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Spring Nicht



Über den Dächern
Ist es so kalt und so still
Ich schweig deinen Namen
Weil du ihn jetzt nicht hören willst
Der Abgrund der Stadt
Verschlingt jede Träne, die fällt
Da unten ist nichts mehr,
Was dich hier oben
Noch hält


Wieder steht sie da.
In der Dunkelheit zeichnen sich ihre unklaren Umrisse ab.
Obwohl es ein ruhiger Sommerabend ist, weht ihr doch ein eiskalter Wind ins Gesicht. Das dunkle Haar wirbelt sich um ihre blauen Augen.
Schweigend sieht sie auf die ruhige Stadt hinunter.
Das blass Rosa am Himmel weicht einem dunklen Violett und taucht das ganze schon fast in eine gespenstische Atmosphäre.
Die Bäume um sie herum rascheln leise vor sich hin und biegen sich leicht im Wind. Undeutlich dringt ihr das Plätschern des nahe gelegenen Flusses ins Ohr.
Diese Ruhe tut ihr gut. Endlich ist sie wieder alleine. Endlich kann sie wieder nachdenken. Endlich…
Lange kann sie dieser Last nicht mehr standhaltend. Immer weiter wird sie von ihr niedergedrückt. Sie raubt ihr die Luft zum atmen, zum Leben.
Sie fühlt sich gefangen, in ihren eigenen Gefühlen. Sie schnüren ihr den Brustkorb zu und verknoten ihr den Magen.
Immer weiter muss sie leiden…
Zum ersten Mal seit Tagen, seit Wochen fühlt sie sich wenigstens etwas befreit.
Hier oben, außerhalb von all dem, was sie belastet.
Weg von ihm
Ihm, wegen wem es ihr überhaupt erst so schlecht geht.


Ich schrei' in die Nacht für dich
Lass' mich nicht im Stich
Spring nicht
Die Lichter fangen dich nicht
Sie betrügen dich
Spring nicht
Erinner dich
An dich und mich
Die Welt da unten zählt nicht
Bitte Spring nicht


Plötzlich rinnen ihr, heiße Tränen über die Wangen. Perlen in großen Tropfen an ihrem Kinn ab und fallen vor ihr auf die Felsen.
Sie schmeckt, die salzigen Tränen im Mund.
Ihre Augen brennen.
Nichts ist mehr so, wie es mal war. Alles hat sich verändert.
Der Himmel über ihr verfärbt sich immer dunkler und die Luft wird immer Kälter. Ein Schauer zieht durch ihren Körper.
Trotzdem bleibt sie wie angewurzelt stehen. Es ist ihr egal. Sie hat schon so viel gelitten.
Wieder blickt sie hin ab auf das Meer an Lichtern.
Vor ihr erstreckt sich der klaffende Abgrund der kleinen Klippe. Felsen und Steine zieren die Gegend.
Ihre Hände zittern. Ihr Körper bebt.
Was soll sie tun?
Sie liebt ihn doch…


