Nachdenklich runzelte ich die Stirn. Mir muss was einfallen….mir fällt doch immer was ein!
Auf der Suche nach Ideen lies ich meinen Blick wieder angeregt durch die Vorhalle gleiten.
Doch mein Kopf schien wie leergefegt, während ich immer noch das beruhigende Plätschern des Brunnen hinter mir hörte.
Ein kleiner, in rot gekleideter Mann lief jetzt auf die Jugendlichen zu, offensichtlich mit der Absicht, ihre Koffer nach oben zu beschaffen.
Ich wurde immer hibbeliger und mein Magen krampfte sich kurz zusammen. Das war die Chance! Und wir hatten nur 2 Tage Zeit, denn dann würden die uns hier wieder rausschmeißen, außer Holly konnte vorweisen, dass sie aufgrund des Unfalls nun Querschnittsgelähmt ist oder so.
Die 4 Jungs mit den großen Sonnenbrillen folgten nun dem Pagen. Sie steuerten meine Richtung an, während der andere Mann noch weiter an der Rezeption diskutierte.
Am besten wäre es, wenn ich gleich nach oben gehe und Holly von meinem grandiosen Plan erzähle. Die wird begeistert sein…
Doch trotz dieser Absicht bewegten sich meine Beine keinen Millimeter und ich starrte nur weiterhin den Jungs entgegen. Nun sah ich auch endlich mal ihre Gesichter…
Ganz links ging ein kleiner mit kurzen blonden Haaren. Außerdem hatte er eine Cap auf, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte, obwohl er ja auch schon eine Sonnebrille trug.
Daneben war ein großer, muskulöser Junge mit schulterlangen braunen Haaren.
Den Typen, der dann kam, hätte man glatt mit einem Mädchen verwechseln können. Seine Gesichtszüge waren ganz feminin und seine wilde, schwarze, Haarmähne ging ihm bis zu den Schultern und fiel ihm zum Teil in den Sonnenbrillenbedeckten Augen.
Seine Haut schimmerte ganz weiß und glänzte im hellen Licht. Um ihn herum war eine unbeschreibliche Aura…
Der Junge ganz rechts hatte hellblonde Dreadlooks, auf denen er ebenfalls eine Cap sitzen hatte. Mein Blick blieb an seinen Lippen hängen, an denen ein glänzendes Piercing hing, welches das helle Licht des Kronleuchters leicht reflektierte.
Wie befangen schaute ich auf diesen glänzenden Lichtpunkt und konnte mich erst gar nicht mehr von ihm lösen. Dieses Funkeln und Glitzern…
„Wir müssen in den fünften Stock, also fahren wir am besten mit dem Aufzug!“, holte mich plötzlich die raue Stimme des Pagen in die Realität zurück.
Ich schüttelte kurz unmerklich den Kopf.
Die Jungs waren jetzt nur noch ein paar Schritte von mir entfernt und ich zwang mir ein kleines Lächeln ins Gesicht. „Hey!“, grüßte ich. Nervös fingerte ich mir wieder mit einer Hand an dem Loch in meiner Jeans herum. Hier ging es schließlich um einiges…
Ich bekam nur fragende und verwirrte Blicke zurückgeworfen.
„Hi“ Der Junge mit den schwarzen Haaren, war der einzige der mir Antwortete. Wie nett… okay es könnte vielleicht etwas schwer werden das Zimmer abzustauben.
„Wie geht’s?!“, fragte ich und drehte mich elegant um, da die Jungs schon halb an mir vorbeigegangen waren. Entschlossen heftete ich mich an ihre Fersen.
Der Junge mit den Dreads verdrehte die Augen.
„Ehm…gut und dir?!“ Wieder der Schwarzhaarige.
Oh man, wenn die immer alle so Gesprächig sind könnte es schwer werden sich mit denen anzufreunden.
„Ja, ja, auch…“
Ohne auf die leicht an genervten Mienen zu achten, lief ich weiterhin fröhlich neben ihnen her.
Die schienen sich wirklich sehr über meine Gesellschaft zu freuen….
„Wie heißt ihr denn?!“, versuchte ich weiter etwas Konservation. Jetzt mussten die doch langsam mal reden!
Wir gingen gerade den schmalen Gang zu dem großen, silbernen Aufzug entlang. Ich glaube nicht, dass wir da alle reinpassen, also musste ich bis dahin noch etwas mit ihnen reden…
Der rote Teppich war mittlerweile zu glatten, weißen Fließen übergegangen aber die vielen kleinen Lampen an den Wänden spendeten genauso viel Licht wie der Kronleuchter in der Halle.
Auf meine Frage hin warfen mir alle 4 Jungendlichen einen verdutzten Blick zu.
„Willst du uns verarschen?!“
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe. Warum denn das jetzt?
„Ne, war doch ne ganz einfache Frage….oder hab ich zu schnell geredet?!“ Der mit den Dreads ging mir langsam ganz schön auf die Nerven, also gab ich ihm auf seine Kommentare auch nur eine freche Antwort zurück. Ich lasse auch nicht alles mit mir machen…
„Ähm…ja, also ich bin Bill“ Wieder der Schwarzhaarige. Jetzt fiel mir auch erst auf, dass er ebenfalls ein Piercing hatte, allerdings in der Augenbraue.
„Gustav“, der mit den kurzen blonden Haaren. „Georg“, der muskulöse Junge.
Nachdem der mit den Dreads mir nicht geantwortet hatte meinte Bill: „Und das ist Tom“
Ich wollte gerade etwas zu Tom sagen wie: Bist du zu dumm, dir deinen Namen selbst zu merken? Verkniff es mir dann allerdings doch noch, weil ich es ja auch nicht übertreiben wollte. Außerdem brauchte ich das Zimmer…
„Ah okay….na ja also ich bin Chiara!“, stellte ich mich dann auch vor. Langsam aber sicher kamen wir so etwas ähnlichem, wie einem Gespräch immer näher… gleich gibt es hier sicher Abendessen und nachdem die 4 ausgepackt haben könnte ich sie sicher noch ein bisschen ausfragen und mich mit ihnen anfreunden…ich will das Zimmer!!!
„Interessiert uns das?!“ Tom, wer sonst? Der war echt super nett. Ich glaube wir werden echt noch die besten Freunde…
Ich seufzte kurz. Okay, ich sollte es vielleicht jetzt auch nicht grad schon übertreiben und sie zu sehr nerven. Heute Abend und morgen hatten wir ja auch noch Zeit…
„Ehm…ja also ich geh dann mal wieder! Bis später!“
Ich winkte ihnen kurz zu und drehte mich dann um.
„Ciao!“ Bill
Während ich mit zügigen Schritten den Flur entlang wanderte, dachte ich noch mal gründlich nach. Bill schien der netteste zu sein…mit dem musste ich mich weiter unterhalten….vielleicht könnte er mir ja dann helfen, das Zimmer zu bekommen. Holly könnte sich dann währenddessen an einen von den anderen ran machen.
Ich stieg nun langsam, die große Mamortreppe nach oben. Ich musste Holly unbedingt davon erzählen, damit sie hilft.
Mir tat es auch gar nicht leid, dass wir die Jungs dafür nur ausnutzen würden, schließlich waren sie auch nicht gerade nett…


Kapitel 5

Am besten wäre es ja, wenn einer der Jungs sich unsterblich in Holly oder mich verlieben würde. Dann würde er doch sicher alles für uns tun oder? Wie uns zum Beispiel ein Zimmer beschaffen… Liebe macht ja bekanntlich blind.
Ein Grinsen zierte meine Lippen. Ob wir das hinbekommen würden?
War ich denn hübsch genug?
Abrupt blieb ich stehen.
Ich war mittlerweile im fünften Stock angekommen und wanderte wieder den langen Flur mit den schönen Bildern entlang.
An einer Wand hing ein großer Spiegel und ich stellte mich sogleich schon davor.
Kritisch musterte ich mich.
Mein rabenschwarzes Haar hing mir seidig und glänzend über die Schultern, bis hin zum Rücken. Ungefähr halblang.
Meine eisig blauen Augen stachen deutlich hervor. Es war selten, dass jemand mit dunklen Haaren so schöne, klare, blaue Augen hatte.
Ich war schon ziemlich stolz darauf…
Ich hatte eine normale, gerade Nase und einen kleinen süßen Kussmund.
Durch meine schwarzen Haare wirkte meine Haut immer ziemlich hell und blass.
Außerdem hatte ich eine kleine Narbe am Kinn, die allerdings nur bei genauerem hinschauen Auffiel.
Mir wurde schon oft gesagt, dass ich hübsch bin. Aber würde es reichen??
Gedankenversunken ging ich weiter bis vor unsere Tür.
Ich klopfte sofort wie wild, da ich vergessen hatte mir den Schlüssel mit zu nehmen. Also hämmerte ich gegen das harte, dunkle Holz und sekundenspäter ging die Tür auch schon auf.
Holly stand vor mir.
Zum ersten Mal musterte ich sie nun auch genauer. Normalerweise bin ich kein oberflächlicher Mensch, aber diesmal sah die Sache anders aus…
Holly hatte hübsche kleine Rehaugen und die dazu passenden braunen Haare. Bei den Schultern kräuselten sie sich zu leichten Locken.
Ich fand sie ebenfalls ziemlich hübsch. Sie würde mit Sicherheit an einen von den Jungs ran kommen. Entweder an Gustav, Georg oder Tom.
Bill hatte ich schon für mich reserviert, der war mir am Sympathischsten und sah dazu noch gut aus. Aber ich durfte ihn mir auf keinen Fall zu genau ansehen oder so…er sollte sich in mich verlieben…nicht umgekehrt… sonst würde das mit dem ausnutzen nicht so ganz hin hauen, aber mir würde so was schon nicht passieren, da war ich mir sicher.
„Holly!“, kreischte ich drauf los und fiel meiner Freundin stürmisch um den Hals. Völlig überrumpelt stolperte sie ein paar Schritte zurück.
„Ich hab so nen geilen Plan, wie wir hier länger bleiben können! Ganze 3 Wochen!“
Ich strahlte sie an.
Holly öffnete verwirrt den Mund, doch brachte keinen Ton über die Lippen. Immer noch hing ich ihr um den Hals und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Im Hintergrund konnte ich deutlich die Geräusche des Fernsehens hören und das knistern des kleinen Kamins Im Schlafzimmer.
„Einen Plan?!“, fragte sie dann letztendlich verwirrt.
Ich nickte wie wild. Entschlossen packte ich sie am Handgelenk und zerrte Holly ins Schlafzimmer aufs Bett.
Hibbelig sah ich sie an. Holly zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Geht’s dir gut?!“
Ich rollte mit den Augen. „Ja! Und ich hab die Lösung, wie wir hier bleiben können!“
Hollys Miene hellte sich etwas auf und sie musterte mich mit interessiertem Blick.
„Na dann schieß los!“
Bevor ich ihr von meinem grandiosen Plan erzählte, schaltete ich noch den nervenden Fernsehen aus.
„Pass auf, ich hab eben zufällig mit angehört, wie so Leute ein Zimmer zu viel haben, es aber trotzdem bezahlen müssen, obwohl es ungenutzt ist!“
Hollys Lippen umspielte ein tückisches Grinsen. Ich sah ein Glitzern in ihren Augen.
„Okay und wir sollen uns dieses gewisse Zimmer unter den Nagel reißen?!“
Ich nickte. „Exakt! Das sind 4 Jungs, etwa in unserem Alter… die könnten wir doch sicher um den Finger wickeln?!“
Holly nickte langsam. Ihre Stirn war leicht gerunzelt und ihr Mund nachdenklich verzogen.
„Aber wir haben nur zwei Tage Zeit?!“, stellte sie fest. „Könnte schwierig werden…“
„Ja…aber wenn sie sich unsterblich in uns verlieben?!“ Ich musste Kichern und Holly stimmte mit ein.
„Das wäre ein Wunder, in den paar Tagen!“
Ich schüttelte gespielt empört den Kopf. „Na, na so hässlich sind wir auch wieder nicht!“, tadelte ich mit einem unterdrückten Kichern.
„Ja, stimmt. So hässlich bin ich eigentlich gar nicht!“, kommentierte Holly und fing sich somit einen Knuff von mir in die Seite ein.
„Also, ich hab mir schon überlegt, mich an diesen Bill ran zu machen…du kannst entweder Tom, Georg oder Gustav nehmen, wie du halt will-“ „WAS? WIE HEIßEN DIE??“
Erschrocken machte ich einen Satz nach hinten und knallte prompt von der Bettkante. Panisch versuchte ich mich an irgendetwas fest zu klammern, erwischte allerdings nur das Kopfkissen und riss es mit nach unten.
„Sag mal, geht’s noch?!“
Ich war unsanft auf den Boden geknallt und spürte einen widerlichen Schmerz an meinem Hinterteil.
Mühsam richtete ich mich wieder auf und rieb mir die schmerzende Stelle. Verdammt, das gibt einen blauen Fleck.
„Die heißen echt; Bill, Tom, Georg und Gustav?!“
Ich verdrehte die Augen und nickte nur. „Deshalb machst du so nen aufstand? So schrecklich sind die Namen nun auch wieder nicht…“, murmelte ich und setzte mich wieder aufs Bett.
Holly schüttelte den Kopf. „Nein…also…das sind…das sind Tokio Hotel!“
Ich hob ungläubig eine Augenbraue in die Höhe. „Diese tolle Band weshalb alle Mädchen so ausflippen?! Du spinnst!“
Als ob die gerade hier in dieses Hotel kommen würden und gerade mir zum Opfer fallen würden und ausgerechnet… „Doch, dass sind die bestimmt! Hat der eine Dreadlooks und ein Piercing in der Unterlippe?!“
Verdutzt blickte ich auf. Langsam nickte ich. „J-jaha?!“ Woher wusste sie das?
Holly verdrehe plötzlich schwärmerisch die Augen. „Das ist Tom… der ist doch voll süß!“
Ich blickte meine Freundin skeptisch an. Das Rindvieh und süß? Hallo? Die leidet doch wohl unter Geschmacksverwirrung!
„Ehm…ne, aber wenn du willst…dann mach du dich halt an den ran und ich nehm wie gesagt Bill“
Holly blinzelte und sah mich dann an, als wäre ich übergeschnappt oder so. „Hallo? Die fallen da nie drauf rein!“
Ich zuckte die Schultern. „Das sind auch nur Jungs…und den Waffen einer Frau sind die alle unterworfen!“
Ich grinste…

