Moment

 

Startseite
Gästebuch
Kontakt
Archiv

 

Wie die Homepage entstand...
...wie sie schloss.... ...und wieder öffnete ---> hier zu lesen

 

 *Lovestory
Slash*
*Drama
Trilogie*
*Kurzstory

Designer
Brushes
Powered by

 
All For The Sake Of Love



Autor: Leo
Rating: 16
Hauptpersonen: Jules, Bill, Tom und Kit
Kategorie: Drama
Disclaimer: Alle lebenden Persone, sowie Orte, die der Wirklichkeit entsprechen, gehören mir nicht
Claimer: Die Idee gehört mir!

Summary: Was passiert, wenn Gefühle sich plötzlich verändern? Was passiert, wenn man plötzlich eine verbotene Leidenschaft hegt? Kann wirklich jemandem, den man mal geliebt hat, das Herz brechen?



Prolog


Ich konnte seinen heißen Atem auf meinem Gesicht spüren. Sanft streichelte er mir mit einer Hand über die Wange. Sein Körper war eng an meinen geschmiegt und seine Augen waren geschlossen.
Er atmete unregelmäßig und hauchte mir immer wieder kleine und sanfte Küsse auf den Mund.
Ich schloss nun auch die Augen um das alles zu genießen. Die Zeit mit ihm…
Ich spürte wie seine Hand unter mein T-shirt ging und meine nackte Haut streichelte. Er legte seine Stirn gegen meine und ich spürte seinen Atem jetzt noch deutlicher.
Eine kleine Gänsehaut lief mir den Rücken hinunter. Und doch…
„Ich liebe dich!“, hauchte er mir entgegen und legte seine Lippen sanft auf meine. Ich erwiderte den Kuss leicht. Seine Hand strich jetzt über meinen Rücken und seine Fingernägel kratzten leicht über meine Haut.
Plötzlich spürte ich wie seine Zunge gegen meine Lippen stieß und ich öffnete leicht meinen Mund. Sofort drang er damit in meinen Mund ein und spielte dort mit meiner Zunge.
Ich begann nun auch ihm unter dem T-shirt zu streicheln und ihm entwich ein kleiner Seufzer.
Sachte lösten wir uns wieder voneinander und er schaute mich erwartungsvoll an.
„Ich…lie-liebe dich auch!“, sagte ich und musste stark schlucken.
Er schaute mir tief in die Augen. Mit diesem haselnuss braun. Früher war ich ganz vernarrt in diese Augen gewesen. Doch was war jetzt?
Er kam mir wieder näher und ich spürte seinen Atem, wie er gegen meinen Hals stieß. Dann seine weichen Lippen, wie sie sanft meinen Hals küssten.
Ich schloss die Augen…versuchte es zu genießen.
Seine Beine waren mit meinen verharkt und ich spürte ihn ganz dicht bei mir… es war nichts neues, nein! Wir waren uns auch schon viel näher gewesen…
Ich ging mit meiner Hand jetzt höher und kraulte ihm etwas im Nacken. Meine Hand fühlte sich ganz warm an. Sie brannte, nur weil ich ihn berührte, aber ich verstand es nicht. Wir waren jetzt schon so lange zusammen. Warum wollte ich ihn plötzlich nicht mehr berühren? Ihn anfassen?
Sanft löste er sich wieder von meinem Hals und schaute mich wieder an. Wir waren uns ganz nah. Unsere Nasenspitzen berührten sich schon leicht. „Ich will dich nie verlieren!“, flüsterte er wieder. „Ich liebe dich über alles, das würde ich nicht aushalten!“
Als er das sagte, wirkten seine Augen so unendlich traurig und erneut musste ich stark schlucken.
Wieder küsste er mich sanft.
Vielleicht war es das! Vielleicht war es, weil er mich so einegte und mir keinen Freiraum lies…ständig wollte er bei mir sein…
Unsere Zungen spielten wieder miteinander und er ging nun mit seiner Hand in meine Hose rein.
Mein Körper spannte sich an, doch er schien es zum Glück nicht zu bemerken. Oder er wollte es nicht merken…
Er sagte es mir ganz oft, manchmal mehrmals am Tag. Ich bin seine große Liebe, das sagt er.
Wir waren jetzt schon so lange zusammen. War es da normal, nicht mehr so zu fühlen wie früher? Das sie sich ändern? Das man sich in jemand anderes verlieben kann?
Ich wusste es nicht…
Er drückte seine Lippen fordernder auf die meine und seine Hand wanderte langsam in meinen Tanga.
Ich traute mich nicht, war zu feige ihn zu stoppen. Ihm zu sagen, dass ich das alles nicht wollte. Nicht mehr so viel für ihn fühlte. Lag es wirklich daran, dass er mich so einengte? Oder war er mir nur langweilig geworden?
Ich wollte ihm nicht weh tun. Er sagte mir sooft, dass er es nicht aushalten würde, wenn wir getrennt wären. Ich hatte angst, konnte ihm das alles nicht sagen. Konnte nicht mit ihm drüber reden.
Er presste seine Lippen nun noch fester gegen meine und seine Hand wanderte noch tiefer runter…
„Bill!“, stöhnte ich leise seinen Namen, was ihn nur noch mehr anspornte mich fester zu küssen und seine Hand, über mein Unterleib streicheln zu lassen….

Kapitel 1

Ich wurde am nächsten Morgen schon relativ früh wach. Normalerweise schlief ich immer ziemlich lange, doch im Moment konnte ich nicht schlafen.
Zu mindest nicht so…
Bill hielt mich fest im Arm und war eng an mich gekuschelt. Als mein Blick auf ihn fiel hatte ich wieder einen dicken Kloß im Hals.
Wir kannten uns schon lange….sehr lange….zu lange? Schon fast 9 Jahre… doch zusammen waren wir seit ca. 3 Einhalb Jahren.
Ich hab ihn geliebt…wirklich sehr geliebt, doch nun, plötzlich haben meine Gefühle sich verändert.
Ich weiß nicht woran es lag. Seit einem halben Jahr gab es nun Tokio Hotel und ich sah ihn nur noch sehr selten. Und je weniger wir uns sahen umso mehr klammerte er. Wir wohnten Tür an Tür, ebenso Fenster an Fenster…nachts unterhielten wir uns so stundenlang…na ja so war es früher!
Ich wollte ihm nicht wehtun. Ich wusste wie sehr an mir hang. Er sagt, ich sei seine große Liebe. Und ich konnte es einfach nicht, ihm sagen, dass diese ständige Klammerei mich nervte und das ich ihn nicht mehr liebte…nein mein Herz gehörte jemand anders….und das schon seit längerer Zeit nun…
Langsam löste ich mich aus Bills Umarmung. Ganz sachte, um ihn ja nicht zu wecken.
Ich suchte mir meine Klamotten zusammen und verließ dann das Zimmer. Ich hielt es in seiner Nähe nicht mehr aus…
Aber mir war auch klar, dass es nicht ewig so weiter gehen kann. Irgendwann wird er es erfahren…nur ob ich es ihm freiwillig sagen werde, oder ob er es selbst herausfindet, dass wusste ich nicht. Das einzige was ich wusste war, dass ich Angst hatte. Große Angst. Wenn Bill und ich uns trennen… was würde er dann tun? Mich hassen? Mich umbringen wollen? Oder eher sich…?
Leise schlich ich den Flur im Haus der Kaulitz entlang und ging ins Bad.
Die Jungs hatten 5 Tage „frei“ bekommen, und davon waren jetzt schon 2 verstrichen. Ich konnte es kaum erwarten, bis sie wieder weg waren und ich schämte mich dafür.
Andererseits konnte ich so auch nicht…..ich schüttelte den Kopf.
Ihn sollte ich mir besser aus dem Kopf schlagen! Bill würde ausrasten….er war ja schon sehr eifersüchtig. Jeden Tag, wenn sie mit Tokio Hotel unterwegs waren, rief er mich an, fragte was ich gemacht hatte und vor allem wer dabei war!
Er wollte es nicht riskieren seine große Liebe zu verlieren….doch je mehr er sich darum bemühte, desto mehr trieb er mich von sich weg. In die Arme des anderen…
Im Bad duschte ich mich dann, machte mir die Haare, putzte mir die Zähne und schminkte mich. Ja ich hatte schon ne Zahnbürste hier bei ihnen…bei meinem langjährigen Freund…meiner früheren Liebe.
Er war nicht meine große Liebe….erste große Liebe war zutreffender.
Ich seufzte kurz leise auf und betrachtete mich im Spiegel. Wieso liebte er mich so? Was war so besonderes an mir? Was veranlasste ihn dazu mich so einzuengen?
Meine blauen Augen wanderten kritisch über meine blonden Haare bis hin zu der kleinen Narbe die kurz über meiner rechten Augenbraue auf ewig dort eingraviert war. Ich fand mich nicht besonders hübsch…eher durchschnittlich. Bill sah das aber leider anders…
Würde das alles bald enden? Wenn für mich der Alptraum vorbei sein wird, wird er für Bill beginnen. Manchmal widert es mich schon an ihn immer so nah bei mir zu spüren.
Entsetzt schüttelte ich über diese Gedanken den Kopf und fuhr mir mit einer Hand leicht übers Gesicht.
Ich wollte nicht so über ihn denken….
…immerhin habe ich ihn mal geliebt!

Kapitel 2

Mit trübem Blick schaute ich mich weiter an. Ich musste plötzlich lachen. Man sah es mir gar nicht an…dass ich so grausam war!
Ich war ein Miststück! Bill hatte sowas gar nicht verdient! Ich wollte nicht, dass er leidet. Und deshalb musste ich es…
Ich senkte den Blick. Wenn er wüsste wie ich über ihn dachte…und was ich für eine andere Person fühlte. Ich musste stark schlucken, um den riesen Kloß in meinem Hals wieder los zuwerden.Wir wären beide Tot!
Plötzlich wurde die Badtür mit einem lauten Knall aufgerissen und ich erschreckte mich so dermaßen, dass ich einen Satz nachhinten sprang und dabei ausrutschte.
„Aua!“, mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb ich mir die schmerzende Stelle.
„Oh sorry Jules!“
Ich blickte auf, direkt in diese Haselnussbraunen Augen die denen von Bill so sehr glichen. Ungewollt trat ein Lächeln auf meine Lippen. „Nicht schlimm!“, murmelte ich nur und lies mir von Tom wieder hoch helfen.
Aua, mein Hintern tat vielleicht weh…
„Wie kommts?!“, fragte er plötzlich. Verständnislos zog ich eine Augenbraue in die Höhe. „Häh?!“
Tom lachte. Auch mir huschte wieder ein Grinsen über die Lippen auch wenn ich den Witz nicht so ganz verstand. Tom und ich kannten uns schon ewig. Wir hatten schon viel zusammen durchgestanden. Er war mir im Prinzip genauso nahe wie Bill abgesehen von den sexuellen erfahrungen versteht sich….
Das einzige was wir schon getan hatten, war das wir uns geküsst hatten. Wir hatten uns angewöhnt uns immer mit einem schlichten Kuss auf den Mund zu begrüßen, doch nachdem Bill dann immer halb ausgeflippt war, hatten wir damit aufgehört.
Und einmal als ich streit mit ihm hatte, habe ich mich bei Tom ausgeheult. Dabei ist es dann auch mal zu einem Zungenuss gekommen aber das war zu unserem Glück nie rausgekommen. Bill wär im Dreieck gesprungen und hätte uns sicher umgebracht oder sonst was…
„Naja, dass du schon so früh wach bist! Normalerweise schläfst du doch immer bis Mittags!“
Da musste ich ihm allerdings zustimmen. Doch ich konnte ja jetzt schlecht sagen, dass es wegen Bill war! „Mh naja kann irgendwie net mehr schlafen!“, ich zuckte die Schultern.
Tom lächelte mich auf eine unheimlich süße Art an und strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn.
Die Stelle an meiner Haut, welche er leicht berührt hatte, brannte und ich hielt kurz die Luft an.
Wir sahen uns einen Moment lang nur in die Augen bis ich mich dann mit einem Lächeln an ihm vorbeizwängte. Ich hoffte inständig, dass er nichts bemerkt hatte…
Leise schloss ich die Badtür hinter mir und stand unschlüssig auf dem Flur. Was sollte ich denn jetzt machen? Zu Bill gehen? Nein! Das ging nicht….
Ich entschloss mich einfach, in Toms Zimmer zu gehen und dort auf ihn zu warten…als Ausrede könnte ich ja dann sagen, dass ich Bill nicht wecken wollte!
Ich lies mich nach vorne auf Toms Bett fallen und atmete intensiv, den süßlichen Geruch ein; Toms Geruch. Ich schloss die Augen und vergrub mein Gesicht tief in Toms Kissen, wo er eben noch drauf gelegen hatte. Wie wunderbar es sich anfühlte, als wäre ich ihm wirklich so nahe..
„He was machst du denn da?!“, fragte plötzlich eine lachende und amüsierte Stimme an der Tür.
Sofort richtete ich mich wieder auf und blickte in Toms Grinsendes Gesicht..