Flashback

Sanft spürt sie seine zarten Lippen auf ihren.
Seine Hände wandern immer weiter unter ihr Top und verwöhnen dort ihre nackte Haut.
Gierig schnuppert sie seinen süßlichen Duft ein.
Jede Faser ihres Körpers genießt diese innigen Berührungen und schreit nach mehr.
„Maggie?!“ Deutlich spürt sie seinen heißen Atem auf ihrem Gesicht. Eine Gänsehaut durchzieht ihren Körper. Ihr Herz klopft unkontrolliert immer schneller.
Im Zimmer ist es ganz dunkel. Die Rollos sind hinunter gezogen und es gibt auch keine anderweitigeren Lichtquellen.
„Ich liebe dich!“
Wieder spürt sie seine Lippen auf ihren. Langsam fährt sie ihm mit einer Hand über die Wange und betastet seine zarte, weiche Haut.
Ihre Beine sind miteinander verharkt.
Deutlich genießen sie die Nähe des anderen.
„Ich liebe dich auch, Bill!“
Eng spürt sie seinen Körper an ihrem gerieben.
Ihr wird von Sekunde zu Sekunde wärmer und seine Hände scheinen überall zu sein. Befühlen ihren Körper, streicheln sie, liebkosen sie…
Die Luft im Zimmer scheint immer weniger und stickiger zu werden.
Glänzende Schweißperlen bilden sich auf ihrem Körper.
„Ich will dich nie verlieren…das…das würde ich nicht aushalten!“ Mit einem Zittern bricht Maggies Stimme ab. Sie spürt, wie ihr Körper sich versteift und ihre Hände sich, wie automatisch, in das T-Shirt ihres Freundes krallen.
Zärtlich streicht dieser ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. Feste sehen sie sich in de Augen.
Maggies Herz rast. Diese Haselnussbraunen Augen scheinen sie zu durchbohren. Sie muss zurück schauen. Ist wie befangen, von diesem glänzenden tiefbraun.
„Ich auch nicht…ich werde immer bei dir bleiben!“ Seine Augen funkeln.
Eine kurze bedrückende Stille herrscht. Das leise ticken der Uhr ist vernehmlich im Zimmer zu hören. Draußen bellt irgendwo ein Hund.
Ein kleines Lächeln tritt auf Maggies Lippen. Langsam sickern seine Worte zu ihr durch und fließen durch ihren ganzen Körper.
„Danke!“, haucht sie leise.
Sie werden immer zusammen bleiben, denkt sie. Sie werden sich immer lieben, denkt sie. Sie werden immer gemeinsam glücklich sein, denkt sie….weil sie ihm glaubt…

Flashback Ende

Das helle Licht des Vollmonds spiegelt sich in ihrem bleichen Gesicht wider.
Der Himmel wird von Sekunde zu Sekunde immer dunkler. Eisiger Wind peitscht ihr die Haare aus dem Gesicht.
Hinter ihr ist die leere, einsame Straße. Kein Auto befährt sie. Kein Lastwagen. Kein Motorrad. Heute scheint alles wie ausgestorben zu sein.
In ihr scheint alles wie ausgestorben. Wie leer. Wie tot.
Nichts gibt mehr einen Sinn.
Wild wirbeln die vertrockneten Blätter um ihre Füße. Die Bäume neigen sich immer mehr zur Erde. Tausend Sterne funkeln am tiefdunklen Himmel.


In deinen Augen
Scheint alles sinnlos und leer
Der Schnee fällt einsam
Du spürst ihn schon lang nicht mehr
Irgendwo da draußen
Bist du verloren gegangen
Du träumst von dem Ende
Um noch mal von vorn anzufangen


Die vielen Lichter unter ihr verschwimmen langsam vor ihren Augen und bilden eine fließende Einheit.
Ihr gesamter Körper zittert unter der Last der eisigen Kälte.
Das schwarzhaarige Mädchen scheint immer mehr in der Dunkelheit zu versinken. Kleine, weiße Staubwölkchen treten aus ihrem Mund hervor und steigen dem Himmel empor.
Ihre Schläfen pochen vor Kälte und ihr Hals fühlt sich an, als würde ein riesiger Eiswürfel darin feststecken. Die schimmernden Tränen auf ihrer Wange drohen gleich zu gefrieren.
„Warum?!“ Ihre Stimme ist nicht mehr als ein Hauchen. Die Dunkelheit verschluckt das Wort und gibt ihr keine Antwort.
Regungslos steht sie immer noch an dem kleinen Felsvorsprung und lässt sich seine Worte von Früher durch den Kopf gehen.
Immer wieder stellt sie sich diese Frage. Ihre Lippen zittern.
„Warum?!“
Hätte er sie wirklich geliebt, hätte er nicht einfach aufgeben…hätte er sie nicht einfach aufgegeben, hätte er ihre Liebe nicht einfach aufgegeben.
Warum tut er ihr so weh?