Kapitel 6


„Und? Siehst du sie?!“
Langsam beugte ich mich nach vorne und lugte prüfend um die Ecke, der großen, gold verzierten Tür.
Holly stand hinter mir und trat nervös von einem Bein aufs andere.
„Ja, dahinten sind sie!“, antwortete ich, nachdem ich die vier Jungs entdeckt hatte.
Bill und Tom saßen mit dem Rücken zur Tür, gegenüber von ihnen beiden anderen. Sie schienen ganz vertieft in ihr Abendessen zu sein und schaufelten alles munter in sich rein.
„Gut…also was machen wir jetzt?!“
Holly und ich lungerten immer noch an der Eingangstür zum Speisesaal herum.
Dauernd huschten mal ein paar Leute an uns vorbei und wir grüßten freundlich, damit wir auch ja nicht auffielen. Sobald ein Hotelangestellter vorbei kam, musste Holly sich dann allerdings immer auf mir stützen, da sie ja angeblich immer noch so verletzt war.
Mein Magen knurrte.
„Ich wäre dafür, wir gehen auch mal rein was essen!“ Ich konnte das leckere Essen bis hierhin riechen…das wäre echt wie im Himmel, wenn wir noch 3 Wochen lang hier bleiben könnten.
Meine Freundin verdrehte die Augen.
„Ja, und wie bekommen wir dabei Bill und Tom? Ist an ihrem Tisch noch Platz?!“
Ich beugte mich wieder nach vorne um nachzuschauen; Holly traute sich nicht.
Vor einiger Zeit, fand sie die Band noch voll cool und stand total auf die, doch irgendwann war es ihr dann wohl doch zu langweilig geworden.
Aber anscheinend hatte ich eben mit meiner Erzählung, über die Jungs, die frühere Leidenschaft wieder nach oben befördert.
„Nein, aber nebenan der Tisch ist frei, da können wir uns hinsetzen!“
Ich sah Holly wieder an, welche ganz blass geworden war.
„Mensch, reiß dich zusammen! Das sind nur Jungs… und nicht, dass du dich in Tom verliebst, verstanden? Der ist nur Mittel zum Zweck!“, sagte ich streng und wedelte wieder mit einem Finger auf und ab.
Sie nickte. Das sagte ich ihr jetzt schon mindestens zum fünften Mal. Ich hoffte mal, sie hört auch auf mich.
„Gut, dann komm!“ Entschlossen packte ich Holly am Handgelenk und zerrte sie hinter mir her.
Fast schon automatisch humpelte sie etwas. Sie war wirklich eine gute Schauspielerin.
Ich hoffte ich war genauso gut und konnte diesem Bill weiß machen, dass ich an ihm interessiert bin und nicht an seinem Geld bzw. seinem Hotelzimmer.
Natürlich hatte ich auch schon drüber nachgedacht, dass die Jungs mich nach unserem Gespräch von vorhin, für einen aufdringlichen Fan halten, aber die Tatsache musste ich jetzt mal verdrängen. Ich würde sie schon noch vom Gegenteil überzeugen…
Langsam schlenderte ich an ihrem Tisch vorbei und warf wie zufällig einen Blick zu ihnen hinüber.
„Ach, hi!“, grüßte ich schon mal so, als wären wir die besten Freunde und als hätte ich sie gerade eben erst entdeckt.
Wieder warfen sie mir alle schiefe Blicke zu und diesmal verstand ich es auch. Die Jungs wollten sicher auch irgendwann mal ihre Ruhe haben, aber da musste ich sie jetzt leider enttäuschen.
„Hallo.“, kam vereinzeltes Murmeln zurück. Na immerhin.
Holly war neben mir zur Salzsäule erstarrt.
„Das ist übrigens meine Freundin Holly!“, stellte ich sie vor. Irgendwie mussten wir ja zu den Jungs durchkommen und uns mit ihnen anfreunden.
Wenn die doch nur nicht als so misstrauisch gucken würden…
„Hey!“, quietschte Holly hervor, als vor allem Toms Blick prüfend zu ihr herüber wanderte.
Ich musste mir Mühe geben, nicht die Augen zu verdrehen.
Manchmal war sie echt unmöglich!
Unauffällig griff Holly nach meiner Hand und drückte sie feste.
Oh Gott, also so wird das nie was.
„Na ja, wir gehen dann auch mal was essen!“, murmelte ich und hob kurz die andere Hand, die nicht von Holly zerquetscht wurde.
Mein Blick wanderte zu Bill und blieb kurz an ihm hängen. Das helle Licht des Kronleuchters spiegelte sich in seinen Augen und lies sie wunderschön glitzern. Ich war kurz wie befangen von diesem Funkeln, wendete mich dann allerdings schnell wieder ab.
„Ja gut…tschau!“
Gustav, Georg und Tom nickten nur, während Bill mal wieder der Freundlichste war.
Entschlossen zog ich Holly weiter, die nicht den Anschein machte, sich in den nächsten Jahren noch mal fortzubewegen.
Das gespielte Humpeln wäre jetzt gar nicht mehr nötig gewesen, da ihre Beine anscheinend eh so weich wie Gummi waren, stolperte sie mehr schlecht als recht hinterher.
Erschöpft lies ich mich auf einen Stuhl fallen.
Holly neben mich.
Ein paar Meter vor uns waren die Rücken von Gustav und Georg, die uns die Sicht auf die Zwillinge versperrten. Aber wenn ich mich jetzt etwas zur Seite lehnen würde, dann könnte ich…
„Oh Gott, Tom ist ja soooo süß!“, flüsterte Holly plötzlich zu mir rüber.
Ich sah sie Stirn runzelnd an. „Er hat doch gar nix gemacht?“
„Ja und? Allein schon wie er aussieht und wie cool er auf seine Stuhl saß und-“, ich unterbrach sie: „Ja komm, lass gut sein“
Ich fand diesen Typen eher unverschämt, aber bitte, jedem das seine.
Nachdenklich kratzte ich mich kurz am Hinterkopf während ich nebenbei die Speisekarte zu mir ran zog. Ja, war fast schon wie in einem Restaurant hier…
„Mh, könnte vielleicht doch etwas schwieriger werden, sich an die ran zu machen!“
Schwieriger, aber nicht unmöglich. Wir mussten das schaffen…vielleicht würden sie sich ja gleich nach dem Essen och mal an die Bar setzen oder in den Pool gehen oder sonst was.
Dann könnten wir so rein zufällig auch da auftauchen.
Ich will dieses Zimmer! Das Hotel hier ist einfach spitze und ich will nicht weg… wenn wir sie einfach fragen würden, ob wir es bekommen, dann würden die uns doch nur nen Vogel zeigen, oder?
“Ach, wir schaffen das schon… Tom ist ein richtiger Aufreißer, den bekomm ich doch sicher schnell rum.“ Jetzt, wo die Jungs nicht mehr vor ihr saßen, war Holly wieder ganz selbstbewusst.
Ich schnaubte. „Nicht, wenn du weiter so rumquietscht!“
Holly verschränkte die Arme. „Du bekommst Bill auch nicht, wenn du weiter so überheblich mit ihnen redest“
Danke…das hab ich gebraucht. Was sollte das jetzt? War doch nur die Wahrheit….tzz Weiber.
„Komm Holly bleib ruhig, ich will mich nicht streiten, okay?!“
Sie nickte. „Und was machen wir dann jetzt?!“ Unsicher beugte sie sich einen Millimeter zur Seite, um einen kurzen Blick auf Tom zu erhaschen.
„Jetzt?!“, fragte ich und zog eine Augenbraue in die Höhe. „Jetzt Essen wir erst mal!“

Kapitel 7


Holly schüttelte verständnislos mit dem Kopf, den sie auf die Hände gestützt hatte.
Ihre Locken wippten dabei wie wild um ihr Gesicht herum und ich musste kurz grinsen, bis ich mir dann den nächsten Bissen von meinen Nudeln in den Mund schob.
„Ich hab halt Hunger!“, erklärte ich mit vollem Mund.
So eine gute Küche musste man doch schließlich ausnutzen!
„Also ich bekomm gar nichts runter!“
Mit schmerz verzogenem Gesicht hielt Holly sich den Bauch. Ich verdrehte die Augen.
Mir war genau aufgefallen, wie sie ständig blicke hinüber zu Tom warf, auch wenn sie nur ein paar einzelne Dreads erkennen konnte, da Georgs Rücken ihr im Weg war.
Schweigend aß ich weiter und genoss mal die paar Minuten ruhe. Gleich mussten wir schließlich wieder zu unserer Mission.
Holly wippte unruhig mit ihrem Stuhl auf und ab.
„Eeey wo wollen die denn hin?!“
Ich hörte Stühle die über den Boden kratzten und blickte verwirrt auf.
Die 4 Jungs von Tokio Hotel erhoben sich jetzt alle und verließen, ohne uns einen weiteren Blick zu zuwerfen, die Speisehalle.
Ich zog die Augenbrauen zusammen. Die schienen uns ja wirklich sehr zu mögen.
„Toll und was machen wir jetzt?!“ Hollys Stimme klang enttäuscht und leicht vorwurfsvoll, so als könne ich etwas dafür. Genervt sah ich sie an. Warum musste eigentlich immer ich mir etwas überlegen? Konnte sie nicht auch mal nachdenken?
Ich seufzte kurz leise auf.
„Wir gehen denen jetzt hinterher!“, entschloss ich spontan und sprang auf.
Mit einem letzten bedauernden Blick zu meinem noch halb vollen Nudel Teller, drehte ich mich um und zerrte Holly wieder hinter mir her.
Diese sah mich jetzt entsetzt an. „Aber wir können denen doch net so einfach hinterher rennen! Was denken die denn dann?!“
Panisch versuchte sie sich loszureißen.
Ich biss die Zähne zusammen und blieb so plötzlich stehen, dass Holly von hinten in mich hinein lief.
Ich drehte mich zu ihr um. „Ist mir vollkommen egal, was die von mir halten! Ich will das Zimmer und dafür müssen wir auch etwas tun! Also… wir gehen die jetzt suchen… ich rede kurz mit Bill, du mit Tom, dann nach 10 Minuten gehen wir auch wieder okay? Die sollen sich ja in uns verlieben…also dürfen wir dann auch nicht soo aufdringlich sein… geht das in dich rein?!“
Hollys Mund stand nach meiner kleinen Predigt halb offen. Es war schon selten, dass ich mal etwas zickiger wurde…
Langsam nickte sie. „Okay!“ Kleinlaut blickte sie zu Boden, da sie offensichtlich einsah, dass ich Recht hatte.
Ich schaute sie übertrieben siegessicher an. „Gut, dann komm!“
Ich drehte mich um und spazierte wieder drauf los, während mir Holly jetzt klein laut hinterher schlich, wobei ich nicht sicher war, ob das nun daran lag, dass ich sie so eingeschüchtert hatte, oder ob sie nur Angst hatte, mit Tom zu reden…
„Da sind sie ja!“
Erleichtert atmete ich auf. Mir taten von dem vielen suchen schon die Beine weh.
Bill stand zu meinem Glück alleine gegen den Flipperautomaten gelehnt und schlürfte an einem Drink.
Tom saß ganz lässig an der Bar und grinste der hübschen Bedienung hinterher.
„Also, du Tom, ich Bill!“, flüsterte ich Holly zu. „In 10 Minuten vor unserem Zimmer, ja?!“
Sie sah mich panisch an, doch ich ignorierte ihren Blick und stolzierte schon in das große Zimmer rein.
Es war nur spärlich beleuchtet und von der Bar ging ein blaues, mysthisches Licht aus… ich fand, dass Bill perfekt hierhin passte, denn seine Aura passte nur zu gut zu diesen geheimnisvollen Schwingungen.
Der Pool war nur eine Tür weiter und ich begann dieses Hotel immer mehr zu lieben.
Ich lungerte noch etwas vor dem Billiardtisch herum und schlenderte dann wie zufällig an Bill vorbei.
Okay, mir muss jetzt ganz spontan was einfallen, was ich machen kann… dann muss ich wieder verschwinden und morgen noch mal mit ihm reden…okay…
Chiara, du packst das!!
Langsam ging ich an Bill vorbei und musterte ihn aus den Augenwinkeln, er hatte mich auch schon bemerkt und schenkte mir nur einen kurzen Blick aus diesen tiefbraunen, dunklen Augen.
Okay Junge…
Abrupt drehte ich mich zu ihm um, kaum war ich an ihm vorbei gegangen.
„Sag mal, hast du mich gerade am Po begrabscht?!“
Ich sah ihn mit einer Mischung aus Verwirrung und Empörtheit an.
Bill zuckte leicht überrascht zusammen und sein Getränk schwappte etwas über.
Er zog eine Augenbraue in die Höhe und musterte mich.
„Ehm…nein?!“
In seinen Augen blitzte es fragend auf und ich spürte fast schon, wie es mich zu ihm hinzog. Allein schon seine Ausstrahlung…
Aber, nein, an so was sollte ich nicht denken….ich werde einfach an den Plan denken und mein Ding hier durchziehen. Jungs sind doch zu nichts zu gebrauchen….merkt man ja an meinem Ex, aber das ist ein anders Thema…
Ich zuckte jetzt leicht die Schultern und versuchte so gut es ging enttäuscht dreinzublicken.
Fest schaute ich ihm in die Augen, erwiderte seinen Blick.
„Echt net? Schade!“
Auf seine verdutzte Miene hin musste ich mir ein Grinsen verkneifen. Schnell drehte ich mich wieder um und stolzierte so gut es ging hinaus, schön darauf bedacht auch ja meine Hüften auf und ab wippen zu lassen.
Jetzt würde der mich hoffentlich nicht so schnell vergessen…
Meine Lippen verziehen sich jetzt doch zu einem Grinsen und ich spurtete so schnell ich konnte die Treppen hoch, da ich gerade keine Lust auf den Aufzug hatte.
Auf Holly hatte ich gar nicht mehr geachtet also wusste ich auch nicht wie es bei ihr lief, aber ich werde es wohl gleich schon erfahren…
Leicht aus der Puste lies ich mich erschöpft gegen unsere Hotelzimmer Tür sinken, da ich mal wieder keinen Schlüssel hatte. Typisch.

Kapitel 8


Hektische Schritte ließen mich schließlich aufblicken.
Holly stand nach Luft ringend vor mir, die Hände in die Hüfte gestemmt. Ihre Haare standen ihr wirr vom Kopf ab und ihre Brust hob und sank sich ungewöhnlich schnell.
Skeptisch sah ich sie an.
„Alles in Ordnung?!“ Ich zog beide Augenbrauen in die Höhe.
Holly nickte wie wild.
„Ja-ha… alles klar!“ Sie lies sich neben mich auf den Boden sinken.
„Was ist denn passiert?!“
Misstrauisch musterte ich sie von oben bis unten. Ihr war alles zuzutrauen.
Aber am Wahrscheinlichsten war wohl, dass sie gar nicht erst mit Tom geredet hatte, sondern einfach nur abgehauen ist. Das würde auch erklären, warum sie so aus der Puste ist.
„Also?!“, harkte ich nach, als Holly nicht antwortete, sondern einfach nur schweigend vor sich ins Leere stierte.
Nervös kratzte sie sich leicht am Hinterkopf.
„Na ja weiß du ich…ich hab…hab…“
Ich vergrub meinen Kopf in den Händen und seufzte. „Du hast dich nicht getraut?!“
Schweigend nickte Holly. Schuldbewusst sah sie mich an.
„Das war so klar!“ Ich schüttelte den Kopf über sie. „Und was jetzt?!“
Meine Freundin zuckte die Achseln. Ratlos sah sie zur Decke, als würde da die Antwort stehen.
„Ich weiß nicht“, murmelte sie dann nur.
Ich runzelte die Stirn. „Also, wenn du dich bei Tom nichts traust, dann nimmst du besser Gustav!“
Holly verzog das Gesicht und kaute sich auf der Unterlippe herum.
„Aber ich will Tom!“, quengelte sie. „Der ist einfach nur süß und toll und geil und sexy und-“ „Jaa, ist ja gut, du kannst Tom haben, aber nur, wenn du dich auch was traust!“, unterbrach ich sie hektisch, nicht, dass sie gleich noch los heulen würde, weil sie Tom ja soooo toll fand.
Ich hörte Holly neben mir tief Luft holen. „Ab jetzt werde ich mich was trauen, versprochen!“
Sie sah mich ernst an.
Ich schwieg nur, da ich es eigentlich nicht so ganz glauben konnte. Holly war schon ziemlich schüchtern und wenn es dann da um einen berühmten, ihrer Meinung nach Gutaussehenden Teenyschwarm ging…
Und wir brauchten das Zimmer wirklich, unbedingt!
„Chiara ich pack das schon!“
Ich nickte langsam, auch wenn ich mir dem immer noch nicht so ganz sicher war. Die ganze Arbeit würde so wieso wieder auf mich zurück fallen. Ich würde Bill das Zimmer irgendwie ausbeuten müssen…
Holly stand jetzt auf und klopfte sich die Hände an der Jeans sauber.
„Wollen wir mal rein gehen?!“ Sie gähnte demonstrativ. „Ich bin echt müde!“
Auch ich merkte jetzt, wie fertig ich nach diesem anstrengenden Tag doch war und erhob mich. Das grelle Licht, dass den Korridor erhellte tat mir immer mehr in den Augen weh und ich konnte es kaum erwarten endlich in den schönen weichen Kissen, des riesigen Bettes zu versinken und zu schlafen.
„Ja, lass und schlafen gehen!“, stimmte ich also zu und Holly kramte den kleinen silbernen Schlüssel aus ihrer Hosentasche hervor.
„Also, dann bis morgen, ne?!“
Ich nickte. „Und da wird sich dann was getraut!“ Ich grinste Holly noch mal kurz zu und dann verschwand jeder in seinem Schlafzimmer mit eigenem Bad.
Ich zog mich nur schnell um, schminkte mich ab, cremte mich ein und schon knipste ich das Licht aus.
Die kühle Dunkelheit tat wirklich gut und ich lies mich entspannt ins Bett fallen. Das helle Mondlicht schien durch das große Fenster hinein und tauchte es in eine gespenstige Atmosphäre.
Langsam schloss ich die Augen.
Morgen würden wir einiges vorhaben…

