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Doppelspiel mit Zwillingen ~traust du dich?~



Autor: Leo
Genre: Drama/Romanze
Hauptpersonen: Amanda, Bill und Tom
Nebenpersonen: Gustav, Georg, Jill und Alicia
Disclaimer: Die Personen (Tokio Hotel und deren Verwanden) gehören mir nicht, ich habe sie mir für diese Story nur geliehen und ich verdiene auch kein Geld damit.
Claimer: Amanda, Jill und Alicia gehören mir… so wie die Idee zur Story ist ebenfalls mein Eigentum.

In einem Moment denkst du noch, alles unter Kontrolle zu haben – die nächste Sekunde aber zeigt dir, dass genau das Gegenteil der Fall ist.
Amanda lässt sich auf eine fatale Wette ein. Die Folgen dessen werden ihr erst später klar…viel später… zu spät? !



Prolog


Weißt du, wie es sich anfühlt?
Wenn man glaubt jemanden zu kennen?
Wenn man jemandem vertraut, obwohl man nur glaubt ihn zu kennen, es aber gar nicht wirklich tut?
Wenn man im einen Moment noch ganz oben ist und dann von einer Sekunde auf die nächste, man sich plötzlich am Boden wieder findet?
Wenn man glaubt, bald wird alles gut, im nach hinein aber alles nur noch schlimmer wird?
Weißt du, wie sich das anfühlt?
Wenn man von außen hin glücklich aussieht, im inneren aber nur noch schreit?
Wenn man lacht, aber in Wirklichkeit nur noch weinen will?
Wenn es einen von innen auffrisst und regelrecht zerstört?
Es macht einen fertig, es bringt einen um. Man hat das Gefühl, immer weniger und schlechter zu Leben. Man ist kurz davor aufzugeben, rappelt sich aber doch noch mal auf, um dann im nächsten Moment wieder zusammen zu brechen.
Bei jedem Lächeln rinnen einem stumme, unsichtbare Tränen die Wange hinunter, die aber von niemandem wahrgenommen werden.
Keiner kann einem helfen. Man kann sich nicht mal selbst helfen. Unaufhaltsam zerstört man sich selbst immer weiter
Alles ist aussichtslos… und das Schlimmste ist: Man ist selbst daran schuld und man weiß das auch.
Man weiß, dass man sich selbst das leben zerstört hat, dass man sich selbst umgebracht hat.
Und man kann nichts unternehmen, man kann sich nicht retten…
Ich weiß, wie sich das anfühlt, ich weiß, wie schrecklich es ist.
Und ich habe dabei alles verloren. Nicht nur mein Leben.
Wirklich ALLES.


Mit trüben, roten Augen blickt Amanda von dem weißen Blatt Papier auf und hält im schreiben inne. Unkontrolliert beginnen ihre Hände zu zittern. Das Schlottern zieht durch ihren gesamten Körper und lässt sie schaudern.
Stark muss sie schlucken, um den Kloß in ihrem Hals wieder loszuwerden.
Schweigend schaut sie hinunter. Der Stift in ihrer Hand scheint zu vibrieren.
Sie ist nervös und gleichzeitig völlig am Ende.
Gedämpftes Licht fällt durch die geschlossenen Fensterläden ins Zimmer. Ein eisiger Luftzug umgibt sie und lässt sie immer weiter zittern.
Die geschriebenen Buchstaben auf dem Zettel beginnen zu verwischen und zu verschwimmen. Langsam bilden sie eine fließende Einheit.
Ächzend steht Amanda auf.
„Nein“
Wie wild schüttelt sie den Kopf. Wieder sammeln sich Tränen in ihren Augen.
Seit vielen Stunden sitzt sie nun schon hier. Starrt das weiße Papier an und versucht sich die Last von der Seele zu schreiben.
Doch es hilft nicht.
Nichts kann ihr helfen. Es frisst sie alles auf. Es bringt sie um.
Mit zittrigen Fingern fährt sie sich kurz durch das blonde, strähnige Haar. Wild und zerzaust steht es ihr vom Kopf ab.
Sie ist völlig am Ende.
Wieder fällt ihr Blick auf den Zettel

Und ich habe dabei alles verloren. Nicht nur mein Leben.
Wirklich ALLES.


Lange steht sie wie erstarrt da.
Nichts hat sie mehr. Nichts hilft ihr mehr. Nichts bringt ihr noch was.
Denn sie hat wirklich alles verloren….


*Flashback*

Kapitel 1
~Jedes Drama hat einen Anfang~


„Sehen wir uns morgen?!“ Seine Stimme klingt rau und gleichzeitig doch so sanft. Mit großen, bittenden Augen sieht er sie an und fleht stumm um eine Zustimmung.
Die warme Mittagssonne scheint knallhart auf sie hinab. Es ist mit Abstand der heißeste Mai, den die Magdeburger Schüler je miterleben durften. Jeden Tag ist man verabredet um zusammen ins Schwimmbad zu gehen und sich etwas abzukühlen.
Jede Blume ist schon aufgegangen und verbreitet ihren atemberaubenden Duft.
Jeder Eissalon hat schon geöffnet und ist immer zu nur überfüllt.
Amanda Taylor hat passend zu der Hitze enge, weiße Short und ein himmelblaues Top an. Ihre perfekten, blonden Haare werden von einem ebenso blauen Gummiband zu einem lässigen Zopf zusammen gehalten. Die schmalen, perfekten Lippen sind mit einem schimmernden Lipgloss bedeckt, die strahlend und zugleich tiefen blauen Augen hinter einer großen, verspiegelten Sonnenbrille versteckt und ihre Wangen werden von einem zart rosa Rouge übersehen.
Viele sagen, sie ist einfach nur perfekt. Fast jeder Junge verdreht sich den Kopf nach ihr und wünscht sich auch nur einmal mit ihr auszugehen.
Noch nie hat es jemanden gegeben, der ihr Widerstehen kann. Niemand kann ihren blauen Augen standhalten. Keiner kann ihr auch nur eine Bitte abschlagen.
Dementsprechend ist ihr Selbstbewusstsein auch relativ groß. Sie weiß genau, wie gut sie aussieht.
„Ich weiß nicht…“ Abschätzend zieht Amanda eine Augenbraue in die Höhe und mustert den Jungen vor sich. Er sieht ja schon ganz niedlich aus, aber ob er es wert ist, dass sie zweimal mit ihm ausgehen kann? Eigentlich will sie sich endlich mal an etwas richtig Großes wagen, an einen Jungen, der auch Geld hat oder an den absolut größten Schwarm der Schule. An etwas, wonach man sie dann so schnell nicht mehr vergessen würde.
„Bitte!“ Ein flehender, geradezu verzweifelte, Unterton schwingt in seiner Stimme mit. Er wirft sich förmlich auf die Knie vor ihr und bittet um noch ein Date.
Amanda seufzt.
„Tut mir leid Niko, aber eher nicht!“
Nein, sie kann ihre Zeit nicht so verschwenden. Einer, der auf Knien angerutscht kommt, kann ihr Herz nicht erobern. Sie sucht jemand besonderen. Jemand, der sie einfach umhaut und ihr Herz langsamer und schneller schlagen lässt und das im selben Augenblick.
Einerseits liebt sie es sich auf Abenteuer einzulassen, sich mit einem Jungen nach dem anderen zu treffen und dafür bewundert zu werden.
Andererseits hofft sie doch jedes Mal dabei die eine, große Liebe zu treffen, die sie so verzweifelt sucht.
So eiskalt, wie sie nach außen hin tut ist sie nicht. Nicht wirklich.
„Na gut…“ Schweigend sieht er zu Boden. Die Enttäuschung steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. „Tut mir leid!“, wiederholt Amanda mir ihrer rauchig, zarten Stimme und wendet ihm dann den Rücken zu.
Ihr tut es wirklich leid, doch ändern kann sie es nicht. Er ist es eben einfach nicht… normalerweise liebt sie es ja, mit den Jungs zu spielen, sobald klar war, dass er nicht der Richtige ist.
Sie traf sich öfter mit ihm um dann irgendwann in einem passenden Moment schluss zu machen. Doch Niko will sie das nun wirklich nicht antun. Er ist ja eigentlich schon ganz nett.
Langsam stolziert Amanda über den überfüllten Schulhof. Sie ist sich sicher, dass ihr einige Jungs bewundert hinterher blicken, doch das ist nichts Neues für sie. Fast schon Gewohnheit.
Zielstrebig steuert Amanda auf das kleine, etwas untersetzte und doch recht hübsche Mädchen mit den braunen Locken zu.
Jill Anderson steht gelangweilt auf dem langen Schulflur herum und wartet auf ihre beste Freundin. Ihre braunen Augen sind leicht zusammen gekniffen und blicken sich suchend um. Passend zu ihrem grünen Rock trägt sie eine schwarze, kurzärmlige Bluse.
„Hey, da bin ich!“ Amanda baut sich mit einem Lächeln auf den Lippen vor ihr auf.
„Na endlich!“ Jill verdreht die Augen. „Mal wieder nen Typen abserviert?!“
Amanda zuckt ertappt zusammen und grinst schuldbewusst.
Ihr war klar, dass Jill weiß, wo sie sich wieder rum getrieben hat. Als beste Freundin erfährt sie immer alles. Sie kennt Amanda so gut, wie sonst fast niemand.
„Ja, wie immer!“ Selbstbewusst sieht Amanda ihre Freundin an und schiebt sich die Sonnebrille etwas höher. „Die verstehen es einfach nicht!“ Strahlend weiße Zähne entblößen sich bei ihrem Grinsen.
Jill seufzt kurz leise auf. „Tja, du hast es schon schwer!“
Amanda nickt, bemüht eine ernste Miene aufzusetzen. „Ich weiß…“
Beide Mädchen müssen losprusten.
Jill ist die einzige Person, der Amanda wirklich vertraut. Obwohl die Dunkelhaarige nicht gerade der größte Jungenschwarm der Schule ist, ist an ihr doch kein einziges Anzeichen von Eifersucht zu erkennen und das beruhigt Amanda ungemein.
Nicht gerade wenig Mädchen sind neidisch auf ihr Aussehen und ihren Erfolg bei Jungs.
„Ach sieh an…“, wird ihr Gekicher plötzlich von einer schneidenden Mädchenstimme unterbrochen.
Amanda verdreht die Augen und wendet sich um. „Alicia!“
Abwertend wandert ihr Blick über die Person vor ihr. Das rote Haar fällt ihr bis zu den Schultern und beginnt sich an den Haarspitzen leicht zu kräuseln. Die giftgrünen Augen sind mit schwarzem Kajal umrandet und die Lippen, passend zu den Haaren, rot angemalt.
„Was verschafft mir die Ehre?!“ Amanda verschränkt die Arme.
Sie und Alicia sind schon seit dem ersten Tag an verfeindet. Es war sozusagen Hass auf den ersten Blick. Amanda ist sich sicher, dass Alicia einzig und allein nur neidisch ist, wie fast jede andere auch. Nur Alicia zeigt es eben offen.
„Ach, ich habe mich nur gerade gefragt, wie die Eroberung des Tages von dir heißt!“ Ihre Stimme klingt herablassend und lässt in Amanda Wut aufschäumen. Immer wieder könnte sie sich über die dreiste Art von Alicia aufregen.
Lässig schiebt die Blondine sich die Sonnenbrille nach oben auf die Haare. Abschätzend sieht sie ihr gegenüber an. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht?!“
Alicia lacht gekünstelt auf. „Ja, würde ich auch sagen… sag mal merkst du eigentlich nicht, wie langweilig das allmählich wird?!“ Sie verschränkt nun ebenfalls die Arme.
Amanda runzelt die Stirn.
Wieder fühlt sie diesen Funken an Wut in sich hochkommen, den sie jedes Mal spürt, wenn Alicia ihr gegenüber steht. Die beiden verachten sich einfach und Amanda wünscht sich wirklich, dass Alicia einfach irgendwann mal aufhören würde, ständig auf ihr rumzuhacken, nur weil sie eifersüchtig ist.
„Langweilig?!“, fragt Amanda Augenbrauen hochziehend zurück.
Alicia nickt bekräftig. Das rote Haar tänzelt ihr wie wild im Gesicht herum. „Langweilig!“, bestätigt sie ihre Worte noch einmal mit einem Nicken. „Immer die gleich Tour… ein Junge her, ein paar Tage hinhalten, Schluss machen, dann der nächste Junge, wieder ein paar Tage abwarten und ihn dann in die Wüste schicken…das ist langsam langweilig!“
Amanda verzieht den Mund zu einem höhnischen Grinsen. Äußerlich wirkt sie vielleicht gelassen, doch innerlich kocht wieder alles.
Aber das würde sie nicht zeigen. Sie könnte die Genugtuung in Alicias Augen nicht ertragen, geschweige denn ihr verspottendes Grinsen.
„Na ja… wenn man schon mal das Vergnügen hat so viele Jungs abzubekommen!“ Amanda grinst süffisant und fährt sich mit einer Hand kurz durch das blonde, seidige Haar.
Sie wird es ihr nicht gönnen. Sie wird sich nicht einengen und unterkriegen lassen. Ganz bestimmt nicht.
Alicia wirft ihr einen abschätzenden Blick zu. „Du hältst dich also wirklich für so toll?!“
Amanda grinst. „Ich bin toll!“
Nicht selten bekommt sie dafür die Bestätigung von den vielen Jungs, die ihr praktisch hinterher kriechen.
„So?!“ Alicia legt nachdenklich einen Finger an die roten Lippen und kneift leicht die Augen zusammen. Ein bösartiges Blitzen ist in ihnen zu erkennen. „Dann beweis es!“

Kapitel 2
~Klar kenne ich Bill und Tom Kaulitz~


Amanda muss auflachen und entblößt somit wieder ihre geraden, weißen Zähne.
Herausfordernd stemmt sie die Hände in die Hüfte.
„Wie denn?!“
Das schrille Schellen der Schulklingel ist zu hören, doch beide Mädchen ignorieren es gekonnt. Jill trippelt nervös von einem Fuß auf den anderen.
Amandas Blick haftet auf Alicia. Was für eine Intrige hat sie sich wieder ausgedacht? Was hat sie sich wieder einfallen lassen, um Amanda eins auszuwischen?
Egal was es ist, denkt Amanda, ich werde es ihr zeigen!
Alicia wartet kurz, bevor sie antwortet.
Um sie herum ist ein einziges Gedrängel und Geschubse, weil jeder so schnell wie möglich in seinen Klassenraum gelangen will. Abgehackte Wortfetzen dringen zu den Mädchen durch.
„Kennst du die beiden da?!“ Alicia nickt zu zwei Jungen herüber, welche gerade gemächlich über den Gang geschlendert kommen.
Amanda fallen sie sofort ins Auge. Nicht nur, dass sie aus der Menge sofort herausstechen, weil sie gelassen und überhaupt nicht hektisch wie die anderen auf den Weg in ihren Klassenraum sind, ihr Äußeres ist eben einfach betont ungewöhnlich und auffallend.
Bill Kaulitz trägt trotz der Hitze eine enge, schwarze Jeans, dazu ein passendes, schwarzes T-Shirt mit einem roten Totenkopf Abdruck. Seine Fingernägel sind ebenfalls schwarz lackiert, seine Hände allerdings in weißen, abgeschnittenen Stulpen versteckt.
Sein Gang ist geschmeidig und Selbstsicher.
Die dunklen, braunen Augen werden durch den schwarzen Kajal nur noch mehr hervorgehoben und betonen die weiße, blasse Haut umso besser. Die zart geschwungen Lippen sind zu einem gelassenen Lächeln verzogen.
Auf der einen Seite wirkt er stark und einfach nur unbeschreiblich sexy, auf der anderen Seite allerdings auch zart und zerbrechlich. Die weiß schimmernde, schöne Haut verleiht ihm nur noch mehr das Aussehen einer zerbrechlichen Porzellanpuppe. Das schwarze Haar mit den blonden Strähnen steht ihm leicht vom Kopf ab und verdeutlicht nur noch mehr seinen blassen Teint.
Tom Kaulitz scheint die Hitze ebenso wenig was auszumachen. Sein dünner Körper ist unter einer übergroßen Jeans Baggy und einem XXL T-Shirt versteckt. Die Hände sind lässig in die Hosentaschen geschoben. Auch seine Lippen sind zu einem Grinsen verzogen. Ein glänzendes Piercing lässt es nur noch schöner aussehen.
Seine Dreads sind hinten zu einem hohen Zopf zusammen gebunden, und unter einer braunen Cap versteckt. Er wirkt selbstbewusst, fast schon überheblich, mit der Art, wie er seine Augenbrauen leicht anhebt und die entgegenkommenden Leute mustert.
Seine warmen, braunen Augen wandern gelangweilt von einem zum anderen und bleiben für den Bruchteil einer Sekunde an Amanda hängen.
„Klar kenne ich Bill und Tom Kaulitz!“, antwort ebendiese nun auf die gestellte Frage.
Wer kennt die Zwillinge schon nicht? Auf der einen Seite so geheimnisvoll und ungewöhnlich auf der anderen Seite aber doch nur ganz normale Jungs.
Amanda hatte schon mal darüber nachgedacht mit einem der beiden vielleicht auszugehen, es in dem ganzen Stress der vergangen Wochen allerdings wieder vergessen.
„Ich wette du schaffst es nicht, dich an einem Wochenende mit beiden gleichzeitig zu verabreden!“ Alicias grüne Augen funkeln wieder boshaft.
Amanda macht den Mund auf, bleibt allerdings vor erst stumm.
Mit beiden gleichzeitig? Mit Zwillingen? Wie soll sie das denn anstellen?
Sie spürt ein leichtes Pochen in den Schläfen.
Würde sie das hinbekommen? Oder sich an den Zwillingen eher die Zähne ausbeißen?
Aber genau das ist doch sicher Alicias Absicht, geht es ihr plötzlich durch den Kopf. Sie will beweisen, dass Amanda auch nicht alles hinbekommt, dass sie gar nicht so unwiderstehlich ist, wie sie glaubt.
„Und ob ich das schaffe!“, zischt Amanda aus diesen Gedanken heraus.
Sie wird es beweisen.
„Freitagabend Bill, Samstagabend Tom… und ich werde es so gar noch schaffen mit beiden eine Woche oder länger zusammen zu sein!“
Überlegen Grinsend sieht Amanda die Rothaarige an, welche nun leicht eine Augenbraue in die Höhe hebt.
„So, dass willst du also hinkriegen?!“
Amanda nickt. Ihre Hände haben sich zu leichten Fäusten geballt. Klar wird sie das hinkriegen. Wer kann der Schul-Schönheit schon widerstehen? Niemand! Nicht mal Bill und Tom Kaulitz.
„Ja!“
Jill, die das Geschehen die ganze Zeit über kritisch beobachtet hatte, sieht ihre Freundin nun zweifelnd an. Amanda wirft nur mit einer lässigen Handbewegung ihre blonde Haarpracht in den Nacken und streckt Alicia dann die andere Hand entgegen.
Diese schlägt boshaft grinsend ein. „Gut, dann gilt die Wette!“
Amanda nickt nur knapp und wirbelt dann herum. „Komm Jill, wir gehen!“
Ohne auf eine Antwort zu warten stolziert die Blondine den mittlerweile leeren Gang entlang.
Sie wird es hinbekommen. Sie wird es Alicia zeigen.
Was kann schon so schwer daran sein?

„Amanda wie willst du das denn hinbekommen? Bill und Tom sind Zwillinge… meinst du nicht die bekommen das raus?!“ Jill sieht ihre Freundin nachdenklich an.
Amanda verdreht die Augen und kramt in ihren Rucksack nach etwas Kleingeld, um sich aus dem Kaffeeautomaten einen Capuccino zu holen.
Das blonde Haar fällt ihr wie ein seidiger Vorhang vors Gesicht.
„Lass mich nur machen, irgendwie schaff ich das schon… du kennst mich doch!“
Mit triumphierendem Blick holt sie das Geld aus der Tasche und schmeißt es in den Automaten. Mit einem surrenden Geräusch beginnt dieser damit, den Capuccino her zustellen.
Jill seufzt. „Ja, das tue ich nur zu gut!“
„Ja, also, wo liegt das Problem?!“ Vorsichtig nimmt sie sich den heißen Becher, welcher der Automat ihr nun preisgibt, mit einer Hand hinaus. Ein dünner, weißer Rauch steigt aus ihm empor, verdampft aber sofort wieder.
Amanda weiß gar nicht, was Jill so einen aufstand macht. Was gibt es dann da groß zum aufregen? Sie würde die Wette schon gewinnen…Tom gilt sowieso schon als der größte Mädchenaufreißer der Schule, als würde er es sich da entgehen lassen sich das hübscheste Wesen der Schule zu schnappen.
„Na ja, du weißt schon was du tust!“, murmelt Jill nur, woraufhin Amanda zustimmend nickt.
Langsam legt sie ihre vollen Lippen an den Rand des Bechers und nimmt einen kleinen Schluck der warmen Flüssigkeit.
Eigentlich ist es ja pures Gift bei so einer Hitze einen heißen Capuccino zu trinken, doch Amanda ist einfach süchtig nach dem Zeug.
„Ach und wo wir grad von den Zwillingen sprechen…ist das dahinten nicht Bill?!“ Unauffällig nickt Jill mit dem Kopf in die Richtung hinter Amanda. Vorsichtig dreht die Blondine sich um.
Sofort fällt hier Blick auf Bill.
Lässig steht er an die Wand gelehnt und scheint auf irgendetwas zu warten.
Das schwarze Haar fällt ihm auf eine verwegene Art leicht ins Gesicht und bedeckt eins seiner glitzernden, schönen Augen.
„Ja!“ Amanda nickt.
Wie gebannt sieht sie den Jungen an. Auf eine Weise sieht er doch so stark und fantastisch aus auf der anderen Seite aber doch so gebrechlich und schwach.
Es wird ihr ein Vergnügen sein mit ihm auszugehen.
Ein Grinsen umspielt ihre Lippen.
Soweit sie weiß ist Bill Kaulitz auch nicht gerade unbeliebt bei den Mädchen, doch eine Freundin hat er Gott sei dank nicht.
Obwohl, denkt Amanda mit einem hinterlistigen Lächeln, selbst wenn, mir könnte er sowieso nicht widerstehen.
„Ich werd mal zu ihm rüber gehen!“, beschließt sie spontan und drückt Jill ihren immer noch halb vollen Capuccino Becher in die Hand. „Die Chance muss ich nutzen!“
Sie atmet noch mal tief ein und stolziert dann mit zurückgezogenen Schultern und raus gestreckter Brust auf ihn zu.
„Viel Glück!“, murmelt Jill noch leise und nimmt einen Schluck Capuccino.