Kapitel 3

Ehm...na ja ich….war müde?!“, stotterte ich.
Tom zog eine Augenbaue in die Höhe und musste noch breiter grinsen.
„Aha und warum legst du dich auf mein Bett? Und nicht zu deinem Schatzi?!“ Erwartungsvoll und leicht provukant schaute er mich an.
„Öh ich wollte Bill nicht wecken, er schläft noch!“, sagte ich. „Deshalb und ich will eigentlich nicht mehr schlafen und bin deshalb zu dir ins Zimmer…“
Tom nickte.
Ich atmete erleichtert auf. Puh er verstand…
„Und dann bist du doch plötzlich müde geworden und hast dich auf mein Bett gelegt?!“
Wieder musste Tom lachen.
Ich nickte nur leicht unsicher.
Hab ich ja echt mal wieder toll hinbekommen! Jules du bist echt doof!
Na ja zum Glück war das für Tom ja schon normal und er merkt sicher nichts! Ja, ja ich und meine verpeiltheit!
„Na ja, also bist du jetzt müde oder nicht?!“, fragte Tom grinsend und schmiss sich zu mir aufs Bett…ganz nah neben mich…
Augenblicklich schlägt mein Herz doppelt so schnell doch ich versuchte mir, wie immer, nichts anmerken zu lassen.
Ich grinste ihn frech an.
„Na ja etwas müde bin ich noch!“, sagte ich und legte meinen Kopf an seine Schulter.
Tom lächelte nun auch wieder.
Er legte einen Arm um mich: „Stimmt ich bin auch noch ganz schön müde!“
Ja, Tom war schon voll cool…ging mit so was immer ganz locker um, auch wenn Bill immer ein riesen Drama daraus machte. Und genau das störte mich an meinem Freund, Tom dagegen war viel besser! So unkompliziert…
Aber na ja….ich wollte Bill ja nicht verletzen! Er liebte mich so sehr, so wie ich ihn auch mal geliebt hatte.
Ich kuschelte mich enger an Tom und schloss die Augen. Mit ihm wäre es viel besser! Er würde mir sicher Freiraum lassen, mich nicht so einengen! Ganz anders…aber was sollte ich tun?
Ich konnte nichts machen! Außer wenn ich Bill verletzen wollte…aber vielleicht würde er ja bald selber merken, dass wir nicht mehr zusammen passen! Ich hoffte es mal…
Meine Augen waren geschlossen und ich döste entspannt vor mich hin. Ich spürte wie Tom mich abwesend mit einer Hand sanft am Oberarm streichelte. Ich genoss es.
„Hey Tom weißt du wo Jul-“, plötzlich wurde die Tür mit einem lauten Krachen aufgerissen und mein Freund stand dort mit, vor Überraschung, weit geöffnetem Mund.
„Jules!“, stieß er hervor.
Ich rieb mir die Augen und richtete mich etwas auf. Oh je!!
„W-was macht ihr da?!“
Nicht schon wieder, bitte!!!
Tom und ich waren diesen Aufstand von ihm schon gewöhnt…er rastete für gewöhnlich immer aus wenn irgendwas war, was über Reden ging! Wie kann man nur so eifersüchtig sein? Auch wenn er meint dass ich seine große und einzige Liebe bin…
„Ey man Bill bleib locker! Du weißt da läuft nichts zwischen uns!“
Leider, fügte ich in Gedanken hinzu, doch gleich darauf hätte ich mich dafür am liebsten grad wieder erschlagen. Wie kann ich nur so was denken?
“Ja komm schon Bill du kannst mir vertrauen, dass weißt du!“
Ich musste wieder mal stark schlucken. Was war ich nur für eine Lügnerin geworden…. So etwas wie mich hat er gar nicht verdient, ich tue ihm mehr schlecht, als gut.
Aber er liebt mich… sein Glück ist mein Grauen.

Kapitel 4

„Mhh…ja stimmt, dass weiß ich doch Schatz!“
Er schaute mir kurz zärtlich in die Augen und warf sich dann zu uns aufs Bett: seltsamerweise ja genau zwischen Tom und mich.
Wie kam das denn nur?
Innerlich verdrehte ich die Augen, äußerlich jedoch lächelte ich meinen Freund an.
Was soll ich nur tun? Ich kann doch nicht einfach mit ihm schluss machen! Nach all dem, was wir schon so zusammen erlebt haben…
Ganz automatisch schmiegte ich mich an Bill und legte meinen Kopf an seine Brust. Ich hörte sein Herz leise klopfen und spürte, wie sein Oberkörper sich immer wieder hob und senkte.
Sanft fuhr Bill mir mit einer Hand durchs Haar und ich wusste, dass er jetzt genießerisch die Augen schloss.
Warum tat es mir so weh? Ich wollte mir gar nicht erst Bills verletztes Gesicht vorstellen, wenn ich ihm sagen würde, wie ich fühle. Was ich fühle und….für wen ich fühle.
Das würde ich nicht ertragen, immerhin waren wir so lange zusammen! Auch wenn ich ihn nicht mehr wirklich liebe! Ich liebe ihn trotzdem noch auf eine andere Art und Weise.
Mein Blick begegnete plötzlich dem von Tom und mir fiel auf, dass er uns beobachtete. Mich und Bill.
Fragend schaute ich ihn an doch er grinste nur kurz und wandte sich ab. Was hatte er nur? Na ja okay er musste sich jetzt auch etwas überflüssig vorkommen…
„Ähm…also ich geh dann mal runter Frühstücken!“, völlig unvermittelt stand Tom plötzlich auf und ich warf ihm einen irritierten Blick zu. Bill allerdings nickte nur.
An der Tür drehte Tom sich noch mal um: „Ach und, bitte nicht so wild! Das ist schließlich mein Bett!“
Bill richtete sich kurz auf und warf ein Kissen nach seinem Bruder, doch noch ehe es bei ihm ankam, hatte Tom die Tür geschlossen und es fiel mit einem dumpfen Schlag gegen das dunkle Holz.
Ich zeigte keine Regung sondern starrte immer noch auf die geschlossene Tür.
Tom…
Warum lässt du mich jetzt einfach so alleine hier mit Bill?
Warum?
Na ja okay, Bill ist mein Freund! Aber jetzt ist Tom weg…ich wollte doch bei ihm sein!
„Endlich wieder allein!“, hauchte Bill mir plötzlich ins Ohr und drückte kurz seine weichen Lippen dagegen. Eine Gänsehaut lief mir den Rücken hinunter. Vor Erregung oder Ekel?
Er rückte näher zu mir und drückte seine Stirn leicht gegen meine.
Ich halt das nicht aus! Wir waren uns doch gestern Abend erst wieder so nahe! Verdammt….ich kann das bald nicht mehr!
„Ehm...wollen wir auch mal runtergehen?!“, fragte ich ängstlich.
Bill lies nur ein Brummen von sich hören und machte keine Anstalten sich von mir weg zu bewegen. Stattdessen fuhr er mit einer Hand jetzt wieder unter mein T-Shirt.
Nein! Ich will das nicht!
Etwas grob schubste ich ihn von mir weg. Erstaunt schaute er mich an. Verdammt wenn ich in diese Augen sehe werd ich doch sofort wieder weich…diese warmen, treuen Augen! Ich will ihm doch nicht wehtun!
„Sorry Schatz, aber ich hab Hunger! Komm!“, sagte ich und stand auf.
Bill schaute noch immer etwas verdutzt zu mir auf, dann ergriff er aber meine hingehaltene Hand und erhob sich ebenfalls.
„Ist in Ordnung süße!“, sagte er und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen. Halbherzig erwiderte ich den Kuss und ging mit Bill zusammen runter.
Wie wird das alles nur enden?
Nicht gut, soviel stand fest…

Kapitel 5

Ich verspürte den Drang, meine Hand dem festen Griff von Bill wieder zu entwenden aber ich zwang mich dies nicht zu tun.
Ich durfte es nicht tun…
Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass sie in 2 Tagen wieder weg sein würden und lies mir nichts anmerken. Auch wenn das sehr schwer war. Ich fühlte mich so gefangen und unterdrückt. Konnte nichts machen…jetzt zumindest nicht. Aber vielleicht, und ich hoffte dies inständig, würde Bill bald selbst merken, dass es nicht mehr so ist wie früher. Dass die Liebe weg ist und wir nur noch Freund bleiben sollten.
Doch wann würde dieser Tag kommen?
Als wir die Küche betraten erblickte ich gleich Tom, welcher am Tisch saß und eine Schüssel Cornflakes in sich reinschaufelte. Sein Blick wirkte leicht verklärt und ich fragte mich, an welche von den tausenden Mädchen die er hatte, er wohl jetzt gerade dachte.
„Ach hey, da seit ihr ja schon! Man normalerweise kommt ihr doch sonst nicht so schnell voneinander los, wenn ihr schon mal alleine aufm Bett liegt!“, sagte Tom frech als er uns bemerkte.
Unauffällig verdrehte ich die Augen. Gerade jetzt hasste ich diese Machosprüche von Tom. Früher fand ich sie ja noch ganz lustig…früher als ich Bill noch liebte…
„Ach komm du bist doch nur neidisch!“, konterte Bill mit spöttischem Unterton und rückte seinen Stuhl ganz dicht an den meinen.
Mein Magen krampfte sich kurz zusammen doch ich ignorierte es einfach und nahm mir einen Toast. Nur noch 2 Tage…
„Klar bin ich eifersüchtig! Wer wäre das denn nicht?!“, fragte Tom und musste schmunzeln. Bills Augen verengten sich zu schlitzen. Leise stöhnte ich auf.
„Bill, bitte das war jetzt sicher keine Anspielung von Tom, dass er mich liebt also lass es bitte gut sein, ich hab jetzt keine Lust auf streit!“
Es war mir einfach rausgerutscht. Ich wollte es ja eigentlich nicht sagen aber trotzdem entsprach es nur der Wahrheit. Ich war seine ständigen Verdächtigungen so satt! Es brauchte nicht erst einen anderen um mich von Bill zu endlieben….er war es ja auch zum Teil selbst, mit seiner Art….so besitz ergreifend!
Ich merkte wie mein Freund mich perplext von der Seite anschaute.
„Öhm…ich geh dann mal hoch in mein Zimmer!“, sagte Tom und stand auf. Ich blickte zu ihm hoch und beobachtete ihn wie er aus der Küche ging. Schon wieder lies er mich alleine! Traurig senkte ich den Blick wieder und biss appetitlos in meinen Toast.
Bill beugte sich währenddessen zu mir rüber.
„Tut mir leid, Schatz!“, hauchte er mir ins Ohr und streichelte mich leicht an der Wange. Ich schluckte den Bissen runter und mein Körper verkrampfte sich leicht.
„Ich will doch nicht mit dir streiten!“, sagte er zart und rieb mit seiner Nase jetzt leicht an meiner Wange entlang. Am liebsten hätte ich nun wieder geseufzt. Mir wäre ein Streit echt lieb….dann könnte ich mich von ihm fern halten…
Bill strich mir nun mit einer Hand locker über den Oberschenkel und seine Lippen näherten sich meinem Mund.
Ich wollte das nicht…Bill war mein erster Freund und nach seiner Meinung gehörten wir auf ewig zusammen, aber ich war doch noch so jung! Ich wollte noch andere Leute treffen andere Jungs küssen….nicht nur ihn! War das nicht normal?
Wollte er sich nicht auch noch mit anderen Mädchen treffen?
Liebte er mich so sehr?
Als seine Lippen auf die meinen trafen schloss ich die Augen und erwiderte es. Bill legte die andere Hand auf meinen Hinterkopf und drückte mich näher zu sich.
Noch 2 Tage, dachte ich…..

Kapitel 6

„Na Süße noch Hunger?!“, fragte Bill zärtlich und hielt mir ein Stück Toast vor den Mund.
Ich zwang mir ein Lächeln ins Gesicht. Obwohl ich gar keinen Hunger mehr hatte, öffnete ich den Mund und lies mich von Bill füttern.
Liebevoll legte er einen Arm um mich und schaute mich von der Seite her an. Ich blickte zurück…in diese schokobraunen Augen. Sie waren so tief und dunkel, so dass sie fast schon schwarz aussahen. Das Licht der Lampe spiegelte sich in ihnen wider und lies sie leicht glitzern.
Wieder tat es mir weh. Sie strahlten so viel wärme und liebe aus. Doch ich konnte seine Liebe und Zuneigung nicht mehr erwidern…
„Und was machen wir heute?!“, fragte Bill.
„Ehm…!“
Am liebsten würde ich nach Hause gehen, mich ins Bett verkriechen und nie wieder aufstehen. Für immer dort bleiben und von allen Sorgen erlöst sein….nur leider ging das nicht! Und jetzt, wo Bill nur noch 2 Tage hier war, wollte er sicher was mit mir unternehmen!
„Also ich werde gleich mal heimgehen, kurz duschen und dann mal sehen was wir machen!“
Wenigstens mal kurz alleine sein, ohne ihn!
Bill schaute mich erst kurz nachdenklich an, dann leuchteten seine geheimnisvollen Augen auf.
„Darf ich vielleicht mit rüber kommen?!“, fragte er und gab mir einen kurzen Kuss auf den Mund.
Ich schluckte hart und brachte ein kurzes „Öhm!“, raus.
Mist! Das wollte ich doch nicht…
„Also weißt du…eigentlich will ich echt duschen und ist doch nur kurz 15 Minuten oder so und …dann verbringen wir ja den restlichen Tag miteinander!“, sagte ich etwas verlegen und schaute ihm nervös in die Augen.
Bill zog einen Schmollmund und sah wirklich enttäuscht aus.
Gott, wenn er jetzt schon so reagierte, was würde er dann machen, wenn er wüsste, was ich fühle? Das ich ihn nicht mehr liebe? Das ich mich zu einem anderen hingezogen fühle?
“Ach komm Schatz jetzt sei nicht so!“, sagte ich und streichelte ihn kurz zart an der Wange. Meine Haut, mit der ich ihn berührt hatte prickelte unangenehm.
„Wir sehen uns doch gleich wieder!“
Ich schaute ihm lieb in die Augen und Bill seufzte kurz auf.
„Okay, okay!“, sagte er. „Aber beeil dich! Ich vermiss dich doch so…und ich leide echt sehr darunter, dass wir uns jetzt nicht mehr sooft sehen können!“
Ich bemühte mich um ein Lächeln und hauchte ihm einen kleinen Kuss auf die Lippen. Als ich mich wieder von ihm lösen wollte, drückte Bill allerdings wieder seine Hand gegen meinen Hinterkopf und zwang mich so, ihn weiter zu küssen. Mein Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen doch ich lies mir wie immer nichts anmerken.
Nervös spielte ich mit der einen Hand an einem Knopf auf meiner Hose herum, während ich mit der anderen sanft Bills rücken kraulte.
Gleich bin ich hier weg, dachte ich. Ich spürte wie er mit der Zunge gegen meine Lippen stieß und ich öffnete, leicht widerwillig, meinen Mund. Für einige Zeit verfielen wir in ein inniges Zungenspiel, auch wenn das meiste von ihm ausging. Es war wie immer…ich wusste nicht wie es war, einen anderen Junge zu küssen. Hatte dies bisher nur mit Bill getan. Ich wollte nicht mehr mit ihm zusammen sein…aber was sollte ich tun?
Der eine Kuss mit Tom zählt ja nicht wirklich…konnte ich mich ja eh kaum noch dran erinnern!
Nach einiger Zeit beendete ich den Kuss und löste mich wieder von Bill. Ich lächelte ihn leicht an und er erwiderte es glücklich.
„Also ich geh dann mal kurz rüber! Bis gleich!“, sagte ich und stand auf.
„Beeil dich aber!“, rief er mir noch nach ehe ich die Küche verlies und auf die Haustür zu steuerte.