Warme Sonnenstrahlen kitzelten mich im Gesicht. Sogar durch meine Augenlieder konnte ich das helle Licht sehen, das zum Fenstern herein schien.
Müde streckte ich mich und schmatzte genüsslich vor mich hin.
So gut geschlafen hatte ich wirklich noch nie…
Blinzelnd öffnete ich die Augen und warf einen kurzen Blick auf die Uhr; halb 10.
Ich fuhr mir einmal kurz durch die wirren Haare und sprang dann auf.
Heute mussten wir unbedingt was erreichen!
Bestimmt lief ich rüber zu Hollys Zimmer, welche immer noch schlafend in ihrem Bett lag.
Typisch!
Langschläferin….tzz
„GUTEN MORGEN!“, rief ich und hüpfte mit einem Satz auf ihr Bett. „Aufstehen, wir müssen jetzt runter frühstücken!“
Ich zog ihr die Decke weg und schmiss die auf den Boden.
Holly grummelte nur ein paar unverständliche Worte vor sich hin und vergrub den Kopf unterm Kissen.
„Nicht schlafen! Runter und mit Tom reden!“, nervte ich aber grad wieder und nahm ihr jetzt auch das Kissen weg.
„Hop, Hop, wir haben nicht ewig Zeit!“
Holly seufzte.
„Ja, nur noch zwei Tage…“

Kapitel 9


Während Holly sich dann aus dem Bett kämpfte verschwand ich im Bad und putzte mir erst mal die Zähne.
Der große Spiegel überm Waschbecken bedeckte fast die ganze Wand und wurde zusätzlich noch von kleinen Lampen an den Seiten beleuchtet. Prüfend schaute ich in meine eisigblauen Augen.
Würde ich damit Bill rum bekommen?
Ich drehte den Wasserhahn auf und spuckte den Schaum ins Waschbecken.
Automatisch griff ich danach schon zu dem runden Plastikbehälter in meinem Waschbeutel.
Wie ich es doch hasste, jeden Morgen die Kontaktlinsen einzusetzen.
Ich hatte auf beiden Augen eine ziemliche Sehschwäche und war extrem Kurzsichtig. Doch für eine Brille war ich viel zu eitel, also mussten Kontaktlinsen her.
Unter Konzentration zwängte ich mir die Dinger in die Augen und schminkte mich dann nur noch etwas.
Gut gelaunt trat ich dann aus dem Bad und streckte mich.
Draußen war herrliches Wetter und die ganzen Regenwolken von gestern hatten sich längst verzogen. Ich schloss kurz die Augen und genoss die hellen, wärmenden Sonnenstrahlen in meinem Gesicht.
„Holly, wie weit bist du?!“, fragte ich dann letztendlich, als mein Magen sich meldete und laut anfing zu knurren.
Aus dem Zimmer nebenan drang kein Laut.
„Holly, lebst du noch?!“ Leicht genervt marschierte ich nach drüben und fand meine Freundin im Bett vor. Klasse, hatte die sich einfach wieder hingelegt?
“Also ne, so nicht! Du stehst jetzt auf, machst dich fertig und dann gehen wir runter!“, befahl ich und zerrte sie nun mehr oder weniger mit Gewalt aus dem Bett.
Selbst Schuld!!
„Ja, ja“, grummelte sie schlecht gelaunt und packte ihre Zahnbürste aus.
Ich ging Haare rauend wieder rüber in mein Zimmer und ärgerte mich währenddessen über sie.
Holly nahm die Sache irgendwie gar nicht ernst! Erst traute sie sich nichts und jetzt so was…wie sollen wir denn da an das Zimmer ran kommen?
Ist es ihr denn vielleicht dann lieber, wenn wir auf der Straße schlafen?
Sie könnte mir ja wenigstens mal etwas helfen…
„So wir können!“ Holly stand fertig gestylt vor mir und ich nickte nur.
Schweigend gingen wir nach unten, während Holly mit jedem Schritt immer nervöser wurde.
Ich musste darüber leicht grinsen und konnte mir etwas Schadenfreude beim besten Willen nicht verkneifen. Mal gespannt, wie sie sich heute anstellt.
„Sitzen sie denn schon da?!“ Holly war vor dem Essensraum stehen geblieben und so war es wieder an mir um die Ecke zu lugen.
Ich erblickte Bill und Tom wieder auf den Plätzen von gestern sitzen, wohingegen von Georg und Gustav jede Spur fehlte.
Perfekt!
„Und, siehst du sie?!“. Drängelte Holly wieder und trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen.
„Ja und Bill und Tom sind alleine da, also setzen wir uns jetzt dazu!“
Hollys Augen wurden immer größer und sie fingerte sich plötzlich ganz aufgeregt in den Haaren rum, wie als wolle sie ihre Frisur schöner richten.
„Zu denen setzen? Aber, aber das geht doch nicht!“
Ich verdrehte die Augen.
Wie kann man nur so schüchtern sein??
„Ich zeig dir gleich wie das geht!“
Ohne weiter auf Hollys Proteste zu achten, drehte ich mich um und stolzierte hoch erhobenen Hauptes in die Speisehalle.
Alles oder nichts.
Was haben wir denn auch schon groß zu verlieren?
Ich hab nicht vor, morgen wieder auf die Straße zu gehen…
„Hey! Na?!“
Mit einem breiten Lächeln hielt ich vor Bill und Toms Tisch. Beide hatten ein Brötchen vor sich liegen und schienen gerade erst mit dem Essen anzufangen.
Gegenüber von ihnen lagen noch frische Teller und Tassen, woraufhin ich haarscharf schloss, dass Georg und Gustav noch nicht gefrühstückt hatten.
Na ja die müssten sich dann leider an einen anderen Tisch setzen…
„Ehm…hi“ Bill musterte mich scharf; er schien die Sache mit gestern noch nicht vergessen zu haben.
„Hallo“ Tom widmete sich desinteressiert wieder seinem Brötchen. Wie nett…
„Was dagegen wenn ich mich dazu setze?!“, fragte ich und nahm schon ohne eine Antwort abzuwarten gegenüber von Bill Platz.
Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, wie Holly jetzt auch langsam in die Speisehalle kam und mit kleinen Schritten auf uns zu steuerte. Na immerhin!
„Mh, ne setz dich ruhig.“ Bill taxierte mich weiterhin, als habe er vorher noch nie ein richtiges Mädchen gesehen.
Ich lächelte ihn dankend an und blickte wieder in diese dunklen, schimmernden Augen.
Sie wirkten so tief und innig, dass ich mich sogar eine Weile in ihnen verlor, aber sofort wieder hoch schreckte, als Holly auftauchte.
„H-hey!“, sagte sie piepsig und lies sich einfach neben mich fallen.
Ich musste mich schwer zusammen reißen, um nicht wieder die Augen zu verdrehen…
Tom schaute nun auch mal wieder von seinem Brötchen auf und musterte Holly von oben bis unten.
Ich musste nicht lange überlegen, mir wurde schon nach einigen Sekunden klar, dass er Holly um einiges symphatischer fand als mich. Sein Blick verriet eine ganze Menge… aber der war doch sicher eh nur aufs pimpern aus…
„Was bitte?“ Bill sah mich fragend an und schien mich die ganze Zeit beobachtete zu haben.
„Mh was?!“
Ich verstand nicht was er von mir wollte.
„Du hast gerade irgendwas mit „pimpern“ gesagt!“, flüsterte Holly mir zu und ich spürte die Hitze in mir auf kriechen.
Mist, ich hatte wohl Laut gedacht und dann gerade noch so etwas!
Auf meinen Wangen bildeten sich rote Flecken.
„Ach, nichts wichtiges, vergiss es!“ winkte ich hab und lächelte Bill peinlich berührt an.

Kapitel 10


Bill neigte den Kopf leicht zur Seite und hob eine Augenbraue in die Höhe.
Ich schaute verlegen in die andere Richtung und tat so als wäre der noch frisch gedeckte Nachbartisch eine Sensation.
Ja, das war eben auch das Schlechte an meiner „hyperaktivität“.
Ich kam ziemlich schnell in peinliche Situation aufgrund meiner großen Klappe.
Man konnte schon fast sagen, jedes kleinste Fettnäpfchen ist für mich reserviert.
„Und wie lange bleibt ihr noch hier im Hotel?!“, fragte ich nun an Bill gewandt, so als wäre nie etwas gewesen.
Ich lächelte ihn leicht unsicher an.
„Mh, noch so 3-4 Wochen“, antwortete er mit einem kleinen Grinsen.
Ich spürte eine hauch zarte Wärme in mir aufsteigen.
Sein Grinsen offenbarte seine weißen, leicht spitze Zähne und es bildeten sich leichte Grübchen in seinen Wangen.
Immer hin ist er freundlich zu mir.
Schon mal ein perfekter Anfang. Vielleicht schaffen wir es ja, uns bis morgen noch mit ihnen anzufreunden…
„Und was habt ihr heute noch so vor?!“, löcherte ich ihn weiter und nahm mir ein kleines rundes Brötchen aus dem Brotkorb.
Holly saß nur schweigend neben mir und getraute sich nicht mal auch nur mit einem Zeh zu wackeln.
Angespannt musterte sie ein kleines Brandloch in der Tischdecke.
„Wir wollten vielleicht in den Schwimmbereich!“, antwortete Bill und beschmierte sein zweites Brötchen dick mit Nutella. „Unsere letzten beiden freien Tage müssen wir schließlich ausnutzen!“
Unbewusst atmete ich erleichtert aus. Das passte ja perfekt, dass sie jetzt noch frei hatten.
Wäre sonst etwas schwer, sich mit denen anzufreunden, wenn sie als nur im Studio sind oder so.
Ich lächelte Bill wieder an. „Oh, wir wollten heute auch schwimmen gehen, was ein Zufall!“
Ich strahlte. „Nicht wahr, Holly?!“ Ich stieß meiner Freundin leicht mit dem Ellebogen in die Seite.
Wie auf Kommando nickte diese heftig. Ihre Locken wippen ihr wild ins Gesicht.
„Ja, stimmt!“ Nervös rieb sie sich die Hände an der Jeans.
Tom beobachtete sie schmunzelnd.
„Dann sehen wir uns ja, nehme ich an?!“
Man sah deutlich, wie unbehaglich sich Holly fühlte. Ihre Wangen färbten sich puderrot.
„Ja, ich denke schon!“
Ich musste mich sehr bemühen nicht die Augen zu verdrehen. Wie kann man nur so übertrieben schüchtern sein? Langsam sollte sie doch wohl mal etwas auftauen…
Ich schüttelte unmerklich den Kopf und nahm dann einen großen Bissen von meinem Marmeladenbrötchen.
Bei mir war es seltsamerweise so, dass ich immer Hunger hatte. Immer musste ich was zwischen den Zähnen haben. Aber das gute war, dass ich nie zunahm. Was will man mehr…?
„Wie alt seit ihr denn eigentlich?!“, fragte Bill und nahm einen Schluck von seinem Kakao.
Wieder überflutete mich eine angenehme wärme, was ich aber damit verband, dass die Aufsichten auf ein Zimmer immer näher rückten, schließlich wurden die Jungs immer netter.
„15!“, antworteten Holly und ich beide gleichzeitig wie aus einem Munde.
Meine Augen blieben plötzlich an Billy Zungenpiercing hängen. Resigniert leckte er sich die Kakao Reste von den Lippen.
Wow…
Bill bemerkte meinen Blick und grinste.
Mein Mund verzog sich ebenfalls zu einem Lächeln und ich widmete mich schnell wieder meinem Brötchen.
„Hey, wer sitzt denn da auf unseren Plätzen?!“, drang plötzlich eine unbekannte Stimme zu mir durch.
Fragend schaute ich auf.
Gustav stand vor unserem Tisch und kratzte sich mit einer hand leicht am Hinterkopf, Georg neben ihm.
„Tja, wir ham halt hübscheren Ersatz für euch gefunden!“, antwortete Tom und zwinkerte Holly zu, welche sofort wieder feuerrot wurde.
Tzz
„Danke Tom!“ Georg verpasste ihm eine kleine Kopfnuss. Bill und Gustav schüttelten lachend die Köpfe.
„Bitte, bitte!“ Tom rieb sich den schmerzenden Hinterkopf.
„Komm, dann setzen wir uns halt da drüben hin!“ Gustav nickte zu dem Nachbartisch rüber und Georg nickte nur.
Mich überströmte wieder Erleichterung. Na, das lief ja alles super. Vielleicht würden wir es ja echt schaffen…das wäre toll!
Genüsslich aß ich mein Brötchen weiter.
„Hast du denn keinen Hunger?!“ Tom musterte Holly.
„Ehm..nee!“, sie schüttelte wieder nur den Kopf und starrte auf ihren noch wie leer gefegten Teller.
„Versteh ich nicht…schmeckt echt lecker!“, mischte ich mich ein und biss demonstrativ wieder in mein Brötchen.
Bill grinste nur wieder und nickte zustimmend.
Tom schüttelte den Kopf.
Okay, dass der mich nicht leiden kann hab ich eh schon kapiert, aber mir geht es ja eh um Bill…