Ich schrei' in die Nacht für dich
Lass' mich nicht im Stich
Spring nicht
Die Lichter fangen dich nicht
Sie betrügen dich
Spring nicht
Erinner dich
An dich und mich
Die Welt da unten zählt nicht
Bitte spring nicht


Flashback

„Wo bleibst du denn?!“
Ungeduldig steht er am Treppenabsatz und schnalzt mit der Zunge. Seine Hände sind tief in den Hosentaschen vergraben und sein Blick ist nach oben gerichtet.
Maggie folgt dem Rufen ihres Freundes und wendet sich vom Spiegel ab. Langsam kommt sie die Treppe hinunter, mit einer leicht an genervten Miene.
„Was hetzt du denn so? Der Club läuft uns schon nicht weg!“
Mit gesenktem Blick schnappt sie sich die kleine schwarze Handtasche von der Empore und wendet sich dann der Tür zu.
Draußen herrscht ein, schöner, klarer Sommerabend mit angenehmen Temperaturen.
„Schon klar, aber wir sind mit den anderen verabredet!“
Bill reißt die Haustür auf und tritt hinaus auf den kleinen Hof.
Sie folgt ihm nach draußen, wo ihr auch grad schon die angenehm warme Luft entgegen schlägt. Genießerisch atmet sie die frische Luft tief ein.
„Ach so, natürlich. Emily dürfen wir ja nicht warten lassen!“ Sie verdreht die Augen.
Emily, seine beste Freundin.
Sie würde es nicht wundern, wenn da nicht schon mal mehr gelaufen ist.
„Man Maggie!“ Er verdreht jetzt ebenfalls die Augen und schlendert ohne auf sie zu warten schon mal die lange Auffahrt entlang.
„Du weißt doch, dass wir nur Freunde sind!“
Sie folgt ihm mit verschränkten Armen. Ja, eigentlich müsste sie das wissen. Wie oft haben sie schon da rüber geredet? Wie oft haben sie in letzter zeit schon da rüber gestritten?
In ihrer ganzen Beziehung ging es in der letzten Zeit nur noch ums Streiten. Ständig waren sie voneinander genervt und zickten sich an.
Jeden Tag treffen sie sich ausschließlich nur um dann abends im krach auseinander zu gehen. Es ist schon eine ganze Weile her, seit die beiden das letzte Mal Zärtlichkeiten ausgetauscht haben.
Wie automatisch nimmt er ihre Hand, während sie nebeneinander die Straße zum Club entlang schlendern. Zwischen ihnen herrscht eine kühle Atmosphäre.
Dabei will sie das gar nicht…sie liebt ihn doch!
Was macht sie nur falsch?

Flashback Ende

Ein feiner, dichter Nebel legt sich über das kleine Dorf. Es scheint immer tiefer in dem großen Abgrund zu versinken.
Der steile Abhang scheint auf sie immer verlockender zu werden. Einzelne Steine lösen sich geräuschvoll von der Wand und segeln hinunter.
Der Wind beginnt immer fester und stärker zu blasen.
Die Bäume neigen sich immer mehr gen Abgrund. Geräuschvoll biegen sich die Äste.
Sanfter Regen prasselt auf sie nieder und vermischt sich mit ihren Tränen.
Ihre Augen sind krampfhaft zusammen gekniffen und verhindern den Blick auf den anziehenden Abhang.
Es würde so gut tun, wenn sie es täte.
Kein Leiden mehr. Kein Schmerz. Keine Angst.
Alles wäre gut.
Langsam blinzelt sie.
Der Regen verschleiert ihr den Blick.
Eiskalt fühlt er sich an. Rinnt ihr an den Schläfen entlang übers Kinn.
Unscharf sieht sie die Klippe vor sich. Der Regen prallt an den Steinen und Felsen ab.
Resigniert sieht sie ihm zu, wie er nach unten fällt.
Sie will ihm folgen. Will auch nach unten. Es endlich beenden.
Hinter sich vernimmt sie die wagen Geräusche von Schritten, als sie wieder ein Stück weiter nach vorne geht. Es ist nicht mehr viel. Nur noch wenige Zentimeter trennen sie von der Erlösung.
Sie kann ihn endlich vergessen. Löscht ihn aus, wie sie sich dann auslöscht. Nie mehr wird sie an ihn denken müssen, ihn, der sie so verletzt hat, ihn, den sie so geliebt hat.
Wieder bildet sie sich ein, stumpfe Schritte hinter sich zu vernehmen.
Mit roten Augen blickt sie hinunter, auf das Meer an Lichtern.
Soll sie es tun?