Kapitel 3
~Der erste Streich…~

Amanda spürt ihr Herz mit jedem Schritt immer schneller schlagen.
Sie muss es einfach schaffen sich mit ihm zu verabreden. Er muss einfach zu sagen, er muss einfach interessiert sein.
Ein letztes Mal saugt sie tief Luft durch ihre perfekten Lippen ein, bis sie dann genau vor ihm steht.
„Hi!“, sagt sie und setzt ein süßes Lächeln auf.
Bill, der sie allem Anschein nach erst jetzt bemerkt, zuckt kurz zusammen.
Seine großen braunen Augen wandern prüfend über Amanda und scheinen sie genau zu mustern.
„Hey!“, antwortet er mit fester Stimme und hebt leicht seine Augenbrauen in die Höhe.
Amanda muss feststellen, dass er von nahem sogar noch besser aussieht.
Ein glänzendes Piercing ziert seine rechte Augenbraue und seine Augen sind so tief dunkel, dass sie fast schwarz wirken.
„Na?!“, fragt Amanda und muss sich deutlich anstrengen, das Zittern aus ihrer Stimme vollständig zu verbannen.
„Wie geht’s?!“ Ihre blauen Augen bleiben an den seinen hängen.
Lässig lehnt er sich nach hinten.
„Gut und dir?!“
Ein Grinsen umspielt seine zarten Lippen. Interessiert erwidert er ihren Blick.
„Ja, auch“ Wieder Lächelt Amanda ihn an.
Etwas verunsichert fährt sie sich mit einer Hand kurz über die blonden Haare und zieht das Haargummi um ihren Zopf enger.
Allein schon, dass er nicht vor Freude laut aufschreit, weil sie mit ihm redet, macht sie durchaus nervös. Er scheint ganz gelassen zu bleiben und mustert sie nur weiterhin aus seinen schönen Augen.
„Schöner Gürtel!“, bringt sie dann irgendwann wieder über die Lippen und deutet auf den schwarzen, mit Totenkopf verzierten, Nietengürtel.
Bill nickt nur und lehnt sich noch ein Stück weiter nach hinten. „Danke.“
Amanda schweigt kurz.
Es wundert sie, warum sie so nervös ist.
Normalerweise hat sie keine Hemmungen. Aber das liegt wahrscheinlich nur daran, weil er so gelassen und zum Teil etwas distanziert wirkt.
Sonst rissen die Jungs sich ja immer ein Bein aus, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.
„Warum bist du denn noch hier in der Schule?!“, fragt sie dann und spielt verlegen mit einer ihrer blonden Haarsträhnen herum.
So was kommt immer gut.
„Tom und ich mussten noch was mit unserem Musiklehrer besprechen!“ Bill macht eine lässige Handbewegung. „Irgendwas wegen dem Schulchor.“
Amanda setzt eine interessierte Miene auf. „Ihr mögt Musik?!“
Sie legt den Kopf leicht schief.
Bill nickt wieder und lässt seinen Blick kurz durch die fast leere Schule wandern.
„Klar, Musik ist unser Leben… nicht umsonst haben wir eine Band!“ Ein kurzes, schönes Lächeln huscht über seine Lippen.
Amanda kann sich an seinem Anblick gar nicht mehr satt essen.
Allein schon diese faszinierende Aura die ihn umgibt. Die dunklen Klamotten und das schwarze Haar lässt seine blasse Haut richtig weiß strahlen.
„Eine Band?“, sie nickt beeindruckt. „Cool! Tretet ihr oft auf?!“
Anscheinend hat sie mit diesem Thema genau ins Schwarze getroffen denn Bill wirkt nun schon um einiges offener und nicht mehr ganz so abweisend.
„Ja, schon öfter mal… morgen Abend zum Beispiel!“
Er schaut ihr kurz in die Augen und sofort spürt Amanda ihr Herz, dass wie wild in ihrer Brust hämmert.
Morgen Abend. Also Freitagabend. Verdammt, wenn sie da einen Auftritt haben, wie soll sie sich denn dann mit ihm verabreden?
„Du könntest ja vielleicht mal vorbeikommen und es dir anhören!“ Diesmal ist er es, der den Kopf schief legt, wodurch ihm wieder einige schwarze Haarsträhnen ins Gesicht fallen.
Amanda ist zu erst verdutzt über diese plötzliche Einladung, fängt sich aber sofort wieder und zwingt sich ein Lächeln ins Gesicht.
„Ja, gerne!“
Erleichtert atmet sie aus. Sie hat es wieder geschafft. Bill konnte ihr anscheinend auch nicht widerstehen und hatte sie nun zu ihrem Auftritt eingeladen. Super.
Aber nur der Auftritt… würde Alicia das schon als Date sehen?
“Und… danach könnten wir ja vielleicht noch was trinken gehen?!“, schlägt Amanda daher vor, nachdem sie all ihren Mut zusammen genommen hatte.
Bills Augen wandern wieder kurz abschätzend über sie und scheinen sie fast zu durchbohren.
„Okay!“, stimmt er schließlich zu und nickt leicht.
Wieder atmet sie befreit auf. Sie ist doch gut. Sie ist doch einfach toll. Niemand kann ihr widerstehen.
„Da hinten ist Tom!“, bemerkt Bill plötzlich.
Lässig wirft Bill sich seine schwarze Tasche, die vor ihm auf dem Boden gestanden hatte, über die Schultern. Seine Augen bohren sich in die von Amanda.
Langsam beugt er sich vor. „Bis morgen dann!“, haucht er ihr leise ins Ohr und sie kann deutlich seinen heißen Atem auf ihrer Haut spüren.
Amanda spürt einen Schauer, der ihr den Rücken hinunter jagt. Augenblicklich stellen sich alle kleinen Härchen auf ihrer Haut auf und bilden eine Gänsehaut.
Ohne sie dann noch einmal anzusehen schlendert er an ihr vorbei.
Ohne es zu wollen muss sie sich umdrehen und ihm hinterher schauen. Sein Gang ist geschmeidig und selbstsicher. Ihre Augen haften noch so lange an ihm, bis er schließlich mit Tom das Schulgebäude verlassen hat.
„Und? Wie ist es gelaufen?!“
Amanda schreckt hoch als Jill plötzlich vor ihr steht und sie interessiert mustert.
Die Angesprochene grinst. „Perfekt, ich bin für morgen mit ihm verabredet!“ Langsam schlendern die beiden Freundinnen nun auch durch den Flur auf den Haupteingang zu.
„War ja eigentlich klar.“, kommentiert Jill und kichert.
Amanda zuckt bescheiden die Schultern. „Stimmt, wunder mich schon warum du mich überhaupt erst fragst!“
Draußen schlägt ihnen glühende Hitze entgegen. Die Sonne scheint unbarmherzig immer weiter und lässt noch den letzten Grashalm vertrocknen.
„Ich glaube ich schwimm als erstes Mal ne Runde im Pool, sobald ich daheim bin!“, stöhnt Amanda auf und fächert sich mit einer Hand Luft zu.
Jill schnaubt. „Ja mach ich….das heißt, wenn wir einen Pool hätten!“ Sie überlegt kurz. „Ich geh denke mal heute ins Schwimmbad… komm doch mit?!“
Amanda schüttelt den Kopf. „Nein lieber nicht!“
„Okay.“
Schweigend gehen sie den schmalen Weg entlang der Straße. Zum Glück haben es beide nicht weit von der Schule entfernt bis nach Hause und können es sich so ersparen mit dem Bus zu fahren.
„Wir sehen uns dann morgen!“, verabschiedet sich Amanda dann wenige Minuten später und winkt ihrer Freundin noch kurz zu. Mit schnellen Schritten läuft sie die breite Auffahrt hinauf und klingelt an dem ziemlich großen und schönen Haus. Sekunden später geht die weiße Haustür auf und Amandas Mutter Kerstin steht im Rahmen.
„Ach da bist du ja endlich, komm rein… die Hitze bringt einen noch um!“ Kopfschüttelnd verschwindet sie wieder im Haus. Amanda folgt ihr.
„Wie war die Schule?!“
Die Blondine söhnt auf und schleudert ihren Rucksack in die nächst beste Ecke.
„Wie immer! Muss jetzt auch mal Hausaufgaben machen gehen…“ Sie winkt ihrer Mutter noch kurz zu und verschwindet dann über die elegante Wendeltreppe nach oben in ihr Zimmer.
Amanda kommt gut mir Kerstin zurecht. Zwei Frauen in einem Haus ist vielleicht auch ganz gut. Ihren Vater hatte Amanda nie kennen gelernt, da dieser sich noch vor ihrer Geburt aus dem Staub gemacht hatte.
Männer!
Erschöpft lässt das Mädchen sich auf das große Himmelbett fallen und schließt kurz die Augen. Die Hitze macht einem wirklich ganz schön zu schaffen.
Aber sie kann sich jetzt nicht ausruhen!
Mit einem Mal sitzt sie wieder kerzengrade auf. Sie hat noch zu tun!

Kapitel 4
~…und der Zweite folgt sogleich~


Mit klopfendem Herzen greift Amanda nach dem schnurlosen Telefon.
Lässig lehnt sie sich mit einer Hand gegen das Geländer des kleinen Balkons und lässt sich den hauchzarten Wind ins Gesicht blasen. Munteres Vogelgezwitscher ist um sie herum, während die Sonne noch immer hoch oben am Himmel steht und ihre Wärme verbreitet.
„Okay…dann mal los!“, murmelt Amanda leise vor sich hin und geht langsam wieder zurück in ihr Zimmer.
Sie wird es schaffen. Niemand kann ihr widerstehen. Niemand kann sie zurückweisen. Niemand. Erst recht nicht Tom!
Mit zittrigen Fingern tippt sie langsam die Nummer der Familie Kaulitz ein. Sie kann nur hoffen, dass auch sofort der Richtige dran geht. Was soll sie denn sagen, wenn Bill sich meldet?
Ein monotones Tuten dringt ihr ins Ohr, doch nach wenigen Sekunden wird auch schon abgenommen.
„Ja?!“
Amanda schluckt noch mal stark und setzte dann ein Lächeln auf.
„Ja, hallo? Tom?!“ Auch wenn sie sich gerade richtig nervös fühlt, klingt ihre Stimme doch selbstbewusst und ruhig. Sie darf sich nicht unterkriegen lassen. Sie muss die Wette gewinnen und sich mit beiden Zwillingen verabreden. Aber was fühlt sie sich so komisch?
“Ja… wer ist denn da?!“
Erleichterung durchströmt sie. Wenigstens redet sie jetzt schon mal mit dem Richtigen.
„Hey, hier ist Amanda!“
„Ach hi, Bill und ich haben gerade von dir gesprochen.“
Sie stockt und atmet einmal tief ein. „Ist er bei dir im Zimmer?!“
„Nein, Moment ich geh ihn mal holen!“ Sie hört Schritte.
„Nein, stopp!“ Panik ergreift die Blondine. Er darf Bill nicht holen…
„Eigentlich wollte ich ja mit dir reden!“ Amanda versucht ihre Stimme verführerisch klingen zu lassen und leckt sich leicht mit der Zunge über die Lippen. Auch wenn Tom sie nicht sehen kann, es hat doch schon seine Auswirkungen.
„Mit mir?!“ Er scheint leicht irritiert zu sein. „Was gibt’s denn?!“
Amanda beginnt langsam in ihrem Zimmer auf und ab zu wandern. Ihr Blick fällt kurz auf den großen Spiegel, aus dem ihr ein wunderschönes Mädchen entgegenblickt. Sie grinst.
„Ich wollte dich fragen, ob du am Samstagabend schon was vorhast?!“ Lässig lehnt sie sich nun gegen den riesigen Kleiderschrank.
„Samstagabend?!“, wiederholt Tom leicht begriffsstutzig.
„Ja, wir könnten vielleicht ins Kino gehen?!“
Angespannt lauscht sie in die Stille des Telefonhörers hinein. Tom scheint sich wohl erst wieder fangen zu müssen. „Aber triffst du dich nicht morgen Abend mit Bill? Denkst du nicht er würde es etwas…doof finden, wenn wir uns dann danach verabreden?!“ Seine Stimme klingt anzweifelnd.
Amandas Augen funkeln leicht auf und verengen sich. „Na ja, er muss es ja vielleicht gar nicht erst erfahren?!“, haucht sie geheimnisvoll in den Hörer.
Ja, sie wird sich mit Bill ganz normal treffen, und mit Tom dann heimlich. Sie will ihn schwören lassen, Bill ja nichts zu erzählen. Würde sie das hinkriegen, wäre der Rest eigentlich nur noch ein Kinderspiel. Freie Bahn, sozusagen.
„Ich weiß nicht…“ Er wirkt unentschlossen.
„Ach komm schon, ich verspreche dir einen unvergesslichen Abend!“, flüstert sie verführerisch zurück und sie hört Tom am anderen Ende der Leitung schlucken.
„Komm schon!“, bettelt sie mit einem Schmollmund.
Er seufzt. „Na gut.“, gibt er schließlich nach.
Auf Amandas Lippen breitet sich ein Lächeln aus. Sie hat es wieder geschafft. Sie ist die Beste. Sie ist genial.
„Gut… dann treffen wir uns am besten Samstagabend vor dem Cineplex Kino okay?!“
Das wäre am sichersten. Bill dürfte es ja auf keinen Fall rauskriegen, schließlich muss sie es noch schaffen, das Spiel eine Weile weiter zu treiben. Und es würde ihr mit Sicherheit riesigen Spaß machen.
„Ja, machen wir!“, antwortet Tom leicht hektisch. „Du, ich glaube Bill kommt gerade die Treppe hoch…also dann bis Samstag, ich freu mich!“, ehe sie noch was erwidern kann hat er aufgelegt.
Er freut sich.
Ja, jeder Junge würde sich freuen, wenn sie ihn anruft. Jeder Junge ist vernarrt in sie. Und er hat das Glück, auserwählt zu sein.
Amanda lacht auf und lässt sich dann rücklings aufs Bett fallen. Alicia wird Augen machen. So hat sie es ihr nun endlich mal heimgezahlt. Die würde sich nie wieder trauen etwas gegen sie zu sagen. Nie wieder.
Mit dieser Aktion beweist Amanda, dass sie die Größte ist. Hübsch. Umwerfend. Perfekt.
Und die Zeit mit den Zwillingen würde sicher auch toll werden. Sie wirken schon irgendwie anziehend auf Amanda. Aber sie darf sich da nicht zu viel reinsteigern, immerhin verarscht Amanda sie ziemlich. Würde sie am Ende noch Gefühle entwickeln, hätte sie ein Problem. Aber das würde ihr schon nicht passieren.
Ein Grinsen durchzieht Amandas hübsches Gesicht. Was kann jetzt noch schief gehen?

Am Freitagabend klingelt es pünktlich um 7 bei Amanda an der Haustür.
„Ich bin dann weg, Mum!“, ruft die Blondine in die Schwärze des Hauses und streicht sich noch mal schnell über den kurzen Rock. Sie hat passend zu den roten Strumpfhosen ein ärmelloses rotes T-Shirt an. Das Haar fällt ihr lockig ums Gesicht.
Mit einem Lächeln öffnet sie die Tür und blickt wie zu erwarten Bill entgegen. „Hey!“
Der Schwarzhaarige trägt ausgewaschene und zerrissene Jeans. Das schwarze T-Shirt klebt ihm eng am Körper, und betont seine wahnsinnig tolle Figur.
Wie immer sind seine dunklen, tiefen Augen mit schwarzem Kajal umrandet.
„Hi!“, grinst er zurück und schiebt sich lässig die Hände in die Hosentaschen. „Können wir?!“
Amanda nickt zustimmend und zieht die große Haustür hinter sich zu.
Da es von ihrem Haus nicht weit bis zum Club ist hatten sie abgemacht, zusammen zu Fuß hinzugehen. Schweigend schlendern sie nebeneinander her, während ihre nackten Oberarme sich hin und wieder mal berühren.
Amanda spürt schon wieder diese Unruhe in sich hochkommen. Nervös spielt sie mit einem Finger an ihrer kleinen, schwarzen Handtasche herum. Sie kann nicht glauben, dass Bills alleinige Anwesenheit sie so unruhig wirken lässt.
Er hingegen wirkt völlig gelassen, vielleicht sogar schon gelangweilt. Jedenfalls zeigt er kein Anzeichen von Nervosität.
„Ich freu mich schon richtig euch mal spielen zu hören!“, durchbricht Amanda irgendwann die Stille, als die Situation schon langsam droht unangenehm zu werden.
Ein lauwarmer Abendwind weht beiden ins Gesicht.
„Ja, es wird dir sicher gefallen!“ Bill grinst schief. „Wir sind echt ziemlich gut!“
„Und eingebildet?!“, neckt sie ihn. „Du bist der Sänger nicht wahr?!“
Bill nickt. „Klar, der Frontmann!“
Amanda schaut ihm in die Augen, welche für den Bruchteil einer Sekunde kurz aufleuchten. Der Wind bläst ihm das Haar aus der Stirn, was ihn nur noch Gutaussehender wirken lässt. Amanda ist sich ziemlich sicher, dass er genau weiß, wie unwiderstehlich er ist.
Den Rest des Weges gehen sie stumm weiter nebeneinander her, bis sie schließlich an dem besagten Club ankommen.
Der Ort ist in Magdeburg ziemlich beliebt, dementsprechend viele Leute tummeln sich schon am Haupteingang. Amanda stöhnt auf. „Na das kann ja dauern!“
Bill grinst wieder und neigt den Kopf leicht zur Seite. „Nicht, wenn du mit mir hier bist! Komm mit!“, überraschend packt er sie plötzlich am Arm und ein kleiner Schauer überläuft Amanda.
Die Haut, welche er berührt, beginnt angenehm warm zu werden und zu prickeln.
Bestimmend zieht er sie mit sich zum Hintereingang.
„So einfach geht das!“
Bill drückt die Türklinke der schweren Eisentür hinunter und tritt ein, Amanda folgt ihm.

Kapitel 5
~Vorhang auf ~


Vor ihr präsentiert sich ein hell erleuchteter Raum.
An einer Ecke sammeln sich viele verschiedene Kabel und Instrumente, auf der anderen Seite steht ein langes, gemütliches Sofa. Daneben stehen mehrere Kästen an Cola, Fanta und Bier.
Amandas Augen fallen auf Tom, welcher lässig auf dem Sofa sitzt und eine Dose Cola in der Hand hält.
Neben ihm sitzt ein blonder Junge mit einer Cap auf.
„Hey, da seit ihr ja!“ Tom grinst breit und winkt Amanda und Bill zu sich heran.
„Na alles klar soweit?!“ Bill hält Amanda immer noch an der Hand umklammert und macht nicht den Eindruck, sie bald wieder loszulassen.
Tom macht eine kleine Geste mit der Hand. „Geht so, Georg fehlt noch!“, er verdreht die Augen. „Irgendwie kommt der zu Auftritten immer zu spät!“
Bill verzieht genervt den Mund. „In einer halben Stunde sind wir dran! Ich würde ihm nur raten bald aufzutauchen!“ Kaum hat er die Lippen wieder geschlossen geht die große Eisentür auch schon auf und ein Junge mit schulterlangen braunen Haaren tritt ein.
Atemlos bleibt er vor ihnen stehen und ringt erst mal nach Luft. „Sorry, dass ich zu spät bin!“, keucht er.
Die anderen drei seufzen nur und nicken dann.
Amanda steht etwas unsortiert neben Bill. Sie weiß nicht so recht, wie sie sich hier zwischen den Jungs nun so genau verhalten soll. Einerseits fühlt sie sich wohl hier an der Seite von Bill, andererseits spürt sie auch etwas Unbehaglichkeit in sich hochkommen, aufgrund von Toms Anwesenheit. Das ist wirklich das seltsamste was sie je getan hat, sich mit Zwillingen zu verabreden und sozusagen mit beiden zu spielen.
„Wer ist denn diese Schönheit hier eigentlich?!“, wendet Georg sich abrupt an Amanda und mustert sie bewundernd von oben bis unten. Nett lächelt er sie an.
Georg und Gustav sind nicht mit Amanda, Bill und Tom auf einer Schule, also kennen sie die Blondine noch nicht.
Wie als hätte Bill angst Georg könnte sich gleich auf Amanda stürzen umfasst er ihre Hand noch ein Stück fester. „Meine Verabredung!“, entschlüpft es lässig aus seinen Lippen, gefolgt von einem Grinsen. Ja, er weiß wie gut er aussieht…
„Ach so…“ Georg nickt anerkennend. „Nicht schlecht!“
Amanda senkt leicht errötet den Blick. Eigentlich weiß sie ja, dass sie gut aussieht, aber irgendwie fühlt sie sich recht unbehaglich.
„Los Leute, wir sollten uns langsam schon mal auf den Auftritt vorbereiten!“ Tom klatscht in die Hände und springt nun auf. Kurz streift er mit seinem Blick die Augen von Amanda, wendet sich aber augenblicklich wieder ab. Gustav und Georg folgen ihm in Richtung der Instrumente.
„Na ja ich muss dann mal. Setz dich irgendwo in die Halle, nach dem Auftritt kommst du einfach wieder hierhin okay?!“ Bill sieht sie aus seinen tiefen Augen an.
Amanda nickt langsam.
Verdammt, so schüchtern kennt sie sich doch gar nicht. Wird wohl hoffentlich noch werden…
„Gut dann bis später!“, haucht Bill ihr ins Ohr und fährt mit einer Hand kurz zart über ihre Wange. Nur ganz leicht berührt er sie und doch jagt ihr wieder eine Gänsehaut den Rücken hinunter und sie schaudert kurz auf.
Gelassen dreht Bill sich um und schlendert zu seinen Bandkollegen. Auch wenn er noch so nett zur ihr ist strahlt er doch eine gewisse Distanz aus.
Und auch dieser Sexappeal bringt Amanda irgendwann noch mal um den Verstand…
Seufzend wendet die Blondine sich ab und läuft nun durch den kleinen Durchgang, welcher zur Haupthalle führt.
Laute Musik schlägt ihr entgegen, als sie den abgedunkelten Partyraum betritt.
Viele Leute tummeln sich hier und warten mehr oder weniger ungeduldig auf die Band. Geschickt bahnt Amanda sich einen Weg durch die Menge und kämpft sich bis zur Bar durch.
Sie lässt sich auf einen der freien Hocker nieder und lässt ihren Blick wieder durch den Raum wandern.
Sie fühlt sich schon etwas fehl am Platz, wie sie hier ganz alleine sitzt, doch sie beruhigt sich mit dem Gedanken, dass sie gleich noch einen wunderbaren Abend mit Bill verbringen würden.
„Willst du was trinken?!“ Erschrocken zuckt sie zusammen.
Ein dunkelhaariger Mann mit Bartstoppeln im Gesicht hat sich über den Tresen zu ihr rübergebeugt. Ein kleiner Bierbauch zeichnet sich unter seinem T-Shirt ab.
„Eine Bacardi Cola!“, schreit Amanda gegen die Musik an und wendet sich dann wieder ab.
Vielleicht würde der Alkohol sie ja wieder etwas mutiger machen und sie könnte später ausgelassener mit Bill reden.
Nicht, dass er sie langweilig finden und nicht mehr mit ihr reden würde. Schließlich muss sie das Spiel ja noch ne Weile durchhalten. Sie muss die Wette einfach gewinnen…
Der Barkeeper reicht ihr ein Glas mit dunklem Inhalt über den Tresen und wendet sich dann wieder den anderen Leuten zu.
Hastig nimmt Amanda ein paar Schlücke und schmeckt, den leicht bitteren Geschmack des Alkohols.
„So Leute, das lange Warten hat sich gelohnt! Hier sind sie nun endlich; DEVELISH!“
Die Leute brechen in lauten Applaus aus und Amanda stimmt verdutzt mit ein. Augenblick wird es im Raum noch einen tick dunkler, ausschließlich die Bühne wird von einem flackernden Licht geblendet. Ein schnelles Gitarrenintro ist zu hören und Amanda bemerkt Tom und Georg, die nun auf der Bühne stehen und beide eine Gitarre in der Hand zu haben scheinen. Gustav sitzt hinter dem Schlagzeug und trommelt wie wild drauf rum.
Nun kommt auch Bill auf die Bühne gesprungen. Locker. Ausgelassen. Grinsend. Geil.
Seine Lippen sind zu einem großen Lächeln verzogen und er strahlt die Menge offen an. Seine ganze Energie ist praktisch zu riechen und er scheint deutlichen Spaß zu haben. Ebenso wie das Publikum.
„Leb die Sekunde
Hier und jetzt
Halt sie fest
Sonst ist sie weg“

Das Lied ist schnell und hart und doch auf irgendeine Weise schön und innig.
Bills Stimme klingt einfach fantastisch und Amanda fühlt sich sofort in ihr Gefangen. Seine Augen blitzen mit jedem Ton mehr auf. Das ist das erste Mal, dass Amanda ihn nicht auf irgendeine Art ruhig und abweisend sieht. Nun wirkt er frei und offen. Herzlich und lieb. Hübsch und sexy.
Sein Körper bewegt sich mit zur Musik und ausschließlich jedes Augenpaar haftet auf der Bühne. Jeder scheint restlos begeistert zu sein von ihnen.
Auch Amanda klebt mit ihrem Blick wie gebannt an der Band. An Bill. Doch er scheint sie wohl nicht zu bemerken, da er ihren Augenkontakt kein einziges Mal erwidert.
Irgendwann ist das Lied dann zu Ende und Bill grinst leicht erschöpft.
Es folgen 4 weitere Lieder und Amanda kann schon vereinzelte, glitzernde Schweißperlen auf seiner blassen Haut erkennen.
„Dankeschön, Leute!“ Bill schreit schon heiser ins Mikrofon. „Dies ist jetzt das Letzte für heute Abend…brandneu! Es heißt: Rette Mich!“
Während die Menge jubelt und zum Teil stöhnt, da der Auftritt bald zu Ende ist, gibt Bill das Zeichen für die anderen weiter zu spielen.
Eine ruhige Melodie setzt ein.
„Zum ersten Mal alleine
In unserem Versteck
Ich seh´ noch unsre Namen an der Wand
Und wisch sie wieder weg“

Amanda spürt eine sanfte Gänsehaut die ihren gesamten Körper durchzieht. Bills Stimme klingt zart und gebrechlich, dennoch singt er das Lied mit so viel Leidenschaft, dass sie augenblicklich wieder in seinen Bann gezogen wird. Sie muss stark schlucken
„Komm und rette mich
Ich verbrenne innerlich
Komm und rette mich
Ich schaffs nicht ohne doch“

Das Lied klingt so traurig und schön zugleich, dass ihr fast Tränen in die Augen steigen.
Bill kniet am Bühnenrand und lässt seine Augen langsam durch den Raum schweifen. Kurz bleibt er nun an Amanda hängen. Sofort beginnt ihr Herz schneller zu klopfen und hämmert wie wild in ihrer Brust herum. Gebannt erwidert sie den Blick.
Bill legt den Kopf kurz schief und steht dann wieder auf.
Mit geschlossenen Augen beginnt er weiter so gefühlvoll zu singen.
Amanda fühlt sich immer mehr zu dem geheimnisvollen, Schwarzhaarigen Jungen hingezogen. Doch sie darf das nicht zulassen. Schließlich hintergeht sie ihn ziemlich.