Kapitel 11


Zufrieden lehnte ich mich in meinem Stuhl nach hinten und streckte die Arme in die Höhe.
Wir waren mittlerweile fast die Letzten, die hier im Essensraum noch saßen.
Um uns herum wurden bereits die Tische abgeräumt.
„Man bin ich satt!“, meinte Bill und streckte sich ebenfalls.
Holly saß nun auch schon etwas lockerer auf ihrem Stuhl neben mir, auch wenn es immer noch nicht wirklich entspannt aussah.
Ihr Blick war ununterbrochen nach unten auf ihre Schuhe gerichtet und sie blickte nur auf, wenn mal jemand das Wort an sie richtete.
„Ich auch….ich hab mindestens 5 Kilo zugenommen, nach dem Essen!“, meinte Tom nun kopfschüttelnd und Holly lachte kurz leise auf, was aber nur ich hören konnte.
„Tja, dann sollten wir jetzt wohl etwas schwimmen gehen um die Pfunde wieder loszuwerden?!“ Bill grinste seinen Bruder an und machte Anstalten aufzustehen.
Ich sprang sofort auf und warf fast sogar meinen Stuhl damit um.
„Wir kommen mit!“, rief ich übermütig und nickte wie zur Bestätigung.
Tom runzelte die Stirn und machte fast schon wieder einen genervten Eindruck.
Er konnte mich halt aus mir unverständlichen Gründen irgendwie nicht leiden…
Bill jedoch grinste leicht schief. „Okay!“
Ich lächelte zurück.
„Gut, komm Holly, wir gehen uns umziehen?!“, flötete ich zu meiner Freundin hinunter und schaute Tom leicht triumphierend an.
Während ich dann darauf wartete, dass Holly sich mit zitternden Beinen erhob fuhr ich mir mit einer Hand durch das glatte, seidige Haar.
Bill stand nur wenige Meter von mir entfernt und wieder spürte ich seinen stechenden Blick auf mir. Seine dunklen, tiefen Augen schienen mich zu durchleuchten doch ich schaute angestrengt auf einen Punkt am anderen Ende des Saals.
Hoffentlich verhielten wir uns auch nicht so zu übertrieben.
Andererseits, es war ja auch wichtig, das Zimmer zu bekommen.
„Okay dann bis später….tschau!“ Toms Augen blitzten zu Holly und sein Mund verzog sich zu einem Grinsen.
Ich musste ein Würgen unterdrücken.
Es war wirklich nicht zu übersehen, wen von uns beiden er lieber mochte.
„Bye!“ Bill schenkte mir wenigstens noch ein Lächeln und die beiden gingen dann schon mal vor.
Kaum waren sie um die Tür verschwunden atmete Holly hörbar Luft aus.
„Puuh!“
Erschöpft fuhr sie sich übers Gesicht, wie als hätte sie gerade einen 1000 Meter lauf hinter sich.
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe. „Das war jetzt aber keine Glanzleistung, ne?“, machte ich sie vorsichtshalber mal drauf aufmerksam.
Holly verdrehte die Augen und nickte. „Ich weiß, aber immer hin mal ein Forschritt!“
Diese Logik musste einer verstehen…

„Chiara?? Welchen Bikini soll ich denn anziehen?!“ Panisch kam Holly in mein Zimmer getippelt und hielt mir einen Blau weiß- und rot weiß gestreiften Bikini unter die Nase.
Ich kratzte mich am Hinterkopf.
„Ehhm…den!“ Ich deutet auf den Blau weißen und widmete mich dann wieder an die kleine Tasche, die ich gerade packte…
Handtücher, Shampoo, Bürste, Föhn…
„Meinst du? Und wenn Tom auf Rot steht?!“
Holly blickte mich kritisch an.
„Dann ist er schwul!“, sagte ich entschlossen und kramte nun meinen eigenen dunkelblauen Bikini heraus.
Meine Haare band ich zu einem Hohen Zopf, das Pony lies ich mir allerdings weiterhin in die Augen fallen.
„Oh man ich bin so aufgeregt!“, meinte Holly hibbelig und tänzelte auf der Stelle herum. „Tom ist echt soo verdammt süß!“
Ich rümpfte die Nase. „Na ja“, murmelte ich nur.
Widerspruch wäre da eh zwecklos gewesen…
„Also wollen wir?!“, fragte ich dann 10 Minuten später und schnürte meinen Bademantel zu.
Holly nickte und wurde schon wieder immer blasser.
Übertriebene Schüchternheit!
„Dann los!“, entschlossen riss ich unsere riesige Zimmertür auf und trat mit meinen Flip Flops auf den Langen Flur, Holly folgte mir.
So, jetzt musste es klappen. Jetzt würden wir uns richtig anfreunden. Bis morgen müsste alles geregelt sein. Wir müssen Freunde werden!
Oh bitte lieber Gott steh uns bei…. Auch wenn ich nicht besonders gläubig bin.

Kapitel 12


Stickige Dampfluft schlug uns entgegen, kaum hatten wir den Schwimmbereich betreten.
Schöne weiße Fliesen schlängelten sich den Fußboden und die Wände entlang.
Wir hatten keine Ahnung, wo genau die Jungs jetzt steckten, so gingen wir den Gang einfach mal immer weiter lang bis zu den Duschen.
Ich musste meine Freundin erst gar nicht anschauen, ich wusste auch so schon, dass Holly wieder hypernervös und angespannt war.
Das zeigte sich dann spätestens, als sie das Wasser aus versehen auf kalt drehte und ihr die Shampooflasche aus der Hand flutschte.
Ich kümmerte mich erst gar nicht da rum…
„Guckst du mal ob sie schon da sind?!“, fragte Holly dann mit einem leichten Zittern in der Stimme, als wir beide ein Handtuch um uns geschlungen hatten und an der Tür zum Schwimmbereich standen.
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe. „Warum denn?!“
Holly zuckte die Schultern. „Dann bin ich wenigstens vorbereitet….oder so“, murmelte sie leicht verlegen dem Boden zu.
Aha.
„Okay, dann bereite dich mal schön vor, ich für meinen Teil geh da jetzt rein!“, sagte ich nur entschlossen und kehrte ihr den Rücken zu.
Holly war wirklich keine große Hilfe. SO bekamen wir das Zimmer nie. SO würden wir hier wieder rausgeschmissen werden. SO würden wir auf der Straße landen.
Sie würde sich nie trauen, Tom nach dem Zimmer zu fragen oder ihn irgendwie zu überlisten oder was weiß ich. Einen genauen Plan haben wir ja noch nicht.
Den müsste ich mir dringend noch überlegen.
Ich öffnete die mit Dampf beschlagene Glasscheibe und trat hinaus in den Schwimmbereich.
Mein erster Blick fiel auf den gigantischen Pool, der sich in der Mitte des Raumes präsentierte.
5 kleine Sprudel schäumten auf und ein riesiger, künstlicher Wasserhahn prangte auf einer Seite empor.
Außen um den Pool herum waren lauter liegen aufgestellt, auf denen sich wenige Leute räkelten.
Mein Blick wanderte Reihum an ihnen entlang und blieb dann letztendlich an Bill und Tom hängen, die es sich auf zwei blauen Liegen bequem gemacht hatten.
Mit einem breiten lächeln ging ich auf sie zu.
„Hey Jungs, na alles klar?!“, fragte ich freudig und baute mich vor ihnen auf.
Tom machte einen nicht ganz so freudigen Eindruck und verzog nur das Gesicht.
Mich erschütterte das schon gar nicht mehr, da ich nicht wirklich mit was anderem gerechnet hatte.
„Hi Chiara, na? Wo haste denn deine Freundin gelassen?!“ Bill sah mich fragend an und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf.
Er war bereits nur in Badehose bekleidet und vor mir präsentierte sich sein bloßer nackter Oberkörper.
Ich starrte ihn kurz wie befangen an. „Verlassen? Ich hab sie nicht verlassen sie müsste gleich….“
Bill und Tom zogen beide kurz eine Augenbraue in die Höhe.
Was ist?
Toms Augen musterten mich leicht mitleidig und Bill prustete los. Ich merkte wieder wie Röte in mir aufschoss und wusste immer noch nicht ganz, was ich denn gemacht hatte.
„Ich hab gefragt, wo du sie gelassen hast und nicht ob du sie verlassen hast!“ Bill lachte immer noch.
Ich grinste peinlich berührt dem Boden zu.
Kann ja jedem mal passieren….oder?
“Hey, da kommt Holly ja!“ Toms Blick war hinter mich gerichtet, also drehte ich mich um.
Meine Freundin trat gerade aus der Dusche und tapste dann mit langsamen Schritten auf uns zu.
Wäre doch besser gewesen, sie wäre gleich mit mir gekommen, jetzt bekam sie nur noch mehr Aufmerksamkeit von Tom. Oder wollte sie das so…?
“Hai!“ Sie stellte sich neben mich und lächelte Tom direkt ins Gesicht.
Ihr Rücken war durchgedrückt und ihre Schultern nach hinten gestreckt.
Aha.
Vielleicht lernt sie es ja doch noch!
„So, dann sind wir ja alle komplett. Gustav und Georg hatten keine Lust zum schwimmen…!“ Bill zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Wollen wir dann mal ins Wasser?!“
Er stand auf und ich musste mich wirklich mächtig anstrengen, nicht wieder auf seinen unverhüllten Körper zu schauen…
Tom nickte wie wild. „Klar! Wasserschlacht!“, rief er begeistert und packte Holly völlig ungewarnt plötzlich an einem Arm.
Diese Keuchte kurz auf, dann flog sie aber auch schon in hohem Bogen ins Wasser.
Es machte laut >Platsch< und einige Leute, die auf den Liegen lagen, sprangen erschrocken auf, da vereinzelte Tropfen auf sie niederprasselten.
Bill, Tom und ich prusteten los, während Holly nur empört wieder auftauchte und die Arme verschränkte.
„Nett!“, murmelte sie.
„Tja, so ist das Leben, baby!“, konterte Tom und sprang nun auch in den großen Pool. Das Schild am Rand, welches darauf hindeutet, dass man nicht hineinspringen solle, ignorierte er gekonnt.
„Also los Chiara!“ Bill grinste und ehe ich auch nur einen Finger rühren konnte gab er mir auch schon einen heftigen Schubs und ich taumelte nach vorne.

Kapitel 13

Das, im ersten Moment, kalte Wasser schlug über mir zusammen. Ich schmeckte Chlor in meinem Mund verschluckte mich heftig.
Leicht hektisch ruderte ich mit beiden Armen und beförderte mich somit wieder an die Wasseroberfläche.
Bills Lachen drang in mein Ohr, als ich erst mal gierig Luft in meine Lungen sog.
Tom und Holly neben mir waren währenddessen schon in eine wilde Wasserschlacht vertieft, was ihnen lauter tadelnde Blicke von den anderen Leuten hier einhandelte.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht schwamm ich zum Beckenrand.
„Aua!“, murmelte ich und rieb mir den linken Fuß.
Bill unterbrach sein Lachen kurz. Besorgnis blitzte in seinen Augen auf und er trat zu mir heran.
„Alles in Ordnung?!“, fragte er leicht schuldbewusst.
Ich schüttelte den Kopf. „Mein Fuß tut so weh…. Ich muss wohl irgendwie umgeknickt sein, als du mich geschubst hast!“ Wieder verzog ich das Gesicht.
Bill sah mich mitleidig an. Wirre Haarsträhnen fielen ihm in die Augen.
„Sorry, wollte ich nicht!“ Er senkte den Blick.
Ich nickte gnädig. „Ja, ich weiß…“
Ich ließ meinen Fuß wieder los. Hinter uns hörte ich Holly wie wild herum kreischen, als Tom versuchte sie unter Wasser zu tunken.
„Hilfst du mir wenigstens mal raus?!“, fragte ich mit träger Stimme und streckte Bill meine nasse Hand entgegen. Lauter glänzende Wassertropfen perlten von ihr ab und prallten vor ihm auf den Steinboden.
„Klar!“ Bill nickte und griff nach meiner Hand.
Ehe er dann wusste was geschah zog ich ihn mit einem kräftigen Ruck zu mir ins Wasser.
Ich sah noch seinen erschrockenen Gesichtsausdruck und mit einem „Wuah!“ landete er dann hinter mir im Wasser.
Ich musste wie wild los lachen und beobachtete die vielen Bläschen, die sich an der Stelle bildeten, wo Bill untergegangen war. Es dauerte auch gar nicht lange, da tauchte er auch wieder auf.
Das lange schwarze Haar hing ihm nass im Gesicht herum und sein Körper schimmerte von den ganzen Wassertropfen.
Empört sah er mich an.
„Ups!“, kicherte ich nur und schwamm dann schnell vor ihm weg, da er schon, mit einem Racheausdruck in den Augen, auf mich zukam.
Mit meinem „angeblich“ verletzten Fuß schaffte ich es dann ganze 2 Bahnen vor ihm zu fliehen doch am Ende packte er mich dann doch am Arm.
„Na warte, das kriegst du wieder!“, rief er belustigt und versuchte mich unter Wasser zu drücken.
„Neeeein, bitte nicht!“, lachte ich und klammerte mich ebenfalls an ihm fest, um nicht unterzugehen. Meine Hand um fasste seine nackte Haut und ich spürte ein angenehmes Gefühl in mir auf kriechen. Seine dunklen Augen durch bohrte mich und ein wildes funkeln lag in ihnen.
„Okay, wenn dus so willst!“ Bill grinste noch mal und tauchte dann unter. Da ich mich an ihm festhielt und er mich auch mit runter zog, spürte ich kurze Zeit später auch schon wieder das kühle Wasser in meinem Gesicht.
Bill tauchte immer tiefer und ich zappelte wie wild um mich irgendwie von ihm los zubekommen, doch keine Chance! Blinzelnd öffnete ich die Augen und blickte in das schaurige blaue Bild, was sich vor mir ergab.
Ich konnte Bills schwarzen Haarschopf vor mir erkennen und wenige Meter von uns entfernt, noch zwei weitere Leute. Holly und Tom?
“Gmklaha me gohiols!“ Das sollte so viel wie „Lass mich los!“ ohne Luft und unter Wasser bedeuten.
Bill gab mir noch einen kleinen kräftigen Schubser, wodurch ich noch etwas weiter runter sank und tauchte dann schnell wieder auf, da er auch keine Luft mehr zu haben schien.
Sofort folgte ich ihm und atmete erst mal die kühle frische Luft ein.
Wie gut das meinen Lungen tat.
„Ah, man das war fies!“, schmollte ich theatralisch, was Bill nur zum lachen brachte.
„Und deine Sache eben nicht?!“
Ich zuckte die Schultern und blickte ihn ahnungslos an. „Neee, wieso?!“
„Ahhhh, Chiara Hilfe!“ Völlig ungewarnt packten mich plötzlich zwei kalte Hände an den Schultern und ich zuckte kurz, aber heftig zusammen.
Holly klammerte sich panisch und lachend zugleich an mich.
Tom stand hinter ihr und spritzte ihr eine kräftige Ladung Wasser ins Gesicht.
„Feigling“, zog er sie auf und gesellte sich dann neben seinen Bruder.
Das Wasser schwabte wie wild um uns herum, da wir wohl ziemlich getobt hatten.
Hollys Atem ging schon ganz schnell und unregelmäßig, ebenso wie meiner.
„Entschuldigung bitte?!“ Erstaunt blickten wir alle 4 auf, als neben uns eine raue Männerstimme ertönte.
Am Beckenrand, zu uns gebeugt stand ein großer, älterer Mann mit einem Bart.
Er hatte weiße Klamotten an und trug Badelatschen an seinen Füßen.
„Einige Gäste hier haben sich über euch beschwert!“, meinte er und musterte uns kritisch.
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe.
Holly machte sich ganz klein hinter mir…

[B]Kapitel 14[/B][/Center]