Kapitel 7

Mit hastigen Schritten verließ ich das Haus. Nur weg von hier!
Draußen atmete ich die kühle Morgenluft tief ein und fühlte mich um einiges erleichterter.
Ich fühlte mich nun nicht mehr so eingeengt und schuldig. Nicht mehr so mies, weil ich Bill richtig schlecht behandelte.
Langsam ging ich die Auffahrt der Kaulitz entlang, bis zur Straße.
Meine Laune war, wie so oft in letzter Zeit wieder mal beim Nullpunkt angelangt und die Aussichten, dass ich Bill in einer knappen viertel Stunde wieder sehen würde, verbesserte sie nicht gerade. Eher im Gegenteil…
An der Straße blieb ich noch mal stehen und schaute auf das große Haus der Kaulitz´. Wie gerne war ich früher doch hier gewesen. Wie hatte ich es nicht geliebt hier zu sein?
Und nun? Nun hasste ich es!
Es widerte mich an, wenn ich nur daran dachte was darin schon alles vorgefallen war….mit Bill!
Ich seufzte kurz und mein Blick wanderte rüber zu unserem Haus. Früher fand ich es immer toll, hier neben Bill zu wohnen. Nun wünschte ich mir, woandershin zu ziehen. Egal wohin, nur weg von hier!
Ich musste stark schlucken und schlenderte langsam die Straße entlang. Mir war jetzt gar nicht danach nach Hause zu gehen und zu duschen. Mich für Bill hübsch machen! Nein!
Ich ging an unserem Haus vorbei, einfach weiter.
Jetzt konnte ich wenigstens kurz aus diesem Alptraum fliehen. Nur für kurze Zeit.
Ich ging bis zum anderen Ende des Dorfes doch da Loitsche nicht besonderes groß war dauerte es nicht besonders lange.
Es hatte auch vorteile in so nem kleinem Kaff zu wohnen…
Mit entschlossenem Schritt steuerte ich auf das große, weiße Haus, mit dem tollen Garten zu. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich denken, hier würden irgendwelche alten, arroganten, reichen Säcke wohnen…
Ich presste den Finger auf die Klingel und wartete ab. Ungeduldig wippte ich mit einem Fuß auf und ab. So wie ich Bill kannte würde er gleich schon bei mir zu Hause vor der Tür stehen. Na ja….ich würde mir schon eine Ausrede einfallen lassen.
Ich blies mir eine wirre Haarsträhne aus der Stirn und augenblicklich später ging die große schwarze Tür auf.
„Hey Kit!“, sagte ich lächelnd und fiel dem großen, gut aussehenden Jungen mit den dunklen Haaren und den kristallblauen Augen um den Hals.
„Hey Jules!“, sagte er und schaute mich erfreut an.
„Was machst du denn hier? Ich dachte du verbringst die nächsten paar Tage mit Bill?!“
Ein Grinsen umspielte seine Lippen. Er wusste genau von meinen Problemen….als bester Freund hatte er auch ein recht dazu!
Als er mein trauriges und niedergeschlagenes Gesicht sah, wurden seine Augen mit den langen Wimpern aber sofort wieder ernst. „komm erst mal rein!“, schlug er vor und zog mich ins Haus.
„Kein Mädchen hier?!“, fragte ich erst mal vorsichtshalber. Kit machte eine wegwerfende Handbewegung.
Er war der größte Mädchenschwarm der Schule, und das sah man ihm an seinem guten aussehen natürlich auch an. Doch er wollte keine Freundin. Ständig tauchten Mädchen bei ihm auf, doch er wies alle zurück. Soweit ich wusste war er noch nie verliebt und dabei war er jetzt schon 16. Na ja…vielleicht ja bald….
„Ich glaub die hams aufgegeben!“
Ich grinste ihn leicht an. „Stimmt ist ja eh hoffnungslos nicht?“
Er nickte zustimmend und packte mich dann an der Hand. „Komm hoch und dann erzähl mal was los ist!“
Ich nickte stumm und folgte ihm rauf in sein Zimmer.

Kapitel 8

Ich folgte Kit hoch in sein Zimmer, was so ungefähr 5 Stunden dauerte, da das Haus echt riesig war! Manchmal fragte ich mich, ob es ihm überhaupt noch auffiel. Er tat immer so cool und uninteressiert an allem. Auch an Mädchen…
Und trotzdem war er mein bester Freund. Tja, jetzt wo die Zwillinge so viel mit Tokio Hotel zu tun hatten, musste ich mir ja auch neue Freunde suchen. Aber mit Kit hatte ich mich schon immer super verstanden…
„So und jetzt erzähl! Was ist los? Und wo ist dein Bill?!“
Ich verzog das Gesicht. „Bitte Kit, er ist nicht mein Bill!“
Kits Lippen formten sich zu einem Grinsen. „Ja, ja schon klar….aber meinst du nicht du solltest ihm bald mal sagen, dass du ihn nicht mehr liebst?!“ Er schaute mich stirnrunzelnd an.
Ich machte eine unnütze, hilflose Geste mit den Händen und zuckte die Schultern.
„Du weißt doch wie es ist!! Ich will ihm nicht wehtun! Schließlich liebt er mich und wir waren so lange zusammen…“
„Ja schon aber es kann doch nicht ewig so weiter gehen!“
Ungeduldig begann ich vor Kit auf und abzugehen. „Das weiß ich auch!“, sagte ich. „Aber ich kann nichts anderes tun! Ich muss einfach warten bis er…bis er…“
Ja bis was? Bis er mich heiraten will?
Kit sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen erwartungsvoll an. „Ja?!“
„Bis er eben auch merkt, dass da keine Liebe mehr ist! Dass wir nicht zusammen passen!“
Jetzt fuchtelte ich wild mit den Händen herum und lief weiter auf und ab.
„Ach und wie lange soll das dauern?!“
„Ja ich weiß nicht!“
Kit musterte mich kurz einige Sekunden aufmerksam. Als er dann den Mund öffnete um etwas zusagen blieb ich stehen: „ Man du bist mein bester Freund, also hilf mir besser mal und mach mich nicht so nieder!“
Ich sah ihn vorwurfsvoll an. Dann warf ich einen kurzen Blick auf die Uhr. Mist, jetzt war schon über eine halbe Stunde vergangen…bestimmt wird Bill jetzt gleich die Polizei anrufen und mich als vermisst anzeigen, dachte ich grimmig.
„Jules!“, seufzte Kit. „Ich will dir ja helfen! Und ich sage dir: Es ist das Beste wenn du es Bill sagst! So was hat er nicht verdient!“
Fassungslos schaute ich ihn an. „Was hat er nicht verdient?!“
Ich machte ja wohl alles, damit es Bill gut ging! Also? Es wäre schrecklich für ihn wenn ich schluss machen würde! Und ich wollte nicht, dass er leidet. Es würde grauenhaft für ihn werden…das will ich nicht!
„Na ja weißt du…besser du sagst es ihm, als wenn er es selbst heraus bekommt! Außerdem tut es ihm auch nicht gut, mit dir zusammen zu sein wobei du so über ihn denkst!“
Wütend baute ich mich jetzt vor Kit auf und schaute ihm mit zusammen gezogenen Augenbrauen in die Augen.
„Ach komm du hast doch keine Ahnung! Du hattest noch keine Freundin, du warst noch nie verliebt! Also…. Du weißt gar nichts!“, stieß ich hervor.
Kit zuckte gelassen die Schultern. „Kann sein! Trotzdem denke ich, dass es besser wäre-“ „Nein, sei still!“, unterbrach ich ihn. „Ich will deine dummen Theorien nicht länger hören! Ich mach das schon irgendwie!“
Wieder zuckte er nur die Schultern. „Wenn du meinst“
Ich seufzte leise. Nein, Kit konnte nicht Recht haben. Er wusste nicht wie es ist zu lieben! Und er wusste nicht, wie weh es tut, fallen gelassen zu werden! Also, ich konnte es Bill doch nicht einfach so sagen. Einfach so, als wäre es das natürlichste der Welt.
Nein, ich musste es ihm irgendwie anders beibringen…nur wie, das wusste ich noch nicht so genau…

Kapitel 9

Kit saß gelangweilt auf seinem Bett und begann abwesend an einem Reißverschluss seiner Jacke herumzuspielen.
Ich stand immer noch mitten im Raum und beobachtete ihn dabei. Ich verstand ihn einfach nicht. Wie konnte er so etwas behaupten? Ich meine, Bill kann doch froh sein.
Immerhin warte ich, bis er es selbst merkt! Anders würde ihm das sicher sehr wehtun. Es würde ihm schrecklich gehen. Er hatte mir schon sooft gesagt, dass sein Leben ohne mich keinen Sinn mehr haben würde.
Würde es ihm dann ungefähr so schlecht gehen, wie mir gerade? Wie mir, wenn ich bei Bill bin? Wenn ich ihn küsse oder wenn ich mit ihm schlafe?
Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Er hatte bestimmt schon längst gemerkt, dass ich ihn angelogen hatte und dass ich jetzt nicht bei mir zu Hause bin und dusche.
Sollte ich langsam mal zurückgehen? Nervös warf ich einen kurzen Blick auf die Uhr. Na ja eigentlich kam es jetzt auch nicht mehr auf früher oder später an…
„Was hast du jetzt eigentlich vor?!“, fragte Kit plötzlich und ich schaute auf, direkt in seine dunkelblauen Augen.
Gelassen zuckte ich die Schultern. „Was soll ich schon vorhaben?!“
Kit zog eine Augenbraue in die Höhe. „Na ja vielleicht mal zurück zu deinem Freund gehen? Wenn du wirklich weiterhin mit ihm zusammenbleiben willst, bis er dich nicht mehr liebt, kommt es nicht besonders gut, wenn du einfach den ganzen Tag bei mir hier rumhängst!“
Mein Blick verfinsterte sich.
„Willst du mich loswerden oder was?!“
Kit hob abwehrend die Hände in die Luft. „Nein will ich nicht! Ich denke nur, dass Bill das sicher merkwürdig finden wird, dass du jetzt hier bei mir bist, wo er doch ausnahmsweise mal ein paar Tage zu Hause ist.“
Ich seufzte kurz auf und verschränkte dann die Arme. Er hatte ja recht und das wusste ich auch. Aber das wollte ich nicht zugeben. Kit hatte keine Ahnung von Beziehungen und war noch nie verliebt. Wie konnte er dann mehr Ahnung haben wie ich? Ich, die schon jahrelang einen Freund hat.
Einen Freund von dem sie sich unterdrückt und eingeengt fühle. Einen Freund den ich nicht mehr liebe, dachte ich grimmig.
„Na gut dann geh ich jetzt wenn du das so willst!“, sagte ich gespielt hochnäsig und wandte mich zur Tür um. Ich wusste genau, dass Kit jetzt über mich die Augen verdrehte.
„Man Jules. Du weißt genau, dass das nicht so gemeint war und dass ich dir nur helfen will!“
Ja das wusste ich. „Ja, ja! Trotzdem ich geh jetzt mal zu Bill!“
„Ja genau, geh zu deinem Schatz!“
Ich drehte mich um und sah Kit mit kühlem Blick an. „Hör auf damit!“, fauchte ich.
Seine Lippen verzogen sich zu einem verhöhnenden Grinsen. „Man, dich kann man ja echt leicht auf die Palme bringen!“
Wütend ballte ich die Hände zu Fäusten. „Kit, du weißt genau wie schlimm das für mich ist!“
Er nickte gut gelaunt. „Jap!“
„Du bist echt der tollste beste Freund den man sich wünschen kann!“, murmelte ich leise, doch er verstand es trotzdem.
Er strahlte mich übertrieben an. „Ich weiß und deshalb hast du mich auch so lieb ne?!“
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe. „Genau!“, sagte ich arrogant und drehte mich dann wieder um.
„Bis morgen in der Schule!“, rief Kit mir noch zuckersüß hinterher.
Ich nickte grimmig und verlies dann das Haus. Machte mich auf den Weg zu meinem Alptraum, wo ich mich wieder schrecklich fühlen werde und wo ich wieder alles vortäuschen muss sprich zu Bill.