Kapitel 6
~Lasst das Spiel beginnen ~


Nach einem letzten, tosenden Applaus, in den Amanda begeistert mit einstimmt, verlässt die Band dann die Bühne.
Bills Haare fallen ihm verschwitzt ums Gesicht.
Auch wenn er ziemlich fertig wirkt nach diesem Auftritt, liegt doch ein Strahlen in seinem Gesicht und mit einem kurzen Winken verschwindet er dann hinter dem dunkelroten Vorhang.
Hastig trinkt Amanda die letzten paar Schlücke ihrer Barcadi Cola. Angenehme Wärme verbreitet sich in ihr und sie verspürt schon deutlich ein leichtes Schwindelgefühl. Warum kann sie nur nicht so viel Alkohol vertragen?
Mit einem Lächeln zum Barkeeper stellt sie das leere Glas auf den Tresen und erhebt sich.
Kurz streicht sie sich den Rock glatt und schlängelt sich dann langsam durch die schon ziemlich angeheiterte Menge.
Wieder läuft sie durch den kleinen Durchgang und befindet sich nun im Hinterraum.
Die Band, sprich Bill, Tom, Georg und Gustav sitzen wieder auf dem langen Sofa und scheinen aufgeregt über den Auftritt zu diskutieren.
Bill gestikuliert wild mit den Händen wobei seine Augen wieder so faszinierend aufblitzen.
Langsam und unsicher geht Amanda zu den Jungs und setzt sich neben Bill aufs Sofa. Keiner scheint sie wirklich zu beachten.
„Aber Tom, bei Rette Mich hast du dich am Anfang kurz verspielt…“, sagt der Schwarzhaarige und wirft seinem Bruder einen Blick zu. Tom zuckt die Schultern und nickt. „Ja ich hab die Widerholung vergessen… aber was sollten eigentlich diese Verrenkungen von dir?!“ Er zieht die Augenbrauen in die Höhe.
Bill grinst. „Ja, man muss dem Publikum doch auch was bieten!“
„Ich fand den Auftritt einfach nur gelungen! Wie alle abgegangen sind!“ Auf Gustavs Gesicht breitet sich ein Strahlen aus. Georg und Tom nicken zustimmend.
„Und, wie hat es dir gefallen?!“, wendet Bill sich abrupt an Amanda, welche damit gar nicht gerechnet hatte und kurz zusammen zuckt. Bills Blick ruht auf ihr und sie spürt deutliche Hitze in sich hoch kriechen.
„Ich fands echt toll! Hast mir nicht zu viel versprochen, ihr seit wirklich ziemlich gut!“
Bill lehnt sich lässig zurück und macht eine bescheidene Geste mit der Hand.
„Klar sind wir das!“ Ein Grinsen zieht sich über sein Gesicht und es bilden sich lauter kleine Grübchen um seine Augen. Dieser Glanz in ihnen bringt Amanda irgendwann noch mal um den Verstand.
„Also, wollen wir dann langsam mal gehen?!“ Bill wirft einen kurzen Blick auf die Uhr.
Amanda nickt zustimmend und erhebt sich langsam. Sie spürt ein sanftes Kribbeln in der Magengegend. Sie und Bill ganz alleine.
Warum fühlt sie sich in seiner Gegenwart nur so seltsam?
“Wohin wollt ihr denn?!“ Georg blickt fragend zu ihnen auf und scheint sichtlich enttäuscht zu sein, dass Amanda schon geht.
Diese muss sich ein Grinsen verkneifen.
„Das geht dich gar nichts an!“ Überheblich sieht Bill ihn an. Ein überlegenes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.
Georg seufzt. „Na dann, viel spaß!“ Kopfschüttelnd wendet er sich wieder Gustav und Tom zu.
Tom achtet sorgfältig darauf, Amanda nicht in die Augen zu schauen und blickt nicht mehr auf, bis die beiden durch die Tür hinaus verschwunden sind.
Lauwarme Abendluft schlägt Bill und Amanda entgegen. Ein leichter Wind weht ihnen ins Gesicht und das helle Mondlicht scheint schaurig auf sie hinab.
„Wollen wir ins Alex gehen?!“ Bill hat seine Hände wieder in den Hosentaschen vergraben und schlendert langsam die verlassene Straße entlang. Vertrocknete Blätter wirbeln sich um seine Schuhe und das Haar weht ihm leicht ins Gesicht.
Amanda an seiner Seite nickt zustimmend. „Klar!“
Das Alex ist das berühmtestes Teenagertreff schlechthin. Jeder, der abends mal weg und ordentlich feiern will, geht dorthin. Auch Amanda war dort schon öfter mit irgendwelchen Jungs.
„Komm, wer zuletzt da ist, muss den Eintritt spendieren!“ Bill rennt abrupt los, als das Alex nur noch eine Straße entfernt ist, und lässt eine verdutzte Amanda zurück.
Diese sieht nur noch sein schelmisches Grinsen.
„HE, Warte!“ Empört beginnt sie ebenfalls loszulaufen, so gut es eben mit einem engen Rock und hohen Schuhen geht. In Sport war sie sowieso immer ne Niete…
„Man, das war unfair!“ Außer Atem bleibt sie schließlich vor dem Alex stehen und richtet sich an Bill.
Dieser hat die Arme verschränkt und lehnt lässig gegen die Hausmauer. Auf seinem Gesicht liegt ein freches Grinsen und sein Kopf ist leicht zur Seite geneigt.
„Gewonnen!“, gibt er nur als Antwort und sein Grinsen wird größer.
Amanda schiebt schmollend die Unterlippe nach vorne und kreuzt nun ebenfalls die Arme.
Auf ihren Wangen hat sich ein zart rosa verteilt und ihr Atem geht immer noch etwas flach und unregelmäßig.
„Du bist echt fies!“, schmollt sie, ebenfalls unbeeindruckt, weiter.
Bill wippt leicht mit dem Kopf auf und ab und mustert einen seiner schwarz lackierten Fingernägel. „Ich weiß!“
Amanda seufzt kurz auf. Jungs!
Ihre eisblauen Augen wandern an Bill vorbei hinüber zum Haupteingang. Dafür, dass Samstagabend ist, ist recht wenig los. Nur ein paar Schüler sammeln sich und versuchen so schnell es geht an den stämmigen Türstehern vorbei zu kommen. Eine große, helle Straßenlaterne in der Nähe spendet genug Licht, um sich nicht ständig gegenseitig auf die Füße zu treten.
„Okay, okay, ist ja gut, ich bezahl den Eintritt!“ Plötzlich steht Bill neben Amanda und legt ihr einen Arm um die Schulter. Einfach so.
Die Blondine zuckt kurz zusammen und lächelt nervös. Bills wärmender Arm liegt schwer auf ihren Schultern und ihr Herz beginnt immer schneller und lauter zu schlagen.
„Oh, danke!“, murmelt sie verlegen und pustet sich eine Strähne aus der Stirn.
Bill grinst nur und zuckt gelassen die Achseln. „Kein Problem!“
Wie, als würden sie sich schon Jahre kennen lässt er weiterhin den Arm um sie gelegt und geht mit ihr zum Haupteingang.
Amanda atmet leicht den süßen Geruch von Haarspray und Kokoshaarwachs.
Sie merkt, wie ihr Blut spürbar durch ihren Körper rauscht. Bills Hand liegt warm und weich auf ihrer nackten Haut, neben den Trägern des Tops. Ein angenehmes Kribbeln zieht durch ihren Körper und eine Wärme überkommt sie. Im nächsten Augenblick bildet sich eine Gänsehaut und ein Frösteln geht durch die Blondine.
„Keine Sorge, die kennen mich hier alle, wir kommen schon rein!“ Bill, der ihre Reaktionen falsch gedeutet hat, zwinkert ihr Lächelnd zu.
Auch Amanda zwingt sich nun ein Grinsen auf die Lippe.
Wie gut, dass er nichts gemerkt hat, schießt es ihr durch den Kopf. Erleichtert atmet sie auf.
Sie kann sich gut vorstellen, dass Bill schon öfter hier war. Bei seinem Aussehen und seiner Aura stehen die Mädchen doch sicher Schlange bei ihm und wo lässt es sich einfacher treffen als hier?
Es dauert auch gar nicht lange, dann stehen die beiden schon in dem abgedunkelten Raum.
Hier ist es um einiges ruhiger, als in dem Club, wo sie eben noch waren. Die meisten sitzen an einem von den vielen Tischen oder an der Bar und genehmigen sich einen Drink.
Nur wenige sind auf der Tanzfläche und bewegen sich zu der Musik.
„Komm!“ Bill zieht Amanda mit sich zu einem kleinen Tisch mit einer längeren Coach.
„Willst du was trinken?!“, schreit er ihr ins Ohr, da die Musik doch ziemlich laut ist und die Leute am Nachbartisch ziemlich laut am lachen sind.
„Ein Wodka Red Bull!“, ruft die Blondine zurück und erntet dafür ein anerkennendes Nicken. Sie weiß genau, dass er dies gerne trinkt.
„Bin gleich zurück!“ Gelassen schlendert er davon zur Bar. Amanda kann ihm nur bewundernd hinterher blicken. Dieser Junge hat einfach etwas Magisches an sich.
Schade, dass sie nur wegen der Wette mit ihm ausgeht.
Seufzend lässt sie sich tiefer in die weichen Kissen nieder und nagt auf ihrer Unterlippe herum.
Nein, sie darf sich da nicht so hineinsteigern. Bald ist sowieso alles vorbei…

Kapitel 7
~Nur du und ich~

„So, da bin ich wieder!“ Bill balanciert lässig zwei Gläser in seinen Händen und schwingt sich wieder zu Amanda auf die Coach.
Mit einem Grinsen überreicht er ihr ein Getränk.
„Danke!“, haucht sie leicht zurück und räuspert sich daraufhin sofort.
Hastig nimmt sie ein paar Schlücke der kühlen Flüssigkeit. Sie schmeckt den bitteren Alkohol und hofft inständig, gleich etwas lockerer zu sein.
Bill lehnt sich wieder nach hinten und beobachtet sie von der Seite.
„Was ist?!“, nuschelt Amanda, nachdem sie ihr leeres Glas auf den Tisch gestellt hat. Ein Schwindelgefühl überkommt sie und wärme breitet sich in ihr aus, doch sie versucht sich nichts anmerken zu lassen.
„Nichts!“, antwortet Bill, ohne seine Augen von ihr abzuwenden. Ihm scheint es nicht peinlich zu sein. Er macht wohl was er will.
Amanda beschränkt sich auf ein Lächeln und fühlt sich unter seinen Blicken deutlich unbehaglich, doch der Alkohol scheint schon gewisse Auswirkungen zu haben.
Ihre Augen wandern durch den abgedunkelten Raum und bleiben schließlich an der Tanzfläche haften.
„Tanzt du?!“, wendet Amanda sich an Bill, welcher sie immer noch mustert.
Der Schwarzhaarige macht eine abwertende Handbewegung und verzieht das Gesicht. „Eher nicht so… ich hasse tanzen!“
Amanda zwirbelt eine blonde Haarsträhne um ihre Finger. „Och schade!“ Ihr kleiner, süßer Kussmund ist schmollend nach vorne geschoben.
Bill muss wieder Grinsen und fährt sich mit einer Hand kurz durch die schwarzen, abstehenden Haare. Seine Augen sind fast so tief dunkel, wie seine Haare. Seine Gesichtszüge sind so fein wie die eines Engels und seine Haut so hell und blass, dass seine Augen nur noch tiefer und dunkler wirken.
„Na ja“, murmelt er. „Für dich würde ich da vielleicht eine Ausnahme machen!“ Er neigt den Kopf zur Seite und Amanda muss stark schlucken.
Er will mit ihr tanzen, schallt es in ihrem inneren wider.
„Gut!“, lächelt sie ihm entgegen. „Dann komm!“ Sie steht auf und sieht ihn erwartungsvoll an.
Bill erhebt sich ebenfalls und folgt hier bis zur Tanzfläche.
Viele Paare tummeln sich um sie herum und scheinen ganz vertieft ineinander und niemand anderen mehr wahrnehmen zu wollen.
Es läuft gerade Ehrlicher Kuss
von Den Toten Hosen.
Schüchtern sieht Amanda zu Bill auf, der sie fast um einen ganzen Kopf überragt. Mit gelassenem Gesichtsausdruck erwidert dieser ihren Blick und legt dann einfach beide Arme um ihre Hüften. Leicht zieht er sie näher zu sich heran.
Amanda ist im ersten Moment so überrascht, dass sie nicht reagiert. Wieder steigt ihr sein süßlicher Geruch in die Nase. Deutlich spürte sie seine Körperwärme und seinen ruhigen, heißen Atem.
Vorsichtig schlingt sie beide Arme um seinen Hals und legt ihr Kinn leicht an seine Schulter. Sachte und zart berühren sich ihre Körper.
Amanda fühlt ihren schnellen Herzschlag und angenehme Stiche im Bauch.
Ihre Brust wirkt wie verknotet und ihre Hände, die in Bills Nacken verharkt sind, beginnen unter den Berührungen, seiner nackten Haut, zu brennen.
Sein heißer Atem stößt ihr gegen den Hals.

„Irgendwann kommt für jeden der Tag
An dem man für alles bezahlt
Dann stehen wir da
Denken wie schön es mal war“

Amandas Augen sind halb geschlossen. Sie genießt jede einzelne Sekunde diese Tanzes und Bills Nähe.
Gegen ihren Willen fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Von diesen Augen. Dieser Aura. Diesem Körper. Diesem Aussehen. Dieser weichen Haut.
Wäre das ganze nicht eine einfache, hinterhältige Wette würde sie sagen: Er ist es.
Noch eben hat sie ihr Herz rasen gehört, doch im nächsten Moment scheint es auszusetzen.
Es fällt ihr immer schwerer Luft zu bekommen und Bills Nähe und Wärme zieht sie so in seinen Bann, dass sie ihre Umwelt kaum mehr wahrnimmt.
Er wäre es. Ganz bestimmt. Wenn sie es ernst nehmen würde. Aber das tut sie nicht. Also kann sie es vergessen.
„Weißt du eigentlich, dass du wunderschön bist?!“
Amanda wird von einer Sekunde an heiß und im nächsten Moment jagt ihr eine eiskalte Gänsehaut den Rücken hinunter. Sie hatte diesen Satz schon so oft gehört und doch ist ihr nun, als höre sie ihn zum ersten Mal. Aus Bills Mund klingt er so besonders. So schön. So wahr.
Seine Lippen liegen leicht an ihrem Ohr. Seine Augen sind halb geschlossen und seine Hände streicheln zart über ihre Hüfte.

„Bereuen unsre Fehler
Hätten gern alles anders gemacht
Hätten all unsere Boshaftigkeiten
Niemals getan“

Amanda spürt einen Kloß im Hals und lehnt sich noch ein Stück näher an ihn. Kurz lauscht sie der leisen Musik. Das Lied ist wunderschön. So ehrlich. Es ist das, was Amanda nicht ist.
Auf dieses Lied tanzen sie nun zum ersten Mal miteinander. Ehrlicher Kuss. Wird es zwischen ihnen je einen ehrlichen Kuss geben? Wird es überhaupt je einen Kuss zwischen ihnen geben?
Bill streichelt ihr nun zaghaft über den Rücken und wandert mit seiner kleinen, zarten Nase, langsam zu ihrer Wange. Reibt sie sanft daran. Fährt mit einem Finger leicht über ihre Lippen.
Amanda fängt vor Anspannung an zu zittern. Seine Berührungen lösen etwas Unglaubliches in ihr aus. Sie kann es nicht beschreiben.
Sie blickt in seine Augen. Wie sie leuchten. Wie sie glitzern.

„Wo ist der Ort,
Für den ehrlichsten Kuss?
Ich weiß, dass ich ihn
Für uns finden muss“

Ehrlichsten Kuss… Bills Lippen sehen so weich und wohlgeformt aus. Perfekt geschwungen.
Sie spürt nun seinen heißen Atem in ihrem Gesicht. Seine Finger an ihrer Wange. Seinen Blick auf ihren Lippen. Seinen warmen Körper an ihrem.
So heiß wie jetzt, war ihr noch nie zumute.
Amanda sieht nur noch Bills Lippen vor sich. Wie sie näher kommen. Wie ihr wärmer wird. Wie sie zittert. Wie es in ihrem Magen zieht. Wie sich Bills Augen langsam schließen.
Dann spürt sie es endlich, seine weichen und unendlich zarten Lippen auf ihren.
Erst ganz vorsichtig, pressen sie sich aneinander, dann immer fester. Es schmeckt süß und schön. Warm und weich.
Sie schließt jetzt auch langsam die Augen und genießt diesen Kuss nur noch mehr. Innig und leidenschaftlich wird er.
Bills eine Hand wandert ihren Rücken hoch und bleibt an ihrem Nacken hängen. Bestimmend drückt er sie leicht näher zu sich. Mit der anderen Hand fährt er ihr über die Wange und übers Haar.
Amanda kann nicht mal mehr klar denken.
Ihr Kopf und ihr Körper sind nur noch erfüllt von diesen wunderschönen Gefühlen. Bills Lippen auf ihren.
Immer mehr presst sie sich an ihn und klammert sich an ihm fest.
Plötzlich spürt sie Bills warme Zunge an ihren Lippen, wie sie sanft drüber streicht. Das kühle Piercing.
Eine Gänsehaut überzieht sie.
Sofort öffnet sie ihre Lippen bereitwillig und kommt ihm mit ihrer Zunge entgegen. Sie verfallen in ein heißes und leidenschaftliches Zungenspiel. Amandas Hände wandern wild durch seine Haare.
Bill drückt sich mit seinem ganzen Körper noch enger an sie und schiebt sie immer weiter nach hinten. Weg von der Tanzfläche.
Immer noch sich innig küssend, drängt er sie bis hin zu ihrem Sofa.
Amandas Zunge kommt immer wieder in Berührung mit seinem Piercing und lässt sie jedes Mal aufs Neue aufkeuchen.
Bill lässt sich auf die Coach fallen, Amanda folgt ihm bereitwillig.
Seine Küsse werden immer fordernder und wilder. Amanda muss immer wieder Luft holen und ist so hingerissen von ihm, dass sie ihm nun vollkommen ausgeliefert wäre.
Sie will nur ihn…

Kapitel 8
~Gefühle mit Leidenschaft~

Unter den heißen und innigen Berührungen von Bill fängt Amanda leicht an zu zittern.
Ihr ganzer Körper ist angespannt und sie kann sich ausschließlich nur seinen leidenschaftlichen Küssen hingeben.
Alles andere spielt keine Rolle.
Die Musik und das Gerede der Leute sind verstummt.
Seine Hände wandern immer stürmischer über ihren Rücken und durch ihr Haar. Immer enger presst er sich an sie und sein heißer Atem stößt gegen Amandas Lippen.
„Wow, guck mal, die gehen aber ran!“ Gekicher.
Bill und Amanda unterbrechen ihren stürmischen Kuss abrupt und drehen sich um.
Zwei Jungs, ungefähr 3 Jahre jünger als die beiden, stehen direkt vor ihnen an der Coach und haben ein freches Grinsen im Gesicht. Das blonde Haar fällt ihnen wuschelig in die Augen.
Bill verzieht das Gesicht, behält den Arm aber weiterhin eng um Amanda geschlungen.
„Na los verschwindet! Wenn ihr was lernen wollt, dann schnappt euch selber n Chick und übt mit der!“
Amanda zieht überrascht beide Augenbrauen in die Höhe, schweigt aber.
Sie ist über Bills Worte leicht verwirrt, lässt sich aber nichts weiter anmerken. Nickend bekräftigt sie nur noch mal, dass die Jungs verschwinden sollen, was sie dann auch unter weiterem Gelächter tun.
„Kinder!“, seufzt Bill leicht angenervt. Er verdreht seine schönen, dunklen Augen.
Amanda kuschelt sich enger in seine Arme und atmet seinen süßlichen Geruch intensiv ein.
„Ja, so sind die halt!“, nuschelt sie und streicht mir ihrer Nase zart über Bills Hals und berührt so seine weiche Haut.
Amandas Herzschlag beruhigt sich allmählich wieder etwas.
Erleichterung durchströmt sie fast schon. Denn sie hat es geschafft. Bill ist ihr offensichtlich gleich verfallen.
Er hat ganz eindeutig Interesse an ihr. Mit Tom, das dürfte kein Problem geben, also hat Amanda die Wette schon so gut wie in der Tasche.
Alicia wird nie wieder auch nur irgendetwas gegen Amanda sagen.
„Du bist echt verdammt süß!“, haucht die Blondine, nun etwas mutiger geworden, leise gegen Bills Hals und beginnt diesen zärtlich mit einzelnen Küssen zu versehen.
Sie bemerkt eine deutliche Gänsehaut, die Bills Rücken hinab läuft.
„Du auch!“, wispert dieser zurück und streicht mit seiner Hand durch Amandas Haar.
Sein Atem stößt ihr heiß gegen die Wange und geht flach und unregelmäßig.
Amanda spürt, wie deutlich sie das anmacht und beginnt zart an seinem Hals zu knabbern.
So vergehen die Stunden und die beiden können einfach nicht mehr voneinander ablassen. Amandas Lippen suchen immer wieder die von Bill um ihm dann in einen leidenschaftlichen Kuss zu ziehen. Seine Hände wandern über ihre Hüfte, unter ihr T-Shirt und durch ihre Haare.
Seine Lippen liebkosen ihren Hals, bis hin zum Schlüsselbein.
Zwischendurch geht Bill immer wieder Getränke holen, demnach ist beiden schon leicht schwindelig zumute bei dem Intus.
„Ich glaube wir sollten langsam mal gehen!“, nuschelt Bill vor sich hin, nachdem er einen Blick auf die Uhr geworfen hat.
Die Stimmung im Alex ist mittlerweile schon etwas ruhiger geworden, da die Meisten nun von dem ganzen Tanzen und Alkohol müde geworden sind. Fast jeder sitzt an einem Tisch und unterhält sich oder nippt ab und zu an seinem Drink.
„Mhhhm!“, brummelt Amanda nur vor sich hin und schmiegt sich wieder enger an Bill, der den Arm um sie gelegt hat.
Auch wenn sie schon ziemlich lange hier sitzen, ist ihr doch noch komisch zu mute und ihr Herz beginnt immer mal wieder schneller zu klopfen. Was seine Nähe allein schon alles in ihr ausrichten kann.
Sie spürt dieses seltsame Gefühl in der Magengegend, wie als hätte sie beim Treppengehen eine Stufe verpasst. Allein schon bei Bills Anblick könnte sie dahin schmelzen.
Unter dem Einfluss der verschiedenen blinzenden Lichtern wirken seine Haut noch schöner und weicher und seine Augen noch dunkler und inniger.
Alles an ihm fasziniert sie.
Am liebsten würde sie nur noch Zeit mit ihm verbringen. Ihn Küssen, ihn berühren, ihn fühlen.
Doch leider ist sie morgen mit seinem Bruder verabredet. Doch leider hat sie sich mit Bill nur wegen einer Wette verabredet. Doch leider kann aus ihnen beiden wohl nie etwas werden.
Sie spielt mit ihm. Sie ist nicht ehrlich. Sie macht ihm was vor.
„Okay!“, murmelt Amanda dann leise und muss ein Gähnen unterdrücken, da sie langsam doch auch müde wird.
Die stickige Luft in dem Lokal und der Alkohol beginnen langsam schon ihre Sinne zu benebeln und bevor sie sich vor Bill noch irgendwie peinlich benehmen kann, gehen sie besser nach Hause.
Nur ungern löst Amanda sich aus Bills wärmenden Armen, die sie fest umschlungen halten. Mit wackligen Beinen steht sie auf und verliert seinen Geruch aus der Nase.
Mit einer lässigen Handbewegung schleudert sie ihre blonde Haarpracht nach hinten und wartete darauf, dass Bill sich auch endlich erhebt.
Der Schwarzhaarige stemmte seine Hände rechts und links von sich ab und drückte sich so hoch. Das dunkle T-Shirt, zeichnete sich eng an seinem perfekten Oberkörper ab und betonte seine geile Figur nur umso besser.
„Dann lass uns mal gehen!“, sagt er, cool wie immer, und legt wieder einen Arm um Amanda. Diese fängt sofort wieder seinen unbeschreiblichen Geruch und saugt ihn gierig durch die Nase ein.
Gemeinsam schlendern die beiden also durch das spärlich besuchte Alex, bis ihnen draußen schließlich eisige Luft entgegen schlägt. Auch wenn es am Tag noch so heiß ist, abends ist es dann umso kälter. Der weiße Vollmond steht hoch oben am Himmel und lässt nur die schemenhaften Umrisse von allem erkennen.
Amanda beginnt leicht zu frösteln und beginnt sich immer enger an Bill zu drücken.
Es dauert nur wenige Minuten bis das große Haus der Blondine endlich in Sicht ist. Im oberen Stockwerk brennt noch Licht, was darauf schließen lässt, dass Amandas Mutter noch wach ist.
Am Gartenzaun bleibt Bill dann stehen und schaut Amanda durchdringend an.
„Also dann, gute Nacht!“, flüstert er leise in die Nacht und auf Amandas Haut richtet sich jedes einzelne Haar auf, als würde es magnetisch vom Himmel angezogen werden.
Ehe sie noch antworten kann drückt der Schwarzhaarige seine weichen Lippen auf ihre.
Seine Hand fährt wie automatisch zu Amandas Hinterkopf und drückt sie enger an ihn heran. Amanda macht einen Schritt nach vorne und presst ihren Oberkörper an den seinen. Sie kann seinen leisen Herzschlag wahrnehmen und seinen raschen, heißen Atem.
„Bis dann!“ Bill streicht mit einem Finger noch kurz über ihre Wange und dreht sich dann lässig um. Langsam schlendert er die Straße entlang und Amanda kann nicht anders, als ihm bewundernd hinterher zublicken, bis die Dunkelheit ihn vollkommen verschluckt.
„Tschau!“, flüstert sie noch leise vor sich hin, auch wenn er schon längst weg ist.
Wie auf Wolken geht die Blondine nun langsam ins Haus.
Ist das wirklich echt?
Sie und Bill.
Wie er sie geküsst hat. Wie er sie angesehen hat. Wie er sie berührt hat.
„Hey, was lächelst du denn so?!“ Kerstin steht plötzlich mit kleinen, müden Augen vor ihr. Misstrauisch mustert sie ihre Tochter.
„Öhm…ach war nur ein schöner Abend!“, meint diese schnell und versucht sich das Grinsen wieder aus dem Gesicht zu wischen.
„Nacht!“
Amanda wirbelt herum und stolpert dann so hastig in ihr Zimmer.
Bill ist echt was Besonderes. Er hat etwas, was andere Jungs nicht haben. Etwas, das Amanda fasziniert.
Mal sehen, ob Tom auch so ist. Denn mit dem würde sie sich ja morgen auch treffen…

Kapitel 9
~Zweifel und Angst~

Amanda wird am Samstagmittag durch ein gleichmäßiges Vibrieren geweckt. Es dauert ein paar Sekunden bis sie begreift, dass es ihr Handy ist. Blinzelnd schlägt sie die Augen auf und tastet blind auf ihrem Nachtisch herum.
„Ja?!“ Verschlafen richtet die Blondine sich halb auf.
Am anderen Ende der Leitung ist eine fröhliche und schon hellwache Jill, die sofort jede kleinste Einzelheit von gestern wissen will.
Amanda lässt sich müde zurück ins Kissen fallen und reibt sich die Augen.
„Ach man Jill! Du hast mich geweckt!“, sie seufzt kurz. „Ich erzähls dir später, ja?!“
„Na gut!“, grummelt die Angesprochen nun vor sich hin. Es passt ihr zwar gar nicht alles erst später zu erfahren, aber wenn Amanda jetzt nicht reden will, kann sie auch nichts machen.
Nachdem Amanda ihr Handy wieder beiseite gelegt hat dreht sie sich noch mal auf die andere Seite, in der Hoffnung noch mal einzuschlafen, was aber nicht ganz gelingt.
Schließlich steht sie dann nach einer halben Stunde doch auf und tappst in Hotpants und Top nach unten.
Schon im Haus herrscht ein warmes Klima und Amanda möchte gar nicht erst wissen was draußen wieder für eine Hitze ist. Zum Glück trifft sie sich erst heute Abend mit Tom, wenn die Temperatur wieder etwas abgekühlt hat. Plötzlich muss die Blondine stark schlucken. Tom.
Sofort schießen ihr wieder die Erinnerungen von gestern durch den Kopf. Die schönen Erlebnisse mit Bill. Diese innigen Berührungen, diese heißen Küsse.
Noch könnte sie das Date mit Tom nun absagen und dafür dann vielleicht glücklich mit Bill zusammen kommen. Dann würde sie aber auch die Wette verlieren und wahrscheinlich auf ewig von Alicia fertig gemacht werden.
Amanda schüttelt den Kopf.
Nein, das kann sie nicht zulassen. Das würde sie nicht ertragen. Bill ist auch nur ein Junge. Amanda wird schon über ihn hinweg kommen. Sie darf sich eben nicht noch mehr dahinein steigern. Sie muss versuchen alles neutraler zu sehen.
Bald wird Bill sie hassen. Weil Amanda mit ihm gespielt hat. Weil Amanda mit Bill und Tom gespielt hat.