„Also, dann bis später!“ Bill hob kurz die Hand zum Abschied und schenkte mir noch ein Lächeln. Auch meine Lippen verformten mich sofort zu einem Grinsen.
Fast schon wie befangen von seinem Anblick, schaute ich, ihm noch hinterher, bis er schließlich um die Ecke, in den nächsten Flur verschwunden war.
„Bis gleich dann Holly!“ Tom würdigte mich mal wieder keines Blickes und folgte seinem Bruder.
Ich verdrehte nur die Augen und pustete mir, eine noch nasse Haarsträhne aus der Stirn.
„Hast du das gehört?? Er hat mir tschüss gesagt!“ Holly krallte sich in meinen Oberarm und sah Tom mit glänzenden Augen hinterher, auch wenn dieser schon längst nicht mehr zu sehen war.
Ich nickte nur müde. „Ja, ich habs mitbekommen.“
Ich schob mir meine kleine Sporttasche noch ein Stück höher, auf die Schulter und machte mich dann langsam auch mal auf den Weg zu unserem Zimmer.
Holly folgte mir.
„Also ich finde ja, das läuft alles ganz gut!“, plapperte sie fröhlich vor sich hin. „Ich meine, Tom und ich haben uns im Schwimmbad prima verstanden! Dauernd haben wir uns gegenseitig nass gemacht und geärgert… wäre dieser blöde Bademeister nicht gekommen und hätte uns eben schon rausgeschmissen, wäre vielleicht noch mehr passiert!“ Frustriert verstummte sie.
Ich schwieg nur vor mich hin und drückte auf den großen, roten Knopf vom Aufzug.
Ja, Bill und ich hatten uns auch ziemlich gut verstanden.
Ich liebte es einfach, wie seine Augen funkelten, wenn er so frech grinste. Doch ich durfte ihn nicht zu nahe, an mich heran lassen. Er musste nur [I]denken[/I], dass wir gute Freunde sind. Er musste mir das Zimmer geben. Danach brauchte ich ihn ja nicht mehr… ich brauchte niemanden, außer Holly.
Jungs sind doch alle gleich…werden zu Männern…schlagen, prügeln…
Mich schauderte es und ich schloss kurz die Augen, während der Aufzug ratternd nach oben fuhr.
Ich sollte damit abschließen… es sind nicht alle so wie mein Vater. Trotzdem… mein letzter Freund hatte mich auch nicht wirklich geliebt.
„… und wenn wir dann das Zimmer erst mal haben, verbringen wir sicher noch viel mehr Zeit mit den Jungs!“, redete Holly neben mir immer noch wie ein Wasserfall.
Mit einem Ruck, blieb der Aufzug dann plötzlich in unserer Etage stehen. Mit wackligen Beinen trat ich auf den hell beleuchteten Flur.
„Also ich finde wir haben echt Glück, oder?!“, wendete sich Holly nun mal an mich, während sie in ihrer Hosentasche nach dem Zimmerschlüssel kramte.
„Wa-? Ehm… ja klar!“, antwortete ich nickend, auch wenn ich nicht wirklich zugehört hatte.
Meine Freundin warf mir einen fragend Blick zu, als wir in das Zimmer eintraten.
„Alles okay bei dir?“ Sie runzelte leicht die Stirn. „Eigentlich müsstest du doch genauso glücklich sein wie ich?!“
Ja, eigentlich vielleicht schon aber, was hatten wir denn groß erreicht?
Nichts.
Tom konnte mich nicht leiden.
Bill war einfach nur toll, aber ich durfte ihn nicht zu sehr an mich ran lassen und doch irgendwie das Zimmer bekommen.
„Ja bin ich auch….also…ehm ich geh schon mal runter ja?!“
Holly zog eine Augenbraue in die Höhe. „Willst du dich nicht erst noch mal schminken und so?!“
Ich warf einen kurzen Blick in den Spiegel und schüttelte dann den Kopf.
Auch wenn ich schrecklich aussah.
Wir waren gleich noch mit Bill und Tom an der Bar verabredet…
„Ich warte dann unten!“
Ich drehte mich um und riss die Tür wieder auf. Mit einem lauten Knall, flog sie hinter mir wieder zu, während ich den langen Flur entlang rannte.
Ich musste einfach mal kurz da raus. Konnte das glückliche Gerede von Holly nicht mehr ertragen.
Sie war froh. Tom mochte sie, eindeutig. Sie musste nichts tun. Ich war diejenige, die den Plan haben musste. Ich war diejenige, die es machen musste.
Tom konnte mich nicht leiden.
Und wie sollte ich es schaffen, nur durch Bill irgendwie an das Zimmer zu kommen? Ich wusste nicht mal, ob er mich richtig mag.
Atemlos blieb ich stehen und stützte mir die Hände in die Seite. Während ich nach Luft rang, entdeckte ich eine kleine gepolsterte Bank an der rechten Seite des Flures.
Ich war mittlerweile schon an einem ganz anderen Ende angelangt und konnte unsere Zimmertür nicht mehr sehen…
Mit brennenden Augen lies ich mich auf die Bank sinken und vergrub meinen Kopf in beiden Händen.
Wie soll es weiter gehen?
Nach Hause will ich nie wieder zurück. Nie wieder will ich so geschlagen werden. Nie wieder will ich so verletzt werden.
Doch wie soll ich es hier durchhalten? Wie soll ich mich hier durchkämpfen?
Ich werde nie jemandem vertrauen können, außer Holly. Ich kann niemanden an mich ran lassen, trotzdem muss ich mich mit irgendwelchen Jungs anfreunden, um hier zu bleiben.
Plötzlich spürte ich heiße Tränen, die mir die Wange hinunter rollten und an meinem Kinn abperlten.
Lautlos tropften sie zu Boden.
Was kann ich tun?
Ein salziger Geschmack machte sich in meinem Mund breit.
Wie?
Wie soll es weiter gehen?
Plötzlich sah ich Bills dunkle, tiefe Augen vor mir. Wie sie glänzen und funkeln.
Er ist ja schon süß und toll…aber…
„Chiara?!“ Plötzlich wurde mir bewusst, dass Bill tatsächlich vor mir stand. Besorgt runzelte er die Stirn.
„I-ist alles in Ordnung?!“

Kapitel 15

Mir stockte der Atem.
Meine Augen waren immer noch rot und brannten. Die Kontaktlinsen machten es auch nicht gerade besser.
Bill hatte sich derweil vor mich gekniet und musterte mich prüfend. Sein Blick schien mich fast schon zu durchbohren. Seine dunklen Augen glitzerten leicht und hafteten fest auf den meinen.
Unbehaglich wisch ich ihm aus.
Was machte er auch hier? Er sollte mich so nicht sehen. Ich musste grausam ausschauen.
Mein Haar fiel mir schlaff und strähnig ins Gesicht, meine Wangen waren von den Tränen gerötet und meine Lippen fühlten sich an, wie ausgetrocknet.
„M-mir geht’s gut!“, meinte ich und wischte mir kurz mit einem Ärmel übers Gesicht.
Bill schaute mich immer noch prüfend an und in seinem Blick lag etwas Mitleidiges.
Wieso Mitleid?
Beruhigend strich er mir mit einer Hand über den Oberarm.
„Bist du dir sicher?!“, fragte er nach und legte den Kopf leicht schief, wodurch ihm einige Haarsträhnen verwegen ins Gesicht fielen.
Ich spürte einen Kloß im Hals und schluckte einmal stark.
Er schien sich echt Sorgen zu machen.
Plötzlich durchzuckte mich wieder ein Blitz. Meine Augen weiteten sich leicht.
Eine perfekte Situation, eine einmalige…
Wie sonst?
“Na ja weißt du….um ehrlich zu sein: nein!“ Ich schluchzte theatralisch auf und vergrub meinen Kopf kurz in meinen Händen.
Erneut kullerten mir Tränen über die Wangen. Mein Körper begann leicht zu zittern und ich spürte, wie Bill sich neben mich auf die Bank setzte.
Beruhigend legte er nun einen Arm um mich.
„Was ist denn los? Ist irgendwas passiert?!“ Ich spürte seine zarten Finger, wie sie mir über die Haut strichen.
Eine Gänsehaut durchzog mich, doch ich ignorierte sie wieder gekonnt.
Ich nickte leicht und blickte Bill mit tränen verschmierten Gesicht an. Unser Blick traf sich kurz und wieder schauderte ich.
„Was war denn?!“, fragte er sanft und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Interessiert musterte er mich.
Immer noch schluchzend blickte ich zu Boden. Musterte einen Punkt auf diesem schönen Teppich.
„Wir sind hier in Hamburg um meinen Bruder mal zu besuchen, der arbeitet hier und hat kaum Zeit weg zu kommen… deshalb kann er nicht mal zu uns nach Hause kommen“. Fing ich an zu erzählen und von neuem stiegen Tränen in mir auf.
„Wir sind erst seit gestern hier und eben meinten meine Eltern, dass wir sofort wieder nach Hause müssen…“ ich schluchzte kurz auf. „Dabei hab ich Jonas noch nicht mal gesehen! Ich vermisse ihn doch so!“
Bill nahm mich mitleidig in den Arm. Er hatte ja auch einen Bruder, zwar einen Zwillingsbruder aber egal. Er musste wohl wissen, wie ich mich fühlen sollte.
Ich vergrub meinen Kopf in seinem T-Shirt. Sein süßlicher Geruch stieg mir in die Nase und ich spürte ein kurzes Ziehen im Magen.
„Warum müsst ihr denn plötzlich zurück?!“, fragte er.
Ich stockte kurz und überlegte mir hektisch irgendetwas zusammen.
„Bei meinem Eltern in der Firma stimmt irgendetwas nicht!“, brachte ich hervor. „Das finde ich so unfair, nur weil sie zurück müssen, müssen Holly und ich auch mit!“
Warum meine Freundin dabei war, wenn wir meinen Bruder besuchten wusste ich auch nicht, aber ich lies es einfach mal offen stehen.
„Warum dürft ihr denn nicht alleine hier bleiben?!“, fragte Bill nach und legte den Arm etwas fester um mich.
Auch wenn wir uns so nahe waren, spürte ich doch eine gewisse Distanz zwischen uns, schließlich kannten wir uns auch noch nicht wirklich gut.
Ich überlegte kurz.
„Würden wir ja, aber ich hab grad kein Geld und meine Eltern wollen mir das Zimmer nicht bezahlen, sonst dürften wir ja!“, meinte ich geknickt und schaute immer noch zu Boden.
Eine kleine Träne rann mir über die Nase und perlte ab.
Ich sah ihr zu wie sie lautlos zu Boden tropfte und einen kleinen nassen Fleck hinterließ.
„Ich vermisse meinen Bruder…“, murmelte ich leise vor mich hin.
Ich spürte genau, wie Bill mich von der Seite beobachtete.
„Wie lange habt ihr denn noch Ferien?!“, fragte er langsam.
Ich runzelte die Stirn.
Warum will er das wissen? Er soll mir einfach anbieten uns in seinem Zimmer wohnen zu lassen, dann ist doch gut!
„4 Wochen!“, antwortete ich aber. „Bei uns ist Lehrermangel, deshalb haben wir noch 2 zusätzliche Wochen!“, reimte ich mir zusammen.
War das denn Wichtig?
„Also weißt du…“ Bill stockte kurz und schien zu überlegen. Ich musste mich krampfhaft bemühen, ruhig sitzen zu bleiben.
Ja..?
„Ich müsste da mal kurz was mit David besprechen und….na ja vielleicht könnte ich es irgendwie so regeln, dass ihr noch hier bleiben könnt…“
Ruckartig hob ich den Kopf und sah ihn mit glitzernden Augen an.
Genau das war es… perfekt. Hach, ich bin doch einfach genial. Wenn ich das gleich Holly erzähle…
„Bill!“, hauchte ich und schaute ihm weiter hin in die Augen. „D-das wäre wunderbar!“
Er grinste leicht.
Ich konnte mein Glück immer noch nicht so wirklich fassen. Ich meine: hallo?
Er will uns vielleicht das Zimmer geben!!!
Übermütig hüpfte ich ihm plötzlich in die Arme und drückte ihn.
Er schien erst leicht überrumpelt, erwiderte die Umarmung dann allerdings.
„Kein Problem!“, murmelte er und strich mir beruhigend über den Kopf.

Kapitel 16

Atemlos blieb ich vor unserer Tür stehen.
Nach Luft ringend pochte ich mit einer Faust gegen das harte Holz.
Bill und ich wollten beide noch mal schnell in unsere Zimmer verschwinden, bevor wir uns dann zu viert unten treffen würden. Ich hoffte inständig, dass Holly noch da war, da ich wie immer keinen Schlüssel hatte.
Zu meinem Glück schwang die Tür auch schon Sekunden später nach meinem Klopfen auf.
Holly hatte sich allen Anschein nach schon fertig gemacht, da sie perfekt gestylt vor mir stand und fragend die Stirn runzelte.
„Irgendwie…siehst du richtig bescheuert aus!“, sagte sie mir auch sofort schon direkt ins Gesicht.
Da ich immer noch so viel überschwängliche Freude in mir hatte überging ich dieses Kommentar einfach mal, wobei sie sicherlich Recht hatte.
Gerötete Augen, verschwitzte Klamotten, strähnige Haare…muss ich mehr sagen?
„Holly!“, rief ich mit einem breiten Lächeln ins Gesicht und fasste meine perplexte Freundin an den Schultern.
Jetzt hob sie eine Augenbraue in die Höhe.
„Alles in Ordnung bei dir?!“ Misstrauisch musterte sie mich, woraufhin ich nur nicken konnte.
„Alles ist in bester Ordnung!“ Mein Grinsen wurde breiter. „Wir haben sie soweit!“
Mit einem triumphierenden Flackern in den Augen betrat ich nun unser Zimmer.
„Wen?!“
Ich seufzte laut und vernehmlich. Musste man ihr immer alles 10 mal erklären?
“Tokio Hotel!“, erläuterte ich und lies mich rücklings aufs Bett gleiten.
Kurz schloss ich erschöpft die Augen und lies die hellen Sommerstrahlen von draußen auf mein Gesicht scheinen.
Was ein anstrengender Tag!
„Und was hast du gemacht?!“, fragte Holly und lies sich neben mich fallen.
Müde öffnete ich die Augen wieder und blickte nach oben an die schön verzierte Decke.
In wenigen Minuten hatte ich ihr dann alles Wichtige über meinen Bruder „Jonas“ und das angebliche Szenario mit meinen Eltern erzählt.
Holly nickte anerkennend. „Auf so was muss man erst mal kommen!“
„Tja, bin halt ein schlaues Kerlchen!“
Mein Mund verzog sich wieder zu einem breiten Grinsen.
„Na ja, wollen wir mal nicht übertreiben! Noch haben wir sie ja nicht ganz überredet!“, holte Holly mich dann unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Seufzend stand ich auf.
„Doch, dieser David wird uns schon nicht im Weg stehen und wenn doch heul ich dem persönlich noch was vor und dann hat der „ja“ zu sagen!“
Mit verschränkten Armen ging ich zu dem großen Kleiderschrank und fischte mir ein paar Klamotten heraus.
„Na gut, dann hoffen wir mal, dass es klappt!“
„Ja, ich geh jetzt noch mal schnell duschen und mich fertig machen!“, sagte ich und verschwand schnell im Bad.
Auch, wenn Holly noch etwas skeptisch aussah, meine gute Laune konnte sie mir nicht mehr nehmen! Bill hatte mir versprochen, es mal zu versuchen, bei diesem David.
Und es würde schon klappen, wenn Tom auch noch mithelfen würde…
Kurz hielt ich inne. Na ja, Tom würde sich eher gegen mich stellen, so lieb wie der mich hatte. Andererseits mochte er Holly doch ziemlich…
Nachdem ich geduscht hatte, föhnte ich mir noch schnell die Haare und schminkte mich.
Zu meinem Glück sah ich dann auch wieder einigermaßen passabel aus.
Nicht, dass Bill mich gleich noch so abstoßend fand und das Angebot mit dem Zimmer wieder zurück nimmt.
Ein kleiner Schauer lief mir bei diesem Gedanken den Rücken hinab, doch ich ignorierte ihn.
„Chiara, können wir dann langsam mal los?!“ Ungeduldig wippte Holly mit einem Fuß auf und ab.
„Ja, bin fertig!“
Ich warf noch einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel, bevor ich dann aus dem Bad kam.
„Na, magst du Bill doch etwas mehr, als du zugeben willst?!“ Holly grinste süffisant und musterte mich von oben bis unten.
„Nein!“, antwortete ich schlicht. „Ich will nur das Zimmer! Und nicht, dass du dich noch in Tom verliebst!“ Misstrauisch warf ich ihr einen kurzen Blick zu.
Holly stemmte gespielt empört die Hände in die Hüften und folgte mir hinaus in den Flur.
„Wieso sollte es mir passieren, mich zu verlieben und dir nicht?!“
Ich zuckte die Schultern. War eigentlich offensichtlich.
„Ich weiß nicht…aber es darf nicht vorkommen, ja? Das könnte alles umwerfen… wir brauchen nur das Zimmer!“
Holly verdrehte die Augen. Ich glaube, sie war von meinen Predigen schon etwas genervt, da ich mich schon ziemlich oft wiederholte.
„Ich weiß!“ Sie drückte kurz mit einem Finger gegen den roten Knopf und schon gingen die Türen des großen Aufzugs auf.
„Dann ist ja gut!“ Mit verschränkten Armen lehnte ich mich gegen die Wand und sah zu, wie die Türen sich langsam wieder schlossen.
Schweigend warteten wir darauf, unten anzukommen.
Ich wollte es jetzt wirklich nicht vor Holly zugeben, aber ich hatte wirklich etwas angst, dass sie mehr für Tom empfinden würde…aber das durfte nicht passieren.