Flashback

Im Flur ist es dunkel. Nur ein dünner Lichtrinnsal dringt durch das verschlossene Fenster herein.
Verschwommen kann sie die große Tür durch die Dunkelheit hindurch erkennen.
Langsam geht Maggie auf sie zu.
Die Dielen knarren bei jedem Schritt.
Leise bleibt sie vor der Tür stehen. Ihr Herz klopft ungewöhnlich schnell. Ihr Mund wirkt wie verstaubt. Ihre Zunge klebt ausgetrocknet am Gaumen.
Sie spürt es. Sie fühlt es. Sie weiß.
Es ist falsch hier zu sein. Trotzdem legt sie ihre zitternde Hand auf die Türklinke.
Sie sollte nicht hier sein. Sie sind nicht verabredet. Es ist nicht richtig.
Ihr Magen krampft sich schmerzhaft zusammen, als sie langsam die Türklinke hinunter drückt.
Ihre Hände sind verschwitzt und beginnen unkontrolliert zu zittern.
Sie muss es einfach wissen, sie will es einfach wissen.
Langsam öffnet sie die Tür…

Flashback Ende


Sie spürt erneut heiße Tränen in sich aufkommen.
Verzweifelt muss sie aufschluchzen. Immer wieder hämmern die Erinnerungen der Vergangenheit in sie ein. Zeigen ihr brutal die grausame Wahrheit. Lassen sie aufwachen.
Lassen sie in der Realität leben.
Es ist so.
Sie kann es nicht ändern.
Die Gedanken in ihrem Kopf rasen. Wirbeln wie wild durcheinander und verhindern das klare Denken.
Wieder geht sie einen Schritt weiter nach vorne.


Flashback

„Ich wusste es!“ Ihre schrille Stimme hallt durch das ganze Zimmer. „Ich hab es doch gesagt! Ich wusste es!“
Haare raufend geht sie ein paar Schritte vor.
Das Fenster ist weit geöffnet, obwohl schwarze Wolken den Himmel zieren.
„Warum?!“ Ihre übergeschnappte Stimme überschlägt sich fast. „Warum, Bill?!“
Mit brennenden Augen sieht sie den Schwarzhaarigen Jungen an, welcher wie erstarrt in der Mitte des Zimmers steht.
Sein Blick ist schuldbewusst.
Schweigend sieht er zu Boden.
Stumme, heiße Tränen rinnen Maggie übers Gesicht. Sie kann das nicht glauben. Sie will das nicht glauben. Warum?
Ihr Herz scheint zersplittert zu sein.
Ihre Gefühle scheinen wie erfroren. In ihr drin ist nichts mehr.
Nur noch diese Erkenntnis.
Die grausame Wahrheit.
„Bill!“ Mit tränenerstickter Stimme haucht sie seinen Namen.
Sie will es hören. Sie muss es wissen. Jetzt.
„Es tut mir leid!“, murmelt er.
Mit einem ruckt hebt er plötzlich den Kopf. Sieht ihr in die Augen. Hart. Fest.
„Aber ich liebe sie!“
Maggie taumelt leicht nach hinten. Vor ihren Augen flackern weiße Pünktchen auf.
Ihre Augen beginnen zu brennen.
Verschwommen sieht sie auf diese, in schwarz gekleidete, Person vor sich. Diese Person, welche sie so liebt und welche sie so verletzt hat.
Was hat Emily so Besonderes an sich? Was hat sie, was Maggie nicht hat?
Sie kann das nicht. Sie hält das nicht aus. Es bringt sie um…