Die Stunden scheinen nur so dahin zu schleichen und ehe Amanda sich versieht ist es auch schon halb 6. Um sich dann ordentlich zu recht zu machen und zu duschen etc. braucht sie dann mehr als eine Stunde und am Ende muss sie sich dann noch etwas abhetzen um pünktlich um 7 am Kino zu sein.
Draußen wirbelt ihr warmer Sommerwind entgegen. Mit gemischten Gefühlen setzt Amanda einen Fuß vor den anderen, bis sie schließlich bei dem Cineplex ankommt. Einige Menschen tummeln sich schon davor und studieren die heutigen Programme, doch Tom ist nicht dabei.
Frustriert kreuzt Amanda die Arme und schaut ungeduldig von einer Straßenseite zur anderen. Sie ertappt sich schon bei dem Gedanken, dass Tom vielleicht doch nicht kommt und sie sich so weiter unbeschwert mit Bill treffen kann.
Doch ihre Hoffnungen werden zerstört, denn nach ein paar Minuten steht plötzlich ein grinsender Tom vor ihr.
Die weite Baggy hängt schon fast am Boden und sein überweites T-Shirt verbirgt seine schlanke Figur vollkommen. Seine dunklen, braunen Augen gleichen denen Bill so sehr und sind doch so anders. Irgendwie strahlen sie eine vollkommen andere Aura aus. Etwas…Wilderes.
„Sorry, dass ich zu spät bin, aber Bill wollte unbedingt mit und davon musste ich ihn ja irgendwie noch von abhalten!“ Tom zwinkert der Blondine lässig zu und verzieht seine Lippen zu einem noch breiteren Lächeln und offenbart so seine ebenmäßig weißen Zähne.
Amanda nickt. „Ja, klar versteh ich. Dein Bruder soll ja nichts mitbekommen!“ Verführerisch legt sie den Kopf schief und zwirbelt eine lose Haarsträhne um ihre Finger.
Es ist seltsam.
Bei Tom ist sie sofort um einiges offener und mutiger. Bei ihm ist ihr sofort klar, dass es nur um eine Wette geht und nichts anderes. Dass sie nichts wirklich zu verlieren hat.
„Nein soll er nicht und wird er auch nicht!“ Tom wirkt ebenfalls viel ausgelassener als Bill.
Aber vielleicht auch nur, weil ihm klar ist, dass das ganze nicht ernst ist. Warum sollte sich ein Mädchen auch mit beiden Zwillingen gleichzeitig verabreden? Tom weiß was hier los ist, Bill weiß es nicht.
Toms Lippenpiercing glänzt unter den Berührungen der letzten Sonnenstrahlen und Amanda ist kurz wie befangen von diesem Glitzern. Sie ertappt sich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, solche Lippen mit Piercing zu küssen.
„Ehm ja gut okay…wollen wir dann vielleicht mal rein gehen?!“, stottert sie leicht und bringt ein nervöses Lächeln über die Lippen.
Tom zieht sich mit einer Hand kurz das Cappy tiefer ins Gesicht, welche einen leichten Schatten um seine Augen wirft und nickt dann. „Natürlich!“
Wie selbstverständlich legt auch er einen Arm um sie und führt die Blondine den Haupteingang rein.
Sein Arm fühlt sich irgendwie anders an. Viel schwerer und gefühlloser. Aber irgendwie auch ehrlicher. Amanda kann es nicht beschreiben. Auch wenn sie Twins sind, hat sie doch das Gefühl, dass die beiden ganz unterschiedliche Menschen sind. Mit anderen Interessen und Eigenschaften. Vollkommen anders.
Auch steigt Amanda nun Toms anderer Geruch in die Nase. Aftershave.
Und doch spürt Amanda bei Tom nicht diese gewisse Distanz, die Bill ausstrahlt. Bill wirkt auf irgendeine Weise immer etwas abweisend und geheimnisvoll. Mystisch.
Tom hingegen einfach nur locker, ehrlich und gut gelaunt.
Seine Haut ist fast so blass wie die seines Bruders. Allerdings hat er keine schwarzen Haare, wodurch das nur noch schöner und besser zur Geltung kommen kann.
„In was für einen Film willst du denn, süße?!“, fragt Tom dann, kaum sind die beiden in der Mitte des Kinos und schaut mit leicht schief gelegtem Kopf nach oben an die Programmdurchsage. Amanda tut es ihm gleich.
„Mhh… Saw 3?!“ Fragend hebt die Blondine beide Augenbrauen in die Höhe.
Tom nickte begeistert. „Ja, der soll toll sein! Komm!“, ohne Vorwarnung packt er Amanda am Handgelenk und zieht sie mit sich.
Natürlich bezahlt er für beide den Eintritt und später dann noch 2 Colas und eine Popcorn.
Im Kinosaal ist es schon dunkel, als die beiden eintreten. Auf der Leinwand wird irgendeine Werbung eingeblendet, so dass Tom und Amanda also noch genug Zeit haben, um sich einen ordentlichen Sitzplatz zu suchen.
„Komm wir setzen uns einfach hierhin!“, flüstert Tom dann leise, um die anderen Leute nicht zu stören und bleibt ungefähr in der Mitte der letzten Reihe stehen.
Amanda lässt sich neben ihn auf einen weichen, roten Sitz nieder und lehnt den Kopf leicht nach hinten.
Gut, da wären sie also. Im Kino. Sie und Tom. Der Bruder von Bill. Der Zwillingesbruder von Bill.
Tut sie wirklich das Richtige?
Ja, auf jeden fall! Außerdem, jetzt kann sie es auch nicht mehr rückgängig machen. Sie hat sich mit Tom getroffen. Amanda kann jetzt echt nur hoffen, dass es nie rauskommt. Vielleicht kann sie ja in ein paar Jahren, wenn Gras über die ganze Sache gewachsen ist, einen Neuanfang mit Bill wagen?
Doch Amanda bezweifelt stark, dass Bill solange auf sie warten würde.
Tom lehnt sich ebenfalls gemütlich in seinem Sitz zurück und streckt beide Arme nach oben, um sie dann nach beiden Seiten auszustrecken.
Seine Hand berührt wie zufällig leicht die Schulter von Amanda.
Diese tut angestrengt so, als hätte sie es nicht bemerkt. Toms Finger streicheln zärtlich über ihr blondes Haar und Amanda beginnt immer krampfhafter in Richtung Leinwand zu blicken.
Das ist nicht gut, was sie tut.
Es ist wegen der Wette. Wegen Alicia. Wegen ihrem Stolz. Sie muss jetzt noch eine weitere Woche mit Bill und Tom zusammen sein.
Also, sie hat es jetzt schon einigermaßen weit geschafft, sie darf jetzt nicht einfach aufgeben!
Sie muss es durchziehen!

Kapitel 10
~Schön und doch so falsch~

Amandas Kopf liegt sanft auf Toms Schultern, welcher ihr beruhigend über den Arm streichelt. Seine Finger berühren ihre Haut ganz zart und seine Nase wandert immer wieder durch ihr Haar und über ihre Wange.
Der Film geht gerade mal eine halbe Stunde und Amanda hat jetzt schon genug. Tief vergräbt sie ihr Gesicht in Toms Halsbeuge und schließt leicht die Augen.
Deutlich spürt sie seinen ruhigen Atem. Seine sanften Berührungen. Seine Nähe. Seine Wärme.
Wäre der Film nicht so laut würde sie sicher jeden einzelnen seiner schnellen Herzschläge hören.
„Magst du den Film nicht?!“, haucht Tom ihr plötzlich ins Ohr und die Blondine schrickt kurz zusammen. Seine zart geschwungenen Lippen berühren leicht ihre Haut.
Amanda schüttelt zaghaft den Kopf. Ihr ganzer Körper steht unter Anspannung.
Was machen diese Kaulitz Twins nur mit ihr?
„Wollen wir gehen?!“ Fast schon liebevoll fährt Tom nun mit einer Hand über Amandas Oberschenkel. Seine dunklen Augen bohren sich ihn ihre und sein Kopf ist leicht schief gelegt.
Amanda muss stark schlucken und bringt keinen Ton über die Lippen. Sie bringt nur ein Nicken zustande. Die Atmosphäre im Raum scheint wie still zu stehen.
„Dann komm!“ Er hält ihr seine Hand hin. Ohne zu überlegen greift Amanda nach ihr und steht auf. Leise folgt sie Tom bis nach draußen.
Was hat er vor?
Kaum sind sie aus dem dunklen Kinosaal getreten strahlt ihnen auch schon helles Licht entgegen. Amanda kneift sofort die Augen zusammen und beschattet sie mit einer Hand.
Tom umschlingt Amanda sogleich wieder mit seinen Armen und macht nicht den Anschein sie schnell wieder loslassen zu wollen.
„Komm wir laufen etwas durch die Stadt!“, flüstert er ihr zu und streift mit seinen Lippen diesmal kurz ihre Wange. Amanda durchzuckt ein eisiger Schauer.
Ganz automatisch läuft sie neben Tom her und registriert jede seiner Bewegungen, jeden seiner Atemzüge. Auf einmal scheint alles auf dem Kopf zu stehen und nicht mehr richtig zu sein. Alle Gefühle in Amanda wirbeln durcheinander und zeigen keinen klaren Durchblick mehr.
Was ist hier nur los?
Gestern hatte sie noch das Gefühl, wie auf Wolken zu gehen und allein schon Bills Anblick brachte sie zum durchdrehen. Jetzt scheint ihr Blick zu verschwimmen und alles nur noch eine unklare Gestalt zu haben. Ihr Herz pocht immer heftiger gegen ihre Brust und das Blut rauscht unkontrolliert durch ihre Adern.
Und doch ist zwischen jetzt und gestern ein himmelweiter Unterschied. Auf der einen Seite fühlt sie sich heute einfach nur unheimlich geborgen an Toms Seite, aber andererseits ist es auch falsch. Das schlechte Gewissen hört einfach nicht auf immer weiter an ihrer Seele zu nagen. Ständig tauchen Bills braune, mandelförmige Augen vor ihr auf und scheinen sie zu durchbohren. Doch dann erblickt sie wieder Toms ebenmäßiges Gesicht und sein freches Grinsen.
„Weißt du, ich hab mich echt gefreut, dass du mich angerufen hast!“ Toms Hand übt einen leichten Druck gegen Amandas Schultern aus.
„Ach…wirklich?!“ Die Blondine kaut sich unbehaglich auf der Unterlippe herum und weiß nicht wirklich was zu erwidern.
„Ja, als Bill mir von dir erzählt hat war ich echt schon ein bisschen eifersüchtig, dass er mit jemand so hübschen verabredet ist!“ Ein schelmisches Grinsen ziert Toms Lippen und sein Griff wird noch ein wenig fester.
Amanda spürt etwas Röte in sich aufkommen und fühlt doch ein angenehmes Gefühl in sich, dass immer größer wird. Bill hat Tom also grad erzählt, dass die beiden verabredet sind. Amanda spürt ein flaues Gefühl im Magen. Bill… wieder schwirrt der geheimnisvolle Schwarzhaarige in ihren Gedanken herum.
„Na ja, jetzt bist du ja auch mit mir verabredet!“ Amanda schaut Tom leicht schräg von der Seite an und leckt sich lasziv über die Lippen.
Seine dunklen Augen wandern glitzernd zu ihr und verfangen sich in ihrem Blick.
Die letzten Sonnenstrahlen fallen sanft auf die beiden hinab und ein hauchzarter Sommerwind weht ihnen durchs Haar. Amanda fühlt deutlich ihr schnelles Herzklopfen und hält kurz den Atem an. Toms Nähe ist einfach nur unbeschreiblich, auch wenn sie nicht so etwas auslöst wie Bill es tut.
Hier ist es mehr das Abenteuer, was sie so anregt. Der Kick, des Verbotenen.
Kurz fragt sie sich, ob sie wohl auch so fühlen würde, wenn sie sich nun erst mit Tom und dann mit Bill verabredet hätte. Doch diesen Gedanken verwirft sie sofort wieder.
Bill hat etwas an sich. Etwas anziehendes, etwas verlockendes. Das, was so viele Mädchen wollen.
Tom liebt das Wilde und will unabhängig sein. Mit ihm kann man nur Spaß haben – keine Liebe.
„Zum Glück!“, haucht Tom hier noch leise auf die Lippen, bis er diese schließlich mit seinen verschließt. Amanda spürt sein kühles Piercing und ein deutliches Kribbeln, das ihren Körper durchzieht. Feste erwidert sie seinen Kuss und presst ihre Hände leicht gegen seine Brust. Tom macht einen Schritt weiter nach vorne und sein warmer, antörnender Körper schmiegt sich an den ihren.
Seine Zunge streicht über ihre Unterlippe und die beiden verfallen dann schließlich in ein leidenschaftliches Zungenspiel. Toms Hände wandern wild über ihren Rücken. Immer mehr drängt er Amanda nach hinten, bis diese schließlich gegen eine Hauswand stößt. Sein gelegentliches aufkeuchen dringt ihr ins Ohr, was sie nur noch mehr anmacht, seine heißen Küsse zu erwidern. Ihr Herz rast und ihr Körper scheint vor Anspannung gleich zu explodieren.
Man merkt deutlich, dass Tom schon so einige Erfahrungen hat und wenn er was will, dann bekommt er das auch. Und jetzt will er sie. Amanda.
Hart drückt er sich immer fester gegen die Blondine. Lässt seine Lippen verlangend über ihren Hals gleiten und fährt mit einer Hand unter ihr Oberteil.
Die Abenddämmerung verleiht dem ganzen nur noch mehr eine leidenschaftliche Atmosphäre.
Amanda muss leise aufstöhnen als Tom zart beginnt ihr auf die Lippen zu beißen und an ihrer Unterlippe zu knabbern. Sein antörnender, heißer, schneller Atem stößt ihr gegen die Haut und sie krallt sich mit beiden Händen leicht in seinen Rücken.
Er hat wirklich keine Hemmungen. Mitten auf offener Straße. Halb verborgen im Schatten. Zwar sind nicht mehr viele Leute unterwegs und doch kann sie jederzeit jemand sehen, der sie kennt. Der Bill kennt…
Plötzlich durchdringt ein Klingeln die angespannte Stille.
Überrascht lösen Amanda und Tom sich schwer atmend voneinander. Tom kramt in seinen überweiten Hosentaschen herum und befördert schließlich sein Handy ans Tageslicht.
„Ja?!“ Genervt hält er sich das Ding ans Ohr und versucht seinen Atem wieder etwas zu beruhigen.
Amanda lehnt sich währenddessen weiter gegen die Wand und schließt kurz die Augen. Sie kann kaum glauben, was da eben passiert ist. Es war falsch und doch hat es sich so toll angefühlt. So etwas kann man eigentlich nicht bereuen…
„Okay, ist gut ich komme jetzt!“ Tom legt auf und verdreht genervt die Augen.
Amanda sieht ihn fragend an und fährt sich mit einer Hand durch die leicht zerzausten Haare.
„Was ist?!“
Tom seufzt.
„Das war Bill!“
Amanda spürt sofort, wie ihr Herz schwerer wird und ihre Atmung kurz stoppt. Nervös beißt sie sich auf die Unterlippe.
„Er meint ich soll jetzt heim kommen…oder er wolle jetzt noch mal kommen und mit uns durch die Stadt ziehen…“
Amanda schluckt stark.
Sofort hämmern wieder alle Schuldgefühle auf sie ein und sie fühlt sich so schlecht wie nie zuvor. Verständnisvoll nickt sie nur. „Dann geh jetzt besser!“
Amanda kann deutliche Enttäuschung in Toms Augen aufblitzen sehen, doch sie haben wohl keine andere Wahl. Bill darf nie etwas erfahren…
„Das holen wir aber nach!“, raunt Tom ihr noch ins Ohr und lässt eine Hand kurz eindeutig über ihren Oberschenkel wandern.
Amanda traut sich nicht mal mehr zu nicken.
Sie kann erst wieder ausatmen, als Tom sich dann schließlich abwendet und geht. Als sie ihn nicht mehr sehen kann. Zittrig schließt sie wieder die Augen und lehnt sich nach hinten an die Hauswand.
Das kann nicht gut ausgehen.

Kapitel 11
~In meinen Gedanken bist nur du~

Amanda lehnt sich entspannt nach hinten und schließt die Augen. Selbst durch ihre Lider erkennt sie die hellen Sonnenstrahlen, die ihr ins Gesicht fallen.
Ihre Haut beginnt schon angenehm unter dem Einfluss der Hitze zu Kribbeln.
Ihre blonden Haare sind abermals mit einem Gummiband hinten zusammengebunden.
Lässig baumeln ihre Füße in dem kühlen Nass des Pools und verhindern somit das komplette austrocknen ihres Körpers.
Es ist ein idyllischer Sonntagnachmittag und Amanda genießt endlich mal wieder ihre Ruhe. Es ist schon eine ganze Weile her, dass sie mal Zeit für sich hatte. Ständig hatte sie irgendwelche Dates mit Jungs, doch heute nicht.
Denn jetzt hat sie etwas mit Bill Kaulitz. Dem geheimnisvollen Jungen, den niemand so wirklich zu kennen scheint. Und dazu kam noch, dass sie etwas mit Tom Kaulitz hat.
Nie hätte Amanda erwartet, dass solch eine Last auf sie zukommen würde. Womöglich hätte sie nie dieser irrsinnigen Wette zugestimmt, wenn sie das voraus geahnt hätte.
Seufzend legt sie den Kopf weiter in den Nacken.
Irgendwie muss sie da nun wieder herauskommen. Sobald diese eine Woche hier herum ist, wird sie einen Schlussstrich ziehen…müssen. Am einfachsten wäre, beide in den Wind zu schießen, doch das könnte sie sicher beim besten Willen nicht.
Bill hat so etwas Faszinierendes und Einzigartiges an sich. So etwas hat sie noch nie gefühlt. Noch nie hat ein Junge ihr solch ein Gefühl vermittelt.
Doch was kann Amanda nun schon tun? Sie bezweifelt stark, dass Tom mitspielen würde.
Er wäre gekränkt, wenn sie es ihm mitteilen würde. Bill würde innerhalb von wenigen Sekunden wissen, was Sache ist. Es sieht aussichtslos aus.
Wenn doch nur Bill derjenige wäre, der über alles bescheid weiß. Dann könnte sie ihm sagen, dass sie sich für ihn, Bill, entschieden hat und Tom würde nie auch nur ein sterbend Wörtchen erfahren.
Niedergeschlagen schaut Amanda vor sich ins Leere. Der Himmel ist vollkommen blau, nicht eine Wolke ziert ihn. Kein einzig, winziger Lufthauch ist zu spüren und der Duft nach Blumen ist so atemberaubend stark, dass man sich wie auf einer herrlichen Blumenwiese vorkommt.
Amanda hat die ganze Sache auch schon ausgiebig mit Jill durchgekaut, doch diese weiß auch keinen wirklichen Rat. Sie hat Amanda nur alles Glück gewünscht. Für ihre erste große Liebe, wie sie es genannt hat. Darüber konnte Amanda nur den Kopf schütteln.
Bill ist doch nicht ihre erste große Liebe. Amanda kann sich unmöglich in diesen Jungen verliebt haben. Sie kennen sich kaum. Sie hatten nur einen Abend zusammen. Einen wunderschönen Abend.
Amanda schüttelt kurz den Kopf. Am besten steht sie nun auf und geht wieder ins Haus. Hier draußen zerbricht sie sich nur weiter den Kopf. Sie kann nun mal nichts machen.
Irgendwie muss sie versuchen die Woche rum zu bekommen.
…um dann wieder ohne Bill dazustehen…

Am späteren Abend gönnt die Blondine sich dann noch ein entspannendes Schaumbad.
Auf eine Weise kann sie es kaum erwarten morgen in die Schule zu gehen, aber auf der anderen Seite hat sie auch Angst.
Sie ist sich nicht sicher, ob sie Bill in die Augen schauen kann. Doch sie muss. Wenn sie ihm nicht wehtun will, tut sie einfach ganz normal.
Sie mag ihn wirklich, wie noch nie einen Jungen zuvor.
In Gedanken versunken läuft das Mädchen dann, nur mit einem Handtuch umwickelt, zurück in ihr Zimmer um sich die Schlafklamotten anzuziehen.
Plötzlich durchdringt ein schrilles Läuten die Stille; das Telefon.
Amanda ist sich ziemlich sicher, dass das Jill ist, die noch mal genau über die Sache mit den Zwillingen reden will. Vielleicht auch über etwas anderes.
„Ja, hallo?!“ Die Blondine klemmt sich den Hörer zwischen Schulter und Ohr und beginnt in ihrem Kleiderschrank nach einer frischen Hot Pant und einem Top zu suchen.
„Hey Süße, ich bin’s Bill!“
Vor Schrecken wäre Amanda fast das Telefon hinunter gefallen.
Allein schon Bills Stimme zu hören löste eine unglaubliche Gänsehaut an ihrem gesamten Körper aus.
„Oh Hey!“, ist alles, was sie über die zitternden Lippen bekommt.
Schnell setzt sie sich auf ihren weichen, roten Sessel, da ihre Beine langsam anfangen immer weicher und wackliger zu werden. Sie kann kaum glauben, dass Bill sie nun tatsächlich angerufen hat.
Ob er wohl Sehnsucht hat?
“Na? Wie geht’s dir? Hab gestern und heute ja gar nichts von dir gehört und so, da dachte ich, ich ruf mal an!“ Amanda konnte sich nur all zu gut das freche Grinsen auf seinem Gesicht vorstellen.
„Ach, alles klar soweit. Hab gestern und heute eigentlich den ganzen Tag nur gefaulenzt… in der Sonne und so…“, merkt man ihr an, dass sie lügt? „Und wie geht’s dir?!“
„Ach nicht so doll…ich vermisse dich!“, schnurrt er fast schon ins Telefon und Amanda spürt ein angenehmes Prickeln. Ihr Magen zieht sich zusammen und ihre Hand beginnt immer krampfhafter den Telefonhörer zu umklammern, um ihn ja nicht fallen zu lassen.
„Ich dich auch.“, säuselt Amanda zurück und bekommt ganz verklärte Augen. Wie gerne wäre sie jetzt bei ihm. Wie gerne würde sie jetzt seine Nähe spüren. Seine Lippen. Seine Hände. Seine Haut.
„Ich kann es kaum erwarten, dich morgen wieder zu sehen!“
Amanda fühlt sich wie auf Wolken. Anscheinend empfindet Bill auch eine ganze Menge für sie? Es muss ihm wohl genau wie ihr ergehen. Warum würde er sonst so etwas sagen? Es wäre einfach perfekt. Alles passt.
Das Einzige, was ihrem Glück im Wege steht, ist diese Wette…
„Ja, ich auch nicht. Wir können uns ja dann vor Unterrichtsbeginn noch treffen…“
„Ich weiß auch schon, was wir dann machen!“ Sein schelmisches Grinsen ist fast schon durch den Telefonhörer zu hören.
„Ich freu mich schon drauf!“ Auch Amanda bekommt ein Lächeln auf die Lippen.
„Na, dann wären wir ja schon zwei!“
Die Blondine will gerade etwas erwidern, als ihr Handy wie wild zu vibrieren beginnt. Gehetzt springt Amanda auf und greift nach dem kleinen Ding, dass auf dem Nachtisch liegt.
„Hast du morgen Nachmittag eigentlich Zeit?!“, fragt sie hektisch ins Telefon, während sie die SMS öffnet, die sie gerade erhalten hat…von Tom.
#Hey Süße, war echt heiß gestern ;-) Kann es kaum erwarten, dich wieder so intensiv zu spüren… was machst du morgen Abend?!#
Amanda atmet zischend ein.
„Für dich habe ich immer Zeit!“, haucht ihr da auch schon wieder die zärtliche Stimme von Bill ins Ohr.
Amanda spürt eine kleine Gänsehaut. Morgen ist sie mit Bill verabredet. Da bleibt für Tom keine Zeit. Verdammt, warum muss auch alles so kompliziert sein?
“Gut, dann wäre das ja geklärt!“, versucht sie so gut es geht die Situation zu retten.
„Du, ich muss jetzt leider auflegen…muss noch ein paar Vokabeln lernen! Bis morgen dann!“ Amanda versucht ihre Stimme so verführerisch wie möglich klingen zu lassen und leckt sich lasziv mit der Zunge über die Lippen. Und doch schwingt ein leichtes Zittern in ihr mit.
„Gut bis dann Süße!“, haucht Bill zurück und dann dringt ihr auch schon das monotone Tuten des Telefons entgegen.
Seufzend lässt Amanda sich rückwärts aufs Bett fallen.
#Sorry süßer, bin für morgen schon ausgebucht. Wie wärs mit Dienstag? ..die Wartezeit steigert nur die Lust und die Sehnsucht…;-)#
Erschöpft schmeißt Amanda das Handy von sich und schließt die Augen. Langsam massiert sie sich mit ihren Fingern die Schläfen.
Dieses Versteckspiel macht sie vollkommen fertig. Doch sie kann jetzt nicht einfach aufgeben… dieses Spiel muss sie gewinnen…das Spiel mit den Zwillinge…