Kapitel 17

„Siehst du sie irgendwo?!“
Suchend blickte ich mich in dem spärlich beleuchteten Raum um.
Der Kellner stand mit verdrießlicher Miene hinter dem Tresen und wischte an einem schmutzigen Glas herum. 2 Jugendliche standen am Billiardtisch und schienen ganz vertieft in ihr Spiel zu sein. Eine kleinere Gruppe an Leuten hatte sich um den Flipper versammelt, aber die Jungs waren nirgends zu entdecken.
„Ne. Wo bleiben die denn?!“
Stirn runzelnd ließ ich mich auf einen Hocker an der Bar fallen. Holly setzte sich sofort neben mich und warf einen nervösen Blick zur Tür.
Wir waren ja sowieso schon spät dran, weil ich solange im Bad gebraucht hatte. Also, wo blieben die denn?
“Meinst du, die hatten keine Lust uns zu sehen?!“ Holly sah mich halb verzweifelt an und kaute sich, wohl eher unbewusst, auf der Unterlippe herum.
„Ach Quatsch!“ Ich schüttelte überzeugend den Kopf. „Bill braucht nur etwas länger im Bad oder so!“ Beruhigend legte ich ihr einen Arm auf die Schulter.
Wie war das noch mit dem verlieben?
“Wollt ihr was trinken?!“ Die barsche Stimme des Barkeepers lies mich zusammen zucken.
Noch immer wischte er an dem selbem Glas von eben herum. Ein dicker Bierbauch zeichnete sich unter seinem weißen Unterhemd ab und raue Bartstoppeln zierten sein Gesicht.
„Nein, danke, wir warten noch!“, antwortete ich freundlich lächelnd, wie es sich ja eigentlich in so einem feinen Hotel gehörte.
Schuler zuckend wendete der Mann sich wieder ab.
„Chiara, die kommen nicht, die mögen uns net!“ Holly krallte sich in meinen Arm und schien gleich in Tränen auszubrechen.
Natürlich, deshalb hatte Bill mir auch eben noch versprochen nach zu horchen, ob wir eventuell das Zimmer bekämen. Deshalb machte Tom sich auch ganz offen so an sie ran. Deshalb hatten sie sich ja auch hier mit uns verabredet…
„Beruhig dich mal!“, zischte ich leicht angesäuert zu ihr rüber und befreite mich aus ihrem festen Griff. „Die kommen schon noch!“
Und wie die kommen werden…die haben gefälligst zu kommen!
Ungeduldig trommelte ich mit meinen Fingern nun auf dem Tresen herum, während mein Blick fest auf die Tür gerichtet war. Wie lange kann das denn dauern, mal schnell hier runter zu kommen?
“Ich glaub ich hol mir jetzt doch was zu trinken!“, murmelte ich nach meinem Po her, 1 Stunden, nach meinem Zeitgefühl her eine halbe Stunde und nach Hollys Uhr her 10 Minuten später.
„Ich denke wir warten!“, protestierte Holly, die auch wie hypnotisiert auf die Uhr gestarrt hatte.
„Tun wir ja auch. Aber dabei kann ich ja wohl was trinken oder?!“ Also manchmal…
Ich wollte gerade den Barkeeper zu mir winken, als Holly freudig neben mir aufquietschte.
„Da sind sie ja!“, flüsterte sie leise, so dass die Jungs, die gerade durch den Raum auf uns zukamen, es nicht hörten.
Ich verschränkte die Arme. „Na, wird aber auch mal Zeit oder?!“ Ich zog eine Augenbraue nach oben.
Tom schenkte mir mal wieder nur einen herablassenden Blick und wendete ich dann Holly zu. Danke, ich hab dich auch lieb!
Bill blickte mich entschuldigend an. „Tut mir leid, aber wir bzw. ich habe noch mit David gesprochen!“
Sofort schoss ein Stromschlag durch meinen Körper und meine Augen öffneten sich.
„Und?!“ Erwartungsvoll sah ich ihn an.
„Na ja… David war nicht sehr begeistert!“ Unbehaglich fummelte er sich an einem Loch von seiner Jeans herum.
Ich spürte schon die Enttäuschung in mir aufsteigen, wie sie sich in meinem ganzen Körper breit machte. Na klasse… betreten schaute ich zu Boden.
„Aber ich konnte ihn halt bereden, deshalb hat es auch solange gedauert! Er will euch ne Chance geben, aber wenn ihr euch scheisse benehmt oder so, dann will er euch wieder rauswerfen!“
Erstaunt blickte ich wieder auf. Langsam registrierte ich seine Worte. Wir bekommen das Zimmer doch?
“Wow, das ist ja fantastisch!“, rief ich aus und strahlte Bill an.
Wir bleiben hier ganze 3 Wochen, wir müssen nicht raus auf die Straße, wir können in dem Luxus Hotel bleiben und lassen uns verwöhnen…wie geil ist das denn bitte?
Auch Bill grinste mich jetzt an, wobei sich kleine, süße Grübchen um seine Mundwinkel bildeten.
„Ja, finde ich auch!“, stimmte er zu und schien sich richtig über meine Freude zu freuen.
„Danke, danke, danke!“, hauchte ich und sprang ihm wieder in die Arme. Kurz drückte ich ihn feste an mich, löste mich dann aber wieder sofort von ihm.
Nicht zu nahe kommen…
Grinsend schaute er auf mich hinab, das Glitzern in seinen Augen war einfach wunderschön, ebenso wie das Lächeln.
„Chiara!“ Holly tauchte plötzlich neben mir auf. Auch sie schien sich richtig zu freuen, Tom hatte ihr wohl auch davon erzählt. „Das ist doch super, oder? Jetzt kannst du deinen Bruder doch noch sehen!“ Sie zwinkerte mir unauffällig zu.
„Ja, das ist klasse!“, spielte ich mit und umarmte sie dann ebenfalls kurz.
Tom stand ganz gelassen neben uns und beobachtete die Szene still.
Es war schlecht zu sagen, was er von der Sache hielt. Einerseits freute er sich sicher, dass er Holly so länger sehen konnte, andererseits war er bestimmt genervt, weil er mich wieder an der Backe kleben hatte.
„Dann kannst du ja viel zu deinem Bruder gehen und Holly bleibt solange bei uns!“, bekam ich dann auch prompt die Bestätigung meiner Gedanken.
Ich verdrehte die Augen. „Danke!“, knurrte ich leise.

Kapitel 18

„Nimm ihn einfach nicht so ernst!“, flüsterte Bill mir leise zu und sah mich beruhigend an.
Ich nickte nur knapp.
Nein, ich nahm Tom schon nicht so ernst. Da passte es ja, dass ich ihn auch nicht besonders gut leiden konnte, beruhte also alles auf Gegenseitigkeit.
Ich setzte mich wieder auf den Barhocker, den ich eben schon die ganze Zeit belegt hatte und stützte meine Hände auf den Tresen.
Immer noch spürte ich das Blut in meinen Adern rauschen. Ich freute mich echt so riesig, dass wir das Zimmer bekamen. Wie kann man nur so viel Glück haben?
Dann sind wir die nächsten Wochen eben einfach weiterhin nett zu den Jungs, nicht, dass David uns doch noch rausschmeißt, und schon schaukeln wir das Ding.
„Magst du auch was trinken?!“ Bill lies sich neben mich fallen und musterte mich aus seinen glitzernden Augen.
Tom und Holly saßen einige Meter von uns weg und hatten beide schon einen Drink vor sich stehen. Also, so wie Holly ihn ansah könnte man echt meinen, sie wäre verliebt. Aber nein, das passierte ihr ja nicht, wie sie eben noch beteuert hat. Wer es glaubt!
„Ehm, ja ne Cola!“, murmelte ich und richtete mich wieder etwas auf.
Bill nahm sich ebenfalls ne Cola und der mürrische Barkeeper stellte uns jedem ein Glas vor die Nase.
Ich nahm ein paar kräftige Schlücke und wendete mich dann wieder an Bill.
„Und, warum seit ihr eigentlich hier in Hamburg?!“ Ein bisschen musste ich mich ja schon mit ihm unterhalten. Ihm haben wir ja auch die Sache mit dem Zimmer zu verdanken. Bill war schon echt in Ordnung und er sah klasse aus. Hatte mich ja ausnahmsweise mal ganz gut getroffen.
„Ach, wir bereiten unser neues Album vor. Zimmer 483!“ Bill lehnte sich lässig zurück und grinste mich an. „Hattest du echt Glück, was? Wenn wir oder eher gesagt ich nicht wäre dann müsstest du jetzt wieder heimfahren!“ Er legte den Kopf leicht schief und ihm rutschte eine kleine schwarze Haarsträhne ins Gesicht.
Ich nickte wie wild. „Ja, aber echt! Find ich wirklich toll… auch so, ist doch mal was neues die größten Teeniestars Deutschlands zu treffen!“ Ein Lächeln huschte mir über die Lippen. Auch wenn ich mich vorher nie wirklich für sie interessiert hatte.
Aber wir hatten so echt Glück… keine Ahnung, was wir gemacht hätten, wenn wir nicht auf Bill und Tom getroffen wären. Wahrscheinlich sinnlos in Hamburg rum laufen und nach was zu Essen suchen oder so…
„Ja, muss schon toll sein uns mal so live zu sehen.“ Bill sah mich ernst an.
Ich stupste ihm spielerisch in die Schulter und lachte kurz. „Sei mal nicht so eingebildet!“
Er packte mich am Arm und hielt mich somit davon ab, ihn noch mal zu schlagen.
„Ich bin doch nicht eingebildet!“, entrüste er sich und schob die Unterlippe leicht vor. „Ich bin halt hübsch und sexy, das ist keine Einbildung!“, belehrte er mich.
Ich lachte wieder kurz höhnisch auf. „Ach so, ja stimmt…tut mir leid!“, entschuldigte ich mich gespielt übertrieben und verdrehte die Augen. Nein, er war wirklich nicht eingebildet.
„Na gut, ich verzeih dir noch mal!“ Er nahm einen kurzen Schluck von seiner Cola.
„Ach wie Gütig von dir!“ Womit hatte ich das nur verdient?
Mein Blick wanderte hinüber zu Holly und Tom. Beide schienen sich köstlich zu amüsieren und lächelten sich gegenseitig an. Toms Hand wanderte langsam über Hollys Wange und streichelte ihre Haut. Sogar von hier konnte ich erkennen, dass sie rot anlief.
Oh nein!
„Geht Tom immer so ran?!“, fragte ich Bill, wendete meinen Blick allerdings nicht von Tom und Holly ab.
Wehe, der wagt es sie zu küssen oder so! Dann muss ich aber echt mal einschreiten, sonst läuft das ganze noch aus dem Ruder.
„Ja, er liebt es Mädchen aufzureißen!“, seufzte Bill und musterte nun ebenfalls die beiden.
„Aber Holly scheint auch nicht gerade abgeneigt zu sein?!“ Nun sah er mich wieder mit schelmischen Augen an.
Ich zuckte hilflos die Schultern.
„Ich weiß nicht…vielleicht… aber ich find das nicht so gut!“ Kopfschüttelnd warf ich Tom und Holly noch einen funkelnden Blick zu und wendete mich dann wieder Bill zu.
Er neigte den Kopf leicht zur Seite.
„Und warum nicht?!“
Ja, weil wir euch ja eigentlich nur ausnutzen um an die Zimmer ran zu kommen… sonst wäre es mir ja eigentlich egal.
Ja warum nicht?
“Na ja Tom spielt doch sicher nur mit ihr!“, warf ich ihm einfach irgendwelche Bedenken vor die Füße. „Und wenn nicht, wie soll das denn gehen? Die beiden sehen sich doch dann kaum, weil ihr ja nur unterwegs seit!“
Oh ja, das war gut! Klang logisch und einfach nach besorgter bester Freundin. Hach ich bin einfach genial.
Bill musterte mich kurz einige Sekunden stumm.
„Ich bin mir nicht sicher, ob er nur mit ihr spielt… aber wenn nicht, wenn sie sich lieben, dann schaffen sie das schon, egal wie lange wir weg sind. Wahre Liebe kann nichts aufhalten!“
Mi jagte eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Seine Worte lösten ein angenehmes Gefühl in mir aus, doch ich ignorierte es wie immer. Wahre Liebe kann nichts aufhalten.
Hätte nie gedacht, dass ein Junge mal so einen Satz sagen würde.
Ich war gegen meinen Willen beeindruckt. Ich schluckte stark.
„Ja, stimmt da hast du recht!“, murmelte ich verlegen.