Kapitel 10

Als ich die Haustür öffnete blies mir die kühle frische Luft entgegen und ich atmete sie tief ein.
Wenn ich nicht auch so frei sein könnte, wie der Wind. Tun und lassen könnte was ich will. Unabhängig sein, nichts müssen…aber nein! Wegen Bill konnte ich ja nicht! Er lies mich nicht. Klammerte sich an mich, sodass ich immer wieder das Gefühl bekam, gleich erdrückt zu werden.
Ich seufzte kurz und machte mich dann auf den Weg zurück. Wie mechanisch setzte ich einen Fuß vor den anderen. Langsam ging ich an den Häusern und den Bäumen vorbei. Mehr gab es hier in Loitsche ja nicht.
Traurig schüttelte ich den Kopf, als unser Haus in meinem Blickfeld auftauchte, ebenso wie das von Bill. „Warum eigentlich ich?!“, fragte ich mich leise flüsternd. „Warum?!“
Ich blieb kurz stehen. „Was ist so besonderes an mir? Warum nimmt er nicht eins von den anderen tausend Mädchen, die er haben kann?!“
Trotzig schaute ich auf sein Haus. Ungewollt ballten sich meine Hände zu Fäusten. „Warum kann er sich nicht einfach in jemand anderes verlieben?!“ Meine Unterlippe begann zu zittern während ich jetzt wieder langsam weiterging. Immer näher auf die Häuser zu. Immer näher zum Verhängnis, immer näher zu Bill…
Ich starrte starr auf den Boden. Wie lange muss ich das noch aushalten?
„Jules!“, erschrocken zuckte ich zusammen, als ich plötzlich jemanden meinen Namen rufen hörte. Ich blickte auf und sah, wie Tom auf mich zu gerannt kam.
Erleichterung strömte erst mal in mir auf, weil es nicht Bill war. Dann, als Tom unmittelbar vor mir stand begann mein Herz ungewohnt schneller zu schlagen. Sein Anblick war einfach unheimlich sexy. Wie er so vor mir stand, die Lippen leicht geöffnet, um mehr Luft von dem bisschen rennen einzuatmen und dann noch das Piercing, was leicht das Licht reflektierte.
Seine Dreads waren wie immer hinten zusammen gebunden doch eine Cap trug er nicht…
„Ehm, was ist denn?!“, brachte ich mühsam hervor, da es mir bei seinem Anblick wieder mal die Sprache verschlagen hatte.
„Man verdammt wo warst du? Bill ist voll ausgeflippt! Er meint, du würdest ihn ja nie anlügen und er hatte echt Angst, dass dir was passiert ist! Ich musste ihn als davon abhalten zum Telefon zu rennen und die Polizei anzurufen!“
Tom sah mich vorwurfsvoll an. Verlegen kaute ich auf meiner Unterlippe herum. „Na ja ehm weißt du…“, verdammt jetzt musste ich mir aber schnell ne gute ausrede einfallen lassen!
Ich hätte es mir ja auch denken können, dass Bill so reagiert. Es versetzte mir einen Stich, dass Bill dachte, ich würde ihn nie anlügen.
„Kit hat mich eben angerufen, er hatte echte Probleme und hat mich gebeten schnell zu ihm zu kommen! Ich musste ihn echt sehr trösten!“, reimte ich mir zusammen.
Tom zog die Augenbrauen in die Höhe. „Kit? Dieser arrogante Schnösel hier aus Loitsche?“
Meine Augen verengten sich zu schlitzen. „Du kennst ihn gar nicht richtig, also hör auf so über ihn zu reden!“, fauchte ich. Okay ich hatte Gefühle für Tom, doch das gab ihm nicht das Recht, so über Kit her zu ziehen.
Toms Lippen kräuselten sich. „Was nimmst du den denn so in Schutz? Nur weil ihr ganz gut miteinander klar kommt! Wir sind deine Freunde! Nicht er!“
Ich schnaubte verächtlich auf. „Ach ja? Ihr seit doch ständig auf Tour und habt kaum Zeit!“
Tom öffnete den Mund um etwas zu erwidern doch ich stoppte ihn: „Lass gut sein!! Kit ist jetzt mein bester Freund ob es dir gefällt oder nicht! Und ich will nicht dass du über ihn herziehst!!!“
Eingeschnappt stolzierte ich an ihm vorbei. Paah!

Kapitel 11

Ohne mich noch mal umzudrehen verschwand ich bei mir im Haus.
Okay vielleicht war Kit manchmal etwas merkwürdig, aber trotzdem!! Tom kennt ihn überhaupt nicht! Warum redet er so von ihm?
Leicht wütend lief ich in mein Zimmer.
Ich meine, Tom und Bill sind die meiste Zeit weg; auf Tour. Ist doch normal, dass ich mich dann auch mal mit anderen anfreunde!!
Ich seufzte kurz auf und verschränkte dann die Arme.
Man, die Sache wird mich jetzt sicher noch lange beschäftigen…vor allem, weil ich keinen Stress mit Tom haben will! Tom…
Ich musste stark schlucken und zwang mich dann, nicht mehr an Tom zu denken. Stattdessen widmete ich meine Aufmerksamkeit wieder den etwas dringenderen Problemen: Bill!
Ihm musste ich jetzt dasselbe wie Tom erzählen, nämlich, dass Kit ein Problem hatte und ich ihn trösten musste!
Ich seufzte wieder lauf auf und begann dann, in meinem Zimmer auf und ab zu tigern. Hin und wieder warf ich immer wieder nervöse Blicke aus dem Fenster.
Ich hatte Bills Fenster genau im Blickfeld. Tom hatte ihm bestimmt erzählt was vorgefallen war! Es dauerte bestimmt nicht mehr lange bis Bill hier aufkreuzt!
Just in dem Moment, als ich das dachte klingelte es unten an der Tür. Als ob ich es nicht geahnt hätte!
Augen verdrehend machte ich mich auf den Weg nach unten.
Okay…ich schaff das schon! Ich erzähl es ihm einfach so und alles ist wieder gut. Na ja nicht gut…so wie immer halt. Schrecklich!
Ich öffnete die Tür und noch ehe ich etwas sagen konnte stürzte Bill mir entgegen. Er umarmte mich so stürmisch, dass ich fast nach hinten umfiel.
„Man Schatz wo warst du? Ich hab mir so verdammte sorgen gemacht, weil du plötzlich weg warst! Einfach so!“
Er sah mich mit großen, wässrigen Augen an und ich hatte wieder einen dicken Kloß im Hals.
„Ich hab schon gedacht wir wäre was passiert!“, flüsterte er mit verletzter, doch zugleich auch mit warmer Stimme und fuhr mir mit dem Finger leicht an der Wange entlang.
Ich zwang mich zu einem kleinen Lächeln und lehnte meine Stirn gegen seine. „Es tut mir so Leid Bill! Aber Kit hatte mich angerufen, er hatte Probleme und ich musste ihn echt trösten!“
Bill löste sich von mir. „Kit?!“, fragte er misstrauisch. Ich nickte nur.
„Meinst du diesen eingebildeten Typen, hier aus Loitsche?!“
Empört riss ich den Mund auf. „Du weißt genau, dass ich mit ihm befreundet bin und er ist nicht eingebildet!“
Wieder durchströmte mich eine heiße welle der Wut.
„Ja aber…“, plötzlich blitzten Bills Augen misstrauisch auf. „Da läuft doch nichts zwischen euch oder?!“
Völlig fassungslos schnappte ich nach Luft. „Bill!“, kreischte ich völlig empört.
„Du bist echt…du bist….du bist der iifersüchtigeste, krankhafteste Typ den ich je getroffen hab!“
Ich biss die Zähne fest zusammen.
„Aha also ja?!“, fragte Bill und verschränkte die Arme. „Ich wusste doch, dass da noch ein anderer ist ich-“, doch da unterbrach ich ihn wieder: „ Du bist echt unmöglich!!!“, schrie ich wieder und hämmerte mit meinen Fäusten gegen seine Brust.
Völlig aufgelöst vor Wut, drängte ich ihn nach draußen und knallte ihm die Tür vor der Nase zu.
Dann stapfte ich wieder nach oben in mein Zimmer.
Also echt mal, bei dem piepts wohl!!!!
Doch plötzlich bekam ich ein Lächeln ins Gesicht. Ist es jetzt aus??


Kapitel 12

Das war ein Streit; eindeutig!
Ich bin sauer auf ihn. Und diese Gemeinheit kann er nicht so einfach wieder gut machen! Ich meine: Hallo?
Erst beleidigt er Kit, meinen besten Freund, und nur weil ich ihn verteidige, was ja eigentlich völlig normal ist, wirft er mir vor ich hätte was mit ihm! Völlig übergeschnappt der Junge!
Sofort brodelte wieder Wut in mir auf, sobald ich nur an eben dachte.
Tja, dass hatte er sich jetzt selber zuzuschreiben!
Und wer weiß, vielleicht muss es ja leider eine Trennung für immer sein! Leider…das bedauere ich dann natürlich zutiefst!
Wieder umspielte ein Lächeln meine Lippen.
Ich lies mich rückwärts aufs Bett fallen und verschränkte die Arme hinter meinem Kopf. Nachdenklich schaute ich aus dem Fenster und helle Sonnenstrahlen fielen mir ins Gesicht. Es wurde langsam Mittag und die Sonne begann immer stärker zu scheinen.
Na ja vielleicht könnte ich ja nachher noch etwas spazieren gehen…bei dem schönen Wetter!
Wie es „Draußis“ eben so machen!
Ja, ja…ich hatte mich echt verändert…lag das auch an den nicht vorhandenen Gefühlen für Bill?
Nachdenklich kratzte ich mich am Hinterkopf. Na ja eigentlich auch egal!
Nach ein paar weiteren Minuten des nur still rum sitzens beschloss ich dann, endlich mal raus zu gehen und den herrlichen Tag zu genießen. Im Sinne vom Wetter und natürlich im anderen Sinne.
Ich schnappte mir eine dünne Jacke und marschierte gut gelaunt aus dem Haus. Es wunderte mich schon ein wenig, dass ich Bill nicht vorfand oder, dass er gar nicht mal versuchte sich wieder mit mir zu versöhnen!
Seltsam!
Dann beschloss ich aber, mir darüber keine Gedanken zu machen und mich eher zu freuen! Wundervoll!
Noch besser gelaunt ging ich die Straße entlang. Nur ein paar Minuten entfernt würde dann ein Feldweg kommen und ich könnte etwas durch den Wald spazieren… ich liebte die Natur!! Und das nicht nur, weil Bill sie hasste…wirklich!
„Jules!“, rief da plötzlich jemand hinter mir und ich zuckte erschrocken zusammen. Ich konnte Fußgetrommel hinter mir hören und verdrehte wieder die Augen. Wer ist das jetzt?
Ich drehte mich um und stellte erstaunt fest, dass es Tom war.
Auch wenn ich eigentlich sauer auf ihn sein müsste begann mein Herz doch wieder schneller zu klopfen.
„Was gibt’s?!“, fragte ich ihn betont gleichgültig, kaum war er bei mir angekommen.
Er rang erst mal nach Luft, dann sagte er: „Also, erst will ich mich bei dir entschuldigen! Wenn du mit diesem Kit befreundet bist, dann ist er wohl nicht so schlimm und es war nicht richtig von mir ihn einfach so niederzumachen!“
Ich lächelte ihn an. „Okay Entschuldigung angenommen!“
Er strahlte zurück. „Super! Sag mal, darf ich fragen wo du hin willst?!“
„Ich geh spazieren!“, erklärte ich ihm stolz.
„Aha…was dagegen wenn ich dich begleite?!“
Ich blickte ihn verwirrt an. „Mh nö!“
Tom und spazieren? Okay der wollte über was Ernstes mit mir reden….vermutlich Bill…. Ich verzog das Gesicht.
Eine Weile gingen wir nur schweigend nebeneinanderher bis er dann endlich das Wort ergriff: „Was ist bei dir und Bill los? Warum streite ihr euch jetzt schon wieder?!“
Ich verdrehte die Augen. „Das weißt du ganz genau, er hat dich doch eh hergeschickt um uns wieder zu versöhnen! Aber wenn er mir vorwirft ich hätte was mit Kit dann kann er bleiben wo der Pfeffer wächst!“
Stur schaute ich geradeaus.
„Aber…du weißt doch das Bill halt so ist! Er hat halt angst dich zu verlieren und ist deshalb eifersüchtig!“
Ich schwieg einen Moment. „Aber durch diese Eifersucht erreicht er genau das Gegenteil!“