Flashback Ende



Sie blickt nach unten. In die Schwärze. Sie ruft Maggie, sie will sie nach unten ziehen.
Es verlockt sie, es zieht sie an.
Sie will es…
„Maggie!“
Erschrocken keucht sie auf und saugt scharf Luft ein. Ihr Körper versteift noch mehr.
Sie kennt diese Stimme, sie kennt sie nur zu gut…
„Komm da weg, was machst du da?“
Bill klingt entsetzt. Wenige Meter von ihr entfernt bleibt er stehen, den Blick fest auf ihren Rücken gerichtet.
Der Regen wird immer stärker.
Auch wenn wieder neue Tränen in ihr aufkommen, muss die doch auflachen.
Ein kaltes, lustloses Lachen.
„Was interessiert es dich?!“, zischt sie nur und steht nun direkt an der Kante des klaffenden Abgrunds. Sie kann es schon spüren…die Schwerkraft zieht sie nach vorne….
„Maggie, hör auf damit! Bitte!“
Er klingt verletzte.
„Ich will das nicht!“
Wieder entschlüpft ihren Lippen ein höhnisches, kaltes Lachen. Der Regen prasselt erbarmungslos weiter auf sie nieder. Weiterhin ist sie wie befangen von dem Anblick des Endes.
Sie kann sich nicht umdrehen und ihm in die Augen schauen. Sie könnte es nicht.
Innen tut es einfach zu weh.
Es frisst sie auf, es zerreißt sie.
Sie liebt ihn.
„Klar willst du das!“ Ihre Stimme ist wieder dabei sich zu überschlagen. „Du liebst mich nicht mehr, du hast mich betrogen, hintergangen, ich bin dir vollkommen egal!“
Ihre Hände ballen sich zu Fäusten.
Ihre Fingernägel schneiden tief ins Fleisch ein, doch es ist ihr egal. Ein dünner Blutrinnsal läuft ihr über die Haut.
Nie wieder will sie ihn sehen. Nie wieder will sie so verletzt werden. Nie wieder will sie sich so vor ihm bloßstellen. Nie wieder will sie Schwäche vor ihm zeigen, und ihm somit die Genugtuung geben.
Wie sehr er sie doch quälen kann.
Weitere Tränen treten ihr aus den Augen hervor.
Verzweifelt unterdrückt sie ein Schluchzen.
Fest beißt sie sich auf die Unterlippe, bis sie schließlich den metallischen Geschmack von Blut im Mund hat.
„Maggie, das stimmt nicht! Ich…es tut mir leid! Aber wir haben uns so eingeengt und ich brauchte etwas Freiraum…“ Er verstummt kurz.
Der eisige Wind bläst so stark, dass seine Worte kaum zu verstehen sind.
Das Haar wirbelt ihr wie wild ums Gesicht. Der Regen peitscht ihr in die Augen, die Bäume rascheln.
Soll sie es nun tun?
“Ich weiß nun, es war ein Fehler mit Emily…aber… mir ging es so schlecht und sie hat mich getröstet!“
Maggie schnaubt auf. Trösten nennt man das also…
„Das mit ihr… ich habe es mir nur eingebildet, da ist nichts!“
Der Regen vermischt sich mit ihren salzigen Tränen.
Sie will es nicht hören. Sie will ihn nicht sehen. Sie will seine Nähe nicht spüren…
All das ändert doch nichts an der Tatsache.
Er hat sie so unglaublich verletzt. Er ist es, der sie dazu nötigt zu springen. Nur wegen ihm… wegen ihrer Liebe…
„Tut mir leid Bill…“, flüstert sie leise vor sich hin.
Der Wind verschluckt ihre Worte. Unruhig geht sie leicht in die Knie.
„All das ändert nichts…du wolltest mich doch nicht mehr… bleib doch bei Emily, wenn sie dir so wichtig ist!“ Ihre Stimme ist nicht mehr als ein heißeres Flüstern. Es hört sich an, als hätte sie seit Tagen nicht mehr gesprochen.
Wie im Fieberwahn schaut sie nun hypnotisiert nach unten.
In die Tiefe. In die Schwärze.
Es soll endlich aufhören. Sie will nicht mehr so leiden.