Kapitel 19

Die Zeit verging echt ziemlich schnell. Es machte einfach tierisch spaß sich mit Bill zu unterhalten und ich bekam vor lauter Lachen bald schon Bauchschmerzen.
Bill und ich verstanden uns echt gut, ebenso wie Holly und Tom.
„Ja, und manche Fans, die in der ersten Reihe stehen, ziehen sich echt aus!“ Bill unterstrich seine Worte noch mal mit einem Nicken und ich zog ungläubig die Augenbrauen in die Höhe.
„Neee, oder? Wer macht denn so was?!“ Ich grinste schief und schüttelte den Kopf.
Bill zuckte die Schultern und verzog seine Lippen ebenfalls zu einem Lächeln.
„Wir haben halt die besten Fans!“
Ich prustete los und versuchte ihn missbilligend anzuschauen.
„Klar, dass ihr Jungs auf so etwas steht!“ Ich verzog das Gesicht. „Bäh!“
Bill grinste breiter und seine Augen begannen wieder so schön zu leuchten. „So ist das eben!“ Er machte eine lässige Handbewegung.
„Aber ihr findet es ja auch toll, wenn wir Jungs unsere tollen Bodys zeigen!“ Seine dunklen, schönen Augen schienen mich regelrecht zu durchbohren.
Mein Blick fiel nach unten auf seine Hand mit der er nun leicht sein T-Shirt umfasste und es ganz langsam immer weiter nach oben schob.
Ich erhaschte einen kurzen Blick auf seinen durchtrainierten, schönen Bauch und seine zarte, weiche Haut.
Nach wenigen Sekunden ließ er den Stoff wieder los, welcher seinen Bauch sofort wieder verdeckte.
Bill grinste mich schelmisch an und ich versuchte mich wieder irgendwie zu fassen. Peinlich.
Ich musste wohl nicht gerade Intelligent ausgesehen haben, als ich ihn so angestarrt habe.
„Siehst du, ihr seit ja auch nicht besser!“, zwinkerte er und ich spürte deutlich Hitze in mir aufkommen, welche sich sofort auf meinen Wangen auszeichnete.
Klasse.
Verlegen wendete ich meinen Blick von ihm ab und ließ meine Augen durch den Raum wandern. Wie schaffte Bill es immer, mich so aus der Fassung zu bringen?
Ich schaute kurz hinüber zu Holly und Tom, um zu sehen was die beiden in der letzten Stunde überhaupt so getrieben hatten. Als ich sie entdeckte stockte mir kurz der Atem.
Ich spürte einen großen Kloß im Hals und riss erschrocken die Augen auf.
Toms Körper war nach vorne gebeugt und gegen Holly gelehnt. Seine Hände wanderten über ihre Wangen und sein Kopf war nach unten gerichtet. Ihre Nasenspitzen berührten sich sanft und Hollys Augen waren schon halb geschlossen.
Zischend atmete ich ein.
„Was ist los?!“ Bill musterte mich fragend.
Ich konnte meinen Blick nicht von Holly und Tom abwenden.
„D-da!“, stotterte ich.
Bill drehte ich verwirrt um und schaute zu den beiden hinüber. Es war wohl echt nur noch eine Frage von Sekunden, bis sie sich endlich küssen würde.
Als Bill sich wieder von ihnen abwendete und mich an sah, bemerkte ich ein Grinsen in seinem Gesicht. „Wie süß!“
Ich jappste nach Luft. „Süß?!“, quietschte ich. „Das ist nicht süß, das ist eine Katastrophe!“
Mein Gegenüber runzelte die Stirn. „Warum?!“
Hilflos zuckte ich die Schultern und ruderte mit beiden Händen in der Luft herum.
„Weil ihr…ihr….ihr seit Tokio Hotel! Er…er spielt nur mit ihr und sie sehen sich nie und halb Deutschland liegt euch zu Füßen….ach was weiß ich!“
Ich konnte ihm ja schlecht die Wahrheit sagen.
Aber was bitte machte Holly da? Hatten wir nicht ausgemacht, sie auf keinen Fall zu nahe an uns heran zu lassen?
Wollten wir nicht einfach nur das Zimmer haben?
Verdammt, sie ruiniert alles.
Bill begann nun mich seltsam zu mustern und ich konnte seinen Gesichtsausdruck beim besten Willen nicht deuten.
„Du kennst ja meine Meinung dazu!“, sagte er nur.
Ich nickte kurz.
Wahre Liebe kann nichts aufhalten
Toll, was bringt mir das jetzt? Die beiden könnten doch irgendwie alles versauen, in 3 Wochen sind sie eh weg, genau wie wir dann und wir sehen sie nie wieder.
Würden wir ihnen zu nahe kommen, wären wir abhängig von ihnen. Müssten sie sehen, mit ihnen sprechen.
Ich will das nicht. Ich will unabhängig sein, für mich selbst zuständig sein. Allein.
Abgesehen von Holly. Sie ist immer für mich da, das weiß ich.
Ich schüttelte stark mit dem Kopf.
„Ich geh da jetzt zwischen!“, sagte ich entschlossen und erhob mich.
Bill sah mich erschrocken an und sprang ebenfalls auf.
„Nein!“
Ich schaute wieder zu dem eng umschlungenen Paar hinüber. Sie küssten sich.
„Doch!“, erwiderte ich bestimmt und wollte mich an Bill vorbeiquetschen. Dieser packte mich allerdings, nicht minder entschlossen am Arm.
„Lass mich los!“, fauchte ich und versuchte mich mit aller Macht zu befreien.
Sie sollen sich nicht weiter küssen, sie sollen aufhören.
„Lass sie doch!“ Zwischen Bill und mir entstand eine richtige Rangelei und wir stolperten leicht nach hinten.
Feste drückte er sich mit seinem Körper gegen meinen. Ich stieß mit dem Rücken gegen die Wand und war regelrecht gefangen.
„Bill hör´ auf, ich muss da rüber!“ Ich versuchte ihn wegzuschubsen doch er war einfach zu stark.
„Wenn sie sich mögen dann lass sie doch einfach!“
Sein Gesicht war ganz dicht vor meinem und ich konnte seinen heißen Atem an meiner Wange spüren. Seine großen, braunen Augen bohrten sich wieder in die meinen.
„Nein!“, wisperte ich leise und drückte meine Hände gegen meine Brust.
„Lass sie einfach… ich gönn es ihnen!“, hauchte Bill und drückte plötzlich ganz unvermittelt seine Lippen gegen meine.
Erschrocken riss ich die Augen auf. Seine Hände hielten meine nun umklammert und drückten sie ebenfalls gegen die Wand.
Was macht er da?

Kapitel 20

Ich spürte Bills Körper ganz eng an meinem. Wie er mich an die Wand presste.
Seine Lippen lagen sanft auf meinen und ich spürte ein kleines Kribbeln von ihnen ausgehen. Sein heißer Atem stieß gegen meine Haut und seine Hände drückten mich immer fester und hielten mich in Schacht.
Ich war einfach zu perplex um in den ersten Momenten zu reagieren.
Ich fühlte nur seine leicht pulsierenden, warmen Lippen und das Herzklopfen. Seine Körperwärme.
Meine Augen waren vor Überraschung geweitet und ich bemerkte, dass er seine geschlossen hielt.
Als seine feuchte Zunge dann plötzlich meine Unterlippe entlang fuhr zuckte ich zurück.
Endlich erwachte ich wieder aus meiner Erstarrung.
Grob stieß ich ihn von meiner, da er wohl überhaupt nicht damit gerechnet hatte, taumelte er leicht zurück.
Ich schüttelte kurz den Kopf, wie um mich wieder zur Besinnung zu rufen.
Meine Lippen prickelten immer noch und mein Herz raste. Stumm schaute ich Bill an, der wie angewurzelt vor mir stand und meinen Blick erwiderte.
Holly und Tom waren ganz vergessen.
„W-was sollte das?!“, stotterte ich dann irgendwie heißer. Meine Stimme klang so rau, als hätte ich sie seit Tagen nicht mehr benutzt.
Bill schluckte stark. „Na ja…ich…ich dachte du wolltest es auch!“ Verlegen fuhr er sich durch die Haare und schien mich mit seinen dunklen Augen fast zu durchbohren.
Ein hauchzartes Rosa hatte sich auf seiner blassen Haut auf den Wangen verteilt.
Ich atmete zischend ein.
Wollte ich das? Nein.
Ich will nicht wie Holly enden. Ich will unabhängig sein. Alleine. Auf mich gestellt.
„Also eigentlich…“ Ich spürte ebenfalls Hitze in mir auf kriechen.
Bills Augen leuchteten erwartungsvoll auf und glitzerten wieder so schön. Verlegen schaute ich zu Boden.
Wie konnte ich ihm denn jetzt einfach mal sagen, dass ich nicht von ihm geküsst werden will? Am besten grad nach einer schönen Einleitung, in der ich ihm mitteile, dass ich nur mit ihm geredet habe, weil ich das Zimmer wollte. Und ja jetzt auch habe. Gott sei dank.
Anscheinend schien er mich aber echt zu mögen.
„Hey, na ihr beiden, was steht ihr denn so hier rum?!“ Zum ersten Mal in meinem Leben war ich froh Toms Stimme zu hören.
Er und Holly standen plötzlich wie aus dem Erdboden gestapft neben uns. Eng umschlungen.
Holly hatte sich feste an Tom gekuschelt.
Mit funkelnden Augen blickte ich vorwurfsvoll und anklagend zu ihr hinüber, doch sie wisch mir aus. Ihre Haare fielen ihr wie ein Vorhang vors Gesicht, da sie beschämt zu Boden blickte.
Tom hingegen schaut neugierig, fast überheblich, drein und schien richtig stolz auf seinen neuesten Fang zu sein.
„Ach wir…haben geredet!“, antwortete Bill ausweichend und warf mir einen kurzen Blick zu.
Ich kommentierte es nur mit einem zustimmenden Nicken und kreuzte dann die Arme.
„Wie langweilig!“, meinte Tom. „Wir hingegen waren mit etwas…besserem beschäftigt!“ Tom begann schelmisch zu Grinsen und ich spürte deutlich Wut in mir hochkommen.
Ja, ich habe gesehen mit was ihr beschäftigt wart!
Grollend schaute ich mit einem desinteressierten Blick in eine andere Richtung.
Tolle Freundin!
„Mh ja….“ Bill wusste auch nicht so recht, was er darauf antworten sollte.
„Wollen wir dann langsam mal gehen? Es gibt bestimmt gleich Abendessen!“, wechselte er das Thema und warf mir wieder einen kurzen Blick zu.
Der soll mich nicht so anschauen. Ich will nix von ihm. Ich will alleine sein.
Trotzdem nickte ich zustimmend. Ich hatte keine Lust mehr hier herum zu hängen.
„Gut, dann gehen wir jetzt vielleicht alle noch mal in unsere Zimmer, machen uns fertig und so und dann sehen wir uns gleich unten in der Halle?!“, fragte Bill, mich dabei anblickend.
„Ja, gut bis dann!“, antwortete ich und schaute Holly auffordernd an.
„Bis gleich dann!“, hauchte Tom zu meiner Freundin hinunter und legte seine Lippen kurz auf ihre.
Ich war kurz vorm explodieren, hielt mich aber mit viel Mühe zurück. Bills bezähmende Blicke waren nicht gerade hilfreich dabei. Er erinnerte mich nur wieder an den Kuss, den er mir eben aufgedrückt hatte, was mich nur noch wütender machte.
„Tschau!“, flüsterte Holly noch und löste sich dann auch von Tom.
Widerstrebend folgte sie mir durch den Raum, durch die Tür, entlang dem Flur.
Vor dem Aufzug blieb ich dann stehen und drückte auf dem großen Knopf.
Ich schwieg.
Holly trippelte nervös von einem Fuß auf dem anderen und blickte betreten zu Boden.
Sie wusste, was sie getan hatte und doch war ich sicher, dass sie es nicht bereute.
Sie mochte Tom ziemlich.
Sie wollte ihn küssen und mit ihm zusammen sein.
Wenn sie denkt…
Ich finde das nicht gut. Ich finde es absolut scheiße.
Vor allem, weil ich mich auch grad mit Tom nicht so gut verstand. Er war ein Idiot.
Genau wie Holly.
Ich war echt ziemlich sauer auf sie. So was hätte ich nicht wirklich von ihr gedacht, wobei sie ja noch immer beteuert hatte, so was würde nicht passieren.
Und jetzt??

Kapitel 21

„Chiara?!“
Ich schaute stur weiter geradeaus. Meine Augen waren angestrengt auf irgendeinen Punkt an der Wand gerichtet.
Ich hatte mich entschlossen nicht mehr mit ihr zu reden und sie mit Ignoranz zu strafen. Sie hatte mich ja auch sozusagen ignoriert. Wir hatten ausgemacht, den beiden nicht zu nahe zu kommen und uns nur das Zimmer unter den Nagel zu krallen. Und was ist jetzt?
Am schlimmsten fand ich ja noch, dass sie mir vor ein paar Stunden noch beteuert hatte, auf keinen Fall in Tom verliebt zu sein und irgendetwas mit ihm anzufangen oder so.
„Chiara?!“
Ich verschränkte die Arme und sprang dann so schnell es ging aus dem Fahrstuhl, als dieser gerade die Türen öffnete.
Meinetwegen. Soll sie doch mit Tom glücklich sein. Dann ist wenigstens sicher, dass wir das Zimmer behalten dürfen und ich muss mich nicht mehr mit diesem Bill abgeben. Und auch nicht mehr mit Tom, der mich ja nicht leiden kann und den ich auch nicht mag.
Aber dann soll sie nicht von mir erwarten, dass ich einfach darüber hinweg sehe, was sie tut bzw. getan hat und wir einfach wieder ganz normal miteinander umgehen wie früher.
„Es tut mir leid!“ Holly musste leicht laufen um bei meinen schnellen Schritten mitzuhalten.
Ihre Locken hüpften wie wild auf ihren Schultern herum und in ihrem Gesicht lag ein flehender Ausdruck.
„Das sollte es auch!“, zischte ich zurück, biss mir aber augenblicklich wieder auf die Zunge.
Wie war das mit dem ignorieren?
“Chiara, jetzt tu nicht so, als hättest du nicht von Anfang an gewusst, dass ich mich zu ihm hingezogen fühle!“ Holly wedelte mit ihren Händen in der Luft herum und redete weiter auf mich ein, während ich einfach nur geradeaus blickte.
„Du hast mir aber gesagt, dass er dir egal ist und da garantiert nie was zwischen euch laufen wird!“, gab ich zurück. „Du hast mich angelogen!“ Meine Stimme klang anklagend.
Sie hatte es mir gesagt.
Seine beste Freundin lügt man nicht an! Ich hab gedacht wir sind immer ehrlich zueinander.
Aber da hatte ich mich wohl getäuscht…
„Ich wollte es ja erst auch selber nicht wahrhaben, dass ich ihn toll finde. Außerdem weiß ich, dass du das nicht gut gefunden hättest und mich wahrscheinlich noch irgendwie von ihm ferngehalten hättest!“ Holly runzelte die Stirn. „Kannst du das nicht auch nur ein kleines bisschen verstehen?!“
Ich schüttelte hektisch den Kopf und zog die Augenbrauen zusammen. „Nein, ich verstehe nicht warum du dich in diesen arroganten Trottel verknallt hast!“
Wäre sie in Bill verknallt, okay. Der ist ja ganz okay und ist nett und sieht gut aus und so. Aber Tom? Dieser Macho? Der alles flachlegt, was nicht bei 3 aufm Baum ist?
Nein, da hört mein Verständnis echt auf!
„Du magst Bill doch auch! Ich seh´ doch, wie du ihn immer anschaust!“, konterte Holly nun und blieb neben mir vor unserer Tür stehen. Ich machte eine auffordernde Geste woraufhin sie dann den Schlüssel aus ihrer Tasche holte.
„Und das kannst du jetzt nicht leugnen! Du bist auch kurz davor, dich in Bill zu verknallen!“
Empört riss ich den Mund auf. „Na hör mal! Ich verknall mich ganz bestimmt nicht in den! Ich halte meine Worte! Du weißt genau, dass ich nur so nett war, weil ich das Zimmer wollte! Ich hab ihn nur verarscht…wie du mich verarscht hast!“
Ich stolzierte an Holly vorbei ins Zimmer.
Ich und in Bill verlieben… ja klar! Ich hab ja auch nichts Besseres zu tun. Pff…Frechheit!
„Ach nein?!“ Holly stand nun wieder schief grinsend vor mir und ich verdrehte die Augen.
Konnte das Mädel mich nicht einmal in Ruhe lassen?
“Ich wette mit dir, noch innerhalb der nächsten 2 Wochen bist du ihm vollkommen verfallen!“
Ich hob eine Augenbraue in die Höhe.
„Träum weiter!“
Ich würde mich nie im Leben in den verlieben. Egal was Holly hier behauptete. Sie kann reden bis sie schwarz wird. Ich bin trotzdem noch sauer auf sie und werde mich nie im Leben in Bill verlieben!
„Na gut…ich wette trotzdem, sobald du noch mehr mit ihm zu tun hast, verliebst du dich in ihn…und er mag dich ja jetzt schon ziemlich…der würde sicher einiges für dich tun und da kannst du dann nicht mehr widerstehen!“
Holly verschränkte die Arme und blickte mich abwartend an. Ich schüttelte nur den Kopf.
Hatte die irgendetwas genommen? Wie kommt das Mädel auf so einen Schwachsinn?
“Und ich wette, das passiert nicht!“, antwortete ich nur und stampfte in mein Bad um meine Haare etwas zu richten, da wir ja gleich zum Abendessen gehen würden.
„Gut dann beweis es!“, forderte Holly, woraufhin ich nur schief grinste. Nichts leichter als das.
„Okay, wie denn?!“
Holly wiegte den Kopf hin und her und verzog ihre Lippen dann zu einem kleinen Lächeln.
„Lass ihn an dich ran, tu so als würdest du auf ihn stehen… und spätestens dann, wenn er dir jeden Wunsch von den Augen abließt, bist du ihm verfallen!“
Ich schaute sie einige Sekunden nur stumm an und dachte nach. Eigentlich ja richtig fies. Bill scheint mich echt wirklich zu mögen, was ich nach dem Kuss von eben nun einfach mal behaupte, und da kann ich doch nicht einfach so mit ihm umgehen?
Andererseits… jeden Wunsch von den Augen ablesen? Das hört sich gar nicht schlecht an…
Ich grinste.
„Abgemacht!“, sagte ich und schlug in Hollys Hand ein. Das wird Klasse…