Kapitel 12
~Spielst du mit?~
Montag

Helle Sonnenstrahlen begleiten Amanda auf ihrem Schulweg. Auch wenn es noch relativ früh ist spürt sie doch die angenehme Wärme empor ihrem Rücken und das leichte Kribbeln auf der Haut. Wie in den letzten Tagen auch ist die Blondine ziemlich Sommerlich gekleidet mit einer großen Sonnenbrille auf der Nase.
Mit jedem Schritt, den sie der Schule und somit den Zwillingen näher kommt, spürt sie ihr Herz schneller klopfen und ein flaues Gefühl im Magen. Die Stiche in der Brust ignoriert sie schon seit dem Aufstehen gekonnt.
Einerseits kann sie es kaum erwarten, Bill endlich wieder zusehen doch andererseits hat sie auch etwas angst. Wie würde Tom wohl reagieren? Ob er sich das zwischen Bill und Amanda einfach tatenlos ansehen würde? Und ob Bill wohl etwas merken würde… etwas unwohl ist der Blondine ja doch.
Es dauert auch nur wenige Minuten bis Amanda an der Schule angekommen ist. Schon viele Schüler tummeln sich auf den Gängen und warten auf Unterrichtsbeginn.
Mit gemischten Gefühlen kämpft Amanda sich durch die überfüllten Hallen und hält nach einem bekannten Gesicht Ausschau.
Kurz glaubt sie die rote Mähne von Alicia entdeckt zu haben.
Amandas Lippen umspielt ein teuflisches grinsen. Die wird sich heute noch wundern. Wenn sie erst mal sieht, wie Amanda mit den Zwillingen bzw. mit Bill rum läuft. Die Wette ist schon so gut wie gewonnen. Doch das auch für einen harten, schmerzlichen Preis.
Bill.
Wahrscheinlich wird er ihr nie wieder in die Augen sehen. Nie wieder auch nur ein einziges Lächeln für sie übrig haben. Nie wieder mit ihr reden oder gar mit ihr in einem Raum sein wollen.
Ist es das denn wirklich wert?
„Hey meine Schöne!“ Plötzlich spürt sie zarte, volle Lippen, die sich sanft an ihr Ohr legen.
Warme, zierliche Hände umschlingen sie. Ein süßlicher Geruch steigt ihr in die Nase.
Amanda muss sich gar nicht erst umdrehen um zu wissen, wer da hinter ihr steht. Allein schon, wie sich jedes einzelne feine Härchen auf ihrem Körper aufrichtet und wie die ganze Atmosphäre plötzlich wie still steht.
„Hallo Bill“, flüstert sie leise zurück und dreht sich dann ganz zaghaft um.
Sofort blicken ihr die großen, mandelförmigen Augen Bills entgegen. Wieder bemerkt Amanda dieses einzigartige Glitzern in ihnen, was sich kaum mehr beschreiben lässt.
Sein wohlgeformter Mund ist zu einem Lächeln verzogen.
Amanda kann es einfach nicht lassen eine Hand zu heben und sie die schönen Konturen seiner vollen Lippen entlang fahren zu lassen. Ein Prickeln übersieht ihren Körper. Leicht kann sie Bills warmen Atem spüren, wie er ihre Wange streift.
„Ich hab dich schon gesucht!“ Bill neigt seinen Kopf flüchtig zur Seite und sein Gesicht nimmt einen frechen Ausdruck ein. „Konnte es kaum erwarten dich zu sehen!“
Seine kleine, zarte Nase stupst gegen die von Amanda und die Blondine muss kurz Grinsen.
„Ich hab dich auch schon gesucht!“, haucht Amanda zurück und verschließt ihre Lippen nun mit den seinen.
Fast schon ausgehungert presst sie sich an ihn und stiehlt ihm einen Kuss.
Sie konnte es kaum erwarten ihn endlich wieder so nahe und intensiv zu spüren. Seine angenehme Körperwärme und sein antörnender Duft.
„Na, dann haben wir uns ja gegenseitig echt vermisst!“, grinst Bill, nachdem sie sich von dem Kuss wieder gelöst haben.
Wie immer wirkt er selbstbewusst. Auch wenn er doch so zierlich und blass aussieht in seinem inneren muss er doch eine ungeheure Stärke und Kraft haben.
Genau diese ist es, die er immer ausstrahlt und die anderen, besonders Amanda, so fasziniert. Es ist das, was ihn auszeichnet und zu so etwas besonderem macht.
„Ja, nur leider müssen wir uns auch gleich schon wieder trennen!“ Wie als wolle Amanda das verhindern und ihn am liebsten nie wieder los lassen schmiegt sie sich enger an Bill.
Dieser muss auflachen.
„Nach der Schule gehörst du aber nur mir!“
Amanda kommt es vor, als würden sie sich schon seit Jahren kennen und lieben. Sie fühlt sich so zu ihm hingezogen, wie zu niemandem bisher. Und auch gerade diese kleine Distanz, die Bill manchmal ausstrahlt, gibt ihr den Kick bei ihm bleiben zu wollen. Alle lagen ihr bisher nur zu Füßen und haben alles getan… nur Bill nicht. Er ist anders als die anderen.
„Nichts lieber als das!“
Amanda zwirbelt leicht eine von Bills langen Haarsträhnen um ihren Finger und vergräbt ihren Kopf in seiner Halsbeuge.
Zwischen den Schülern vor ihnen bemerkt sie plötzlich etwas Rotes aufblitzen. Alicia.
Passend zu ihren grünen Augen trägt diese ein grünes Top zu einem hellblauen Minirock. Abwertend hat sie die Arme verschränkt und beobachtet Bill und Amanda.
Sofort steigt ein triumphierendes Gefühl in Amanda auf. Stolz, fast schon überheblich, legt sie die Arme fester um Bill.
Jetzt sieht Alicia mal, was sie davon hat…
„Hey Bill, sorry, dass ich störe, aber hast du zufällig gestern noch die Englisch Hausaufgaben gemacht?!“ Plötzlich steht Tom ganz unvermittelt neben ihnen und schaut seinen Bruder fragend an.
Amanda ist zu überrascht um auch nur irgendeine Reaktion von sich zu geben, die etwas auffällig gewesen wäre. Perplex und etwas verlegen tritt sie einen Schritt von Bill weg.
„Ja, hab ich… wenn du mir Mathe gibst, kannst du se haben!“ Der Schwarzhaarige kramt in seinem Rucksack herum und zieht ein Heft mit gelbem Umschlag hervor.
„Sicher!“ Tom nickt zustimmend und holt seinerseits ein Heft mit blauem Verband.
„Gut, danke. In Mathe peil ich gerade überhaupt nichts!“ Bill verdreht die Augen. Tom zieht beide Augenbrauen in die Höhe. „Dann weißt du ja wie es mir mit Englisch geht!“
Amanda kommt sich zwischen den Zwillingen richtig klein und mickrig vor. Nervös spielt sie mit einer ihrer blonden Haarsträhnen und blickt unbehaglich den Flur entlang.
Alicia ist mittlerweile verschwunden; sie scheint genug gesehen zu haben.
„Na gut, ich geh dann schon mal in die Klasse, bis gleich!“ Tom schlägt bei Bill ein und wirft Amanda noch ein flüchtiges, schelmisches Grinsen zu, bevor er verschwindet.
Amanda spürt sanfte Hitze in sich hochkommen. Was denkt Tom sich dabei sie so anzugrinsen?
Doch Bill hat dies allem Anschein nach entweder nicht bemerkt oder lässt es sich einfach nicht anmerken. „Na ja ich geh jetzt besser auch mal, wir haben jetzt Mathe und das muss ich noch machen“, Bill zwinkert.
„Tschau meine Schöne!“ Er legt nochmals einen Arm um Amanda und zieht sie zu sich heran. Sein Duft schlägt ihr sofort entgegen und die Blondine verdrängt sogleich wieder ihre Zweifel in Hinsicht auf Tom.
„Gut bist dann….ich denk an dich!“ Amanda grinst und haucht ihm einen leichten, verführerischen Kuss auf die Lippen.
Wieder mal wünscht sie sich, dass das ganze nicht auf irgendeiner dummen Wette aufbauen würde. Sie könnte so glücklich sein…
„Ich natürlich auch an dich!“ Mit diesen Worten und einem letzten Lächeln verschwindet Bill dann schließlich auch und lässt Amanda alleine zurück.
Diese atmet erleichtert auf.
Soweit ist noch alles gut gegangen. Noch…
Doch wird es das auch noch die restliche Zeit? Bis Ende der Woche muss es ihr gelingen und diese letzte Zeit mit Bill sollte sie so gut es geht genießen… jetzt wo sie ihn noch hat und dann auf immer verliert…

Kapitel 13
~Normaler Altag…eine Lüge jagt die Nächste~

Die drückende Stille und die schwere Hitze lasten bleiern auf den Schülern. Niemand hat bei diesem Wetter Lust auf Unterricht, geschweige denn auf irgendetwas anderes als ins Schwimmbad gehen.
Auch Amanda hat den Kopf auf die Hände gestützt und schaut Teilnahmelos aus dem Fenster. Abwesend beobachtet sie die großen Bäume mit dessen Ästen und Blättern, die leicht in einer sanften Brise wirbeln.
Es ist schon die 6. und somit letzte Stunde. Die Blondine kann den erlösenden Gong kaum abwarten. Kann es kaum erwarten endlich wieder in Bills wärme spendenden Armen zu liegen. Die ganze erste Pause über hatte er sie mit diesen umschlungen und ihr immer wieder zärtliche Küsse in den Nacken gehaucht.
Tom war glücklicherweise nicht noch mal aufgekreuzt. Dafür aber dann Alicia in der zweiten Pause. Wieder Mal hatte sie Amanda mit abwertenden Blicken bedacht. Amanda konnte ihr deutlich ansehen, wie wütend sie darüber war, dass die Blondine allem Anschein nach die Wette gewinnen würde.
„Noch hast du nicht gewonnen!“, zischte die Rothaarige ihr ins Ohr und ließ ihre Augen bösartig aufblitzen.
„Aber ende der Woche!“, flüsterte Amanda zurück und zwang sich sogar ein Lächeln ins Gesicht.
Sie fand es toll Alicia so überlegen zu sein.
“Wir werden sehen!“ Ohne Amanda noch eines Blickes zu würdigen drehte Alicia sich auf dem Absatz um und stolzierte davon.
Amanda zuckte die Schultern und kehrte dann zur 5. Stunde zurück in ihren Klassenraum…
Auch wenn die Blondine bei dieser Wette auch eine ganze Menge verlieren würde… etwas hätte sie aber auch davon; den Triumph.
Aber kann man das wirklich miteinander vergleichen?
Das schrille Schellen der Klingel reißt Amanda aus ihren Gedanken. Erschrocken fährt sie hoch und beginnt nun auch damit ihre Sachen hastig zusammen zu packen. Das Fußgetrampel der anderen begleitet sie dabei.
„Amanda, ich muss dringend los! Meine Mum holt mich ab, weil wir noch einkaufen wollen!“ Jill streicht sich eine ihrer braunen Haare aus der Stirn und schultert den Ranzen. „Bis morgen dann!“
Mit einer letzten Handbewegung zu Amanda, die diese mit einem Lächeln erwidert, dreht sie sich um und eilt aus dem Raum.
Im Gegensatz zu den anderen lässt Amanda sich genügend Zeit und schlendert schließlich gemächlich aus dem Klassenraum. Sie hat es wirklich gut, nicht mit einem Bus fahren zu müssen. Sie kann sich alle Zeit der Welt lassen und gemütlich die paar Meter nach Hause laufen.
Sie und Bill hatten in der Pause ausgemacht, dass Bill Amanda heute Nachmittag zum Eisessen abholen würde. Darauf freut die Blondine sich echt schon.
Ein Tag nur mit Bill.
Sie hat sich fest vorgenommen dabei nicht an Tom oder die Wette zu denken. Heute wird sich alles nur um sie beide drehen. Keine Probleme. Keine Sorgen. Nichts. Nur ihre Zweisamkeit.

„Mandy? Kannst du mir vielleicht heute mal dabei helfen-“ „Sorry Mum, aber ich hab schon was vor!“ Amanda verdreht die Augen und setzt den blauen Kajal von neuem an.
Mandy…wie sie diesen Spitznamen doch hasst.
„Oh…eine Verabredung?!“
Neugierig steckt Kerstin ihren Kopf ins Badezimmer hinein. Ihre Augen wandern prüfend zu ihrer Tochter.
„Was sonst?“, antwortet diese und bedeckt ihre Lippen nun mit einem pink schimmerndem Lipgloss.
Eigentlich müsste Kerstin das doch schon längst gewohnt sein.
„Na dann will ich dich mal nicht weiter stören.“ Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen verschwindet Kerstin wieder.
Amanda wendet sich kopfschüttelnd wieder dem Spiegel zu. Ihre Haare fallen ihr glatt und glänzend um das Gesicht mit den hohen Wangenknochen. Ihre blauen Augen werden durch den blauen Kajal nur besser betont.
Zufrieden grinst Amanda, als es plötzlich an der Tür klingelt.
Sofort hetzt sie aus dem Zimmer, schnappt sich die kleine Handtasche von der Empore und jagt zur Haustür. Was macht dieser Junge nur mit ihr? Jetzt kann sie es schon kaum mehr erwarten ihn zu sehen.
„Bin dann heute Abend irgendwann wieder da!“, ruft Amanda noch in Richtung Küche, wo sie ihrer Mutter vermutet, bevor sie dann noch mal tief ein atmet und dann die Haustür öffnet.
Wie erwartet steht Bill davor. Mit seinem gewohnten selbstbewussten Grinsen sieht er Amanda an.
Heute trägt er zu langen, zerrissenen Jeans ein weißes Hemd. Die ersten drei Knöpfe auf der Brust sind offen und der Kragen ist leicht aufgestellt.
Er sieht einfach nur sexy aus. Wie immer.
Das Haar steht ihm heute nicht wie sonst wild vom Kopf an, sondern fällt glatt nach unten.
„Also, können wir dann los?!“, fragt Bill neckisch, nachdem Amanda nichts gesagt und ihn nur angestarrt hatte.
Sofort schreckt sie hoch. „Ehm ja, klar!“
Verlegen streicht sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und tritt aus dem Haus.
Wie immer ist es übertrieben heiß. Die Sonnenstrahlen sind förmlich schon zu sehen. Wie sie alles austrocknen…
„Gut. Ein Eis könnte ich jetzt echt gebrauchen!“, spielt Bill auch sofort schon auf diesen warmen Sommer an.
Mit einem Lächeln nimmt er Amanda an der Hand, welche sogleich schon ein Schauer durchzieht. Die Berührungen von Bills Haut lösen ein angenehmes Prickeln in ihr aus.
Widerstandslos erwidert Amanda seinen Druck mit der Hand und gemeinsam schlendern sie die kleine Hofauffahrt hinunter.
Das beliebteste Eiscafé, Magdeburgs ist nur zwei Straßen weiter. Es ist keine Überraschung, dass die beiden niemandem begegnen. Keiner will sich unbedingt freiwillig dieser Hitze ausliefern.
„Setzen wir uns nach draußen oder nach drinnen?!“ Bill neigt den Kopf fragend zur Seite und sieht Amanda an. Diese runzelt die Stirn.
„Nach drinnen…da ist es bestimmt schön kühl!“
Bill nickt zustimmend.
Sie ergattern einen der letzten freien Tische und lassen sich jeweils auf einen der bequemen Holzstühle fallen.
„Ich muss dich aber leider schon um 6 nach Hause bringen!“, bemerkt Bill plötzlich. „Wir haben eben noch spontan eine Bandprobe für heute Abend angesetzt!“ Er sieht sie bedauernd aus seinen braunen, mandelförmigen Augen an.
Amanda lächelt. „Ach kein Problem, ich versteh das schon. Eure Musik geht eben vor!“
„Du bist echt… unglaublich!“, Bill wirkt über ihre Einstellung leicht überrascht. Er hebt eine Hand und fährt mit seinen Fingern liebevoll über Amandas Wange. Lässt sie kurz über die Konturen ihre weichen Lippen wandern. Zärtlich wandern seine Finger an ihr Kinn, bis er Amanda schließlich mild zu sich heran zieht und sie küsst.
Amandas Körper spannt sich augenblicklich wieder an und ihre Atmung stoppt.
Sofort erwidert sie Bills Kuss und presst ihre Lippen enger gegen seine.
Langsam lösen sie sich wieder voneinander.
Kurz bleibt Bill noch mal ganz dicht vor ihr verhaaren und schaut ihr intensiv in die Augen. Durchbohrt sie fast mit diesem dunklen braun.
Seine Augen wirken so tief, noch tiefer als der Ozean, dass es unmöglich ist in ihnen auch nur irgendetwas zu lesen. So geheimnisvoll und doch so offen und ehrlich.
Langsam lehnt Bill sich wieder nach hinten und lehnt den Kopf zur Seite, wie er es sooft tut. Wieder fallen ihm einige Haarsträhnen verwegen ins Gesicht.
„Dann eben morgen wieder!“ Er zwinkert.
Amanda will gerade nicken und dem zustimmen, als sie inne hält. Morgen…
Morgen ist sie mit Tom verabredet.
Verdammt.
„Du ehm…sorry…morgen kann ich nicht!“ Verlegen schaut die Blondine zu Boden.
„Oh..“ Enttäuscht sieht Bill sie an. „Was machst du denn?!“
Amanda beginnt hektisch zu überlegen. Was macht sie denn? „Ich muss mit meiner Mum wohin…“
Schlechte Ausrede. Doch was soll sie machen? Sie kann wohl kaum die Wahrheit sagen.
Wieder mal verflucht sie die Wette und ihre Unehrlichkeit. Dieses Spiel kann einfach nicht gut enden… dieses Spiel mit dem Feuer. Dieses Spiel mit den Zwillingen.

Kapitel 14
~Getraute Zweisamkeit?~

„Ach so… schade.“ Bill verzieht schmollend den Mund und Amanda muss sich wirklich überwinden, um ihre Lippen zu einem Lächeln zu verziehen.
„Ja. Übermorgen können wir uns dann wieder treffen?!“ Unsicher blitzen ihre Augen auf.
Bill nickt aber sofort. „Mittwoch, geht klar!“ Er kann es anscheinend kaum abwarten sie wieder zu sehen.
„Gut!“ Mit Tom wird Amanda sich dann sicher wieder am Donnerstag treffen müssen…
Bill will gerade den Mund öffnen, um etwas zu sagen, als er plötzlich unterbrochen wird.
„Was darf es sein?!“ Eine etwas ältere, untersetzte Kellnerin steht mit Block und Stift vor ihrem Tisch. Ungeduldig wartet sie auf die Bestellungen.
Bill sieht Amanda an. „Was möchtest du haben?!“
„Ich nehme…eine Eisschokolade!“, antwortete diese und schaut zu der Kellnerin auf, welche sich die Bestellung notiert.
„Und ich hätte gerne… einen Spaghettibecher“
Der Schwarzhaarige wartet, bis die Kellnerin verschwunden ist, bevor er sich dann wieder Amanda zuwendet. „Weißt du denn schon, was wir dann machen wollen?!“
Amanda zuckt ratlos die Schultern. „Ist mir egal“
Ihr ist es wirklich nicht wichtig was sie und Bill unternehmen, solange sie nur zusammen sind. Amanda genießt seine Nähe wirklich. Er tut ihr gut. Es ist unbeschreiblich schön bei ihm.
Nie würde sie je genug von ihm haben. Er ist wie eine Droge. Eine Gutaussehende Droge. Sie braucht ihn.
„Wenn du willst, kannst du mit zu mir kommen, dann können wir eine DVD gucken?!“ Bedeutungsvoll hebt Bill beide Augenbrauen in die Höhe und blitzt Amanda mit seinen dunklen Augen an.
„Ehm…okay!“ Verlegen schaut Amanda zu Boden und beißt sich auf die Unterlippe. Zu ihm nach Hause…
Sie kann nur hoffen, dass sie dort Tom nicht zufällig über den Weg läuft.
„Gut, ich freu mich schon!“ Mit sich zufrieden lehnt Bill sich etwas in seinem Stuhl zurück und legt den Kopf in den Nacken.
Unruhig rutscht Amanda auf ihrem Stuhl herum und lässt ihren Blick durch das Eiscafé wandern. Noch immer macht Bills Anwesenheit sie durchaus nervös.
Dabei sind sie jetzt ja schon relativ vertraut miteinander.
Doch in Bills Gegenwart ist es einfach immer etwas Besonderes. Er ist anders als die anderen.
Er strahlt auch immer noch diese bestimmte Distanzierung aus. Er lässt sich nie vollkommen auf Amanda ein.
Seine Augen sind so geheimnisvoll, so schwarz, sie verraten nichts seiner Gefühle. Einerseits verschlossen und doch so wundervoll und lebendig.
Es ist unmöglich zu sagen, was er von gewissen Situationen hält und vor allem, was er von Amanda hält. Doch dessen, dass er sie mag, ist sie sich eigentlich ziemlich sicher…
Nachdenklich lässt Amanda ihren Blick zu Bill schweifen und beobachtet ihn. Wie er lässig auf seinem Stuhl sitzt und gelangweilt die anderen Leute mustert.
Er sieht aber auch zu gut aus. Und genau das weiß er auch…
„So bitte euer Eis!“ Mit einem Klirren stellt die Kellnerin die beiden Becher auf dem Tisch ab und verschwindet wieder.
„Mhm ich liebe Eis!“ Mit einem Vorfreudigem Grinsen, was ihn fast schon wie einen kleinen Jungen wirken lässt, macht Bill sich über seinen Spaghettibecher her.
Amanda schüttelt amüsiert lachend den Kopf über ihn.
„Hey, lach mich nicht aus!“ Bill zieht einen Schmollmund.
„Mach ich nicht!“, grinst die Blondine zurück.
„Nee, bloß nicht“ Bill streckt ihr kurz die Zunge heraus und widmet seine ganze Aufmerksamkeit dann wieder dem Eisbecher.
Auf seiner Oberlippe hat sich ein kleiner, weißer Bart gebildet, welcher sich kaum von seiner schönen, blass schimmernden Haut abhebt.
Immer noch Grinsend beginnt Amanda nun auch an ihrer Schokolade zu schlürfen…

„Dann bis morgen in der Schule meine Schönheit!“ Bills warmer Atem stößt ihr gegen die zitternden Lippen.
Seine eine Hand umklammert Amandas Hüfte und zieht sie sanft näher zu sich heran. Die andere fährt ihr zaghaft über die Wange und hinterlässt brennende Spuren auf Amandas Haut.
Seine leuchtenden, schönen Augen bohren sich in ihre und Amanda scheint auf ewig in ihnen zu versinken.
„Bis dann!“, haucht die Blondine Bill entgegen und legt ihre Lippen kurz auf seine. Wie immer schmecken sie süß und weich. Lieb und zärtlich.
Wieder steht Amandas ganzer Körper unter Anspannung. Seine Nähe und seine Küsse bringen sie schon so um den Verstand, sie will gar nicht wissen, wie es ihr am Mittwoch ergehen wird…
Mit einem letzten Hingehauchten Kuss und einem kleinen Lächeln dreht Bill sich schließlich um und schlendert lässig davon. Sein Haar wellt sich etwas im leichten Wind und wie immer muss Amanda ihm einfach hinterher schauen. Sein Gang ist geschmeidig und selbstsicher.
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht dreht Amanda sich dann schließlich um, kaum ist Bill nicht mehr in Sichtweite, und geht ins Haus.
Sofort kommt ihr eine neugierige Kerstin entgegen. „Und wie war´s?! Hattet ihr Spaß?“
Amanda verdreht die Augen. „Es war ganz okay!“
Mit einem kleinen, verliebten Lächeln im Gesicht hüpft Amanda schließlich leicht die Treppe hinauf, in ihr Zimmer. Noch immer spürt sie Bills Hände auf ihrer Haut und seine zarten Lippen auf ihren.
Traumhaft.
Seufzend lässt das Mädchen sich rücklings aufs Bett fallen und starrt auf die himmelblaue Decke. Das Prickeln im Bauch will einfach nicht aufhören.
Gegen ihren Willen muss Amanda wohl zu dem Schluss kommen, dass sie sich echt in diesen Kerl verliebt hat. Noch nie hat es jemand geschafft sie so aus der Fassung zu bringen.
Und dann trifft es gerade den Falschen.
Alicia würde ihr nach der gewonnen Wette nie ihr Glück könne…sie würde Bill eiskalt ins Gesicht sagen, warum Amanda mit ihm ausgegangen ist und was da mit seinem Bruder läuft.
Amanda durchzuckt ein leichtes Schwindelgefühl. Bill wird sie hassen.
Und wenn Alicia nichts sagen würde, was sie aber macht, wäre da auch noch das Problem mit Tom. Wenn Amanda ihn abservieren würde, würde er Bill erst recht alles erzählen oder? Niemand würde es doch ungestraft wagen, dem kleinen Macho seinen Stolz zu verletzten.
Betrübt dreht Amanda sich auf die Seite.
Echt tolle Aussichten.
Ein leichter, lauwarmer Sommerwind umweht Amandas Haare. Langsam schließt sie die Augen.
Er wird sie doch hassen.