Kapitel 13

Tom schwieg betroffen.
„Ja, das ist mir auch klar, aber du musst ihn halt auch verstehen!“
Meine Augen funkelten zornig. „Und wenn ich ihn nicht verstehen will? Wenn mich das nervt? Diese Eifersucht ist einfach zu übertrieben!“
Ich verschränkte die Arme und marschierte weiter den Weg entlang. Tom hatte Mühe mit mir mitzuhalten. Sein keuchender Atem drang mir ins Ohr.
Er sollte echt mal mehr Sport machen.
„He Jules! Komm, du kennst ihn doch! Er kann einfach nicht anders! Was hast du denn so plötzlich?!“
Plötzlich ist gut… ich kämpfte schon seit Wochen damit, mich von Bill zu lösen. Und jetzt hatte ich vielleicht eine einmalige Gelegenheit dazu.
„Ach Tom du verstehst das nicht!“, sagte ich einfach nur.
„Dann erklär es mir doch!“
Entschieden schüttelte ich den Kopf. „Vergiss es einfach!“
„Man Jules, wir sind Freunde! Warum erzählst du mir nichts mehr?!“, er schnaubte kurz verächtlich und sah mich fast schon angewidert an: „Oder erzählst du jetzt alles nur noch diesem Kit?!“
Tränen stiegen mir in die Augen. Irgendwie verletzte es mich, dass er plötzlich so mit mir umging. Wenn er doch nur die leiseste Ahnung hätte, was ich für ihn empfinde. Nur ein ganz kleines bisschen, aber nein, der Herr war ja irgendwie zu blind dafür.
„Mit wem soll ich denn sonst reden, wenn ihr weg seit?!“, schrie ich Tom jetzt schon fast an. „Du hast ja keine Ahnung wie das ist, wenn die besten Freunde plötzlich nur noch alle paar Monate mal da sind! Ihr seid ja zusammen aber mich habt ihr hier alleine zurück gelassen! Ist doch normal, dass ich mir da neue Freunde suche, oder?!“
Nun wurde Tom auch wütend: „Na und? Aber wir sind deine richtigen Freunde! Deshalb darfst du uns doch nicht so vernachlässigen, vor allem Bill, er ist dein Freund!“
Ja, leider….
„Wieso seit ihr meine richtigen Freunde?!“, fragte ich leicht unterkühlt.
„Außerdem, wie vernachlässige ich euch denn? Bill will doch eh jede freie Sekunde mit mir verbringen!“
Tom schwieg eine Weile nur beleidigt und mir tat es auch schon fast leid.
Ich seufzte kurz. „Tom hör´ zu, ich will nicht mit dir streiten! Ich…ich hab dich echt verdammt gern und es tut mir sehr weh wenn wir streiten!“, presste ich leise hervor doch Tom verstand trotzdem jedes Wort. Er lächelte mich von der Seite warm an, was mein Herz sofort wieder ein paar Take schneller schlagen lies.
„Mir geht’s genauso! Tut mir leid, aber genau deshalb, weil ich dich so gerne hab, will ich nicht, dass du uns wegen diesem Kit vergisst!“, flüsterte er leise.
In mir breitete sich eine wohlige Wärme aus.
„Das werd ich schon nicht!“
Er legte lieb einen Arm um mich und ich kuschelte mich an ihn. Wenn das unter uns nicht selbstverständlich wäre würde ich mich jetzt riesig freuen. Aber trotzdem begannen die Stellen, wo Tom mich berührte angenehm zu kribbeln.
„Ich hab keine Lust mehr auf spazieren!“, maulte dieser plötzlich nach ein paar Minuten.
Ich musste lachen.
„War klar! Wollen wir zu mir gehen und irgendwas machen?!“
Tom nickte eifrig. „Klar gerne!“, er lächelte mich wieder an.
„Okay dann komm!“
Wir drehten uns um und Hand in Hand spazierten wir dann zu mir…..

Kapitel 14

„Hoffentlich sieht Bill uns nicht!“, murmelte ich vor mich hin. Tom sah mich schräg von der Seite an.
„Du weißt doch, Bill würde ausrasten!“
„Mhm!“, Tom nickte wissend. „Schon etwas nervig!“
„Stell dir vor!“, zischelte ich ihn an.
Er hob beschwichtigend die Hände in die Höhe. „Hey komm Jules, du weißt ich mein das nicht so!“
Ich war wieder besänftigt. Auf Tom konnte ich nie lange sauer sein. Dafür war ich dann immer nur auf mich sauer. In den Bruder meines Freundes verliebt zu sein….klar, dass so was nur mir passiert.
Soweit ich das beurteilen konnte, schafften wir es ungesehen in mein Zimmer. Ich seufzte auf und war erleichtert, dass Bill nicht hinter dem nächst Besten Busch gelauert hatte.
„So was machen wir jetzt?!“, fragte Tom und blickte sich in meinem Zimmer um.
Ich zuckte die Schultern. „Ist mir egal!“
„Super…mir auch!“
„Oke dann können wir ja Joggen gehen!“, grinste ich, um ihn zu ärgern.
Schmerzvoll verzog er das Gesicht.
„Ich dachte es ist dir egal?“, jetzt musste ich lachen.
„Na ja weißt du, ich mag es lieber etwas gemütlicher!“, hauchte er und legte einen Arm um mich.
Eine Gänsehaut durchzog meinen Körper und das Kribbeln machte sich wieder breit. Ich wusste zwar genau, dass er es nur aus Spaß machte aber trotzdem flammte ein Hoffnungsschimmer in mir auf.
„Ach und das heißt?!“, hauchte ich zurück und schaute ihm in die Augen.
„Na ja ganz einfach!“, grinste er.
Tom lies sich nach hinten fallen und zog mich mit sich, sodass er nun auf dem Bett lag und ich mit meinem Kopf auf seiner Brust.
„Ja stimmt, das ist gemütlich!“, sagte ich und machte es mir auf ihm bequem.
„Na ja besser wäre es, wenn du vorher noch etwas abnehmen würdest!“
Empört drehte ich mich zu ihm um. Meine Haare flatterten ihm kurz ins Gesicht und ich strich sie nervös wieder beiseite.
„Hör mal du kleiner Möchtegern Hopper!“, ich bohrte meinen Finger in seine Brust. „Nur weil du soviel essen kannst wie du willst ohne dick zu werden hast du noch lange nicht das recht mich hier so zu beleidigen!“
Er verdrehte die Augen. „War doch nur ein Scherz man!“
„Ja, ach ne!“, lachte ich. Man war der Junge manchmal schlau!
Er grinste zurück und wieder sahen wir uns in die Augen.
Ich konnte einfach nicht wegblicken zu sehr war ich von diesen warmen, funkelnden Augen angetan.
Nicht mal Bills Augen glitzerten so sehr wie Toms.
Wäre ich nicht mit Bill zusammen könnte ich ihn ja jetzt einfach küssen und seinen Mund endlich mit meinen Lippen versiegeln. Wie lange träumte ich schon davon?
Viel zu lange…
Ich konnte doch nicht warten bis ich alt und grau werde und Bill endlich mal merkt, dass da nichts mehr zwischen uns ist?
Bei dieser schlimmen Vorstellung durchlief mich ein leichter Schauer und ich fasste mir ein Herz.
Ich beugte mich rüber und legte meine Lippen sanft auf die von Tom.
Ein unglaubliches Feuerwerk machte sich in mir breit und ich wusste:
Ich will nur ihn! Ihn - oder keinen!


Kapitel 15

Scheu begann Tom den Kuss zu erwidern.
Mein Herz klopfte mir bis zum Hals, so dass ich das Gefühl hatte gleich zu explodieren.
Tom presste seine Lippen nun fordernd auf meine und ich wanderte mit meiner Hand langsam unter sein T-Shirt.
Keinen einzigen Gedanken verschwendete ich mehr an Bill. Wer ist überhaupt Bill?
Das Einzige was jetzt zählte war, dass das einer der schönsten Momente meines Lebens ist. Endlich passierte das, was ich mir schon so lange wünsche….
Der Kuss wurde immer wilder und Tom begann langsam mein Oberteil immer weiter hoch zu schieben. cm für cm…er zog es schnell über meinen Kopf und unsere Lippen trafen sich sofort wieder. Wenn Tom doch nur wissen würde, wie viel er mir bedeutet! Das, das hier nicht nur ein Fehler, ein Ausrutscher ist, nein!
Immer mehr Kleidungsstücke verabschiedeten sich und meine Stimmung steigerte sich immer mehr, auch wenn das kaum vorstellbar ist.
Immer hatte ich nur Bill….seit Jahren! Doch das hier ist jetzt der Moment, wo ich meinen Weg geh und das tue was ich will! Nur wie ich es Bill später erklären soll weiß ich noch nicht so ganz…
„Tom!“, stöhnte ich leicht auf, als er begann einen Hals hinunter zu küssen und seine Zunge dabei geschickt mit ins Spiel brachte.
Unser Liebesspiel wurde immer Leidenschaftlicher und es endete dann so wie es enden musste und ich es von Anfang an wollte; wir schliefen miteinander….mein erstes Mal mit jemand anderem…
Ich wusste nicht, ob Tom auch Gefühle für mich hatte oder ob es für ihn nur ein Ausrutscher war: Für mich bedeutete es fast die Welt!
Ich war fest an ihn gekuschelt und schmiegte meinen Kopf an seine Brust.
„Jules?“, flüsterte er auf einmal.
„Ja?“
„Da-das…das war…..was war das?!“
Verwirrt blickte ich zu ihm auf. Ich musste lachen. „Ja was war das wohl?!“
„Nein, komm!“, ernst schaute er mir in die Augen. „Das ist kein Spaß! Was haben wir Bill da angetan?!“
Ich musste schlucken. „Du bist mit ihm zusammen...ihr liebt euch….ich hab meinen Bruder hintergangen!“
Erschreckt stand Tom auf. Pure Angst stand in seinem Gesicht. Es war als wäre ihm jetzt erst klar geworden, was hier passiert ist.
„Mist verdammt…wir müssen es ihm sagen! Er muss uns verzeihen! Scheisse…“
Tom war völlig aufgelöst. Schweigend schaute ich ihn an.
„Tom, ich liebe dich!“
„Ja ich weiß du liebst Bill aber….hä?!“ Er stockte und schaute mich verdutzt an.
Ich atmete tief ein und nickte dann. „Es tut mir leid aber…ich hab mich in dich verliebt!“
Tom schüttelte ungläubig den Kopf. „Du lügst doch!“
„Nein!“
Tom grinste. „Okay und wo is die versteckte Kamera?!“
Verletzt schaute ich ihn an. „Ich mein es ernst!“, flüsterte ich fast schon.
Tom lachte kurz verächtlich: „Verarsch mich doch nicht! Du bist schon so lange mit Bill zusammen…ich war immer nur dein bester Freund! Willst du mit mir spielen oder was?!“
Ich fühlte mich als hätte er mir eine schallende Ohrfeige verpasst. Tränen brannten mir in den Augen.
„Warum sagst du so etwas?!“
„Weil es die Wahrheit ist!“, antwortete er mit funkelnden Augen.
„Nein eben nicht!“, schrie ich schon fast.
„Jo komm!“, er machte eine wegwerfende Handbewegung und zog sich dann wieder an.
Wie in Trance beobachtete ich ihn dabei.
„Warum machst du das?“, fragte ich, als er fertig war, mit Tränenerstickter Stimme.
„Die Frage ist wohl eher warum machst du das?!“
„Man Tom, ich liebe dich, das ist so!“
Er nickte. „Klar und ich liebe Kit!“
Damit drehte er sich um und schritt aus meinem Zimmer.
Entfernte sich mehr und mehr von dem Ort, an dem er mich so glücklich gemacht und doch so verletzt hatte.