Kapitel 22

„Okay, also ich bin fertig! Und du?!“
Holly steckte ihren Kopf in mein Bad. Ich sprühte noch schnell eine letzte Ladung Haarspray auf meine Haare und drehte mich dann nickend zu ihr um.
Wir hatten uns nun auf einen Waffenstillstand geeinigt und wie es weiter gehen sollte, mit unsere Freundschaft und so, würde dann die Wette entscheiden. Wenn ich mich echt in Bill verlieben würde, was ich aber ganz bestimmt nie machen würde, hätte ich keinen Grund mehr auf Holly sauer zu sein.
Aber da ich die Wette eh gewinnen werde, werde ich bald wieder sauer auf sie sein.
„Na dann wollen wir mal!“ Holly schnappte sich den kleinen Schlüssel von dem Tresen und riss die Holztür auf, die in den Flur führte.
Ich folgte ihr mit leicht missbilligender Miene.
„Kannst es wohl kaum erwarten, deinen Tom wieder zusehen, was?!“, feixte ich.
Ich verschränkte die Arme und sah meiner Freundin mit hochgezogenen Augenbrauen dabei zu, wie sie unser Hotelzimmer hastig zuschloss und dann an mir vorbei hastete.
„Ja na und? Jetzt komm schon!“, befahl sie mir nur und ich trottete seufzend hinter ihr her.
Die hat sie ja nicht mehr alle.
Wie kann man nur so komisch drauf sein, wegen einem Jungen? Wegen Tom?
Also mir wird das garantiert nie im Leben passieren.
Ich bin Immun gegen so etwas. Ich kann gar nicht lieben, dank meinem Vater.
Sofort durchzog eine eisige Gänsehaut meinen Körper. Wie ich ihn doch hasse…
Aber das musste ich jetzt nur noch Holly beweisen. Und dafür brauchte ich Bill. Wie konnte ich ihn jetzt unauffällig klar machen, dass ich doch eventuell Interesse an ihm hätte?
Dabei hatte ich ihn vorhin doch ganz schön abblitzen lassen…
Na ja Mädchen sind halt so. Stimmungsschwankungen. Ich sag einfach ich hatte meine Tage, dann versteht er das schon.
„Komm, wir nehmen die Treppe, das geht schneller!“, riss Holly mich plötzlich aus meinen Gedanken und ging nach rechts, anstatt nach links wo der Aufzug war.
Ich zog beide Augenbrauen zusammen.
„Pf, also ich fahr mim Aufzug!“, sprachs und ging nach link.
Holly seufzte nur als Antwort und hüpfte wie auf Wolken die Treppe hinunter.
Kopfschüttelnd stieg ich in den Aufzug. Die ist echt verliebt. Und komplett durchgeknallt.
Tom…was soll an dem so besonderes sein?
Holly saß dann natürlich schon bei den Zwillingen am Tisch, als ich ankam – neben Tom.
War ja eigentlich klar gewesen. Irgendwie kam ich mir schon etwas blöd vor.
Kaum hat die beste Freundin sich in irgendeinen Macho verknallt vergisst sie einen. Denkt nur noch an Tom. Will nur noch zu ihm…und was ist mit mir???
„Hey!“, überspielte ich meine schlechte Laune mit einem Lächeln und ließ mich neben Bill auf den Stuhl fallen.
Wie immer zeigt Tom keine Reaktion, außer dem abwertenden Blick, den er mir schenkte.
Bill jedoch verzog seine Lippen ebenfalls zu einem Grinsen und sah mich mit einem funkeln in den Augen an. „Hi, da bist du ja!“, meinte er.
Okay, denk dran. Er muss sich in dich verlieben, dir jeden Wunsch von den Augen ablesen, mit dir zusammen sein…
„Ja, ich war zu faul die Treppe zu nehmen!“, zuckte ich die Schultern und hielt Bills Blick so gut es ging stand.
Wie immer spendeten die riesigen Kronleuchter über uns mehr als genug Licht und der Tisch vor uns war wirklich vornehmen gedeckt. Ich wusste gar nicht, was wir mit dem ganzen Besteck anstellen sollten.
Georg und Gustav hatten sich mit David und ein paar anderen Leuten an den Tisch in einiger Entfernung von uns gesetzt.
„Wäre ich auch gewesen!“ Bill zwinkerte mir zu und ich schenkte ihm nur wieder ein Lächeln.
Ich griff nun quer über den Tisch, um mir die Wasserflasche zu nehmen und mir etwas einzuschütten. Wie zufällig berührte ich dabei Bills Hand, die auf dem Tisch lag.
Ich spürte, wie er leicht zusammen zuckte.
Gutes oder schlechtes Zeichen?
Eine Unterhaltung kam eher schleppend zugange, da Tom und Holly mehr mit sich selbst beschäftigt waren und Bill und ich nicht wirklich ein Gesprächsthema hatten.
Während ich noch fieberhafte überlegte, wie ich ihn unauffällig zeigen konnte, dass ich den Kuss doch ganz schön fand, spielte er nur mit einem seiner vielen Ringe herum und starrte Löcher in die Luft.
Ich war wirklich erleichtert, als ein Kellner kam, um unsere Bestellungen aufzunehmen.
„Man ich hab echt voll Hunger!“, sagte ich nachdem wir alle bestellt hatten und der Kellner sich wieder entfernte.
„Ja, du hast immer Hunger!“, kommentierte Holly meinen Satz und grinste.
Ich warf ihr nur einen giftigen Blick zu. Wenn sie mich mal beachtete und mit mir redete, sagte sie nicht gerade tolle Sachen.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Bill ein Mädchen mochte, dass ständig Hunger hatte und in paar Jahren vielleicht wie ein Walross aussehen würde.
Danke, meine allerbeste Freundin… langsam glaube ich echt, dass du und Tom perfekt zusammen passt.

Kapitel 23

„Und wann willst du eigentlich zu deinem Bruder?!“, fragte Bill mich und stocherte leicht in seinen Nudeln herum.
Ich warf ihm einen kurzen Blick zu. „Morgen oder so, denke ich mal…“, erwiderte ich ausweichend und biss von einer meiner Kroketten ab.
Wow, da freu ich mich aber, wenn ich morgen echt hier irgendwo in Hamburg rum laufen darf, damit Bill auch glaubt, dass ich meinen Bruder besuche…
„Holly kommst du dann mit?!“, wendete ich mich an meine Freundin.
Die Lüge hatte ihr schließlich auch geholfen. Dank meinem „Bruder“ würden wir noch 3 Wochen hier bleiben. Also wäre doch wohl von Holly zu erwarten, dass sie mitkommt?
„Ehm, ne sorry, aber ich denke, ich werde bei Tom bleiben!“
Ohne auch nur den Blick von ihm abzuwenden hatte sie das gesagt.
Wirklich…herzlichen dank! Liebe macht echt blind…
„Super!“
Mir war wirklich nicht anzumerken, dass ich böse auf sie war. Meine giftigen Blicke nahm sie glaube ich gar nicht erst wahr… zu sehr mit Tom beschäftigt.
„Ja, was soll sie auch bei deinem Bruder?!“ Tom war nett wie eh und je.
Seufzend und angesäuert wendete ich mich wieder meinem Essen zu.
Blöde Kuh.
Warte ab, wenn Tom weg ist…wen hast du dann? Das hätte ich echt nie von dir gedacht.
„Wenn du magst kann ich mitkommen…wir fangen erst gegen Abend mit den Aufnahmen an!“, bot Bill mir hilfsbereit an.
Ich verschluckte mich erst mal und hustete kräftig los.
Bloß nicht!
„Ach, brauchst du nicht! Du hast bestimmt auch noch anders zu tun…“, entgegnete ich zögernd.
„Würd mir aber nichts ausmachen!“
Bill war echt lieb. Besser wie Holly…
Plötzlich klingelte es in meinen Ohren. Er war wirklich nett… die Wette zu gewinnen dürfte echt kein Problem darzustellen. Wenn Bill nicht irgendwie in mich verknallt ist, weiß ich auch nicht weiter.
„Nein, aber trotzdem danke…wie wärs, wenn wir nach dem Essen noch bisschen an die Bar gehen?!“, schlug ich letztendlich vor. Das wird meine Chance…
„Klar, gerne!“
„Wir kommen aber nicht mit!“, meldete Tom sich zu Wort und schlang seinen Arm enger um Holly. „Und Holly schläft übrigens heute bei mir!“
Ich spürte ein seltsames stechen in der Brust. Dieser Tom nahm mir echt meine beste Freundin weg. Die einzige Person, die ich hatte. Der ich vertraute. Die mich mochte, so wie ich bin.
„Na dann wünsch ich viel spaß!“
Beleidigt kreuzte ich die Arme und starrte auf meinen Teller.
Irgendwie war mir der Appetit vergangen – und das sollte schon was heißen.
„Werden wir haben!“
Ich hasse diesen Tom…und wie. Dass der mit Bill verwandt ist…kaum zu glauben!
Nach Bills merkwürdigen Blick zu urteilen, dachte der wohl gerade dasselbe…
„Ich geh schon mal an die Bar!“ Abrupt stand ich auf.
Holly schaute nun auch mal leicht verwundert zu mir auf.
Ja, ich bin auch noch da.
„Warum?!“, fragte Bill irritiert.
„Keinen Hunger mehr!“, gab ich nur zurück und drehte mich um.
Ich konnte das nicht länger ertragen.
Was für ein Mist. So langsam wünschte ich mir, jetzt doch lieber irgendwo auf der Straße zu hocken als hier. Bei Tom, der mir meine Freundin klaute.
Aber das schlimmste war, dass sie sich auch noch darauf einließ.
Ich war ihr anscheinend vollkommen egal.
Sie ignorierte mich.
Okay, sie war verliebt…aber ist das ein Grund?
Ich hasse mein Leben….

Kapitel 24

Mit mürrischem Blick rührte ich in meinem Cocktail herum. Um mich herum waren nicht viele Leute, die Meisten waren noch beim Abendessen.
Die Augen des Kellners wenige Meter von mir entfernt wanderten immer wieder misstrauisch und abschätzend zu mir hinüber, doch ich achtete nicht groß auf ihn.
Noch immer war ich ziemlich sauer. Auf Holly. Ich fand, dass man sich so nicht als beste Freundin verhalten konnte.
Sie wusste genau, wie schlimm es in meiner Familie zuging und wie sehr ich einen Menschen brauchte, dem ich vertrauen kann. Ihr konnte ich es ganz offensichtlich nicht. Sie ließ mich alleine.
Aufgrund eines Jungens, der nicht mal gut aussah, geschweige denn nett war.
Ich seufzte einmal kurz leise und nippte an meinem Drink. Der Kellner runzelte die Stirn über mich doch ich schenkte ihm nur einen kühlen Blick.
Man sollte am besten gar nichts mit Menschen zu tun haben, sie verletzen einen nur. Niemand ist da anders.
„Hey Chiara! Na? Wie ich sehe scheinst du dich ja schon ganz schön zu amüsieren!“ Plötzlich stand Bill mit einem kleinen Lächeln neben mir und ließ sich auf einen freien Hocker fallen.
Mir huschte nur ein müdes Grinsen übers Gesicht. „Klar!“, antwortete ich nur und hob kurz mein Glas an, um ihm zu zuprosten.
Bill schüttelte kurz den Kopf und bestellte sich dann dasselbe.
„Dir geht’s wohl nicht so gut oder?!“, fragte der Schwarzhaarige und schien mich genau aus seinen dunklen Augen zu mustern.
Ich zuckte die Schultern. „Mir gings nie besser, wieso?!“, hörte sich wirklich überzeugend an. Die zusammen gekniffenen Augen und die genervte Körperhaltung unterstrichen meine Worte nur noch mehr zu seiner Falschaussage.
„He, was ist denn los? Mit mir kannst du ruhig reden!“ Bill hob langsam eine Hand und fuhr mir kurz vorsichtig über den Rücken. Ich spürte, wie sich mein Körper anspannte und wollte ihn eigentlich weg schlagen, doch ich riss mich zusammen, da mir die Wette wieder in den Sinn kam.
Würde ich sie gewinnen, wird er Holly schon merken, wie dumm sie sich benahm. Aber dann war es vielleicht leider schon zu spät.
„Ach es ist nichts!“, wich ich der Frage unbehaglich aus und senkte den Kopf ein wenig tiefer.
Der ebenfalls mies gelaunt aussehende Kellner knallte Bill seinen Drink vor die Nase. Bill wartete, bis er weg war, um sich dann wieder mir zu zuwenden.
„Ja, das sehe ich!“, er schnaubte kurz auf. „Ich merke doch genau, dass mit dir was nicht stimmt!“ Bill nahm einen Schluck aus seinem Glas und rückte ein Stück näher zu mir. „Also?!“
Man, was sollte ich ihm denn sagen? Dass wir sie nur verarscht hatten, ich keinen Bruder habe und nur in diesem Hotel wohnen bleiben will, da ich von zu Hause abgehauen bin?!
Bill würde bestimmt sofort wieder dafür sorgen, dass Holly und ich wieder zurück nach Hause kämen. Und das wollte ich unter gar keinen Umständen.
„Es ist nur wegen Tom und Holly. Holly ignoriert mich völlig, seit sie und Tom… na ja und jetzt will sie nicht mal mit zu meinem Bruder und ich habe nun mal Angst…meine beste Freundin zu verlieren!“ Die halbe Wahrheit tats auch.
Bill runzelte leicht die Stirn und legte den Kopf zur Seite. „Hey!“, flüsterte er leise und beruhigend und legte den Arm nun vollständig um mich.
Sein süßlicher Duft stieg mir in die Nase und ich musste schlucken.
„Sie sind doch heute erst zusammen gekommen und natürlich wollen sie sich da auch sehen… Holly vergisst dich schon nicht! Glaub mir, das ist nur vorübergehend!“
Na, da war ich mir aber nicht wirklich so sicher.
Holly hatte sich noch nie so verhalten. Sie war echt verrückt nach diesem Tom. Und das war nicht gut. Das war ganz und gar nicht gut.
„Ach ich weiß nicht!“, murmelte ich leise vor mich hin und lehnte meinen Kopf gegen Bills starke Schulter.
Seine Hand strich mir immer noch über den Rücken.
„Das wird schon! Ich bin ja auch noch da!“
Ich spürte wie sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen ausbreitete.
Ja Bill, dich werde ich schon noch kriegen. Ich werde die Wette da gewinnen und beweisen, dass ich mich nicht in dich verliebe. Holly wird noch einsehen, wie falsch sie liegt und was sie jetzt alles aufs Spiel gesetzt hat.

Fortsetzung folgt

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