„Maggie, bitte ich…“ Er macht einen unruhigen Schritt auf sie zu. Langsam hebt er einen Arm. „Bitte!“, flüstert er. „Komm zurück!“
Sie schüttelt den Kopf.
„Es geht nicht anders…tut mir leid!“
Mit einem Ruck dreht sie sich noch einmal zu ihm um. Schaut ihm in die Augen. Der Glanz in ihnen scheint verloren gegangen zu sein. Es ist als würde sie in ein leeres Fenster, eines verlassenen Hauses schauen.
Seine bleiche, weiche Haut schimmert durch die nassen Regentropfen, die auf ihr haften.
„Ich…ich wünsch dir noch viel Glück!“
Tatsächlich tritt noch ein kleines Lächeln auf ihre Lippen.
Dann macht sie einen Schritt nach hinten, tritt ins Leere. Die Schwerkraft zieht sie nach unten, reißt sie in den Abgrund.
Seine Augen werden immer größer. Wie in Zeitlupe sieht er sie fallen.
„NEIN!“
Er reißt beide Arme nach vorne.
Zu schnell fällt sie, zu langsam hechtet er nach vorne.
„MAGGIE! ICH LIEBE DICH DOCH!“
Er kann nichts tun. Er kann nichts unternehmen.
Er kann nur zusehen.
Wie sie fällt, wie sie verschwindet, wie sie ihn verlässt…für immer.
„Nein!“, wimmernd lässt er sich nach vorne auf die Knie fallen.
Sein Körper bebt. „Bitte nicht!“ Unaufhaltsam rinnen ihm Tränen übers Gesicht. Scheinen ihn gleich zu ersticken.
Immer wieder hämmert er mit seinen Fäusten auf die durchweichte Erde. Steine bohren sich in seine Haut.
„Maggie!“
Wie konnte sie das nur tun? Wie konnte sie IHM das nur antun?
Wieso?
Immer mehr Tränen tropfen vor ihm auf den Boden. Der bohrende Schmerz in seiner Brust wird immer unerträglicher.
“Komm zurück…bitte…“ flehendlich schaut er in die Tiefe. In den Abgrund, der sie für immer verschlungen hat. Der Abhang, der ihm seine große Liebe genommen hat…
„Bill?!“ Erschrocken fährt er hoch und wirbelt herum.
„E-Emily!“ Er taumelt leicht zurück. Blickt sie mit geröteten Augen an. „Was machst du hier?!“
„Ich hab mir sorgen um dich gemacht!“, murmelt sie und kommt einen kleinen Schritt auf ihn zu.
Der Wind lässt langsam nach und der Regen wird weniger.
Das tief dunkle am Himmel weicht langsam einem dunkel violett.
Er sieht es in ihren Augen.
Emily weiß genau, was passiert ist.
„Komm mit… wir gehen jetzt besser!“ Zaghaft berührt sie ihn am Arm.
Ihr Gesicht ist ausdruckslos. Es ist unmöglich für ihn zu erkennen, was sie denkt, was sie fühlt.
„O-okay!“, haucht er leise.
Langsam umschlingt er seine Arme um sie und vergräbt seinen Kopf tief in ihren blonden Haaren. Er kann das nicht alleine. Er braucht halt, er braucht jemanden, der ihn stärkt.
Ihre Ruhe und ihre Körperwärme übertragen sich langsam auf ihn und er fühlt sich augenblicklich wieder etwas besser. Atmet ihren süßlichen Geruch ein…
Noch immer kann er es nicht wirklich glauben. Ist sie tatsächlich gesprungen?
Vor seinem geistigen Auge sieht er ihren zierlichen Körper, wie er vom Abgrund verschlungen wird.
„Danke, dass du da bist!“ Er muss stark schlucken und schließt kurz die Augen.
Wieder sieht er sie fallen… wie sie ihm einen letzten Blick zugeworfen hat… wie sie in der Dunkelheit verschwunden ist…wie sie ihn verlassen hat…
„Kein Problem!“ Emilys Lippen umspielt ein tückisches Grinsen, als ihr Blick auf die Klippe fällt. Ihre Augen leuchten kurz auf.
Langsam fährt sie mit einem Finger über seinen Rücken.
Ich werde immer für dich da sein!“, flüstert sie ihm leise ins Ohr.

ENDE

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