Kapitel 16

Starr saß ich auf meinem Bett. Immer noch schaute ich Tom hinterher, obwohl er schon vor gut einer halben Stunde gegangen war.
Wie konnte er mir so etwas antun?
Mit mir schlafen und mir das Gefühl geben, dass ich ihm was bedeute und dann einfach abhauen…mir nicht glauben! Dabei stimmt es…ich liebe ihn! Mehr als ich Bill je geliebt habe!
Doch nun waren meine Hoffnungen und Träume alle zerstört!
Ich musste stark schlucken. Ein paar mal kamen Tränen in mir auf, doch ich unterdrückte sie jedes mal wieder. Ich wollte nicht weinen….nie!
Immer noch wie hypnotisiert griff ich plötzlich zum Telefon und hämmerte Kits Nummer ein.
„Ja?“
„Kit, ich bins“, krächzte ich in den Hörer. Mein Hals fühlte sich so rau an, als hätte ich seit Tagen nichts mehr gesagt.
Kits lachen drang mir ins Ohr. „Wie hörst du dich denn an?!“
„Ich weiß nicht…“, zerstreut kratzte ich mich am Hinterkopf. „Kannst du vorbei kommen?...Bitte?“ Kit schwieg kurz.
„Ist was passiert?“
„Könnte man so sagen“
„Ich bin in 5 Minuten da“, schon hatte er aufgelegt.
Ich atmete erleichtert auf und schmiss das Telefon wieder beiseite. Auch wenn Kit manchmal komisch war, er war trotzdem immer für mich da! Wie es sich für einen guten Freund gehörte…
Es kam mir vor als wären nur wenige Sekunden vergangen, als es schon unten an der Tür klingelte. Ich musste mich wirklich zwingen aufzustehen und nach unten zu gehen.
So schrecklich wie jetzt hatte ich mich noch nie gefühlt! Der Gedanke, dass Tom mir nicht glaubte und mir auch nie glauben wird war einfach so schrecklich….ich wollte nicht bis ans Ende meiner Tage nur mit Bill zusammen sein! Wieder lief mir ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter.
Unten öffnete ich dann die Tür wo Kit mich grad schon mit Fragen bestürmte: „Hey Jules, was is denn los? Was ist passiert? Hat Bill mit dir Schluss gemacht?- Ach ne dann müsstest du dich ja freuen- was los? Will er dich heiraten?!“
Erwartungsvoll schaute er mich an. Ich blickte verständnislos zurück. „Also… ich hab mit Tom geschlafen“, sagte ich. Kit riss seine kristallblauen Augen erstaunt auf.
„Du hast WAS?“
„Ich hab mit Tom….geschlafen“, wiederholte ich mit klarer, ernster Stimme.
Kit blickte mich erst eine Weile misstrauisch an, so als erwarte er ich würde gleich ´verarscht´ rufen oder so was in der Art. Als ich aber nichts dergleichen tat meinte er nur verwirrt: „Aber das ist doch gut?“
Ich seufzte. „Dann hab ich ihm gesagt, dass ich ihn liebe aber er hat mir nicht geglaubt und ist abgehauen!“
Kit fuhr sich mit einer Hand nachdenklich durch sein dunkles Haar. „Und?“
Ich zog die Augenbrauen in die Höhe.
„Und?!“, wiederholte ich leicht hysterisch. „Er denkt ich hab ihn verarscht er ist sauer auf mich und will vielleicht mit Bill reden und was weiß ich…da gibt’s kein ´und´?!!!!“
„Jules, reg dich nicht auf!“, Kit legte beruhigend einen Arm um mich. „Komm wir gehen jetzt erst mal wieder hoch in dein Zimmer und dann reden wir da in Ruhe drüber!“
In Ruhe reden? Was denn reden? Die Sache war gegessen! Tom fühlt sich von mir verarscht und hasst mich. Punkt! Was können wir da schon dran ändern?
Ich merkte, wie Kit mich von der Seite beobachtete.
„Was?“, fauchte ich.
„Also ich mein nur….bist du wirklich sicher, dass du mit Tom geschlafen hast?!“
Empört machte ich mich von ihm los.
„Glaubst du mir etwa nicht?!“, ich wurde wieder hysterisch.
Kit hob beschwichtigend die Arme. „Doch doch,, ich glaub dir!“
Ja, ja, wers glaubt!!


Kapitel 17

Oben in meinem Zimmer setzte Kit sich erst mal aufs Bett und sah mich forschend an.
„Man was denn?!“, fauchte ich ihn schon wieder an.
Kit zuckte die Schultern. „Na ja ich wundere mich nur etwas, dass du mit Tom geschlafen hast, obwohl du mit Bill zusammen bist“
Immer noch musterte er mich.
„Du weißt doch genau, dass ich Bill nicht mehr liebe!“
Kit nickte. „Ja und dass du ihn nicht verletzen willst… und deshalb hast du mit Tom geschlafen?!“ Er hob eine Augenbraue in die Höhe. „Sorry, aber da komm ich nicht mehr so ganz mit!“
Ja und da war er nicht der einzige. „Es ist halt einfach passiert!“, versuchte ich die Sache zu erklären. „Ich liebe ihn und… vielleicht hat er auch ein paar Gefühle für mich“
Hoffnungsvoll blickte ich meinen besten Freund vor mir an, der wieder ungläubig die Augenbraue hob.
„Deshalb ist Tom auch vor dir abgehauen und ist sauer auf dich!“
Also zum trösten ist der Junge echt nicht geeignet. Aber andererseits hatte er auch Recht. Wenn Tom Gefühle für mich hat, ist es dann normal so zu reagieren?
Nachdenklich runzelte ich die Stirn.
„Sollte ich vielleicht noch mal mit Tom reden? Ihm die Sache genau erklären?“
Kit hatte die Arme verschränkt.
„Ich weiß nicht… wenn er dir doch eh nicht glaubt?“
Grübelnd begann ich vor Kit auf und ab zu gehen.
„Außerdem, falls er dir doch glaubt, was bringt es euch? Du willst Bill doch nicht verletzen, also kannst du nicht mit Tom zusammen sein!“
„Man Kit! Kannst du auch ml positiv denken?!“ Ich war fast schon den Tränen nahe.
„Sicher, wenn es etwas positives an der Sache gäbe!“
Wütend biss ich die Zähne zusammen. „Das gibt es!“
„Ach echt?“, fragte Kit gelangweilt. Ich nickte eifrig.
„Ja, Tom hat mit mir geschlafen und wenn er Gefühle für mich hat, dann können wir wenigstens heimlich zusammen sein!“
Kit wiegte nachdenklich den Kopf hin und her. „Also wenn für dich das das Einzigst positive ist, dann musst du echt verzweifelt sein!“
Ich sah ihn nur wütend an.
Eine ganze Weile schwiegen wir, während er mich aufmerksam musterte, dann meinte er: „Hör mal Jules, das beste für dich und für uns alle wäre, wenn du endlich mal mit Bill reden würdest!“
„Wieso für uns alle?“, fragte ich verwundert nach.
Kit grinste. „Oder eher für mich, dann würdest du mir nämlich nicht mehr damit auf die Nerven gehen!“ Ich schmiss ein Kissen nach ihm. „Du bist mir wirklich eine große Hilfe!“ Beleidigt kreuzte ich die Arme. Kit nickte
„Ich weiß, dafür bin ich doch auch da!“
Schmollend setzte ich mich jetzt neben ihn aufs Bett. Wozu hat man eigentlich einen besten Freund, wenn der einem nicht mal helfen will? Er nimmt das alles auf die leichte Schulter! Wenn er doch nur wüsste wie sehr mich das alles wirklich belastet.
Ich muss dringend etwas unternehmen. So kann das wirklich nicht weiter gehen. Irgendetwas muss mir einfallen.
„Ach Jules!“, sagte Kit plötzlich neben mir. Versöhnend legte er einen Arm um mich.
„Du weißt ich meine das nicht so! Ich will dir ja auch nur helfen!“
Ich nickte. Ja, vielleicht wollte er mir wirklich nur helfen, aber bringen tat mir das nichts!
„Ich weiß!“, seufzte ich daher nur. Ich musste das Problem irgendwie lösen…wenn’s sein muss auch alleine!
„Ich werde gleich noch mal mit Tom reden“, sagte ich entschlossen zu Kit.
Dieser sah mich nachdenklich an. „Wenn du meinst!“
Kurz schwiegen wir. „Aber, lass Bill das am beste nicht wissen!“, fügte er dann noch mit einem leisen Lächeln hinzu.
Da hatte er ausnahmsweise mal Recht!


Kapitel 18

„Also, ich werd dann mal Heim gehen!“ Kit sah mich einen Moment aufmerksam an. Dann seufzte er und legte mir eine Hand auf die Schulter.
„Ich bin mir sicher, dass du das mit Tom hinbekommst!“
Ich lächelte ihn dankbar an. „Danke Kit! Ich hoffe du hast recht!“
Dann umarmte ich ihn noch kurz und schon drehte er sich um und ging aus dem Haus.
Wie sehr hoffte ich, dass er wirklich Recht hat…
Ich wandte mich kurz um und schaute auf die Uhr. Halb 5. Eigentlich ja noch Zeit, kurz zu Tom rüber zu gehen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist auch ziemlich groß Bill zu treffen.
Irgendwie wunderte es mich ja schon, dass der noch nicht hier war. Normalerweise hielt er es ja keine zwei Sekunden ohne mich aus.
Seltsam. Na ja stören tat es mich ja nicht…
Ich entschloss mich Tom einfach mal anzurufen und griff zum Handy.
„Der gewünschte Gesprächspartner ist zurzeit nicht zu…“ Ich legte wortlos wieder auf.
Typisch. Ist das nicht immer so, dass derjenige mit dem man unbedingt reden will nicht zu erreichen ist?
Dann musste ich wohl doch rüber gehen! Verflixt. Na ja vielleicht ist Bill ja nicht da. Aber bei meinem heutigen Glück würde der mir echt noch einen Heiratsantrag machen!
Ich seufzte einmal kurz auf und machte mich dann auf den Weg nach drüben.
Hoffentlich ist Tom überhaupt da! Nicht dass er noch irgendwo hin ist. Ist ja noch relativ früh…
Als ich vor der Tür der Kaulitz´ stand begann mein Herz wieder ungewöhnlich schnell zu klopfen. Bitte, bitte, lass nicht Bill die Tür öffnen.
Ich presste meinen Finger gegen die Klingel und Sekunden später erschien Simone.
„Gott sei dank!“
Mein Gegenüber runzelte die Stirn. Ups hatte ich das laut gesagt?
„Ähh… ist Tom da?!“, fragte ich verlegen.
Simone schaute mich noch verwirrter an.
Ja schon seltsam: Die Freundin von Bill fragt nach Tom.
„Ja… er ist oben in seinem Zimmer!“ Die Mutter der beiden Zwillinge musterte mich misstrauisch. „Danke!“, sagte ich und lief schnell an ihr vorbei. Nicht, dass sie gleich noch Bill dazu holt oder so. Wieder schauderte es mich.
Ganz langsam stieg ich die Treppe hoch und mit jedem Schritt stiegen meine Angst und die Verunsicherung. Wie würde Tom reagieren? Würde er mich wieder anbrüllen?
Unschlüssig blieb ich vor seiner Tür stehen. Na ja die einzige Möglichkeit um das raus zu kriegen ist indem ich es ausprobiere.
Ich klopfte zögerlich.
„Herein!“
Gut also jetzt einfach Augen zu und durch!
Vorsichtig öffnete ich die Tür. Tom lag auf seinem Bett und hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Leise Musik drang aus seiner Anlage. Wie ich Hip Hop doch verabscheute. Na ja jedem das seine!
Als Tom mich bemerkte setzte er sich überrascht auf. „Was willst du denn hier?!“
Ich war erleichtert, weil seine Stimme nicht wütend sondern eher fragend war.
„Also, ich will noch mal mit dir reden!“ Ich atmete tief ein.
Tom verdrehte die Augen.
„Jules, was soll das? Macht es dir Spaß mich zu quälen oder was?!“
„Nein, natürlich nicht!“ Wieder verletzten mich seine harten Worte.
Warum denkt er so von mir? Nur wegen Bill?
“Tom, bitte, sag mir was ich tun soll um es dir zu beweisen! Ich liebe dich!“
Tom lachte verächtlich auf.
„Deshalb bist du auch schon die langjährige Freundin meines Bruders.“
Er musterte mich mit kalten Augen.
„Es ist aber so, ich will nur dich! Ich will schon seit Monaten mit Bill schluss machen, aber…das ist so schwierig!“
Tom nickte. „Naha klar, das glaub ich dir jetzt auch!“, meinte er sarkastisch. Enttäuscht blickte ich ihn an. Er glaubt mir nicht…
„Jules, am besten du gehst wieder zu dir rüber, oder wartest bis Bill wieder da ist. Aber lass mich bitte einfach damit in Ruhe und mach es nicht noch schlimmer!“
Er wendete sich von mir ab.
Einige Sekunden blieb ich noch reglos da stehen. Tränen brannten mir in den Augen.
Abrupt drehte ich mich um und rannte dann aus dem Zimmer.
Verdammt, warum glaubt er mir denn nicht?

Kapitel 19

Blind vor Tränen renne ich aus dem Haus.
Warum Tom, warum?
Ist es so schwer mir zu glauben? Warum hast du dann erst mit mir geschlafen? Nur um Bill eins auszuwischen?
Salzige Tränen rinnen mir über die Wange und tropfen auf den Boden.
Tom, ich liebe nur dich, warum glaubst du mir das nicht? Warum?
Erst als ich starkes Seitenstechen spüre verlangsame ich meine Schritte. Keuchend bleibe ich stehen und ringe erst mal nach Luft.
Warum Tom?
Glaubt er mir erst, wenn ich mit Bill schluss gemacht habe?
Aber dann würde er sicher nichts mit mir anfangen… nicht bei Bills gebrochenem Herz.
Weitere Tränen treten mir aus den Augen.
Was kann ich tun?
Wie soll ich es Tom beweisen? Es muss doch einen Weg geben.
Siedend heiß wird mir plötzlich bewusst, dass sie ja in 2 Tagen schon wieder abreisen.
Bis dahin muss mir was einfallen! Mit dieser Ungewissheit will ich hier nicht alleine zurückbleiben! Entschlossen wische ich mir die Tränen von den Wangen.
Ich darf jetzt nicht einfach nur hier rum sitzen und heulen! Das bringt mir Tom auch nicht…
Ein paar mal atme ich tief ein und aus. Das beruhigt mich wieder so halbwegs und ich mache mich wieder auf den Weg nach Hause.
Etwas bereue ich es jetzt schon einfach so weggerannt zu sein.
Während meine Schritte leicht vom Boden widerhallen und ich alleine die leere Straße entlang wandere denke ich schon angestrengt nach.
Ich muss einen Weg finden, wie Tom mir glaubt und Bill uns nicht im Weg steht.
Eigentlich unmöglich…
Ich spiele kurz mit dem Gedanken, Kit um Rat zu fragen doch der würde mir auch nur einen Vogel zeigen und mich auslachen. Für den wäre das noch mehr als unmöglich.
Ich seufze frustriert auf und komme nach einigen Minuten dann daheim an. Im Hause Kaulitz ist es immer noch verdächtig ruhig.
Ich ertappe mich bei dem Gedanken mich zu fragen wo Bill ist.
Empört über mich selbst schüttele ich den Kopf. Ist doch gut, dass er nicht da ist…
Ich schleiche mich hoch in mein Zimmer.
Ich mache meine Stereoanlage an und lasse mich aufs Bett fallen. Jetzt muss mir nur noch etwas einfallen…
Nachdenklich runzele ich die Stirn und stiere vor mich ins Leere. Ich will nur Tom…
Ich liebe ihn.
Aber wie soll ich das beweisen? Und was ist mit Bill?
Noch bin ich mit ihm zusammen.
Die Minuten vergehen und mir will einfach nichts Gescheites einfallen.
Plötzlich läuft mein Lieblingslied von den Toten Hosen. Da muss mir doch jetzt was bei einfallen… komm schon Jules denk nach!
Ich summe die Melodie leicht mit.
Der Text des Liedes dringt zu mir durch und verankert sich in meinem Kopf.
Mir klappt der Mund auf.
Wenn ich es so machen würde? Wenn ich es wie Campino machen würde?
Mein Herz beginnt ungewöhnlich schnell zu klopfen. Dabei könnte aber auch einiges schief gehen. Und es wäre verdammt schwierig aber… wahrscheinlich auch die einzige Möglichkeit!
Nachdenklich fahre ich mir durch die Haare. So hätte ich dann alles erreicht…
Am besten ich mache es, kurz vor der Abreise…
Ich lasse mir die Idee noch mal genau durch den Kopf gehen.
Ja…
Anders geht es nicht!
Ich muss stark schlucken. So werde ich es machen! Beschlossene Sache… anders ginge es nicht. Es gibt keinen anderen weg! Ich muss!
Bis zur Abreise muss dann aber noch einiges getan werden…