…Die schlimmste Art jemanden zu vermissen, ist direkt neben ihm zu stehen und zu wissen: ER wird DIR nie gehören…


Und genauso geht es ihr jetzt. Sie vermisst Bill. Bei jedem einzelnen Kuss, bei jeder einzelnen Berührung.
Bill wird ihr nie gehören…

Kapitel 15
~Immer schön Lächeln~
Dienstag

Das monotone Klingeln des Weckers dringt langsam zu Amanda durch. Seufzend drückt die Blondine sich das Kissen auf die Ohren. Wie sie es doch hasst!
Blinzelnd schlägt sie die Augen auf und stöhnt kurz leise. Am liebsten würde sie sich jetzt einfach auf die Seite drehen und weiter schlafen. Doch leider muss sie in die Schule. Und Bill und Tom gegenüber treten.
Mit noch schlechterer Laune als eben haut Amanda einmal kurz auf den Wecker, damit dieser endlich verstummt, und schwingt sich dann aus dem Bett. „Auf in den Kampf!“, murmelt sie noch leise vor sich hin, bevor sie im Bad verschwindet.

„Das ist echt verdammt schade, dass du heute nicht kannst!“ Wieder spürt Amanda Bills leicht warmen Lippen an ihrem Ohr. Ein Zittern zieht durch ihren Körper und lässt sie unter Bills Händen schaudern.
„Ja, find ich auch!“ Unbewusst fängt Amanda Toms grinsenden Blick auf. Seine Augen scheinen regelrecht zu leuchten.
Bill hatte heute Morgen darauf bestanden Amanda dem Rest der Clique, sprich Andreas, der beste Freund der Zwillinge, Luisa, Nico, Marie und Tom vorzustellen. Alle waren freundlich und nett. Sogar Tom, der brav seine Rolle spielte und so tat, als würde er nun das Erste mal näher mit Amanda zu tun haben.
Nun stehen sie also alle zusammen in der ersten Pause um den kleinen Brunnen, auf dem Schulhof, versammelt und unterhalten sich. Jill hat sich auch dazugesellt, auch wenn sie recht wortkarg ist.
Amanda fühlt sich recht unbehaglich hier, vor allem wegen Toms unmittelbarer Nähe. Die kurzen, unauffälligen Blicke, die er ihr ständig zuwirft, sind auch nicht gerade hilfreich.
Er scheint wohl schon richtige Vorfreude auf heute Nachmittag entwickelt zu haben…
„Na ja ich freu mich dann mal auf Morgen!“ Bill zwinkert kurz unauffällig und verzieht seine Lippen zu einem frechen Grinsen.
„Ja, ich mich auch!“ Unwohl weicht Amanda seinem Blick aus. Nervös schaut sie zu Boden und versucht so gut es geht nicht daran zu denken, dass sie Bill hintergeht.
„Ach, was macht ihr denn Morgen?!“, reißt plötzlich Toms Stimme Amandas Aufmerksamkeit auf sich. Schockiert blickt die Blondine auf und verfängt sich in Toms zusammen gekniffenen Augen.
Bill runzelt die Stirn. „Ich hab Amanda zu uns eingeladen. Macht dir doch nichts aus dann mal zu Andy zu gehen oder?!“ Leicht bedeutungsvoll hebt er die Augenbrauen an und Amanda fühlt sich von Sekunde zu Sekunde elender.
Toms Augen blitzen kurz gefährlich auf doch er überspielt es locker mit einem lässigen Grinsen und einer Handgeste. „Natürlich nicht. Ihr wollt ja sicher lieber alleine sein.“
Bill legt zufrieden einen Arm um Amanda und zieht sie sanft, aber bestimmt an sich heran. Sofort dringt ihr wieder sein Duft in die Nase.
„Danke Bruderherz!“
Der Junge mit den Dreads hebt nur noch mal kurz die Mundwinkel an und wendet sich dann wiederkehrend Nico und Marie zu.
Amanda atmet hörbar erleichtert aus. Ihr Körper entspannt sich langsam wieder.
Bill jedoch drückt sie nur noch ein Stück enger an sich und flüstert: „Ich glaube er ist eifersüchtig, weil er noch nie so eine Schönheit als Freundin hatte!“
Amanda spürt wie ihr Gesicht sich puderrot verfärbt und beißt sich kurz auf die Unterlippe.
Angestrengt zwingt sie sich ein Lächeln auf die Lippen, doch am liebsten würde sie schreien. Solch eine Situation wünscht sie nicht mal ihrer Erzfeindin Alicia.
„Na ja…ich denke er hat genug hübsche Mädchen!“, murmelt sie zu Boden.
Wenn sie so weiter macht merkt Bill noch etwas…
„Aber davon kommt keine an dich ran!“ Erneut spürt Amanda eine Gänsehaut, die allein schon diese Worte von Bill anrichten.
Langsam hebt sie ihren Blick wieder an und blickt direkt in das perfekte Gesicht Bills. Das schwarze Haar mit dem perfekten Kontrast zu seiner vollkommenen blassen Haut. Die dunklen Augen, in denen man zu versinken droht. Die vollen, perfekt geschwungenen Lippen.
Vorsichtig und unsicher Lächelt Amanda ihn an.
„Danke!“, kann sie nur hauchen und muss dann einfach ihre Lippen zart auf seine legen.
Sie fühlt sich so schrecklich wie noch nie. Bill ist einfach nur lieb und nett. Fürsorglich. Total süß.
Und sie? Sie ist total fies zu ihm, nutzt ihn nur aufgrund einer Wette aus.
Am liebsten würde sie es ihm ins Gesicht schreien; die Wahrheit. Es beenden. Weinen.
Doch sie kann nicht.
Amanda will sich nicht mal seine verletzte Miene vorstellen. Allein das bringt sie schon um den Verstand und zum Rande der Verzweiflung. Doch ewig kann sie das Spiel auch nicht spielen.
Plötzlich spürt Amanda Bills Hand an der Wange wie sie langsam die Konturen ihres Gesichtes nachzieht. Seine leicht pulsierenden Lippen liegen immer noch eng auf ihren und geben ihr das Gefühl, des unermesslichen. Als könne sie nun alles erreichen, was sie wolle. Doch das ist nicht der Fall…
Am Freitag wird der Traum vorbei sein.

„Ich find das nicht gut, was du machst!“ Amanda braucht gar nicht erst den Kopf zu neigen, sie kann auch so schon die vorwurfsvollen Blicke von Jill spüren, die sich unbarmherzlich in ihre Haut bohren.
„Ich auch nicht.“, murmelt die Angesprochene leise zurück.
Jill runzelt fragend die Stirn. „Und warum machst du es dann?!“
Amanda schüttelt den Kopf. Sie weiß es doch auch nicht.
„Denkst du er würde es mir eher verzeihen, wenn ich es ihm jetzt sage, anstatt am Freitag?“
Fast schon wie automatisch setzt Amanda einen Fuß vor den anderen. Der Heimweg ist ihr noch nie so lange vorgekommen. Am liebsten würde sie sich wünschen, nie zu Hause anzukommen, sondern einfach nur weiter zu gehen. Dem ausweichen, was ihr bevor steht.
„Nein. Aber vielleicht ist er dann nicht ganz so wütend und du hast noch eine minimale Chance, dass er doch noch mal irgendwann zu dir kommt.“
Nachdenklich wiegt Jill den Kopf auf die Seite. Eine dunkle Locke fällt ihr in die Stirn.
„Ach Quatsch!“ Amanda schüttelt wieder den Kopf. Ihre hellen Augenbrauen sind so weit zusammengezogen, dass sie fast wie eine dünne, schmale Linie wirken.
„Egal wann ich es mache, er wird mich hassen und verachten. Also kann ich doch wenigstens noch die Wette gewinnen oder?!“
Jill seufzt. „Ich verstehe dich echt nicht. Bill ist so lieb. Dass du so was riskierst…und ihm so etwas antust“
Leicht wütend ballt Amanda die Hände zu Fäusten und zwingt sich ruhig weiter zu gehen. Die aufkommenden Worte schluckt sie wieder runter.
„Du weißt nicht wovon du redest, Jill! Du weißt doch gar nicht wie es mir geht… du hast keine Ahnung!“
Die Brünette zieht verächtlich beide Augenbrauen in die Höhe. „Ach jetzt bist du das arme Opfer?!“
Amanda will gerade den Mund öffnen und etwas erwidern, als Jill ihr wieder dazwischen fährt: „Du hast recht, ich weiß nicht, wie das ist und das will ich auch gar nicht! Jemanden so zu verletzen… du tust mir echt leid!“
Mit harten Gesichtszügen verschnellert Jill ihre Schritte.
Amanda sieht ihr empört hinterher. „Jill! Du…ich...AHH…dann geh doch!“
Ebenfalls nun ziemlich angesäuert kommt Amanda wenige Minuten später mit unergründlicher Miene zu Hause an.
In ihr scheint alles zu brodeln und das liegt nicht nur an der Hitze draußen.
„Was bildet die sich eigentlich ein?!“, schimpft sie leise vor sich hin und stampft in ihr Zimmer, ohne die verdutzt dreinblickende Kerstin auch nur eines Blickes zu würdigen.
Jill weiß gar nichts.
Amanda fühlt sich schon schrecklich genug. Sie leidet. Doch niemand scheint ihre unsichtbaren Tränen wahrzunehmen. Nicht mal Jill. Die hackt nur weiter auf ihr rum.
Soll sie doch, fährt es Amanda sofort wieder aufgebracht durch den Kopf. Ich brauch die nicht! Noch habe ich meine Zwillinge…die Frage ist nur…wie lange noch?

Kapitel 16
~Heiße Liebesspiele und gemütlicher DVD Tag~

„Amanda! Besuch für dich!“
Abrupt schreckt die Blondine hoch, als die schrille Stimme ihrer Mutter zu ihr durchdringt.
Hektisch springt Amanda auf und schaut auf die Uhr. Verdammt. Tom ist schon da.
So schnell es geht versucht Amanda sich die Haare zu ordnen und noch etwas Schminke aufzutragen.
Sauer auf sich selbst, da sie nicht auf die Zeit geachtet hat, stapft sie dann wenige Minuten später nach unten und erblickt Tom gegen den Türrahmen gelehnt im Flur stehen.
Leicht verlegen und mit immer noch etwas wirren Haaren tritt Amanda ihm gegenüber.
Das Schmunzeln auf Toms Lippen versucht sie gekonnt zu ignorieren.
„Also, was wollen wir machen?!“ Mit fragender Miene blickt Amanda sich kurz um, als würde die Antwort irgendwo an der Wand stehen.
Tom beginnt zu Grinsen und macht einen Schritt auf Amanda zu, diese versteift sich sofort.
Toms Augen blitzen gefährlich auf und sind leicht zusammen gekniffen. Wieder kommt er Amanda näher, welche ruckartig zurück tritt und plötzlich harte Wand hinter sich spürt.
Mit einem undefinierbaren, düsteren Gesichtsausruck stützt Tom seine Hände jeweils links und rechts von Amandas Kopf ab und drückt sie fester gegen die Wand.
Deutlich spürt die Blondine Toms heißen Atem auf ihrem Gesicht und seine dunklen Augen, die sie durchbohren.
„Ich wüsste da was!“, haucht Tom ihr zu und presst sich noch ein Stück enger an sie.
Amanda muss stark schlucken und kurz aufkeuchen. Toms Nähe fühlt sich einfach nur unbeschreiblich gut an, auch wenn es etwas anderes als bei Bill ist.
Sie spürt ein Verlangen in sich hochkommen, was sich augenblicklich in ihrem ganzen Körper verbreitet.
„Ich auch!“, wispert sie Tom entgegen und schlingt plötzlich ihre Arme um ihn.
Wild und stürmisch beginnt sie ihn zu küssen. Toms antörnender Duft steigt ihr wieder mal in die Nase und der süßliche Geschmack seiner Lippen lässt sie fast schaudern.
Toms Körper presst sich immer enger an sie und sein gelegentlicher schneller Atem und sein Schnaufen dringen ihr ins Ohr.
Es fühlt sich so gut an. Die Gänsehaut überzieht Amandas ganzen Körper und das Zittern durchschaudert sie so sehr, dass sie fast schon glaubt gleich ohnmächtig zu werden.
Toms Hände wandern nun wild und hemmungslos über ihren Körper und scheinen alles erforschen zu wollen.
Amanda kann seine Erregung deutlich spüren und merkt wie auch sie selbst immer angetaner von ihm ist. Sogar Bill ist gerade gänzlich aus ihrem Kopf verschwunden.
Doch ganz will sie sich Tom nun auch nicht hingeben…auch wenn es hier ja im Prinzip eh nur um den Spaß geht. So leicht will sie es ihm ja dann doch nicht machen.
Mit einem leisen Grinsen stößt Amanda ihn plötzlich von sich weg. „Wir wärs, wenn wir ein wenig DVD schauen?!“
Tom öffnet seine Augen wieder, die er während des Kusses geschlossen hatte, und schaut sein Gegenüber verdutzt an. Ungläubig hebt er eine Augenbraue in die Höhe. „DVD schauen?!“, echot er.
Amanda lächelt und zuckt die Schultern. „Ja, warum denn nicht?!“, fragt sie ganz naiv.
Toms Miene wirkt immer noch vollkommen perplex. „DVD schauen?!“, kann er nur noch einmal wiederholen.
Die Blondine findet das ganze immer amüsanter. Tom denkt wirklich nur an das eine.
„Also komm!“ Aufmunternd blickt Amanda ihn an und greift nach seiner Hand.
„DVD schauen!“, seufzt Tom nur und folgt ihr, wenn auch eher widerstrebend, die kleine Wendeltreppe hinauf nach oben.
„Ja, das habe ich ja auch Morgen mit deinem Bruder vor.“ Sie könnte sich sofort wieder auf die Zunge beißen.
Tom nickt allerdings nur. „Ich weiß!“
Erleichtert atmet Amanda auf. Tom geht es also wirklich nur um das Spiel. Für ihn wäre es sicher kein Problem, noch ewig so weiter zu machen. Doch das würde sie nicht aushalten. Das schlechte Gewissen gegenüber Bill würde sie zerstören. Sie würde innerlich daran kaputt gehen. Stumm und still vor sich hin leiden und weinen, bis es dann doch irgendwann aus ihr herausbrechen würde. Da beichtet sie es ihm doch lieber Ende der Woche…
„Aber jetzt bist du ja hier bei mir und deshalb: vergiss Bill!“ Tom übt festeren Druck auf Amandas Hand aus und lächelt sie an. „Jetzt gibt es nur uns zwei!“
Die Blondine nickt langsam.
Ist es wirklich nur ein Spiel für ihn? Nicht, dass Tom sich am Ende doch noch in sie verliebt oder so….
„Du hast Recht! Und jetzt werden wir zwei schön DVD schauen!“ Amanda grinst.
Toms Gesichtszüge verhärten sich etwas doch ansonsten lässt er sich nichts anmerken.
In Amandas Zimmer angekommen lässt er dann erst mal interessiert seine Augen durch den Raum wandern.
Anerkennend pfeift er kurz durch die Zähne. „Nicht schlecht!“
Amanda erwidert nichts darauf. Ja, sie haben Geld….allein schon das große Himmelbett, war unbeschreiblich teuer.
„So mein Süßer, dann mach es dir doch schon mal bequem!“, mit einem Grinsen zieht Amanda Tom am Kragen zu sich heran, drückt ihre Lippen kurz auf seine und schubst ihn dann bestimmend aufs Bett.
Tom schaut erfreut zu ihr auf. „Du machst mich echt so was von an!“
Amanda lächelt nur selbstsicher und schlendert dann mit wackelnden Hüften zum Fernseher. Wahllos schiebt sie irgendeine DVD hinein und geht dann ganz langsam zum Bett.
Tom beobachtet sie erwartungsvoll.
„Da ist der Fernseher!“, lacht Amanda und deutet neckisch in die andere Richtung.
Tom leckt sich kurz mit der Zunge lasziv über die Lippen. „Ich finde dich aber viel interessanter!“
„Ach, wenn das so ist!“ Langsam lässt Amanda sich nun auch auf dem Bett nieder, hält allerdings einigen Sicherheitsabstand, um Tom noch etwas zu ärgern und zappeln zu lassen.
Dieser schiebt schmollend die Lippe nach vorne.
„Du bist viel zu weit weg!“ Kritisch begutachtet er den halben Meter Platz zwischen ihnen.
Amanda klimpert leicht mit den Wimpern. „Wir wollen doch eh nur DVD schauen!“
Tom verdreht die Augen und greift dann plötzlich ruckartig nach Amandas Arm. „Du vielleicht, ich nicht!“
Amanda schaut ihn gespielt ängstlich an. „Tom, du würdest doch nichts machen, was ich nicht auch wollen würde oder?!“
Toms Augen haften wieder intensiv an denen von Amanda und seine Hand umschlingt sie immer fester. „Natürlich nicht. Du willst es doch auch, das weiß ich!“
Entrüst sieht sie ihn an. „Also hier, als ob ich so notgeil wäre wie du!“ Grinsend bohrt sie ihren Zeigefinger in seine Brust und fährt sich nun auch schelmisch mit der Zunge über die Lippen.
Amanda hört deutlich, wie Tom scharf Luft einzieht.
„Bei meinem Anblick wird jedes Mädchen notgeil!“, raunt er ihr ins Ohr presst seine Lippen plötzlich fest und innig auf ihre. Wie ausgehungert beginnt Tom sie zu küssen und lässt seine Hände dabei frech über ihren Körper wandern.
Amanda kann sich gar nicht dagegen wehren – und will es auch nicht.
Stürmisch erwidert sie Toms Berührungen. Vorsichtig lässt sie von seinen Lippen ab und wandert seinen Hals hinab. Sanft streift sie sein Schlüsselbein und setzt keck ihre Zunge dabei ein.
Tom stöhnt genussvoll dabei auf und streckt sich ihr immer weiter entgegen.
Seine Hände wandern über ihre Hüften, unter ihr T-Shirt bis hin zu ihren Brüsten. Auch Amanda kann ein Seufzen nicht mehr unterdrücken.
Völlig von Toms Wärme und Liebkosungen in den Bann gezogen gibt sie sich ihm weiter hin…

Kapitel 17
~Er oder ich?~

… doch mit ihm schlafen will sie auch nicht. Das könnte sie Bill nie im Leben antun. Es reicht ja schon diese Wette. Wie weh sie ihm allein damit schon wehtun muss.
Er ist im Moment der Einzige, bei dem sie sich vollkommen geborgen fühlt. Alleine nur mit ihm könnte sie es sich vorstellen – wenn überhaupt.
„Ich will dich!“, hört sie da plötzlich Toms heißere Stimme im Ohr. Sein Atem stößt ihr gegen die Haut und lässt sie scharf nach Luft schnappen.
Seine Hände beginnen ihr Top immer höher zu schieben.
Die leisen Geräusche des Fernsehers dringen undeutlich zu Amanda durch. Das Blut in ihren Adern beginnt zu pulsieren und sie spürt deutlich Toms Erregung.
„Tom!“, wispert die Blondine leise in den Kuss hinein.
Vorsichtig versucht das zierliche Mädchen sich etwas von Tom zu lösen, doch dieser drückt sie mit seinem ganzen Gewicht so stark nach unten, dass daran nicht einmal zu denken ist.
„Bitte… hör auf!“
Sie will es ihm nicht geben. Sie will es nicht so weit kommen lassen.
Amanda liebt Bill. Diese Wette und die ganze Sache mit Tom sind ein einziger Fehler.
Abrupt hebt Tom den Kopf und weicht vor Amanda zurück. Seine Augen sind zusammen gekniffen und mustern das Mädchen argwöhnisch.
Amanda hebt leicht die Augenbrauen an und blickt fragend zurück. „Tom, wa-?“, doch sie wird jäh unterbrochen: „Was soll das Amanda?!“, gefährlich leise und mit nach unten geneigtem Kopf spricht er. „Was willst du mich jetzt abweisen? Denkst du etwa an Bill?!“, die letzten Wörter spuckt er förmlich aus.
Amanda öffnet verwirrt den Mund.
„Du triffst dich mit mir und mit meinem Zwillingsbruder!“, ereifert sich Tom weiter. „Denkst du etwa du kannst mit mir machen was du willst? Denkst du ich bin irgendeine Puppe? So kannst du mich nicht behandeln!“
Tom schnaubt leise auf und Amanda spürt immer mehr Panik in sich hochkommen. Eine leise, böse Vorahnung macht sich in ihr breit, was jetzt passieren wird…
„Du kannst es dir jetzt aussuchen. Ich oder Bill.“ Tom verschränkt die Arme und Amanda reißt panisch die Augen auf.
Genau darauf hatte sie gewartet.
Dass Tom sie vor die Entscheidung stellt. Wenn er etwas will tut er wohl alles, um ebendies zu bekommen. Er will Amanda. Er muss sich wohl in seinem Stolz verletz fühlen.
„Tom…ich…ich kann mich jetzt nicht so auf Anhieb entscheiden…ich…“ Was soll sie ihm nur sagen? Dass es ja nur noch bis ende der Woche so weiter geht, weil dann die Wette beendet ist?
„Aha!“, gibt Tom nur kalt zurück und mustert sie abweisend. „Also…dann könnte ich Bill ja auch davon erzählen, dass wir beide uns treffen… würde dir das die Entscheidung leichter machen?!“ Er hebt grinsend beide Augenbrauen in die Höhe.
Amanda fühlt sich als hätte Tom ihr eine schallende Ohrfeige verpasst. Sie spürt einen Kloß im Hals und muss stark schlucken. „Bitte erzähl Bill nichts davon!“, fleht sie leise mit zerbrechlicher Stimme.
Tom grinst süffisant. „Warum denn nicht? Es würde ihn doch sicher interessieren!“
Amandas Hände beginnen leicht zu zittern, doch sie ballt sie schnell zu einer Faust, damit Tom nichts bemerkt. „Gib mir Zeit….bitte…bis zum Wochenende habe ich mich entschieden!“
Dann wäre eh alles zu spät. Die Wette wäre vorbei und Amanda müsste Bill aufklären – oder Alicia würde das übernehmen.
Amanda sitzt in der Falle. Sie könnte Tom jetzt nicht sagen, dass sie sich für Bill entscheidet. Tom würde ihm sofort alles erzählen.
Von dem falschen Spiel…
Würde Amanda sich jetzt für Tom entscheiden, würde dieser sie zwingen sich nicht mehr mit Bill zu treffen.
Es ist einfach ein Teufelskreis.
„Na gut. Bis Freitag hast du Zeit und keinen Tag länger!“ Tom lehnt sich leicht zurück.
Abschätzend mustert er Amanda.
„Ich hoffe, du entscheidest dich für den Richtigen!“
Amanda nickt gequält.
So Machos wie Tom haben wirklich immer ihren Stolz.
„Na ja ich glaube ich geh dann jetzt mal!“ Tom erhebt sich langsam, die Augen aber weiterhin fest auf Amanda gerichtet. „Und sei dann jetzt besser immer nett zu mir….nicht, dass mir Mal etwas vor Bill herausrutscht!“
Amanda kann wieder nur nicken. Starr sieht sie Tom hinterher, wie er lässig aus dem Zimmer schlendert, die Hände cool in den Hosentaschen vergraben.
Sie hätte auch so keine andere Wahl. Wäre die Wette nicht da, müsste Amanda sich für Tom entscheiden, täte sie es nicht wüsste Bill schneller von der ganzen Sache bescheid, als ihr lieb wäre.
Seufzend vergräbt Amanda den Kopf in den Händen. Ihre Schläfen pochen unangenehm und ihr ganzer Körper fühlt sich schlaff und müde an.
Sie liebt Bill.
Warum ist das Schicksal so grausam…wieso gibt es keine Zukunft für sie beiden?
Amanda lässt sich nach hinten fallen und vergräbt ihr Gesicht tief in einem der weichen Kissen.
Sie ist dran schuld. Sie hat alles vermasselt. Sie hat es kaputt gemacht. Die Zukunft für sie und Bill hat sie mit ihren eigenen Händen zerstört.
„Das Leben ist grausam!“, murmelt die Blondine leise vor sich hin und schlägt kurz mit der Faust neben sich auf die Matratze.
Plötzlich beginnt ihr Handy zu klingeln und zu vibrieren.
Ruckartig setzt Amanda sich wieder auf und schaut ängstlich zu ihrem Hände, das auf dem Nachttisch liegt. Langsam und mit immer schneller pochendem Herzen beugt sie sich über das Gerät.
Eine Sms.
Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend nimmt Amanda sich das Handy und öffnet die sms.
#Hey meine Schöne. Musste grade an dich denken….vermisse dich! Schade, dass du heute nicht kannst…Freu mich schon richtig auf morgen (; …bis dann…dein Bill#
Amanda spürt ein Kribbeln in ihrer Brust, was sich in sekundenschnelle in ihrem ganzen Körper verbreitet. Tränen schießen ihr in die Augen.
„Scheisse!“, flucht sie plötzlich los und schleudert das Handy, wie als wäre es eine tickende Zeitbombe, von sich weg.
Unkontrolliert beginnen ihr salzige Tränen über die Wange zu laufen. Sie hält das nicht mehr aus. Sie kann das nicht mehr.
Jedes einzelne Wort zu Bill war eine Lüge, alles war falsch.
Und dafür hasst Amanda sich.
Ob sie das bis Freitag überhaupt noch durchstehen kann? Äußerlich wird sie vielleicht auf alle gelassen und normal wirken doch innerlich weint sie und schluchzt hemmungslos.
Nach außen hin wird alles normal erscheinen…doch im Inneren stirbt sie immer mehr und mehr….