Kapitel 20

Es muss alles ganz genau durch dacht sein. Ich habe nur diese eine Chance und die muss mir gelingen!
Mein Plan und die Gewissheit, dass ich diesem Alptraum bald entfliehen kann, lassen mich in einen ruhigen schlaf fallen.
Bald ist es so weit…

Am nächsten Tag wecken mich helle Sonnenstrahlen die mir ungewünscht ins Gesicht fallen.
Morgen…
Wie automatisch gehe ich nach unten und Frühstücke. Morgen werden sie abreisen und ich muss es dann tun. Ich werde es tun! Anders geht es nicht.
Aufgeregt schlürfe ich an meinem Kaffe und schaue aus dem Fenster. Rüber zum Haus der Kaulitz´.
Alles wird gut.

Nach dem Mittagessen entschließe ich mich dann rüber zu gehen. Es muss noch einiges getan werden.
Aufgeregt klingle ich und wieder wird mir von Simone geöffnet. Sie runzelt leicht die Stirn.
„Willst du wieder zu Tom?!“, fragt sie.
Unbehaglich schaue ich zu Boden. „Ähh…ne!“, stottere ich. „Ich will zu Bill!“
Oder besser gesagt: ich muss zu Bill.
Simone nickt nur und deutet mit dem Finger nach oben.
„Danke!“, murmle ich und husche an ihr vorbei. Was denkt die wohl jetzt von mir?
Kopfschüttelnd halte ich vor Bills Zimmertür. Ob er sauer ist? Glaubt er immer noch ich habe was mit Kit? Na ja wahrscheinlich schon. Ich seufze kurz auf und klopfe dann zaghaft.
„Was?!“, kommt es genervt von innen. Hui, der hat ja ne Laune. Klasse!
Langsam öffne ich die Tür.
„Bill, ich bins, Jules!“, sage ich völlig überflüssig, weil es ja eigentlich nicht zu übersehen ist, dass ich es bin. Mein Freund wendet sich an mich und sein Gesicht hellt sich deutlich auf. Bravo.
„Hey Schatz!“, sagt er liebevoll und kommt auf mich zu. Okay, ich denke mal, er ist nicht sauer.
„Hi!“, sage ich und zwinge mir ein Lächeln aufs Gesicht. Zärtlich schließt Bill mich in seine Arme und drückt mir seine Lippen kurz auf. Augenblicklich später kriecht eine unbehagliche Hitze in mir auf und meine Lippen beginnen zu brennen.
„Ich hatte schon solche angst, dass du sauer auf mich bist wegen gestern!“ er strahlt mich überglücklich an und in Gedanken bei meinem Plan fahre ich ihm leicht mit einer Hand über die Wange.
„Ich freu mich so, dass du da bist!“, haucht er und kommt mir wieder näher. Ich grinse ihn an. „Ach schatz, dir kann ich einfach nie lange böse sein!“, sage ich und kann seinen warmen Atem schon auf meinem Gesicht spüren.
„Ich liebe dich!“, sagt er und presst seine Lippen wieder auf meine. Vorsichtig fahre ich mit einer Hand unter sein T-Shirt und streichle über seine Haut. Als er mit seiner Zunge langsam in meinem Mund eindringt überkommt mich fast schon wieder ein Schauer des Ekels doch ich ignoriere das Gefühl wieder gekonnt und drücke mein Zunge auch gegen seine.
Es dauert ja nicht mehr lange…
„Ich liebe dich auch!“, presse ich hervor, kaum haben wir uns wieder gelöst. Überglücklich drückt Bill mich an sich. „Ich bin so froh, dass ich dich habe!“
Ja, ich weiß, du sagst es mir ja fast 5 mal am Tag. Fällt ihm das denn nicht langsam mal auf?
Ich lehne mich mit der Stirn gegen seine Schulter und sein süßlicher Geruch steigt mir in die Nase.
Einfach ignorieren…
Bill schlingt seine Arme ganz fest um mich. Langsam bewegt er sich nach vorne und zwingt mich somit rückwärts zu gehen. Langsam küsst er meinen Hals.
Ich muss stark schlucken.
Ich weiß was er vor hat…
Ich spüre das Bett, wie es mir gegen die Kniekehlen stößt und lasse mich langsam rückwärts darauf nieder.
Bill beugt sich über mich und liebkost weiter meinen Hals, entlang dem Schlüsselbein.
„Hey, Bill sag ma-“ Die Tür geht plötzlich auf und Tom erstarrt mitten in der Bewegung.
Erschrocken schaue ich ihn an. „Oh Entschuldigung ich wollte nicht stören!“, flüstert er.



Kapitel 21

Er dreht sich abrupt wieder um und verlässt das Zimmer.
Bill schüttelt leicht verärgert den Kopf. „Ich sollte mir wohl echt mal angewöhnen abzuschließen!“
Er steht auf und geht zur Tür.
Wie erstarrt beobachte ich ihn dabei. Mist, das könnte es jetzt um einiges schwieriger machen, meinen Plan auszuführen. Aber ich muss versuchen, dass wieder klar zu stellen.
Es muss klappen. Es darf nicht schief gehen!
Bill dreht den Schlüssel im Schloss um und kommt wieder zu mir.
Ich habe jetzt echt keine Lust dazu, ich muss mit Tom reden. Nicht, dass doch noch etwas dazwischen kommt. Zwischen unser Glück.
Aber ich muss auch Bill bei Laune halten. Ich muss mich ihm auch hingeben, er ist mein Freund. Noch…
„So, jetzt stört uns niemand mehr!“, haucht Bill und lehnt sich wieder über mich. Ich versuche mir ein grinsen ins Gesicht zu zwingen.
Bill beginnt mich feste, wild, leidenschaftlich und heiß zu küssen. Ich erwidere es leicht halbherzig und fahre ihm mit beiden Händen durch das gestylte Haar.
Ohne jegliche Vorwarnung zieht er mir plötzlich mein Oberteil über den Kopf. Man, der hats ja eilig. Leidet der schon an Entzug? Bei einem Tag?
Egal, Jules du musst da jetzt durch! Denk an den Plan, bald ist alles vorbei.
In Gedanken bei morgen, gebe ich mich Bill völlig hin. Es ist als habe ich ein unsichtbares Medaillon in der Brust, das mir hilft das durchzustehen. Mein Plan. Frei sein, mit Tom, ohne Bill.
Ein zufriedenes Lächeln ziert meine Lippen, als ich eng angekuschelt bei Bill liege. Er scheint es zu bemerken und strahlt mich zufrieden an.
„Ich liebe dich!“, haucht er mir heute nun schon zum zweiten Mal ins Ohr. Eine Gänsehaut läuft mir den Rücken hinunter. „Ich dich auch!“
Eine ganze Weile liegen wir einfach nur schweigend und ganz eng beieinander im Bett und jeder hängt seinen Gedanken nach.
Okay das war der eine Schritt. Der nächste ist es jetzt mit Tom zu reden. Nachdenklich kaue ich auf meiner Unterlippe herum.
Jetzt muss ich dringend mit Tom reden. „Du, sorry Schatz, aber ich muss jetzt dringend los!“, sagte ich etwas hektisch.
Enttäuscht sieht Bill mich an. „Aber, wir sind doch nur noch heute hier!“
Ja, ich weiß, und dann endlich, kann ich meinen Plan ausführen. Meinen Plan der mich endlich glücklich macht. Nach der ganzen Zeit.
„Ja, ich muss nur schnell was erledigen, ich bin später wieder bei dir okay?!“, frage ich während ich mich hastig aufrappele und meine Klamotten zusammen suche. „Wie lange?!“, fragt Bill schmollend. „Ne Stunde?!“ Mache ich als Angebot.
„Wie lange?!“, fragt Bill noch mal mit Schmollmund. Ich verdrehe die Augen. „Okay eine halbe Stunde?!“, gebe ich nach.
Bill nickt zufrieden. „Okay, bis gleich!“ Ich drücke ihm noch schnell einen Kuss auf und verlasse dann das Zimmer.
So, dass muss jetzt klappen. Es muss… sonst könnte der ganze Plan schief gehen.
Ganz ruhig stehe ich vor Toms Zimmertür. Alles wird gut… wenn ich das schaffe, dann bin ich glücklich, endlich!
Ohne zu klopfen betrete ich zögernd Toms Zimmer. Er sitzt an seinem Schreibtisch und hat nachdenklich den Kopf auf die Hände gestützt.
„Hi“, sage ich mit hoher und leicht nervöser Stimme.
„Hallo!“, antwortet er herablassend. „Willst du wieder mit mir reden und mir erzählen, dass du mich liebst? Nachdem du grad mit meinem Bruder gefickt hast?“
Seine Worte treffen mich hart und ich brauche erst mal ein paar Sekunden um sie zu verdauen.
„Um ehrlich zu sein: Nein!“, sage ich.
Tom sieht mich stirnrunzelnd an. „Was dann?!“
„Mich entschuldigen“
Er sieht mich weiter verwirrt an. „Ja, weil nachdem wir miteinander geschlafen haben, hab ich mir eingebildet auch in dich verliebt zu sein.“ Ich atme tief ein. Diese Worte kosten echt Überwindung. Es ist nicht einfach, Tom anzulügen.
„Weißt du, du hast recht, ich liebe nur Bill, dass ist mir klar geworden und es tut mir leid, dass ich dir so einen Mist erzählt habe! Ich meine wir sind doch beste Freunde!“
Wir sehen uns kurz nur schweigend an. Tom zeigt keine Reaktion, also rede ich weiter: „Also, verzeihst du mir? Das war alles nicht so gemeint, tut mir leid. Ich liebe dich nicht, du bist einfach mein allerbester Freund.“
Ich schaue Tom erwartungsvoll an. Er muss stark schlucken und grinst mich dann an. „Is okay Jules! Du bist ja auch meine beste Freundin.“ Sein Gesichtsausdruck kommt mir zwar leicht gequält vor, aber ich lächle ihn einfach nur freudestrahlend an.
„Danke Tom!“ Ich springe ihm in die Arme und presse mich fest an ihn. „Aber das mit gestern… das bleibt unter uns der?!“, fragt er noch. Ich nicke beruhigend. „Ja klar!“
„Okay!“
Ich grinse in mich hinein und spüre wieder die bekannte wohlige Wärme in mir aufsteigen, die immer da ist, wenn ich Tom berühre.
Gut, das war der letzte Schritt. Nun kann meinem Plan hoffentlich nichts mehr im Wege stehen…

Kapitel 22

„Bis morgen dann Schatz!“ Bill küsst mich zärtlich.
„Ja, ich komm dann und verabschiede mich noch von euch!“, flüstere ich zurück und grinse innerlich.
Ja und wie! Mein Plan wird klappen…ich weiß es!
„Gut…ich werde dich so vermissen!“ Er drückt mich fest und wieder steigt mir sein süßlicher Duft in die Nase.
„Bill, das kommt morgen!“, lache ich. Die Verabschiedung und der Plan kommen morgen.
„Ja, sorry ich weiß!“, lacht er zurück und lässt mich wieder los.
„Also dann!“, ich drehe mich um und gehe aus seinem Zimmer. Vielleicht das letzte mal? Werde ich dieses Zimmer nach morgen dann nicht mehr betreten? Gut möglich…
Unten läuft mir dann noch Tom über den Weg und ich schenke ihm ein warmes Lächeln.
„Ciao, bis morgen Jules!“, sagt er und ich nicke zustimmend.
Bis morgen…
Freudig und sehr gut drauf, gehe ich zu mir nach Hause. Ich hab noch einiges zu erledigen…