Kapitel 18
~ Nichts ist mehr, wie es mal war~

Mittwoch
„Los Amanda aufstehen, du kommst zu spät in die Schule!“ Grummelnd wälzt sich das Mädchen mit den honigblonden Haaren auf die andere Seite. Sie macht sich nicht mal die Mühe die Augen zu öffnen, während Kerstin unbarmherzig weiter an ihr rüttelt.
„Lass mich doch!“
„Nein junge Dame, du stehst jetzt sofort auf und dann Abmarsch in die Schule!“ Entschlossen steht Kerstin auf und knipst das Licht an.
Amanda stöhnt leise auf, als die grellen Sonnenstrahlen durch ihre Lieder sickern.
„Du bist so gemein!“ Alles andere als gut gelaunt stößt sie die Bettdecke von sich und richtet sich halb auf. Das Haar steht ihr wirr vom Kopf ab.
„Ich bin deine Mutter!“, erwidert Kerstin nur mit einem leisen Lächeln und verlässt dann das Zimmer.
Amanda fährt sich kurz einmal mit beiden Händen durch das Gesicht, bevor sie sich dazu zwingt sich zu erheben. Auf wackligen Beinen tappt sie zum Kleiderschrank und wandert wenige Minuten später rüber ins Bad.
„Und viel Spaß in der Schule!“ Die trällernde Stimme Kerstins begleitet Amanda auf ihrem Weg zur Haustür. „Ja, ja!“, kann die Blondine nur genervt erwidern, bevor sie sich wieder der unbarmherzigen Hitze ausliefert.
Auch wenn es noch relativ früh ist scheint die Sonne doch schon knallhart hinab.
„Ich hasse den Sommer!“, murmelt Amanda leise vor sich hin, als sie schon nach wenigen Minuten ein paar Schweißperlen auf ihrer Stirn wahrnimmt.
Wie immer braucht das Mädchen nicht lange bis zur Schule. Erleichtert atmet Amanda auf, doch hält augenblicklich wieder die Luft an, als sie Bill und Tom am Haupteingang entdeckt.
Sie scheinen sich ganz normal zu unterhalten.
Amanda muss stark schlucken und bleibt kurz stehen. Sie versucht sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass Tom versprochen hat, Bill bis Freitag nichts zu sagen. Und doch spürt sie eine Angst, die ihr unbarmherzig den Nacken hinauf kriecht.
„Keine Panik!“, flüstert sie leise vor sich hin, bevor Amanda dann die Schultern strammt und so gelassen wie möglich auf die beiden zuschlendert.
„Hey meine Schöne, da bist du ja!“ Kaum hat Bill sie entdeckt tritt auch schon ein Lächeln auf sein Gesicht. Aber kein herzliches, nein so wie man es eben von Bill Kaulitz gewöhnt ist.
Ein cooles, unnahbares Lächeln eben.
„Ja, ehm… hi!“, antwortet Amanda leicht schüchtern und legte ihre Lippen kurz auf die von Bill.
„Ich hab dich schon vermisst!“
Amanda versucht so gut es geht nicht zu Tom zu blicken, der die beiden mit verschränkten Armen beobachtet. „Ich dich auch!“
Der Arm, den Bill um Amanda gelegt hat, fühlt sich schwer und unbequem an. Unbehaglich unter Toms bohrendem Blick schmiegt Amanda sich an den Schwarzhaarigen.
„Na ja ich werd dann schon mal in die Klasse gehen!“, meint dieser plötzlich gefährlich leise und unter blitzenden Augen. Bill runzelt leicht die Stirn. „Muss noch Mathe machen…also…man sieht sich!“ Mit diesen Worten dreht er sich um und verschwindet zwischen ein paar anderen Schülern.
„Irgendwie benimmt der sich komisch!“, bemerkt Bill da plötzlich kopfschüttelnd und Amanda hat das Gefühl, dass ihr das Herz in die Hose rutscht.
„Ähh…wieso? Ist das nicht normal, dass er Hausaufgaben abschreibt?!“ Amanda fühlt sich von Sekunde zu Sekunde unwohler.
Bill lacht leicht auf. „Doch, das schon! Na ja…wie schon gesagt er ist sicher nur eifersüchtig!“ Er zwinkert kurz.
Amanda beißt sich leicht auf die Unterlippe, zwingt sich dann aber ein Grinsen auf die Lippen.
„Mh, wenn du meinst!“
Zum ersten Mal in ihrem Leben ist die Blondine dann überaus erleichtert, als plötzlich der Gong ertönt und somit beginn der Ersten Stunde verkündet.
„Och schade!“, meint Bill bedauernd. „Na gut dann bis in der Ersten Pause!“
Er drückt Amanda kurz an sich und küsst sie sanft auf die Nase. Sofort schießt ihr wieder sein süßer Geruch in die Nase.
„Ja…bis dann!“
Beruhigt wendet Amanda sich nach rechts um, um zu ihrem Klassenzimmer zu gelangen, während Bill die Richtung zu den Physikräumen einschlägt.
„Irgendwann krepierst du noch an deinem schlechten Gewissen!“, murmelt Amanda leise vor sich hin.
Jill, die dann im Unterricht neben Amanda sitzt, würdigt diese keines Blickes. Konzentriert blickt sie nach vorne und folgt der Stunde.
Amanda, die das nicht wirklich überrascht, tut es ihr gleich und ignoriert ihre beste Freundin gekonnt. Amanda hat sich geschworen, so lange kein Wort mehr mit ihr zu wechseln, bis Jill sich für die gestrigen Worte entschuldigt hat.
Doch trotzdem fragt sie sich, nach dem Klingeln, ende der Zweiten Stunde, ob sie nun nicht doch lieber neben der schweigsamen Jill sitzen bleiben würde als nun hinaus in die Pause zu gehen. Zu Bill.
Unsicher und mit einem Blick, wie ein armes, gehetztes Reh begibt sich Amanda auf den Weg in die Pausenhalle. Sie kann noch Jills verächtlichen Blick im Nacken spüren, der sich erbarmungslos in ihre Haut bohrt.
„Es wird schon alles wieder gut, Amanda!“, flüstert die Blondine leise.
„Hey du!“
Amanda zuckt heftig zusammen, als Tom plötzlich neben ihr steht und sie frech angrinst.
Mit einem riesigen Kloß im Hals wendet Amanda sich ihm zu. „Ha-hallo Tom!“
„Na, suchst du Bill?!“ In den Namen seines Bruders legt er so viel Verachtung wie möglich mit rein. Amanda zieht nur eine Augenbraue in die Höhe.
„Ja!“, antwortet sie ihm so gelassen wie nur möglich.
Tom hat es versprochen. Bis Freitag sagt er nichts. Er hat es ihr versichert, still zu sein. Bis Übermorgen.
„Okay, dann noch viel spaß beim suchen!“ Tom lehnt sich leicht vor und berührt mit seinen Lippen zart Amandas Wange. Diese zuckt sofort zurück und schaut ihn empört an.
„Sag mal spinnst du?!“, zischt sie ihm zu und schaut sich ängstlich um, ob sie auch niemand beobachtet hat, der sie kennt.
Tom lacht nur gekünstelt auf. „Was denn? Schiss, dass klein Billy uns entdeckt?!“
Kopfschüttelnd und mit einem verächtlichen Grinsen schlendert er davon, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben.
Amanda schaut ihm kurz hinterher. Ob er wirklich bis Freitag nichts sagt?
„Du machst ja wirklich ein gefährliches Spiel daraus!“, raunt ihr plötzlich eine leise, gefährliche Stimme ins Ohr. Amanda fährt herum und sieht in die grünen Augen von Alicia. „Wenn Bill euch jetzt gesehen hätte, dann wäre die Wette für mich gewonnen!“
Amanda zwingt sich ein Lächeln auf die Lippen.
„Tja, aber das hat er nicht, also…ich werde gewinnen!“
Alicia zieht herablassend die Augenbrauen in die Höhe und runzelt die Stirn. „Wir werden sehen!“
Während die Rothaarige davon stolziert fragt Amanda sich unsicher, ob sie wohl irgendetwas vorhat. Doch das wäre mehr als unfair. Sie wird sich schon nicht einmischen. Hofft Amanda zumindest.

Kapitel 19
~Schmerz, Angst und Zweifel~

„So, also wir sehen uns ja dann heute Mittag!“ Bill zwinkert ihr mehr als eindeutig mit seinen schönen, mandelförmigen Augen zu. Amanda droht, sich wieder mal in ihnen zu verlieren und verzieht ihre Lippen zu einem Grinsen.
Diesen geheimnisvollen Augen. Noch tiefer und mystischer als der schwärzeste Ozean.
„Ja gut. Also bis dann!“ Amanda versucht krampfhaft weiter zu lächeln und fährt mit einer Hand langsam über seinen Nacken, berührt leicht seine Haare.
„Ich freu mich!“ Bestimmend zieht Bill Amanda näher an sich heran und drückt seine Lippen noch mal fest auf ihre.
Nachdem er ihr mit einer Hand noch mal kurz über die Wange gefahren ist muss er sich dann allerdings umdrehen und zum Bus laufen, da er ihn sonst verpassen würde.
Amanda atmet erleichtert auf.
Sie hätte es keine Sekunde länger ausgehalten. Tom, der sie aus dem Bus skeptisch beobachtet hatte, war auch keine Hilfe gewesen.
Seufzend macht Amanda sich nun auch auf den Weg nach Hause. Die warmen Sonnenstrahlen begleiten sie dabei und tänzeln spielerisch um sie herum und werden von Autos und anderen Sachen reflektiert.
„Was mache ich heute Mittag bei Bill…wie weit will er gehen?!“ Nachdenklich kaut Amanda sich auf der Unterlippe herum. Sie weiß nicht, ob sie Bill das echt antun kann.
Sich ihm jetzt so hingeben und am Freitag gestehen, wie sie mit ihm gespielt hat. Gerade jetzt, in dieser Situation bereut Amanda es doch ein wenig, dass sie sich mit Jill gestritten hätte.
Sie würde bestimmt wissen, was nun zu tun ist.
Immer noch in Gedanken versunken kommt die Blondine dann schließlich daheim an.
Kühle Luft schlägt ihr entgegen, als sie das Haus betritt.
„Bin da!“, gibt das Mädchen nur kurz Auskunft und huscht dann so schnell es geht nach oben.
Auf ein Gespräch mit Kerstin hat sie nun überhaupt keine Lust.
Kaum in ihrem Raum angekommen lässt Amanda sich erst mal rücklings auf Bett fallen und schließt kurz die Augen. Angenehme Kühle umgibt sie, was nachdem überaus warmen Morgen fast schon eine richtige Erleichterung nun ist. Die dunkelblauen Samtvorhänge verhindern, dass zu viele Sonnenstrahlen ins Zimmer fallen und das Licht ist dadurch nur gedämpft.
Doch Amanda kann diese schöne, ruhige Atmosphäre nicht mehr lange genießen. In einer halben Stunde wird ihr Bus nach Loitsche fahren, der sie dann zu Bill bringen würde.
Ruckartig öffnet Amanda ihre Augen wieder. Allein schon bei dem Gedanken an heute Mittag dreht sich ihr der Magen um.
Mit einem Stöhnen fährt sie sich kurz mit einer Hand durchs Gesicht, doch natürlich vertreibt dies ihre düsteren Gedanken nicht. Ihre Ängste. Ihre Zweifel. Ihre Gefühle.
Die Angst vor Freitag verbreitet sich immer mehr in ihr. Wird größer und stärker und treibt sie fast in den Wahnsinn.
„Ganz ruhig Amanda, ganz ruhig! Bill ist auch nur ein Junge. Jungs gibt es überall…auf diesen einen wirst du doch wohl verzichten können!“
Mit einem Seufzer und der Gewissheit, dass sie gerade das nie können wird, schließt sie wieder die Augen und massiert sich die pochenden Schläfen.

„Hey, da bist du ja!“ Bills verwegenes Lächeln strahlt ihr entgegen. Sofort spürt Amanda einen ruckartigen Blitz, der sie durchzieht. Ihre Hände beginnen zu zittern, und mit wackligen Beinen betritt sie schließlich das Haus, als es ihr wieder möglich ist, klarer zu denken.
Amandas Blick fällt zu erst auf die kleine Kommode, die direkt neben der Eingangstür postiert ist und über die Hälfte des Flures in Anspruch nimmt.
Lauter eingerahmt Bilder zieren das Holz. Amanda Grinsen von dort unverkennbar die Twins entgegen.
Ihre Lippen verziehen sich nun ebenfalls zu einem Lächeln. Bill sah wohl schon immer so gut aus…
„Schöne Bilder, ich weiß!“ Bill, der ihrem Blick gefolgt war, verzieht sein Gesicht nun zu einer Grimasse. Auch dabei sieht er immer noch schön und sexy aus.
Amanda, deren Wangen sich leicht rot verfärben, nickt. „Ja, sind echt süß!“
Bill hebt ungläubig eine Augenbraue in die Höhe und fährt sich mit einer Hand lässig durch die Haare. „Na ja, wenn du meinst.“ Er zuckt die Schultern und blickt Amanda dann direkt in die Augen.
„Aber du bist ja sicher nicht hier, um alte Bilder von mir und meinem Bruder zu bestaunen oder?!“ Sofort tritt ein lausbübisches Grinsen auf sein Gesicht.
Amanda muss stark schlucken, ringt sich dann allerdings ein Nicken ab. Bill soll auch nicht denken, dass sie verklemmt ist.
„Gut, dann komm mit hoch!“ Die Weise, wie er das gesagt hat lässt vernehmen, dass er sich seiner Sache nun schon vollkommen sicher ist. Selbstbewusst greift er nach Amandas Hand und umschließt diese feste mit seiner.
Unsicher folgt Amanda ihm eine lange Wendeltreppe hinauf. Im Haus herrscht überall Stille was darauf hindeuten lässt, dass sie alleine sind. Amanda hätte nie gedacht, dass Tom wirklich zu Andy geht.
„So, mein Zimmer!“ Bill bleibt vor einer schönen Holztür stehen und öffnet sie.
Ein schönes, großes Zimmer kommt zum Vorschein. An den Wänden hängen viele Poster von irgendwelchen Punk- und Rockbands und auf dem Boden liegen zum Teil überall Klamotten verstreut. Ein ganz normales Teenagerzimmer eben.
Am Fenster steht ein großes Bett, auf der gegenüberliegenden Wand ein Fernseher.
Amanda fühlt ein Kribbeln im Bauch, was sie allerdings gekonnt zu ignorieren versucht.
„Ich mach dann mal die DVD an, mach es dir schon mal auf dem Bett bequem!“ Schelmisch grinsend wendet Bill sich um und kniet sich zum Fernseher hinunter.
Amanda fühlt sich immer unbehaglicher, geht aber wie geheißen hinüber zum Bett. Als sie sich setzt stellt sie fest, dass es ein Wasserbett ist.
„Was gucken wir denn?!“, fragt die Blondine um diese unangenehme Stille zu durchbrechen, die entstanden war.
„Ist das nicht egal?!“, kommt es von Bill mit einer verruchten Stimme zurück.
Nachdem er auf „Play“ gedrückt hat dreht er sich um und kommt langsam aufs Bett zu. Seine Augen haften feste an denen von Amanda und durchbohren sie immer weiter.
Er weiß was er will. Und er weiß, wie er es kriegen kann. Und Amanda weiß das auch. Lange kann sie ihm nicht widerstehen, auch wenn sie sich das eigentlich vorgenommen hat.
Doch… wenn am Freitag sowieso alles vorbei ist…warum dann die letzten Tage nicht noch mal richtig auskosten??

Kapitel 20
~Leidenschaf, Lust und Liebe~

Mit gesenktem Kopf und einem draufgängerischen Grinsen lässt Bill sich auf das Bett fallen, Amanda dabei unentwegt anschauend. Seine dunklen Augen bohren sich immer tiefer in ihre, als wollen sie genau herausfinden, was in Amanda gerade vorgeht.
Doch bei ihm ist gerade dies so unmöglich. So unterirdisch, wie der tiefste Ozean, so schwarz, wie die dunkelste Nacht. In seinen Augen kann man absolut nichts lesen. Man bemerkt nur dieses zauberhafte Glitzern was immer wieder von neuem so stark und verführerisch zum Ausdruck kommt.
„Du bist wirklich wunderschön!“, haucht Bill ihr nun leise zu und beugt sich nach vorne. Sein Oberkörper stößt gegen den von Amanda, welche sofort ein abrupter Schlag durchfährt. Sie spürt seine warmen, weichen Lippen auf ihren. Seine Hände wandern über ihren Rücken und zu ihrem Hinterkopf. Bestimmend presst er sie immer näher zu sich.
Genießerisch schließt die Blondine ihre Augen und kann so die Berührungen Bills noch intensiver wahrnehmen.
Er lässt von ihren Lippen ab und streift flüchtig ihren Hals. Sein heißer Atem stößt gegen ihre Haut und hinterlässt dort eine eisige Gänsehaut. Sanft drückt Bill sie immer weiter nach hinten, bis Amanda schließlich auf dem Rücken liegt und er sich dann mit seinem ganzen Gewicht auf sie fallen lässt. Amanda muss leise aufkeuchen und scharf Luft einziehen. Sie spürt Bills ganze Körperwärme, die sich auf sie überträgt und seinen antörnenden Atem.
Seine Lippen liebkosen weiter ihren Hals und wandern immer tiefer nach unten bis zum Schlüsselbein. Währenddessen schieben seine Hände langsam Amandas Top immer höher. Gefährlich langsam umspielt er mit seinen Fingern ihren Bauchnabel. Leicht kratzt er mit seinen Fingernägeln über Amandas Haut. Ihr Atem wird immer schneller und schwerer. Unregelmäßig muss sie nach Luft schnappen und windet sich unter den angenehmen Berührungen von Bill.
Allmählich lässt er nun von ihr ab und streift ihr das Top über den Kopf. Achtlos wirft er es hinter sich auf den Boden. Sofort fährt er mit seinen Händen wieder über ihren schönen Körper. Stürmisch beugt er sich nach vorne und küsst sie. Amanda entweicht ein Stöhnen, erwidert den leidenschaftlichen Kuss dann allerdings sofort.
Immer enger presst er sich an sie. Seine Hüfte umkreist die von Amanda und seine Hände fummeln an ihrem BH Träger herum. Amanda spürt jetzt schon deutlich, wie ihr das Blut durch die Adern rauscht und ihr Puls sich gefährlich beschleunigt.
Bills süßlicher Duft steigt ihr ununterbrochen in die Nase. Gierig saugt sie ihn ein. Sie spürt immer mehr Lust in sich aufkommen. Die Lust nach Bill. Sie will ihn. Alles in ihr schreit nach ihm.
Unbewusst, was ihre Hände da machen, schiebt sie sein T-Shirt immer höher, bis sie es ihm schließlich ganz vom Körper reißt. Seine nackte Haut schmiegt sich sofort wieder an die ihre. Seine innigen Berührungen brennen wie Feuer auf ihrer Haut. Während ihre Zungen in ein heißes Zungenspiel verfallen wandern Bills Hände zu Amandas Hosenbund. Langsam lässt sie auch ihre Hände nach unten wandern. Streicht kurz über Bills erregte Stelle. Sofort zuckt er unter einem Stöhnen zusammen und küsst Amanda noch wilder und stürmischer.
Hektisch öffnet er ihren Hosenknopf und wandert mit einer Hand hinein in die Jeans. Zögernd lässt er sie in ihren Tanga gleiten. Amanda muss sofort aufkeuchen und versteift sich. Sie spürt ein Kribbeln und eine ungemeine Hitze. Während sie Bills stürmische Küsse weiterhin erwidert krallt sie sich mit beiden Händen ins Bettlaken. Wie automatisch drückt sie sich mit ihrem Körper nach oben.
Bills Hand wandert wieder aus der Hose heraus und zieht Amandas Jeans gänzlich hinunter. Achtlos landet diese ebenfalls irgendwo auf dem Boden. Amanda muss noch mal kurz nach Luft schnappen, ehe sie Bill dann auch die Hose ausziehen kann.
Auf ihren Körpern glitzern kleine, glänzende Schweißperlen und jetzt trennt sie nur noch das kleine Stückchen Stoff ihrer Unterwäsche endgültig voneinander.
Immer enger pressen sie sich aneinander. Amanda wird so heiß zumute, das Blut rauscht unbarmherzig durch ihren Körper und setzt jegliches denken aus. Ohne, dass sie noch irgendetwas unternehmen kann, zieht Bill ihr plötzlich den Tanga von den Hüften.
Sein Körper zittert und ihm ist die Erregung drastisch anzusehen. Schnell, als kann er es kaum noch erwarten, zieht er sich selbst die Boxershorts aus. Während er laut keuchend von Amandas Lippen ablässt sieht er sie an. Intensiv und durchdringend. Sein Atem geht schnell und schwer. Sein Haar klebt nass an seiner Stirn und doch sieht er auf irgendeine Weise zufrieden aus.
„Hör nicht auf!“, bittet Amanda unter bebender Stimme.
Sie will ihn jetzt spüren. Die angestaute Leidenschaft in ihr will endlich gelebt werden.
„Nein!“, flüstert Bill zurück und beginnt sie wieder heftig zu küssen.
Nach einem letzten, kurzen Blick dringt er dann in Amanda ein. Beide müssen erregt aufkeuchen. Amanda hat ihre Augen angestrengt zusammen gekniffen. Ihr Körper vibriert und zittert, während Bill immer tiefer in sie eindringt.
Seine Hände wandern dabei wild über ihre nackte Haut. Amanda muss aufstöhnen, was Bill nur noch mehr anstachelt. Immer fester stößt er sich in sie hinein und schnappt dabei laut nach Luft. Sie kann seinem schnellen, harten Rhythmus kaum folgen.
Immer mehr Lust staut sich in ihr an und wartet darauf, endlich aus ihr heraus zu brechen. Bills Stöhnen wird nach jedem Stoß lauter. Seine Lippen pressen sich einfach nur noch auf die von Amanda, während sein verschwitzter, nackter Körper sich so eng wie möglich an ihrem reibt.
„Bill!“ Ungewollt stöhnt Amanda seinen Namen, als sie sich mit beiden Händen an ihm fest krallt. Sie spürt ihn so nahe, so tief, so intensiv.
Ein letztes Mal stößt sich Bill tief und fest in sie hinein, ehe er letztendlich laut aufstöhnt und sich in ihr ergießt. Erschöpft lässt er sich nach vorne auf Amanda fallen, welche nun ebenfalls das Gefühl hat, eine Explosion würde in ihrem Körper starten. Eine unglaubliche Hitze kriecht ihr den Rücken hinauf, doch gleichzeitig durchzieht eine eiskalte Gänsehaut ihren Körper. Müde lässt sie sich ebenfalls nach hinten fallen, in die Tiefen des Wasserbettes.
Bill rollt sich von ihr hinunter und Amanda legt ihren Kopf behutsam auf seine Brust. Deutlich kann sie das Rasen seines Herzens wahrnehmen.
Langsam schließt Amanda die Augen, während sie dem Keuchen seines lauten Atems lauscht.
Noch nie hat sie sich jemandem so nahe gefühlt. Es war wirklich das Schönste, was sie je erlebt hat. Sie und Bill eins.
Hätte sie es vorher nicht gewusst, dann wäre ihr spätestens jetzt klar geworden, dass sie Bill liebt. Sie will für immer mit ihm zusammen sein. Ihn nie wieder los lassen.
Doch dafür ist es wohl mittlerweile zu spät. Mit dieser Erkenntnis im Bewusststein merkt Amanda wie sie immer müder wird. Während sie dem immer ruhiger werdenden Rhythmus seines Herzens folgt versinkt sie langsam im nebligen Schatten…

Kapitel 21
~Schule, Jungs und andere Katastrophen~

Gedämpfte Stimmen dringen zu Amanda durch. Der Versuch, ihre Augen zu öffnen, misslingt. Sie fühlt sich auf eine seltsame Weise müde und schwach. Und doch umgibt sie ein wärmendes und starkes Gefühl. Immer wieder hört sie ein regelmäßiges Atmen.
„Bill?!“, flüstert sie benommen vor sich hin, als die Erinnerungen plötzlich wieder auf sie einströmen. Revue läuft vor ihrem inneren Auge noch mal alles ab, was sich zugetragen hat. Amanda bemerkt einen dicken Kloß im Hals, der auch durch mehrfaches Schlucken partout nicht verschwinden will.
Unerwartet spürt sie auf einmal eine abrupte Bewegung neben sich. Langsam schlägt die Blondine ihre Augen auf und blickt geradewegs in Bills mandelförmige Augen. Wieder mal entdeckt sie diesen gewissen Glanz in ihnen. Seine perfekt geschwungenen Lippen sind zu einem Grinsen verzogen.
„Na, auch mal wieder wach?!“ Benommen blickt Amanda sich um. Sie liegt mit dem Kopf immer noch auf Bills Brust. Sie sind alleine in seinem Zimmer und wie Amanda jetzt feststellt, waren es die dumpfen Stimmen des Fernseher, die sie geweckt hatten.
„Ehm…ja!“ Sie wendet sich wieder Bill zu, der sie schweigend mustert. „Wie spät ist es denn?!“ Er wirft einen kurzen Blick auf die gegenüberliegende Wand, wo allem Anschein nach eine Uhr hängt. „Gleich 8 Uhr“
Erschrocken springt Amanda auf, was Bill nur einen fragenden Blick entlockt. „Was ist?!“ Schnell schnappt Amanda sich ihre ganzen Klamotten, die überall auf dem Boden verteilt liegen und beginnt sich hektisch anzuziehen. „Der letzte Bus geht um viertel nach 8! Und morgen ist Schule…“, nuschelt sie unter ihrem Oberteil hervor, welches sie sich gerade über den Kopf zieht.
Bill mustert sie nur kritisch mit hochgezogenen Augenbrauen. Das schwarze Haar steht ihm ungekämmt und wirr vom Kopf ab, er hat sich mittlerweile schon eine Jogginghose und ein schwarzes Hemd angezogen. Wieder Mal sind alle Knöpfe offen und der Kragen ist steil aufgerichtet. Er sieht einfach nur verdammt sexy aus. Am liebsten würde Amanda sich geradewegs auf ihn stürzen und erneut vernaschen. Doch dazu hatte sie nun wirklich keine Zeit mehr.
„Also…“ Unschlüssig steht sie im Zimmer und schaut Bill an. Dieser streckt sich kurz und wuschelt sich dann mit einer Hand durch die zerzausten Haare. Nun stehen sie noch wilder in alle Richtungen ab. „Na gut, wenn du es denn so eilig hast!“
Langsam und gemächlich erhebt er sich aus dem Bett. Er geht zielstrebig auf Amanda zu und presst sie dann plötzlich ohne Vorwarnung gegen seine Zimmerwand. Mit den Händen stützt er sich links und rechts von ihr ab. Tief blickt er ihr in die Augen. Sie spürt seinen heißen Atem auf ihrer Haut.
„Bis morgen meine Schöne!“, haucht er ihr ins Ohr. Zart spürt sie seine Lippen an ihrem Hals.
Amanda will gerade etwas erwidern, als Bill sie stürmisch auf den Mund küsst. Wie ausgehungert presst er seine Lippen auf ihre. „Ich freu mich auf dich!“
Noch immer benebelt von dem Kuss blickt sie zu ihm auf. „Tschüss“, bringt sie nur monoton über die Lippen, ehe sie dann auch schon durch, die von Bill aufgehaltene Tür, hinausgeht.
Wieder beginnt der ganze vorherige Tag wie in einem schlechten Kinofilm vor ihrem inneren Auge abzulaufen. Sofort durchzieht eine Gänsehaut ihren Körper.
Vorsichtig steigt Amanda die schöne Wendeltreppe hinab. Bill ist oben in seinem Zimmer geblieben, hielt es wohl nicht für nötig sie noch zur Tür zu begleiten.

Donnerstag
„AMANDA! Auf jetzt! Wer spät heimkommen kann, kann auch aufstehen!“
Genervt presst die Blondine sich das Kissen auf die Ohren. „Noch 5 Minuten!“, bettelt sie schlaf und kneift krampfhaft die Augen zusammen.
„Nein, du bist sowieso schon zu spät, also auf!“
Seufzend richtet sie sich halb auf und fährt sich mit einer Hand durch das zerzauste Haar.
Wie sie es doch hasst.
Nur halb wach torkelt sie zu ihrem Kleiderschrank und verschwindet im Bad.

„Du siehst aber ganz schön müde aus. Was hast du denn gestern getrieben?!“ Toms Augen wirken wie schmale Schlitze. Prüfend mustert er Amanda von oben bis unten. Diese stöhnt nur leicht auf.
Bei ihrem Glück musste sie natürlich als erstes Tom über den Weg laufen.
Wie nicht anders zu erwarten ist es wieder ein heißer Tag, die Sonne knallt unbarmherzig hinab und Amanda spürt jetzt schon den Schweiß, der ihr auf der Stirn steht. Toms Anwesenheit allerdings bringt sie nur noch mehr zum schwitzen.
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht?!“, fragt sie schnippisch zurück und versucht sich an ihm vorbeizudrängeln.
Rasch packt Tom sie am Handgelenk und zerrt sie zurück. „Du verschwindest jetzt nirgendwohin!“, zischt er gefährlich leise und seine Augen blitzen jäh auf. „Vergiss nicht, du musst nett zu mir sein!“ Er senkt kurz seine Stimme und kommt Amanda einen Schritt näher. „Oder willst du etwa, dass klein Billy heute schon etwas erfährt?!“
Amanda sieht in für einige Sekunden nur schweigend an, senkt dann allerdings den Blick und schüttelt mit dem Kopf. „Nein“, murmelt sie.
Auf Toms Gesicht breitet sich ein Grinsen aus. „Gut“, flüstert er und kommt noch etwas näher.
„Hey, was geht denn hier vor?!“ Sofort schießen Tom und Amanda auseinander. Bill steht mit einem Misstrauen in den Augen vor ihnen. Verwirrt blickt er von einem zum anderen.
„Ehm, nichts.“ Unbehaglich sieht Tom seinen Bruder an. „Tja, ich äh, muss los. Hausaufgaben machen…“ Ehe Bill noch etwas sagen kann ist er verschwunden. Amanda sieht ihm wütend hinterher. Sie hineinreiten und dann einfach abhauen.
Bill schaut seine Freundin nun an, in Erwartung, einer Erklärung. „
Er…er hat mir nur eine Wimper von der Wange gewischt… und gemeint ich dürfe mir jetzt etwas wünschen!“
Schwache Ausrede.
Bill nickt zögernd und mir gerunzelter Stirn. „Na dann!“ Er zuckt kurz die Schultern. Heute trägt er sein Haar ganz glatt. Seidig fällt es ihm auf die Schultern und umrahmt sein engelsgleiches, blasses Gesicht. Die dunklen Augen stechen haarscharf hervor und seine Haut glitzert weißer denn je.
„Ja!“ Amanda kann nur noch schwach nicken. „Mhm…und was machst du heute?!“ Mit einem Grinsen sieht Bill sie an. Wieder blitzt es in seinen Augen auf.
„Oh…ich kann heute leider nicht!“, antwortet Amanda mit einem überaus schlechten Gewissen. „Bin mit meiner Ma weg.“
„Och!“ Bill legt enttäuscht den Kopf schief. „Und Freitag?!“
Amanda fühlt einen Stromschlag durch ihren Körper zischen. „Ja Freitag geht klar!“
Freitag

Kapitel 22
~Nicht mit mir, Tom Kaulitz!~


„Bis Heute Mittag!“ Toms eiskalte Worte klingen ihr immer noch in den Ohren. Im Takt ihrer hastigen Schritte schallen sie andauernd von neuem in ihrem Kopf wider.
Die umbarmherzige Sonne scheint Amanda dabei knallhart in den Rücken und treibt ihr den Schweiß auf die Stirn. Toms hämisches Grinsen will ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen. Er quält sie, er treibt sie in die Enge.
„Hey Mandy…na wie war es in der Schule?!“ Kerstin steht gut gelaunt in der Küche und steckt kurz ihren Kopf durch die Tür, als ihre Tochter das Haus betritt.
„Ging so.“, murmelt diese nur zurück und flieht so schnell es geht in ihr Zimmer.
Heute ist der letzte Tag. Morgen wird alles vorbei sein. Und ausgerechnet heute muss sie zu Tom. Morgen in der Schule wird Bill sie noch einmal ansehen und dann nie wieder.
Seufzend lässt Amanda sich aufs Bett fallen und schließt die Augen. Sie hasst diese Wette.
Wieso muss in ihren Leben nur alles schief laufen?
Lange liegt sie einfach nur da, umhüllt von Dunkelheit. Sie fühlt sich so schlaff und erschöpft wie schon lange nicht mehr. Der ganze Druck und die Angst machen sie fertig.
Als es dann unten plötzlich an der Tür klingelt kommt es Amanda vor, als wären erst wenige Sekunden vergangen, in denen sie ihr liegt. Ihre Lieder fühlen sich so schwer an, dass es unmöglich ist sie zu öffnen. Diese Ruhe ist einfach nur wundervoll.
Keine Probleme, keine Sorgen, keine Ängste. Sie will für immer hier liegen bleiben und sich keine Gedanken mehr um Bill oder Tom, geschweige denn um die Wette machen.
Doch mit den folgenden Worten geht dieser Wunsch leider nicht in Erfüllung. „Hey Amanda, aufstehen! Ich bin hier, dann wird nicht geschlafen!“ Aus Toms Worten ist sein hämisches Grinsen deutlich heraus zu hören.
Die Blondine kneift die Augen kurz fester zusammen und fährt sich mit beiden Händen übers Gesicht. In den wenigen Sekunden, in denen Tom das Zimmer betreten hatte, hat sich Amandas Laune nur noch um einiges verschlechtert. Und dabei war sie wirklich schon am Nullpunkt angelangt, was bei ihr bei den vergangen Tagen allerdings auch nicht zu verübeln ist.
„Was willst du eigentlich noch Tom?!“ Amanda öffnet blinzelnd ihre Augen und schaut zu dem großen Jungen auf, der sich in der Mitte des Zimmers aufgebaut hat. Seine Hände sind in die Hüfte gestämmt und sein Blick ruht kritisch auf Amanda.
„Du weißt genau, was ich will!“ Er verzieht seine Lippen zu einem tückischen Grinsen und macht ein paar lässige Schritte auf Amanda zu. „Und ich werde es auch bekommen!“ Seine dunklen Augen blitzen gefährlich auf und sein Lächeln wird breiter. Immer näher kommt er auf Amanda zu.
Toms kalte Worte hämmern brutal auf Amanda ein. Ich werde es auch bekommen. Er erpresst sie, er quält sie, nur weil er das Eine will. Dafür schweigt er…schweigt bis morgen, wo dann sowieso alles raus käme… die Wette hat sie jetzt eigentlich schon gewonnen. Sie hat sich heute mit Tom getroffen… morgen noch einmal mit Bill… verdammt SCHEISS AUF DIE WETTE!
Sie liebt Bill, sie liebt ihn. In einem Moment noch rast ihr Herz bis ins unerträgliche, wenn sie an ihn denkt doch im nächsten Augenblick scheint es wie still zu stehen. Sein perfektes Aussehen, seine unwiderstehliche Art. Kommt es da jetzt noch auf irgendeine Wette an? Eine Wette, die morgen abläuft, und durch die sie den tollsten Jungen der Welt verliert.
Sie liebt ihn.
Sie muss es ihm sagen, vielleicht hat ihre Liebe ja dann noch den Hauch einer Chance. Wenn Amanda den Mut hat, es ihm selbst zu sagen. Vielleicht verzeiht er ihr. Er muss ihr einfach verzeihen!
Mit einem Ruck springt Amanda plötzlich auf. Tom, der unmittelbar vor ihr stand, zuckt erschrocken zurück. Fragend zieht er eine Augenbraue in die Höhe, doch das Grinsen will aus seinem Gesicht einfach nicht verschwinden. „Bist du bereit?!“, fragt er dreist und überspielt seine Verwunderung über Amandas abrupte Bewegung. Zielstrebig umfasst er Amandas Oberarme und zieht sie zu sich heran.
„Vergiss es Tom!“ Hektisch stößt Amanda ihn von sich weg und taumelt ein paar Schritte nach hinten.
„Was ist los mit dir?!“ Genervt verschränkt Tom die Arme. „Willst du etwa, dass ich deinem Billy erzähle was Sache ist?!“ Überlegen grinst er Amanda an.
„Nein!“, antwortet diese.
Tom will gerade den Mund öffnen und etwas sagen, als sie ihm dazwischen fährt: „Ich werde es ihm selbst sagen!“ Nun ist sie es, die ein überlegenes Grinsen auf die Lippen bringt.
Tom ist zu verblüfft, um etwas zu erwidern. Verwirrt runzelt er die Stirn.
„Was? Du willst…. Hä?!“, bringt er schließlich hervor. Ungläubig kommt er Amanda einen Schritt näher. „Du willst jetzt nicht echt zu ihm gehen und… alles gestehen?!“ Plötzlich wirkt er wie verändert. Das Machogehabe ist wie verschwunden. „Das kannst du nicht machen!“
Amanda weiß, dass er sich nun mal wieder in seinem Stolz verletzt fühlt. Doch das ist ihr egal. Alles was jetzt zählt ist Bill.
„Oh, doch und wie ich kann! Wo ist Bill? Ich werde es jetzt gleich tun!“ Entschlossen schaut sie Tom in die Augen. Sie wird sich nicht unter kriegen lassen. Diesmal nicht.
Tom zögert noch einen Moment und blickt die Blondine nur an, in der Hoffnung, irgendetwas falsch verstanden zu haben.
„Er ist im Alex… wegen der Band etwas am klären oder so…“ Geschlagen senkt Tom den Kopf. Er wirkt mehr als nur Enttäuscht. Aber Amanda hat sich eben für Bill entschieden.
„Danke!“, murmelt diese jetzt leise und hastet an Tom vorbei, der wie angewurzelt im Zimmer stehen bleibt, mit hängenden Schultern. Amanda achtet nicht weiter auf ihn, und stürzt aus dem Haus.
Drückende Hitze schlägt ihr entgegen.
Wieso hat sie das nicht schon längst getan? Wieso musste sie solange mit Bill spielen? Warum war sie nicht ehrlich?
„Bitte…er muss mir verzeihen!“, flüstert sie leise vor sich hin, während sie weiter voran eilt. Allein bei dem Gedanken, Bill könnte sie jetzt hassen füllen ihre Augen sich mit Tränen. Sie liebt diesen Kerl. Er muss ihr verzeihen.
Nach Luft ringend, kommt sie schließlich vor dem Alex an. Es ist überhaupt nichts los, aber wer geht auch schon so früh dorthin? An Jugendlichen bestimmt keiner.
„Bitte Bill, ich liebe dich!“ Mit diesen Worten betritt das Mädchen schließlich den Club und stellt sich. Nach so langer Zeit des Versteck Spielens.

Kapitel 23
~Der Tag der Wahrheit~

Mit immer schneller pochendem Herzen betritt Amanda das Alex. Gedämpftes Licht schlägt ihr entgegen, umhüllt von einer kühlen Luft, die nach der Hitze draußen echt angenehm ist. Leise Musik überspielt die Stille und lindert Amanda ein wenig in ihrer Nervosität.
Nur wenige Leute sitzen an der Bar, darunter auch Bill.
Amanda spürt sofort einen Stich in der Brust, gefolgt von rasantem Herzklopfen. Die Angst ihn zu verlieren ist einfach zu groß.
Mit einem Ziehen im Magen geht sie schließlich auf ihn zu. Immer näher. Ihre Angst vergrößert sich mit jedem Schritt, immer schlimmer wird die Panik, bald ihre große Liebe zu verlieren.
Viel zu schnell steht sie unmittelbar hinter ihm. Wie hypnotisiert starrt sie seine Haare an, die so unglaublich gut riechen. Sie will ihn anstoßen oder irgendetwas sagen, doch ihr Körper fühlt sich wie gelähmt. Er weigert sich, ihren Befehlen zu folgen.
„Hey Schatz, ich hab uns was zu trinken geholt!“ Die hohe Mädchenstimme reißt Amanda aus ihrer Erstarrung. Wie selbstverständlich legt die Schwarzhaarige einen Arm um Bill. Um ihren Bill. Um Amandas Bill.
„Danke Süße!“, antwortet dieser und drückt seine Lippen, mit denen er Amanda so viele Male geküsst hat, auf die der Dunkelhaarigen.
Amanda fühlt sich als würden tausende, messerscharfe Nadeln erbarmungslos auf sie einstechen. Ihr Herz bekommt so einen tiefen Stoß, dass es nur noch bluten kann.
„Bill?!“ Ihre Stimme klingt dünn und schwach. Sie versteht das nicht. Was macht ihr Bill mit diesem Mädchen? Das kann einfach nicht stimmen.
Überrascht dreht der Angesprochene sich herum. Als er Amanda erkennt, breitet sich ein Lächeln auf seinen Lippen aus. „Oh, hallo Amanda, da bist du ja!“ Er lacht kurz auf. Doch das ist auf keinen fall das Lachen, was sie von ihm gewohnt ist. „Ich hab mich schon gefragt, wann du kommst! Tom hat mich eben angerufen!“
Amanda spürt einen dumpfen Stromschlag. Tom?
“Du hast dich also für mich entschieden und nicht für ihn, ja?!“
Noch ein Stromschlag. Perplex sieht sie Bill an. Blickt in seine dunklen Augen, die so tief wie eh und je wirken. Da sieht sie es wieder. Dieses Glitzern. Diese eiskalte Glut, die Amanda heute zum ersten Mal wahrnimmt, obwohl sie schon immer darin geleuchtet hat.
„Du…du…“ Sie bringt nicht mehr als ein Stottern zustande. Zu tief sitzen der Schmerz und die Enttäuschung.
Wieder lacht Bill auf. „Ja, ich wusste davon, schon von Anfang an!“ Er macht eine lässige Handbewegung, als wäre es das Natürlichste der Welt.
Amanda schüttelt ungläubig den Kopf. Weiter starrt sie ihn an, von seinen Augen angefangen, entlang der geraden Nase, bis hin zu seinen Lippen. Ist das wirklich der Bill, den sie kennt? Den sie glaubte zu kennen? Er kommt ihr so vertraut und doch so schmerzlich fremd vor.
„Aber ich finds toll, dass du dich für mich entschieden hast!“ Grinsend lehnt Bill sich in seinem Stuhl zurück und legt dabei wie zufällig einen Arm um das Schwarzhaarige Mädchen, welche das ganze Schauspiel schweigend mit ansieht. „Jetzt habe ich was, womit ich meinen Bruder aufziehen kann!“ Bill verzieht kurz gespielt nachdenklich seine Lippen. „Sag mal, hast du eigentlich echt geglaubt wir, als Zwillinge, würden uns so etwas nicht erzählen? Echt arm!“ Er schüttelt lachend den Kopf, das schwarze Haar weht ihm dabei verwegen ins Gesicht.
Bittere Tränen brennen in Amandas Augen. Auch wenn Bill direkt vor ihr sitzt, ist er doch so fern. Unerreichbar. Nie hat sie ihn wirklich gehabt. Und sie wird ihn auch nie haben.
„Du… du bist so ein Arschloch!“, stößt sie mit gepresster, weinerlicher Stimme hervor.
Er ist so abweisend und gefühllos. Er kann gar nicht lieben. Er kann niemanden lieben, außer sich selbst!
Aber dass sie wirklich so töricht war anzunehmen, die beiden würden nicht reden. Wenn Bill überhaupt irgendeinen anderen Menschen liebt, dann ist es sein Bruder.
„Danke Baby, ich weiß!“, lacht Bill nur zurück.
Amanda wirbelt herum. Eine Träne rinnt ihr über die Wange. Nie soll er sie so sehen. Niemals soll Bill erfahren, wie sehr er sie doch verletzt hat.
„Ich hasse dich!“, haucht sie heißer.
Langsam geht sie auf den Ausgang zu. Sie will ihm nicht noch die Genugtuung geben. Sie will einfach nur weg.

„Irgendwann kommt für jeden der Tag
An dem man für alles bezahlt
Dann stehen wir da
Denken wie schön es mal war“

Amanda keucht auf. Nicht dieses Lied! Es zerreißt ihr das Herz. Es raubt ihr die letzte Luft zum atmen. Wieso?

„Bereuen unsre Fehler
Hätten gern alles anders gemacht
Hätten all unsere Boshaftigkeiten
Niemals getan“

Auf dieses Lied haben sie sich das erste Mal geküsst. Das erste Mal Berührt. Das erste Mal gespürt.
Mit diesem Song hat es also begonnen und mit ihm hat es auch geendet.
Sie kann nicht mehr! Es bringt sie um.
Die Tränen rinnen ihr erbarmungslos weiter übers Gesicht und perln ihr am Kinn ab. Das Stechen im Herzen und in der Brust ist so unerträglich stark, dass es Amanda unmöglich ist auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Es zerreist sie innerlich, es bringt sie um.
Sie läuft einfach nur. Rennt. Weint. Nur weg. Weg von ihm. Für immer!
Warme Abendluft schlägt ihr draußen entgegen. Doch trotzdem umspielt sie eine scharfe Kälte.
Ein Grollen am Himmel lässt sie zusammen zucken.
Eiskalter Regen prasselt hinab und schlägt hart auf der Erde ab. Vermischt sich mit ihren Tränen. Rinnt ihren Körper hinab.
Kraftlos bleibt Amanda stehen. Ihre Augen wandern nach oben. Zum Himmel. Zum weinenden Himmel. Dunkle Wolken benetzen ihn und kein einziger Stern ist zu sehen.
Endlich ist der Regen wieder da und vertreibt diese schreckliche Dürre, die dank der Hitze entstanden war. Er ist wieder zurück.
Ebenso wie die Realität in Amanda.
Bill war nur eine Illusion. Sie hat sich eingebildet er würde auch was für sie empfinden. Doch er war falsch. Er war nur ein Traum…und jetzt ist sie aufgewacht!


Epilog:


Weißt du, wie es sich anfühlt?
Wenn einem die grausame Realität mitten ins Gesicht schlägt?
Wenn man merkt, wie einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird?
Wenn man weiß, dass nun alles vorbei ist?
Wenn nun alles beendet ist, wenn es aufgehört hat, obwohl man das ja eigentlich zu erst auch so wollte. Wenn man es dann doch wieder bereut.
Wenn man aus seinem Traum erwacht.
Weißt du, wie sich das anfühlt?
Wenn einem erst am Ende die Augen geöffnet werden?
Man glaubt gleich an der eigenen Luft zu ersticken, in den eigenen Tränen unterzugehen.
Man ist wie benommen und hat auf nichts mehr eine Antwort.
Hass und Liebe liegen nicht weit auseinander.
Man kann sie nur schwer unterscheiden. Man weiß nicht, was genau man nun fühlt, was man nun fühlen sollte. Denn nichts hat mehr seinen Sinn. Nichts scheint mehr logisch. Nichts scheint einem mehr helfen zu können.
Ich weiß, wie es sich anfühlt.
Ich weiß, wie weh es tut.
Ich weiß, wie schrecklich es ist.


Nasse, schimmernde Tränen tropfen auf das Blatt und vermischen sich mit der Tinte.
Resigniert schmeckt Amanda die salzigen Tränen im Mund.
Mit geröteten Augen und weiterhin zitternden Händen setzt sie wieder zum schreiben an.

Aber es hilft einem auch.
Es öffnet einem die Augen und lässt einen die Welt endlich wieder klar durchschauen. Vernebelt einem nicht mehr den Blick. Öffnet den Vorhang, der sich in der Zeit vor einem gebildet hat.
Nein, jetzt sieht man sie endlich ein. Man kann sie nicht mehr ignorieren und leugnen, die grausame Wahrheit.
Man kommt zu einer Erkenntnis und kann vielleicht endlich die schrecklichen Geschehnisse vergessen und wieder neu zu Leben beginnen. Einen Neuanfang.
Wenn man Glück hat, verebbt der Schmerz zum Teil irgendwann wieder und hört auf dich von innen zu verzerren. Doch ganz wird er nie verschwinden. Womöglich reißt er verheilte Wunden immer wieder von neu auf.
Doch trotzdem kann man vielleicht nach einiger zeit endlich wieder ehrlich Lachen, ohne in Wirklichkeit dabei zu weinen und zu schreien…zu sterben…Irgendwann, wird es nicht mehr so wehtun.
Eins jedenfalls ist mir nun endlich klar geworden:

Nicht ich habe mit ihm gespielt – sondern er mit mir


ENDE

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