Später rufe ich dann noch Kit an.
„Ja?!“, meldet er sich und mir steigen fast schon Tränen in die Augen. Nein, Jules hör auf! Werd jetzt nicht so sentimental. Ich verdrehe die Augen.
„Hey Kit, na was geht?!“, frage ich mich aufgesetzt heiterer Stimme.
„Ach Jules, na? Was bist du denn so gut drauf? Haste mit Tom geredet?!“
Ich muss schlucken.
„Ja hab ich.“
„Und?!“, fragt Kit nach ein paar Sekunden der Stille nach.
„Also… er glaubt mir nicht!“, sage ich betont gleichgültig. Es ist mir jetzt ja auch egal. Morgen wird Tom schon sehen wie sehr ich ihn liebe. Nur ihn!
Kit hat es wohl kurz die Sprache verschlagen.
„Und das ist dir egal?!“
Ich grinse. Nicht so wirklich… aber ich habe ja jetzt meinen Plan! Aber ich werde ihn Kit nicht erzählen.
„Na ja ich kann es nicht ändern oder? Vielleicht glaubt er mir ja doch noch irgendwann“
Ja, morgen wird er mir glauben. Morgen muss er mir glauben.
„Aha!“ Okay ich kann verstehen, dass Kit misstrauisch ist. Wäre ja eigentlich jeder. Aber er muss es ja auch nicht verstehen. Er kann es auch gar nicht verstehen.
„Ja… du ich muss wieder schluss machen! Hab noch so einiges zu tun.“
„Was denn?!“
„Ach nichts Wichtiges!“ Doch, sehr wichtiges.
„Na ja okay!“
„Gut bye Kit, ich hab dich lieb!“ Das musste ich jetzt einfach loswerden. Er war schließlich immer für mich da und wollte mir helfen. Auch wenn ich es jetzt doch alleine hinbekomme.
„Äh, ja Jules ich dich auch!“, er klingt leicht verdutzt. Ist ihm ja auch nicht zu verübeln.
Ich lege jetzt auf und schmeisse das Handy beiseite.
Ich seufze zufrieden auf. Bald ist es soweit…
Nachdem ich dann mit allen Erledigungen fertig bin ziehe ich mich um und verschwinde im Bad. Mit festem Blick schaue ich mein Spiegelbild an. Ich zieh das durch! Ich schaff das…
Die einzige Möglichkeit glücklich mit Tom zu werden. Ich beweise ihm meine Liebe…
Mit einem fiesen Grinsen verschwinde ich im Zimmer.
Eigentlich werde ich Bill ja schon damit verletzen oder? Mhh… aber trotzdem anders würde Tom mir nicht glauben und Bill würde uns sowieso nie zusammen glücklich werden lassen.
Ich lege mich ins Bett und schlafe schon nach kurzer Zeit ein. Morgen…

ENDE ----> Teil 1

Am nächsten Morgen bin ich plötzlich hellwach. Es ist noch sehr früh, aber an schlaf ist jetzt sicher nicht mehr zu denken. Schließlich habe ich viel vor…
Langsam schäle ich mich aus der warmen Bettdecke und wanke zum Kleiderschrank.
Endlich ist es soweit…
Tom und ich
Ich fische mir ein paar Klamotten heraus und schlurfe ins Bad um zu Duschen. Alles ist perfekt geplant.
Das wird ein toller Tag! Da bin ich mir sicher…ganz sicher!
Nachdem ich geduscht habe ziehe ich mich an und föhne mir die Haare trocken. Ich muss mich schon etwas beeilen, weil die Jungs ja auch schon ziemlich früh los wollen.
Ich schminke mich noch und haste dann nach unten.
Mhh…noch was Frühstücken?
Nachdenklich stehe ich vor dem Kühlschrank. Nein eher nicht… ich hab ja noch zu tun.
Ich grinse in mich hinein und werfe einen Blick aus dem Fenster.
Der Van ist noch nicht da, also habe ich noch Zeit.
Mein Herz beginnt schon, etwas schneller als gewöhnlich zu klopfen doch ich ignoriere es. Jetzt bloß nicht nervös werden und doch einen Rückzieher machen! Das geht nicht. Jetzt ist schon alles geplant und ich muss das durchziehen! Anders geht es nicht…
Ich lehne mich mit dem Rücken gegen den Kühlschrank und atme beruhigend ein uns aus. Es wird schon alles gut gehen. Dann bin ich endlich glücklich…mit Tom. Bill wird es zwar nicht gut dabei gehen aber… ich werde davon wahrscheinlich eh nichts mitbekommen. Bin dann schon bei meinem Tom.
Ich drehe mich um und öffne den Kühlschrank und hole mir eine Red Bull Dose heraus. Zum Teil zur Beruhigung…
Als ich Motorgeräusche von nebenan höre schaue ich nervös aus dem Fenster. Der Van ist da!
Mit weichen Knien gehe ich nach draußen. Da ist der Moment… wenn jetzt etwas schief geht ist der ganze Plan im Eimer! Es muss einfach alles klappen…bitte!
Die Kaulitz´ sind schon vor dem Haus versammelt. Simone umarmt ihre Söhne nacheinander. Der Fahrer des Vans hievt das nicht leichte Gepäck der Zwillinge gerade ins Auto.
Es ist soweit.
Immer noch mit der, halb leeren, Red Bull Dose in der Hand gehe ich zu den Zwillingen.
„Hey schatz!“, Bill kommt sofort auf mich zugestürmt, kaum hat er mich erkannt. Ich muss leicht Lächeln. Es war schon eine schöne Zeit mit ihm - als ich ihn noch geliebt habe!
Er hat so was ja eigentlich nicht verdient. Ich habe ihn nicht verdient. Er braucht jemanden der ihn wirklich liebt! Nicht so wie ich…
„Man ich werde dich so vermissen!“, sagt er unter Tränen und drückt mich ganz fest an sich. Auch in meinen Augen sammeln sich einige Tränen, da es nun wahrscheinlich das letzte mal ist in Bills Armen zu liegen und liebe Worte von ihm zu hören. Er wird mich nach der Ausführung meines Planes sicher hassen! „Ich werde dich auch vermissen!“, hauche ich ihm zu.
Meine erste große Liebe…
Aber Tom ist nun mal meine große Liebe.
„Ich liebe dich, vergiss das nie!“ Nun tropfen mir doch ein paar salzige Tränen die Wange hinunter. Ich werde es nie vergessen…
Ich fühle mich richtig schlecht, weil es von mir sehr unfair ist, was ich mache. Dabei weiß ich ja nicht mal wirklich, ob Tom mich auch liebt. Aber wieso sonst hätte er mit mir geschlafen? Verdammt…
Egal ich muss es jetzt durchziehen! Es ist zu spät einen Rückzieher zu machen!
„Ich liebe dich auch Bill!“
Wenn auch auf eine andere Art und Weise. Du warst mir immer ein guter Freund.
Und die Zeit, als ich dich noch geliebt habe, war wunderschön.
Ich werde sie nie vergessen…egal was ich jetzt tue!
Ein letztes mal, lege ich ihm nun meine Lippen auf seine und genieße den Kuss. Seit Monaten genieße ich eine Zärtlichkeit von ihm. Weil ich weiß, dass es das letzte Mal ist.
Nie wieder…
Sanft lösen wir uns voneinander.
Nun wende ich mich an Tom.
Tom…
Mein Herz beginnt schneller zu pochen. Hoffentlich geht alles gut!
„Na komm schon her Jules!“, sagt er mit einem Grinsen und breitet die Arme aus. Freudig hüpfe ich zu ihm. Eine angenehme Wärme durchströmt mich.
Bitte, lass alles gut gehen!
Eng presse ich mich an ihn und atme seinen tollen Geruch ein.
Es ist das richtige was ich tue…ich weiß es!
„Bis bald!“, sagt Tom und lässt mich langsam wieder los. Ja, bis bald. Ich muss mir ein Grinsen verkneifen.
Immer noch halte ich die Red Bull Dose in der Hand.
„Willste noch n Schluck?!“, frage ich Tom. „Als kleine Stärkung vor der Fahrt?!“ Ich muss lachen. Tom grinst.
„Aber klar doch immer her damit! Von Red Bull krieg ich nie genug!“
Ich gebe ihm die Dose und er trinkt gierig ein paar große Schlücke. „Ja, ich weiß“, grinse ich zurück.
Ich weiß…
Er gibt mir die Dose wieder. „Hey!“, empöre ich mich. „Du hast ja fast alles leer getrunken!“
Tom sieht mich frech an. „Wie gesagt, von Red Bull krieg ich nie genug!“
Er kneift mir noch mal kurz in die Wange und steigt dann in den Van ein.
„Bis bald mein Schatz!“, sagt Bill noch mal und blickt mich traurig an. „Ciao!“, antworte ich nur und trete ein paar Schritte zurück.
Zusammen mit Simone blicke ich dem schwarzen Van hinterher. Okay soweit so gut.
Alles hat perfekt geklappt! Nun gibt es aber wirklich kein zurück mehr!
Der Plan hat begonnen… ich muss ihn zu Ende setzen!
Ich wende meinen Blick ab und drehe mich um. Schnurstracks ohne mich noch einmal umzusehen gehe ich nach Hause.
Ich hab noch zu tun…

Ende ------> Teil2

Mit jedem Schritt den ich meinem Zimmer näher komme, pocht mein Herz lauter. Ich werde es durchziehen…es ist besser so! Für mich…
Für alle? Nein… armer Bill.
Langsam öffne ich die Tür und betrete mein Zimmer. Da wäre ich. Und jetzt muss ich nur noch…
Langsam gehe ich zu meiner Stereo Anlage und mache die Musik an. Wieder dringt das Lied durch mich durch. Das Lied, was mich erst auf meinen Plan gebracht hat. Mein Lied…
I wish that I can tell you…
Der Anfang des Liedes…ich schließe kurz die Augen und lasse mir den Text durchgehen.
Ich würde dir gern sagen, wie sehr ich dich mag…
Unser Lied. Tom und meins!
Langsam gehe ich auf die Knie. Jetzt werde ich nicht mehr unglücklich sein. Tom und ich gehören zusammen. So ist es nun mal…und nicht anders!
Ich weiß es, ich spüre es.
I need to show, how much I love you, I need prove my heart is true!
Ich beweise dir jetzt wie sehr ich dich liebe. Jetzt musst du mir glauben! Du musst es einfach glauben…
Ich spüre wie mir Tränen in den Augen brennen. Jetzt musst du…
Und alles nur, weil ich dich liebe, und ich nicht weiß wie ich’s beweisen soll
Das Lied, es spricht mir förmlich aus der Seele. Ob auf englisch oder auf deutsch.
Ich liebe es…
…liebe es für meinen Plan!
I´m gonna show the world how much I love you!
Ja, ich werde zeigen wie sehr ich dich liebe. Mit dieser Tat hier!
Immer mehr Tränen sammeln sich und rinnen mir über die Wange. Tropfen vor mir auf den Boden.
Es geht einfach nicht anders. Du willst mir ja nicht glauben, du kannst es einfach nicht. Aber nun musst du einfach! Du kannst gar nicht anders, als nun endlich zu mir zu kommen..
Mein Blick fällt auf das Zeug, was vor mir liegt.
Langsam greife ich danach…
Komm ich zeig dir wie groß meine Liebe ist…
Durch hier die Tat wird Tom mir endlich glauben! Ich beweise ihm wie sehr ich ihn liebe…
Langsam setze ich die Flasche an. Ein bissiger Geruch steigt mir in die Nase.
Ich unterdrücke ein Würgen und beginne gierig zu trinken. Zusammen mit noch etwas…
I´m gonna kill myselfe for you!
Nur für dich Tom, nur für dich! Weil ich dich liebe….nur dich! Jetzt musst du mir glauben, glaubst du mir jetzt? Tust dus endlich?
Die Tränen brennen mir in den Augen. Unaufhaltsam laufen sie mir über die Wange. Immer mehr…
Glaubst du mir jetzt?
Komm ich zeig dir wie groß meine Liebe ist, und bringe mich für dich um!
Glaubst du mir? Können wir nun zusammen sein? Nur wir beide? Ohne Bill?
I´m gonna show the world, how much I love you, I´m gonna kill myselfe for you!
Mein Blick verklärt sich. Alles um mich herum beginnt leicht zu verschwimmen. Ist es nun so weit? Können wir zusammen sein? Sagst du mir nun auch endlich, was du für mich fühlst?
Kommst du zu mir?
Wenn es gleich so weit ist…nur du und ich. Nur wir beide. Und unsere Liebe.
Endlich zusammen…
Komm ich zeig dir wie groß meine Liebe ist, und bringe uns beide um!
Ein kleines schwaches Lächeln ziert meine Lippen. Red Bull… es ist dein Lieblingsgetränk doch nun ist es dir zum Verhängnis geworden! Hast du es nicht gemerkt? Nicht geschmeckt?
Weißt du was ich getan habe?
I´m gonna show the world, How much I love you, yes I´m gonna kill me and you!
Kommst du nun endlich? Zeigst du mir auch, wie sehr du mich liebst? Jetzt, wo du mir glaubst? Wo wir endlich zusammen sind? Nur wir beide?
So endet es nun also, mit mir und Bill. Aber es ist auch ein Neuanfang. Du und ich.
Tom und Jules.
Ich nur mit dir.
Langsam verschwindet mein Grinsen. Alles dreht sich. Die Tränen versieben langsam.
Während im Hintergrund die letzten Takte von All For The Sake Of Love laufen fallen mir langsam die Augen zu.
Alles Aus Liebe!


ENDE

Gratis bloggen bei
myblog.de